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Krise in der Ukraine

Begonnen von RPGNo1, 18. Februar 2022, 18:04:53

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RPGNo1

Ich brauche den Ratschlag der Community. Auf stern.de ist folgendes Interview mit Nina Chruschtschowa, der Urenkelin des sowjetischen Führers Nikita Chruschtschow erschienen.

https://www.stern.de/politik/ausland/russland-expertin---die-usa-haben-groesseres-interesse-an-einer-russischen-invasion-als-putin--31632222.html

Als ich den Text gelesen habe war ich ratlos, erschrocken und entsetzt zugleich. Grob zusammengefasst: Chruschtschowa hat keinerlei Sympathie für Putin, sieht die USA aber doch als DEN großen Marionettenspieler und Strippenzeiher, der die Krise zu purem Eigennutz orchestriert und die Geschehnisse manipuliert.

Das klingt nicht nur wie eine Räuberpistole, sondern wie ein allumfassender Verschwörungsmythos vor der Art, wie er hier auf Psiram oder z.B. dem gwup-Blog immer wieder diskutiert wird. Ich bin für jeden Input zum Thema, insbedondere auch über Nina Chruschtschowa, dankbar. Der Wikipedia-Eintrag über sie ist leider nicht sher aussagekräftig.

https://en.wikipedia.org/wiki/Nina_L._Khrushcheva

Scipio 2.0

Klingt für mich nach "Ostblocksozialisation" bei meiner Verwandtschaft aus der DDR ist die USA grundsätzlich für alles übel verantwortlich, auch weit jenseits von dem was sie tatsächlich verbockt haben.

Sie müsste für solche Behauptungen irgendeine Form von Belegen bringen aber ich vermute mal, dass tut sie nicht.

sailor

Der Stern manipuliert hier auch hübsch: am 16. ist an der Grenze nicht alles ruhig geblieben, die Zahl der Artillerieschläge und Schusswechsel häufen sich. Dazu kommen schwere Waffen zum Einsatz, die eigentlich nach Minsk dort verboten sind (Artillere mit Kaliber größer 100mm).

Die Dame ist doch daneben:

-"Angefangen" hat Putin mit dem Zusammenziehen von bisher 150.000 Mann aus ganz Russland. Dort begann diese Krise... und man erkennt auch am Zeitpunkt die Urheberschaft Russlands, normalerweise wurde solche Großmanöver im Herbst durchgeführt. Dez-Februar sind untypisch, weil auch das russische Weihnachtsfest da drin liegt.

- Die persönlichen Motive werden nicht näher beschrieben. Hier ist die Dame auf Linie mit der üblichen russischen Propaganda, da "hasst" einfach irgendwer Putin und will ihm deshalb schaden... sehr Chrustchowig ;)

- Die Analyse bezüglich des Kriegsbedarfes Bidens ist völlig falsch. Wenn man einen Krieg zur Wiederwahl braucht, dann kurz vor der Wahl, nicht mitten in der Legislatur.

- Die Beschreibung der Beilegung der Kubakrise durch die Frau ist einfach unglaublich. Die weiss entweder nicht, wovon sie redet oder verleugnet große Teile der Komplexität der damaligen Vorgänge. Wahrscheinlich hat ihr Großväterchen nie erzählt, dass die Herren Generäle wohl hinter ihm schon die Makarows gezückt hatten^^


Fazit: Das Lesen ist verschwendete Zeit, der Stern sollte wieder Hitlertagebücher publizieren, die sind amüsanter.

Zur Verschwörungstheorie:

Der Antiamerikanismus ist hervorragend als "leichte Kost". Erstens, die Fehler und Verfehlungen der Amis sind bekannt. Aufgrund der Presse und Zivilgesellschaft in den USA bleiben Schweinereien nie lange geheim, werden aber auch geahndet. Dadurch hat man immer ein Beispiel für "aber die Amerikaner....!" Zweitens haben die USA die Möglichkeiten und Ressourcen quasi alles Vorstellbare auch durchzuführen. Drittens gehen die Amis nicht aktiv gegen irgendwelche VTler vor, die dem Präsidenten Pädophilie vorwerfen. Viertens ist in Dunkeldeutschland der Antiamerikanismus auch nach der Wende eine Konstante geblieben. Wenn man sich die Kinder- und Jugendliteratur der DDR ansieht, dann ist dort der "US-Imperialismus" Feind Nummer 1. Alle Sympathieträger sind irgendwelche Befreiungsorgas (erstaunlicherweise aber nie die Bürgerrechtsbewegung der USA ;) ), vor allem jene mit rotem Stern. Der Kram war noch bis in die 2000er in Bibliotheken zu finden...

Das Problem daran ist, dass die USA tatsächlich viel Mist gebaut haben und noch bauen... und dass dies öffentlich wird. Die Verbrechen diverser ostblockgestützter Organs in der Dekolonialisierung oder die Abenteuer der SU in Afghanistan (oder Russlands in Tschetschenien) sind weniger bekannt. Gleiches gilt für die Verve, mit der im Ostblock über westliche ABC-Programme gesprochen und publiziert wurde, während die Unfälle der sowjetischen Programme totgeschwiegen werden. Damit existiert eine einmalige Projektionsfläche für Verschwörungsdenken, weil die USA einfach "alles" mitbringen.... und im Gegensatz zu den totalitären Systemen die Schwätzer nicht einfach verschwinden lassen.

Scipio 2.0

Ich hoffe nur, dass es nicht "knallt" daher es nicht zu einem ausgewachsenen Konflikt kommt, Kampfhandlungen gibt es wohl schon rund um die "Volksrepubliken" und die Krim. Aber das dürfte wohl eine vergebene Hoffnung sein. 

RPGNo1

@Sailor

Danke für deine Einschätzung. Allerdings denke ich, dass Frau Chruschtschowa sich im Punkto Wahlen auf die anstehenden Midterms bezieht.

Aktuell sieht es für die Dems nicht so gut aus, und es besteht eine reelle Chance, dass sich die Reps Senat und Repräsentenhaus holen. Das hieße dann, 2 Jahre totale Opposition und eine nie gekannte Destruktivität seitens der Reps (die sie ja bereits angekündikt haben) und schmutzige politische Spiele, gegen die sich die letzten 2 Jahre von Obamas Regierungszeit wie ein Kinderspiel ausnehmen.

@Scipio 2.0

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber ich teile deine Besorgnis. Ich habe die Fernsehbilder von den Bruderkriegen der 90er Jahre im ehemaligen Jugoslawien noch im Kopf und möchte nicht, dass sich so etwas wiederholt. Die Folgen für Europa im speziellen und der Rest der Welt werden weitaus dramatischer sein.

Inzwischen ertappe ich mich tatächlich dabei zu bedauern, dass sich seitens der russischen Regierung oder Militär noch kein Stauffenberg oder von Tresckow 2.0 hervorgewagt haben.

sailor

Midterms: Die kann er damit nicht retten. Dazu wäre ein Spin nötig, den die Dems nicht hinbekommen, nämlich weg von den innenpolitischen Schwerpunkten. Ausserdem sind die Midterms Bundesstaatenwahlen und dort geht es primär um Innenpolitik... Dazu kommt, dass die Falken eher GOP wählen und nicht Biden. Nein, diese Option wäre extrem gewagt und dazu ist Biden zu lange im Geschäft.

Ukraine und die Schmierenkomödie um den "Kriegsgrund": Es wird immer absurder. Der sog. "Separatistenführer" ist nicht mal bereit, seinen SUV für den "Guten Zweck" zu opfern... und ein "gefasster Saboteur" darf exklusiv einem russischen Fernsehsender ein Interview geben. Dazu kommen "Kriegspläne der Ukraine", geschrieben komplett auf Russisch, mit den Eigenbezeichnungen der sog. "Volksrepubliken" (die in der Ukraine nicht gebraucht werden) und Planinhalten, die für jeden mit ein wenig militärischer Erfahrung absolut abstrus sind. Da sind tatsächlich zwei Luft- und eine Seelandung im Asowschen Meer vermerkt, was angesichts der faktischen Existenz russischer FlaRak (war da nicht mal was mit einem Zivilflugzeug?) im Gebiet und der Lage des Asowschen Meeres völliger Wahnsinn wäre. Die Explosion einer "Ölpipeline" in Luhansk kann nicht mit "Druschba" zusammenhängen, da diese gar nicht dort verläuft. Beim vermeintlichen Beschuss eines Kindergartens werden OSZE-Beobachter nicht zu Untersuchungen herangelassen. Die sog. "Führung" der sog. "Volksrepublik" (wir erinnern uns, der Herr der seinen SUV nicht hergeben will für ne gute Story und der Bilder von "Flüchtlingen" vorproduzieren lässt) hat von mehr als 130 "Massengräbern" voller "russisch-sprechender" (wie haben sie das rausgefunden?) Zivilisten berichtet, die "plötzlich gefunden" wurden. Bisher gibt es weder Bilder noch Ortsangaben, noch Zahlen.

Vieleicht sind die "guten Russen" ja über sowas (https://www.bbc.com/news/world-europe-58340805) gestolpert?

PeterPan

Den Artikel gelesen und ich verstehe nicht was Chruschtschowa überhaupt will oder was für eine Lösung sie vorschlägt. Soll die USA nicht mehr über jedes Stöckchen springen? Es kann ja anscheinend nicht passieren, weil diesmal ist es anders weil *ähm* das ist nicht die Krim oder Georgien. Der Putin möchte nur spielen oder wie soll ich die Intention verstehen.

ZitatWenn Putin etwas machen will, dann macht er das einfach. Das hat man 2008 (Einmarsch in Georgien) gesehen, das hat man 2014 (Annektierung der Krim) gesehen. Und die Welt erfährt es am nächsten Tag, wenn alles vollzogen ist. Aber dieses andauernde Spiel? Ich denke, hier verhält es sich ähnlich wie mit Putins Auftritten, wo er mit entblößten Männerbüsten durch Sibirien läuft. Es ist eine Inszenierung, die alle sehen sollen. Alle sollen sich den Kopf zerbrechen, was es soll. Wenn es nicht so gefährlich wäre, könnte man darüber lachen. Aber angesichts der Lage ist dieses Spiel erschreckend.

Und genau mit diesem Abschnitt ist ihre These, das es von den USA ausgeht seltsam. Also Putin unberechenbar, außer es werden Motive für Krim, Donbass, Georgien entdeckt/erfunden.

Wobei ich akzeptiere schon dieses seltsame Tango zwischen Hardlinern unterschiedlichster Länder. Wenn du deine Nationalistenbasis bei Laune halten möchtest musst du da schon mit etwas rumwedeln. Dazu passt eine Anekdote in der der Ehemann stolz verkündet seine Familie mit Waffen zu beschützen und die Frau einfach nur möchte das er den Müll rausbringt.

Bachblüte

Passt nicht zur Frage, aber zum Thema des Threads: Ein Interview.

Kohl-Berater Teltschik: Es hat von Deutschland nie ein Versprechen über die Nato-Erweiterung gegeben
https://www.youtube.com/watch?v=NnVVpsCH_AE

Max P

Hört sich aber ganz so an: https://www.youtube.com/watch?v=F2iOAtNlleg

Auch interessant (von 2018): https://www.youtube.com/watch?v=-iJNtff6HTU&ab_channel=ARD

Heute steht der Russe im Donbaz, morgen wieder auf den Seelower Höhen. Aber der Angriff Baerbock wird das alles in Ordnung bringen.






biomango

Die Nato greift nicht an. Das Wissen alle, deshalb war sie damals bei den Verhandlungen auch kein grosses Thema. Wenn Putler nun  sagt die Nato- Stationierungen würden den "Sicherheitsinteressen" der Russischen Union widersprechen, hat er völlig Recht. Man muss nur das Wort "Sicherheit" weglassen.  Mit "Interessen"  meint er die Widerherstellung der alten Sowjetunion. Genau deshalb hat er in seiner letzten Rede der  Ukraine das selbständige  Existenzrecht abgesprochen. Ein Verteidungsbündnis gefällt keinem Agressor, scheint aber nötiger denn je. Die alte Sowjetunion war zwar Böse, aber längst nicht so unberechenbar und gefährlich

Scipio 2.0

Was meint ihr, sind die Jubelbilder aus den Volksrepubliken Fake oder sind die dort wirklich so drauf?

celsus

Zitat von: Scipio 2.0 am 22. Februar 2022, 13:27:00
Was meint ihr, sind die Jubelbilder aus den Volksrepubliken Fake oder sind die dort wirklich so drauf?

Zumindest würde eine kleine Claquer-Gruppe genügen, um den Eindruck zu erwecken.
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

sailor

@Scipio: Da bereits die Bilder der "spontanen Evakuierung" gestellt waren... was glaubst du?

Die Evakuierungen und das Begrüßungsgeld in Russland dienen auch nur dazu, die besetzten Gebiete zu "militarisieren", d.h. die Anzahl der Zivilisten zu reduzieren und damit auch das Maß an zu nehmender Rücksicht zu senken. Absehbar werden die Gebiete Aufmarschgebiete bleiben. Wirtschaftlich werden sie keinen Beitrag zu Russland leisten können. Das interessiert im Kreml auch nicht, die "Besprechung" hat mir gezeigt, dass Putin inzwischen Kreuzritter ist... für ein Russland alter Größe. Den interessieren Todeszahlen nicht, weder die beim "Gegner", noch die in der eigenen Bevölkerung/Militär. Alles was zählt ist das Verschieben der russischen Grenze nach aussen.

Als nächstes wird formal Belarus kommen... vorher wird man die Ukraine nicht richtig angehen.

Jetzt sind die Antworten aber auch klar: Sanktionen gegen Staat und Personen bei gleichzeitiger Aufrüstung. Letzteres ist scheiße, aber der einzige Wink, den Blutin versteht ist der Wink mit dem Panzerrohr. Darüber hinaus sollte man aktiv mit Finnland und Schweden über eine Mitgliedschaft sprechen.

Ob die SU durchgehend "böse" war bezweifele ich mal... Unberechenbar war sie auf alle Fälle. Aber: Die SU hat peinlich Wert darauf gelegt, nicht als vertragsbrüchig zu gelten. Zum einen, weil man immer irgendwie der Weltrevolution verpflichtet war und daher auf Partnersuche ging, zum anderen, damit man dem imperialistischen Westen seine Vertragsbrüche schön unter die Nase reiben konnte. Das heutige Russland verhält sich mehr und mehr wie ein klassischer "Schurkenstaat" .

RPGNo1

Putin will das Rad der Zeit nicht nur 50 Jahre zurückdrehen, um die Sowjetunion wiederaufstehen zu lassen. Das sind eher 120 Jahre. Imperialismus ist erneut Trumpf, wie an den protzigen Auftritten in den Palästen und die Anbiederung an eine reaktionäre russisch-orthodoxe Kirche erkennen kann.

Es lebe Wladimir V, Zar des neuen russischen Kaiserreichs. Er lebe hoch! Hoch! Hoch!
*Sarkasmus off*

Typee

120 Jahre? Pah! In seiner Rede griff er bis ins 16. Jahrhundert zurück, um zu beweisen, dass das alles von Rechts wegen Russland zustehe. Das ist ungefähr so, als berufe sich Deutschland auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, um die Niederlande, das Elsass, ganz Österreich und Oberitalien heim ins Reich zu holen.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.