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Autor Thema: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker  (Gelesen 3968 mal)

AAAZZZ

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Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« am: 10. September 2018, 15:36:55 »
Wenn man im Wiki nach ihm guckt wird er oft als Referenz angeführt, dabei scheint er selbst etwas abgedriftet zu sein,
Vergleiche dazu Wikipedia, Wirken und Kritik https://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Pollmer

Scipio

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #1 am: 22. September 2018, 21:37:17 »
Wenn man im Wiki nach ihm guckt wird er oft als Referenz angeführt, dabei scheint er selbst etwas abgedriftet zu sein,
Vergleiche dazu Wikipedia, Wirken und Kritik https://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Pollmer

Ja das würde hier auch schon mal angeführt. Man wird bei ihm wohl gründlich prüfen müssen, was von seinen Aussagen stimmt und was nicht.

Kapuzino

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #2 am: 23. November 2018, 11:02:55 »
Zitat
dabei scheint er selbst etwas abgedriftet zu sein

Aus der verlinkten WP-Kritik kann ich nichts Abgedriftetes herauslesen.

Ich hatte Pollmers Sprachduktus immer als genau so polemisch verstanden, wie er klang.
Dass er in der Vortragsart auch emotional Akzente setzt gegen die Gesundheitshysterie ist eine große seelische Hilfe inmitten einer Welt, in der man denkt, dass fast alle durchgeknallt sind.
"plakativ und medienwirksam" würde ich daher als Kompliment lesen.

So hab ich auch seine Aussagen vestanden in der Richtung "Wer gesund isst, stirbt früher."
Er meinte damit das sich daran heiß machen, sich und sein Umfeld psychisch unter Druck setzen, soziale Beziehungen belasten, Phobien vor Fett und anderen "schädlichen" Stoffen entwickeln, Erleben und Genuss einschränken  etc..
In meiner Erinnerung hatte er immer bei den angeführten Studien darauf verwiesen, was diese bis dato tatsächlich hergeben und was Gesundheitsapostel und Ernährungsberater da bereits herauslesen wollen.

Bei Vollkornprodukten hatte er stets darauf verwiesen, dass diese oft Blähungen und Unwohlsein erzeugen und der Nährstoffgewinn bei einer üblichen Normalkost in Mitteleuropa gar keiner ist.

Unschön (oder kennzeichned?) in dem WP-Absatz ist u.a., dass hinter dem Verweis auf den aktuellen "Stand der Wissenschaft" nur der Artikel "Stand der Wissenschaft" verlinkt ist.
Was die " Deutsche Gesellschaft für Ernährung" so alles empfiehlt, ist nun auch nicht unbedingt eine Referenz dagegen. Ich erinnere an die Pyramide.

Wenn gesagt wird "Die von Pollmer angegebenen Studien würden verschiedene Aspekte nicht berücksichtigen, was die Daten verfälsche." wäre das der eigentlich interessante Aspekt. Den hätt ich gern geklärt gewußt. Was berücksichtigen die Studien nicht und inwiefern verfälschen sie dadurch?

K.



Sauropode

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #3 am: 23. November 2018, 11:37:38 »
Da gebe ich Dir Recht. Nur muss ich dahingehend einschränken, dass Pollmer sich im Eifer des Gefechts zu Aussagen hinreißen lässt, die z.T sogar falsch sind. Und damit ist er dann keine Argumentationshilfe mehr.
Die schlimmste Idee ist die einer besseren Welt.

Groucho, Du fehlst!

Typee

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #4 am: 23. November 2018, 17:20:20 »
Da gebe ich Dir Recht. Nur muss ich dahingehend einschränken, dass Pollmer sich im Eifer des Gefechts zu Aussagen hinreißen lässt, die z.T sogar falsch sind. Und damit ist er dann keine Argumentationshilfe mehr.

Manchmal geht die schiere Rauflust, der Spaß an der Provokation, mit ihm durch. Den Punkt aufzuspüren, wo dies der Fall ist, das ist die Kunst des Pollmerns.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Typee

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #5 am: 23. November 2018, 17:30:14 »
Mal ein Beispiel für seltsamen Spaß an der Provokation aus jüngerer Zeit:

Da bestreitet er, dass Kohle- und Mineralöl-Lagerstätten fossile Reste von kohlenstoffbindender Vegetation sind. Stattdessen verweist er auf Methanvorkommen auf anderen Himmelskörpern ohne Vegetation, namentlich Monde großer Planeten. Begründung allgemein: man finde in großer Tiefe solche Lagerstätten, insbesondere auch unter geologisch älteren Gesteinsschichten. Außerdem komme "Petroleum", also Steinöl (tatsächlich eine vor längerer Zeit gebräuchliche Vokabel) von "Petros", dem Stein.

https://www.euleev.de/lebensmittel-und-ernaehrung/brotzeit-videos/896-brotzeit-erdoel-ein-nachwachsender-rohstoff

Dass es entlang der Ränder tektonischer Platten große Subduktionszonen gibt, die solche Tiefenvorkommen zwanglos erklären, weiß er nicht oder er verschweigt es. Das letztere wäre ein ganz ungutes Erzählungsmuster, das eigentlich eines Flacherdlers würdig wäre. Das erstere wäre auch nicht viel besser.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Sauropode

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #6 am: 23. November 2018, 17:40:32 »
Oder dass Kinder deswegen Pommes mögen, weil durch das Frittieren das Solanin in den Kartoffeln zersetzt wird. Oder das Süßstoffe dick machen. Ich habe mir, als ich viel Zeit hatte, den Pollmer mal intensiver zu Gemüte geführt. Da gabe es einige solcher Tretminen. Ich meine, das hat er doch nicht nötig, sich damit unglaubwürdig zu machen.
Die schlimmste Idee ist die einer besseren Welt.

Groucho, Du fehlst!

Belbo

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #7 am: 24. November 2018, 00:27:34 »
Oder dass Kinder deswegen Pommes mögen, weil durch das Frittieren das Solanin in den Kartoffeln zersetzt wird. Oder das Süßstoffe dick machen. Ich habe mir, als ich viel Zeit hatte, den Pollmer mal intensiver zu Gemüte geführt. Da gabe es einige solcher Tretminen. Ich meine, das hat er doch nicht nötig, sich damit unglaubwürdig zu machen.

Ich befürchte, dass er es, auf welcher persönlichen Ebene, manchmal einfach nötig hat.

Kapuzino

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #8 am: 24. November 2018, 11:09:29 »
Zitat
Mal ein Beispiel für seltsamen Spaß an der Provokation aus jüngerer Zeit:

Danke für den Link. Die EULE-Seite war mir bisher entgangen. Ich hatte Pollmer schon Jahre nicht mehr gehört / gelesen und konnte (kann) gar nicht mehr aufhören. Das ist so was von erfrischend.

Um so erschreckender die Erdölgeschichte. Man kennt das ja von Leuten, die sich auf fremde Fachgebiete begeben, also auf potenzielles Glatteis. Aber wieso sagt ein Chemiker, dass im Erdinneren organische Substanzen als Plasma vorliegen?
Dass die fossilen Kohlebäume in den Sumpf gefallen sind, fand ich schon in der Schule plausibel.
Und Zweifel daran, dass Ukraine und Weißrussland dank solcher Forschung erfolgreiche Gasexporteure sein sollen, kann man leicht ergooglen. Ebenso den strittigen Thomas Gold, den ich nicht in Verbindung mit Schwarzen Löchern, nur Neutronensternen gefunden hab.

Das kann doch nur ein bewusster und dreister Hoax sein, um Leichtgläubige nach üblichem Muster mal richtig zu verarschen, oder?
Wenn das aber kein Joke sein sollte, stellt das einiges in Frage, was Pollmer sonst so kommentiert.
Sachlich hätte er abiotisches Erdöl zumindest als nicht abschließend geklärte Frage darstellen müssen.

Sauropode, kannst Du noch ein paar von den "Tretminen" anführen? Um Pollmer in Debatten als Referenz anzugeben, würd ich gern besser einschätzen können, welcher Art sein Übergang zur Spekulation ist.

K.

Kapuzino

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #9 am: 28. November 2018, 04:05:35 »
Die erste "Tretmine" hab ich schon gefunden.
https://www.euleev.de/images/Audio/042P_EULE_Ohne_Konservierungsstoffe.mp3

Pollmer spricht davon, dass Chlorhühnchen aufgrund eines höheren Chlorgehaltes im US-Trinkwasser zustande kommen.

Der Kurier  meint aber:
"Nach dem Schlachten und Ausnehmen werden die gerupften Hühner durch ein eiskaltes Chlordioxid-Bad gezogen, um sie zu desinfizieren."
https://kurier.at/genuss/freihandelsabkommen-ttip-was-ist-ein-chlorhuhn/71.249.733

Wann und warum das Chloren von Hähnchen in der EU verboten wurde, hab ich auf die Schnelle nicht gefunden.
Nur dass die Chlorbehandlung wohl nur begrenzte Wirksamkeit hat.
"Die Erfahrungen in den USA stellen zudem die Effektivität der Chlorbe­hand­lung in Frage: Salmonellen verursachen dort laut der US-Behörde für Krank­heits­kontrolle und Prävention (CDC) jedes Jahr geschätzt 1,2 Millionen Erkrankungen mit 450 Todes­fällen."
(https://www.test.de/Chlorhuehnchen-Die-Hygiene-ist-entscheidend-4722748-0/)

K.

Sauropode

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #10 am: 28. November 2018, 11:10:45 »
@Kapuzino, ich habe mir die Filmchen angeschaut. Da wird man fündig. Habe mir aber nicht gemerkt, welche das waren.
Die schlimmste Idee ist die einer besseren Welt.

Groucho, Du fehlst!

MrX

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Re: Udo Pollmer - Lebensmittelchemiker
« Antwort #11 am: 10. Februar 2020, 01:10:54 »
Ich habe Pummelpollmer und seinem Propagandaverein einen RationalWiki-Artikel(entwurf) gewidmet, wobei ich mich zu einem großen Teil auf mutmaßlich originelle Thesen/Argumente konzentriert habe (Soja-Geschichtsklitterung etc.) statt auf Sachen, die er anderen nachplappert (Elektrokultur, abiotisches Erdöl etc.). Kommentare sind unter EU.L.E.-Videos natürlich deaktiviert und auf seiner Facebook-Präsenz sind kritische Kommentare schon mal verschwunden (darunter welche von mir, die ich nicht selbst gelöscht habe).

Übrigens bestreitet er, dass Vitamin-C-Mangel Skorbut verursacht, und meint, bei Krebs handele es sich „offenbar um ein ausgefeiltes Anti-Aging-Programm der Natur, dem wir etwas mehr Respekt zollen sollten“.

Zitat von: Lügenpollmer
In den 70er Jahren wurden zur endgültigen Klärung in einer Klinik in Iowa sechs Freiwillige 99 Tage lang Vitamin C-frei ernährt. Doch die blieben gesund. So ein Pech aber auch!

So ein Pech aber auch, dass daran gleich drei Dinge falsch sind. Die entsprechende Publikation in der Literaturliste stammt aus dem Jahre 1969, das war also nicht in den 70er Jahren – war das ein absichtlicher Fehler, damit die Studie nicht so leicht zum Gegenchecken gefunden wird? Wie dem auch sei, ich habe keinen Zugang zum Volltext, aber in einem Buch etwas dazu gefunden:

Zitat
Baker and his groups studied in 1969 the development of scurvy in six male volunteer prisoners in the state of Iowa, USA and their experiment is known as the Iowa study. […] They placed prisoners B, Y, L, N, K, and S for 99 days on a vitamin C-free, liquid diet, balanced with other nutrients, and administered by means of a gastric tube. […] Prisoners B and Y escaped on day 54, so they were left with four prisoners. […] Within 10 days of strict deprivation of vitamin C, hyperkeratosis was present in three of the four prisoners, three had gum swelling or gum congestion or both, one had bleeding gums and two had papillary swelling. After 90 days of depletion all four prisoners had hyperkeratosis but only three had developed conjunctival lesions of clinical scurvy.

Zwei der sechs Personen sind schon am 54. Tag entflohen und es ist auch nicht der Fall, dass die verbliebenen vier keine gesundheitlichen Schäden davontrugen. Wieso veröffentlicht Deutschlandfunk Kultur diesen Schund? Sollte man nicht wenigstens skeptisch werden, wenn so eine außergewöhnliche These („Mär vom Skorbut“) aufgestellt wird?

Zitat von: EU.L.E.n-Spiegel (der Name passt wenigstens), Nr. 1 / 2016
In der Fachwelt gilt der „Klimawandel“ als der größte Wissenschaftsbetrug des letzten Jahrhunderts. „Klima“ ist ein Konstrukt, eine Statistik von willkürlich ausgewählten Wetterdaten einer geographischen Region. Tatsächlich ist es vor allem von der Sonneneinstrahlung und der Wolkenbildung abhängig. Langfristig entscheiden die Aktivität unseres Zentralgestirns und der Vulkanismus der Erde über Kalt- und Warmzeiten und nicht „Klimagase“. Es ist anmaßend und überheblich zu glauben, der Mensch habe einen nennenswerten Einfluss darauf, und „Klimaschutz“ ist schon vom Begriff her Unsinn.

Scheiße labern und sich auf „die Fachwelt“ berufen, wer braucht schon nachvollziehbare Belege? Beim Begriff Klimaschutz stellt er sich dumm bzw. verkauft seine Leser für dumm, es ist doch klar, was damit gemeint ist.

Natürlich kann man in dem, was Polterpollmer absondert, ein Fünkchen Wahrheit finden (etwa dass Diäten schieflaufen können oder Megadosen an Vitamin C keine gute Idee sind), das gilt aber für allerlei Scharlatanerie. Wenn er zum Beispiel meint, man könne gar nicht zu viel Salz erwischen, da der Durst schon alles regelt, kann das nicht entschuldigt werden mit „Och, das ist ein rhetorisches Stilmittel, eigentlich will er nur vor einer zu salzarmen Kost warnen“ (und wenn jetzt jemand daherkommt und sagt, man solle Salz komplett meiden, ist das dann auch nur eine rhetorische Übertreibung und gemeint ist eigentlich, man solle nicht zu viel essen??).

Ich habe den Eindruck, dass er bestimmte Sachen wie Fleisch/Fastfood/Zucker pushen will und dafür Argumente bringt, die unterschiedliche Annahmen bedienen. Zum Beispiel gelten Ballaststoffe als gesund, entsprechend sagt er: „Wenn Sie Ballaststoffe essen wollen, kaufen Sie eine Thüringer Bratwurst, da ist mehr drin als im Obst.“ Auf der anderen Seite gelten Fleischwaren als ballaststoffarm, entsprechend sagt er: „Obst und Gemüse sind nicht gesund, sie sind essbar. [...] Wir Menschen sind nicht auf grosse Mengen Ballaststoffe eingestellt.“ Äh, ist Wurst jetzt eigentlich wegen der Ballaststoffe gut oder weil wir gerade NICHT auf große Mengen Ballaststoffe eingestellt sind? Oder: Übergewicht gilt als ungesund, entsprechend stellt er Süßstoff als Dickmacher hin, empfiehlt stattdessen Zucker. Andererseits befürchtet man, von zu viel Kalorien zuzunehmen, entsprechend wird es von ihm als vorteilhaft hingestellt, „etwas zuzusetzen“ zu haben.

Über seine Kollaborateure wie Uwe Knop könnte man auch so einiges schreiben; aus einer Amazon-Rezension:

Zitat
Die Kuriosität in Knops Buch „Gute Carbs“ besteht darin, dass er häufig genau jene Studien zur Untermauerung seiner Hypothesen nutzt, deren unzulängliche Qualität er im ersten Kapitel kritisiert hat. […] „Wir füllen sozusagen die negative Waagschale mit Studiensand, um ein Wissensgleichgewicht zu erzeugen.“ Immerhin hat Knop damit die Einseitigkeit seines Buches klar ausgesprochen. […] Quelle [2] ist eine Querschnittsstudie, also eine simple Momentaufnahme, die prinzipiell nicht zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden kann. So findet sie bei KINDERNmit hohem Fast-Food-Verzehr einen höheren BMI (was Knop verschweigt), bei JUGENDLICHEN jedoch findet sie bei hohem Fast-Food-Verzehr einen leicht niedrigeren BMI (was Knop als Beleg für die Harmlosigkeit von Fast Food angeführt). Die Autoren selbst merken an, dass möglicherweise auch ein „reverse-causation-bias“ vorliegen könne, dass also gerade Jugendliche, die sich ihres Übergewichts bewusst geworden sind, tendenziell einen geringeren Fast Food-Konsum angeben.