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Autor Thema: Brexit  (Gelesen 62635 mal)

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #105 am: 03. Juli 2016, 00:23:02 »
Und nochmal Presseschau, diesmal im Anschluss an meine Bemerkung vom 1.7., 17.58:

Zitat
This – this! – is the robust homegrown democracy that the bureaucrats of the EU are threatening. This – this! – is the wondrous model of democratic accountability that has to be fully restored to “sovereignty”. How can anyone believe that UK democracy needs more power when it makes such a mockery of the power that it’s got? Which is considerable.

https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jul/01/brexit-britain-elites-run-amok
Heilige Bücher sind wie Eintöpfe. Man holt nur das heraus, was man hineingetan hat.

Scipio

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Re: Brexit
« Antwort #106 am: 03. Juli 2016, 19:25:12 »
Zitat
"Das sei den Menschen aus ihren Nationalstaaten bekannt und werde „politische Verantwortlichkeit auf der EU-Ebene transparenter machen“. Unzufriedenheit mit der EU führe dann nicht mehr dazu, schreibt Schulz in der F.A.Z., dass sie grundsätzlich in Frage gestellt werden. Vielmehr könnten die Bürger „durch Wahlen eine europäische Regierung durch eine andere ersetzen“."

Quelle:http://www.faz.net/aktuell/politik/nach-brexit-referendum-martin-schulz-fordert-echte-europaeische-regierung-14321815.html#GEPC;s6

alliance1979

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Re: Brexit
« Antwort #107 am: 04. Juli 2016, 06:07:32 »
Mir fehlt leider die Zeit mich an den (häufig) interessanten Diskussionen zu beteiligen. Lese aber meist so ziemlich alles. Und bei dem Thema, von dem ich privat betroffen bin, habe ich mir jetzt mal kurz ein wenig Zeit geblockt und ein paar Bier kühl gestellt um meinen Erklärbär-senf dazu zu geben.

Brexit. Eine Bestandsaufnahme:

 

Allgemein:

Ein Kernproblem beim Brexit ist, das niemand einen Plan hat, wie es jetzt genau weitergeht. Und wenn „Investoren“ etwas überhaupt nicht mögen,  dann sind das unklare Verhältnisse. Gleichzeitig mischen natürlich noch „Spekulanten“ mit, die von unklaren Verhältnissen geradezu begeistert sind. (bei Investoren und Spekulanten sind die Übergänge häufig fließend)

Denn diese führen fast ausnahmslos zu  volatilen Märkten, die schon auf einfachste Nachrichten reagieren. So verstärken sich dann die Reaktionen an den Börsen.
Man konnte das sehr schön an den Reaktionen am Wahltag ablesen. Erst stieg der Preis für den Pfund, als es anfangs hieß das die Engländer doch in der EU bleiben, um dann ins „bodenlose“ zu fallen, als klar wurde das sich die Leave Kampagne durchgesetzt hatte.

Wie heftig diese Reaktionen waren, kann man hier sehr schön sehen.

http://www.finanzen.net/devisen/britische_pfund-us_dollar-kurs

Fangen einige an gegen den Pfund zu wetten, hier sei an den Black Wednesday [1] erinnert, bei dem Soros und andere Investoren aktiv den GBP angegriffen haben, hätte die Bank of England heute wie damals wohl keine Chance ohne Hilfe den Pfund zu verteidigen. 

Ein weiterer Aspekt sind Personen oder Unternehmen die Geld aus einer Volkswirtschaft abziehen.
Wenn Geld aus einer Volkswirtschaft abwandert, ist das natürlich nicht sonderlich gut. Es belastet die Investitionsquote und Banken können wegen drohender Zahlungsunfähigkeit in Bedrängnis geraten. Auch hier könnten Spekulanten etwa durch short sales angeschlagene Institute zusätzlich unter Druck setzen, oder die Bank of England, wenn diese versucht den Banken beiseite zu springen.

Als besonders gefährlich bewerte ich die Gegensätzlichen Positionen in London /CDU (wir haben Zeit) und Brüssel/SPD (besser gestern als morgen), die eine ausnutzbare schwäche erkennen lassen.
Die Unklarheiten bezüglich Schottland, Gibraltar und Nord Irland machen es auch nicht gerade besser.

Ein weiteres Problem sind die Schulden Großbritanniens.  Sie entsprechen ca. 89% des BIP. [2]  Dabei kommen ungefähr 30% der Forderungen aus dem Ausland. [3]  Sie müssen also in einer anderen Währung  „abbezahlt“ werden.

Fällt der Wert des Pfundes in Relation zur Währung  des Gläubigers, steigen hier entsprechend die Kosten.
Dazu kommt das die Ratingagenturen bereits Anfangen die Bonität zu senken. Auch das wirkt in unsicheren Zeiten schnell wie ein Brandbeschleuniger und führt in der Regel zu mehr Ausgaben für Staat.

Gebremst wird dieses Szenario durch den günstigen Leitzins, der dafür sorgt, das Investoren trotzdem weiter ein starkes Interesse an britischen Staatsanleihen haben. Vorerst ist hier deswegen nicht mit steigenden Kosten zu rechnen, auch wenn viele Medien mit diesem Szenario gespielt haben. Zu den Leitzinsen und den langfristigen Auswirkungen aber später mehr.

Eine fallende Währung wie der Pfund, bringt natürlich auch Vorteile mit sich….
Man liest dann in diesem Zusammenhang sehr gerne etwas von der besseren Wettbewerbsfähigkeit. Im Falle Großbritanniens wäre das sicher nicht verkehrt. Allerdings gibt es da einen Haken. Der Export im Allgemeinen und die exportierende Industrie im Besonderen, ist aktuell nicht gerade die Stärke des Landes.
Und gerade die Finanzindustrie, die durch den Brexit am härtesten getroffen wurde, ist eben ein Teil des Exports (Service), der in Zukunft leiden wird, da die Banken drohen/ankündigen/mit dem Gedanken spielen, London den Rücken zu kehren oder das Geschäft runter zu fahren.

Eine prognostizierte verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, ausgelöst durch einen fallenden Pfund, müsste also erst mal den „Schaden“ ausgleichen, der durch den darbenden Finanzsektor erlitten wird. [4]

Dazu kommt dann noch die zu erwartende Schwächung des Binnenmarktes. Für alle möglichen Importe müssen die Engländer nämlich bei schwachem Pfund relativ mehr Geld ausgeben um sich etwa einen Smartphone oder ein nicht britisches Auto leisten zu können. Fließt mehr Geld ins Ausland bleibt weniger für den Binnenmarkt und unnötig viel Kapital fließt in andere Länder.
Es heißt dann also entweder weniger Ware für das "gleiche Geld" oder mehr Geld für die gleiche Menge an Waren und Dienstleistungen.  Per Definition ist das weniger Wohlstand. Für die Verkäufer wirkt sich das natürlich auch negativ aus, wenn nämlich weniger nach GB exportiert wird.

„Glücklicherweise“ viel im Zuge des Brexit auch der Wert des €, was ironischer weise dazu führt, das es in diesem Wirtschaftsraum bis Dato für keine Seite zu einer wesentlichen Änderung der Wettbewerbsfähigkeit basierend auf dem Wert der Währung gekommen ist. Obwohl viele darüber sprechen.
Im Gegenteil ist es sogar so, der der Brexit durch die Fallende Währung für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit für Europa und GB gesorgt hat. (mit allen Nebenwirkungen die ich aufgezählt habe oder noch aufzählen werden)

Vor allem die USA leiden derzeit darunter. Nächster Ironischer Fakt. Trumps pro Brexit Meinung, beißt sich so mit seiner "make america great again" Philosophie.

Die andere Seite der Medaille ist, das man für die Produktion von vielen Gütern in der Regel Rohstoffe aus dem Ausland benötigt. Diese müssen mit dem Pfund/€ gekauft werden. Eine relativ schwache Währung bedeutet dabei immer auch steigende Rohstoff und Energiepreise. Damit eine zusätzliche Schwächung des Binnenmarktes und damit ein kleiner Dämpfer für die Vorteile beim Export.

Ein Thema beim Brexit war die Regulierungswut der EU.

Da der größte Handelspartner die EU ist, werden englische Produkte auch weiterhin nur dann auf dem Binnenmarkt der EU verkauft werden können, wenn sie die vorgeschriebenen Standards erfüllen. Man kann sich der „Überregulierung“ aus Brüssel also tatsächlich nur dann entziehen, wenn man auf dem Markt nichts verkaufen möchte. Sprich…Eine Gurke aus GB muß (meistens)genauso gerade sein wie eine Gurke aus China oder den Niederlanden. Zur Gurke gleich noch mehr…

Der Brexit ist sicher nicht das Ende aller Tage, auch wenn ich Ihn als äußerst Negativ bewerten würde,  aber wirklich Fatal ist die Planlosigkeit und die sozialen Spannungen die dabei entstehen.
Das Vereinigte Königreich hat eine starke Volkswirtschaft, die durch den Brexit mit vielen Problemen konfrontiert werden wird, die aber auf lange Sicht ökonomisch lösbar oder zumindest kontrollierbar  erscheinen. Wenn man denn einen Plan hätte. Einen langfristigen, echten ökonomischen Vorteil/Mehrwert bietet der Brexit in meinen Augen aber unter gar keinen Umständen.

Was viele Menschen z.B. nicht wirklich bewusst ist, ist etwa die Tatsache das ein extrem großer Teil des Handels innerbetrieblich erfolgt  (intra-firm trade). Das bedeutet das Waren und Dienstleistungen zwar über Grenzen gehandelt werden, sie wechseln dabei aber nicht den Besitzer. Ein zugängliches Beispiel dürfte Airbus sein.
Der Brexit wird  den innerbetrieblichen Handel erschweren und könnte ihn in einigen Fällen zu unrentablen Standorten auf beiden Seiten der Nordsee führen. Im Nachteil wird in diesem Fall meist die Volkswirtschaft sein, die den kleineren Binnenmarkt hat.

Wie immer wenn sich etwas fundamental ändert, wird es je nach Branche, Standort und Eingriffen seitens der Politik, Gewinner und Verlierer geben. Unter dem Strich haben die EU und Großbritannien aber wie schon erwähnt wohl auf lange Sicht verloren.

Im Extremfall könnte sich die Bank of England dazu genötigt sehen, die eigene Währung an eine andere Währung zu binden. Ein Schritt der politisch aber problematisch sein dürfte und neue Risiken birgt.

Spezielle Anmerkungen:


Regulierungswut Made in Brüssel: Viele scheint das generell zu stören. Was dabei gerne vergessen wird, ist das man zwar schnell einen Konsens darüber zustande bringt, das es unnötig viele Regelungen aus Brüssel gibt, wenn es dann aber ins Detail geht, versteht unter „zu viel“ dann doch jeder etwas anderes.

Häufig ist die Kritik auch ziemlich pauschal und extrem unreflektiert oder schlicht falsch.

Nehmen wir mal die von mir angesprochene, berühmte Gurkenverordnung (Nr. 1677/88) die  witziger weise noch aus Zeiten der Europäischen Gemeinschaft stammt und damit streng genommen nie eine EU Verordnung war. (Erwähnt weil sie auch hier im Forum bei diesem Thema genannt wurde)
Diese Verordnung wurde bereits 2009 von der EU(!) außer Kraft gesetzt. Ein Umstand der vielen immer noch nicht bewusst ist. Witziger weise wird sie (meistens) trotzdem noch angewendet, denn die „böse“ Verordnung bot einige Vorteile, die Handel und Bauern nicht missen mochten.

So ist etwa der Transport wesentlich effizienter, da mehr Gurken auf gleichem Raum transportiert werden können. Die Moral von der Geschichte. Viele Verordnungen mögen unsinnig sein, kleinlich wirken oder das Gefühl vermitteln das es eine Überregulierung gibt. Das ist aber meistens eben nur eine Seite der Medaille. Bei jeder einzelnen Verordnung findet man ein Für und Wider, Gewinner und Verlierer.

Wenn man nun die angesprochenen Gurken auf "der Insel" exportieren möchte, gibt es zwar keine offizielle Regelung der EU, aber der Handel wird größtenteils darauf bestehen, das die Gurken der alten EG Norm entsprechen. Blanke Ironie (die dritte) in meinen Augen.

Menschen die sich gegen die EU aussprechen Argumentieren häufig, das eine pure Wirtschaftsgemeinschaft ala EG weniger Regulierung bedeutend würde. Beim Handel halte ich dies aber für völlig Ausgeschlossen. Allenfalls führt dies wieder zu mehr Selbstbestimmung der einzelnen Staaten, will man aber den Binnenmarkt nicht zerstören, ist dies in Sachen Handel und Wirtschaft allenfalls ein theoretischer Gewinn. Praktisch würde jeder Alleingang, der eigenen Wirtschaft Schaden zufügen.


Volksabstimmungen: Auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen. Ich halte nichts von Ihnen. Ohne eine Mindestbeteiligung und mit einfacher Mehrheit, ist die Wahrscheinlichkeit das man einen Teil der Gesellschaft gegen einen anderen Teil der Gesellschaft ausspielt, einfach viel zu groß.

Leitzins und die praktischen Auswirkungen: Wie schon erwähnt sorgt der niedrige Leitzins der EZB dafür, das GB trotz Abstufung der Bonität, Staatsanleihen günstig wie selten los schlagen kann.
Dies wird sich entsprechend ändern, wenn die EZB irgendwann in Zukunft anfangen sollte den Leitzins deutlich anzuheben oder die Bonität GBs deutlich gesenkt wird. Beides ist in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Europas Wirtschaft ist immer noch angeschlagen und die EZB kann nicht mehr tun als fleißig Geld zu drucken, um die (Feder)leichte, positive wirtschaftliche Entwicklung nicht abzuwürgen.
Im Augenblick haben wir hier zwei wesentliche Nachteile, die durch den Brexit noch verstärkt werden.

1. Deflation weil das Geld nicht, oder nur schleppend bei den europäischen Konsumenten/Arbeitnehmern ankommt. Aktuell in diesem Zusammenhang vorwiegend auf dem Immobilienmarkt.
Auch wenn es hier Unterschiede bei den einzelnen Volkswirtschaften gibt, steht hier einfach zu wenig Geld, zu vielen Waren und Dienstleistungen gegenüber.

2. Wachstum mit günstigem Geld zu erzeugen, ist im begrenzten Umfang nicht verkehrt und wie schon erwähnt die einzige Möglichkeit, wie eine Notenbank effektiv eingreifen kann.
Der Haken ist aber das Zinsen in unserem Wirtschaftssystem eine sehr wichtige Funktion erfüllen. Sie „bepreisen“  nämlich die Risiken von Anlagen. Dauerhaft niedrige oder sogar negative Zinsen, erschweren die Bewertung von Investments jedweder Art und führen schnell zur Bildung von Blasen, da sie zu riskanten Investments verführen.

Werden Anlagen, wie etwa Staatsanleihe, oder Kredite für Häuslebauer vergeben, die sich diese evtl. langsfristig nicht leisten können, dann wird die Landung hart. Je länger der Aktuelle Zustand anhält, desto härter dürfte die Landung werden.

Auf dem deutschen Immobilienmarkt, wird sich das je nach individueller Zinsbindungsfrist  bemerkbar machen. Sollte die EZB bis dahin die Leitzinsen angehoben haben, werden viele Menschen Probleme haben ihr Eigenheim abzuzahlen.

Offenlegung: Ich bin in dieser Sache nicht neutral, da ich persönlich durch den Brexit betroffen bin.

MfG

PS Dies ist natürlich nur eine grobe Einordnung der Dinge. Vieles ist etwas vereinfacht dargestellt und ich habe versucht die Fachsprache auf ein Minimum zu reduzieren.
Gleiches ist mir bei meinem Bierkonsum nicht geglückt ;). Hoffe die Sätze ergeben einen Sinn.

Gute Nacht!




1. https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Wednesday
2. http://www.tradingeconomics.com/united-kingdom/government-debt-to-gdp
3. http://www.economicshelp.org/blog/2215/readers-questions/uk-debt-held-by-oversees-investors/
4.  http://www.novascotia.ca/finance/site-finance/media/finance/20120111-01.jpg
4 A.  http://www.economicvoice.com/wp-content/uploads/2013/09/UK-Trade-Balance-contributions-July-2013.png

"Wer nicht gerne denkt, sollte wenigstens von Zeit zu Zeit seine Vorurteile neu gruppieren."

Luther Burbank

Peiresc

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Re: Brexit
« Antwort #108 am: 04. Juli 2016, 09:26:19 »

Danke für diesen “schönen” Überblick. Er bestätigt zwei meiner Grundannahmen: 1. Es gibt keine einfachen Lösungen (stimmt immer; klingt banal, ist es aber nicht) und 2. Es gibt fast nur Verlierer (stimmt nicht immer).


Noch eine Nachfrage.
1. Deflation weil das Geld nicht, oder nur schleppend bei den europäischen Konsumenten/Arbeitnehmern ankommt. Aktuell in diesem Zusammenhang vorwiegend auf dem Immobilienmarkt.
Auch wenn es hier Unterschiede bei den einzelnen Volkswirtschaften gibt, steht hier einfach zu wenig Geld, zu vielen Waren und Dienstleistungen gegenüber

Das habe ich nicht verstanden. Einerseits Null- oder Negativzins, also Deflation auf dem Immobilienmarkt? Müssten die Immobilienpreise nicht steigen? Und andererseits reicht das Geld nicht, obwohl das Geld (aus Konsumentensicht) statt für Zinsen für was anderes ausgegeben werden kann?

alliance1979

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Re: Brexit
« Antwort #109 am: 04. Juli 2016, 10:28:24 »
Guten morgen.

Ja das ist wohl etwas Missverständlich geraten. Schiebe das auf das Glyphosat in meinen 5 Bier, das mir von einem Chemtrail sprühenden Echsenmenschen serviert wurde.

Der Leitzins der EZB ist schon relativ lange auf einem niedrigen Niveau.

http://www.leitzinsen.info/charts/ezb1.jpg

Wenn man einmal vom Immobilienmarkt absieht, ist der Effekt der niedrig Zinspolitik extrem Überschaubar.
Ein rundes Bild ergibt sich aber erst, wenn man sich mal die Zins Entwicklungen in der Welt anschaut.

http://www.finanzen.net/leitzins/

Die Zentralbanken versuchen händeringend Geld in den Markt zu pumpen. Gerade in Europa funktioniert das nicht sonderlich gut. Das erkennt man als Laie am besten an der Inflation im € Raum.

http://finanzmarktwelt.de/wp-content/uploads/2016/01/Inflation-Eurozone.png

Bemerkenswert ist das Geld kaum an Wert verliert (Inflation), obwohl die EZB alle Geldhähne geöffnet hat.
Hier ein Blick auf die Investitionsquote.

http://wko.at/statistik/eu/europa-investitionsquoten.pdf

Hier erkennt man das trotz des extrem günstigen Geldes, relativ wenig Investiert wird. Man beachte die Durchschnittswerte von 2000-2005 und 2005-2010 und vergleiche Sie mit dem damaligen Leitzins und dem heutigen Ist Zustand.

Man könnte Laienhaft davon sprechen, das das Geld er EZB kaum in unserem Wirtschaftskreislauf auftaucht. Gar nicht wäre aber übertrieben. Eine relative Ausnahme ist der Immobilienmarkt. Das meinte ich. Hier kommt relativ viel Geld an. Hier steigen auch die Preise. Wobei es hier natürlich regionale Unterschiede gibt.

http://www.globalpropertyguide.com/real-estate-house-prices/G#germany

http://www.bloomberg.com/gadfly/articles/2016-03-23/german-property-is-booming-as-shortage-and-low-rates-fuel-demand

Allerdings denke ich, das sich hier eine Blase ausbilden wird. Schlicht weil in einigen Jahren, viele Häuslebauer mit hören Zinsen leben müssen. Wenn sich die Wirtschaft wie der Wohnungsmarkt entwickeln würde, sähe ich keine großen Probleme. Aber das tut sie eben leider nicht.

MfG
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Luther Burbank

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #110 am: 04. Juli 2016, 12:07:21 »

Einerseits Null- oder Negativzins, also Deflation auf dem Immobilienmarkt? Müssten die Immobilienpreise nicht steigen? Und andererseits reicht das Geld nicht, obwohl das Geld (aus Konsumentensicht) statt für Zinsen für was anderes ausgegeben werden kann?

Der Immobilienmarkt ist ein Spezialmarkt, wegen des hohen Anteils an Kreditfinanzierungen, und hier steigen die Preise tatsächlich. Konsumgüter haben umgekehrt eine vergleichsweise niedrige Kreditrate. Die Geldpolitik sorgt für anhaltende Niedrigzinsen und macht speziell kreditfinanzierte Geschäfte attraktiv, damit führt sie in diesem Sektor zu erhöhter Nachfrage und weiter für steigende Preise. Effektiv sind viele Immobilienkäufe gar nicht so viel billiger als vor einigen Jahren: die Ersparnisse an der Verzinsung werden von höheren Preisen oft wieder aufgezehrt.

Profiteure der niedrigen Zinsen sind diejenigen Immobilienkäufer, die bereits vor ein paar Jahren kauften und ihre Restkredite demnächst zu historischen Tiefstzinsen umschulden können.
Heilige Bücher sind wie Eintöpfe. Man holt nur das heraus, was man hineingetan hat.

Typee

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Re: Brexit
« Antwort #111 am: 04. Juli 2016, 13:33:59 »
Noch etwas zum Hintergrund:

Die Geldmengenvermehrung sollte über den Umweg der Inflation nicht zuletzt auch die Defizite der Staatshaushalte herunterfahren. Das ist nur zum Teil geglückt. Die Vernichtung der Zinsen auf öffentliche Anleihen hat dem Bund in den letzten Jahren jeweils zwischen 50 und 70 Milliarden Euro eingebracht - weil hoch verzinsliche Anleihen ausliefen und Neuemissionen, mit denen die Schuldverschreibungen praktisch prolongiert wurden, praktisch ohne Coupon aufgelegt wurden, und  neuerdings sogar mit negativen Zinsen. Das geht aber nur eine Zeitlang so weiter, irgendwann laufen auch die zehnjährigen Nullprozent-Anleihen aus, und dann ist dieser Profit nicht mehr wiederholbar. Bis dahin müsste eigentlich gesteuerte Inflation die bestehenden Staatsschulden auf anderem Wege entwerten. Ein alter fiskalischer Trick, mit dem sich z.B. die USA die riesigen Schulden zweier Weltkriege vom Halse schafften. Problematisch an der heutigen Situation ist, dass das nicht zu funktionieren scheint. Die enorme Geldmengenvermehrung erzeugt bisher keine Inflation.
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Typee

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Re: Brexit
« Antwort #112 am: 04. Juli 2016, 14:05:38 »
Zitat
Mit der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union habe er sein politisches Ziel erreicht

http://www.faz.net/aktuell/politik/brexit/ukip-chef-und-brexit-befuerworter-nigel-farage-tritt-zurueck-14323133.html

Hat es je ein klareres Eingeständnis gegeben, dass die Kampagne ein rein destruktives Manöver einer Handvoll Hasenfüße war?

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Lt.Havoc

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Re: Brexit
« Antwort #113 am: 04. Juli 2016, 14:36:34 »
Was muss man für ein Mensch sein, wenn man, nachdem die Kampagne die er mitgetragen hat und mit Rechtspopulismus geführt hat, das Land gespalten und in eine tiefe Kreise stützt, sich selber auf die Schultern klopft und sag "Habe ich gut gemacht, genau das wollte ich!"

Groucho

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Re: Brexit
« Antwort #114 am: 04. Juli 2016, 20:24:02 »
Zitat
Mit der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union habe er sein politisches Ziel erreicht

http://www.faz.net/aktuell/politik/brexit/ukip-chef-und-brexit-befuerworter-nigel-farage-tritt-zurueck-14323133.html

Hat es je ein klareres Eingeständnis gegeben, dass die Kampagne ein rein destruktives Manöver einer Handvoll Hasenfüße war?

Achwas, ich war zu Tränen gerührt, wo gibt es denn noch eine solche Selbstlosigkeit von Politikern, nach erreichen ihres Zieles zurückzutreten um der Jugend das Feld für eine goldene Zukunft zu überlassen?

Vorsichtshalber: Das war Ironie.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

MrSpock

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Re: Brexit
« Antwort #115 am: 05. Juli 2016, 11:22:59 »
Erkenntnis des Tages: Am Brexit ein Beispiel nehmen und mehr direkte Demokratie wagen. Besonders bei leicht zu durchschauenden Themen wie TTIP und CETA. Da sollen doch die Bürger direkt abstimmen, nach dem sie sich umfassend im Internet informiert haben.  :wut $) :rotekarte: :fresse: :deppenalarm: #)

https://www.tagesschau.de/inland/wagenknecht-interview-direkte-demokratie-101.html
Von allen Seelen, die mir begegnet sind auf meinen Reisen, war seine die menschlichste. (In Memoriam Groucho)

Zitat aus Star Trek II.

Nicht_Peter

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Re: Brexit
« Antwort #116 am: 06. Juli 2016, 17:29:17 »

alliance1979

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Re: Brexit
« Antwort #117 am: 06. Juli 2016, 20:10:22 »
xD
http://thebrexitplan.com/

im Grunde ziemlich witzig. :) Leider ist mir bei dem Thema gerade nicht zum lachen zu Mute. Das wird noch ziemlich böse werden....
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Luther Burbank

Dunkelzahn

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Re: Brexit
« Antwort #118 am: 10. Juli 2016, 11:06:02 »

Peiresc

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Re: Brexit
« Antwort #119 am: 10. Juli 2016, 12:20:45 »
Die englische WP ist heftig auf Zack, taufrisch. Das mit der "Mutter" ist auch schon drin. Und:

Zitat
Leadsom also promised to “banish the pessimists” and to provide prosperity for the UK if elected.[54]

Da fällt mir ein: Der Arzt John Coakley Lettsome (1744–1815) dichtete einst:
Zitat
I, John Lettsome,
Blisters, bleeds and sweats 'em.
If, after that, they please to die,
I, John Lettsome.

Meine Übersetzung:

Ich, John Lettsome,
Verpasse Zugpflaster, Aderlässe, Schwitzbäder,
Wenn sie dann zu sterben belieben,
Ich, John, lasse welche/sie. [let some oder let them]