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Deutsch => Allgemeine Diskussionen => Politik und Gesellschaft => Thema gestartet von: MrSpock am 24. Juni 2016, 12:46:14

Titel: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 24. Juni 2016, 12:46:14
Es ist an der Zeit, einen separaten Faden dazu zu eröffnen. Nun ist es amtlich, die Briten treten aus der EU aus.

Hierzu ein Kommentar aus der "Wirtschaftswoche" (via Manager Magazin):

Zitat
Die Briten sollen also entscheiden. Und es ist Zeit, ihnen zuzurufen: Dann geht doch! Erst der Entzug macht das spürbar, was schon jetzt nicht mehr ist. Für Europa ist das dann vielleicht endlich der heilsame Schock, den diese verbürokratisierte Lähmung der einzigen Europaidee braucht, um wieder in Schwung zu kommen. Ein Weiter-so ist inzwischen die quälendste Vorstellung. Quälender, als jede Trennung sein kann.
http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/brexit-beben-an-den-boersen-dax-pfund-euro-brechen-ein-a-1098544-2.html

Nun hat auch erwartungsgemäß David Cameron seinen Rücktritt angekündigt:

Zitat
Premierminister David Cameron hat nach dem Brexit-Votum der Briten seinen Rücktritt angekündigt. Im Oktober will er sich zurückziehen. „Das Land braucht ein neue Führung“, sagte der konservative Politiker.
http://www.wiwo.de/politik/europa/david-cameron-britischer-premierminister-kuendigt-ruecktritt-an/13782584.html

Der Schritt war absehbar. Es wird höchste Zeit, dass die EU sich auf ihren eigentlichen Sinn beruft. Die Überregulierung aus Brüssel (Krümmungsgrad der Gurke etc...) auf der einen Seite und die Unfähigkeit der Mitgliedsstaaten, sich bei wirklich relevanten Themen heillos zu zerstreiten (Flüchtlingskrise) hat zwangsweise dazu geführt. Ich sehe es als eine Chance zur Erneuerung der europäischen Idee.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 24. Juni 2016, 12:57:39
Was ich lustig finde, sind die ganzen Propheten, die jetzt schon genau wissen, dass Großbritannien wirtschaftlich und politisch am Ende, vor einer neuen Blüte, im finsteren Mittelalter, auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft, pleite, voller Chancen, im Abseits, ein Zukunftsmodell,  [...] ist.

Meine Prognose: Schaun mer mal.

Mein Lieblingsbrite dazu:

Zitat
„Das Problem ist, oder eines der Probleme, denn es gibt viele, von denen ein ansehnlicher Teil unablässig die Zivil-, Handels- und Schwurgerichte aller Gegenden der Galaxis, und wo es möglich ist, besonders die korrupteren lahmlegt, dieses. Der vorangehende Satz ist logisch, das ist nicht das Problem.  Das ist es:  Veränderung.“

huch?! (https://forum.psiram.com/index.php?topic=8987.msg110437#msg110437)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 24. Juni 2016, 13:22:51
Mein Lieblingsbrite dazu:

Zitat
„Das Problem ist, oder eines der Probleme, denn es gibt viele, von denen ein ansehnlicher Teil unablässig die Zivil-, Handels- und Schwurgerichte aller Gegenden der Galaxis, und wo es möglich ist, besonders die korrupteren lahmlegt, dieses. Der vorangehende Satz ist logisch, das ist nicht das Problem.  Das ist es:  Veränderung.“

Kann ja nur Douglas Adams sein.

Ich seh das momentan egositisch: Shit! Fuck! Was wird mit meinen Bestellungen aus GB künftig? Zum Zoll werde ich sicher nicht fahren.

Ein Tweet von David Harnasch:

Zitat
Ich kann's den Briten nicht verdenken. Unbestreitbar ist aber: Erdoğan, Putin, Le Pen & Petry gefällt das. Heute knallen die Krimsektkorken.

Und der Wilders träumt auch schon feucht.

Werden spannende Zeiten.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 24. Juni 2016, 13:29:11
Natürlich ist das UK nicht am Ende, aber es sitzt an einem ziemlich blöden Ende des Tischs, und das wird es sehr bald merken. Schotten wollen jetzt womöglich erst recht raus aus dem UK und wieder rein in die EU, Nordirland wird sich stärker zur Republik orientieren - das sind Kräfte, die England (und Wales) ganz unabhängig von volkswirtschaftlichen Themen innen- und staatspolitisch  erst einmal verdauen müsste.

Derzeit erwarte ich am ehesten einen Kuhhandel, der beiden Seiten das Gesicht wahrt. Genug Folklore für die Insel und erleichterter Waren- und Dienstleistungsverkehr für die EU. Britain zahlt nichts mehr ein, kriegt aber auch nichts aus den Fördertöpfen, was ziemlich nahe an einer Null-Lösung liegt, also zur Folklore gehört.  :teufel  Eine Visumspflicht z.B. wird wohl eher nicht herauskommen. Ein status helveticus oder so ähnlich, und auch das erst nach langen Jahren des Verhandelns, in denen manchem Nationalisten womöglich noch ein Licht aufgeht.



Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 24. Juni 2016, 13:32:38
Ein status helveticus oder so ähnlich, und auch das erst nach langen Jahren des Verhandelns, in denen manchem Nationalisten womöglich noch ein Licht aufgeht.

Das ist ja genau das Problem, den werden sie ganz, ganz lange nicht bekommen, alles andere ist aus Sicht der EU "Selbstmord".
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Nogro am 24. Juni 2016, 13:54:28
Zitat
Strafe für Brexit: EU verbannt Briten auf trostlose, verregnete Insel im Nordatlantik..."Wer nicht in der EU bleiben will, der kann auch kein Teil des europäischen Kontinents sein", erklärte Juncker. Vielmehr sollten die Briten die Gelegenheit bekommen, auf einem öden Eiland weit vor der Küste bei Tee und seltsamem, nahezu ungenießbarem Essen über die Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken. Zudem soll ihnen das Privileg, den europäischen Rechtsverkehr zu nutzen, entzogen und der Straßenbetrieb auf einen unpraktischen Linksverkehr umgestellt werden.
http://www.der-postillon.com/2016/06/brexit-insel.html#more (http://www.der-postillon.com/2016/06/brexit-insel.html#more)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: grober_unfug am 24. Juni 2016, 14:12:01
Moin,
Was ich lustig finde, sind die ganzen Propheten, die jetzt schon genau wissen, dass Großbritannien wirtschaftlich und politisch am Ende, vor einer neuen Blüte, im finsteren Mittelalter, auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft, pleite, voller Chancen, im Abseits, ein Zukunftsmodell,  [...] ist.

Meine Prognose: Schaun mer mal.
voller Chancen wird es sicher sein. Und ja schaun mer mal.

Zitat von:  MrSpock
Die Überregulierung aus Brüssel (Krümmungsgrad der Gurke etc...) auf der einen Seite und die Unfähigkeit der Mitgliedsstaaten, sich bei wirklich relevanten Themen heillos zu zerstreiten (Flüchtlingskrise) hat zwangsweise dazu geführt.
Der Krümmungsgrad der Gurken ist schon länger nicht mehr und wie die meisten Dinge kam das originär aus den Mitgliedsstaaten und wurde vereinheitlicht. Ich bin da ja auch nicht für, allerdings muss ich sagen bin ich manchmal doch etwas erstaunt, das meiste Zeug würde eh durchreguliert, es kann doch nicht besser sein das jeden Staat selbst und anders regeln zu lassen und am Ende mit einem absurden Durcheinander aus unterschiedlichen Regeln da zu stehen?
Es sei denn man ist Juristenlobbyist, die Juristen gewinnen bei sowas auf jeden Fall, die haben dann nämlich noch mehr zu tun. ;-)

Als Normalmensch käme man sehr wahrscheinlich sogar ohne diese Regelungen aus, aber ganz ohne Standards gehts IMO halt auch nicht, ansonsten bist du andauernd am Diskutieren was überhaupt eine Gurke ist. Mal davon ab das bei dem Bauernladen um die Ecke die krummen Gurken immer sehr lange liegen bleiben, trotz Mehrpreis von gerader und grüner A-Ware...

Aber statt jetzt um Quark zu streiten (also Zaziki, da mit EU-Gurke) wäre es nicht sinnvoller generell mal darüber zu diskutieren was wir überhaupt regulieren wollen? Weshalb wir regulieren wollen? Wo wir hin wollen mit dem Ding EU und uns selbst? Und vielleicht sollten wir ein Verfallsdatum für Gesetze und Regelungen einführen damit wir nicht am Ende 2x Gesetze von vor 1920 vereinheitlichen müssen.


Natürlich ist das UK nicht am Ende, aber es sitzt an einem ziemlich blöden Ende des Tischs, und das wird es sehr bald merken. Schotten wollen jetzt womöglich erst recht raus aus dem UK und wieder rein in die EU, Nordirland wird sich stärker zur Republik orientieren - das sind Kräfte, die England (und Wales) ganz unabhängig von volkswirtschaftlichen Themen innen- und staatspolitisch  erst einmal verdauen müsste.

Derzeit erwarte ich am ehesten einen Kuhhandel, der beiden Seiten das Gesicht wahrt. Genug Folklore für die Insel und erleichterter Waren- und Dienstleistungsverkehr für die EU. Britain zahlt nichts mehr ein, kriegt aber auch nichts aus den Fördertöpfen, was ziemlich nahe an einer Null-Lösung liegt, also zur Folklore gehört.  :teufel  Eine Visumspflicht z.B. wird wohl eher nicht herauskommen. Ein status helveticus oder so ähnlich, und auch das erst nach langen Jahren des Verhandelns, in denen manchem Nationalisten womöglich noch ein Licht aufgeht.
Einer unserer Kunden hockt in Wales, jnj hat den Standort nur dort gelassen weil die EU ein Infrastrukturprojekt für die Stadt finanziert hat und dabei ordentlich Kohle in die Modernisierung einiger Fabriken gelaufen ist, hätte jnj alles selbst zahlen dürfen hätten sie sich die Modernisierung gespart und komplett verlegt. Das wird in Zukunft allerdings sehr interessant für Wales, das anscheinend mehrheitlich fürs Verlassen der EU gewählt hat. ;-)

Der Status helveticus ist mit offenen Visa und Arbeitsrechten verbunden und genau das ist ein großer Punkt den die Nationalisten ja gar nicht haben wollen. Etwas ohne diese Rechte wird nur mit sehr sehr viel schmerzhaftem Schmiergeld seitens England laufen.


Btw. Was imo ein wenig untergegangen ist im Brexit Dauerfeuer: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-16-2292_en.htm
Das ist der Grundstein der EU-Armee, Frontex bekommt eigenes Material, Leute und ein Mandat zum unabhängigen Agieren ohne sich dabei auf die Mitgliedsstaaten verlassen zu müssen. Was ich dabei sehr witzig fand, einige Mitgliedsländer haben sich während der Flüchtlingskrise massiv über eine fehlende Grenztruppe aufgeregt, dabei hätten sie nur ein Mandat erteilen müssen und eventuell noch Leute und Material dazustellen müssen.
So richtig ohne geschaffene Tatsachen und Zwang scheint es bei manchen Menschen offensichtlich nicht zu gehen. ???
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: mossmann am 24. Juni 2016, 14:16:55
Was ich lustig finde, sind die ganzen Propheten, die jetzt schon genau wissen, dass Großbritannien wirtschaftlich und politisch am Ende, vor einer neuen Blüte, im finsteren Mittelalter, auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft, pleite, voller Chancen, im Abseits, ein Zukunftsmodell,  [...] ist.
Meine Prognose: Schaun mer mal.

Naja, Propheten gibts überall - auch hier ;-)

Man könnte das z.B. in Bezug auf ein Psiram-Lieblingsthema umschreiben:

Zitat
Was ich lustig finde, sind die ganzen Propheten, die jetzt schon genau wissen, dass Deutschland nach der Energiewende wirtschaftlich und politisch am Ende, vor einer neuen Blüte, im finsteren Mittelalter, auf dem Weg in eine glorreiche Zukunft, pleite, voller Chancen, im Abseits, ein Zukunftsmodell,  [...] ist.
Meine Prognose: Schaun mer mal.

Ansonsten war es ja ein knappes Ergebnis. Je nach Region gab es auch starke EU-Zustimmung.
Aber irgendwie passt das alles in dieses "Internet-Zeitalter". Ich hatte oft das Gefühl, dass auch hier (wie immer) Verschwörungstheorien und Social-Media-Desinformation eine Rolle gespielt haben.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 24. Juni 2016, 14:19:01
Zitat
Strafe für Brexit: EU verbannt Briten auf trostlose, verregnete Insel im Nordatlantik..."Wer nicht in der EU bleiben will, der kann auch kein Teil des europäischen Kontinents sein", erklärte Juncker. Vielmehr sollten die Briten die Gelegenheit bekommen, auf einem öden Eiland weit vor der Küste bei Tee und seltsamem, nahezu ungenießbarem Essen über die Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken. Zudem soll ihnen das Privileg, den europäischen Rechtsverkehr zu nutzen, entzogen und der Straßenbetrieb auf einen unpraktischen Linksverkehr umgestellt werden.
http://www.der-postillon.com/2016/06/brexit-insel.html#more (http://www.der-postillon.com/2016/06/brexit-insel.html#more)

Das mit der einsamen Insel im Nordatlantik hat Elmar Brok tatsächlich gesagt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 24. Juni 2016, 14:26:05
Einer unserer Kunden hockt in Wales, jnj hat den Standort nur dort gelassen weil die EU ein Infrastrukturprojekt für die Stadt finanziert hat und dabei ordentlich Kohle in die Modernisierung einiger Fabriken gelaufen ist, hätte jnj alles selbst zahlen dürfen hätten sie sich die Modernisierung gespart und komplett verlegt. Das wird in Zukunft allerdings sehr interessant für Wales, das anscheinend mehrheitlich fürs Verlassen der EU gewählt hat. ;-)


Das sind so Sachen, die müssen die dann eben selber stemmen. Ist ja dann genug Geld da, wenn der Säckel für die Gemeinschaft geschlossen bleibt. Meint man jedenfalls mehrheitlich.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 24. Juni 2016, 14:46:36
Immerhin. Die Briten hatten die Wahl. Davon kann man hier nur träumen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 24. Juni 2016, 15:38:38
....33  hat Volksstimme das letzte Mal...........
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: mossmann am 24. Juni 2016, 15:41:37
Immerhin. Die Briten hatten die Wahl. Davon kann man hier nur träumen.

#Wutbürgerquoteofftheday
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 24. Juni 2016, 15:48:01
Die EU drückt aufs Gaspedal:

Zitat
"Wir erwarten von der Regierung des Vereinigten Königreichs, dass sie der Entscheidung der britischen Bevölkerung so bald wie möglich Wirkung verleihen, so schmerzhaft dieser Prozess auch sein mag", hieß es am Freitag in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung von EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und des niederländischen Regierungschef Mark Rutte, dessen Land die EU-Ratspräsidentschaft ausübt. "Jede Verzögerung würde die Unsicherheit unnötig verlängern".

Mit der Austrittserklärung würde eine zweijährige Frist beginnen, in der beide Seiten die Entflechtung ihrer Beziehungen verhandeln. Ein Teil des Brexit-Lagers spekuliert auf eine längere Übergangszeit bis zum Jahr 2019.
http://www.welt.de/politik/ausland/article156524176/EU-fordert-Briten-zum-unverzueglichen-Handeln-auf.html

Mal sehen, wann sich Schottland abspaltet:
Zitat
Die schottische Regierung stemmt sich gegen die Kappung der Verbindungen zur EU. Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte, ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum sei weiter eine Option und nun sogar „höchst wahrscheinlich“. Sie werde sich dafür einsetzen, Schottlands Platz in der Europäischen Union zu sichern. Wenn das schottische Parlament dem zustimme, werde die Gesetzgebung für ein zweites Referendum vorbereitet.
http://www.welt.de/politik/ausland/article156364920/Schottland-erwaegt-Unabhaengigkeitsreferendum.html

Downing Street 10 is down...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 24. Juni 2016, 16:23:19
Immerhin. Die Briten hatten die Wahl. Davon kann man hier nur träumen.

#Wutbürgerquoteofftheday
::) Daß Du nur noch schwarz und weiß kennst, ist nun auch keine Neuigkeit.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: mossmann am 24. Juni 2016, 16:44:26
Immerhin. Die Briten hatten die Wahl. Davon kann man hier nur träumen.

#Wutbürgerquoteofftheday
::) Daß Du nur noch schwarz und weiß kennst, ist nun auch keine Neuigkeit.

Träumst du jetzt vom EU-Austritt oder von Volksabstimmungen an sich?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Nicht_Peter am 24. Juni 2016, 16:45:21
Verantwortlich für den Brexit ist doch nicht das Referendum an sich und auch die Rechtspopulisten wie Herr Farage nur begrenzt. Der eigentliche Grund dürfte doch das recht tief verwurzelte, teilweise berechtigte Misstrauen der britischen Bevölkerung gegenüber der EU-Politik der letzten Jahre sein. Es rächt sich jetzt, dass man längst überfällige Reformen der Union hin zu mehr Subsidiarität und Bürgernähe jahrelang verschlafen hat und Problemen nur hinterherregiert.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 24. Juni 2016, 16:53:40
....33  hat Volksstimme das letzte Mal...........
Ich meine Sachthemen und zwar die die auch jeden einzelnen EU-Bürger betreffen. Wo bleibt da mein Mitspracherecht bzw. die Möglichkeit? EU-Erweiterungen, Energiewende (ok. nur bedingt EU), Außenpolitik (z.B. Ukraine), Bankenrettung, Griechenland etc. pipapo - alles Dinge die "über meinen Kopf" entschieden werden und wurden und mich nicht gerade zum EU-Fan machen. Euro? Hat mich auch niemand gefragt, wobei ich da allerdings bis heute nicht wüßte ob Fluch oder Segen.
 
Es muß nicht gleich die ganz große Frage sein, obige Punkte finde ich z.T. schon wichtig genug um dazu mal die anzuhören, die den ganzen Spaß bezahlen und zwar europaweit.
 
Um noch kurz auf Deine 33'er Anspielung, die ich etwas daneben finde, einzugehen - nein ich persönlich werde aufgrund meiner Unzfriedenheit ganz gewiß nicht meine Stimme irgendwelchen rechten Pappnasen geben. Ich reihe mich nur ins Herr der Nichtwähler ein.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 24. Juni 2016, 16:55:35
Es rächt sich jetzt, dass man längst überfällige Reformen der Union hin zu mehr Subsidiarität und Bürgernähe jahrelang verschlafen hat und Problemen nur hinterherregiert.

Ich weiß nicht recht. Ich habe keine Ahnung von Europa-Politik, aber dies scheint mir ein wenig pauschal zu sein.

Für meine Begriffe spielt die Angst vor "Überfremdung" eine Rolle. Irgendwo habe ich gelesen, dass Cameron sein Wahlkampfversprechen, den Zuzug zu begrenzen, nicht eingehalten hat (vermutlich hätte auch Farage das nicht einhalten können).

Die EU ist ohnehin dabei, sich zu atomisieren. Österreich macht den Brenner zu; Bulgarien baut Zäune und schickt "Bürgerwehren" auf die Jagd; in Polen gibt es Demonstrationen gegen Flüchtlinge, die vielleicht aus Deutschland "überschwappen" könnten; Seehofer droht der Kanzlerin. Die Beispiele lassen sich beliebig vermehren.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: mossmann am 24. Juni 2016, 17:39:47
Verantwortlich für den Brexit ist doch nicht das Referendum an sich ...

naja, schon ...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: mossmann am 24. Juni 2016, 17:44:00

Ich meine Sachthemen und zwar die die auch jeden einzelnen EU-Bürger betreffen. Wo bleibt da mein Mitspracherecht bzw. die Möglichkeit?

Habe heute einen guten Kommentar gelesen (leider vergessen, wo).

Der ging in etwa so:

"Volksabstimmungen wollen nicht konstruktiv gestalten, Kompromisse und Lösungen finden ... sie wollen nur zerstören."

So von wegen "nur schwarz und weiß" ...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Nicht_Peter am 24. Juni 2016, 17:48:59
Ich weiß nicht recht. Ich habe keine Ahnung von Europa-Politik, aber dies scheint mir ein wenig pauschal zu sein.

Für meine Begriffe spielt die Angst vor "Überfremdung" eine Rolle. Irgendwo habe ich gelesen, dass Cameron sein Wahlkampfversprechen, den Zuzug zu begrenzen, nicht eingehalten hat (vermutlich hätte auch Farage das nicht einhalten können).

Imo war das nur der Tropfen, der für die EU-Skeptiker das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die eigentlichen Gründe für die Skepsis liegen wesentlich tiefer. Aber schauen wir uns mal die besagte Flüchtlingskrise an: Gerade hier hat der bürokratische und unflexible Versuch der EU-Kommission, eine Willkommenskultur und eine Zuteilung der Flüchtlinge auf Teufel komm raus zu erzwingen, doch zu so starken Zweifeln an der EU und auch einigen sicherlich unverhältnismäßigen Abwehrreaktionen in manchen Mitgliedsstaaten geführt. Der ganze Brüsseler Apparat ist einfach sehr stark verkrustet und bürgerfern, man sehe sich nur mal solche eher kleineren Sachen wie den Doppelsitz des EU-Parlaments an, der zu jährlichen Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro und dazu führt, dass die Abgeordneten regelmäßig zwischen Straßburg und Brüssel hin und her pendeln dürfen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 24. Juni 2016, 17:50:17
Die EU drückt aufs Gaspedal:


Ja; und die Brexities haben es dagegen gar nicht so eilig: ausgerechnet Boris Johnson sieht "keinen Grund zur Hast". http://www.faz.net/agenturmeldungen/adhoc/brexit-johnson-europa-nicht-den-ruecken-zuwenden-14306381.html

So, wie sich das liest, sieht es fast aus wie ein grotesk überzogener Machtkampf um die Spitze bei den Tories, bei dem die P...nase Farage mit seinem Gefolge gerade recht kam. Crazy Boris hat Cameron gekippt, und jetzt will er es etwa ruhiger angehen lassen. Wenn er sich dabei mal nicht verrechnet hat, er wäre nicht der erste in diesem Spiel.

Wenn wir gerade vom Demokratie- und Mitbestimmungsdefizit bei der EU reden: ok, das besteht durchaus, ich bin mir nur nicht sicher, ob eine EU, die dieses Defizit dort beseitigt, wo es sich stellt, überhaupt gewollt wird. Zur Zeit ist es ja so, dass es einen generellen Vorrang von Gemeinschaftsrecht vor nationalem Recht gibt. Richtlinien, die von der Kommission in Brüssel kommen, müssen innerstaatlich umgesetzt werden, sonst können Sanktionen drohen. Damit schafft die EU einen seltsamen Rechtszustand: Rechtsquellen (die Richtlinien), die nach dem Vorgang ihrer Entstehung eigentlich nur die Qualität von Rechtsverordnungen, also von administrativ geschaffenem Recht haben, stehen höherrangig da als förmliche Gesetze der Mitgliedstaaten, also höher als parlamentarisch-legislativ geschaffenes Gesetzesrecht. Ob sie damit de facto verfassungsrechtsähnlichen Rang haben, ist eine Frage, die der Ex-BVerfG-Richter Dieter Grimm kürzlich einmal aufwarf, und sie ist ziemlich beunruhigend. In dieser Schieflage liegt das eigentliche Demokratiedefizit der EU-Organisation. Es liegt dagegen nicht in der Abwesenheit von Volksabstimmungen - selbst unser Grundgesetz kennt sie nur in einigen seltsamen Fällen, um einen davon hat sich die deutsche Politik anno 1989/1990 beim Beitrittsverfahren der neuen Bundesländer elegant herumgewunden.

Will man ein strukturelles Demokratiedefizit in der EU beseitigen, muss man wohl oder übel den europäischen Parlamentarismus stärken, und zwar auf Kosten der mächtigen Kommission. Und das würde bedeuten: wir wählen, von Skandinavien bis zur Ägäis, in gleicher und freier Wahl dasjenige Parlament, das verbindliches europäisches Recht für alle Mitgliedsländer setzt und die Kommission als Spitze der europäischen Administration wählt und legitimiert.

Dann hätten wir einen föderalen europäischen Bundesstaat, und es gäbe auch nachvollziehbare und einwandfrei legitimierte Wege, Kompetenzen und Subsidiaritäten zu regeln - auf der Ebene gesamteuropäischen Verfassungsrechts. Auf der Ebene eines Staatenbundes, der sachliche Regelungsbereiche an Gemeinschaftsorgane delegiert und damit in den eigenen Staaten die Parlamente zu Gunsten eingesetzter Kommissare delegitimiert, kann das dagegen niemals wirklich funktionieren. Zum Vergleich: die Bundesrepublik Deutschland ist ein Bundesstaat mit einem Bundes- und vielen Landesparlamenten, die alle, aber auf die jeweiligen verfassungsrechtlich vorgegebenen Kompetenzen beschränkte förmliche Gesetze beschließen können. Dort, wo es zu Kollisionen kommen kann, gilt: Bundesrecht bricht Landesrecht. Aber nur dort! Bundesländer können insbesondere nicht hergehen und dem Bundesgesetzgeber - oder gar der Bundesregierung - Gegenstände der eigenen Gesetzgebungskompetenz übertragen, die dann anschließend nur noch abgenickt werden können.

Aber Hand aufs Herz: traut sich jemand einen europäischen Bundesstaat wirklich zu?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 24. Juni 2016, 17:53:25
Verantwortlich für den Brexit ist doch nicht das Referendum an sich ...

naja, schon ...

Ne, es ist Cameron, der hier mit seinem Ex-Schulfreund Boris Johnson verantwortungslose Machtspielchen getrieben hat, das hier ging gerade in die Hose. Oder ist vielleicht nur das Feuer schuld, wenn ein Haus abbrennt, und nicht der Brandstifter?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 24. Juni 2016, 18:03:42
Typee bringt es IHMO auf den Punkt.

@Blödmann, ein Goodwin sollte bei dieser Diskussion schon drin sein, oder?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 24. Juni 2016, 18:09:00

Ich meine Sachthemen und zwar die die auch jeden einzelnen EU-Bürger betreffen. Wo bleibt da mein Mitspracherecht bzw. die Möglichkeit?

Habe heute einen guten Kommentar gelesen (leider vergessen, wo).

Der ging in etwa so:

"Volksabstimmungen wollen nicht konstruktiv gestalten, Kompromisse und Lösungen finden ... sie wollen nur zerstören."

So von wegen "nur schwarz und weiß" ...
Nach der Logik müßte die Schweiz ein einziger Trümmerhaufen sein.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 24. Juni 2016, 18:14:43
@Blödmann, ein Goodwin sollte bei dieser Diskussion schon drin sein, oder?
Ja. Aber ich hatte noch nicht mal bis 10 gezählt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 24. Juni 2016, 18:19:59
Nach der Logik müßte die Schweiz ein einziger Trümmerhaufen sein.

Nein, so ist das nicht. Auch in der Schweiz arbeitet ein repräsentatives Parlament aus eigener Kraft eine Menge Gesetzgebung in sehr zentralen und wichtigen Materien ab, ohne alles nochmals vom Volke absegnen zu lassen. Von den paar Referenden, die gelegentlich hochklappen, darf man sich nicht täuschen lassen. Das ist ein Beobachtungs-Bias.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 24. Juni 2016, 18:22:12
Zu Typees Aussge passt auch das:

Zitat
Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“

Soll Juncker im Jahr 1999 gesagt haben.

https://de.m.wikiquote.org/wiki/Jean-Claude_Juncker

Ein wahrhaft aufrechter Demokrat, dieser Mann.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: grober_unfug am 24. Juni 2016, 18:22:57
Moin,
Das sind so Sachen, die müssen die dann eben selber stemmen. Ist ja dann genug Geld da, wenn der Säckel für die Gemeinschaft geschlossen bleibt. Meint man jedenfalls mehrheitlich.
Das wäre jetzt Sache des Experimentes.  ;D


Ich meine Sachthemen und zwar die die auch jeden einzelnen EU-Bürger betreffen. Wo bleibt da mein Mitspracherecht bzw. die Möglichkeit?

Habe heute einen guten Kommentar gelesen (leider vergessen, wo).

Der ging in etwa so:

"Volksabstimmungen wollen nicht konstruktiv gestalten, Kompromisse und Lösungen finden ... sie wollen nur zerstören."

So von wegen "nur schwarz und weiß" ...
Naja, wenn man halt auch nur nach "ja" oder "nein" fragt und lustige Populisten dabei hat ist das von vorneherein so gestaltet. Hier wird versucht Fragestellungen auf die es oft nur komplexe Antworten geben wird auf ein schwarz/weiss zu reduzieren das muss zu stress führen und wenn man pokert so wie Herr Cameron dann dazu das man irgendwann in der Sackgasse steht und seinen Hut nehmen darf.

Vielleicht sollte man dazu übergehen nach "ja", "nein", "unter Bedingung" und mit Kommentarbox zu fragen. Ja, da steigt der Auswertungsaufwand und man wird auf mehrere Iterationen rauskommen, aber manchmal ist es das, denke ich zumindest, wert. Und vielleicht formulieren genug Wähler Ideen die man dann direkt umsetzen kann. Zudem würden wir alle deutlich stärker in die Entscheidungsfindung integriert werden, jetzt gebe ich meine Stimme ab und hoffe das im folgenden Kompromissfindungsprozess auch das rauskommt was ich mit dieser Stimme gemeint habe.

Zitat von:  Typee
Aber Hand aufs Herz: traut sich jemand einen europäischen Bundesstaat wirklich zu?
Da dürfte noch viel Wasser den Rhein runter laufen prinzipiell wäre ich da aber durchaus ein Freund von.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 24. Juni 2016, 18:23:16
Nach der Logik müßte die Schweiz ein einziger Trümmerhaufen sein.

Ist zwar verwegen, aber das Schweizer Modell könnte ich mir für eine EU durchaus vorstellen, die Probleme, die es dort gibt, sind oft ähnlicher Art - verschiedene sprachen, z.t. völlig verschiedene Mentalitäten, aber mit vielen Abstimmungen und viel Subsidiarität haut das seit 1848 mehr oder weniger gut hin. Die Frage ist, ob sich das so skalieren lässt, ich vermute fast. ja.

Über eines müssen sich die Gegner direkter Demokratie halt im Klaren sein, und das sind sie fast nie: Der Tod einer Demokratie sind weniger Fehlentscheidungen, sondern Desinteresse an ihr, weil man das Gefühl hat, sowieso nicht mitreden zu können.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 24. Juni 2016, 18:35:10
Als Jugoslawien auseinanderflog nannte das vor langen Jahren ein Kollege an der Uni "den wütenden Aufstand des Landes gegen die Stadt". Er behauptete, dass die Anhänger der Populisten Milosewitz (so müsste er heissen ) und Co aus den Dörfern kämen, nicht aus den Städten. Ich kann das nicht überprüfen.

Die vorletzte SVP Initiative in der Schweiz zur Begrenzung des Zuzugs (Die letzte zur Verschärfung des Strafrechts scheiterte ja kläglich)  gewann in den ländlichen Gebieten mit dem geringsten Ausländeranteil.

Die meiste Aufregung wegen der Flüchtlinge gibt es auch in Dtl dort, wo die wenigsten leben.

Und nun stimmt London für die EU und der isolierte Rest dagegen. Das hat System. Und ich sehe darin kein Versagen der EU, sondern der lokalen Politiker, die Probleme auf die EU schieben und Erfolge als eigene reklamieren.
Wo dagegen so viel von der EU profitiert wird, zB in den Uni-Städten Glasgow und Edinburgh, in Irland, dem "keltischen Tiger", tja, da kapiert man, was man im Team erreichen kann.

Ich wünsche den Briten nichts Schlechtes. Auch wenn Sie nicht in der EU sind, bleiben wir eng verbandelt und wenn es denen schlechter geht trifft es am Ende uns alle. Aber ich frage mich doch schon im Stillen, wie Sie es mit der Austerität halten werden, wenn Sie statt Griechenland am Ende in der Tinte sitzen?


Nebenbei:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_(EWG)_Nr._1677/88_(Gurkenverordnung)

Es ist eben alles immer bisschen komplexer als die Schlagzeile der Bildzeitung...


Mein 5 € ct.  Ich geh jetzt meine EU-Fahne aufhängen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 24. Juni 2016, 18:37:00

Über eines müssen sich die Gegner direkter Demokratie halt im Klaren sein, und das sind sie fast nie: Der Tod einer Demokratie sind weniger Fehlentscheidungen, sondern Desinteresse an ihr, weil man das Gefühl hat, sowieso nicht mitreden zu können.

Völlig richtig. Und deswegen ist der Brexit auch durchaus eine Chance. Und wer heute mit Krimsekt anstößt, hat vielleicht zu früh gelacht.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 24. Juni 2016, 18:39:17

Ne, es ist Cameron, der hier mit seinem Ex-Schulfreund Boris Johnson verantwortungslose Machtspielchen getrieben hat, das hier ging gerade in die Hose. Oder ist vielleicht nur das Feuer schuld, wenn ein Haus abbrennt, und nicht der Brandstifter?

Ok, hätte er es nicht getan, hätte Johnson die Abstimmung bewirkt, oder glaubst Du das nicht? Also was soll das, die Schuld so bei Cameron zu suchen?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 24. Juni 2016, 18:44:31
Hier eine gute Erklärung:

https://krautreporter.de/1537-zeit-zu-gehen-grossbritannien
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 24. Juni 2016, 18:49:38
Falls jemanden interessiert, woher meine Vorbehalte gegenüber Volksabstimmungen rühren:

http://www.welt.de/vermischtes/article156522935/Briten-googeln-ploetzlich-was-der-Brexit-bedeutet.html
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 24. Juni 2016, 18:50:13

Ne, es ist Cameron, der hier mit seinem Ex-Schulfreund Boris Johnson verantwortungslose Machtspielchen getrieben hat, das hier ging gerade in die Hose. Oder ist vielleicht nur das Feuer schuld, wenn ein Haus abbrennt, und nicht der Brandstifter?

Ok, hätte er es nicht getan, hätte Johnson die Abstimmung bewirkt, oder glaubst Du das nicht? Also was soll das, die Schuld so bei Cameron zu suchen?

Naja, was heißt Schuld. Die beiden sind halt im Wettstreit, soweit, so gut, und würden sie gegeneinander Fechten oder sonst was - kein Problem. Nur hier hat Cameron gepokert, weil er sicher war, dass die Mehrheit in der EU bleiben wollte. Und Johnson ist das Spiel mitgegangen, indem er plötzlich (Als Ex-Londoner-BGM!) für den Austritt war. Und jetzt schon wieder fast dagegen. Man (ich zumindest) hat das Gefühl, hier würde Politik am Spieltisch betrieben.

Naja, jetzt ist es so, ein Fenster wurde eingeschlagen, und vielleicht tut die frische Luft gut.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 24. Juni 2016, 18:55:34
Falls jemanden interessiert, woher meine Vorbehalte gegenüber Volksabstimmungen rühren:

http://www.welt.de/vermischtes/article156522935/Briten-googeln-ploetzlich-was-der-Brexit-bedeutet.html

Das sind auch meine Bedenken, aber: So etwas muss wachsen, siehe Schweiz. Ab und an alle Jahrzehnte solche Referenden reinknallen, das funktioniert so nicht.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 24. Juni 2016, 19:03:01
Hier eine gute Erklärung:

https://krautreporter.de/1537-zeit-zu-gehen-grossbritannien

Finde ich auch.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 24. Juni 2016, 21:49:34
Hier eine gute Erklärung:

https://krautreporter.de/1537-zeit-zu-gehen-grossbritannien

Ah, danke lieber Sauropode. Wieder was gelernt...


Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Yadgar am 24. Juni 2016, 21:53:52
Hi(gh)!

Zitat
Ich kann's den Briten nicht verdenken. Unbestreitbar ist aber: Erdoğan, Putin, Le Pen & Petry gefällt das. Heute knallen die Krimsektkorken.

...und was die braune APO klammheimlich dazu denkt stelle ich mir so vor: http://www.assoziations-blaster.de/blast/EU.28.html

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Yadgar am 24. Juni 2016, 22:04:13
Hi(gh)!

Vielmehr sollten die Briten die Gelegenheit bekommen, auf einem öden Eiland weit vor der Küste bei Tee und seltsamem, nahezu ungenießbarem Essen über die Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken.

Fish & Chips in brauner Pfefferminzsauce! Lecker! Und zum Nachtisch dieses quietschsüße Konfekt aus der Carnaby Street! Auch geil: SPAM! (kriegt man hier auf dem Kontinent komischerweise gar nicht!)

Aber ehrlich, so daneben fand ich England seinerzeit gar nicht... bis auf die allgegenwärtigen CCTV-Kameras, die waren schon scary! Und dann das britische Münzgeld: auf dem 2-Pfund-Stück steht die Kante entlang "STANDING ON THE SHOULDERS OF GIANTS" - das hat schon was... und dass seit den Beatles die besten Bands sowieso aus UK kommen, das weiß doch jeder, der nicht völlig unmusikalisch ist!

See you in Khyberspace!

Yadgar
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Yadgar am 24. Juni 2016, 22:08:49
einsamen Insel im Nordatlantik

Au ja... Rockall (https://de.wikipedia.org/wiki/Rockall)!

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 24. Juni 2016, 23:11:46
@Yadgar

wenn Du nicht gleich wieder mit Atombombe drohst, dann darfst Du bleiben.  :police:

 ;)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 25. Juni 2016, 00:19:50
@Yadgar

wenn Du nicht gleich wieder mit Atombombe drohst, dann darfst Du bleiben.  :police:

 ;)

Wenn er so weitermacht, möchte man ihn fast für das apokalyptische Kreuz erster Klasse vorschlagen.  8)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 25. Juni 2016, 00:25:44
Falls jemanden interessiert, woher meine Vorbehalte gegenüber Volksabstimmungen rühren:

http://www.welt.de/vermischtes/article156522935/Briten-googeln-ploetzlich-was-der-Brexit-bedeutet.html

Das sind auch meine Bedenken, aber: So etwas muss wachsen, siehe Schweiz. Ab und an alle Jahrzehnte solche Referenden reinknallen, das funktioniert so nicht.

Was mir zusätzlich dazu auch noch zu denken gibt ist, dass wir Menschen doch recht von Emotionen getriebene Wesen sind. Meiner Meinung nach generiert dies in Verbindung mit einer direkten Demokratie ein nicht unerhebliches Schadenspotential für diejenigen, die von der Entscheidung betroffen sind.

Abgesehen davon bedarf es in der EU so einiges an Reformen (wie hier bereits angemerkt wurde) aber so weit wie es notwendig wäre wird wohl keiner gehen wollen.

Ich bin jedenfalls gespannt, was die nächsten Jahre bringen werden....
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: eLender am 25. Juni 2016, 00:34:18
@Yadgar

wenn Du nicht gleich wieder mit Atombombe drohst, dann darfst Du bleiben.  :police:

 ;)

Yadexit later.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Yadgar am 25. Juni 2016, 16:38:15
Hi(gh)!

Yadexit later.

Yexit! Und zwar geradewegs Richtung Afghanistan, dem ich mich dann als 35. Provinz ("Yadgaristan") anschließen werde... den mittleren Teil des Bergischen Landes (http://www.assoziations-blaster.de/blast/ichgr%FCndeeinenStaat.30.html) nehme ich natürlich mit!

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Dunkelzahn am 25. Juni 2016, 18:58:57
Ich bin ehrlich gesagt nicht unzufrieden mit dem Ergebnis der Wahl. Die Begründung ist simpel: Was wäre beim alternativen Ausgang gewesen?

Eine knappe Mehrheit für Remain wäre auch ein sehr mühsames Ergebnis gewesen. Für Cameron und vermutlich einige andere wäre die Rechnung aufgegangen. Man hätte gegenüber der EU mit "Es war sehr knapp, ihr müsst uns Zugeständnisse machen" auftreten können und hätte parallel intern "Ihr, das Volk, habt für den Verbleib gestimmt" argumentieren können. UK wäre in der EU geblieben, aber ein schaler Nebengeschmack wäre geblieben. Meiner Meinung nach wäre der Stillstand "total" gewesen, da in verschieden Richtungen gezerrt worden wäre.

Hätte ich auch nicht sehr prickelnd empfunden.

Das jetzige Ergebnis ist irgendwie klarer und eindeutiger, wobei die tatsächlichen Auswirkungen für mich nicht absehbar sind. Das wird einiges an Kopfzerbrechen verursachen. Veränderung und Verbesserung benötigt IMHO oft einen Paukenschlag, ein einschneidendes Ereignis, eine Katastrophe als Auslöser. Sonst dümpelt alles weiter wie gehabt. Manch schiebt Entscheidungen hinaus und einigt sich auf faule Kompromisse. Nicht das ich jetzt was konkret nennen könnte, ist mehr eine generelle Einsicht, die ich aus Erfahrung habe und einfach für die EU als Projekt auch annehme.

Die EU und die beteiligten Länder werden meiner Meinung nach eine Richtungsentscheidung treffen müssen. Ich vermute, es werden durch den Austritt von UK mehr Veränderungen ausgelöst als durch einen Verbleib. Jetzt ist der Aufschrei groß, aber ich denke mal, dass man alles auf die Reihe bekommt. Es wird vielen Menschen sehr viel Arbeit machen, aber im Endeffekt wird man Verträge abschließen, die den Status Quo möglichst erhalten.

Mal sehen. Abwarten und grauslichen Tee trinken.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 25. Juni 2016, 19:52:09
Vielleicht kommt es nicht so weit. Die Entscheidung über den Austritt kann nur das britische Parlament treffen. Das Referendum ist rechtlich nicht bindend.

Außerdem: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Referendum_über_den_Verbleib_des_Vereinigten_Königreichs_in_der_Europäischen_Union#Online-Petition
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 25. Juni 2016, 20:03:43
Nach dem Brexit der Bregret: http://www.spiegel.de/politik/ausland/nach-brexit-kommt-bregret-briten-bereuen-eu-austritt-a-1099778.html

Das ist natürlich Unsinn, man kann nicht so lange abstimmen, bis einem das Ergebnis passt.

Schwer zu glauben, dass sich niemand klargemacht hat, wie labil das UK tatsächlich ist und was die Bombe Brexit darin anrichten könnte. In Schottland gibt es nicht einen einzigen Wahlkreis, der mehrheitlich für den Ausstieg gestimmt hätte. In den zwei größten Städten liegen die Mehrheiten bei zwei Dritteln bzw. drei Vierteln. Das nächste Unabhängigkeitsreferendum wäre erfolgreich. Und dessen Betreiber meinen es ernst damit, sich wegen eines Machtgeplänkels bei den englischen Tories nicht aus der Gemeinschaft kegeln zu lassen.

Noch schlimmer ist die Lage in Nordirland. Dort verläuft eine Votumsgrenze entlang der Konfessionsgrenze. Alle nordöstlichen, mehrheitlich von Protestanten bewohnten Kreise waren für den Brexit, alle südwestlichen, mehrheitlich von Katholiken bewohnten Kreise dagegen, und deren politisches Organ Sinn Fein thematisiert die Annäherung an die Republik, die sowieso der große Kriegsgewinnler des UK-Desasters sein wird.

Das UK befindet sich in einer Staatskrise, und es könnte sein, dass die EU so zu zwei neuen Außengrenzen kommt: eine diagonal durch Ulster - die andere entlang des Hadrianswalls.

@ Sauropode:
In der Haut britischer Unterhausabgeordneter möchte ich jetzt nicht stecken. Egal, was sie aus dem Votum machen: sie können sich schon einmal überlegen, was sie nachher so treiben. Abgeordnete(r) bleiben erscheint nicht aussichtsreich.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: eLender am 25. Juni 2016, 20:27:08
Glyphosat ist schuld :po:

Zitat
Das Wall Street Journal hat am Beispiel von Glyphosat illustriert, wie Entscheidungsprozesse in Brüssel nicht ablaufen sollten: Die Mitgliedsstaaten schieben den Schwarzen Peter an die Kommission weiter und die verliert zusehends an Zutrauen in der Bevölkerung. Damit mag man kurzfristig (bis zur nächsten Bundestagswahl) weiterkommen, fährt langfristig das Projekt Europa aber vor die Wand.
https://schillipaeppa.net/2016/06/25/brexit-und-glyphosat/
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Dunkelzahn am 25. Juni 2016, 20:56:00
Glaube nicht, dass sich das Parlament einfach so über das Referendum hinwegsetzt. Und ein zweites durchzuführen wird auch nicht so leicht werden.

Aber natürlich, jetzt hat es plötzlich keiner mehr eilig. Cameron schiebt es auf den Nachfolger, d.h. wohl der Antrag wird frühestens nächstes Jahr eingebracht. Inzwischen macht Schottland ein Referendum, eventuell auch Nordirland und dann gibt es noch die lustige Idee, London für unabhängig zu erklären.
https://en.wikipedia.org/wiki/London_secessionism

Jetzt geht es jedenfalls mal rund. Am Ende denke ich, dass sich irgendeine vernünftige Lösung finden lassen wird. Aber ich bin da vielleicht zu sehr Zweckoptimist.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Dunkelzahn am 25. Juni 2016, 21:00:52
Glyphosat ist schuld :po:

Zitat
Das Wall Street Journal hat am Beispiel von Glyphosat illustriert, wie Entscheidungsprozesse in Brüssel nicht ablaufen sollten: Die Mitgliedsstaaten schieben den Schwarzen Peter an die Kommission weiter und die verliert zusehends an Zutrauen in der Bevölkerung. Damit mag man kurzfristig (bis zur nächsten Bundestagswahl) weiterkommen, fährt langfristig das Projekt Europa aber vor die Wand.
https://schillipaeppa.net/2016/06/25/brexit-und-glyphosat/

Ich finde den Text jetzt nicht so verkehrt. Und der Autor hat schon recht. Das Herumgezicke um Glyphosat ist schon sehr nervig. So sollte es nicht laufen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 25. Juni 2016, 21:08:38
Glyphosat ist schuld :po:

Zitat
Das Wall Street Journal hat am Beispiel von Glyphosat illustriert, wie Entscheidungsprozesse in Brüssel nicht ablaufen sollten: Die Mitgliedsstaaten schieben den Schwarzen Peter an die Kommission weiter und die verliert zusehends an Zutrauen in der Bevölkerung. Damit mag man kurzfristig (bis zur nächsten Bundestagswahl) weiterkommen, fährt langfristig das Projekt Europa aber vor die Wand.
https://schillipaeppa.net/2016/06/25/brexit-und-glyphosat/

Ich finde den Text jetzt nicht so verkehrt. Und der Autor hat schon recht. Das Herumgezicke um Glyphosat ist schon sehr nervig. So sollte es nicht laufen.

Bei manchen Bevölkerungsgruppen steht jede Art von chemischer Pflanzenbehandlung in der Kritik ist GIFT!!!!   :dagegen: :protest: :protest: :protest:

Edit: Wenn das UK tatsächlich auseinandergeht ist die Queen dann eigentlich arbeitslos?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: eLender am 25. Juni 2016, 21:08:54
Ich finde den Text jetzt nicht so verkehrt. Und der Autor hat schon recht. Das Herumgezicke um Glyphosat ist schon sehr nervig. So sollte es nicht laufen.

Finde den Artikel von Susanne Günther auch gut. Er illustriert - an einem Thema, das uns ja auch beschäftigt - dass es auch Gründe gibt, nicht an der Veranstaltung EU teilzunehmen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 25. Juni 2016, 21:29:09
Edit: Wenn das UK tatsächlich auseinandergeht ist die Queen dann eigentlich arbeitslos?

Die zieht dann in Margots Haus in Chile.

(Davon abgesehen hat das Königreich schon viele heftigere Probleme überstanden.)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 25. Juni 2016, 22:01:20
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 25. Juni 2016, 22:04:23
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 25. Juni 2016, 22:11:27
Jedenfalls, man sollte in GB jetzt auf kleinere Erdbewegungen achten. Ein Shakespeare muss sich da gerade im Grab umdrehen bei der Vorlage.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 25. Juni 2016, 22:13:13
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 25. Juni 2016, 22:21:42
Ein Nigel ist ein Kind, das dich kurz über die Wiedereinführung der Todesstrafe nachdenken lässt.
Im schwäbischen ein Keib.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 25. Juni 2016, 22:33:12
Ein Nigel ist ein Kind, das dich kurz über die Wiedereinführung der Todesstrafe nachdenken lässt.
Im schwäbischen ein Keib.

Im alemannischen südlich angrenzenden Staat auch Cheib, in der Steigerung Huerecheib genannt.

Edit. Das sind so Wörter, die man benutzt, wenn man sein Kind nicht Arschloch nennen will, aber das gleiche damit meint.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 25. Juni 2016, 22:33:52
Kosh, danke.

Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Aha, das hat mich jetzt sehr weiter gebracht.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Gethen am 26. Juni 2016, 01:02:35
... auch Cheib, in der Steigerung Huerecheib genannt.

... Wörter, die man benutzt, wenn man sein Kind nicht Arschloch nennen will, aber das gleiche damit meint.

Heißt das, in der Gegend ist es okay, vor den Kindern von Huren zu reden, aber Arschlöcher gehn gar nicht?  ???
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 26. Juni 2016, 01:19:13
... auch Cheib, in der Steigerung Huerecheib genannt.

... Wörter, die man benutzt, wenn man sein Kind nicht Arschloch nennen will, aber das gleiche damit meint.

Heißt das, in der Gegend ist es okay, vor den Kindern von Huren zu reden, aber Arschlöcher gehn gar nicht?  ???

Nein, das war nur eine Übersetzung. Man kann ja Sprachen schlecht durch die Wörter definieren, die nicht vorkommen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Dunkelzahn am 26. Juni 2016, 22:27:26
(https://d262ilb51hltx0.cloudfront.net/max/800/1*GQGIYHM5lF5PhXnjOaymwA.jpeg)

-- "I've quickly designed a logo for our new country: #ScotLond"
https://twitter.com/MrMichaelShaw/status/746271419995140096
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 27. Juni 2016, 11:02:07
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 27. Juni 2016, 13:39:01
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...

Ist das sowas wie ein Hannebambel?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 27. Juni 2016, 14:33:09
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...

Ist das sowas wie ein Hannebambel?

Ja, oder auch Gewidderoas, Knorz, Schluri, oder Ziemperliesje.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 27. Juni 2016, 15:02:10
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...

Ist das sowas wie ein Hannebambel?

Ja, oder auch Gewidderoas, Knorz, Schluri, oder Ziemperliesje.

Ist Hannebambel nicht eher ein Dödel oder Doldi?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 27. Juni 2016, 17:12:59
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...

Ist das sowas wie ein Hannebambel?

Ja, oder auch Gewidderoas, Knorz, Schluri, oder Ziemperliesje.

Ist Hannebambel nicht eher ein Dödel oder Doldi?

Auch, gilt für beides. Man könnte auch Dabbes sagen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 27. Juni 2016, 18:07:25
"Bankert" geht auch, nur nicht bei den eigenen Kindern. Das hätte etymologisch so einen haut-gout.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 27. Juni 2016, 18:53:22
Sind wir dann im nächsten Schritt nicht bei den Kegeln?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Hildegard am 28. Juni 2016, 11:29:49
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...

Ist das sowas wie ein Hannebambel?

Ja, oder auch Gewidderoas, Knorz, Schluri, oder Ziemperliesje.

Ist Hannebambel nicht eher ein Dödel oder Doldi?

Auch, gilt für beides. Man könnte auch Dabbes sagen.

Witzig. Bei der Lektüre dieser Kaskade ist mir ein altes Hamburger Schimpfwort für rüpelhafte Kinder eingefallen. Meine Oma, Jahrgang 1902, benutzte es. Sie nannte freche Rüpel Briten.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 28. Juni 2016, 12:09:48
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...

Ist das sowas wie ein Hannebambel?

Ja, oder auch Gewidderoas, Knorz, Schluri, oder Ziemperliesje.

Ist Hannebambel nicht eher ein Dödel oder Doldi?

Auch, gilt für beides. Man könnte auch Dabbes sagen.

Witzig. Bei der Lektüre dieser Kaskade ist mir ein altes Hamburger Schimpfwort für rüpelhafte Kinder eingefallen. Meine Oma, Jahrgang 1902, benutzte es. Sie nannte freche Rüpel Briten.

Endlich sind wir wieder beim Thema.  ;D
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 28. Juni 2016, 15:41:35
Nur so nebenbei:
Wenn meine Mutter von meinem Bruder und mir mal wieder entnervt war, sagte Sie :
"Ihr Nigel!"

Was heißt das?

Soviel wie Brömpftl, Körtel, Görtzer.

Also ein Simpel, klaaner Krotze, oder so...

Ist das sowas wie ein Hannebambel?

Ja, oder auch Gewidderoas, Knorz, Schluri, oder Ziemperliesje.

Ist Hannebambel nicht eher ein Dödel oder Doldi?

Auch, gilt für beides. Man könnte auch Dabbes sagen.

Witzig. Bei der Lektüre dieser Kaskade ist mir ein altes Hamburger Schimpfwort für rüpelhafte Kinder eingefallen. Meine Oma, Jahrgang 1902, benutzte es. Sie nannte freche Rüpel Briten.

Endlich sind wir wieder beim Thema.  ;D

Das wurde jetzt auch Zeit, ich hätte sonst nicht gewusst, wie wir die Kurve zum Titel dieses Threads bekommen sollten.  :prosit
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Gethen am 28. Juni 2016, 15:45:50
Witzig. Bei der Lektüre dieser Kaskade ist mir ein altes Hamburger Schimpfwort für rüpelhafte Kinder eingefallen. Meine Oma, Jahrgang 1902, benutzte es. Sie nannte freche Rüpel Briten.

Endlich sind wir wieder beim Thema.  ;D

Leider nicht. Es ist aber eben auch nicht jedem gegeben:

http://kulturkreis-finkenwerder.info/glossword/index.php/term/Plattdeutsch+-+Hochdeutsch,Briet%252C+Brieten.xhtml

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 28. Juni 2016, 16:05:27
Nachdem dieser Versuch, on topic zu kommen, gescheitert ist, nun der nächste.  ;)

Es ist schon eine paradoxe Situation für den britischen Populismus. Weder kann er weiterhin zu Hause damit punkten, dass er der EU einheizen werde, noch kann er auswärts weiter mit der Drohung punkten, aus der EU auszutreten.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Conina am 28. Juni 2016, 18:31:17
Be careful what you wish for - you just might get it.

Mir ist das alles echt zu unübersichtlich, aber meine Lebenserfahrung sagt mir, dass es nie so dicke kommt, wie die Hysteriker meinen.
Ich glaube nicht, dass das großen Einfluss auf mein Leben haben wird.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 28. Juni 2016, 20:04:02
Im Augenblick scheint die Ruhe nach dem Sturm zu herrschen. So richtig was in Richtung Brexit hat nach dem Referendum aber noch nicht getan. Nur die Schotten und die EU-Oberen machen aktuell viel Wind.

Im übrigen frage ich mich, was sich Schulz und Junker bei ihren öffentlichen Kommentaren bzw. Auftritten gedacht haben? Kein Wunder, dass man Ihnen eine arrogante Haltung vorwirft.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: eLender am 28. Juni 2016, 20:42:48
Mir ist das alles echt zu unübersichtlich, aber meine Lebenserfahrung sagt mir, dass es nie so dicke kommt, wie die Hysteriker meinen.
Ich glaube nicht, dass das großen Einfluss auf mein Leben haben wird.
:prosit

Im übrigen frage ich mich, was sich Schulz und Junker bei ihren öffentlichen Kommentaren bzw. Auftritten gedacht haben? Kein Wunder, dass man Ihnen eine arrogante Haltung vorwirft.
:prosit

(gut, dass ihr es sagt, dann muss ich mir die Arbeit nicht machen ;))
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 28. Juni 2016, 21:38:23
Um mal wieder ernst zu werden - eine Frage geht mir dauernd durch den Kopf: Manche vergleichen ja zumindest in der Zielsetzung die EU mit den USA. Nun ist es aber so, dass die US-Bundeststaaten z.T. völlig unterschiedliche Gesetze auf bundeststaatlicher Ebene haben (Todesstrafe, Umweltgesetze, Drogen etc.) und sehr viel von teilweise schon fast irrer Subsidiarität durchzogen ist, was in der EU eigentlich so nicht denkbar ist. Während die EU auf Glühbirnen-Niveau reglementiert, aber weder nach außen noch innen den Eindruck erweckt, auch nur annähernd ein vergleichbares Gebilde wie die USA zu sein. Was beißt sich da?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Dunkelzahn am 28. Juni 2016, 23:53:39
Um mal wieder ernst zu werden - eine Frage geht mir dauernd durch den Kopf: Manche vergleichen ja zumindest in der Zielsetzung die EU mit den USA. Nun ist es aber so, dass die US-Bundeststaaten z.T. völlig unterschiedliche Gesetze auf bundeststaatlicher Ebene haben (Todesstrafe, Umweltgesetze, Drogen etc.) und sehr viel von teilweise schon fast irrer Subsidiarität durchzogen ist, was in der EU eigentlich so nicht denkbar ist. Während die EU auf Glühbirnen-Niveau reglementiert, aber weder nach außen noch innen den Eindruck erweckt, auch nur annähernd ein vergleichbares Gebilde wie die USA zu sein. Was beißt sich da?

Jetzt mal abgesehen davon, dass die USA etwas länger Zeit hatten ein Gefüge zu werden, würde ich sagen:
- Eine Außenpolitik, ein Militär.

Gegenfrage: Ist Innenpolitik für die Außenwahrnehmung wirklich wichtig? Oder ist es vor allem die Außenpolitik?

Vielleicht könnte man noch diesen für mich seltsam überschäumenden Patriotismus nennen, den man in Europa, zumindest im deutschen Raum nicht so findet.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 29. Juni 2016, 00:07:33
Um mal wieder ernst zu werden - eine Frage geht mir dauernd durch den Kopf: Manche vergleichen ja zumindest in der Zielsetzung die EU mit den USA. Nun ist es aber so, dass die US-Bundeststaaten z.T. völlig unterschiedliche Gesetze auf bundeststaatlicher Ebene haben (Todesstrafe, Umweltgesetze, Drogen etc.) und sehr viel von teilweise schon fast irrer Subsidiarität durchzogen ist, was in der EU eigentlich so nicht denkbar ist. Während die EU auf Glühbirnen-Niveau reglementiert, aber weder nach außen noch innen den Eindruck erweckt, auch nur annähernd ein vergleichbares Gebilde wie die USA zu sein. Was beißt sich da?

Die USA sind ein sehr dezentral organisierter Bundesstaat, die EU ist ein ziemlich zentral gelenkter Staatenbund. In den Extremen treten eben Überlappungen auf. Man muss sich einfach von der Denke freimachen, dass es so etwas wie einen natürlichen Begriff von Bundesstaat oder Staatenbund gibt. Politische Körperschaften sind das, als was sie verfasst wurden, auch mit allen Inkonsequenzen.

Die Staatsorganisation USA versteht man am besten, wenn man sich klar macht, dass sie den Anforderungen an eine Föderation mit den infrastrukturellen Mitteln ihrer Gründerzeit entsprechen musste. Daher kommt z.B. auch das seltsame Wahlmännersystem bei den Präsidentschaftswahlen. Das war einfach das probateste Mittel, einen Präsidenten zu wählen, der die Mehrheit riesiger Wahlkreise in einem riesigen, fast unerschlossenen Territorium auf sich vereinigen musste. Man zählt einfach die in den Staaten vorhandene Bevölkerung durch, bestimmt eine dem ungefähr proportionale Zahl von Wahlmännern, die dann en bloc abstimmen müssen, und bringt die mit Pferdewagen, später auch mit dem Feuerross in die Hauptstatt des Bundes und lässt wählen. Das ist der traditionelle Ballast des amerikanischen Wahlsystems.

Und so ähnlich ist die ganze Staatsorganisation dort durchstrukturiert. Zu Gründerzeiten wäre es nicht tunlich gewesen, Bundesstaaten eng an eine zentral gesteuerte Kandarre zu nehmen. Das Fehlen schneller Informations- und Versorgungskanäle erforderte einfach eine starke und effiziente regionale Administration. Ob die USA, würden sie heute gegründet, sich noch einmal so dezentral aufstellen würde, ist keineswegs ausgemacht.

Entsprechend muss man auch die Frage der Organisation einer EU überdenken. Da stellen sich die Probleme ganz anders. Schnelle Kommunikation ist heute kein Thema mehr, auch Verkehrswege hindern an sich eine zentralere Lenkung nicht mehr. Dafür  bekommen die "weichen" Themen mehr Gewicht: Sprachunterschiede, kulturelle Unterschiede, geschichtliche Besonderheiten. Oregon und Texas sind sich in diesen Dingen viel ähnlicher als Schweden und Portugal, vermutlich sogar als Deutschland und Frankreich. Was sicher auch eine Rolle spielt: die europäischen Länder haben nationale politische Identitäten oft erst im 19 Jahrhundert errungen und dann massiv gegeneinander gewendet. Belgien entstand, glaube ich, 1832, Italien noch viel später, Deutschland definierte sich als "Kleindeutschland" unter Ausschluss Österreichs und als Ausdruck eines preußischen Hegemonialgedankens erst 1870/71, dann aber umso entschlossener; Polen war nach 1831 erst einmal ganz verschwunden. Die vier Jahre Sezessionskrieg in den USA haben längst nicht so tiefe Abgrenzungen bewirkt. Wer den Rhein in Richtung Elsass überquert, erlebt einen viel deutlicheren Einschnitt als der, der auf irgend einem Freeway gerade über die Dixon-Mason Linie fährt.

Das sind für einen Bundesstaat, der seinen Mitgliedern eine lange Leine lässt, ganz andere Voraussetzungen. Die EU konnte heute dagegen von Anfang an effiziente zentrale Institutionen und Strukturen aufbauen, und sie macht mit Ermächtigung ihrer Mitgliedsstaaten auch fleißig Gebrauch davon. Deshalb handelt sie, der Staatenbund, in den Details viel zentralistischer als der altertümlich verfasste  Bundesstaat USA.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 29. Juni 2016, 10:58:36
Im übrigen frage ich mich, was sich Schulz und Junker bei ihren öffentlichen Kommentaren bzw. Auftritten gedacht haben? Kein Wunder, dass man Ihnen eine arrogante Haltung vorwirft.
:prosit

(gut, dass ihr es sagt, dann muss ich mir die Arbeit nicht machen ;))

Egal was sie gesagt hätten- der Vorwurf wäre eh gekommen. Die EU ist ein arroganter Superstaat gelenkt von den Dunkelmächten, das weiss jedes Kind..

Ich habe unlängst gelernt, dass "Unmittelbarkeit" ein wichtiger Begriff in der Extremismusforschung ist. Die EU wird NIE unmittelbar sein. Der Häuptling im Neo-Artamanen Dorf schon, da hat er einen Vorteil, so wie der Guru einen Vorteil vor
dem Holzkreuz an der Wand hat.

Die Frage ist weniger, wie sanftfühlend die Herren sich ausdrücken. Machen Sie einen guten Job? Vertreten sie Europäische Interessen erfolgreich in der Welt?

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 29. Juni 2016, 23:33:22

Egal was sie gesagt hätten- der Vorwurf wäre eh gekommen. Die EU ist ein arroganter Superstaat gelenkt von den Dunkelmächten, das weiss jedes Kind..

Zustimmung! Cameron ergeht es ja ähnlich. Dennoch bin ich der Meinung, dass es auch in solch einer Lage Handlungsweisen gibt, die besser sind als andere und sei es nur deswegen weil sie weniger Schaden anrichten als andere.

Zum Beispiel ausgerechnet in einer angespannten Situation wie dieser ein so unbeliebtes Abkommen wie CETA durchprügeln (und nur im EU-Parlament zur Abstimmung zu stellen) halte ich für keine sehr weise Entscheidung.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: eLender am 30. Juni 2016, 00:33:48

Egal was sie gesagt hätten- der Vorwurf wäre eh gekommen. Die EU ist ein arroganter Superstaat gelenkt von den Dunkelmächten, das weiss jedes Kind..

Zustimmung!

kosh hat das wohl eher ironisch gemeint. Ich glaube kaum, dass es egal ist, wie die Herren (insbesondere Schulz) auf den Brexit reagiert haben. Schließlich ist GB noch Teil der EU und kann gar nicht rausgeschmissen werden (siehe Griechenland). Man sollte einfach ein wenig Ruhe bewahren und sein Hirn einschalten. Trotz der ganzen aufgeblasenen Rhetorik muss man weitermachen. Cameron selbst war gegen einen Brexit. Man sollte den Briten einfach auch die Gelegenheit geben, sich erst mal zu sammeln und eine Strategie zu entwickeln. Wenn sie aus der EU ausscheiden, kann man das auch so gestalten, dass für beide Seite die geringsten Schäden entstehen.

Das Gekreische von Schulz und Co. soll ja nur einem Zweck dienen: den Austritt weiterer Länder möglichst unattraktiv werden zu lassen (weil man einen möglichst großen Schaden damit verbinden will). Solche Drohgebärden gehen aber gelegentlich nach hinten los.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 30. Juni 2016, 08:23:52

Egal was sie gesagt hätten- der Vorwurf wäre eh gekommen. Die EU ist ein arroganter Superstaat gelenkt von den Dunkelmächten, das weiss jedes Kind..

Zustimmung!

kosh hat das wohl eher ironisch gemeint. Ich glaube kaum, dass es egal ist, wie die Herren (insbesondere Schulz) auf den Brexit reagiert haben. Schließlich ist GB noch Teil der EU und kann gar nicht rausgeschmissen werden (siehe Griechenland).
 ...


Ich habe das nicht ironisch gemeint. Auch wen Scipio recht hat, man kann sich geschickt und ungeschickt verhalten: Lies mal die englischen online-Publikationen, dann verstehst Du den Satz mit den Dunkelmächten.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 30. Juni 2016, 13:15:18
Hallo. Ich bin neu hier wie Ihr seht und wollte mich an diesem thread beteiligen, da mir der Brexit doch schon einige sorgen bereitet. Ich habe mich schon in einem englischsprachigen forum über diese Thema debattiert, wollte aber mal lesen was die Deutschen davon halten (die kommentar spalten unter zum Brexit Artikeln sind eher einseitiger Natur).

Ich will offen sein uns sagen das ich persönlich von der EU profitiere, da ich zur Zeit in einer Maßnahme teilnehme die von der EU gesponsert wird und das Zeil die job Beschaffung ist (bin seit längerem arbeitslos und bin ganz nahe dran, aber die Unwägbarkeiten des Lebens scheine mal wieder gegen mich zu sein) und habe über die EU eine eher positive Einstellung.

Die entscheidung der Briten gegen die EU konnte ich nicht nachvollziehen, bis mir ein Brite folgendes erzählt hat: viele "Working Class Brits" sind sauer auf Cameron und seine Politik und wollten aus Protest für den Austritt stimmen, andere geben der EU die schuld daran das Bulgaren und Rumänen die Löhne in der UK runterdrücken und darüber das "Leute in Anzügen, die nie schwere Arbeit leisten mussten und die am minimum der Existenz rumgekrepelt haben,  uns erzählen, zu wissen was gut für uns ist." und Viele alte Politiker kamen ja noch aus einfachen Verhältnissen, heure sind es nur Arschgeigen aus Eton, die keine Ahnung habe wie es uns geht. Der Status Quo funktioniert für uns nicht mehr, wir wollen raus"

Die EU wird darüber als Links Autoritär gesehen, was immer das heißt, weil bei vielen Links eingestellten Briten die EU nicht sozialistisch genug ist.

Eine andere frage was die, über Souveränität und das die EU als undemokratisch erachtet wird.

Nun, egal ob das alles stimmt oder nicht, die Folgen eines Brexits sind nicht absehbar und würde die Briten schlechter dastehen lassen als jetzt, aber diee Risko scheinen einge einzugehen, es wird schon davon geträumt, das die UK mit ihrem Commonwealth Handel betreibt, ohen EU Regelungen und das dies eine Glorreiche Zukunft ist. Enige reden schon vom "Sieges Populismus, der die Ketten der EU sprengt und die staaten von de EU loslöst in die Freiheit!"

Das bereitet mir doch sorgen, ich möchte nicht das die EU zerfällt und wir wieder Einzelne National Staaten werden, die vom Nationalismus getrieben uns gegenseitig zerfleischen. Aber kann der Brexit überhaupt gestoppt werden? Es gab eine Mehrheit dafür, wird das ignoriert, da hießt es wieder das wäre nicht Demokratisch, aber ist England nicht auch eher eine Republik?

Die EU scheint der Meinung zu sein, das ganze so schnell wie möglich abzuwickeln und will gar nicht daran denken das z.b das Britische Parlament bei einer Abstimmung ob Artikel 50 eingereicht werden soll oder nicht, momentan sich dafür keine Mehrheit finden würde, aber es wird als Politischer Selbstmord angesehen dagegen zustimmen, aber so wie ich das Sehe, wäre die politische Karriere von allen Abgeordneten eh im Eimer da, egal wie sie sich entscheiden werden, immer eine Seite nicht mehr für mich stimmen würde. 

Es kommen harte Zeiten auf Europa zu.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: eLender am 30. Juni 2016, 14:57:49
Ich habe das nicht ironisch gemeint. Auch wen Scipio recht hat, man kann sich geschickt und ungeschickt verhalten: Lies mal die englischen online-Publikationen, dann verstehst Du den Satz mit den Dunkelmächten.

Oh Gott, es gibt sie also doch, ich hab's ja immer gewusst. Zum Glück gibt's dafür bzw. dagegen auch Rat: https://www.amazon.de/Befreiung-von-Dunkelmächten-Helga-Schaub/dp/3898450961 (https://www.amazon.de/Befreiung-von-Dunkelmächten-Helga-Schaub/dp/3898450961)

Ham die Britten scheinbar alle schon gelesen, sonst hätten sie ja anders entschieden.

Es kommen harte Zeiten auf Europa zu.

Welcome! Es wird momentan ziemlich überdramatisiert, die Welt wird deswegen kaum untergehen. Ich fand die Griechenland-Krise viel drastischer, trotzdem regt sich heute deswegen kaum noch einer auf.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 30. Juni 2016, 17:13:51
Bei Stratfor gibt es eine m.M. recht gute Analyse:
https://www.stratfor.com/weekly/making-sense-brexit (https://www.stratfor.com/weekly/making-sense-brexit)

(Müsste kostenfrei sein.)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 30. Juni 2016, 21:46:15
Naja, der Brexit gibt jedenfalls all die Rechtspopulistischen und Nationalistischen Gruppen Auftrieb, siehe Frankreich, Niederlande etc. Sogar Gruppen in Polen und Ungarn wollen raus aus der EU. All diese Gruppen haben seit Jahren regen Zulauf und können in der Zukunft jede menge ärger bereiten. Es gitbt halt genug Leute die versuchen die Uhr zurück zudrehen.   
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 30. Juni 2016, 22:45:31
Boris hat's nicht so gemeint. Er ist ein Ästhet, für den ist alles nur Sport; selber schuld, wenn Du ihn ernst nimmst. Very british.

Hey Boris, take a walk on the wild side. (https://www.youtube.com/watch?v=0KaWSOlASWc)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 30. Juni 2016, 22:59:24
Johnson hatte die Seiten gewechselt, um sich besser als nächster PM aufstellen zu können, ein Referendum in dem Remain knapp gewonnen hat, hätte Ihm besser ins Konzept gepasst, nun hat er sich total Verzockt und weiß auch nicht was nun ist, also hat er seine Kandidatur zurückgezogenen und überlasst die Misere anderen. Nun aufpassen, denn wir können live zusehen, wie eine Partei sich, in der suche nach einem Nachfolger Camerons, selbst zerlegt.

Universität von Toronto hat auch seine Meinung zum Brexit abgegeben: https://www.utoronto.ca/news/u-t-reacts-brexit-results?utm_source=Bulletin&utm_medium=Email&utm_content=Lead&utm_campaign=eViews

Die sind nicht begeistert.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 30. Juni 2016, 23:09:00
Universität von Toronto hat auch seine Meinung zum Brexit abgegeben: https://www.utoronto.ca/news/u-t-reacts-brexit-results?utm_source=Bulletin&utm_medium=Email&utm_content=Lead&utm_campaign=eViews

Die sind nicht begeistert.

Knapp, scharf und düster. Lesenswert. Danke.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 30. Juni 2016, 23:44:51
Kleines Fundstück in der Sache:

Zitat
Es zeugt vor allem vom großen Verantwortungsbewusstsein eines Boris Johnson, das er den , maßgeblich auch von ihm verursachten Triumph der guten Sache nicht zur Durchsetzung persönlicher Ambitionen nutzt. Mit Theresa May haben die Tories eine hervorragende Kandidatin.

Stammt aus einer Kommentarspalte.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 01. Juli 2016, 00:00:40
Zitat
Es zeugt vor allem vom großen Verantwortungsbewusstsein eines Boris Johnson, das er den , maßgeblich auch von ihm verursachten Triumph der guten Sache nicht zur Durchsetzung persönlicher Ambitionen nutzt. Mit Theresa May haben die Tories eine hervorragende Kandidatin.

 :rofl2

Der Kommentator sollte mal ein bisschen Machiavelli lesen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 01. Juli 2016, 00:10:57
Apropos Machiavelli. Der war mindestens ebenso klug wie Boris.

Er hatte ein mehrbändiges Werk über die Kriegskunst geschrieben. Der Herzog von Urbino bot ihm die Führung einer Armee an. Machiavelli lehnte klugerweise die Überprüfung seiner Theorien durch ihn selbst ab und übernahm nicht einmal das Kommando über eine Reiterschwadron.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 01. Juli 2016, 17:32:05
Der Witz ist ja, das Theresa May zwar EU kritisch ist, aber gegen den Brexit ist, während Gove ein Brexit Befürworter ist aber als inkompetent gilt. Nun müssen wir sehen wer das Hauen und Stechen für sich entscheidet und ob die Partei auch hinter dem neun PM steht. Die Frage, ob das Parlament immer noch über den Brexit abstimmen soll und muss, steht ja auch noch im Raum, scheint so als weiß keiner so genau ob das Referendum bindend ist oder nicht.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 01. Juli 2016, 17:58:17
Mich erschreckt an der ganzen Misere, wie viel Verantwortungslosigkeit sich in den politischen Führungszirkeln der britischen Parteien breitgemacht hat. Cameron und Johnson daddeln um den Einsatz der Einheit des Königreichs und unübersehbarer volkswirtschaftliche Schäden um die Herrschaft über eine Partei. Labour schafft es nicht, einen Chef zu verscheuchen, der in einer Existenzfrage des Landes monatelang abtauchte und gar keine Position hatte, bis er schließlich zu einer Äußerung mehr oder weniger genötigt werden musst - und die lautete dann: na ja, so eigentlich könne er die Typen auf dem Kontinent auch nicht leiden, aber wenn's denn sein muss, sei er halt mal dafür. Soll das wirklich das Personal sein, dem man einen roten Knopf anvertraut?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 01. Juli 2016, 18:03:48
Die Frage, ob das Parlament immer noch über den Brexit abstimmen soll und muss, steht ja auch noch im Raum, scheint so als weiß keiner so genau ob das Referendum bindend ist oder nicht.

Nein, rein rechtlich ist das überhaupt nicht bindend, es muss vom Parlament entschieden werden. Rein praktisch ist es wohl bindend, weil kaum einer seine Wiederwahl riskieren will.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 01. Juli 2016, 19:07:40
Ich glaube ich hatte schon mal angemerkt, das egal wie sich das Parlament entscheidet, die Hälfte aller Wähler wird die nicht wiederwählen und somit ist die Wiederwahl so oder so im Eimer, und ich glaube nicht das alle im Parlament so blöd sind, und sich für den Brexit und damit den Niedergang Englands entscheiden werden, wenn man eh nicht wiedergewählt wird, da würde ich doch den Status Quo entscheiden und dan halt von selbst gehen. Moralisch/Ethisch gesehen ist der Brexit auch nicht vertretbar, da die ganze 16-17 Jährigen und alle die da Gegen Waren, sich verkauft Fühlen, und man so nur noch mehr Ressentiments und Wut aufbaut der sich dann irgendwann entlädt. Ich sage nur das Nordirland könnte wieder unruhig werden so wie schon einmal.

Ich mein, sollte der Brexit kommen, dann wird das Vereinigte Königreich zerbrechen und um überhaupt wieder von Bedeutung zu sein, werden die Konservativen versuchen, Thatcher mäßige Deregulierung des Markts vollziehen, steuern erhören, Rentenbeiträge kürzen etc. was zu hoher Arbeitslosigkeit führt und wir wissen ja wie Unruhig die 80er unter Thatcher waren und wie Mies es doch den Briten ging (Stichwort "Der Englische Patient") und nur mit Hilfe von EU Geldern und Regulierung wieder auf die Beine kam. Ich glaube das haben die Briten schon wieder vergessen.

Hier 2 interessante videos dazu, auf Englisch:
https://www.youtube.com/watch?v=El3w0j8PPDs

https://www.youtube.com/watch?v=RKO3bbr8jvw
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 02. Juli 2016, 23:15:03
Nochmal was von weiter vorn wieder rausgeholt:

Zu Typees Aussge passt auch das:

Zitat
Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“

Soll Juncker im Jahr 1999 gesagt haben.

https://de.m.wikiquote.org/wiki/Jean-Claude_Juncker

Ein wahrhaft aufrechter Demokrat, dieser Mann.

Aber das machen doch alle so. Ich bin sicher, dass gelegentlich Ministeriumspapiere aus diesem Grund durchgestochen werden: mal sehen was passiert.

Und manchmal klappt es auch in Deutschland. Die Abschaffung der Berufsunfähigkeitsrente z. B. war völlig geräuschlos; aus Sicht der Regierung eine gute Leistung. Ich denke also nicht, dass das eine besondere Skrupellosigkeit von Juncker ist.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 03. Juli 2016, 00:07:07
Spricht mir aus der Seele:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/am-tiefpunkt-ueber-planloses-dagegensein-als-politik-14319573.html

Zitat
Wie kommen die Leute eigentlich darauf, dass ihre brennenden Probleme durch Leute wie Boris Johnson, Beatrix von Storch oder Donald Trump gelöst werden?

Zitat
Man sollte sich an die Freunde der schottischen Unabhängigkeit auch erinnern, weil es instruktiv ist, sie mit den Anhängern Boris Johnsons und des Brexit zu vergleichen. Alex Salmond, der damals Erster Minister Schottlands war, und die Seinen hatten nämlich in einer Art Handbuch erklärt, was alles passieren würde, sollte sich eine Mehrheit für den Auszug aus Großbritannien entschließen...

Und Boris Johnson, der konservative Antieuropa-Champion? Und Nigel Farage, der eine ganze Partei mit diesem Thema anführt? Wie sich jetzt zeigt, liegen in ihren Aktenmappen mit der Aufschrift „Plan A“ – nur Löschblätter und alte „Daily-Telegraph“-Artikel von sich selbst. ...

Es hat in der jüngeren Politikgeschichte noch nie ein so unkonstruktives, uninformatives, planloses und nur von Phrasen getragenes Misstrauensvotum gegen einen Status quo gegeben. Selbst Revolutionäre, sofern sie nicht einfach Anarchisten sind, haben seit jeher mehr Gedanken in die Zukunft investiert als Johnson und Farage. Auf die Frage „Was tun?“ einfach nur „Weiß nicht“ zu sagen, ist der Tiefpunkt von Politik.


Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 03. Juli 2016, 00:23:02
Und nochmal Presseschau, diesmal im Anschluss an meine Bemerkung vom 1.7., 17.58:

Zitat
This – this! – is the robust homegrown democracy that the bureaucrats of the EU are threatening. This – this! – is the wondrous model of democratic accountability that has to be fully restored to “sovereignty”. How can anyone believe that UK democracy needs more power when it makes such a mockery of the power that it’s got? Which is considerable.

https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jul/01/brexit-britain-elites-run-amok
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 03. Juli 2016, 19:25:12
Zitat
"Das sei den Menschen aus ihren Nationalstaaten bekannt und werde „politische Verantwortlichkeit auf der EU-Ebene transparenter machen“. Unzufriedenheit mit der EU führe dann nicht mehr dazu, schreibt Schulz in der F.A.Z., dass sie grundsätzlich in Frage gestellt werden. Vielmehr könnten die Bürger „durch Wahlen eine europäische Regierung durch eine andere ersetzen“."

Quelle:http://www.faz.net/aktuell/politik/nach-brexit-referendum-martin-schulz-fordert-echte-europaeische-regierung-14321815.html#GEPC;s6
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: alliance1979 am 04. Juli 2016, 06:07:32
Mir fehlt leider die Zeit mich an den (häufig) interessanten Diskussionen zu beteiligen. Lese aber meist so ziemlich alles. Und bei dem Thema, von dem ich privat betroffen bin, habe ich mir jetzt mal kurz ein wenig Zeit geblockt und ein paar Bier kühl gestellt um meinen Erklärbär-senf dazu zu geben.

Brexit. Eine Bestandsaufnahme:

 

Allgemein:

Ein Kernproblem beim Brexit ist, das niemand einen Plan hat, wie es jetzt genau weitergeht. Und wenn „Investoren“ etwas überhaupt nicht mögen,  dann sind das unklare Verhältnisse. Gleichzeitig mischen natürlich noch „Spekulanten“ mit, die von unklaren Verhältnissen geradezu begeistert sind. (bei Investoren und Spekulanten sind die Übergänge häufig fließend)

Denn diese führen fast ausnahmslos zu  volatilen Märkten, die schon auf einfachste Nachrichten reagieren. So verstärken sich dann die Reaktionen an den Börsen.
Man konnte das sehr schön an den Reaktionen am Wahltag ablesen. Erst stieg der Preis für den Pfund, als es anfangs hieß das die Engländer doch in der EU bleiben, um dann ins „bodenlose“ zu fallen, als klar wurde das sich die Leave Kampagne durchgesetzt hatte.

Wie heftig diese Reaktionen waren, kann man hier sehr schön sehen.

http://www.finanzen.net/devisen/britische_pfund-us_dollar-kurs

Fangen einige an gegen den Pfund zu wetten, hier sei an den Black Wednesday [1] erinnert, bei dem Soros und andere Investoren aktiv den GBP angegriffen haben, hätte die Bank of England heute wie damals wohl keine Chance ohne Hilfe den Pfund zu verteidigen. 

Ein weiterer Aspekt sind Personen oder Unternehmen die Geld aus einer Volkswirtschaft abziehen.
Wenn Geld aus einer Volkswirtschaft abwandert, ist das natürlich nicht sonderlich gut. Es belastet die Investitionsquote und Banken können wegen drohender Zahlungsunfähigkeit in Bedrängnis geraten. Auch hier könnten Spekulanten etwa durch short sales angeschlagene Institute zusätzlich unter Druck setzen, oder die Bank of England, wenn diese versucht den Banken beiseite zu springen.

Als besonders gefährlich bewerte ich die Gegensätzlichen Positionen in London /CDU (wir haben Zeit) und Brüssel/SPD (besser gestern als morgen), die eine ausnutzbare schwäche erkennen lassen.
Die Unklarheiten bezüglich Schottland, Gibraltar und Nord Irland machen es auch nicht gerade besser.

Ein weiteres Problem sind die Schulden Großbritanniens.  Sie entsprechen ca. 89% des BIP. [2]  Dabei kommen ungefähr 30% der Forderungen aus dem Ausland. [3]  Sie müssen also in einer anderen Währung  „abbezahlt“ werden.

Fällt der Wert des Pfundes in Relation zur Währung  des Gläubigers, steigen hier entsprechend die Kosten.
Dazu kommt das die Ratingagenturen bereits Anfangen die Bonität zu senken. Auch das wirkt in unsicheren Zeiten schnell wie ein Brandbeschleuniger und führt in der Regel zu mehr Ausgaben für Staat.

Gebremst wird dieses Szenario durch den günstigen Leitzins, der dafür sorgt, das Investoren trotzdem weiter ein starkes Interesse an britischen Staatsanleihen haben. Vorerst ist hier deswegen nicht mit steigenden Kosten zu rechnen, auch wenn viele Medien mit diesem Szenario gespielt haben. Zu den Leitzinsen und den langfristigen Auswirkungen aber später mehr.

Eine fallende Währung wie der Pfund, bringt natürlich auch Vorteile mit sich….
Man liest dann in diesem Zusammenhang sehr gerne etwas von der besseren Wettbewerbsfähigkeit. Im Falle Großbritanniens wäre das sicher nicht verkehrt. Allerdings gibt es da einen Haken. Der Export im Allgemeinen und die exportierende Industrie im Besonderen, ist aktuell nicht gerade die Stärke des Landes.
Und gerade die Finanzindustrie, die durch den Brexit am härtesten getroffen wurde, ist eben ein Teil des Exports (Service), der in Zukunft leiden wird, da die Banken drohen/ankündigen/mit dem Gedanken spielen, London den Rücken zu kehren oder das Geschäft runter zu fahren.

Eine prognostizierte verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, ausgelöst durch einen fallenden Pfund, müsste also erst mal den „Schaden“ ausgleichen, der durch den darbenden Finanzsektor erlitten wird. [4]

Dazu kommt dann noch die zu erwartende Schwächung des Binnenmarktes. Für alle möglichen Importe müssen die Engländer nämlich bei schwachem Pfund relativ mehr Geld ausgeben um sich etwa einen Smartphone oder ein nicht britisches Auto leisten zu können. Fließt mehr Geld ins Ausland bleibt weniger für den Binnenmarkt und unnötig viel Kapital fließt in andere Länder.
Es heißt dann also entweder weniger Ware für das "gleiche Geld" oder mehr Geld für die gleiche Menge an Waren und Dienstleistungen.  Per Definition ist das weniger Wohlstand. Für die Verkäufer wirkt sich das natürlich auch negativ aus, wenn nämlich weniger nach GB exportiert wird.

„Glücklicherweise“ viel im Zuge des Brexit auch der Wert des €, was ironischer weise dazu führt, das es in diesem Wirtschaftsraum bis Dato für keine Seite zu einer wesentlichen Änderung der Wettbewerbsfähigkeit basierend auf dem Wert der Währung gekommen ist. Obwohl viele darüber sprechen.
Im Gegenteil ist es sogar so, der der Brexit durch die Fallende Währung für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit für Europa und GB gesorgt hat. (mit allen Nebenwirkungen die ich aufgezählt habe oder noch aufzählen werden)

Vor allem die USA leiden derzeit darunter. Nächster Ironischer Fakt. Trumps pro Brexit Meinung, beißt sich so mit seiner "make america great again" Philosophie.

Die andere Seite der Medaille ist, das man für die Produktion von vielen Gütern in der Regel Rohstoffe aus dem Ausland benötigt. Diese müssen mit dem Pfund/€ gekauft werden. Eine relativ schwache Währung bedeutet dabei immer auch steigende Rohstoff und Energiepreise. Damit eine zusätzliche Schwächung des Binnenmarktes und damit ein kleiner Dämpfer für die Vorteile beim Export.

Ein Thema beim Brexit war die Regulierungswut der EU.

Da der größte Handelspartner die EU ist, werden englische Produkte auch weiterhin nur dann auf dem Binnenmarkt der EU verkauft werden können, wenn sie die vorgeschriebenen Standards erfüllen. Man kann sich der „Überregulierung“ aus Brüssel also tatsächlich nur dann entziehen, wenn man auf dem Markt nichts verkaufen möchte. Sprich…Eine Gurke aus GB muß (meistens)genauso gerade sein wie eine Gurke aus China oder den Niederlanden. Zur Gurke gleich noch mehr…

Der Brexit ist sicher nicht das Ende aller Tage, auch wenn ich Ihn als äußerst Negativ bewerten würde,  aber wirklich Fatal ist die Planlosigkeit und die sozialen Spannungen die dabei entstehen.
Das Vereinigte Königreich hat eine starke Volkswirtschaft, die durch den Brexit mit vielen Problemen konfrontiert werden wird, die aber auf lange Sicht ökonomisch lösbar oder zumindest kontrollierbar  erscheinen. Wenn man denn einen Plan hätte. Einen langfristigen, echten ökonomischen Vorteil/Mehrwert bietet der Brexit in meinen Augen aber unter gar keinen Umständen.

Was viele Menschen z.B. nicht wirklich bewusst ist, ist etwa die Tatsache das ein extrem großer Teil des Handels innerbetrieblich erfolgt  (intra-firm trade). Das bedeutet das Waren und Dienstleistungen zwar über Grenzen gehandelt werden, sie wechseln dabei aber nicht den Besitzer. Ein zugängliches Beispiel dürfte Airbus sein.
Der Brexit wird  den innerbetrieblichen Handel erschweren und könnte ihn in einigen Fällen zu unrentablen Standorten auf beiden Seiten der Nordsee führen. Im Nachteil wird in diesem Fall meist die Volkswirtschaft sein, die den kleineren Binnenmarkt hat.

Wie immer wenn sich etwas fundamental ändert, wird es je nach Branche, Standort und Eingriffen seitens der Politik, Gewinner und Verlierer geben. Unter dem Strich haben die EU und Großbritannien aber wie schon erwähnt wohl auf lange Sicht verloren.

Im Extremfall könnte sich die Bank of England dazu genötigt sehen, die eigene Währung an eine andere Währung zu binden. Ein Schritt der politisch aber problematisch sein dürfte und neue Risiken birgt.

Spezielle Anmerkungen:


Regulierungswut Made in Brüssel: Viele scheint das generell zu stören. Was dabei gerne vergessen wird, ist das man zwar schnell einen Konsens darüber zustande bringt, das es unnötig viele Regelungen aus Brüssel gibt, wenn es dann aber ins Detail geht, versteht unter „zu viel“ dann doch jeder etwas anderes.

Häufig ist die Kritik auch ziemlich pauschal und extrem unreflektiert oder schlicht falsch.

Nehmen wir mal die von mir angesprochene, berühmte Gurkenverordnung (Nr. 1677/88) die  witziger weise noch aus Zeiten der Europäischen Gemeinschaft stammt und damit streng genommen nie eine EU Verordnung war. (Erwähnt weil sie auch hier im Forum bei diesem Thema genannt wurde)
Diese Verordnung wurde bereits 2009 von der EU(!) außer Kraft gesetzt. Ein Umstand der vielen immer noch nicht bewusst ist. Witziger weise wird sie (meistens) trotzdem noch angewendet, denn die „böse“ Verordnung bot einige Vorteile, die Handel und Bauern nicht missen mochten.

So ist etwa der Transport wesentlich effizienter, da mehr Gurken auf gleichem Raum transportiert werden können. Die Moral von der Geschichte. Viele Verordnungen mögen unsinnig sein, kleinlich wirken oder das Gefühl vermitteln das es eine Überregulierung gibt. Das ist aber meistens eben nur eine Seite der Medaille. Bei jeder einzelnen Verordnung findet man ein Für und Wider, Gewinner und Verlierer.

Wenn man nun die angesprochenen Gurken auf "der Insel" exportieren möchte, gibt es zwar keine offizielle Regelung der EU, aber der Handel wird größtenteils darauf bestehen, das die Gurken der alten EG Norm entsprechen. Blanke Ironie (die dritte) in meinen Augen.

Menschen die sich gegen die EU aussprechen Argumentieren häufig, das eine pure Wirtschaftsgemeinschaft ala EG weniger Regulierung bedeutend würde. Beim Handel halte ich dies aber für völlig Ausgeschlossen. Allenfalls führt dies wieder zu mehr Selbstbestimmung der einzelnen Staaten, will man aber den Binnenmarkt nicht zerstören, ist dies in Sachen Handel und Wirtschaft allenfalls ein theoretischer Gewinn. Praktisch würde jeder Alleingang, der eigenen Wirtschaft Schaden zufügen.


Volksabstimmungen: Auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen. Ich halte nichts von Ihnen. Ohne eine Mindestbeteiligung und mit einfacher Mehrheit, ist die Wahrscheinlichkeit das man einen Teil der Gesellschaft gegen einen anderen Teil der Gesellschaft ausspielt, einfach viel zu groß.

Leitzins und die praktischen Auswirkungen: Wie schon erwähnt sorgt der niedrige Leitzins der EZB dafür, das GB trotz Abstufung der Bonität, Staatsanleihen günstig wie selten los schlagen kann.
Dies wird sich entsprechend ändern, wenn die EZB irgendwann in Zukunft anfangen sollte den Leitzins deutlich anzuheben oder die Bonität GBs deutlich gesenkt wird. Beides ist in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Europas Wirtschaft ist immer noch angeschlagen und die EZB kann nicht mehr tun als fleißig Geld zu drucken, um die (Feder)leichte, positive wirtschaftliche Entwicklung nicht abzuwürgen.
Im Augenblick haben wir hier zwei wesentliche Nachteile, die durch den Brexit noch verstärkt werden.

1. Deflation weil das Geld nicht, oder nur schleppend bei den europäischen Konsumenten/Arbeitnehmern ankommt. Aktuell in diesem Zusammenhang vorwiegend auf dem Immobilienmarkt.
Auch wenn es hier Unterschiede bei den einzelnen Volkswirtschaften gibt, steht hier einfach zu wenig Geld, zu vielen Waren und Dienstleistungen gegenüber.

2. Wachstum mit günstigem Geld zu erzeugen, ist im begrenzten Umfang nicht verkehrt und wie schon erwähnt die einzige Möglichkeit, wie eine Notenbank effektiv eingreifen kann.
Der Haken ist aber das Zinsen in unserem Wirtschaftssystem eine sehr wichtige Funktion erfüllen. Sie „bepreisen“  nämlich die Risiken von Anlagen. Dauerhaft niedrige oder sogar negative Zinsen, erschweren die Bewertung von Investments jedweder Art und führen schnell zur Bildung von Blasen, da sie zu riskanten Investments verführen.

Werden Anlagen, wie etwa Staatsanleihe, oder Kredite für Häuslebauer vergeben, die sich diese evtl. langsfristig nicht leisten können, dann wird die Landung hart. Je länger der Aktuelle Zustand anhält, desto härter dürfte die Landung werden.

Auf dem deutschen Immobilienmarkt, wird sich das je nach individueller Zinsbindungsfrist  bemerkbar machen. Sollte die EZB bis dahin die Leitzinsen angehoben haben, werden viele Menschen Probleme haben ihr Eigenheim abzuzahlen.

Offenlegung: Ich bin in dieser Sache nicht neutral, da ich persönlich durch den Brexit betroffen bin.

MfG

PS Dies ist natürlich nur eine grobe Einordnung der Dinge. Vieles ist etwas vereinfacht dargestellt und ich habe versucht die Fachsprache auf ein Minimum zu reduzieren.
Gleiches ist mir bei meinem Bierkonsum nicht geglückt ;). Hoffe die Sätze ergeben einen Sinn.

Gute Nacht!




1. https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Wednesday
2. http://www.tradingeconomics.com/united-kingdom/government-debt-to-gdp
3. http://www.economicshelp.org/blog/2215/readers-questions/uk-debt-held-by-oversees-investors/
4.  http://www.novascotia.ca/finance/site-finance/media/finance/20120111-01.jpg
4 A.  http://www.economicvoice.com/wp-content/uploads/2013/09/UK-Trade-Balance-contributions-July-2013.png

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 04. Juli 2016, 09:26:19

Danke für diesen “schönen” Überblick. Er bestätigt zwei meiner Grundannahmen: 1. Es gibt keine einfachen Lösungen (stimmt immer; klingt banal, ist es aber nicht) und 2. Es gibt fast nur Verlierer (stimmt nicht immer).


Noch eine Nachfrage.
1. Deflation weil das Geld nicht, oder nur schleppend bei den europäischen Konsumenten/Arbeitnehmern ankommt. Aktuell in diesem Zusammenhang vorwiegend auf dem Immobilienmarkt.
Auch wenn es hier Unterschiede bei den einzelnen Volkswirtschaften gibt, steht hier einfach zu wenig Geld, zu vielen Waren und Dienstleistungen gegenüber

Das habe ich nicht verstanden. Einerseits Null- oder Negativzins, also Deflation auf dem Immobilienmarkt? Müssten die Immobilienpreise nicht steigen? Und andererseits reicht das Geld nicht, obwohl das Geld (aus Konsumentensicht) statt für Zinsen für was anderes ausgegeben werden kann?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: alliance1979 am 04. Juli 2016, 10:28:24
Guten morgen.

Ja das ist wohl etwas Missverständlich geraten. Schiebe das auf das Glyphosat in meinen 5 Bier, das mir von einem Chemtrail sprühenden Echsenmenschen serviert wurde.

Der Leitzins der EZB ist schon relativ lange auf einem niedrigen Niveau.

http://www.leitzinsen.info/charts/ezb1.jpg

Wenn man einmal vom Immobilienmarkt absieht, ist der Effekt der niedrig Zinspolitik extrem Überschaubar.
Ein rundes Bild ergibt sich aber erst, wenn man sich mal die Zins Entwicklungen in der Welt anschaut.

http://www.finanzen.net/leitzins/

Die Zentralbanken versuchen händeringend Geld in den Markt zu pumpen. Gerade in Europa funktioniert das nicht sonderlich gut. Das erkennt man als Laie am besten an der Inflation im € Raum.

http://finanzmarktwelt.de/wp-content/uploads/2016/01/Inflation-Eurozone.png

Bemerkenswert ist das Geld kaum an Wert verliert (Inflation), obwohl die EZB alle Geldhähne geöffnet hat.
Hier ein Blick auf die Investitionsquote.

http://wko.at/statistik/eu/europa-investitionsquoten.pdf

Hier erkennt man das trotz des extrem günstigen Geldes, relativ wenig Investiert wird. Man beachte die Durchschnittswerte von 2000-2005 und 2005-2010 und vergleiche Sie mit dem damaligen Leitzins und dem heutigen Ist Zustand.

Man könnte Laienhaft davon sprechen, das das Geld er EZB kaum in unserem Wirtschaftskreislauf auftaucht. Gar nicht wäre aber übertrieben. Eine relative Ausnahme ist der Immobilienmarkt. Das meinte ich. Hier kommt relativ viel Geld an. Hier steigen auch die Preise. Wobei es hier natürlich regionale Unterschiede gibt.

http://www.globalpropertyguide.com/real-estate-house-prices/G#germany

http://www.bloomberg.com/gadfly/articles/2016-03-23/german-property-is-booming-as-shortage-and-low-rates-fuel-demand

Allerdings denke ich, das sich hier eine Blase ausbilden wird. Schlicht weil in einigen Jahren, viele Häuslebauer mit hören Zinsen leben müssen. Wenn sich die Wirtschaft wie der Wohnungsmarkt entwickeln würde, sähe ich keine großen Probleme. Aber das tut sie eben leider nicht.

MfG
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 04. Juli 2016, 12:07:21

Einerseits Null- oder Negativzins, also Deflation auf dem Immobilienmarkt? Müssten die Immobilienpreise nicht steigen? Und andererseits reicht das Geld nicht, obwohl das Geld (aus Konsumentensicht) statt für Zinsen für was anderes ausgegeben werden kann?

Der Immobilienmarkt ist ein Spezialmarkt, wegen des hohen Anteils an Kreditfinanzierungen, und hier steigen die Preise tatsächlich. Konsumgüter haben umgekehrt eine vergleichsweise niedrige Kreditrate. Die Geldpolitik sorgt für anhaltende Niedrigzinsen und macht speziell kreditfinanzierte Geschäfte attraktiv, damit führt sie in diesem Sektor zu erhöhter Nachfrage und weiter für steigende Preise. Effektiv sind viele Immobilienkäufe gar nicht so viel billiger als vor einigen Jahren: die Ersparnisse an der Verzinsung werden von höheren Preisen oft wieder aufgezehrt.

Profiteure der niedrigen Zinsen sind diejenigen Immobilienkäufer, die bereits vor ein paar Jahren kauften und ihre Restkredite demnächst zu historischen Tiefstzinsen umschulden können.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 04. Juli 2016, 13:33:59
Noch etwas zum Hintergrund:

Die Geldmengenvermehrung sollte über den Umweg der Inflation nicht zuletzt auch die Defizite der Staatshaushalte herunterfahren. Das ist nur zum Teil geglückt. Die Vernichtung der Zinsen auf öffentliche Anleihen hat dem Bund in den letzten Jahren jeweils zwischen 50 und 70 Milliarden Euro eingebracht - weil hoch verzinsliche Anleihen ausliefen und Neuemissionen, mit denen die Schuldverschreibungen praktisch prolongiert wurden, praktisch ohne Coupon aufgelegt wurden, und  neuerdings sogar mit negativen Zinsen. Das geht aber nur eine Zeitlang so weiter, irgendwann laufen auch die zehnjährigen Nullprozent-Anleihen aus, und dann ist dieser Profit nicht mehr wiederholbar. Bis dahin müsste eigentlich gesteuerte Inflation die bestehenden Staatsschulden auf anderem Wege entwerten. Ein alter fiskalischer Trick, mit dem sich z.B. die USA die riesigen Schulden zweier Weltkriege vom Halse schafften. Problematisch an der heutigen Situation ist, dass das nicht zu funktionieren scheint. Die enorme Geldmengenvermehrung erzeugt bisher keine Inflation.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 04. Juli 2016, 14:05:38
Zitat
Mit der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union habe er sein politisches Ziel erreicht

http://www.faz.net/aktuell/politik/brexit/ukip-chef-und-brexit-befuerworter-nigel-farage-tritt-zurueck-14323133.html

Hat es je ein klareres Eingeständnis gegeben, dass die Kampagne ein rein destruktives Manöver einer Handvoll Hasenfüße war?

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 04. Juli 2016, 14:36:34
Was muss man für ein Mensch sein, wenn man, nachdem die Kampagne die er mitgetragen hat und mit Rechtspopulismus geführt hat, das Land gespalten und in eine tiefe Kreise stützt, sich selber auf die Schultern klopft und sag "Habe ich gut gemacht, genau das wollte ich!"
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 04. Juli 2016, 20:24:02
Zitat
Mit der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union habe er sein politisches Ziel erreicht

http://www.faz.net/aktuell/politik/brexit/ukip-chef-und-brexit-befuerworter-nigel-farage-tritt-zurueck-14323133.html

Hat es je ein klareres Eingeständnis gegeben, dass die Kampagne ein rein destruktives Manöver einer Handvoll Hasenfüße war?

Achwas, ich war zu Tränen gerührt, wo gibt es denn noch eine solche Selbstlosigkeit von Politikern, nach erreichen ihres Zieles zurückzutreten um der Jugend das Feld für eine goldene Zukunft zu überlassen?

Vorsichtshalber: Das war Ironie.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 05. Juli 2016, 11:22:59
Erkenntnis des Tages: Am Brexit ein Beispiel nehmen und mehr direkte Demokratie wagen. Besonders bei leicht zu durchschauenden Themen wie TTIP und CETA. Da sollen doch die Bürger direkt abstimmen, nach dem sie sich umfassend im Internet informiert haben.  :wut $) :rotekarte: :fresse: :deppenalarm: #)

https://www.tagesschau.de/inland/wagenknecht-interview-direkte-demokratie-101.html
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Nicht_Peter am 06. Juli 2016, 17:29:17
xD
http://thebrexitplan.com/
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: alliance1979 am 06. Juli 2016, 20:10:22
xD
http://thebrexitplan.com/

im Grunde ziemlich witzig. :) Leider ist mir bei dem Thema gerade nicht zum lachen zu Mute. Das wird noch ziemlich böse werden....
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Dunkelzahn am 10. Juli 2016, 11:06:02
Da spielt gerade jemand die "Ich bin eine Mutter"-Karte
http://www.dailymail.co.uk/news/article-3681695/Fury-Tory-hopeful-Andrea-Leadsom-says-mother-gives-edge-Theresa-just-days-Home-Secretary-speaks-sadness-never-having-children.html

Nennt es Vorurteil, aber ...  :o
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 10. Juli 2016, 12:20:45
Die englische WP ist heftig auf Zack, taufrisch. Das mit der "Mutter" ist auch schon drin. Und:

Zitat
Leadsom also promised to “banish the pessimists” and to provide prosperity for the UK if elected.[54]

Da fällt mir ein: Der Arzt John Coakley Lettsome (1744–1815) dichtete einst:
Zitat
I, John Lettsome,
Blisters, bleeds and sweats 'em.
If, after that, they please to die,
I, John Lettsome.

Meine Übersetzung:

Ich, John Lettsome,
Verpasse Zugpflaster, Aderlässe, Schwitzbäder,
Wenn sie dann zu sterben belieben,
Ich, John, lasse welche/sie. [let some oder let them]
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 14. Juli 2016, 12:27:16
Weird Boris wird Außenminister  :rofl  Das hat er jetzt davon.

Und selten war es so passend wie heute:  https://www.youtube.com/watch?v=G5P34nJzsaY

Zitat
...like asking, which lunatic should run the asylum?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 14. Juli 2016, 13:16:21
Weird Boris wird Außenminister  :rofl  Das hat er jetzt davon.

Und selten war es so passend wie heute:  https://www.youtube.com/watch?v=G5P34nJzsaY

Zitat
...like asking, which lunatic should run the asylum?

Hier noch die passende Musik dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=YtAgLZcyBnU (https://www.youtube.com/watch?v=YtAgLZcyBnU)

Jetzt fehlt nur noch Trump.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 14. Juli 2016, 13:23:03
Tja, da der Brexit ja zu klappen scheint, wird Trump auch Präsident, Seehofer Kanzler und Le Pen Ministerpräsidentin.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 14. Juli 2016, 13:24:56

Hier noch die passende Musik dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=YtAgLZcyBnU (https://www.youtube.com/watch?v=YtAgLZcyBnU)


Und hier die nächste KappenKabinettssitzung: https://www.youtube.com/watch?v=8WRdJ5wBXpo

BoJo ist der Herr ganz links.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 14. Juli 2016, 13:54:47
Die Grantulanten stehen schon Schlange...

http://www.theguardian.com/politics/2016/jul/14/maybe-the-brits-are-just-having-us-on-the-world-reacts-to-boris-johnson-as-foreign-minister

Zitat
However, his track record when it comes to interacting with other cultures is patchy to say the least, and politicians around the world will no doubt be intrigued by the prospect of working with a man who once wrote a poem about the Turkish president having sex with a goat.

In the US, the official reaction was one of carefully restrained laughter.

When State Department spokesman Mark Toner heard the news, he struggled to keep a straight face – a broad smile breaking out more than once – before saying the US “looked forward” to working with Johnson.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 14. Juli 2016, 14:00:20

Hier noch die passende Musik dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=YtAgLZcyBnU (https://www.youtube.com/watch?v=YtAgLZcyBnU)


Und hier die nächste KappenKabinettssitzung: https://www.youtube.com/watch?v=8WRdJ5wBXpo

BoJo ist der Herr ganz links.

Wusste gar nicht, dass der mal einen seriösen Job hatte.

Angeblich soll es auch eine neue Nationalhymne geben:

https://www.youtube.com/watch?v=c71RCAyLS1M (https://www.youtube.com/watch?v=c71RCAyLS1M)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 14. Juli 2016, 14:17:18
Ah, ein neues Ressort gibt es auch, ein Brexit-Ministerium. Das hat BoJo aber nicht bekommen. Vielleicht richtet man noch einige weitere Ministerien neu ein, etwa eines pro relevanter Auslandsbeziehung, und schrumpft das alte Foreign Office zu einer Art Ministry of Silly Talks.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Omikronn am 14. Juli 2016, 15:03:00
Weird Boris wird Außenminister  :rofl  Das hat er jetzt davon.

Und selten war es so passend wie heute:  https://www.youtube.com/watch?v=G5P34nJzsaY

Zitat
...like asking, which lunatic should run the asylum?
Wobei... die Komödie wäre erst dann perfekt geworden wenn Nigel Farage noch dazu Schatzkanzler geworden wäre.  *Duck und weg*
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 14. Juli 2016, 15:12:56
Weird Boris wird Außenminister  :rofl  Das hat er jetzt davon.

Und selten war es so passend wie heute:  https://www.youtube.com/watch?v=G5P34nJzsaY

Zitat
...like asking, which lunatic should run the asylum?
Wobei... die Komödie wäre erst dann perfekt geworden wenn Nigel Farage noch dazu Schatzkanzler geworden wäre.  *Duck und weg*

Innenminister wäre doch noch besser  8)

Muss mir mal wieder Asterix bei den Briten zu Gemüte führen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 14. Juli 2016, 15:57:09
Muss mir mal wieder Asterix bei den Briten zu Gemüte führen.

Führ Dir mal lieber "Duck Soup" zu Gemüte und schau Dir an, wen Du da zum Verteidigungsminister gemacht hast.  :grins
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 14. Juli 2016, 16:21:12
Muss mir mal wieder Asterix bei den Briten zu Gemüte führen.

Führ Dir mal lieber "Duck Soup" zu Gemüte und schau Dir an, wen Du da zum Verteidigungsminister gemacht hast.  :grins

Jaja. Ich bereue. Aber lustig war's  :angel:
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 14. Juli 2016, 16:33:21
Tja die frage ist nur, wann die Komödie zu einer Tragödie wird oder vice versa, Shakespeare hätte sicher seine Spaß gehabt da ein Stück daraus zu machen. 
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Sauropode am 14. Juli 2016, 20:44:56
Tja, da der Brexit ja zu klappen scheint, wird Trump auch Präsident, Seehofer Kanzler und Le Pen Ministerpräsidentin.

 :schreck :ohnmacht: :stirn
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 14. Juli 2016, 21:01:38
http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-so-rechtfertigt-fran-ois-hollande-seine-friseurkosten-a-1103048.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-so-rechtfertigt-fran-ois-hollande-seine-friseurkosten-a-1103048.html)

Zitat
Die Satirezeitung "Canard enchaîné" hatte berichtet, dass Hollande seinem Friseur 9895 Euro im Monat zahlt. Daraufhin verwies der Staatschef am Donnerstag auf die von ihm veranlassten Einsparungen in Millionenhöhe im Präsidentenbudget.

Ein Sozialist dazu auch noch. Was will man da noch groß sagen?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: PeterPancake am 04. August 2016, 22:52:34
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-brexit-votum-britische-notenbank-senkt-leitzins-auf-tiefsten-wert-seit-jahren-1.3107413-2 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-brexit-votum-britische-notenbank-senkt-leitzins-auf-tiefsten-wert-seit-jahren-1.3107413-2)

Eine Leitzinssenkung war in meinen Augen nur eine Frage der Zeit. Mal schauen was noch so aus dem Ärmel geschüttelt wird.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Metrobios am 05. August 2016, 01:10:49
http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-so-rechtfertigt-fran-ois-hollande-seine-friseurkosten-a-1103048.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-so-rechtfertigt-fran-ois-hollande-seine-friseurkosten-a-1103048.html)

Zitat
Die Satirezeitung "Canard enchaîné" hatte berichtet, dass Hollande seinem Friseur 9895 Euro im Monat zahlt. Daraufhin verwies der Staatschef am Donnerstag auf die von ihm veranlassten Einsparungen in Millionenhöhe im Präsidentenbudget.

Ein Sozialist dazu auch noch. Was will man da noch groß sagen?

Ettikettenschwindel. Die französischen Sozialdemokraten haben es einfach unterlassen, ihren Namen dem Programm anzupassen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: PeterPancake am 11. August 2016, 23:32:01
Wahrscheinlich nicht der beste Kommentar, dafür aber amüsant mit einem Tick britischer Regierungsgeschichte.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/brexit-offenbart-das-britische-verfassungsdefizit-14376231.html

Zitat
Einer der bedeutendsten Kenner der englischen Staatseinrichtung, Peter Hennessy, schwieg sich während der ganzen Debatte aus. Den ehemaligen Journalisten und gefeierten Historiker hatte man ausdrücklich deswegen ins Oberhaus erhoben, damit er in Verfassungsfragen Rat erteilen konnte. Doch erst als das Desaster erfolgt war, diagnostizierte er eine „Verfassungskrise“ und eine „gewaltige geopolitische Verschiebung“. Warum hatte er sich nicht früher erklärt, um das Unheil zu verhüten? In seinem Buch über die Verfassung („The Hidden Wiring“, 1996) findet sich kaum ein Wort über Europa und dann eher ein negatives. Der Autor gibt sich lieber mit den Geheimnissen von Whitehall ab als mit den alltäglichen Machtverhältnissen, Brüssel und Berlin. Auch der Oxforder Verfassungsgelehrte Vernon Bogdanor verliert in seinem Buch „Power and the People“ (1997) kein Wort über die Notwendigkeit, die Verfassung in Beziehung auf Europa zu reformieren.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: PeterPancake am 02. September 2016, 13:37:58
http://www.thedailymash.co.uk/politics/politics-headlines/brexit-brainstorm-comes-up-with-idea-of-staying-in-europe-20160831113109 (http://www.thedailymash.co.uk/politics/politics-headlines/brexit-brainstorm-comes-up-with-idea-of-staying-in-europe-20160831113109)

Wie der Postillon nur in britisch:

Zitat
Brexit secretary David Davis said: “It was 2am when Liam Fox said ‘If we need to be in the single market and we need freedom of movement, why don’t we join the EU?’
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 03. September 2016, 22:52:09
http://www.spiegel.de/politik/ausland/grossbritannien-demonstrationen-gegen-den-brexit-a-1110790.html

Jetzt können endlich mal die Brexit-Gegner gegen die da oben sein.  8)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 02. Dezember 2016, 17:26:46
Vom harten zum zarten Brexit, oder: die nächste Runde kassierter Versprechungen.

Keine Migration: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/vor-den-brexit-verhandlungen-britische-regierung-jetzt-doch-fuer-einwanderung-14555398.html?google_editors_picks=true

Unser Geld bleibt im Lande: https://www.theguardian.com/politics/2016/dec/01/uk-could-pay-eu-for-access-to-single-market-ministers-admit

Das ist der Witz der Woche. Anstatt in der Union im Gegenzug zu den Einzahlungen nicht ganz unerhebliche Fördergelder wieder einnehmen zu können, soll da Geld a fond perdu in die Unionskasse gezahlt werden, nur um den Zugang zur Zoll- und Handelsunion zu behalten, den man ohne Brexit sowieso hätte. Mit solchen Koniferen würde ich auch gerne mal Geschäfte machen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 28. Februar 2017, 20:35:23
Das hat er wirklich gesagt?

Zitat
British Foreign Secretary Boris Johnson on Tuesday said the two-year timeframe for striking a trade deal with the EU, as set out by his boss Theresa May, might not be achievable.

http://www.politico.eu/article/boris-johnson-eu-trade-deal-may-take-longer-than-2-years/

Der Schönheitsfehler dabei: den "two-year-timeframe" hat sich nicht Theresa-Boss ausgedacht, er steht im Artikel 50 Absatz 3 des EU-Vertrags.

Zitat
Die Verträge finden auf den betroffenen Staat ab dem Tag des Inkrafttretens des Austrittsabkommens oder andernfalls zwei Jahre nach der in Absatz 2 genannten Mitteilung keine Anwendung mehr, es sei denn, der Europäische Rat beschließt im Einvernehmen mit dem betroffenen Mitgliedstaat einstimmig, diese Frist zu verlängern.

Auf diese Ausnahmeregelung kann er nicht rechnen - nach zwei Jahren ist die Insel raus. Und was das bedeutet, ist hier sehr schön herausgearbeitet:

http://www.politico.eu/article/theresa-may-brexit-trade-bluff-uk-economy-negotiation-eu/
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 28. Februar 2017, 20:48:29
BTW, beim Wiederlesen:

Tja, da der Brexit ja zu klappen scheint, wird Trump auch Präsident, Seehofer Kanzler und Le Pen Ministerpräsidentin.

 :ohnmacht:
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 20. April 2017, 11:28:42
Zwei altbekannte Phänomene, die Ruchlosigkeit der Rechten und die politische Unfähigkeit der Linken, könnten bewirken, dass es am Ende dieses Jahres im Königreich weder eine Labour Party noch so etwas wie eine parlamentarische Opposition mehr gibt. Zugegeben, Frau PM, das ist auch ein Vision von Einigkeit: die gezielte Vernichtung der Opposition. Aber was für eine.

Noch nie habe ich eine politische Führung im Westeuropa der Nachkriegszeit so destruktiv agieren sehen. Selbst für den Brexit ist das Handeln eine Katastrophe. Zwei Jahre bis zur Ziellinie, das wäre ohnehin nur mit Tag- und Nachtschichten zu schaffen gewesen. Und jetzt werden ohne Not zweieinhalb Monate davon für einen Wahlkampf weggeworfen, in dem der Prozess faktisch stillsteht.

Wozu setzt man sich überhaupt an den Verhandlungstisch? Den "harten" Brexit bekommt man auch so frei Haus. Man muss nur warten, Ende März 2019 ist er da, auch wenn man kein Geld für "Verhandlungen" zum Fenster hinauswirft. Das Ergebnis ist dann genau das, was die Hardliner, die von der PM hofiert werden, sowieso am liebsten sähen.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 20. April 2017, 12:28:29
... und die Salonkolumnisten meinen das gleiche dazu:

http://www.salonkolumnisten.com/wie-fanatiker-denken/

Man kann sich staatsphilosophisch damit abfinden, dass die Linke im Kern kein Regierungs-, sondern ein Oppositionsprojekt ist und nie etwas anderes war. Ob man sich damit auch trösten kann, ist eine andere Frage.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 20. April 2017, 14:02:52
Zwei altbekannte Phänomene, die Ruchlosigkeit der Rechten und die politische Unfähigkeit der Linken, könnten bewirken, dass es am Ende dieses Jahres im Königreich weder eine Labour Party noch so etwas wie eine parlamentarische Opposition mehr gibt. Zugegeben, Frau PM, das ist auch ein Vision von Einigkeit: die gezielte Vernichtung der Opposition. Aber was für eine.

Noch nie habe ich eine politische Führung im Westeuropa der Nachkriegszeit so destruktiv agieren sehen. Selbst für den Brexit ist das Handeln eine Katastrophe. Zwei Jahre bis zur Ziellinie, das wäre ohnehin nur mit Tag- und Nachtschichten zu schaffen gewesen. Und jetzt werden ohne Not zweieinhalb Monate davon für einen Wahlkampf weggeworfen, in dem der Prozess faktisch stillsteht.

Wozu setzt man sich überhaupt an den Verhandlungstisch? Den "harten" Brexit bekommt man auch so frei Haus. Man muss nur warten, Ende März 2019 ist er da, auch wenn man kein Geld für "Verhandlungen" zum Fenster hinauswirft. Das Ergebnis ist dann genau das, was die Hardliner, die von der PM hofiert werden, sowieso am liebsten sähen.

Stimme ich zu, aber da gibt es eine Sache die übersehen wird: die EU hat alle Karten in der hat, selbst wenn es zum Harten Brexit kommt, so muss sich Frau May und die Hardliner an den Fakt gewöhnen, das selbst nach 2019 Großbeitannen immer noch Geld an die EU zahlen muss, immer noch EU Gesetze und Regeln anwenden muss und etliches mehr, und das noch eine ganze weile.

Focus hat da was geschreiben das ich nur beipflichteten kann "Der Brexit wir ein Erfolg sein!" sagte May. Sollte sie es wirklich schaffen, da wäre sie ein Volksheldin. Sollte sie aber scheitern, dann würde sie schnell zur meist gehassten Politiker werden die, ohne große Not, Großbeitannen in die Kreise stürzt und die Wirtschaft endlos schaden anrichtete und dann möglicherweise sogar von ihren eigen Leuten aus dem Amt gejagt wird" 

May versucht wohl so was wie Thatcher 2.0 zu sein, ob das aber ankommt, bezweifele ich. Diese Neuwahlen deuten darauf hin, das die Konservativen nicht so stark sind wie sie behaupten und das sie, hätte es Wahlen in 2020 gegeben, Probleme bekommen könnten. So wie das ausschaut, ist es ähnlich mit dem Brexit Referendum: ein politisches spiel mit dem Feuer in der Hoffnung die Macht zu sichern, was dann total in die Hose geht. Ob die Briten sich darauf nochmal einlassen, glaube ich nicht.......
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 20. April 2017, 19:00:34
Unter den Bedingungen eins Mehrheitswahlrechts sind die Konservativen ungeheuer stark. Wie viele Wahlkreise gibt es wohl, in denen allen Ernstes die Corbynistas eine Mehrheit stellen? Selbst in der eigenen Partei konnten sie eine Majorität nur auf dem Wege koordinierter Eintrittskampagnen erringen. Lass sie über alles gerechnet auf 30 % kommen, was schon an ein Wunder grenzte. Das heißt aber nicht, dass sie damit auch nur einen einzigen Sitz für die Commons erringen müssten.

Die einzige sinnvolle Politik-Option wäre gewesen, die Mobilisierung der Remainers zu betreiben und für sich auszunutzen. Aber den großen Vorsitzenden interessiert das Thema überhaupt nicht, es ist und war nie Bestandteil seiner Politikvorstellungen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 20. April 2017, 19:19:07
Das ding ist ja, das May ja eine menge Kritiker in den eigenen Reihen hat, die es Ihr zu recht übel nehmen, das May sich die Interpretation des Brexit Referendums einfach so heraus nimmt, obwohl es keine rechtliche Grundlage dafür gibt und mit dem Brexit, alles auf eine Verfassungsartige Kreise hinausläuft, wenn sich erst mal Schottland und Nord-Irland sich vom Rest Brittanies los sagen wollen, geschweige denn was da mit Gibraltar los ist. Wenn man überlegt das rund ein drittel der leute die für den Brexit gestimmt haben als Protest gegen Camerons Politik und das nun bedauern, so ist nunmehr eine Mehrheit gegen den Brexit, und das allein wird in Zukunft für Spannungen sorgen, da ich nicht glaube das der austritt wirklich ein Erfolg wird.

Was mich auch irritiert ist, das immer noch gar kein Plan vorliegt, wie sich die Briten das mit dem Brexit vorstellen und wie der ablaufen soll und wie es vor allen Dingen danach weitergeht. Wenn nun tatsächlicht Schottland sich für Unabhängigkeit erklärt und Nord-Irland weg will, was wird London tun? Wie soll die Wirtschaftspolitik aussehen nach dem Brexit? Wird sich das land abschotten? Was wird aus den 3 Millionen EU Bürger die da leben und Arbeiten und gebraucht werden? 

Dazu hat Frau May und das Parlament überhaupt nix zu gesagt oder Pläne vorgestellt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 08. Juni 2017, 14:19:29
Tja, heute wählen die Briten, mal sehen was dabei herauskommt. Die Tories und May sind nicht sonderlich beliebt und wie schon mal erwähnt, könnte sich Frau May echt verkalkuliert haben mit den Neuwahlen. 
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 09. Juni 2017, 02:20:35
Sieht momentan ganz so aus:
http://www.n-tv.de/politik/00-01-Liberaldemokraten-lehnen-eine-Koalition-ab--article19881038.html (http://www.n-tv.de/politik/00-01-Liberaldemokraten-lehnen-eine-Koalition-ab--article19881038.html)

Zitat
+++ 23:46 "Holy shit" +++
Die Wahl läuft offenbar nicht so, wie von Theresa May erhofft. Laut Prognose verliert ihre Partei die absolute Mehrheit. Und was fällt einer Umfrageseite zu den Zahlen ein?

Das ist echt britischer Humor. Als ob man bzw. frau nicht schon genug Baustellen hätte, macht man mal eben noch das Land unregierbar. Faszinierend.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 09. Juni 2017, 02:56:39
Das ist echt britischer Humor. Als ob man bzw. frau nicht schon genug Baustellen hätte, macht man mal eben noch das Land unregierbar. Faszinierend.

Sie macht halt den Cameron. Das völlige Verkalkulieren scheint zur Zeit mit dem Amt einherzugehen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 09. Juni 2017, 08:44:33
Make England little again!

Das Ganze könnte man relativ mitleidlos von hier aus betrachten allerdings wird der Brechzit nun wohl ein richtiger Eiertanz. Also Schrecken ohne Ende seit May.

Haben die in der downing Street number 10 einen Garderobenständer für Verantwortungsgefühl?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 09. Juni 2017, 10:44:06
Tja, genau das ist passiert was alle gesagt haben, und zwar das May sich gerade selber ins Knie geschossen hat, nein, anders, sie hat gerade ihre Beine wegepustet und sind nun in der Klemme. Corbyn hat sie schon aufgefordert, zurückzutreten und das werden ihr wohl auch bald die Leute in den eigenen reihen anraten. Regierungsbildung beliebt schwierig, aber nicht unmöglich sollte sich zb Labour mit den Lib-Dems, Greens etc. eine Allianz eingeht um zu regieren und wenn das halt in, glaube ich, 3 Monaten oder so nicht klappt, dann wird nochmal gewählt.

Es bleibt spannend.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 09. Juni 2017, 15:03:01
Das ist echt britischer Humor. Als ob man bzw. frau nicht schon genug Baustellen hätte, macht man mal eben noch das Land unregierbar. Faszinierend.

Sie macht halt den Cameron. Das völlige Verkalkulieren scheint zur Zeit mit dem Amt einherzugehen.

Der ultimative Kommentar zur Lage kommt - wieder einmal - von Guy Verhofstadt:

"I thought, surrealism was a belgian invention"
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 09. Juni 2017, 15:11:26
Schurz beiseite, und bei allem Labour-Jubel noch ein Wort in deren Richtung:

Gegen diese PM haette man nicht nur Stimmen und Wahlkreise gewinnen können, man haette eine Mehrheit erzielen koennen. Der Maybot war ein einziges Desaster, vom Amt offenbar ueberfordert.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 09. Juni 2017, 15:54:34
Natürlich hätte es eine Mehrheit geben können, aber das Problem mit dem Britischen Wahlsystem ist, das nur derjenige ins Parlament einzieht, der auch den gesamten Wahlkreis Gewonnen hat und nicht wie bei uns, die meisten stimmen bekommt. Die linken Parteien haben da einen Nachteil da es hat in GB mehre gibt und die Wähler sich meistens nicht bei einer Partei bleiben. Konservative/rechte Parteien gibt es in der GB nicht viele, da wählen die meisten die Tories und so bekommen die halt immer mehr stimmen, da das dort geballter ist.

Da ist eine Reform überfällig, und Labour, Green, Lib-Dems etc. haben alle da was im Programm, und wollten gerne das System Ändern so das die Chancen endlich besser werden. Nur die Tories wollen das halt nicht (un UKIP auch nicht).

Nun will May eine Regierung mit der DUP Bilden, einer Ultra-Konservativen Nord Irischen Partei die auch eine Harten Brexit will und den Klimawandel leugnet. Ob das klappt, ist ungewiss, da das bekannt war/ist und die Leute sich bereit machen, dagegen Sturm zu laufen, den May soll weg.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 09. Juni 2017, 17:30:12
Schurz beiseite, und bei allem Labour-Jubel noch ein Wort in deren Richtung:

Gegen diese PM haette man nicht nur Stimmen und Wahlkreise gewinnen können, man haette eine Mehrheit erzielen koennen. Der Maybot war ein einziges Desaster, vom Amt offenbar ueberfordert.

Labour hat sich mit Corbyn genauso verkalkuliert:
https://www.welt.de/politik/ausland/article157709274/So-zerstoert-sich-die-Labour-Partei-selbst.html (https://www.welt.de/politik/ausland/article157709274/So-zerstoert-sich-die-Labour-Partei-selbst.html)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 09. Juni 2017, 21:15:34
Bei aller Kritik an Corbyn, muss gesagt werden, das etliche Sachen die dort behauptet werden, nicht den Tatsachen entsprechen. Die Konservative ausgerichteten Medien habe lange gegen ihn Stimmung gemacht und Sachen die er gesagt hat einfach aus dem Kontext gezogen oder total unsinnige Sachen zu Staats Affären gemacht, so zb. das er damals mit der IRA Geredet hat um endlich Frieden zu erwirken, oder die Sache wo ihm Feigheit vorgeworfen wird weil er nicht nuklear waffen einsetzen will.

HBomberguy auf YouTube hat das mal alles zusammengefasst:

https://www.youtube.com/watch?v=dVbC0jASJYA

Wenn ihr eine halbe Stunde zeit habt, einfach mal anschauen.

Und der N24 Artikel komm doch sehr reißerisch herüber.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Groucho am 09. Juni 2017, 21:46:08
Wenn ihr eine halbe Stunde zeit habt, einfach mal anschauen.

Ich werd's mal angucken.

Zitat
Und der N24 Artikel komm doch sehr reißerisch herüber.

Ich mach mir das nicht völlig zueigen, kenne mich in GB zu wenig aus. Aber versöhnlich klingt das alles nicht.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 10. Juni 2017, 15:47:24
MP wussten es schon lange:
https://www.youtube.com/watch?v=dVI5ZOT5QEM

Aber es ist gut, dass sie gewählt haben- sonst käme die falsche Echse an die Macht.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 10. Juni 2017, 16:28:52
Dem aufmerksamen Beobachter hätte es auch schon seit längerem auffallen müssen...
(http://pbs.twimg.com/media/DBV1xToWAAEACrq.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 11. Juni 2017, 00:23:15
Hallelujah, die Nordirren kommen...

http://www.n-tv.de/politik/Damit-muss-sich-May-jetzt-herumschlagen-article19883767.html (http://www.n-tv.de/politik/Damit-muss-sich-May-jetzt-herumschlagen-article19883767.html)

Zitat
Doch das ist noch nicht alles. Dem "Independent" zufolge ist der nordirische Umweltminister ein Klimawandel-Leugner, und einige Parteimitglieder zudem Kreationisten, die also nicht an die Evolutionstheorie, sondern die göttliche Schöpfung glauben. Es werde eine "Koalition der Irren" sein, schreibt das Boulevardblatt "Daily Mirror".

(http://bilder3.n-tv.de/img/incoming/crop19883798/5764991128-cImg_16_9-w680/33310f7dcc3f4b8fdf3e1a261702219d.jpg)
Die könnten auch in jeder Gruselbahn anfangen. :schreck
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 11. Juni 2017, 01:19:11
Eine Sache wird übrigens auch vergessen zu erwähnen, das die DUP auch mal eine Paramilitärischen Arm hatte, die sich Third Force nannte und gegen die Katholiken gekämpft hat. Somit hat May sich tatsächlich eine Partei ins Boot geholt, die mal eine Terrororganisation befehligt hat und bei den Trubles mitmischte. Und wie schon erwähnt, ist die DUP homophobe, kreatonistisch, will die Todesstrafe wiedereinführen, wollen ein "klassisches Frauenbild" (Sexismus) , glauben nicht an den Klimawandel und lehne daher erneuerbare Energiequellen ab, um nur einige Sachen zu nenne.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: iru am 12. Juni 2017, 11:17:33
(https://i.imgur.com/8q4rH2T.jpg)

(Quelle: https://www.reddit.com/r/europe/comments/6gemqn/how_dup_policies_align_with_sharia_law/?st=j3tt0d8h&sh=1d160012)

PS: Wie funktionieren Thumbnails hier?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 12. Juni 2017, 11:27:26
PS: Wie funktionieren Thumbnails hier?

Als Dateianhang hochladen; die Option ist unter dem Eingabefeld. Direkt verlinkten Bildern kann der Parameter width=xxx (Pixel) mitgegeben werden.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: iru am 12. Juni 2017, 11:29:45
Danke. :prosit
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 12. Juni 2017, 11:35:30
Und es ist schon manchmal paradox mit der Demokratie. Eine stramm rechte Politik wird abgewählt (hard brexit), und eine Rechts-außen-Politik, die gewiss nicht mehrheitsfähig ist, kommt in die Regierungsbeteiligung.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 27. Juni 2017, 00:05:45
(https://pbs.twimg.com/media/DCirn1-XYAAYuhs.jpg)
Titel: Theresa and friends
Beitrag von: Bloedmann am 21. Oktober 2017, 15:30:28
(http://home.bt.com/images/forget-fields-of-wheat-theresa-may-sitting-alone-at-a-table-is-the-meme-of-the-moment-136422231217803901-171020175046.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 21. Oktober 2017, 22:33:13
Wow, ein besseres Photo über die politische Lage May´s und den Brexit gibt es nicht.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 22. Oktober 2017, 00:10:03
Wow, ein besseres Photo über die politische Lage May´s und den Brexit gibt es nicht.

In der Tat. Aber hinter den Brexit dürfte es (erstmal) kein zurück mehr geben.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 09. November 2017, 12:09:57
Bojo hat wieder zugeschlagen.

Zitat
Nun hat Johnson mit einer leichtfertigen Äußerung viele Briten gegen sich aufgebracht. Vor einem Parlamentsausschuss äußerte er sich vergangene Woche zu der im Iran inhaftierten Nazanin Zaghari-Ratcliffe. Die 38-Jährige, die sowohl über die iranische als auch die britische Staatsbürgerschaft verfügt, war im vergangenen Jahr wegen eines angeblichen Versuchs, das Regime in Teheran zu stürzen, zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Zaghari-Ratcliffe sei unschuldig, sagte Johnson vor dem Ausschuss. Sie habe im Iran lediglich Journalisten ausgebildet. Genau das bestritt die Familie der Frau allerdings immer. Kurz nach Johnsons Äußerung drohten iranische Behörden, die Strafe gegen Zaghari-Ratcliffe um fünf weitere Jahre zu verlängern.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-11/theresa-may-priti-patel-ruecktritte-kabinett/seite-2

Unter den Radikal-Brexiteers gehört es anscheinend zum Comment, nicht ganz bei Trost zu sein. Das ist nicht mehr spaßig.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 07. Januar 2018, 23:38:26
Prioritäten

(https://pbs.twimg.com/media/DSuksrfW0AENLie.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 08. Januar 2018, 00:40:26
Sie sollten sich das mal nicht zu einfach machen. Wennschon dennschon, 17 Sickel = 1 Galleone, 1 Sickel = 29 Knuts.

Da kann man als Deutscher nur mitleidig herabblicken: unsern alten Kaiser Willem kriegen se nich.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Bloedmann am 10. Mai 2018, 00:54:07
And now for something completely different... (https://pics.me.me/news-royals-leave-hospital-bbc-news-32469197.png)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 04. Juli 2018, 12:52:05
Zitat
The official Brexit campaign is expected to be found guilty of four charges of breaking electoral law, the BBC has been told.
https://www.bbc.com/news/uk-politics-44704561
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 05. Juli 2018, 18:42:27
Zitat
Yet the notion that the economy would escape Brexit uncertainty was always fantastical.

(https://www.economist.com/sites/default/files/imagecache/800-width/20180623_BRC694.png)

https://www.economist.com/britain/2018/06/21/the-economy-has-slowed-to-a-standstill-largely-because-of-brexit
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 12. Juli 2018, 14:28:36
Zitat
It did not look this way immediately following his election. Trump loudly supported Britain’s controversial withdrawal from the European Union. He repudiated President Barack Obama’s comment that the UK would be “at the back of the queue” and promised quick progress on a bilateral Free Trade Agreement (FTA). He took Prime Minister Theresa May’s hand in the Rose Garden less than a week after his inauguration. But since then, the relationship has steadily deteriorated.

Contrary to the rhetoric, the Trump administration has pursued a predatory policy toward Britain designed to capitalize on the UK’s need for new trading arrangements after Brexit. The United States has sought to exact painful concessions that it was unable to secure when Britain negotiated as a member of the EU.
https://www.politico.com/magazine/story/2018/07/12/trump-backed-brexit-then-he-used-it-as-leverage-219001

Boris ist ja nun rechtzeitig zurückgetreten; jetzt kann er den Mund wieder voller nehmen - ein wichtiger Schritt, um die Option auf das Amt des Premiers offen zu halten. Er hat übrigens kürzlich behauptet, Chaos ist gut, weil daraus die rosigeren Aussichten erwüchsen. Eine großartige Strategie: entbindet von der Pflicht, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Er hat die Message von Bannon/Trump verinnerlicht.

Problem ist nur, dass die Chaoten aufeinandertreffen. Es gibt keine Internationale der Rechten. Nicht in Europa (warum sollte Salvini Seehofers Leben erleichtern?), nicht anderswo. Die Rechte kennt jeweils nur sich selbst.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 12. Juli 2018, 17:43:00
Problem ist nur, dass die Chaoten aufeinandertreffen. Es gibt keine Internationale der Rechten. Nicht in Europa (warum sollte Salvini Seehofers Leben erleichtern?), nicht anderswo. Die Rechte kennt jeweils nur sich selbst.

Genau. Es gab da vor einiger Zeit ein Gruppenbild, auf dem die vermeintlich Gleichgesinnten versammelt waren: LePen, Wilders, Petry (ja, die damals auch noch  :laugh:), Vilimsky, Salvini. Alle lachen glücklich in die Kamera, aber mein erster Gedanke: schau, die Todfeinde von morgen - das, was ihresgleichen früher auch waren.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 13. Juli 2018, 14:20:15
(https://pbs.twimg.com/media/Dh74zyOWAAEfV1K.jpg)

Zitat
Allahpundit:
Trump ready to own the libs by [checks notes] getting Corbyn elected
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 14. Juli 2018, 00:02:49
(https://pbs.twimg.com/media/Dh_pX-VX0AA-GLf.jpg)

250.000 in London auf den Straßen. 250.000.

https://www.standard.co.uk/news/uk/donald-trump-london-protest-news-nearly-250000-protesters-march-against-presidents-visit-a3886941.html
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 16. Juli 2018, 19:00:07
Nigel Farage hat dieses Foto in seiner gefälschten Fassung getweetet. Das nennt man Verteidigung der christlich-abendländischen Kultur gegen die anstürmenden Horden aus den shithole-Ländern.

Zitat
Lasia Kretzel:
?.@Nigel_Farage

1) I am the original photographer of this image which was edited, subsequently retweeted by you, and has since removed from your feed. Here are the real facts of this photograph

(https://pbs.twimg.com/media/DiL0QmmVMAARhMK.jpg)

https://twitter.com/lkretzel1130/status/1018647894792912896

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 17. Juli 2018, 14:23:11
Hier mal eine Impression davon, was die Brexit-Frage schier unlösbar macht: die Wutrede einer Tory-Abgeordneten über die Indolenz der Brexiteers ihrer eigenen Truppe. Sie zieht, wohlgemerkt, über Abgeordnete ihrer eigenen Fraktion her.

https://youtu.be/CN1WrjlWLXQ

Aufgepasst auf die Zuspitzung am Ende: who runs the country?

Who is in Charge? Who's running Britain? Is it the Prime Minister - or is it the honorable member of North-East Somerset?

Der Abgeordnete dort heißt übrigens Jacob Rees-Mogg.

Über wen sollte sie sich auch sonst echauffieren? Labour ist eine Veranstaltung im Zustand der Nichtexistenz. Alles, was über die Zukunft des Landes entscheidet, spiegelt sich in der internen Zerrissenheit der Tories, sonst nirgendwo. Und keine politische Alternative weit und breit.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 20. August 2018, 15:10:38
Deal or no deal, das ist die Frage.

Zitat
No-deal Brexit will be 'catastrophe' for NHS and increase risk from deadly pandemics, BMA warns
Exclusive: Doctors have a duty to set out the harm of crashing out of the EU and this is not scaremongering, union says
https://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/brexit-no-deal-nhs-pandemic-bma-final-say-voters-referendum-a8493221.html

Für Nigel Farage sind "diese Leute" eine "absolute Schande":
Zitat
Nigel Farage:
This is the most extreme form of project fear yet, these people are an absolute disgrace.

Er kriegt Feuer.
Zitat
Rachel Clarke
@doctor_oxford

Dear Mr Farage, as an NHS doctor who cares for terminally ill inpatients, let me tell you what’s disgraceful. 1/n

Disgraceful is an NHS hospice forced to close a *third* of its beds because some its nurses - wonderful, extraordinarily kind individuals - feel so unwelcome now in Britain they have been driven home to Spain, Portugal, Italy etc. 2/n
Disgraceful is the racism, abuse & hate unleashed by your foul & toxic referendum campaign - and, in particular, the racism towards EU staff we have witnessed, post referendum, in my own NHS hospital. 3/n
Disgraceful is dying patients trapped in their homes, in desperate need of an NHS hospice bed, who I cannot treat - because the beds are closed - because EU nurses have been driven away by post-Brexit hate. 4/n
Disgraceful is having to look a World War Two veteran in the eyes, as he weeps and trembles with relief that at last - at last - a hospice bed became available for his dying, desperate wife. 5/n
Disgraceful is an NHS *already* short of 40k nurses and 10k doctors, yet haemorrhaging more daily thanks to the hateful impact of Brexit. 6/n
Disgraceful is the staggering - and sustained - 96% reduction in applications to the NHS from EU nurses since the referendum. 7/n
Disgraceful is people like you whipping up the hate that has caused all this misery - then trolling doctors like me who bear witness to its horrible, inhumane fallout, every day at work. 8/n
Because patients are vulnerable - so incredibly vulnerable. And if you really were a man of the people, as opposed to the racist demagogue you are, you would show some goddamn humility about the human cost of what you’ve done. 10/10 ends

Es ist ganz einfach, Rassist oder white suprematist oder Ausländerfeind zu sein. Solange man gesund ist und sicher ist, nie ein Siechtum zu erleben. Oder wenigstens, solange man reich ist
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 04. Dezember 2018, 16:10:33
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eugh-generalanwalt-grossbritannien-kann-brexit-noch-stoppen-15923762.html

Ob man sich das wünschen kann, darüber bin ich mir nicht sicher. Es würde zur Vernichtung der Tories führen, und wer weiß, wer dann diese Seite des politischen Spektrums besetzen würde. Wahrscheinlich ist die Gelegenheit zu einer auch nur halbwegs tragbaren Lösung, nämlich einem geregelten Ausstieg unter einigermaßen vernünftigen Bedingungen, inzwischen verpasst - zerschossen von den Radikalen um den MP aus North East Somerset mit den lächerlich überdimensionierten Anzügen um den mageren Leib.

Was das UK erlebt, ist mehr als eine Brexit-Krise, es ist eine grundsätzliche Krise ihrer repräsentativen Demokratie. Unter den gewählten Repräsentanten gab es nie eine Mehrheit für einen Verbleib oder auch nur einen tragbaren Deal, die die Stimmung in der Bevölkerung auch nur annähernd hätte abbilden können. Nur eine Regierungsmehrheit, die raus will, ohne zu wissen wie, und eine Opposition, die zu gar keiner plausiblen Position findet, weil sie keinen dialektischen Reim darauf findet.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 06. Dezember 2018, 21:20:14
The distinguished Chancellor sieht es anscheinend auch so:

https://www.theguardian.com/politics/2018/dec/05/brexit-betrayal-would-damage-society-philip-hammond-tells-mps

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Ladislav Pelc am 15. Dezember 2018, 19:45:03
Wäre es nicht mittlerweile doch besser, die Notbremse zu ziehen und ein zweites Referendum durchzuführen? Natürlich würde es knapp ausgehen und ziemlich viele Leute wären ziemlich enttäuscht, aber das wird ja ohnehin der Fall sein, egal, wie es ausgeht. Wenn eine knappe Mehrheit ausreichte, um den Brexit zu legitimieren, sollte das für den Brexit-Exit auch gelten. Wird natürlich zeitlich knapp, aber die EU würde da vermutlich entgegen kommen um den Spuk zu beenden.

Wobei ich mich frage, ob zynisch betrachtet es nicht für die EU durchaus auch Vorteile hätte, wenn GB nach dem Brexit im Chaos versinkt. Vorgeführt zu bekommen, was die Alternative wäre, wäre sicherlich gut für den Zusammenhalt der verbliebenen Staaten.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 15. Dezember 2018, 20:04:12
Wäre es nicht mittlerweile doch besser, die Notbremse zu ziehen und ein zweites Referendum durchzuführen?

Für die Sache, sicher. Die Antreiber in der politischen Klasse hatten ja vor dem gelaufenen Referendum nie eine Vorstellung davon, was "Brexit" eigentlich bedeuten sollte, geschweige denn so etwas wie eine Folgenabschätzung. Statt dessen: "Mir nach ins Ungewisse". Was die Tories jetzt schier zerreißt, ist eine exakte Spiegelung davon, dass etwas vom Zaun gebrochen wurde, wovon jeder seine eigenen Phantasien, aber niemand ein schlüssiges Konzept hatte. Eigentlich wäre jetzt, wo die Lage überschaubar wird, ein guter Zeitpunkt zu fragen: wolltet Ihr das wirklich?

Die Zeiten sind aber seltsam geworden, eigentlich vernunftsorientierte Nationen entzweien sich über sinnlosen Themen und sind darüber bis zur Hysterie polarisiert. Ein zweites Referendum mit einem entgegengesetzten Ergebnis, das könnte die konservative Partei spalten und die Karten auf der rechten Seite der Landschaft dort ganz neu verteilen. Wobei eine Gruppierung um Typen wie BoJo und Rees-Mogg die Frustrierten aufsammeln würde, und das wären deutlich mehr als die Hälfte der heutigen Tory-Wähler. Zweite Folge wären Neuwahlen und vorhersehbar ein PM namens Corbyn. Das und den Brexit dazu, das will erst einmal überstanden werden.

Beides abgewogen würde ich sagen: die jetzt herausgehandelte Vereinbarung wäre noch die schmerzloseste Lösung, nur hat sie vorhersehbar keine Mehrheit. Wobei wir wieder bei der Hysterie wären.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 16. Dezember 2018, 16:41:58
Trifft das Rätsel Labour meinem Eindruck nach ganz gut:

https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/dec/16/why-are-labour-party-leaders-so-quiet-on-europe---maybe-it-is-the-lure-of-disaster

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 17. Dezember 2018, 11:17:34
Die Briten sollten sich ein Beispiel an Microsoft nehmen. Dort wird auch immer gefragt "Sind Sie sicher?" ;D
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Ladislav Pelc am 18. Dezember 2018, 03:35:16
Danke für die Erklärung. Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz so viel Ahnung habe von britischer Politik und daher vermutlich Dunning-Kruger zum Opfer falle, aber ich denke, ich verstehe was du meinst.

Nur wäre das nicht trotz allem besser, als das Risiko einzugehen, darauf zu hoffen, dass das Parlament am Ende doch noch rechtzeitig zähneknirschend dem Deal zustimmt (oder, was mir deutlich unwahrscheinlicher scheint, die EU doch noch zu Nachverhandlungen bereit ist). Sicher, bis März ist noch Zeit, wahrscheinlich würde zumindest eine Seite vernünftig genug sein, nachzugeben. Aber sicher bin ich mir da nicht mehr.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 18. Dezember 2018, 11:43:39
Nun werden die stimmen für eine Zweites Referendum immer lauter, sogar Corbyn hat sich dafür entschieden und setzt May unter druck. Das die Briten einseitig von dem Brexit zurücktreten können, das haben übrigens die Schotten herausfinden lassen, das hat nicht mal die Regierung gemacht und damit wohl absichtlich den Wählern etwas vorenthalten. Nach zwei Jahren, glaube ich nicht mehr das es eine Mehrheit für den Brexit gibt und das ein Großteil der Briten den überhaupt noch will, denn sollte er kommen, wird es des United Kingdom so bald nicht mehr geben, da die Schotten dann für die Unabhängigkeit stimmen werden und sich dann los lösen, und Irland gerne den Norden wieder haben will und die Nord Iren auch gerne in der EU verbleiben möchten, da kann ich mir vorstellen, das es dort wieder zu Konflikten kommt wie zu den Zeiten der Troubles.

Egal wie die Sache ausgehen wird, die Briten werden sehr geschwächt aus dem ganzen her vorkommen und das auf Jahrzehnte, keiner wird die UK mehr politisch ernst nehmen und alle werden sich an dieses Brexit Chaos erinnern
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 24. Januar 2019, 11:39:16
Erinnert sich noch jemand an "Yes Minister" bzw. "Yes Prime Minister"? Kommentator Jonathan Lynn hat im Guardian eine fiktive Anfrage an den verschlagenen Staatssekretär Sir Humphrey Appleby gestellt, wie er das Brexit-Dilemma lösen würde. Hier die Antwort:

Zitat
“So I would discreetly phone Michel Barnier. He is French, and the Tories resent that we have never got our way with the French since the Battle of Waterloo. The chief of the defence staff once told me that we don’t have an independent nuclear deterrent because of the Russians – we have it because the French have one.

I would ask Barnier to do two things:

1. Make it clear that the UK’s departure from the EU would also involve our being excluded from the Uefa League and Cup;

2. Clarify that we would also be excluded from the Eurovision song contest.

“These exclusions would greatly enhance the prospects of the French winning both in future.

“Then I would telephone President Macron and ask him to make a speech saying that De Gaulle had been right all along: the British are not to be trusted and should not have been admitted to Europe; that the French have been planning for years for us to depart and are delighted that they and the Germans will now be free to run things the way they want.

“With luck, this would so provoke the people that they would rise en masse and demand another referendum to stop the French from once more getting the better of us.”
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 25. Januar 2019, 14:46:19
(https://pbs.twimg.com/media/Dxq9wvcX0AAEqj8.jpg)

 :angel:
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 29. Januar 2019, 13:22:08
Die Liebe zum Chaos scheint fast gleichmäßig über alle Parteien verbreitet zu sein.

Zitat
   A company owned by a senior Labour party official is processing voter data for three Eurosceptic campaign groups pushing for a hard no-deal Brexit, the Financial Times has learnt.

Ben Soffa has been head of digital organising for the UK’s main opposition party since 2015, having previously run Jeremy Corbyn’s victorious leadership campaign. Mr Corbyn attended his wedding to Cat Smith, a leftwing MP, in October 2016.
[...]
   Christine Jardine, a Lib Dem MP and supporter of the pro-EU Best for Britain group, said: “This revelation will do little to ease concerns that Jeremy Corbyn and his closest allies are unwilling to prevent a hard Brexit ... The Corbyn machine has consistently stood in the way of those trying to stop the calamity of Brexit.”
https://www.ft.com/content/abf4c0d8-2312-11e9-8ce6-5db4543da632
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Ladislav Pelc am 03. Februar 2019, 07:20:55
Was ich nicht ganz verstehe: Warum kommt die EU GB nicht in Sachen Backstop entgegen? Das ist ja anscheinend der Punkt, an dem es nach wie vor am meisten hakt.

Und das kann ich sogar durchaus nachvollziehen, schließlich heißt es, dass GB nie mehr wirklich unabhängig von der EU sein kann. Auch wenn es offiziell nur eine Übergangslösung bis zum Abschluss einer endgültigen Vereinbarung ist: Warum sollte die EU sich dann mit weniger zufrieden geben, als sie durch den Backstop ohnehin schon hat, und insbesondere einer Vereinbarung zustimmen, die GB dann doch wieder einseitig kündigen könnte? So gesehen wäre es auch aus Sicht der Brexit-Befürworter besser, den Brexit abzublasen, dann könnte man später immer noch doch noch vollständig austreten, während man die Option nach dem Deal nicht mehr hat, wahrscheinlich nie wieder.

Mir ist natürlich klar, warum man eine geschlossene Grenze unbedingt vermeiden will. Aber es sind keine zwei Monate mehr, bis man genau das bekommt, wenn nicht eine Seite noch nachgibt. Da wäre eine feste Regelung für beispielsweise "nur" fünf oder zehn Jahre und die berechtigte Hoffnung, dass GB auch kein Interesse daran hat, die Grenze zuzumachen, und es bis dahin auch auf die Reihe bekommt, ein entsprechendes Abkommen auszuhandeln.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 03. Februar 2019, 14:31:13
Ich unterscheide mal zwei Arten von Antwort:

die eine, die "innere", ist die: die Grenzöffnung zur Republik ist Kernstück des Karfreitagsabkommens. Dieses wiederum ist außerhalb des Wirtschaftens der große politische Erfolg der EU: die Beilegung eines Bürgerkriegs, in den sich die Kontrahenten hoffnungslos verkantet hatten, bis unter dem gemeinsamen Dach die politische Lösung erreicht war. Das zu opfern und möglicherweise einen neuen Beginn von Unruhen und Gewalt den Menschen dort aufzuerlegen, um den Phantasien einer Handvoll Eton-Boys nachzugeben, will die EU nicht.

die zweite, "äußere": es wäre nicht konsensfähig in der EU. Es reicht, dass ein Mitglied es nicht will, und dieses eine Land ist jedenfalls die Republik Irland.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Ladislav Pelc am 10. Februar 2019, 19:04:42
Das verstehe ich ja alles. Nur sollte man meinen, dass eine zeitlich befristete Lösung, zumal wenn man davon ausgehen kann, dass alle Beteiligten Interesse daran haben, sie auch nach Ablauf der Frist nicht zu kündigen, deutlich besser ist, als gar keine. Denn eine Zustimmung zum Deal ist immer noch nicht in Sicht, und die Zeit wird doch langsam arg knapp. Man sollte doch meinen, dass man das auch in Irland so sieht.

Es kann natürlich sein, dass man einen Kompromiss schon in der Schublade hat, aber noch auf Zeit spielt in der Hoffnung, den Deal in der jetzigen Form doch noch durchzukriegen. Aber auch das wird zeitlich eng, denn der neue Deal müsste ja trotzdem noch unterschrieben und durch die Parlamente ratifiziert werden. (Und es bleibt natürlich das Risiko, dass das Parlament auch dem neuen Deal nicht zustimmen würde.)

Zwar steht schon länger die Option im Raum, das Brexit-Datum zu verschieben, doch nachdem man schon über zwei Jahr Zeit hatte, einen Großteil davon vertrödelt hat und seit Monaten nicht wirklich von der Stelle kommt, stellt sich die Frage, was ein paar Monate noch mehr bringen.

Oder will man seitens der EU die Briten ggf. abstrafen und ein Exempel statuieren, um den übrigen Staaten klar zu machen, dass ein Austritt keine gute Idee ist? Je katastrophaler der Brexit wird, desto mehr stärkt er womöglich den Zusammenhalt der Rest-EU.

(Dass ein Staat ausreicht, um so etwas zu blockieren, ist mMn eine deutliche Schwäche der EU, aber das ist hier ja nicht Thema.)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 10. Februar 2019, 23:38:14
Zitat
Nur sollte man meinen, dass eine zeitlich befristete Lösung, zumal wenn man davon ausgehen kann, dass alle Beteiligten Interesse daran haben, sie auch nach Ablauf der Frist nicht zu kündigen, deutlich besser ist, als gar keine.

Ein schönes Beispiel für ein Thema, das wir an anderer Stelle gerade diskutiert haben. In der Politik geschehen Dinge, weil sie gewollt werden, nicht weil sie vernünftig wären. Aber zurück zur Sache.

So ganz ohne Vernunft ist die Ablehnung eines unbefristet gültigen und nicht einseitig kündbaren Backstop nicht. Da gibt es zwei Waagschalen, auf der einen liegen die Vorteile der fortbestehenden Zollunion und des uneingeschränkten Reiseverkehrs zwischen der EU und dem UK. Auf der anderen liegt der Vorteil einer dauernden Befriedung des uralten bluttriefenden Ulster-Konflikts. Die Kalamitäten des Ausscheidens aus Zollunion und Freizügigkeitszone hat sich das UK selbst mutwillig eingebrockt. Soll die EU dieses hausgemachte UK-Problem lösen helfen um den Preis, ein Mitgliedsland wieder in einen angrenzenden Bürgerkrieg zu verwickeln? Ich bin mir nicht sicher, ob das vorzugswürdig wäre. Und was Befristungen wert sind, können wir ja gerade staunend verfolgen: es geht geradewegs auf das "Höllentor" (so formuliert es die Süddeutsche heute) des 29. März zu. Kündigungsrechte in einem unbefristeten Backstop kann man nicht im Vertrauen darauf vereinbaren, dass sie schon niemand auslösen wird; denn zum Thema Vernunft siehe oben, und vernünftig war der ganze Brexit nicht. Trotzdem wurde er, nun ja, irgendwie gewollt.

Und noch eins, zum Thema Rationalität in der Politik. Es wird zwar nicht offen gesagt, aber die Republik Irland hat noch einen Hintergedanken aus alten Zeiten. Die Abwesenheit einer harten Außengrenze fördert die kulturelle Konvergenz zumindest mit dem Süden von Nordirland. Das ist ein kleiner Teil des alten Traums von der Rückkehr der historischen "Vierten Provinz": Ulster.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 12. März 2019, 16:53:37
Heute ist Brexit-Abstimmung. Als Brite wäre ich nervös.

(http://www.infernalmachine.co.uk/wp-content/uploads/2019/03/brexit.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 18. März 2019, 15:50:10
http://www.spiegel.de/politik/ausland/brexit-briten-muessen-an-europawahl-teilnehmen-oder-eu-zum-1-juli-verlassen-a-1258323.html

Ich spiele jetzt mal ein bisschen VTler, könnte nicht die Teilnahme der Briten an der Europawahl, der Versuch sein eine Art zweites Referendum zu ermöglichen, ohne die Mehrheit des ersten Referendums vor den Kopf zu stossen?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 19. März 2019, 00:32:16
Das ist definitiv ein Joker:

https://www.theguardian.com/politics/2019/mar/18/what-has-john-bercow-done-now

John Bercow, der Commons Speaker, hat auf den Tisch gehauen und die perfide Taktik der PM durchkreuzt. Seit Wochen ist diese Taktik offensichtlich geworden - sie will unter steigendem Druck so lange abstimmen lassen, bis am Ende, kurz vor Toresschluss, noch einige Abgeordnete ihrer Fraktion in die Knie gehen und zustimmen. Die Drohung, es könnte sonst gar keinen Brexit geben, hat sie kürzlich schon angedeutet. Die Frage, wieso dann ein zweites (drittes, viertes...) Referendum ausgeschlossen sein soll, stellt vorsichtshalber erst gar keiner.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 20. März 2019, 22:17:06
Scharf. Die EU reagiert auf die Bitte von May, den Austrittstermin zu verschieben:

Zitat
Responding in a brief statement to U.K. Prime Minister's request to extend until June 30 the deadline for the U.K.'s departure, Tusk said such an extension could win approval in Brussels but only upon ratification of the withdrawal deal, which the House of Commons has rejected twice with huge majorities against it in January and March.
https://www.politico.eu/article/donald-tusk-no-brexit-extension-without-green-light-for-deal/

Mir ist auch vorher völlig unklar geblieben, was das britische Parlament eigentlich will. Den gleichen Vertrag das dritte Mal verhandeln? Warum nicht das vierte, fünfte oder sechste Mal?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 22. März 2019, 13:48:47
Zitat
Brexit: EU wins itself some breathing space
https://www.bbc.com/news/world-europe-47663212

Das ist nun wirklich die Schlagzeile des Jahrzehnts. Nicht in der Boulevardpresse, sondern BBC. Die EU im Würgegriff der Briten, schon ganz blau angelaufen im Gesicht.  :crazy
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 22. März 2019, 15:36:29
Vielleicht könnte psiram ja mit einem kleinen Hinweis im blog auf diese Petition etwas weiterhelfen?

https://petition.parliament.uk/petitions/241584?fbclid=IwAR1z9Yf2HnZX7-Sly7PrsA7fTUhTfEkrhwXKbR28JGGVysfjbWOId30mCi4

Sie haben bald 3 Millionen Unterschriften beieinander.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 22. März 2019, 15:38:45
Meine Ansicht dazu: Die Briten haben es verbockt, nun sollen sie auch sehen, wie sie aus der Nummer rauskommen. Ich betrachte mich da als amüsierten und unbeteiligten Zuschauer.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 23. März 2019, 14:16:01
Das sehe ich exakt genauso! 8)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 23. März 2019, 15:28:59
Rettung naht. Uri Geller hat seinen Restverstand endgültig verloren oder hatte nie einen.

(https://pbs.twimg.com/media/D2R6EVMXQAYr7R3.jpg)

https://twitter.com/JewishTelegraph/status/1109145636216152065
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 23. März 2019, 21:40:24
Das Original findet sich hier: https://www.facebook.com/theurigeller/posts/2097200947043549

Eine Antwort:

Zitat
Andrew Curran Uri, some time ago I asked you to use your psychic powers to sort out the steering pump on my Hyundai. It was just about drivable but a bit heavy turning left. Now it's completely fucked and it's going to cost £215 to replace. You're a fucking fraud, mate. Psychic powers my arse.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Yadgar am 25. März 2019, 21:14:50
[ Krankdenk gelöscht ]
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 25. März 2019, 21:25:35
Meine Ansicht dazu: Die Briten haben es verbockt, nun sollen sie auch sehen, wie sie aus der Nummer rauskommen. Ich betrachte mich da als amüsierten und unbeteiligten Zuschauer.

Unbeteiligter Zuschauer? Fein wenn Du Dein Leben unabhängig von politischen Verwerfungen gestalten kannst.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 25. März 2019, 21:31:59
Unbeteiligter Zuschauer? Fein wenn Du Dein Leben unabhängig von politischen Verwerfungen gestalten kannst.

Ja, nicht? Du kannst ja gerne die Kacke auflecken, die andere Leute produzieren, wenn es dir Spaß macht.

Davon abgesehen weißt du genau nichts über mein sonstiges politisches Engagement und kannst dir deshalb kein Urteil darüber erlauben.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 25. März 2019, 21:33:48
Zitat
Ja, nicht? Du kannst ja gerne die Kacke auflecken, die andere Leute produzieren, wenn es dir Spaß macht.

Ich dachte ja immer, das wäre genau das was wir hier machen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 29. März 2019, 11:01:41
Wenn ein Regierungsoberhaupt eine strittige Vorlage einbringt, kann es sein, dass es sagt: wenn Ihr es nicht annehmt, trete ich zurück.
Für Insider: das heißt "Verbindung mit der Vertrauensfrage".

Wenn ein Regierungsoberhaupt in so einer Lage sagt: wenn Ihr es annehmt, trete ich zurück - wtf heißt das dann? - Wir müssen alle umlernen!
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 29. März 2019, 11:12:16
Wenn ein Regierungsoberhaupt in so einer Lage sagt: wenn Ihr es annehmt, trete ich zurück - wtf heißt das dann?

Das heißt: eigentlich habe ich die Schnauze voll. Und ich will lieber Chef bleiben, wenn es den Chaos-No-deal-Brexit gibt, als wenn ich einen rudimentär geregelten Brexit hinkriege, den ich selbst ausverhandelt habe. Vielleicht lassen sich ja Rees-Mogg und Konsorten davon beeindrucken, dass ich den politischen Ambitionen von Boris im Weg stehe, der sich das so schön ausgemalt hatte: als Retter aus dem selbst erzeugten Chaos reinkarnieren.

Die freundlichere Variante ist: Ihr wollt mich loswerden. I'm okay with that, würde der nicht Oxford-geschädigte Amerikaner sagen. Aber das kriegt Ihr nur, wenn Ihr meinen Deal nehmt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 29. März 2019, 13:15:25
Und wie wird das im UK wahrgenommen. Bitterkeit.

Zitat
We are reduced to this. A humiliated, supplicant British prime minister sitting alone in a Brussels side room for six hours while the rest of the European Union discusses our fate. A government no longer capable of governing. A country that has become a byword for chaos and dysfunction. A sundered “United Kingdom”. Hundreds of thousands of Britons seeking citizenship in other EU states. Industry howling in rage and frustration. MPs needing police protection. People stockpiling food and medicines. The public discourse poisoned. Families split. Friends riven. The military on standby in case of civil unrest.

This is not “taking back control”. [...]
https://www.newstatesman.com/politics/uk/2019/03/humbling-britain


Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 29. März 2019, 13:50:32
Zitat
You know, Theresa must be the only leader in living memory who has tried to fall on her own sword and has managed to miss

Nicola Sturgeon
https://twitter.com/mabonelis/status/1111244661341986817
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 29. März 2019, 13:59:57
Gott sei dank grad keinen Kaffee im Mund gehabt... die Schotten werden mir immer sympathischer. Störe liefern halt Kaviar :D
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 29. März 2019, 18:44:52
Zum dritten  mal abgelehnt   :rofl2 "Thehouseofnuts" wird seinem Namen gerecht.  :aetsch:

Die Abgeordneten sind sich aber einig, dass sie eine Verantwortung haben eine Lösung zu finden, am Montag.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 29. März 2019, 19:50:21
Großer Sieg für Theresa May. Bei den Parlamentariern des Vereinigten Königreiches ist sie noch weniger verhasst als ein halbwegs geordneter Brexit.
Glückwunsch! :rock
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 29. März 2019, 20:28:32
Es ist ja nicht so, dass das in der Geschichte ohne Beispiel ist.

Einst konnte sich das Konklave über Monate nicht auf einen neuen Papst einigen. Wilde Anarchie in der Stadt Rom. Die Kardinäle wurden vom erbitterten Volk in ein antikes Gemäuer eingesperrt. Sie wurden auf strenge Diät gesetzt. Das Dach wurde abgedeckt, um dem Himmel mittels Regen zu ermöglichen, eine Einigung zu befördern. Nichts half. Sie stritten weiter und weiter. Ein Papabile löste das Problem, indem er starb.

Ein paar Jahrzehnte später war es mal wieder so weit: die Kardinäle zogen hier hin und dorthin, und aus den Monaten, in denen sie sich nicht einigen konnten, wurden Jahre. Schließlich donnerte ein heiliger Einsiedler in den Abruzzen und drohte mit dem Höllenfeuer: sie sollten gefälligst zu Stuhle kommen. Das kam wie eine Erleuchtung über das Konklave. Sie wählten den Einsiedler selber zum Papst. Er erwies sich als der unfähigste Herrscher, den die Stadt je gesehen hatte. Das hätte jeder voraussehen können: in der Einöde lernt man beten, aber nicht regieren. 

Für Interessierte: das ersterwähnte Konklave war 1241, und im zweiten wurde Coelestin V gewählt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 29. März 2019, 23:31:26

Die freundlichere Variante ist: Ihr wollt mich loswerden.

Nicht einmal das hat sie also auf die Reihe gekriegt. Jetzt bleibt sie, das muss man anscheinend so feststellen, im Amt, weil sie nichts durchsetzen kann.  :crazy 
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 30. März 2019, 00:03:44
War ja schon 50 v.Chr. zu Genüge bekannt!
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 30. März 2019, 10:55:47
Man sollte den Brexit einfach sportlich sehen.....
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 30. März 2019, 21:37:45
Sportlich... na ja. Betrachten wir doch  die Superbrexiteers um Rees-Mogg und BoJo, denen es, wie sie glaubhaft machen wollen, gar nicht hart genug gehen konnte. Dann bietet die PM für den Fall ihres weichen Konsensaustritts ihren Rücktritt an, und schon drehen sie (und anscheinend fast nur sie) bei. Ein Schelm, wer meint, das habe mit einem Tory-Machtkampf auf dem Rücken des Landes nichts zu tun.

Auf solchen Sportsgeist ist gepfiffen.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 30. März 2019, 23:01:53
Wie konnte dieses Land jemals ein Empire gründen???? Geschweige denn Napoleon besiegen, oder zwei Weltkriege auf der Siegerseite überleben? Moment...ein Empire gebaut gegen Länder, die noch schwächer waren und bei Napoleon+Weltkriegen gings erst gut, wenn sie widerwillige "Freunde" fanden. Jetzt sind sie allein... wundert sich jemand über die Resultate?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 30. März 2019, 23:09:16
Wie konnte dieses Land jemals ein Empire gründen?

Das waren andere Leute als die da jetzt sitzen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 30. März 2019, 23:40:45
Sportlich... na ja. Betrachten wir doch  die Superbrexiteers um Rees-Mogg und BoJo, denen es, wie sie glaubhaft machen wollen, gar nicht hart genug gehen konnte. Dann bietet die PM für den Fall ihres weichen Konsensaustritts ihren Rücktritt an, und schon drehen sie (und anscheinend fast nur sie) bei. Ein Schelm, wer meint, das habe mit einem Tory-Machtkampf auf dem Rücken des Landes nichts zu tun.

Auf solchen Sportsgeist ist gepfiffen.
...ich dachte das Bild wäre Erklärung genug...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 30. März 2019, 23:42:09
Wie konnte dieses Land jemals ein Empire gründen???? Geschweige denn Napoleon besiegen, oder zwei Weltkriege auf der Siegerseite überleben? Moment...ein Empire gebaut gegen Länder, die noch schwächer waren und bei Napoleon+Weltkriegen gings erst gut, wenn sie widerwillige "Freunde" fanden. Jetzt sind sie allein... wundert sich jemand über die Resultate?
  Im Rückblick ist diese Frage ähnlich sinnvoll wie bei den Mongolen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 31. März 2019, 00:27:01
Im Rückblick ist diese Frage ähnlich sinnvoll wie bei den Mongolen.
Na, ich frag' Dich mal lieber nicht, was Du über die Mongolen weißt.

---

Zitat
this is the best guide to Brexit I have ever seen.

(https://forum.psiram.com/index.php?action=dlattach;topic=14883.0;attach=7758)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 31. März 2019, 00:30:10
Zitat
Na, ich frag' Dich mal lieber nicht, was Du über die Mongolen weißt.


Das ist wahrscheinlich auch unnötig, rhetorische Fragen kennen wir ja von unserer Klientel zur Genüge.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 31. März 2019, 00:49:53
Zitat
Na, ich frag' Dich mal lieber nicht, was Du über die Mongolen weißt.
Das ist wahrscheinlich auch unnötig, rhetorische Fragen kennen wir ja von unserer Klientel genug.
Während das Privileg, rhetorische Bemerkungen zu machen, hiesigen Foristen vorbehalten ist.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 31. März 2019, 00:52:51
Zitat
Na, ich frag' Dich mal lieber nicht, was Du über die Mongolen weißt.
Das ist wahrscheinlich auch unnötig, rhetorische Fragen kennen wir ja von unserer Klientel genug.
Während das Privileg, rhetorische Bemerkungen zu machen, hiesigen Foristen vorbehalten ist.

Wenn es die Hybris pinselt ist das ja auch vollkommen in Ordnung.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 31. März 2019, 01:11:51
Zitat
Na, ich frag' Dich mal lieber nicht, was Du über die Mongolen weißt.
Das ist wahrscheinlich auch unnötig, rhetorische Fragen kennen wir ja von unserer Klientel genug.
Während das Privileg, rhetorische Bemerkungen zu machen, hiesigen Foristen vorbehalten ist.
Wenn es die Hybris pinselt ist das ja auch vollkommen in Ordnung.
Dann ist ja schönste Einigkeit erzielt   :grins
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 31. März 2019, 01:12:40
Zuerst wohl als Frechheit gedacht, dann als Realsatire wahrgenommen, inzwischen eine Beleidigung für die Verwandtschaft.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 31. März 2019, 01:14:47
Zitat
Dann ist ja schönste Einigkeit erzielt   :grins

 :2thumbs:

(https://www.csmonitor.com/var/ezflow_site/storage/images/media/content/2013/arnold3/14758357-1-eng-US/Arnold3_full_600.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 31. März 2019, 03:04:14
Sportlich... na ja. Betrachten wir doch  die Superbrexiteers um Rees-Mogg und BoJo, denen es, wie sie glaubhaft machen wollen, gar nicht hart genug gehen konnte. Dann bietet die PM für den Fall ihres weichen Konsensaustritts ihren Rücktritt an, und schon drehen sie (und anscheinend fast nur sie) bei. Ein Schelm, wer meint, das habe mit einem Tory-Machtkampf auf dem Rücken des Landes nichts zu tun.

Auf solchen Sportsgeist ist gepfiffen.
...ich dachte das Bild wäre Erklärung genug...

Ja, sagen wir mal: sportlich wie die Trumpnase.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 06. April 2019, 16:59:59
Einer der wichtigsten Gründe für das Brexit-Chaos ist IMHO die tiefsitzende Überzeugung der Briten, eine Weltmacht zu sein (über dem Commonwealth geht die Sonne nicht unter, über einem Drittel der Menschheit ist die Queen das formale Staatsoberhaupt, ihre Sprache ist die Lingua franca der Welt, Mutterland der Demokratie usw.). Das ist der Nachteil, wenn man zwei Weltkriege gewonnen hat: die Folklore ist ungebrochen. 

Zitat
But the House of Commons as a whole, including the Conservatives, deprived May of leverage with which to renegotiate, because it voted that it would not accept leaving the Union without a deal. This deprived the European Union of any reason to renegotiate anything: it was a preemptive surrender to the demands of the E.U. that makes Neville Chamberlain look like a hard-bitten poker champion.
https://www.city-journal.org/brexit

Natürlich hat die EU ein vitales Interesse an einem geregelten Zustand – aber nicht um jeden Preis. Die glauben, das ist nichts als Poker, und die EU würde angekrochen kommen, wenn die Briten mit einem ungeregelten Brexit drohen könnten.

Der Schwanz wedelt mit dem Hund.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Ladislav Pelc am 06. April 2019, 18:57:57
Sicher, das ist naiv. Wobei die EU ja eine ähnliche Schiene gefahren ist mit der Deadline, die dann am Schluss doch wieder verschoben wurde und demnächst wieder verschoben wird.

Beide Seiten haben sich also mit dem gleichen Szenario versucht zu erpressen, in der Hoffnung, dem anderen weiß zu machen, man selbst würde den No-Deal-Brexit notfalls inkauf nehmen. Sie haben also das Angsthase-Spiel (https://de.wikipedia.org/wiki/Feiglingsspiel) gespielt.

Nachdem jetzt beide Seiten praktisch zugegeben haben, dass der No-Deal-Brexit für sie keine Option ist, solange die andere Seite ihn nicht erzwingt, ist der Drops meines Erachtens gelutscht: Es muss einen Deal geben, und da die EU klar gemacht hat, dass es keine inhaltlichen Änderungen geben wird, ist auch klar, welcher Deal es sein wird.

Weitergehende Regelungen (z. B. eine nähere Anbindung an die EU nach dem Modell Norwegen) wird man hinterher aushandeln müssen, sobald die britische Regierung wieder in der Lage dazu ist, etwas auszuhandeln, was dann vom Parlament auch beschlossen wird.

Es stellt sich also gar nicht mehr die Frage des Ob, sondern nur noch des Wann.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 06. April 2019, 19:09:34
Beide Seiten haben sich also mit dem gleichen Szenario versucht zu erpressen
Ich hätte die Gewichte ungleicher verteilt. Was ist denn der Inhalt der Erpressung?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 06. April 2019, 20:21:05
Sicher, das ist naiv. Wobei die EU ja eine ähnliche Schiene gefahren ist mit der Deadline, die dann am Schluss doch wieder verschoben wurde und demnächst wieder verschoben wird.


Nein, das Bild ist schief. Der 29.03.2019 war keine ad-hoc-Erfindung der EU, sondern der im EU-Vertrag automatisch geltende Stichtag, abhängig nur von dem Datum, in dem die Austrittserklärung abgegeben wurde. Es war auch nicht die Idee der EU, über zwei Jahre des Zeitraums bis dahin mit Mätzchen politikunfähiger Romantiker zu verdödeln, bevor der Ernst der Sache erkannt wurde. Ich entsinne mich noch recht gut an ein Foto aus der allerersten Verhandlungsrunde - Michel Barnier und zwei Adlati mit einem Stoß Leitzordner auf der einen Seite, Michael Gove und zwei Mitstreiter mit einem Blatt Papier und einem Bleistift auf der anderen. An dieser Lage hat sich im Kern bis heute nichts geändert, weil die PM und ihr Chief Whip in der eigenen Partei und Fraktion keine Mehrheit, egal wofür, organisieren kann. Das Dilemma besteht darin, dass es im Königreich Mehrheiten gegen alles gibt, aber keine Mehrheit für irgend etwas, und das ist ein Problem nicht der EU.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 07. April 2019, 11:19:26
Zitat
If a long extension leaves us stuck in the EU we should be as difficult as possible. We could veto any increase in the budget, obstruct the putative EU army and block Mr Macron’s integrationist schemes.

https://twitter.com/Jacob_Rees_Mogg

Einfacher gesagt: wenn wir hier schon nichts gewinnen können, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 09. April 2019, 22:45:54
Zitat
For the first time in history, the UK could see the end of May before the end of April
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 10. April 2019, 00:36:39
 :grins
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 10. April 2019, 08:56:57
(https://i.imgflip.com/2x90ba.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Ladislav Pelc am 11. April 2019, 15:41:32
Nein, das Bild ist schief. Der 29.03.2019 war keine ad-hoc-Erfindung der EU, sondern der im EU-Vertrag automatisch geltende Stichtag, abhängig nur von dem Datum, in dem die Austrittserklärung abgegeben wurde.

Stimmt, das war nicht ganz korrekt. Dennoch hat die EU mMn versucht, den Eindruck zu erwecken, sie würde an diesem Tag einen harten Brexit notfalls in Kauf nehmen, um es dann doch nicht zu tun, genauso wie jetzt mit dem 12.4.

Immerhin hat man jetzt eingesehen, dass man mit dieser Strategie nicht weiter kommt, auch wenn eine noch längere Verlängerung von mindestens einen Jahr denke ich sinnvoller gewesen wäre. Dann hätte man sich auf beiden Seiten erstmal mit etwas anderem befassen können, und in einem Jahr wäre das Parlament, nachdem zwischendrin etwas Ruhe eingekehrt wäre, hoffentlich in der Lage gewesen, sich zwischen dem Deal oder der Rücknahme des Austritts (was ja die einzigen beiden wirklichen Optionen sind) zu entscheiden. So besteht die Gefahr, dass man im Oktober noch mal verlängern muss, was wieder ein Akt wird, obwohl das Ergebnis ja bereits fest steht.

Es war auch nicht die Idee der EU, über zwei Jahre des Zeitraums bis dahin mit Mätzchen politikunfähiger Romantiker zu verdödeln, bevor der Ernst der Sache erkannt wurde. Ich entsinne mich noch recht gut an ein Foto aus der allerersten Verhandlungsrunde - Michel Barnier und zwei Adlati mit einem Stoß Leitzordner auf der einen Seite, Michael Gove und zwei Mitstreiter mit einem Blatt Papier und einem Bleistift auf der anderen. An dieser Lage hat sich im Kern bis heute nichts geändert, weil die PM und ihr Chief Whip in der eigenen Partei und Fraktion keine Mehrheit, egal wofür, organisieren kann. Das Dilemma besteht darin, dass es im Königreich Mehrheiten gegen alles gibt, aber keine Mehrheit für irgend etwas, und das ist ein Problem nicht der EU.

Das stimmt alles. Die Briten haben den Stein ins Rollen gebracht, indem sie das unselige Referendum durchgeführt und dann angefangen haben, das Ergebnis umzusetzen, ohne überhaupt einen (realistischen) Plan zu haben, wie denn das genaue Endergebnis dieses Prozesses aussehen könnte. Dann haben sie endlos Zeit vertrödelt, bevor dann praktisch auf den letzten Drücker ein Deal ausgehandelt wurde, der im Parlament auch nach mehreren Anläufen keine Mehrheit findet. Das haben sich die Briten ohne Zweifel (größtenteils) selbst eingebrockt.

Aber das ändert nichts daran, dass nachdem der Deal ausgehandelt war, aber am Parlament scheiterte, beide Seiten versucht haben, der jeweils anderen mit dem No-Deal-Szenario zu drohen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Yadgar am 11. April 2019, 18:29:52
Hi(gh)!

Also, mein psychopathischer Satire-Drittie, der Nazitroll mit Jagdschein, hatte ja schon vor drei Jahren eine ganz klare Meinung zum Brexit:

http://www.assoziations-blaster.de/blast/EU.28.html

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 11. April 2019, 21:05:01
Es fehlt ganz eindeutig ein Kotzsmiley! :blank:
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 11. April 2019, 21:18:50
Es fehlt ganz eindeutig ein Kotzsmiley! :blank:

 #)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Yadgar am 12. April 2019, 00:07:10
Hi(gh)!

Es fehlt ganz eindeutig ein Kotzsmiley! :blank:

 #)

Genau so ticken Rechtsextreme doch: verliebt in Krieg, Gewalt, Angst, Leid, Qual und Tod! Ihr internationaler Universal-Gruß müsste eigentlich "Tod Heil!" lauten... und "Hail Death!" wird von US-Nazis wohl tatsächlich verwendet, wenn man Google Glauben schenkt!

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 12. April 2019, 19:41:36
Es fehlt ganz eindeutig ein Kotzsmiley! :blank:

 #)

Verdammt, den habe ich wohl übersehen. :-[
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 12. April 2019, 20:31:16
Es fehlt ganz eindeutig ein Kotzsmiley! :blank:

 #)

Verdammt, den habe ich wohl übersehen. :-[

Dafür gib es ja auch einen. :augenkrebs:
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 12. April 2019, 20:47:39
Also so langsam habe ich die Schn... voll von dieser Brexitsch...

Es reicht jetzt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 12. April 2019, 22:38:19
Also so langsam habe ich die Schn... voll von dieser Brexitsch...

Es reicht jetzt.
Da bist du nicht der einzige, sogar die Briten haben die schnauzte davon voll, denn regional/national Politik bleibt da auf der strecke und wichtige Dinge werden einfach ignoriert, so belibt der Bürger auf der strecke und will den Brexit dann auch nicht mehr. vbor Kurzem hat ein MP May um Unterstützung gebeten, den Bahnhof in seinem Wahlort Behinderten gerecht zu machen, und wurde darüber ausgelacht, weil das Thema ja immer noch Brexit ist und wohl für so einen "klein Kram" keine zeit da ist. Das bedeutet auch, das etliche andere wichtige proekte einfach auf der strecke bleiben. Es würde mich nicht wundern wenn es nach alle dem nicht mehr zum Brexit kommt, weil dan keine UK mehr da ist, nachdem die Bürger die Sache selbst in die Hand nehmen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 13. April 2019, 00:29:46
(https://static.politico.com/dims4/default/ef62836/2147483647/resize/1160x%3E/quality/90/?url=https%3A%2F%2Fstatic.politico.com%2F4a%2F30%2Ff5b8655c477bba37f651045f2675%2F2-matt-davies-newsday-and-andrews-mcmeel-syndicate.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio am 13. April 2019, 13:25:15
Zitat
Es würde mich nicht wundern wenn es nach alle dem nicht mehr zum Brexit kommt, weil dan keine UK mehr da ist, nachdem die Bürger die Sache selbst in die Hand nehmen.

Du meinst also, dass das UK dan einfach auseinander fliegt, weil sich z.B. die Schotten selbstständig machen?

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 13. April 2019, 14:21:00
Zitat
Es würde mich nicht wundern wenn es nach alle dem nicht mehr zum Brexit kommt, weil dan keine UK mehr da ist, nachdem die Bürger die Sache selbst in die Hand nehmen.

Du meinst also, dass das UK dan einfach auseinander fliegt, weil sich z.B. die Schotten selbstständig machen?
Die Schotten haben ja damit gedroht und seit dem Brexit Debakel, ist ein Unabhängigkeitsreferendum immer wahrscheinlicher und es hat auch großen Zuspruch, die Idee ist, das Schottland dann einfach in die EU eintritt als selbständiges Land. Die Zyniker sagen, das so was nie zustande kommt, wegen Spanien und Katalonien, und Spanien da einfach Veto einlegt, das glaube ich aber nicht, da das eine Separates Thema ist.

Nordirland könnte ähnlich handeln, und sich entscheiden, einfach Irland beizutreten, dann währen die ja automatisch in der EU. Was davor passiert, ist halt die große Frage, der Brexit gefährdet dort massive den Frieden.

Am ende würden dann nur noch England und Wales übrig, das halt dann nicht mehr in der EU ist, es sei denn, England oder Wales machen sich nicht auch irgendwie selbständig. Es würde so oder so auf den zerfall der UK hinauslaufen, und die massiven Probleme die dann dort im Rest herrschen, würden diesem Königreich den Rest geben und es in ein Drittklassiges Land verwandeln.   
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 13. April 2019, 22:43:16
Die Schottenproblematik ist für Spanien (und Italien) nicht von der Hand zu weisen... allerdings könnte man mit diesem Präzedenzfall vieleicht auch Sachsen loswerden? ;) Letzteres ist erstmal egal, für Spanien müsste irgendein besonderes Argument beim Schottendeal gefunden werden, damit Kataloniens ländliche Gebiete Madrid nicht um die Ohren fliegen.

Nordirland ist ein ganz anderer Schnack. Dagegen ist Schottland politisch, religiös und wirtschaftlich homogen, ein Scotleave würde in Schottland keine Unruhen auslösen, vor allem nicht, wenn die EU Garantien gibt. In Nordirland gibt es einen extrem harten und gewaltbereiten Kern, der lieber verhungert (man beachte die tragische Ironie) als dass er die Union aufgibt. Und sehr wahrscheinlich gibt es in England auch genug Kräfte, die diesen harten Kern mit aller Macht stützen würden. England bzw. diejenigen, die dem Empire hinterhertrauern wissen, dass sie Schottland nicht mal mit Gewalt halten könnten... weil dort keine relevante Gruppe diesen alten Traum teilt. In Nordirland dagegen gibt es solche Gruppen und es ist für Katholiken deutlich einfacher, ins reiche Irland zu gehen anstatt die Kämpfe der letzten Jahrhunderte erneut zu kämpfen. Wenn es dort explodiert wird es meiner Meinung nach einen Exodus geben...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 14. April 2019, 12:08:44
Tja, sogar eigne Konservative wollen den Brexit nun doch nicht mehr:
https://www.zeit.de/2019/16/eu-austritt-brexit-grossbritannien-entscheidung-referendum-theresa-may?utm_source=pocket-newtab

"Der konservative britische Kommentator Peter Oborne hat seine Meinung geändert. Im Augenblick sieht er keine Möglichkeit für einen sinnvollen Austritt aus der Europäischen Union.
Ein Gastbeitrag von Peter Oborne"
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 14. April 2019, 21:38:22
Nordirland ist ein ganz anderer Schnack.

Allerdings, und da kommt noch etwas hinzu: es gibt eine Trennungslinie zwischen mehrheitlich katholischen und mehrheitlich protestantischen Regionen, die etwa von Norwesten nach Südosten durch Ulster verläuft. Genau dieser Linie entsprechend verlief auch die Grenze der Mehrheiten beim Referendum. Nordirland müsste sich mit der Gefahr einer internen Spaltung (und Hinwendung des südlichen Landesteils zur Republik) auseinandersetzen. Was das für die jeweiligen Minderheiten in beiden Teilregionen bedeuten würde, wage ich mir kaum vorzustellen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Icerail am 16. April 2019, 03:32:09
Nordirland ist ein ganz anderer Schnack.
Nordirland müsste sich mit der Gefahr einer internen Spaltung (und Hinwendung des südlichen Landesteils zur Republik) auseinandersetzen.

Ach paperlapapp, da ist noch nie was passiert und wird es auch nie! (Zitat Klumpus, römischer Diktator 52-52 v.Chr.)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 17. April 2019, 14:07:51
Zitat
Channel 4 News investigation reveals how Arron Banks' pro-Brexit group Leave EU faked a migrant-crossing video and appeared to have staged photos of migrants attacking women in London.

https://www.channel4.com/news/revealed-how-leave-eu-faked-migrant-footage
 
Propaganda Sans Frontières. Ich sag's mal ganz vorsichtig: für Demokratien ist ein derartiges Niveau der Demagogie schon einigermaßen ungewöhnlich.

Interessant dazu auch:
https://en.wikipedia.org/wiki/Arron_Banks#Links_to_Russian_officials_and_Donald_Trump_campaign
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 19. Mai 2019, 14:58:24
Es wird nicht besser mit dem Brexit. Warum sollte es.

Zitat
Jeremy Corbyn unable to tell #Marr, despite being asked 6 times, if he wants to leave the EU (or if it doesn’t want to), or if he supports a second referendum (or doesn’t).
https://twitter.com/tnewtondunn/status/1130045752464560130

Der Faden ist lesenswert. Wenn Corbyn schon nichts zu sagen weiß oder (was ich glaube, sich zu sagen traut), dann muss er wenigstens einen Gegenangriff starten:
Zitat
Corbyn does a Farage on #Marr too: “If you don’t mind me saying so, it’s yourself and the British media who are obsessed with defining everybody how they voted 3 years ago”.
usw. Genau wie der Enemy of The People überm Teich vom Russia-Hoax besessen ist.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 24. Mai 2019, 13:43:40
DLF meldet gerade:

Zitat
+++ Eilmeldung +++ Die britische Premierministerin #May hat mitgeteilt, dass sie am 7. Juni als Parteichefin zurücktritt. Das Amt ist traditionell mit dem der Regierungschefin verknüpft +++
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 25. Mai 2019, 01:19:45
Da hatte ich eigentlich schon eher mit gerechnet. ::)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 25. Mai 2019, 12:00:25
Zitat
https://twitter.com/iknowplacesmp6/status/1131977960444108802

“You can’t just respond on a human level?”
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 25. Mai 2019, 12:36:06
“You can’t just respond on a human level?”

Ja, wirklich unangemessen. Als ob Politik irgendwas mit Menschen zu tun hätte.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 29. Mai 2019, 13:29:12
Die Financial Times (https://www.ft.com/content/13be9132-8149-11e9-b592-5fe435b57a3b?sharetype=blocked) spielt alle Optionen durch. Sie fasst zusammen:
Zitat
As October 31 approaches, Britain’s political elite may well have almost exhausted their Brexit options. Revoking Article 50 and abandoning Brexit would be unthinkable for a Tory prime minister, a compromise deal acceptable to MPs may be as elusive as ever, a no-deal exit might have been blocked by parliament and a general election rendezvous with a seething electorate deemed too risky to countenance.

Was kommt nun?  ... starren wir dem Ungeheuer direkt ins Antlitz ... wir haben es geahnt ... Mut, Brüder:
Zitat
the only viable way out of the stand-off: a second referendum
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 31. Mai 2019, 13:05:05
Wir sind alle dem Untergang geweiht! Ich wage mal einen Blick in die Zukunft:

- Donald Trump wird für weitere 4 Jahre wiedergewählt.
- Boris Johnson wird Premier in UK.
- AKK wird Bundeskanzlerin.
- Putin und Erdogan gehen eine Allianz ein.

Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen und kann leider real werden...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 13. Juni 2019, 17:34:10
Zitat
In diplomatic cable seen by POLITICO, high commissioner says Singapore’s leaders wonder what happened to ‘the nation they admired for stability, common sense, tolerance and realism.’

https://www.politico.eu/article/outgoing-uk-diplomat-slams-chaotic-politics-and-brexit-shambles/
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 02. Juli 2019, 13:24:52
Der Affekt der Brexiteers, zusammengefasst in einer Geste: freudlos.

Zitat
NEW: @BrexitParty_UK MEPs turn their backs when European anthem Ode de Joy is played inside the European Parliament

(https://pbs.twimg.com/media/D-dNT20XUAIUg4f.jpg)

And one man is not happy, European Parliament President @Antonio_Tajani “You stand for the anthem of another country”

Sie sollten den britischen Inseln ein paar Schiffsschrauben anmontieren, hinaus in den Atlantik.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 02. Juli 2019, 15:07:26
Der Affekt der Brexiteers, zusammengefasst in einer Geste: freudlos.

Den bestens bezahlten Job im EP haben sie vermutlich weniger freudlos angenommen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 02. Juli 2019, 16:21:20
Der Affekt der Brexiteers, zusammengefasst in einer Geste: freudlos.

Zitat
NEW: @BrexitParty_UK MEPs turn their backs when European anthem Ode de Joy is played inside the European Parliament

(https://pbs.twimg.com/media/D-dNT20XUAIUg4f.jpg)

And one man is not happy, European Parliament President @Antonio_Tajani “You stand for the anthem of another country”

Sie sollten den britischen Inseln ein paar Schiffsschrauben anmontieren, hinaus in den Atlantik.

Und was sieht man? Nur Ärsche :D
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: simpel am 02. Juli 2019, 17:04:39
...
Und was sieht man? Nur Ärsche :D
:laugh:

Welch niveauloses Volk. Warum sind sie nicht einfach zu Hause geblieben?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 02. Juli 2019, 18:58:34
Ich bin dann doch inzwischen der Meinung sie sollten einfach verschwinden, das ist zwar traurig, aber da, mehrheitlich, auf einen Anfall von Vernunft setzen zu wollen ist naiv.

In Diskussionen mit Briten die es besser wissen sollten: "The Busisness will find the Busisness" und "Rule britannia" auf Dauer werden sie mehr schaden als nutzen.

Nun gut was erwartet man von einer Demokratie die sich eine diktatorische Staatsführung leistet.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 02. Juli 2019, 19:06:01
Der Affekt der Brexiteers, zusammengefasst in einer Geste: freudlos.

Zitat
NEW: @BrexitParty_UK MEPs turn their backs when European anthem Ode de Joy is played inside the European Parliament

(https://pbs.twimg.com/media/D-dNT20XUAIUg4f.jpg)

And one man is not happy, European Parliament President @Antonio_Tajani “You stand for the anthem of another country”

Sie sollten den britischen Inseln ein paar Schiffsschrauben anmontieren, hinaus in den Atlantik.

Und was sieht man? Nur Ärsche :D

Und es wirkt, jeder Trottel der es nicht besser weiss, sorgt für die Verbreitung.... mich eingeschlossen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 14. Juli 2019, 21:11:50
Zitat
A Brexit Party MEP has called for the Royal Navy to sink EU fishing vessels that enter a 200 mile exclusion zone around the United Kingdom.

The policy would see EU boats as far away as France's Bay of Biscay attacked by British warships. The 200 miles exclusion zone would also include a number of EU capitals and major cities such as Paris, Brussels, Amsterdam, and Dublin.
https://www.independent.co.uk/news/uk/politics/brexit-party-royal-navy-warships-britain-eu-fishing-boats-a9002671.html
Es ist leider eine geschichtliche Grunderfahrung. Mit zunehmenden Schwierigkeiten tendieren die Menschen nicht zu mehr Vernunft, sondern zu mehr Fanatismus.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 24. August 2019, 23:22:28
(https://g8fip1kplyr33r3krz5b97d1-wpengine.netdna-ssl.com/wp-content/uploads/2019/08/225_228827-1160x816.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 03. September 2019, 00:55:07
Zitat
Sam Coates Sky
@SamCoatesSky
NEW

Cabinet ministers to be told draft legal text on Northern Ireland plan has been drawn up and ready to be introduced

BUT

A source says draft legal text is just the existing protocol with the relevant articles on the backstop crossed out - not exactly a worked up plan

Aus den Kommentaren:

(https://pbs.twimg.com/media/EDeBdsiWwAECiBg.jpg)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Ladislav Pelc am 05. September 2019, 01:39:43
So, der "No Deal" wäre erstmal gestoppt, der Brexit geht damit in die x-te Verlängerung, somit hat man 3 Monate mehr Zeit, keine Lösung zu finden und die nächste Verlängerung zu beantragen. ::)

Meiner Meinung nach sollte die EU darauf bestehen, dass es mindestens ein Jahr Verlängerung gibt, oder besser zwei. Dann muss man wenigstens nicht alle paar Monate wieder darüber diskutieren. Und eigentlich spricht ja nichts dagegen, dass es so bleibt. Man könnte das institutionalisieren und alle paar Jahre pro forma eine weitere Verlängerung beschließen. Mit etwas Glück ist in fünf bis zehn Jahren genug Gras drüber gewachsen, dass man den Brexit auch offiziell beerdigen kann. Und wenn nicht, bleibt es halt bestehen, als zusätzliche Extrawurst für die Briten neben eigener Währung und Britenrabatt, die ihnen das wohlige Gefühl gibt, eigentlich nicht so ganz dazuzugehören zum Kontinent, denn eigentlich ist man ja schon ausgetreten, nur die Formalien muss man noch klären, irgendwann eben.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 05. September 2019, 02:30:48
Meiner Meinung nach sollte die EU darauf bestehen, dass es mindestens ein Jahr Verlängerung gibt, oder besser zwei. Dann muss man wenigstens nicht alle paar Monate wieder darüber diskutieren.

Also am besten an den Termin zur BER-Eröffnung koppeln.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Fool am 05. September 2019, 08:31:32
Der EU scheint allerdings die Geduld auszugehen.
Vielleicht sollten wir sie einfach rausschmeißen - lieber ein Ende mit Schrecken ...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 05. September 2019, 13:10:47
Die EU macht sich mit so einem Eiertanz auch unglaubwürdig, allerdings ist vorstellbar, dass BJs neuer "cunning plan" genau auf die Ungeduld der Europäer hinauslaufen wird: Man provoziert eine Nicht-Verlängerung, hat damit den no-deal und kann der EU den Schwarzen Peter zuschieben, dass sie ja nicht verhandeln wollte. Nur ist es ja bisher so, dass es noch keinen Vorschlag aus London gibt, was nun wie "neu" geregelt werden soll. Da zeigt sich der Amateur Boris: Er will "neu verhandeln", macht aber kein Angebot/Vorschlag, was ihm Corbyn auch immer wieder genüsslich unter die Nase reibt. Das sollte nun langsam auch mal bei den Briten allgemein ankommen.... Damit ist BJ voll in Merkels Falle getappt, die ihm ja mit den 30 Tagen eine wunderbare Steilvorlage geliefert hat, welche BJ jetzt in das Eigentor des Jahres verwandelt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 05. September 2019, 17:45:33
Es hieß ja immer BJ habe in Oxford studiert und das Eton-Internat besucht davon merke ich aber gerade gar nichts.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 05. September 2019, 18:12:13
Es hieß ja immer BJ habe in Oxford studiert und das Eton-Internat besucht davon merke ich aber gerade gar nichts.

Was würdest du denn erwarten? Das ist doch genau der Bildungsweg für verzogene Berufssöhne mit glänzenden Karrierechancen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 06. September 2019, 01:29:40
Zum weiteren Verlauf des Brexit.....
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Fool am 06. September 2019, 08:30:08
 ;D

"The same procedure as last year?"
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 06. September 2019, 09:55:12
Es hieß ja immer BJ habe in Oxford studiert und das Eton-Internat besucht davon merke ich aber gerade gar nichts.

Was würdest du denn erwarten? Das ist doch genau der Bildungsweg für verzogene Berufssöhne mit glänzenden Karrierechancen.

Naiv wie ich manchmal bin, bin ich doch tatsächlich davon ausgegangen, dass Leute die an solchen Institutionen ausgebildet worden sind zu den Fähigsten und Besten gehören.

Offenbar ist mit denen aber auch nicht viel anzufangen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 06. September 2019, 13:29:53
Naiv wie ich manchmal bin, bin ich doch tatsächlich davon ausgegangen, dass Leute die an solchen Institutionen ausgebildet worden sind zu den Fähigsten und Besten gehören.

Passt doch. BoJo ist zu allem fähig und hält sich für den Besten.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 06. September 2019, 13:36:45
Ähm, ich sehe es eher so: "Elite"-Einrichtungen drücken die Glockenkurve, d.h. an beiden Enden (Outstanding und stupid) sammeln sich mehr Individuen. Sieht man auch an Westpoint: Für jeden Eliteoffizier von dort gibts ne Flasche, die durch den Namen und das Netzwerk gepusht wurd.

Fakt ist für mich: BJ hat keinen Plan, hatte nie einen. Weder hat er eine alternative zum Backstop, noch hat er einen Plan, im Parlament eine Mehrheit für irgendwas zu bekommen. Er ist wie May am Ende ihrer Zeit. Auch Neuwahlen werden das Problem nicht lösen, weil Leute wie BJ, Farage und auch Corbyn entweder aktiv gespalten oder nichts gegen die Spaltung getan haben. Corbyn ist in dem Sinne für mich auch nicht besser, ein Opportunist, der bei der Brexit-Abstimmung sein Fähnlein nach dem Umfragewind gedreht hat und nun auch seinen eigenen Arsch nicht ohne fremde Hilfe findet. Das Labour dies zugelassen hat, zeigt auch, dass diese Partei auch nicht in der Lage wäre, irgendwas Sinnvolles zu tun.

Persönliche Meinung: Die EU sollte GB im Limbo hängen lassen und keinen No-Deal provozieren. Gern nochmal verlängern und zuschaun, wie sich der letzte Rest vom "Empire" selbst zerlegt. Vorteil: Solange GB nicht ganz raus ist wirds auch nix mit dem Separatfrieden handelsabkommen mit dem Trumpansen... Da wird die Zeit zur nächsten Wahl in den USA auch knapp und bisher konnte Trump nur ein mäßig nachverhandeltes NAFTA vorweisen... keine neuen Abkommen nur neue Probleme.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 06. September 2019, 14:50:58
Wahrscheinlich geht es BJ, hauptsächlich um sich und sein Ego, vor ein paar Jahren hätte ich noch darauf gewettet, dass das von der Mehrheit der Wähler durchschaut wird, heute würde ich eher auf einen Erdrutschsieg tippen. Die Coolness der EU, vorallem wenn man an die Anzahl der entscheidungsberechtigten Länder denkt, finde ich auch bemerkenswert.

Hoffentlich sind sie bald weg, was soll die EU mit einem Haufen Narren der immer noch auf einer Wahlentscheidung beharrt, obwohl ihm gezeigt wurde, dass die nur auf Betrug und Lügen basiert hat? Sollen sie mit Trump glücklich werden, der schottische Whiskey ist dann eh bald wieder EU-Ware, und ein vereintes Irland auch eine Option.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 06. September 2019, 15:10:58
https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ausstellung-von-nazi-design-design-of-the-third-reich-in-s-hertogenbosch-a-1285483.html

Zitat
"Die Gestaltung kann nichts dafür, dass sie für Böses missbraucht wurde"
Riefenstahl, Hakenkreuze, Hitlergruß-Plakate: Die Designsprache des Nationalsozialismus half, die rassistische Ideologie zu verbreiten. Historiker Timo de Rijk verteidigt die brillante Gestaltung trotz unmenschlich böser Seiten.


Übrigens, scheinbar, eine sehr interessante Ausstellung, vorallem wenn man sich solche Bilder vergegenwärtigt.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 06. September 2019, 15:57:31
Ich kannte das früher überhaupt nicht, habe allerdings ein älteres Ehepaar kennen gelernt, dass damit seit Jahrzehnten um die Welt kommt, und die Hälfte der Welt auch schon zu Gast hatte. Einfache, wirtschaftlich erfolgreiche Menschen, die eben nicht den Weg zur AfD, sondern das Gegenteil gewählt haben.

https://en.wikipedia.org/wiki/Friendship_Force_International
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 06. September 2019, 16:27:13
Manchmal bringt selbst der Spiegel, wieder Dinge auf den Punkt. Der Stand des Brexit kurz zusammengefasst.

https://www.spiegel.de/plus/brexit-wie-zockerkoenig-boris-johnson-die-zukunft-grossbritanniens-verspielt-a-00000000-0002-0001-0000-000165813274
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 07. September 2019, 00:06:09
Mal ein Blick auf die andere Seite:

https://www.bento.de/politik/brexit-was-ein-junger-konservativer-elite-student-zum-chaos-sagt-a-8db232ce-0f45-4d3c-a216-cf8ac0c907d3

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Belbo am 07. September 2019, 01:06:11
Mal ein Blick auf die andere Seite:

https://www.bento.de/politik/brexit-was-ein-junger-konservativer-elite-student-zum-chaos-sagt-a-8db232ce-0f45-4d3c-a216-cf8ac0c907d3


Das ist ungefähr das, was der auf der Bank lümmelnde Erzkatholische Unverdiente  Multimillionär auch sagen würde, es lebe die Erbschaftssteuer.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 07. September 2019, 15:45:12
Es sind vor allem keine Argumente. Keinerlei Aussagen dazu, warum man nun "mehr Souveränität" braucht und warum die Abgabe von Souveränität an die EU falsch war. Vor allem kein Sterbenswort darüber, dass die EU im Gegenzug Aufgaben wahrgenommen hat, die London (und insbesondere konservative Politiker) seit Jahrzehnten vernachlässigen: Förderung strukturschwacher Regionen. Da kommt BJ mit 300 mio um die ecke, wo die EU 700 mio hinkippt. Schade, BJ, Mathe 6, setzen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 08. September 2019, 00:28:18
Es sind vor allem keine Argumente. Keinerlei Aussagen dazu, warum man nun "mehr Souveränität" braucht und warum die Abgabe von Souveränität an die EU falsch war. Vor allem kein Sterbenswort darüber, dass die EU im Gegenzug Aufgaben wahrgenommen hat, die London (und insbesondere konservative Politiker) seit Jahrzehnten vernachlässigen: Förderung strukturschwacher Regionen. Da kommt BJ mit 300 mio um die ecke, wo die EU 700 mio hinkippt. Schade, BJ, Mathe 6, setzen.

Eine Ansammlung von eingebläuten Buzzwords, das war mein erster Eindruck. Und er ist es immer noch.

Vor - inzwischen - vielen Jahren gab es eine Reklamekampagne von Burger King USA, da schwärmte ein imaginierter Propagandist einer anderen Presskuh-Braterei von den vielen leckeren Sachen auf deren Wabbeldecker, aber eine resolute Omma quakte immer nur eine Frage dazwischen: Where's the Beef?. Zufällig zur gleichen Zeit gab es einen Präsidentschaftswahlkampf, da standen sich die Kontrahenten im TV-Duell gegenüber, es muss wohl noch während der Primaries gewesen sein, und auf die quallige Ansprache des einen konterte der andere mit genau diesem Satz: Where's the Beef?. Das gab Beifall auf offener Szene.

An genau diesen Satz musste ich denken, als ich diesen Erguss las. Auf das Beef (der armen Schlucker) legt man in solchen Kreisen immer noch keinen Wert.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 26. September 2019, 14:39:00
Boris Johnson, inzwischen britischer Premierminister, hat sich Ratschläge/Inspiration bei Steve Bannon geholt. Das ist ein Mann, der sich als Böser Geist der Weltpolitik stilisiert, Chaos ist gut:
https://www.buzzfeednews.com/amphtml/lesterfeder/boris-johnson-steve-bannon
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 26. September 2019, 19:43:41
Zitat
++BREAKING++

Boris Johnson’s sister believes the Prime Minister may be losing control of his behavior because he’s coming “under intense pressure from the people who have invested billions in shorting the £ & British economy for a no deal Brexit”.

Incredible. Staggering.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: PeterPancake am 26. November 2019, 20:15:11
Wahlzeit hat Narrenfreiheit. Eine musikalische Meisterleistung feinster Güte der Tories. Boris Johnson Stimme unterlegt mit Fahrstuhlmusik. Passt auch gut in den Musikthread.

lo fi boriswave beats to relax/get brexit done to
https://www.youtube.com/watch?v=cre0in5n-1E (https://www.youtube.com/watch?v=cre0in5n-1E)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: MrSpock am 27. November 2019, 15:50:32
Es wird Zeit für eine Wette:

Was tritt eher ein? Der Brexit oder die Eröffnung des BER?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 27. November 2019, 22:19:42
Es wird Zeit für eine Wette:

Was tritt eher ein? Der Brexit oder die Eröffnung des BER?

Der Brexit wird durch Nichtstun Ereignis, die Eröffnung von BER durch Tun. Nichtstun ist der energetisch niedrigere Zustand, also naturgewollt. Also sag ich mal: der Brexit first.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 28. November 2019, 19:22:42
Philip Pullman ("His Dark Materials") sagt:
Zitat
There comes a point in the history of a nation where stupidity is indistinguishable from wickedness. That's where we are now.

Wenn man seinen Faden liest, gewinnt man einen Eindruck davon, was er meint.
https://twitter.com/PhilipPullman
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 03. Dezember 2019, 14:42:23
Was auf die Briten nach dem Brexit zukommt:
Zitat
"The British are among the worst idlers in the world. We work among the lowest hours, we retire early and our productivity is poor" [...]
"the definition of fair dismissal should be widened ... to encompass inadequate performance ... [This] would help employers get the best from their staff." The paper also argued for exempting small businesses from paying the minimum wage for under-21s, the already less-than-lavish hourly sum of between £3.68 and £4.98.
https://www.theguardian.com/politics/2012/aug/22/britannia-unchained-rise-of-new-tory-right
Klar, innerhalb der EU ist das mit einer solchen trumpistischen Sozialagenda schwierig.

Blood, sweat and tears - nur ohne Krieg.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: PeterPancake am 03. Dezember 2019, 21:07:31
Alles kein Problem - Großbritannien hat den 2.WK gewonnen, da ist der Brexit doch ein klacks dagegen. Es war nicht das British Empire und insbesondere die Kolonien die teilweise mehr gelitten haben (Hungersnot in Bengalen 1943) um das Mutterland zu versorgen.

Let's be a British Empire again
https://news.sky.com/video/lets-get-back-to-being-a-british-empire-11530606 (https://news.sky.com/video/lets-get-back-to-being-a-british-empire-11530606)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 04. Dezember 2019, 11:43:19
Let's be a British Empire again

...und zu diesem Zweck noch einmal Indien erobern...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 04. Dezember 2019, 12:12:47
Naja, die Royal Navy schrumpft und rottet seit Jahren, hat bald die Größe der Deutschen Marine (mit Ausnahme der QE, aber ein Flugzeugträger macht noch keine Flotte). Da wirds wenig mit Empire, das werden sich selbst "shithole"_Countries nicht bieten lassen...

Nachklapp: Und wenn dann auch noch die Schotten eigene Wege gehen, dann fehlt plötzlich ein erklecklicher Teil kampfstarker Infantrie...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 11. Dezember 2019, 19:00:34
Morgen Wählen die Briten, hier mal warum sich auch nach 3 Jahren die lager immer noch gespalten ist, und warum: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/grossbritannien-der-brexit-und-die-zukunft-der-demokratie-kolumne-a-1300181.html
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 13. Dezember 2019, 15:24:14
So, die Konservativen haben die Wahl gewonnen, einige sprechen schon von einem Triumph für Boris und das die Wahl die EU eiskalt erwischt. Ist das aber denn wirklich so? Ich sage mal: nein. Ja die Tories haben nun eine Mehrheit im Unterhaus und damit das sagen, aber wenn man bedenkt das die Partei immer noch innerlich Zerstritten ist und es auch nach 3 Jahren immer noch kein Plan gibt, wie der Brexit aussehen soll, glaube ich nicht, das die ganze Sache schon vorbei ist. Der No-Deal Brexit ist ja per Gesetz erst mal vom Tisch, nur sind die Probleme die Gleichen: die hardliner wollen keinen Deal, die Moderaten schon, aber ohne Backstop, Schottland will raus aus der UK und hat nach dem Erdrutsch Sieg gute Chancen das hinzubekommen (und selbst wenn das referndum knapp Gegen eine Unabhängigkeit ausgeht, so ist die Gefahr damit immer noch nicht gebannt). Wie die Presse stimmen sagen: das ist erst das ende der Erste Phase, und ob Boris den Brexit sozial verträglich hinbekommt, beliebt abzuwarten.

Die Briten werden in de Nächsten Jahren realisieren, was dass ganze überhaupt bedeutet für sie, und wie Groß der Schaden sein wird. Ich kann mir gut Vorstellen, das Boris oder die Tories gar nicht mehr an der Macht sind, wenn der Brexit erst mal vollzogen ist (wir reden ja hier das es zwischen 4 bis 6 Jahre dauern kann bis das alles durchgezogen ist, wenn nicht sogar länger).

Mal sehen was noch so passiert und in wie viele Fettnäpfchen Boris noch so tappt und was da noch alles für Skandale offengelegt wird. Wenn ich Boris wäre, ich würde mich nicht zu sehr Freuen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 13. Dezember 2019, 15:50:10
Dass eine Partei mit solchen Gestalten an der Spitze überhaupt einen relevanten Stimmenanteil oder sogar eine Mehrheit bekommt, deutet für mich auf einen massiven gesellschaftlichen Notstand hin. Man wählt lieber Vollidioten, Verbrecher und Lügner, nur um irgendwie die ersehnte Veränderung hinzubekommen. Und da erwarten viele sicher nicht mal eine Verbesserung. Es ist nur eine Abrechnung mit der Politik der Vergangenheit.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 13. Dezember 2019, 16:55:40
Das Problem an der Wahl war, dass Corbyn noch unbeliebter ist als französisches Bier und Johnson zusammen. Kommt halt davon, wenn man keine Eier aka eigene Meinung zeigt und Antisemiten in der eigenen Partei gewähren lässt. Darüber hinaus war sein "Angebot" zum Thema Brexit noch weniger substanziell als Boris moralische Grundwerte. So oder so, die Briten kriegen, was sie verdienen.

Mir war klar, dass ein Brexit nicht aufzuhalten ist, so wie die Lage die letzten Monate lief. Boris hatte immer keine Argumente, dafür eine starke Meinung. Corbyn hatte nix von beidem.

Die Frage ist, was passiert. England wird leiden, wirtschaftlich und sozial, die Gelddrucker funktionieren nur 2-3 Jahre, eher weniger, wenn das Pfund frei gehandelt wird. Nordirland hat jetzt alles Potential wieder richtig garstig zu werden und Schottland... das ist die große Unbekannte. BJ (ist das nicht die Abkürzung für bl*wjob?) wird Sturgeon nie gehen lassen, aber die Schotten sind jetzt schon sauer... auch wird BJ keinen Extrapfund über den Hadrianswall schicken, wenn überhaupt in Torie-Wahlkreise. Also bleibt es spannend, was die Rockträger tun. In meinen Augen haben sie sich schon viel zu viel gefallen lassen, in die EU würde ich sie zurück begrüßen (weil ich Islay Scotch mag:) ).
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 13. Dezember 2019, 20:39:10
Derweil feiert man hier zu lande Boris und die "Klatsch" die er der EU verpasst hat.  :skeptisch:

Gleichzeitig beschwert man sich über die "Propaganda" der "zwangsfinanzierten Staatsmedien".
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 13. Dezember 2019, 20:55:33
Wer freut sich ausser den AfDern und den neidischen Linken (die die "Internationale" nie allein hinbekommen haben)?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 13. Dezember 2019, 21:01:30
Wer hinter den Nicknames in den Kommentarspalten steht weiß ich natürlich nicht aber ich würde mal auf AfDler & Co. tippen
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 13. Dezember 2019, 22:21:40
Es heisst AfDer und Bernd, danke! :D

Ne Klatsche für die EU ist es nur insofern, als dass man ein historisch wichtiges Land verliert. Für die Prozesse in der EU ist es ein Gewinn, da die Briten immer Sonderlocken wollten/bekamen... Was wirklich problematisch ist: D und FR sind jetzt alleine, bisher mussten/konnten beide noch GB einbeziehen, aber jetzt muss man es untereinander ausmachen... und Macron zeigt für mich immer mehr, dass er FRANZOSE ist statt europäer. Seine "Initiativen" der letzten Monate zielen für mich darauf ab, das Maximum für Frankreich rauszuholen und wo das nicht geht, die Institution schlechtzumachen (NATO). Gleichzeitig kommt er mit Putin um die Ecke, womit er die Osteuropäer echt ärgert... was aber Frankreich nützen kann...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 13. Dezember 2019, 22:29:15
England ist eine alte Demokratie, in der Menschen von Echsen regiert werden. Die Menschen wählen Echsen, um zu verhindern dass die falschen Echsen an die Macht kommen.

Hat mal ein englischer Schriftsteller geschrieben...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 13. Dezember 2019, 22:43:36
Ach komm, so übel sieht die Königin nun auch nicht aus... für ihr Alter.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 13. Dezember 2019, 23:00:09
Die Königin ist natürlich ein Mensch.. aber denk mal an Theresa...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: pelbilkolm am 14. Dezember 2019, 14:22:14
Soweit ich mich erinnere hat Douglas Adams da nicht über England geschrieben...
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: pelbilkolm am 14. Dezember 2019, 14:30:08
https://www.youtube.com/watch?v=ude327I-BMc
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 14. Dezember 2019, 15:49:50
Soweit ich mich erinnere hat Douglas Adams da nicht über England geschrieben...

Möglicherweise hat Douglas Adams nur über England geschrieben. Man weiß es nicht  ;D
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Lt.Havoc am 14. Dezember 2019, 20:14:59
https://www.sueddeutsche.de/politik/wahl-in-grossbritannien-entzweites-koenigreich-1.4722054?utm_source=pocket-newtab Interessanter Artikel der Süddeutschen. Er geht ins detail und zeigt auf, wie gespalten GB ist, denn trotz Mehrheit im Unterhaus, haben Ländliche Regionen eher anti-Brexit Parteien Gewählt und Nordirland schwingt nun mehr ins Anti-Brexit Lager. Schottland will raus, obwohl Boris das nicht möchte. Für die Regierung wird all das zum Problem werden, früher oder Später. Wie gesagt, ich bin mal gespannt wie Stabil diese Regierung wirklich ist.

Titel: Re: Brexit
Beitrag von: kosh am 14. Dezember 2019, 23:54:56
Soweit ich mich erinnere hat Douglas Adams da nicht über England geschrieben...

Möglicherweise hat Douglas Adams nur über England geschrieben. Man weiß es nicht  ;D

Ist an der Stelle nicht explizit von einer seehr alten Demokratie die Rede?
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: duester am 15. Dezember 2019, 00:10:19
Er schreibt über Island? ;)

Ich sollte mich da echt raushalten, hab Douglas Adams nie ganz gelesen und den Hype auch nie verstanden.  :-[
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: celsus am 15. Dezember 2019, 00:23:26
Adams ist etwa so viel Hype wie Demokratie.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: duester am 15. Dezember 2019, 00:47:20
 ;D

Ich hab's ja gesagt: ich sollte mich raushalten. Sogar bei jemandem wie dir, der mit Zwinkersmileys nicht um sich schmeisst, war der ungewöhnlich strenge Unterton rauszulesen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: PeterPancake am 15. Dezember 2019, 22:20:41
Ein kleiner Aspekt zum Mehrheitswahlrecht den ich interessant finde. Was wäre wenn in Deutschland das britische Mehrheitswahlrecht bestünde? Es gibt manchmal Stimmen die dafür in Deutschland sind (insbesondere nach der letzten Bundestagswahl 2017 und Regierungsbildung 2018).

https://twitter.com/zerstreubar/status/1205288663875276801 (https://twitter.com/zerstreubar/status/1205288663875276801)
(https://pbs.twimg.com/media/ELoLo8sXsAE_eHh.jpg)

Übrigens Corybn (Labour) hat hauptsächlich an die LibDems verloren im Gegenteil zur letzten Wahl (2017) bei der er auch schon da war. Die Brexiters konnte niemand überzeugen. Es hat sich nur links von den Tories/Brexit Party/UKIP etwas verändert. Anscheinend lässt sich die Meinung von Conservatives nicht so einfach ändern.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 25. Januar 2020, 14:38:18
Na ich bin ja gespannt was nach dem erfolgreichen Austritt von GB aus der EU passiert. (Sowohl in der EU als auch auf der Inseln)

Ich gehe immer noch davon aus, dass wir hier den Anfang von Ende der EU sehen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 25. Januar 2020, 17:21:01
Nein. Die EU ist zu schnell gewachsen und hat dabei zu viele Kompromisse gemacht. Der Brexit ist ein Reinigungsvorgang, dem andere folgen könnten. Die EU als solches geht dabei nicht drauf, sie bringt zu viele Vorteile gegenüber nationalem Handeln. Selbst Staaten wie Ungarn werden nicht freiwillig austreten, man profitiert zu sehr von der Supranationalität im Inneren.

GB ist an einem Scheide weg oder besser, man muss sehen, was man aus der Situation macht. Alle Regeln wird man in 11 Monaten nicht neu verhandeln, die Wirtschaft wird büßen, gerade alles was mit Just-in-Time und Lebensmittel/Agrar zu tun hat. Da besteht durchaus die Möglichkeit, dass Thatcherism oder sogar Manchester wiederkommt: Massives Lohn- und Sozialdumping sowie massive Deregulierung bei den Unternehmens- und Kapitalmarktsteuern/Regeln. Das wird gerade die Brexiteers (Renten) und die fahnenflüchtigen Labourwähler im Norden treffen. Die City wird weiter/wieder florieren, die Industrie wird sich umschauen müssen. Die City deshalb, weil sie bereits jetzt hyperglobal ist (Banken, Dienstleistungen) und daher weniger von den neuen Grenzen ggü der EU betroffen ist. Die Industrie- und Agrarproduktion ist eher auf den EU-Markt ausgerichtet, bspw. geht ein Großteil des britisch gefangenen Fischs in die EU. Richtig fies wirds für die europaweit vernetzte Industrieproduktion, hier überqueren die Komponenten und Zwischenprodukte teilweise mehrfach den Kanal. Zölle und Bürokratie in diesen hocheffizienten und gleichzeitig fragilen Ketten sind der Kostentod.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: LaDeesse am 25. Januar 2020, 18:31:11
Zustimmung, abgesehen von diesem Punkt:
Die City wird weiter/wieder florieren ... weil sie bereits jetzt hyperglobal ist (Banken, Dienstleistungen) und daher weniger von den neuen Grenzen ggü der EU betroffen ist.
Die City wird es m.E. ganz massiv treffen, weil sie ihr Alleinstellungsmerkmal verliert, englischsprachigen Akteuren Zugang zum EU-Markt ohne kulturelle und sprachliche Hürden zu ermöglichen. Wem soll sie ihre Dienstleistungen denn in Zukunft anbieten? Der Wall Street?!
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 25. Januar 2020, 23:22:46
Ach shit, das habe ich vergessen, also diese Richtung. Ich habe es eher andersherum gesehen, die City, welche bereits jetzt Investment und Dienstleistungen mit/zwischen Drittländern vermittelt/durchführt. Ist zwar kein Alleinstellungsmerkmal, aber bspw. die London Metal Exchange oder die London Bullon Exchange mit der Festlegung der Goldpreise bleiben ja. Die London Stock Exchange wird auch weiterhin ein wichtiger Handelsplatz bleiben, weil bestimmte Informations- und Brokerdienste einfach nicht so schnell anderweitig aufgebaut werden können.

Aber du hast recht, für eine langfristige Perspektive ist natürlich der Influx neuer Akteure und die Attraktivität als Emmissionsplatz wichtig. Das liesse sich durch Boris "the nobrainer" Johnson nur durch massive Deregulierung des Handels und damit Anziehung von Risikokapital/-investoren kompensieren.... vieleicht. Negative Folgen für den Bankenplatz hätte es auf alle Fälle.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 26. Januar 2020, 17:54:03
Die Vorteiler der EU scheinen auch eher indirekt zu sein. Jedenfalls fällt es selbst mir als Befürworter manchmal schwer sie zu erkennen.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: LaDeesse am 26. Januar 2020, 18:44:35
Zollfreier Zugang zum - gemessen am BIP - größten gemeinsamen Wirtschaftsraum der Welt dürfte zumindest von wettbewerbsfähigen Unternehmen durchaus als Vorteil gesehen werden.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 26. Januar 2020, 19:27:03
Das bekommt aber der berühmte "einfache Mann" auf der Straße nur sehr mittelbar mit. Das macht es schwer den Leuten klar zu machen warum die EU gut ist.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Peiresc am 26. Januar 2020, 19:33:39
Die Vorteiler der EU scheinen auch eher indirekt zu sein. Jedenfalls fällt es selbst mir als Befürworter manchmal schwer sie zu erkennen.

Ich verstehe Dich nicht völlig. Ein ganz wesentlicher, geradezu unschätzbarer Vorteil der EU ist doch, dass immer jemand da ist auf den man schimpfen kann.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: sailor am 26. Januar 2020, 23:38:49
Das bekommt aber der berühmte "einfache Mann" auf der Straße nur sehr mittelbar mit. Das macht es schwer den Leuten klar zu machen warum die EU gut ist.

Weil die Vorteile derart "schleichend" gekommen sind, dass es nur über die Jahre sichtbar wird. Allein der Wegfall von Kontrollen und Zöllen innerhalb der EU hat mit dazu beigetragen, dass die Lebensmittelkosten derart niedrig sind... und als Nachteil, dass andere EU-Länder mit geringeren Löhnen/Produktionskosten bspw. "unsere" Bauern an die Wand drücken konnten, Beispiel billige Milch aus Polen. Insgesamt sind die Vorteile der EU für den einfachen Bürger aber schon so tief verwurzelt, dass er sie gar nicht merkt, Urlaub ohne Pass/Visum, Rente am Mittelmeer verprassen, Jobs dank eifriger Abnahme deutscher Produkte im Ausland (welche ohne Kontrollen, Zölle und Herkunftsnachweisverfahren dort "günstig" angeboten werden können), europaweit studieren für den Schneeflöckchennachwuchs dank Erasmus, bessere Versorgung auf quasi allen Gebieten dank immer weiter steigender Qualitätsstandards bei Produktion, Dienstleistung und Umwelt.... Klar wird die Arbitrage zwischen den Nationalstaaten geringer....

Die Vorteiler der EU scheinen auch eher indirekt zu sein. Jedenfalls fällt es selbst mir als Befürworter manchmal schwer sie zu erkennen.

Ich verstehe Dich nicht völlig. Ein ganz wesentlicher, geradezu unschätzbarer Vorteil der EU ist doch, dass immer jemand da ist auf den man schimpfen kann.

Natürlich... und dank diesem Schwarzen Peter hat man mittlerweile sogar eine weitere rechtliche Instanz, wenn man mit seiner eigenen Justiz unzufrieden ist ;)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Typee am 27. Januar 2020, 23:34:48
Eine aktuelle Prognose? Mir träumte folgendes, und je länger ich darüber nachdachte, umso realistischer fand ich die Perspektive:

BoJo ist ja ein Windei, das schon längst dead in the trench kompostiert sein müsste, wenn man ihn beim Wort nehmen dürfte, dafür ist er ein genialer Kommunikator, der, wenn es darauf ankäme, auch eine schwunghafte Ehevermittlung für katholische Pfarrer betreiben könnte.  Und seine Bauernschläue reicht jedenfalls hin, dass er bald begreift, was für ein Kuckucksei er sich mit seiner neuesten Deadline ins Nest gelegt hat. Im Ergebnis, das ist meine Träumerei, wird er unter schierer Zeitnot so ziemlich alles durchwinken (lassen), was die EU gerne hätte. Die Außengrenze mitten durchs Hoheitsgebiet des Königreichs hat er ja schon akzeptiert - am Meeresgrund zwischen der irischen Insel und Großbritannien sieht man sie eh nicht so. Damit jedenfalls kriegt er bis Jahresende ein Abkommen ratifizierungsreif hin, denn  die Eierköpfe in Brüssel werden sicher alles Nötige vorbereitet haben, auf die ist da schon Verlass. Das ist dann zwar ziemlich präzise das, was man bedingungslose Kapitulation nennt, aber der Brexit got done, was will man mehr. Und BoJo wird das (erfolgreich!) als großartige Sache unters Volk bringen, was es in gewissem objektivem Sinne - wenn auch nicht in der eigentlich geplanten Weise - auch sein wird.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Schwuppdiwupp am 28. Januar 2020, 19:58:54
Ich finde, dass du dir da durchhaus ein denkbares Szenario halluziniert hast.
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: Scipio 2.0 am 30. Januar 2020, 20:48:56
Countdown zum Brexit:

https://daystobrexit.co.uk/
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: catweazle am 23. März 2020, 17:56:11
Brexit: Boris Johnson's father 'applies for French passport'
https://www.independent.co.uk/news/uk/politics/brexit-stanley-johnson-boris-french-passport-rachel-book-rakes-progress-a9416636.html (https://www.independent.co.uk/news/uk/politics/brexit-stanley-johnson-boris-french-passport-rachel-book-rakes-progress-a9416636.html)
Titel: Re: Brexit
Beitrag von: PeterPancake am 18. Mai 2020, 20:57:07
Hat jetzt nicht wirklich etwas mit Brexit zu tun, aber es könnte. Und zwar wer trägt die Verantwortung für Verfehlungen?

Boris Johnson fragt sich wer die Verantwortung für Pläne währen der Pandemie übernimmt.

Zitat
There are growing fears within Civil Service that they could be used as 'fall guys'
https://www.dailymail.co.uk/news/article-8327655/Boris-Johnson-UKs-senior-civil-servant-Sir-Mark-Sedwill-clash-route-lockdown.html (https://www.dailymail.co.uk/news/article-8327655/Boris-Johnson-UKs-senior-civil-servant-Sir-Mark-Sedwill-clash-route-lockdown.html)

Erinnert frappierend an Farage der sich nachdem Brexit direkt zurückgezogen hat und einfach nur zu einem alten verbittertem Mann geworden ist. Zurzeit verstößt er ja gerne gegen Quarantänemaßnahmen um Migranten in Dover aufzuspüren.