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Krise in der Ukraine

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Begonnen von RPGNo1, 18. Februar 2022, 18:04:53

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Daggi

Da es im Interview auch um (fehlende) Drohnen geht: Russland will wohl 1000 Drohnen im Iran bestellen. Nicht so kleine Quadrkopter, sondern in der Bayaktar-Liga. Hörte ich gestern bei CNN.
DIUT-DEUTSCH-PERSONAL-Schafs-Vieh(R) und erfahrenes Naturwesen

Max P

Zitat von: Daggi am 14. August 2022, 20:36:01https://konflikteundsicherheit.wordpress.com/2022/08/14/russischer-verteidigungsexperte-ruslan-puchow-im-interview-zum-ukraine-krieg-ungleicher-kampf-der-gladiatoren/
Interviewpartner Ruslan Puchow, Datum heute 14.8.22

Ja nee, is klar:

ZitatIch weiß eines: Im Gegensatz zu den Ukrainern sind wir mit Samthandschuhen in die militärische Spezialoperation gestartet. Das heißt, wir wollten sicherstellen, dass keine Einheimischen zu Schaden kommen. Wir haben die Feindseligkeiten als eine Art ritterliches Duell eröffnet. Dies ist jetzt, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein dreckiger Kampf in einer Gasse, in der es keine Regeln gibt.
:crazy

RPGNo1

Zitat von: Max P am 14. August 2022, 21:19:45Ja nee, is klar:

ZitatIch weiß eines: Im Gegensatz zu den Ukrainern sind wir mit Samthandschuhen in die militärische Spezialoperation gestartet. Das heißt, wir wollten sicherstellen, dass keine Einheimischen zu Schaden kommen. Wir haben die Feindseligkeiten als eine Art ritterliches Duell eröffnet. Dies ist jetzt, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein dreckiger Kampf in einer Gasse, in der es keine Regeln gibt.
:crazy


Der Autor des Blogs, Roger Näbig, hat die passende Antwort gegeben. Obwohl ich denke, dass Puchows Kommentar eher als eine taktische Absicherung dient, um sich nicht zu sehr den Zorn der russischen Führungsspitze auszusetzen. Ich habe da nämlich den russischen Ex-Offizier im Sinn, der in einer Talkshow vor Wochen sehr kritisch die Kriegsführung hinterfragt hat und kurz darauf einen öffentlichen Kotau leisten musste, um Schaden von sich abzuwenden.

ZitatDie Ungeheuerlichkeit dieser Aussage, in dem ansonsten eher nüchternen Interview, verschlägt mir persönlich die Sprache. Sich als Aggressor in einer Opferrolle zu sehen, einen Angriffskrieg als ,,ritterliches Duell" zu bezeichnen und eigene mutmaßliche Kriegsverbrechen indirekt damit zu rechtfertigen, dass die Ukraine ihre Verteidigung als dreckigen Kampf in einer Gasse ohne Regeln führe, lässt nur den Schluss zu, dass für die Ukraine ein Verhandlungsfriede mit Russland noch in weiter Ferne liegen dürfte.

Ansonsten ist das Interview von einer erstaunlichen Offenheit, welches viele Schwachpunkte der russischen Armee und Kriegsführung deutlich aufzeigt. Innenpolitisch heikle Punkte, wie z.B. die Verantwortung Putins für den Krieg und dass die allgegenwärtige russische Korruption viele der Defizite in der Armee heraufbeschworen hat, werden umgangen. Diese heißen Eisen wollte Puchow nicht anfassen. 

Ergänzung: Roger Näbig nimmt sich zum Schluss auch des Schreibtisch-Generals Vad oder Professor Varwicks an, die sich als besonders eifrige Verteidiger der These gezeigt haben, dass die Ukraine militärisch keine Chance gegenüber Russland habe bzw. dass westliche Waffenlieferungen sinnlos seien. Dafür gibt es ein  :2thumbs:

sailor

Das mit den Samthandschuhen ist reiner BullSh*t, eine Ausrede dafür, dass man sich mit der Feindbeurteilung und Planung komplett verhauen hat.

Zu den Drohnen aus dem Iran: Der Iran präsentiert alle Nase lang neue Drohnen aller Gewichtsklassen... meistens einzeln oder Kleinserie, oftmals nur "rumstehend" bei Mullah-Besuchen in Fabriken. Einige davon fliegen vieleicht, aber der Iran hat genauso Probleme, ausländische Spezialteile zu bekommen wie russland. Dazu ist der Iran dafür bekannt, "interessante" Eigenentwürfe bei Wehrmaterial zu basteln, die aber nie in Masse bei der Truppe ankommen.

Die Frage für mich ist: Kann der Iran überhaupt schnell 1000 Drohnen liefern? Eher nicht. Und sind diese Drohnen überhaupt nützlich? Eher nicht, da die Technik improvisiert und die QS grottig sein dürfte. Dazu kommt, dass die USA bereits sehr viel über diese Drohnen wissen und gelegentlich in Kiew Unterlagen verlieren^^

Scipio 2.0

Lässt sich abschätzen, was Russland noch an Ressourcen (Truppen, Material, Nachschub) zur Weiterführung des Krieges zur Verfügung steht?

Es gab wohl schon Berichte, dass die heimische Industrie Schwierigkeiten habe den Bedarf der Armee zu decken. Leider finde ich die Meldung nicht mehr.

RPGNo1

Zumindest die Panzerfabrik Uralwagonsawod musste ihre Produkte wegen fehlender Zulieferung einstellen.

https://www.derstandard.at/story/2000137666101/die-sanktionen-wirken-aber-nur-auf-die-russische-wirtschaft

Russland hat wohl auch schon Rüstungsgüter, die eigentlich für ausländische Kunden gedacht waren, in die eigene Armee umgeleitet, um die schweren Verluste auszugleichen.

Max P

Zitat von: RPGNo1 am 15. August 2022, 06:49:57Der Autor des Blogs, Roger Näbig, hat die passende Antwort gegeben.

Ah, danke, diese Bemerkungen hatte ich gar nicht mehr gelesen.

sailor

@Scipio: Das Abschätzen ist schwer, es handelt sich um eine "Front", die einerseits zu kurz ist, um irgendwo nicht zu existieren, andererseits zu lang als dass es nur wenige angriffsmöglichkeiten gibt. Das faschistoide russland hat die menschlichen und materiellen Ressourcen, diesen Konflikt weiter zu führen, da das Regime den Willen dazu hat. Ich meine damit: Für putin ist es egal, WAS er in den Konflikt wirft, solange er ihn am Laufen hält. Militärische Erwägungen spielen da keine große Rolle, das was man von den russen mittlerweile sieht ist militärisch erschütternd. Der Koloss bewegt sich noch, weil er Masseträgheit hat, nicht wegen Qualität, Finesse oder Können. russland kann auf Jahre seine verzweifelten Menschen dort verheizen, für die Herstellung einfacher Waffen reichts auch und putin wird nicht hinschmeißen...

Mit anderen Worten: Solange die Ukrainer die russen nicht richtig in den Arsch treten wird russland die Ressourcen finden, um weiterzumachen.

Max P

Was könnte "richig in den Arsch treten" denn konkret bedeuten, außer mehr und schneller als bisher wirksame Waffen zu liefern? Und liegt die bisher zumindest von außen so erscheinende, mehr oder weniger zögerliche Haltung des Westens eher an politischen Kalkülen oder eher an realen Produktions- und Lieferschwierigkeiten?

sailor

Ich sehe es so, dass man auch ohne "mehr Panzer" in die Offensive gehen KÖNNTE; was allerdings auch mit Verlusten verbunden wäre. Derzeit fährt die Ukraine eine Strategie, welche ihre Verluste minimiert... weil sie es auch östlich des Dnipro können und vor dem Donbas auch ausgebaute Stellungen haben. Hinsichtlich Manpower und Motivation sind die Ukrainer überlegen und mittlerweile haben die russen nicht mehr überall genug Truppen. Meiner Kenntnis nach werden insbesondere nur noch Schlüsselbereiche massiv verteidigt. Die Ukraine hat aber auch den Nachteil, dass sie überall verteidigen können muss, so auch vor Kiew und Charkiv... dazu müssen Transnistrien und belarus in Schach gehalten werden. Das ist das grundsätzliche, man muss sich über die Kosten einer Offensive an Ort X zum Zeitpunkt y klarwerden und fragen, ob es diese Kosten wert ist. Ich hätte nach "alter" Logik viel früher mit begrenzten Gegenschlägen gerechnet (Mai/Juni), weil "damals" die Territorialkräfte in der Lage waren, Verteidigung zu übernehmen und die mechanisierten Einheiten freizustellen, um eben das zu tun. Aber die Ukrainische Führung hat sich anscheinend anders entschieden und wird dafür ihre Gründe haben.

Zu den westlichen Waffen: An beidem. Das politische Kalkül zielt auf "nach dem Krieg" ab, man meint, dass man mit Kampfpanzern aus dem Westen die letzten Brücken abreisst. In meinen Augen dämlich, weil wenn russland nicht verliert gibts kein "nach dem Krieg". Die Lager sind leer, zumindest die BW wurde beim schweren Gerät runtergewirtschaftet, weil der Militärhaushalt eher zum Löcherstopfen gegeignet war als zum Re-Invest. Dazu gab es im BT genug Feinde von "heavy metal", das hat auch heute noch Auswirkungen auf das Führungspersonal der BW. In den jetzigen Strukturbesprechungen werden die Ideen der letzten 10 Jahre perpetuiert, da sollen auf einmal "mittlere Einheiten" her (Infanterie auf Radfahrzeug BOXER mit Feuerunterstützung durch Nicht-Kampfpanzer). Total irre, dieses Konzept geht bei den russen (BTR, Motschützen) nicht auf und bei den Amis (Marines, LAV) auch nicht. Solche Einheiten können ein bisschen Ausland und ein bisschen Landesverteidigung, werden aber im Gefecht gegen MBT mit mechanisierter Infanterie und ordentAri einfach nur verglühen. Trotzdem will man die JETZT noch aufstellen, weil Boxer billiger als Puma^^ Gerät ham wa also derzeit nicht, zur Produktion: Rüstung ist keine Massenproduktion mehr, sondern Klein(st)-Serie. Um einen Kampfpanzer zu fertigen braucht man über ein Jahr. Nicht weil es so kompliziert ist, sondern weil keine Teile da sind. Die müssen bestellt, gebaut und geliefert werden. Jetzt wurden bspw. 20 Motorblöcke (Motor+Getriebe als Schnelltauschblock) für Leo2 geordert als "Sofortverbesserung der Umlaufreserve" die sollen bis spätestens Sommer 23 geliefert werden... daran sieht man den Vorlauf. Dazu kommen derzeit die Verfügbarkeit von Spezialmaterialien und Arbeitskräften. Deshalb ärgert mich maßlos, dass man nicht im März, mit der Ankündigung 100Mrd gleich bestellt hat... dann wären die ersten Panzerwannen jetzt vieleicht am abkühlen^^

Scipio 2.0

Die 100 Mrd versinken doch meines Wissens nach eh in Projekten MGCS und FACS. Das kommt doch nicht direkt der Truppe zugute.

Max P

Was ist eigentlich mit der Idee, einen Raketenabwehrschirm zu errichten, nach israelischem Vorbild? Das ging nach Kriegsbeginn mal kurz durch die Medien.

sailor

@Scipio: Quark, das sind beides Kampfdingsbums, das geht in D jaaa gaaaaar nicht! Ausserdem verdienen daran weder die Länder, noch Berater, noch MBTs... nein, die 100Mrd werden jetzt auf den Spielwiesen verpulvert, die die letzten 10 Jahre nicht gegossen werden konnten...

@Max P. Das ist Unsinn. Die Israelis haben eine sehr begrenzte, technisch überschaubare Bedrohung. Es handelt sich um ungelenkte Raketen oder Granaten, die aus abgegrenzten Gebieten auf bekannten Pfaden kommen. Iron Dome wurde speziell dafür geschaffen. Das ist im Grunde keine militärische Bedrohung, da Iron Dome selbst nicht bekämpft wird und die Terroristen auch nur zivile Flächenziele treffen wollen. Hier gab/gibt es Ansätze, einen militärischen Schutzschirm, beweglich draus zu machen. Ist aber schwer, weil man Aufklärung(Radar, IR), Führung und Waffen auf Fahrzeuge packen müsste, am besten alles auf einem... Die Israelis lösen das mit vielen festinstallierten Stellungen und haben dadurch Abdeckung und Redundanz. Für D besteht da kein Bedarf, schon gar nicht, wenn man Dichte und Kosten nimmt...

Darüber hinaus hat Israel einen Schutzschirm gegen Langstreckenraketen (der Iran lässt grüßen). Hier muss die BW ran, Patriot veraltet langsam und eine Abwehrwaffe "für alles" ist schwierig zu bauen. Im Grunde braucht man ein "großes System" welches mit viel Reichweite ballistische Raketen, Flugzeuge und vieleicht noch Marschflugkörper bekämpfen kann... die letzteren beiden quasi nur bei hohem, geradlinigen Flug. Gegen manövrierfähige Lenkwaffen, Stealthflugzeuge etc. braucht man ein kleineres System mit wendigeren Flugkörpern. Da sucht die BW schon länger und kommt nicht aus dem Knick (wahrscheinlich wegen politischer Nickrigkeiten).

Insgesamt: Eine 100% Abdeckung Deutschlands wirds nicht geben. Allerdings sollte man über halbstationäre Systeme um Ballungszentren und Großstädte nachdenken, wo im Spannungsfall die Systeme in festen Stellungsräumen unterkommen können... mit autarker Versorgung und Unterkünften für die Bedienung (damit der 24/7-Dienst gesichert wird). Für größere Flug- und Seehäfen sollte man sowas permanent haben (Hamburg, Kiel, Rostock, Berlin, Dresden/Leipzig).

Daggi

Russland ist doch in der Waffenentwicklung ganz vorne dabei:   https://twitter.com/i/status/1559179458329956354
DIUT-DEUTSCH-PERSONAL-Schafs-Vieh(R) und erfahrenes Naturwesen

RPGNo1

ZitatWladimir Putin hat auf einer Rüstungsmesse in der Nähe von Moskau die Beziehungen zu Ländern in Lateinamerika, Asien und Afrika gelobt und ihnen fortschrittliche Waffentechnologie in Aussicht gestellt. »Wir sind bereit, unseren Verbündeten die modernsten Waffentypen anzubieten«, sagte Putin. Dabei nannte der russische Präsident Kleinwaffen, gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie sowie Kampfflugzeuge und unbemannte Flugkörper. Putin pries die Waffensysteme mit den Worten an, dass fast alle von ihnen »mehr als einmal in realen Kampfhandlungen eingesetzt worden« seien.
:rofl2

https://www.spiegel.de/ausland/russland-ukraine-news-am-montag-russland-bereitet-laut-britischem-geheimdienst-annexion-von-donezk-vor-a-91c1193f-4e91-4e97-a56b-77bdfff4d730

Was Valdolf Putler nicht erwähnt: Die "modernsten Waffentypen" existieren (a) nur in kleinsten Stückzahlen sowie oder als Prototypen und (b) können aufgrund der Sanktionen aktuell nicht produziert werden. Die aufgezählten Waffensysteme haben sich zum großen Teil als technisch veraltet erwiesen, wurden von der ukrainischen Armee verschrottet und warten nun auf ihre Recycling. Altmetall ist weltweit begehrt.  :grins