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Autor Thema: Zukunft des Arbeitslebens  (Gelesen 2046 mal)

simpel

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #15 am: 18. Juli 2021, 19:41:38 »

Gesetzt des Falles das meine obere Befürchtung zutrifft`, stellt sich dann natürlich die Frage wie sollen die Leute dann ihren Lebensunterhalt verdienen?

bedingungslose Grundeinkommen (BGE).
"Im Rahmen seiner Darlegungen zu Themen wie Digitalisierung, Bürgergesellschaft, Bildung und Armut bezieht Richard David Precht Position für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Als wesentliche Gründe dafür nennt er die durch die Digitalisierung zu erwartende höhere Arbeitslosigkeit, die Verhinderung kollektiver Armut und die Finanzierbarkeit beispielsweise durch Finanztransaktionssteuern."
Sehr schön von Precht in seinem Buch "Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft" ausgearbeitet.

Peiresc

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #16 am: 18. Juli 2021, 20:06:17 »
bedingungslose Grundeinkommen (BGE).

Versteh‘ ich nicht ganz; gibt es doch im Kern heute schon.
Grundsicherung

PS. Und wenn ich den WP-Artikel zu Precht so überfliege: es gibt ja kein Thema, zu dem er keine Meinung hat. Z. B.
Zitat
Er fordert eine tierethisch orientierte Reform des Rechts hinsichtlich der Aufnahme von Tierrechten in das Tierschutzgesetz und lehnt [...] Tierversuche und besonders die Versuche an Primaten ab.[44]
:crazy

sailor

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #17 am: 18. Juli 2021, 21:22:24 »
Die gleichen Ängste tauchten doch schon bei der Einführung Computer-unterstützter Produktion auf...

Und das BGE ist nun auch nicht der Weisheit letzter Schluss, die Finnen setzen das Experiment nicht fort. Hat nicht zu den gewünschten Erfolgen geführt (Verringerung der Arbeitslosigkeit durch Ermutigung auch eine geringer bezahlten Job oder Teilzeit anzunehmen). 560 € sind jetzt auch nicht soo viel.

Precht ist darüber hinaus auch nicht so ne Koryphäe, eher ein philosophischer Hansdampf in allen Gassen mit gutem Marketing.

Bevor es wieder heisst, ich meckere ohne eigenen Plan:

Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen! Nein, nicht der vom BuPrä, sondern die grundlegende Ausrichtung/Einbindung digitaler Aspekte in alle Lebensbereiche. Das beginnt bei der Inklusion digitalen Zugangs in die Daseinsvorsorge, also Netze in öffentliche Hand und ein Anspruch auf Highspeedinternet für jeden. Ich weiss, ne Menge Schwachmaaten wird das als Freifahrtschein nach Pornhub sehen, aber ein bisschen Schwund ist immer. Dann ein Grundrecht auf ein "Internetzugangsgerät" pro Person ab dem 4. Lebensjahr. Sehr gern gestaffelt nach Altersgruppen, damit Papa Flodder sich nicht auf dem Tablet seines 5jährigen Sohnes irgendwelche Pferdepornos reinzieht/reinziehen kann (Hardware firewalls/whitelisting). Dann hat man diese Scheisse mit Homeschooling auch nicht mehr... und man kann jeden Bundesbürger verpflichten, seine Amtsgänge über das Gerät durchzuführen, was der Verwaltungsdigitalisierung hilft. Darüber kann man auch die Authetifizierung dezentral abwickeln, der persönliche Schlüssel wird auf dem Gerät gespeichert und nur im Zweifelsfall (bei sensiblen Amtsgeschäften wie Führungszeugnis oder größeren Anträgen auf Fördergelder/Sozialleistungen) mit dem Zentralregister abgeglichen. Mit einer Authentifizierung könnte man auch private Rechtsgeschäfte verbessern, Bewerbungen, Kauf- und Bankverträge, etc. Bei den Gesundheitsdaten wäre ich für eine separate Kartenlösung als Speicher. Keine (Hardware-)Verknüpfung der Gesundheitsdaten mit anderen Bürgerdaten.

Das Bürgertablet müsste dann ja ferngewartet und die Software staatlich bereitgestellt/zertifiziert werden, da gäbe es einige Jobs.

simpel

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #18 am: 19. Juli 2021, 00:04:15 »
oh, ich sehe, ich habe es hier mit absoluten Experten zu tun, die das, was jemand z.B. zum BGE sagt, schon wissen, ohne es gelesen zu haben.
Dann werden "Beispiele" gebracht, hier das angebliche "Experiment" zum BGE in Finnland das ja nicht funktioniert hat und damit ist ja alles gesagt.

Tolle Diskussion.

Versteh‘ ich nicht ganz; gibt es doch im Kern heute schon.
Grundsicherung
Grundsicherung ist was grundsätzlich anderes und geht weit an dem vorbei was ein BGE wäre.
....Und wenn ich den WP-Artikel zu Precht so überfliege: es gibt ja kein Thema, zu dem er keine Meinung hat ....
Und weil er zu vielen Dingen eine Meinung äußert heißt das, er liegt automatisch falsch? Wer sagt, dass man mit ihm (oder sonst jemand) zu jedem Thema einer Meinung sein muss? Das ist kein Diskussionsstil.

Die gleichen Ängste tauchten doch schon bei der Einführung Computer-unterstützter Produktion auf...
von welchen "Ängsten" redest du?

Und das BGE ist nun auch nicht der Weisheit letzter Schluss,...
Richtig, das hat auch niemand behauptet. Auch Precht nicht. Im Gegenteil. Er betont, das das nur ein Baustein sein kann.
... die Finnen setzen das Experiment nicht fort. Hat nicht zu den gewünschten Erfolgen geführt (Verringerung der Arbeitslosigkeit durch Ermutigung auch eine geringer bezahlten Job oder Teilzeit anzunehmen). 560 € sind jetzt auch nicht soo viel.
Das angebliche "Experiment" der Finnen war kein Experiment zum BGE. Es war ein halbherziger Versuch mit den falschen Prämissen. So ist der Versuch damit die Arbeitslosigkeit zu vermindern schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Durch die zunehmende Automatisierung werden zunehmend mehr Arbeitsplätze in der Produktion - also den Bereichen die "Mehrwert" schaffen wegfallen. Dieser Prozess ist nicht neu. Zunehmen wird der Bedarf an Service-, Pflege- und Begleitpersonal.
Dieser Trend ist auch nicht neu. Von den 80 Wochenstunden sind wir inzwischen bei 38. Das wurde nicht wirklich eingeführt, weil die Arbeitgeber so nett waren oder die Gewerkschaften so gut verhandelt hätten. Letztlich war es die zunehmende Automatisierung.
Aber da ihr hier ja schon alles wisst, brauch ich das ja nicht zu schreiben.

Precht ist darüber hinaus auch nicht so ne Koryphäe, eher ein philosophischer Hansdampf in allen Gassen mit gutem Marketing.
Das ist ein Argument? Gruppiere ich eher in ad hominem ein. Erstmal behauptet niemand er wäre "so ne Koryphäe". Was er imo sehr gut zusammenfasst und klar ausarbeitet haben auch schon viele andere gesagt. Er behauptet nirgends, er hätte sich das alles alleine ausgedacht, bringt Quellen und formuliert deutlich.
Wobei es mir hier gar nicht um Precht geht, sondern um den Inhalt von dem was er sagt. Ich habe das als Verweis auf eine Antwort auf die Bemerkung von Scipio gebracht:
Zitat
...stellt sich dann natürlich die Frage wie sollen die Leute dann ihren Lebensunterhalt verdienen?

....
Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen! Nein, nicht der vom BuPrä, sondern die grundlegende Ausrichtung/Einbindung digitaler Aspekte in alle Lebensbereiche. ...
Passiert das nicht gerade?

Das beginnt bei der Inklusion digitalen Zugangs in die Daseinsvorsorge, also Netze in öffentliche Hand und ein Anspruch auf Highspeedinternet für jeden.
Ja, d'accord. Übrigens auch ein Punkt von Precht, aber das nur am Rand.

... Dann hat man diese Scheisse mit Homeschooling auch nicht mehr...
Eine bessere Digitalisierung ist sicher gut, allerdings kann sie die Schule nicht ersetzen. Ein Bildschirm ist nun mal flach und in der Schule lernt man nicht nur Fakten.

... und man kann jeden Bundesbürger verpflichten, seine Amtsgänge über das Gerät durchzuführen, was der Verwaltungsdigitalisierung hilft.
warum sollte man das tun? Die Möglichkeit zu bieten - prima! Aber verpflichten? Es gibt nun mal viele Menschen die das nicht können oder wollen - auch haben sie die technische Ausstattung.
Weiter sind das alles mögliche Ansätze, nur werden sie eher Arbeitsplätze abbauen die sicher nicht mit der Wartung aufzufüllen sind.




Peiresc

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #19 am: 19. Juli 2021, 00:59:36 »
oh, ich sehe, ich habe es hier mit absoluten Experten zu tun, die das, was jemand z.B. zum BGE sagt, schon wissen, ohne es gelesen zu haben.

Jetzt mal Klartext. In seinem Buch habe ich geblättert. Ich werde mir die Mühe nicht machen, in seinen blumigen Sprachwolken nach irgendeinem harten Kern zu suchen; nach dem, was ich von ihm kenne, erwarte ich keinen. Der globale Hinweis auf diese Schwarte begründet gar nichts.

Zum BGE hatten wir hier öfter mal Diskussionen. z. B. hier
https://forum.psiram.com/index.php?topic=11335.0
https://forum.psiram.com/index.php?topic=14826.0
u. ö.

Und zu Precht auch.
https://blog.psiram.com/2013/10/metasophie-zdf-legt-nach/

simpel

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #20 am: 19. Juli 2021, 02:21:06 »
na dann, viel Vergnügen noch.

eLender

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #21 am: 19. Juli 2021, 03:01:50 »
.. ich werde im Rahmen meines POVEarth- bzw. POVghanistan-Projektes mittelfristig ein C++-Programm entwickeln, das zu bereits vorhandenen Höhenlinien einer topographischen Karte automatisch die Zwischen-Höhenstufen interpoliert, um aus der Karte eine bitmap-basiertes Geländerelief ("Heightfield") zu erzeugen.

Warum machst du dir die Arbeit (hat das was mit dem Thema hier zu tun ::))? Es gibt doch freie Höhendaten für den ganzen Planeten, z.B. SRTM mit 90 m Auflösung. Für einzelne Regionen wird es auch höhere Auflösungen geben.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Yadgar

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #22 am: 19. Juli 2021, 06:51:49 »
Hi(gh)!

Warum machst du dir die Arbeit (hat das was mit dem Thema hier zu tun ::))? Es gibt doch freie Höhendaten für den ganzen Planeten, z.B. SRTM mit 90 m Auflösung. Für einzelne Regionen wird es auch höhere Auflösungen geben.

SRTM ist schon veraltet, mittlerweile gibt es ASTER, die ganze Erde zwischen 80°N und 80°S in 30 m Auflösung... aber topographische Karten (z. B. in 1:25000) sind halt noch genauer! Und wenn älter als 15 Jahre auch frei verwendbar...

Peiresc

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #23 am: 19. Juli 2021, 09:37:54 »
na dann, viel Vergnügen noch.

ähm, muss ich mich jetzt entschuldigen dafür, dass wir a) das BGE und b) Precht schon auf dem Schirm hatten?
 ;)

sailor

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #24 am: 19. Juli 2021, 23:45:45 »
Ängste: Zukunftstechnologien vernichten Arbeitsplätze, diese "Angst". Dazu kommt noch die Angst "Moderne zerstört Familien, macht Kinder drogenabhängig, homosexuell und aufsässig gegenüber Erwachsenen!"

Finnischer halbherziger Versuch mit falschen Prämissen: Warum wundert mich nicht, dass sowas kommt? Erinnert mich an Kommentare zum real existierenden Sozialismus, da sei kein wahrer Sozialismus, halbherzig und unterfalschen Prämissen^^ Mal Butter bei die Fische: 2020 wurden in D 740 Mrd. Euro an Steuern eingenommen, durch Bund, Länder und Gemeinden. Im gleichen Jahr lebten in D 83 Mio Menschen. Auf 12 Monate verteilt gibt das für jeden 742,97 € pro Einwohner. Super Einkommen. Damit kann ich mir in Hamburg ne Garage mit Auffahrt mieten^^ Und staatliche Leistungen fallen ALLE weg, wirklich alle: Polizei, Feuerwehr, Schulen, Infrastruktur, Freibäder, Sportanlagen uswusf. Natürlich könnte man bestimmte Gruppen von einem BGE ausschliessen, aber das möchte ich nicht vertiefen, sonst geht Yadgar wieder einer ab^^

Precht: Jemand, der sich derart exponiert, sollte in einer Diskussion mehr zu bieten haben als Allgemeinplätzchen... weshalb ich so eine Bemerkung auch bei irgendwelchen Schauspielern, Journalisten und Politikern gemacht hätte.

Schule: Den Ersatz von Schule durch Homeschooling hat hier niemand gefordert.

Technische Ausstattung: Die Geräte werden "vom Staat" gestellt, genauso Assistenz zur Bedienung. Sicher können viele JETZT den Kram nicht bedienen... es zu lernen kann man aber ermuntern... und das Problem stellt sich in 10 Jahren nicht mehr.

Digitalisierung: Weil Präsenz im Amt beiden Seiten unnötig Zeit kostet. Anmelden, warten, kurz reden, Vordruck ausfüllen, gehen... braucht man nicht. Auf Seiten des Amtes muss man jemanden am Empfang haben, eine Sachbearbeitung die mit dem Bürger spricht und anschließend die Daten vom Vordruck abtippt. Total unnötig. Wird ein Antrag gleich digital von der Couch aus ausgefüllt wird der Medienbruch vermieden und daheim hat man die Dokumente, die man beim Amt gern vergisst. Und aus eigener Erfahrung weiss ich, dass bestimmte Menschen nur zum Amt gehen, um Dampf abzulassen oder "beschäftigt" zu werden. Eine Terminbuchung macht sowas schonmal schwieriger. Digitale Verwaltung kann Personal dort einsetzen, wo es gebraucht wird: Bei Entscheidungen mit Ermessen, das sind jene Sachen, wo man wirklich geistig arbeiten muss. Perso/Führerschein beantragen, Auto zulassen, Gewerbe anmelden, alles Dinge, die kein Ermessen erfordern, die Bedingungen dafür sind klar definiert, der Vorgang geht automatisch. Wichtiger sind Kontrollen und Ahndung von Verstößen... Prüfung von Meldungen etc. Sieht man ja an den Missbrauchskomplexen.

simpel

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #25 am: 20. Juli 2021, 01:55:05 »
...
ähm, muss ich mich jetzt entschuldigen dafür, dass wir a) das BGE und b) Precht schon auf dem Schirm hatten?
 ;)
Nee, hat das jemand verlangt. Aber nur weil hier schon mal was auf dem Schirm war kann es nicht mehr erwähnt werden?
Und mir geht's hier gar nicht um Precht - wem der Stil nicht gefällt soll sich andere Quellen suchen. Mir ging es um den Inhalt. Aber der scheint ja nicht zu interessieren.
Im übrigen halte ich es für eine große Kunst komplexe Sachverhalte klar und verständlich auszudrücken. Das heißt nicht, dass ich mit jedem Punkt einverstanden sein muss oder keine Fragen dazu hätte.

Ängste: Zukunftstechnologien vernichten Arbeitsplätze, diese "Angst".
das ist keine "Angst" sondern eine Tatsache. Wobei "vernichten" sehr negativ klingt. Ich finde es kein Verlust, wenn stumpfsinnige oder gefährliche Arbeit "vernichtet" wird. "Arbeit" im Service, in der Pflege, als Lehrer, .... alles sehr schlecht bezahlt, obwohl ja angeblich "systemrelevant". Mit einem BGE kann auf Augenhöhe verhandelt werden.
...Dazu kommt noch die Angst "Moderne zerstört Familien, macht Kinder drogenabhängig, homosexuell und aufsässig gegenüber Erwachsenen!"
Glaubst du solche Polemik bereichert eine Diskussion?

Finnischer halbherziger Versuch mit falschen Prämissen: Warum wundert mich nicht, dass sowas kommt? Erinnert mich an Kommentare zum real existierenden Sozialismus, da sei kein wahrer Sozialismus, halbherzig und unterfalschen Prämissen
hmm merkwürdig, dass dich das daran erinnert. Aber, wenn das alles ist was dir dazu einfällt, kann ich's auch nicht ändern. Vielleicht nochmal schauen, ob das wirklich was miteinander zu tun hat?

Mal Butter bei die Fische: 2020 wurden in D 740 Mrd. Euro an Steuern eingenommen, durch Bund, Länder und Gemeinden. Im gleichen Jahr lebten in D 83 Mio Menschen. Auf 12 Monate verteilt gibt das für jeden 742,97 € pro Einwohner. Super Einkommen. Damit kann ich mir in Hamburg ne Garage mit Auffahrt mieten^^ Und staatliche Leistungen fallen ALLE weg, wirklich alle: Polizei, Feuerwehr, Schulen, Infrastruktur, Freibäder, Sportanlagen uswusf. ...
du scheinst ja rechnen zu können.... und in diesem Punkt trotzdem nicht zu wissen wovon du redest.
Wer hat behauptet, dass das (alleine) mit Steuergeldern finanziert werden soll/kann? Die Rechnung geht sowieso nicht auf, da es zunehmed weniger Arbeit gibt, also auch die Steuereinnahmen sinken. Aber ihr hattet hier doch angeblich schon alles zum BGE.

Es gibt etliche andere Konzepte zur Finanzierung die, jedes für sich, vielleicht nicht nicht machbar sind, aber nur die Ausarbeitung, also die Beschäftigung damit wird auch neue Möglichkeiten eröffnen. Microsteuern auf den Zahlungsverkehr z.B. oder Besteuerung von Maschienenarbeit, Luxussteuern, ...
Einfache Lösungen wird es sicher nicht geben. Aber den Kopf in den Sand zu stecken wird sicher keine Lösungen geben.

Und eine BGE darf kein Almosen sein von dem nicht zu leben ist und das Ziel hat die Leute wieder in die Lohnarbeit zu bringen. Es wird in Zukunft einfach weniger Lohnarbeit geben. Das heißt ein BGE kann nur ein Teilbereich von Umwälzungen sein die stattfinden müssen. Unsere Definition von "Wert" eines Menschen richtet sich idR nach seinem wirtschaftlichen Erfolg. Viel Geld zu haben ist erstrebenswert und mit Status und Macht verbunden. Zu lernen, dass das auch anders sein kann muss zu den Umwälzungen gehören.
Nur auf "Effizienz" zu schauen, jede technische Neuerung uneingeschränkt anzuwenden ist dumm und kurzsichtig.

Technische Ausstattung: Die Geräte werden "vom Staat" gestellt, genauso Assistenz zur Bedienung. Sicher können viele JETZT den Kram nicht bedienen... es zu lernen kann man aber ermuntern... und das Problem stellt sich in 10 Jahren nicht mehr.Digitalisierung: Weil Präsenz im Amt beiden Seiten unnötig Zeit kostet. Anmelden, warten, kurz reden, Vordruck ausfüllen, gehen..
Ich hab sicher nichts gegen Digitalisierung. Aber zu glauben, dass sich in 10 Jahren Probleme damit von selbst erledigen zeugt von wenig Kenntnis anderer "Blasen". Technik besitzen, bisschen daddeln und Pornos schauen ist was anderes als Technik gut nutzen können. Klar kann man sich vorstellen, dass in Schulen auch Technik- und Medienkenntnis gelehrt wird. Merk ich allerdings bis jetzt nur wenig.

Und was soll der Mensch auf dem Amt? Wenn Hilfe nötig ist, warum kann der "Helfende" nicht zum Menschen kommen? Wer es hinnimmt, dass Menschen als Bittsteller auf einem Amt antreten müssen hat ein interessantes Menschenbild.
Und mal am Rande: was heißt "unnötig Zeit kosten"? Wer bestimmt was "unnötig" ist?  "Zeit kosten"? "Spart" man die dann? Auf der Zeitsparkasse?

Viele Leute denken, alles zu kritisieren wäre cool und besonders intellektuell. Ist es nicht. Es ist das kreieren von Dystrophien. Aber hey, ist ja toll wenn diese Leute sich dann hinstellen können und rufen "Ich hatte recht!".

Utopien - also positive Zukunftsmöglichkeiten zu entwickeln ist wesentlich schwerer. Das hat nichts damit zu tun, die Probleme die sich jetzt schon andienen nicht zu sehen.
Aber immer alle positiven Initiativen sofort im Keim zu ersticken und zu rufen "Das funktioniert ja sowieso nicht!" "Das erinnert mich doch an...." ist billig.
Selbsterfüllende Prophezeiungen nenn ich das.

Leuten immer nur zu erklären, sie müssten auf vieles verzichten, ihr Leben grundsätzlich ändern ohne eine Perspektive, einen Anreiz dafür zu bieten - das funktioniert sicher nicht.

An sich fände ich eine Diskussion darüber interessant und auch wichtig. Aber nicht auf diese Art und Weise. Das ist mir zu aggressiv.




Peiresc

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #26 am: 20. Juli 2021, 09:17:52 »
Wer hat behauptet, dass das (alleine) mit Steuergeldern finanziert werden soll/kann? Die Rechnung geht sowieso nicht auf, da es zunehmed weniger Arbeit gibt, also auch die Steuereinnahmen sinken. Aber ihr hattet hier doch angeblich schon alles zum BGE.

Es gibt etliche andere Konzepte zur Finanzierung die, jedes für sich, vielleicht nicht nicht machbar sind, aber nur die Ausarbeitung, also die Beschäftigung damit wird auch neue Möglichkeiten eröffnen. Microsteuern auf den Zahlungsverkehr z.B. oder Besteuerung von Maschienenarbeit, Luxussteuern, ...
Das habe ich jetzt nicht begriffen. Viele undurchführbare Konzepte zusammen ergeben ein durchführbares? „Es gibt etliche andere Konzepte zur Finanzierung“, aber Du erwähnst dann ausschließlich Steuern? Der Staat war bisher nicht erfinderisch, was neue Steuern angeht? Insbesondere, was die „Besteuerung von Maschinenarbeit“ angeht, hätte ich gern mehr gewusst: die letzten vier nicht essbaren Dinge, die ich gekauft habe, sind alle made in China. Wie willst Du die Chinesen dazu bringen, die Maschinensteuer zu erheben und nach Deutschland zu überweisen? Nach welchen Kriterien willst Du entscheiden, was eine Maschine ist und was nicht? Wirst Du diese Steuer mit der Körperschafts/Gewerbesteuer verrechnen, oder wirst Du sie draufschlagen? Welche Auswirkungen steigender Steuern erwartest Du auf die Entwicklung der Preise? Was sagt Herr Precht zu diesem Thema? Hat er mal einen Ökonomen auf seine Visionen draufgucken lassen?

Ich rede noch gar nicht von dem Sinn, den ein BGE haben soll. Obwohl, hier habe ich eine sanfte Überleitung zu diesem Thema.
Unsere Definition von "Wert" eines Menschen richtet sich idR nach seinem wirtschaftlichen Erfolg. Viel Geld zu haben ist erstrebenswert und mit Status und Macht verbunden. Zu lernen, dass das auch anders sein kann muss zu den Umwälzungen gehören.
Wie wirst Du das den Leuten verklickern? Die Geschichte ist voller Beispiele für Versuche dazu, die Du alle nicht meinen wirst. Ich kann da durchaus konkreter werden, falls Dir das zu nebelhaft ist.

Finnischer halbherziger Versuch mit falschen Prämissen: Warum wundert mich nicht, dass sowas kommt? Erinnert mich an Kommentare zum real existierenden Sozialismus, da sei kein wahrer Sozialismus, halbherzig und unterfalschen Prämissen
hmm merkwürdig, dass dich das daran erinnert.
Ich finde das überhaupt nicht merkwürdig, sondern naheliegend. Komisch, nicht wahr?

Nur auf "Effizienz" zu schauen, jede technische Neuerung uneingeschränkt anzuwenden ist dumm und kurzsichtig.
Nenne doch mal ein Beispiel, irgendeins, wo das der Fall gewesen ist, und das einen Bezug zum BGE hätte. Das würde meinem Vorstellungsvermögen aufhelfen.

Utopien - also positive Zukunftsmöglichkeiten zu entwickeln ist wesentlich schwerer. Das hat nichts damit zu tun, die Probleme die sich jetzt schon andienen nicht zu sehen.
Aber immer alle positiven Initiativen sofort im Keim zu ersticken und zu rufen "Das funktioniert ja sowieso nicht!" "Das erinnert mich doch an...." ist billig.
Selbsterfüllende Prophezeiungen nenn ich das.

Zitat
Revolutionary enthusiasm without rational planning can only lead to bloodshed and disappointment
Nehmen wir mal an, wir hätten jetzt schon die allgemeine Begeisterung für das BGE. Dann bleibt noch der lächerlich nebensächliche Part der rationalen Planung.

Peiresc

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #27 am: 20. Juli 2021, 16:01:42 »
Was sagt Herr Precht zu diesem Thema? Hat er mal einen Ökonomen auf seine Visionen draufgucken lassen?

Warum soll das nur eine rhetorische Floskel bleiben. Die Maschinensteuer erwähnt er kurz, aber er hält sie für unbrauchbar, wenn ich ihn recht verstehe. Er sagt:
Zitat
Bleibt also nur die bis heute beste Idee. Warum besteuert man nicht den Geldverkehr? Man denke an das Modell, das eine Arbeitsgruppe um den Finanzpolitiker und ehemaligen Schweizer Vizekanzler Oswald Sigg vorschlägt.[44] Danach ist der Zahlungsverkehr der Schweiz etwa dreihundertmal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt. Erhebt man auf jeden Geldtransfer eine »Mikrosteuer« von 0,05 Prozent, wäre für die Schweiz ein Grundeinkommen von 2500 Franken finanziert.

Also bitte, das ist doch völlig ausreichend:
Zitat
Wenn eine Mikrosteuer von 0,05 Prozent für jede Finanztransaktion ausreichen könnte, um ein BGE für die Schweiz zu finanzieren, so lässt sich auch ausrechnen, welcher Prozentsatz benötigt würde, um das Gleiche für Deutschland zu tun.

Da ist man jetzt gespannt wie ein Flitzebogen, was bei der Rechnung herauskommt. Aber dafür ist er nicht zuständig:
Zitat
Entsprechende realistische Modelle zu entwickeln ist nicht Aufgabe der Philosophen, sondern der Ökonomen.

Dennoch ist er sich sicher:
Zitat
ließe sich das Grundeinkommen in den reichen Ländern auf diese Weise sicher finanzieren. … Von allen Fragen, die das BGE aufwirft, ist die Finanzierung mithin das kleinste Problem.
Problem gelöst.

WP dazu:
Zitat
Befürworter einer Finanztransaktionssteuer versprechen sich erhebliche Steuereinnahmen ohne größere Verzerrungen in der realen Wirtschaft auszulösen.[4] Nach Schätzung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) z. B. lägen die Einnahmen, bei einem Steuersatz von 0,05 Prozent auf alle Finanztransaktionen, in Deutschland zwischen 0,7 und 1,5 Prozent des BIPs, in der EU zwischen 0,9 und 2,1 Prozent des BIPs.[51] In Deutschland wären dies rund 17 bis 36 Milliarden Euro, für die gesamte EU etwa 110 bis 250 Milliarden Euro.[52]
(meine Hervorhebung). Precht sagt, 1500 EUR/Mo wären nötig. Das würde also für 2 Mio Bundesbürger reichen, wenn ich die optimistische Schätzung nehme und den Überschlag richtig gemacht habe. Philosoph müsste man sein. Minima non curat praetor.

sailor

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Re: Zukunft des Arbeitslebens
« Antwort #28 am: 20. Juli 2021, 23:18:13 »
Simpel: Wie kommst du dazu, verallgemeinernd von "Unsere Definition von "Wert" eines Menschen richtet sich idR nach seinem wirtschaftlichen Erfolg." zu reden? Für mich sprichst du damit nicht... und eigentlich auch nicht für das allgemeine Menschenbild in Europa. Wäre diese Definition allgemeiner Konsens gäbe es keinerlei Sozialsysteme, denn wer wirtschaftlich wertvoll ist kann für sich selbst sorgen.

Almosen, genau deswegen hat man die "Armenfürsorge" aus dem privaten Bereich in den staatlichen überführt... mit diversen Irrungen (aus heutiger Sicht) hin zu einem System, was Bedürftigkeit und Solidarität unabhängig von Nasenfaktoren macht. Das ist für Bedürftige wie Gebende ein deutlicher Fortschritt... und über die Sozialsysteme in meinen Augen auch eine praktikable Lösung. Nicht perfekt, aber praktikabel.

Viel Geld = Macht und Status mag für manche zutreffen, für andere wiederrum nicht. Ein Vorteil an dieser Motivation ist, dass sie, in Maßen ausgelebt, erfolgreiche Unternehmer/innen hervorbringt. Nur mit Wohltätigkeit und "Weltverbessern" gründet man kein "Einhorn" oder führt größere Unternehmen. "Eigennutz" ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, wie bei jeder Medizin kommt es auf die Dosierung an. Insgesamt haben wir diesen Trend doch schon, aus persönlicher Erfahrung als Arbeitgebervertreter bei Bewerbungsgesprächen nehme ich wahr, dass bei jüngeren Menschen (und zunehmend auch bei schon länger jungen) andere Faktoren als die Bezahlung an Gewicht gewinnen. Das ist gut, weil man auch als AG andere "Belohnungsmechanismen" hat, und schlecht, weil das einfachste Mittel, die Lohnschraube, schwächer wird.

Zeitgewinn: Ist ein Ämtergang für dich positive Zeit? Für mich nicht (und ich schleppe mich täglich hin ;) ). Die Reduzierung der nötigen Zeit für Amtsgeschäfte (die normalerweise in der Freizeit getätigt werden müssen) schafft mehr Freiräume für den Bürger. Allein die Wegeeinsparung.... und man muss nicht auf Öffnungszeiten achten. Übrigens, der Bürger auf dem Amt ist kein Bittsteller, er ist Bürger oder auch mal Kunde (wenn sich ein übermotivierter Marketingmensch in die Benennung eingemischt hat).

Und was Helfende angeht, die zum Bürger nach Hause kommen: Sehr gern, würde ich sofort mitmachen, wenn das "Amt" die entsprechenden Stellen bekommt... Mit Anfahrten/Wegezeit ist das ziemlich teuer (teurer als die Fallbearbeitung mit Bürgerpräsenz im Amt) und wenn ich mir die regelmäßigen Haushalts- und Stellenplandiskussionen mit der Politik so ansehe... Sagen wir es so, Personalkosten stoßen selten auf Verständnis.

Positive Utopien zu entwickeln ist nicht schwer... schwer ist sie umzusetzen. Das Problem sind nie die Ideen, das Problem ist, dass die Umsetzung in der Regel an Bedingungen geknüpft sind, die kaum oder gar nicht erfüllbar sind. Wenn man das versteht und nicht krampfhaft versucht, diese Bedingungen herbeizuführen hat man einen ersten Schritt getan. Wenn man dann, die Utopie im Hinterkopf, im Rahmen der eigenen realistischen Möglichkeit Schritt für Schritt auf die Utopie hinarbeitet, ohne auf die Revolution zu warten oder destruktiv zu agieren, dann ist man schon gut. Und wenn man dann noch die nächste Generation Menschen dazu bringen kann, genauso zu handeln, statt auf die Weltrevolution zu warten, ist man wahrer Revolutionär. Weil man so eine Dynamik für die Utopie schafft, die Rahmenbedingungen ändern kann, ohne eine aggressiv-destruktive Komponente zu erfordern.