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Neues zu Mollath

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Begonnen von Typee, 06. August 2013, 11:26:07

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bayle

Ich stelle noch mal einen anderen, uralten Lehrbuchtext hier ein:
Zitat
e) Paranoischer Querulantenwahn.

Der Querulantenwahn ist zunächst ein Syndrom, das bei verschiedenen Krankheiten vorkommt, bei Schizophrenie, manisch-depressivem Kranksein, gewissen abnormen Charakteranlagen und dann bei Paranoia. Spricht man von Querulantenwahn schlechthin, so ist meist der paranoische gemeint.

Der Patient hat einmal einen Prozeß verloren oder doch dabei nicht so recht bekommen, wie er es erwartete. Nun rekurriert er, bekommt aber wieder unrecht, geht durch alle Instanzen, befriedigt sich aber auch bei der letzten nicht, sondern findet wieder Gründe, einen neuen Prozeßweg einzuschlagen. Zunächst sind es gewöhnliche Rechtsgründe, dann aber kommen neue Motive hinzu: Einerseits lassen sich die Richter nicht alles gefallen, reagieren mit Bußen gegen den ,,Tröler", lassen ungerechtfertigte Eingaben von ihm liegen oder prüfen sie nicht so, wie der Patient erwartet. Andererseits wird dieser gereizt, wirft den Richtern und schließlich allen Beamten, die mit ihm zu tun haben, Parteilichkeit, Gesetzesübertretung, [428] Komplottierung vor: seine eigenen wie die Advokaten der Gegenpartei beschimpft er, worauf Klage von der anderen Seite eingeleitet wird. So geht der Stoff nie aus, bis eine Internierung oder Bevormundung für einige Zeit wenigstens den Richtern Ruhe bringt. Was den Patienten Unangenehmes geschieht, wird als großes Unrecht empfunden, das gutzumachen oder zu rächen die ganze Welt ein Interesse hat. Die ärgsten Beschimpfungen und Verleumdungen von der eigenen Seite können sie nicht werten und sind ganz erstaunt und entrüstet, wenn die Gegner sich dagegen wehren. Für ihre Logik existiert in den Gesetzen fast nur, was sich zu ihren Gunsten drehen läßt. Dabei pflegen die paranoischen Querulanten nicht nur gewandte Rabulisten zu sein, sie verschaffen sich auch eine eingehende Kenntnis der Gesetze, die sie allerdings einseitig auslegen. Der Querulant kann nach Jahr und Tag halbwegs einsehen, daß er nichts erreicht, oder sonst erlahmen, so daß er schließlich den Kampf aufgibt.

Gegenüber anderen Querulanten ist der paranoische ausgezeichnet durch seine Konsequenz und den Umstand, daß regelmäßig alle seine Querelen auf den ersten unglücklichen Prozeß zurückzuführen sind. Gegenüber anderen Formen fehlen die Zeichen des Paranoids, des Manisch-Depressiven, des Psychoorganischen. Doch muß man daran denken, daß eine senile Demenz oder namentlich eine Paralyse mit einem gelegentlich Jahre dauernden, querulanten Vorstadium beginnen kann, in dem die organischen Zeichen nicht gleich zu finden sind.

[Eugen Bleuler: Lehrbuch der Psychiatrie, 9. Aufl. 1955, S. 427f]


Belbo

Wie immer, man hört raus was man raushören will, hier zwei Kommentare......., seltsam ich höre da jede Menge Aggression raus....

ZitatEin toller, charakterstarker Mann mit wertvollen Gedanken ... ich schreibe dies als Rechtsanwalt!

ZitatChefredakteur Jörg van Hooven stellte in der Sendung Hr. Mollath permanent unter Generalverdacht. Kam mir vor wie ein Verhör und nicht wie ein Interview! Kann Hr. Mollath nur bewundern wie er die Contenance behalten hat.

Irgendwann redet sich Herr Mollath noch um Kopf und Kragen, es kann ja nicht immer Herr Strate neben ihm sitzen.

sweeper

U.a. lustig im Video:

Dass er sich trotz des so gar nicht biologisch-dynamischen Essens (und infolgedessen natürlich schwerer Allergien...) eine Plauze angefuttert hat, schiebt er jetzt darauf (ca ab Minute 20), dass angeblich sein Fettstoffwechsel durcheinander geraten ist, weil er nachts alle zwei Stunden beim Kontrollgang geweckt wurde (geweckt wurde er lt BKH Bayreuth nur deshalb, weil er das ganze Zimmer mit Fußangeln präparierte, damit der Kontrollgang bei ihm einen gewissen Lärm verursachte...)   :crazy

Ansonsten kann ich mir lebhaft vorstellen, dass Brixner ihn irgendwann angebrüllt hat: trotz "Quer-bzw Parallelredens" des Journalisten reißt Mollath hartnäckig immer wieder das Wort an sich und schwadroniert munter in der Gegend rum - statt die an ihn gestellten Fragen zu beantworten.

Die Freunde, bei denen Mollath zu Gast ist, beneide ich nicht.
Sogar Weinberger wird indirekt der Lüge bezichtigt, weil er im Gutachten Mollath eine Depression statt einer Psychose diagnostiziert hat.
Viel Spaß künftig mit ihm...

Dass er lt eigener Darstellung gewalttätig ( oder so ) gegenüber seiner Frau wurde , um sie (nach traditionellem Eheverständnis... oder so...) zu schützen - also vor sich selbst und ihren kriminellen Energien... - ist ein sehr interessanter Aspekt, dem sich Frau Wolff mit Gewinn widmen könnte.  :angel:
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Terry Pratchett

Belbo

Auch lustig dass er wieder dem Herrn Doktor Reichelt ein Gefälligkeitgutachten unterstell (....Praxis in der meine Frau das erste mal war und die Sprechstundenhilfe......).... da kommt auf Herrn Strate noch viel Arbeit zu wenn dann erstmal der Prozess mit der Kunstfehlerversicherung von Herrn Leipziger beginnt.....

sweeper

Diese diffuse Weitschweifigkeit wird bereits im WA-Verfahren zum Problem werden - wenn G.M. auf klare Fragen präzise Antworten geben muss und nicht darauf vertrösten kann, dass man alles genau in seinem angekündigten Buch wird nachlesen können.
Der Journalist musste ja geduldig bleiben und sich dem "Gesprächs"partner anpassen, damit die Sendung nicht misslingt.
Das haben einige im Wolff-Blog nun endlich auch erfasst und äußern sich etwas besorgt über den Eindruck, den das Interview bei ihnen hinterlassen hat.

Ich schätze, was man jetzt sah, war eher die sozial verträgliche Variante...
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Terry Pratchett

sweeper

Wahlkampf:

Zitathttp://www.sueddeutsche.de/muenchen/gustl-mollath-in-muenchen-in-welcher-richtung-liegt-das-hofbraeuhaus-1.1765058

...Warum also dieser Auftritt?

Sein Schicksal könne jeden treffen

Mollath nutzt ihn zunächst, um sich ausgiebig bei seinen Unterstützern zu bedanken: "Ich wusste immer, dass es viele Menschen gibt, die ein Herz haben - es war nur wichtig, sie überhaupt zu erreichen. Und das ist gelungen." Er erzählt die rührende Geschichte eines achtjährigen Mädchens, das ihm ein Carepaket in die Psychiatrie geschickt habe - seine jüngste Unterstützerin. Dann beschreibt er wieder das erfahrene Leid und Grauen in der Klinik, seine Stimme wird dabei lauter, der Tonfall kälter. Sein Schicksal könne jeden treffen, das gelte es zu verhindern.

Es geht ihm um die Sache. Diese Auftritte sollen auch den Druck auf jene aufbauen, die sein Schicksal viel zu lange erahnten, aber nichts dagegen unternahmen. Er fordert die Menschen auf, ihre demokratischen Rechte auszuüben und damit etwas zu verändern. Wie? "Können Sie mir sagen, in welcher Richtung das Hofbräuhaus liegt?", fragt Mollath ins Publikum. Hunderte heben den Arm und deuten in eine Richtung. Mollath lächelt: "Das gefällt mir, von mir aus ist das links." Da hat auch der Wahlkampf auf der Bühne begonnen.

Dazu auch im Opa-Blog:

Zitathttp://opablog.net/2013/09/13/auswertung-der-psychiatrie-wahluprufsteine/

...Unsere Wahlempfehlung:
Die Befragung der Parteien ergab, dass nur die Partei DIE LINKE sich für eine bedingungslos gewalt- und folterfreie Psychiatrie einsetzt und, als logische Konsequenz daraus, die Abschaffung aller psychiatrischen Sondergesetze fordert!

Nur die Partei DIE LINKE ist damit auch für den Bereich der Psychiatriemenschenrechtskonform und sollte dafür (!) auch gewählt werden."

Dieser Aussage schließen sich Warnhinweise hinsichtlich der Zuverläßigkeit von Aussagen der Linkspartei an.

Als Quelle wird diese Seite angegeben:

http://www.zwangspsychiatrie.de/2013/09/auswertung-der-wahlpruefsteine-veroeffentlicht/
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Terry Pratchett

Hildegard

Gegen Ende hin erklärt Mollath dem Journalisten vor einem Ladengeschäft, dass man verfolgt würde, wenn man da einkaufe. Oder so ähnlich. Schade, dass der Interviewer das abgewürgt hat.

Groucho

Zum Thema Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/tote-therapeutin-vergewaltiger-auf-der-flucht-a-922220.html

ZitatAufgrund eines psychiatrischen Gutachtens wurden ihm begleitete Freigänge gestattet.

Gutachter möchte ich nicht sein.

sweeper

Die Beschwerde an den Presserat bezüglich Frau Lakotta und Frau Rückert scheint fast durchgehend abschlägig beschieden zu sein - v.a. der Vorwurf  "unwahrer Berichterstattung":

Zitathttp://gabrielewolff.wordpress.com/2013/09/06/der-fall-mollath-das-bundesverfassungsgericht-hat-gesprochen/comment-page-2/#comment-25390
Andreas Wittmann sagte am 14. September 2013 um 20:54 :

Entscheidung des Presserats zu Lakotta und Rückert & Co.

Der Presserat hat am Donnerstag über die Beschwerden von mir und vielen Mitbloggern hier entschieden. Zunächst kurz die Entscheidung:

"Sehr geehrter Herr Professor Dr. Wittmann,
ich darf Sie kurz über die Entscheidungen in den Verfahren 0028/13/1-E [ZEIT]und 0295/13/1 [SPON] informieren:

Die Beschwerde im Verfahren 0028/13/1-E hat der Ausschuss wegen Verstoßes gegen Ziffer 8 des Pressekodex als begründet beurteilt und eine Missbilligung ausgesprochen. Im Verfahren 0295/13/1 war die Beschwerde hingegen unbegründet; der Ausschuss sah hier keinen Verstoß gegen den Pressekodex.
Die Begründung im Einzelnen entnehmen Sie bitte der Entscheidung, die Ihnen nach Abfassung zugeht.

Mit freundlichen Grüßen"

Nach telefonischer Rücksprache ergänze ich: Rückert & Co. wurde also eine Mißbilligung ausgesprochen (gab es das bei deer ZEIT schon?), die Zitate aus den Gutachten würden Mollaths Intimsphäre berühren. Da im Lakotta das nicht der Fall sei, wäre die Beschwerde unbegründet.

Rüge, das schärfste Instrument also leider Fehlanzeige...

Keine Rolle scheint für den Presserat also zu spielen, dass vieles in beiden artikeln unwahr ist!
Wesswegen die Charta des Presserats dann aber vorsieht, dass veröffentlichte Informationen wahr sen müssen verstehe ich nicht...

Nun, ich werde die Begründungen abwarten, möchte das aber so nicht hinnehmen.

Andi
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Terry Pratchett

Belbo

Gibt es eigentlich auch Beschwerden über die total invesigative Arbeit von Report und Süddeutscher oder halten sich die Denunzierten Exehefrauen, Polizisten, Richter und Psychater noch zurück?

Tyko

Zitat von: bayle am 28. August 2013, 06:15:52Die Gutachten Leipziger, Kröber und Pfäfflin sind – was die innere Konsistenz, die Wissenschaftlichkeit und die Unvoreingenommenheit angeht – vor globalen Vorwürfen in Schutz zu nehmen. Sie sind überzeugend, was die Befundwürdigung und die Diagnosestellung angeht. (Allerdings habe ich keine Ahnung, wie die Tragfähigkeit der Gefährlichkeitsprognose einzuschätzen ist). Jedem, der da Zweifel hat, sei die vollständige Lektüre empfohlen. Sie  Die Lektüre ist über weite Strecken auch für den Laien ohne vorprogrammierte Missverständnisse möglich.

Ich habe mir die Gutachten noch einmal in Ruhe durchgelesen. Hinzugekommen sind in der Zwischenzeit eine Menge Ausführungen im Psiramforum und auch zwei TV-Beiträge (Beckmann und München-TV). Meine Eindrücke decken sich nicht mit deiner Expertise. Ich beziehe mich erst einmal auf die Konsistenz der Gutachten.

Pfäfflins Gutachten

Hat in der Darstellung der Exploration seine Stärke. Doch wirkt es auf mich inkonsistent. Der Schluss des Gutachtens passt nicht zum Vorhergehenden. Pfäfflin dokumentiert sein Schwanken sogar, indem er dem Gericht mitteilt, dass er Mollath über die Gepflogenheiten bei der Gutachtenerstellung aufklärt.

ZitatIch konfrontiere ihn mit dem Problem eines Gutachters, der zunächst einmal davon ausgehen muss, dass das rechtskräftige Urteil in sich, jedenfalls in wesentlichen Zügen, stimmig ist, und erläutere ihm, dass sich ein Gutachter, der sich darüber einfach hinwegsetzt, ins Aus bugsiert.

So etwas schreibt ein Gutachter nicht, wenn er keinerlei Zweifel an der Richtigkeit des Urteils hegt. Während der Exploration kann er das durchaus ansprechen. Doch die Aufnahme ins Gutachten, das für die Richter bestimmt ist, werte ich als Ausdruck beträchtlichen Unwohlseins angesichts der Diskrepanz, die sich Pfäfflin auftut: da der verurteilte Gewalttäter aus den Akten und dort der aufrechte Mensch, der seine Unschuld beteuert. Pfäfflin sind mehr als leichte Zweifel gekommen. Er fragt nach:

ZitatDes Weiteren frage ich ihn, warum denn sein Wiederaufnahmeverfahren bisher noch nicht auf den Weg gebracht wurde, und er erläutert, dass ihm dazu ein entsprechender Anwalt und Geld fehlen.

Ein guter Anwalt ist teuer, und gute Wiederaufnahmeanträge auszuarbeiten ist eine Kunst. Mittlerweile hat sich die Lage verändert. Das Wiederaufnahmeverfahren läuft. Pfäfflin hat sich all die Eigentümlichkeiten von Mollaths Causa schildern lassen. Er schreibt dazu:

ZitatAuf meine Intervention: "Lassen Sie uns einmal einhalten. Eine Geschichte, die Sie erzählen, klingt schrecklicher als die andere; lassen Sie uns noch einmal zu übergeordneten Gesichtspunkten kommen", fährt er in seiner detaillierten Schilderung fort: "So, dann war ich in Straubing ... der Rechtsanwalt kommt nicht.

Was Pfäfflin da zu hören bekommt, sind die gesammelten Rechtsverstöße der Justiz, die sich seit Mollaths Unterbringung in der Forensik zu seinen Lasten ereignet haben. Es ist verständlich, dass ein erfahrener - im Geschäft bewanderter - Gutachter hier interveniert. Hätte Mollath mit seinen Schilderungen zu den Fehlern der Justiz recht, würde das bedeuten, dass Mollath den Staat nicht als Rechtsstaat erlebt. Und das mag Pfäfflin den Richtern in der Anhörung nicht zumuten. Doch in sein Gutachten hat er es mit aufgenommen. Das spricht für Pfäfflin. Unvoreingenommene Richter hätten diese Hinweise aufgreifen können. Sie hätten 2011 Mollath befragen können zu den Ereignissen um sein Urteil herum und sie hätten die Akten anfordern können, die deutlich gemacht haben, was später Strate und Meindl herausgearbeitet haben.

Kröbers Gutachten

Die Exploration wäre möglich gewesen Doch wenn sich Kröber auf die Klinik verlässt und nicht selbst ein paar Tage vorher dem Probanden einen kurzen Anruf gönnt, dann ist das mehr als verwunderlich. Nach eigener Aussage Kröbers hat es bisher erst drei Probanden gegeben, die sich seiner Exploration verweigert hätten. Man kann ihm bescheinigen: Das Nein von Mollath hat er zu verantworten.

In seinem Gutachten fallen viele Stellen auf, bei denen ich hellhörig geworden bin. Und zwar auf eine Art und Weise, dass ich mich in meiner Gutgläubigkeit verunsichert fühle. Ich bringe zwar Goodwill auf, Kröbers Ausführungen zu folgen, doch alles darf er mir nicht erzählen. Eine sei hier genannt:

ZitatEr musste darauf hingewiesen werden, dass es unerwünscht sei, wenn er nur mit einer Unterhose bekleidet über die Station laufe. Er hatte dafür kein Verständnis.

In diesem Moment bin ich versucht Kröber Glauben zu schenken, dass Mollath wirklich bizarr ist. Später klärt sich dann aber auf, dass Kröber hier ein wichtiges Wort weggelassen hat, das den Vorfall anders erscheinen lässt, und dass er so ein Indiz erzeugt, das es womöglich gar nicht gibt.

Das Simmerl-Gutachten wird so eingeschätzt:

ZitatDass zwischenzeitlich in einem Betreuungsgutachten das Vorliegen von Geschäftsfähigkeit attestiert wurde, überzeugt bei Kenntnis der relevanten Informationen nicht; allerdings kommt es für die Unterbringung auf Geschäftsfähigkeit auch nicht an. In dem entsprechenden Gutachten wird unzutreffend angenommen, dass die Überzeugungen des Probanden nicht wahnhaft sind, sondern der Realität entsprechen.

Da haben wir die Realität. Die hat Kröber mittlerweile eingeholt. Diehl-Affäre und Streubomben? Alles Wahn.   

Nüchtern betrachtet hat er aber bei Aktenlage sein Gutachten kaum anders abliefern können.

Konsistenz? Die zeigt sich nicht in dem zentralen Widerspruch (Seite 23)

ZitatTatsächlich gibt es eine nur recht dürftige Informationslage, weil
Herr Mollath in dem zuriicldiegenden Verfahren kaum Auskunft
über sich selbst gegeben hat, mit psychiatrischen Gutachtern nicht
kooperierte und auch die Ehefrau wenig zur Person ihres Mannes
befragt wurde.

versus (Seite 26)

ZitatAndererseits findet sich in den Akten eine durchaus gute und ausreichende Informationslage über die psychische Verfassung und die Äußerungsweisen von Herrn Mollath in den Jahren vor seiner Unterbringung. Von daher kann eindeutig festgestellt werden, dass die Materialien, die insbesondere der Gutachter Dr. Leipziger zusammengetragen hat, vollauf ausreichen, um die Diagnose einer "wahnhaften Störung." zu rechtfertigen.

Da spricht Kröber es schon aus: eigentlich ist die Grundlage für eine Diagnose mangelhaft. Doch andererseits sind Gutachten, die fürs Gericht erstellt werden, eine Sache, bei der eigene Gesetzmäßigkeiten gelten. Die Richter müssen ja entscheiden, und sie wollen etwas geliefert bekommen, was es ihnen erlaubt ihr Urteil revisionssicher aufzubauen. Und dafür benötigen sie ein Gutachten.

Leipzigers Gutachten

Sein Gutachten ist geprägt von einer Voreingenommenheit, die es in sich hat. In den Schilderungen Leipzigers zeigt sich eine Rigidität, die mich schnell misstrauisch werden lässt. Mollath wird begutachtet und es wird gesucht und gesucht und gesucht nach Belegen für einen Wahn. Entlastendes kommt bei Leipziger nicht vor. Dem Leipziger soll ich glauben? Das ist das, was ich nach einiger Zeit Seite für Seite spüre.

Da wird von einer diagnostizierten Blei- und Lösemittelvergiftung berichtet, ohne dass Leipziger dem Gericht ein paar Überlegungen gönnt, wie dies Mollaths Verhalten beeinflusst haben könnte.

Und dann hat Gustls Unterhose ihren großen Auftritt auf Seite 18

ZitatEr hätte auch seine alte Kleidung gewechselt und gewaschen, hätte nachts darauf hingewiesen werden müssen, dass es unerwünscht sei, wenn er nur mit einer Unterhose bekleidet über die Station laufe. Für diesen Hinweis hätte der Angeklagte kein Verständnis gezeigt.

Sieben Zeilen tiefer wird erwähnt, was Mollath vermisst.

ZitatIhm würden Klamotten und Schlafanzug etc. fehlen.

Auf einmal wirkt die Szene, die sich da im Februar 2005 abgespielt hat ganz anders, als Kröber sie schildert. Und es wird an Leipzigers Schilderung deutlich, dass er den Kontext weglässt. Allein das Wort "nachts" erhellt den Vorfall. Ich ergänze einfach mal einen Kontext, der dazu passen könnte.

Mollath hat keinen Schlafanzug. Er schläft nur mit einer Unterhose bekleidet. Tief in der Nacht wacht er auf, weil er muss. Da die Toilette nur ein paar Schritte den Gang entlang ist, zieht er sich nichts an. Die Station ist menschenleer. Nur jemand vom Klinikpersonal sieht Mollath und weist ihn darauf hin, dass er nicht in Unterhosen auf dem Flur herumlaufen solle. Mollath antwortet, er müsse zur Toilette. Die Person vom Klinikpersonal notiert den Vorfall umgehend.

Ein anderer Kontext wäre es, wenn Mollath pünktlich um Mitternacht in Unterhosen den Flur betritt und dann während der Geisterstunde umhertigert. Das wäre bizarr! Davon würde ich als Leser des Gutachtens mehr lesen wollen, wenn der Gutachter mich überzeugen will. Am besten, dass der Mollath zum Mittagessen in den Speisesaal geht: in Unterhosen!

Doch davon kommt nichts.

Die vielen "bizarren" Verhaltensweisen, die Leipziger aufzählt, muten nach und nach als Konstruktionen an. Bei keiner mag ich ihm mehr einfach so folgen.

Doch damit nicht genug. Leipziger zeigt sich - für mich - in diesem Gutachten nicht nur als unzuverlässiger Gewährsmann. Ich kann ihm auch charakterlich eine sadistische Komponente nicht absprechen.

ZitatUnter dem 17.02. ist vermerkt, dass dem Angeklagten durch einen Mitarbeiter Schmierseife
mitgebracht worden war. Der Angeklagte hätte daraufhin begonnen, zunächst das Kleingedruckte auf dem Äußeren der Tube zu lesen. Auf Nachfrage des Mitarbeiters kurze Zeit später, ob der Angeklagte jetzt baden würde, hätte dieser den Mitarbeiter nur angelächelt und erklärt, er hätte sich die Telefonnummer, die auf der Verpackung stand, aufgeschrieben und würde dort anrufen, sobald er wieder draußen sei. Der Angeklagte würde stinken.

Da erlaubt sich ein Mitarbeiter des Klinikpersonals einen üblen Scherz und Leipziger verarbeitet den umgehend als Beleg für Mollaths Wahn. Das muss ich, so unerträglich es ist, klar formulieren: da befindet sich in einer Klinik, (bei der es sich um Leipzigers Einrichtung eigentlich handeln sollte), ein Mensch, von dem bekannt ist, dass er an vielen Allergien leidet und dass er eine Blei- und Lösemittelvergiftung diagnostiert bekommen hat und dann so was.

http://www.paradisi.de/Beauty_und_Pflege/Haut-_und_Koerperpflege/Seife/Artikel/22080_Seite_3.php

Solch Schweinkram sticht hervor. Ohne Grausen habe ich dann nicht mehr weiterlesen können.

Fazit

Die drei Gutachten erfüllten ihren Zweck. Dafür wurden die Gutachter bezahlt. Leipzigers Gutachten lieferte das Fundament für die Gutachten von Kröber und Pfäfflin. Keiner der Drei hat mich davon überzeugt, dass Mollath zu den Tatzeiten schuldunfähig war. Jeder der Drei hat es aber geschafft, Mollath für mich als sehr friedfertigen Menschen darzustellen. Vor allem die Realität hat die drei Gutachter eingeholt. Nach den fünf Wochen bei Leipziger ist Mollath ein Jahr lang unauffällig geblieben. Und während der siebeneinhalb Jahre in der Forensik ist es bei Mollath nie zu einem Gewaltausbruch gekommen.

Letztlich müssen die Richter in der Verhandlung den Gutachter befragen. Letztlich sind die Richter Herren des Verfahrens. Wie ist das strafrechtlich zu bewerten, was Leipziger damals getan hat? Bisher bin ich davon ausgegangen, dass meine Ansicht stimmt, dass Zwangsuntersuchungen "einfach mal so" nicht rechtens sind. Doch dieses Urteil des BVerfG aus dem Oktober 2001 wird offensichtlich in der Praxis von unteren Gerichten und Gutachtern und Klinikleitern ganz anders wahrgenommen: nämlich gar nicht. Es scheint, dass da in der Praxis etwas eingerissen ist, was sich mit meinem rechtsstaatlichen Vorstellungen nicht vereinbaren lässt. Ich ziehe da eine klare Grenze. Ob sich aber meine strenge Auslegung des Freiheitsanspruches durchsetzen wird in der Rechtsprechung, ist ungewiss.

bayle

Ich antworte mal in Etappen.

Zitat von: Tyko am 15. September 2013, 01:54:31
Meine Eindrücke decken sich nicht mit deiner Expertise.
Lassen wir meine Expertise, wie immer sie beschaffen sein mag, einfach mal außen vor. Ich spreche nur für mich.

ZitatPfäfflins Gutachten

Hat in der Darstellung der Exploration seine Stärke. Doch wirkt es auf mich inkonsistent. Der Schluss des Gutachtens passt nicht zum Vorhergehenden.
Das heißt noch lange nicht, dass es inkonsistent ist. Der Schluss des Gutachtens passt sehr gut zum Vorhergehenden. Was Du als ,,Schwanken" interpretierst, sind wahrscheinlich die differenzialdiagnostischen Erwägungen, die notwendiger Bestandteil jeder, auch der somatischen, Diagnostik sind.

ZitatPfäfflin dokumentiert sein Schwanken sogar, indem er dem Gericht mitteilt, dass er Mollath über die Gepflogenheiten bei der Gutachtenerstellung aufklärt.
ZitatIch konfrontiere ihn mit dem Problem eines Gutachters, der zunächst einmal davon ausgehen muss, dass das rechtskräftige Urteil in sich, jedenfalls in wesentlichen Zügen, stimmig ist, und erläutere ihm, dass sich ein Gutachter, der sich darüber einfach hinwegsetzt, ins Aus bugsiert.
So etwas schreibt ein Gutachter nicht, wenn er keinerlei Zweifel an der Richtigkeit des Urteils hegt.
Diese Erläuterungen gegenüber Mollath dienen der Herstellung einer Atmosphäre, in der eine Exploration erst möglich wird. Im Gutachten erscheinen sie, um dem Gericht die Technik der Gesprächsführung zu verdeutlichen und die Konsistenz der Befunderhebung herauszuarbeiten. Diese Konsistenz scheint auch den Laien zu beeindrucken:
ZitatHat in der Darstellung der Exploration seine Stärke.
Die Explorationstechnik lässt sich beim besten Willen nicht mit Pfäfflins ,,Zweifel an der Richtigkeit des Urteils" oder als ,,Ausdruck beträchtlichen Unwohlseins" erklären.

Zitatangesichts der Diskrepanz, die sich Pfäfflin auftut: da der verurteilte Gewalttäter aus den Akten und dort der aufrechte Mensch, der seine Unschuld beteuert
Das ist Lyrik.

ZitatWas Pfäfflin da zu hören bekommt, sind die gesammelten Rechtsverstöße der Justiz, die sich seit Mollaths Unterbringung in der Forensik zu seinen Lasten ereignet haben.
Das ist natürlich falsch. Was Pfäfflin da zu hören bekommt, ist einfach nur Mollaths in den Jahren wieder und wieder durchdeklinierte, retrospektiv harmonisierte Version der Geschichte. Was denn sonst?

ZitatEs ist verständlich, dass ein erfahrener - im Geschäft bewanderter - Gutachter hier interveniert.
- Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann (Shakespeare, Julius Caesar, 3. Akt 1. Szene),
ZitatHätte Mollath mit seinen Schilderungen zu den Fehlern der Justiz recht, würde das bedeuten, dass Mollath den Staat nicht als Rechtsstaat erlebt. Und das mag Pfäfflin den Richtern in der Anhörung nicht zumuten.
Du scheinst anzunehmen, dass Pfäfflin die Mollath-Version für zutreffend hält oder zumindest darüber unsicher ist. Dann allerdings wäre er inkonsistent. Aber er lässt keinen Zweifel daran, dass er sie nicht für zutreffend, sondern für wahnhaft hält; und insofern sind die kunstvoll unterstellten Hinderungsgründe für den ,,Nicht-Vortrag" abwegig.

bayle

Das Gutachten Kröber.
Zitat von: Tyko am 15. September 2013, 01:54:31
Die Exploration wäre möglich gewesen
Wer weiß.
ZitatDoch wenn sich Kröber auf die Klinik verlässt und nicht selbst ein paar Tage vorher dem Probanden einen kurzen Anruf gönnt, dann ist das mehr als verwunderlich.
Warum ist das verwunderlich, und gleich noch "mehr als"?
ZitatNach eigener Aussage Kröbers hat es bisher erst drei Probanden gegeben, die sich seiner Exploration verweigert hätten. Man kann ihm bescheinigen: Das Nein von Mollath hat er zu verantworten.
Er hat sich routinemäßig verhalten, und so hat er das ,,Nein" provoziert, nein, schärfer: er hat es zu verantworten. Ja?

Zitat von: Tyko am 15. September 2013, 01:54:31
Ich bringe zwar Goodwill auf, Kröbers Ausführungen zu folgen, doch alles darf er mir nicht erzählen. Eine sei hier genannt:
ZitatEr musste darauf hingewiesen werden, dass es unerwünscht sei, wenn er nur mit einer Unterhose bekleidet über die Station laufe. Er hatte dafür kein Verständnis.
In diesem Moment bin ich versucht Kröber Glauben zu schenken, dass Mollath wirklich bizarr ist.
Hier sei nur angemerkt, dass die Episode bei Kröber im Kontext dieses einleitenden Satzes:
ZitatDas Pflegepersonal hatte im besonderen Umfang mit der Weigerung des Probanden zu kämpfen, sich zu waschen.
wiedergegeben wird. Ich komme noch einmal darauf zurück.

ZitatDa haben wir die Realität.
Wo?
ZitatDie hat Kröber mittlerweile eingeholt.
Bitte?
ZitatDiehl-Affäre und Streubomben? Alles Wahn.
Niemand hat jemals bestritten, dass es eine Fa. Diehl gibt oder dass es Streubomben gibt (bei den ,,Microwellen-Waffen" erlaube ich mir trotz der Berichte und bei völliger Ahnungslosigkeit, was Waffen angeht, letzte Zweifel). Was bezweifelt werden muss, ist, dass die Fa. Diehl (die ,,Familien-tötungs?-Firma", ein Neologismus), mit welchen Produkten und mit welchen Steuergeschichten auch immer, irgendetwas mit Herrn M und seinem größten, wahnsinnigsten Schwarzgeldskandal zu tun hat. Hier ist sie eines von vielen Indizien für Wahn; allein vielleicht nicht tragfähig, aber doch im Gesamtzusammenhang zur Kenntnis zu nehmen.

Zitat von: Tyko am 15. September 2013, 01:54:31
Konsistenz? Die zeigt sich nicht in dem zentralen Widerspruch (Seite 23)
ZitatTatsächlich gibt es eine nur recht dürftige Informationslage [...]
versus (Seite 26)
ZitatAndererseits findet sich in den Akten eine durchaus gute und ausreichende Informationslage über die psychische Verfassung und die Äußerungsweisen von Herrn Mollath in den Jahren vor seiner Unterbringung.
Wenn man sich der geringen Mühe unterzieht, die Seiten dazwischen auch noch zur Kenntnis zu nehmen, dann stellt man fest: der Satz auf S. 23 bezieht sich auf seine Lebensgeschichte, der auf S. 26 dagegen auf die Vorgeschichte seiner Unterbringung. Ein ,,zentraler Widerspruch", der keiner ist. Wo ist da eine Inkonsistenz?

ZitatDa spricht Kröber es schon aus: eigentlich ist die Grundlage für eine Diagnose mangelhaft.
Nein, das spricht er nicht aus. Die Grundlage für eine Diagnose könnte deutlich besser sein, aber sie ist nicht mangelhaft.

Tyko

Pfäfflins Gutachten

ZitatDiese Erläuterungen gegenüber Mollath dienen der Herstellung einer Atmosphäre, in der eine Exploration erst möglich wird. Im Gutachten erscheinen sie, um dem Gericht die Technik der Gesprächsführung zu verdeutlichen und die Konsistenz der Befunderhebung herauszuarbeiten. Diese Konsistenz scheint auch den Laien zu beeindrucken:

Für wen schreibt Pfäfflin sein Gutachten? Mollath wird als Leser genannt, die Richter am Landgericht gehören dazu und Leipziger und Pfäfflin dürfte er ebenfalls als Leser vor Augen haben. Ich gehöre sicherlich nicht dazu. Und doch darf ich mir meine Gedanken machen. Ich sehe den Gutachter Pfäfflin nicht als Lieferanten von "Lyrik": diese Dichotomie Mollaths arbeitet er in seinem Gutachten für den Leser heraus, er hat einen prosaischen Text über einen Menschen und seine Taten verfasst. Es steht ihm frei, in diesem Text so zu formulieren, dass er als Autor auf mich voreingenommen wirkt. Er kann es aber auch so halten, dass sich dieser Eindruck bei mir nicht einstellt. Ich komme mit beiden Haltungen beim Lesen klar. Und wenn er es als wichtig erachtet, mir seine Explorationstechnik darzulegen, dann ist ihm das auch gestattet. Was er dann als Ganzes abliefert, hat auf mich aber eine bestimmte Wirkung, die sich offenkundig deutlich von der Wirkung unterscheidet, die das Gutachten auf dich ausübt. Es kommt auf das Wie an, wenn ich wissen möchte, was Pfäfflin wirklich denkt. Und hier würde ich als Richter ansetzen und nachfragen. Und damit ich als Richter im Anhörungsverfahren auch von Pfäfflin Auskünfte erhalte, die er eigentlich nicht geben möchte, müsste ich die richtigen Fragen stellen. Dafür wäre es jedoch nötig, dass die betreffenden Richter in der Befragung eine adäquate Technik anwenden. So eine wie diese hier wäre gut

ZitatDiese Erläuterungen gegenüber Mollath dienen der Herstellung einer Atmosphäre, in der eine Exploration erst möglich wird.

Pfäfflin liefert sein Gutachten ab und bietet den Richtern genügend Ansatzpunkte zu Auswahl an, bei denen sie ihre Befragung beginnen könnten. Er baut sogar in das Gutachten eine "zu weiche Formulierung" ein, die sich noch so gerade mit seinem Explorationsergebnis vereinbaren lässt. Das ist die eigentliche Frage, die ein Richter stellen müsste: Warum und wieso diese Gefährlichkeitsprognose? Eigentlich müsste seine Gefährlichkeitsprognose noch weicher formuliert werden, erst dann würde sie zu dem Gutachten passen. Was die Richter dann am Landgericht aus diesen Angeboten gemacht haben, darf man in dem Protokoll nachlesen. Es kommt nicht zu einem wirklichen Gespräch. Die Richter führen es so, dass man das nachlesbare Ergebnis nur als durch und durch fehlerhaft bezeichnen kann. Sie haben einfachste Standards ihres Faches nicht beachtet und eine grobe Unkenntnis im Umgang mit Gutachten zu Protokoll gegeben. Das BVerfG hat ihnen die Gelegenheit gegeben sich erneut an dieser Aufgabe zu versuchen. Ich bin gespannt, wie der nächste Versuch ausfallen wird.