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Autor Thema: Das große Sterben  (Gelesen 3942 mal)

ZKLP

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Re: Das große Sterben
« Antwort #45 am: 16. Mai 2018, 21:27:11 »
Falls wer ein paar Stunden Lesestoff braucht:

Sehr differenziete und sachliche Expertenanhörung zum Thema "Insektensterben" im sächsischen Landtag.

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=50320&dok_art=APr&leg_per=6&pos_dok=&dok_id=245284

Zum Querlesen: Ab Seite 80 kommen die PPTs.

Daggi

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Re: Das große Sterben
« Antwort #46 am: 16. Mai 2018, 22:35:43 »
War mit dem Auto gerade im Auto nach Norden gefahren und 600 km in Schleswig-Holstein unterwegs, und die Scheibe ist wie früher voller toter Insekten gewesen. Große Brummer fehlten allerdings, fast nur Mücken. Ich war noch in einem Wald spazieren und beim Telefonieren mit dem Handy haben ich sage und schreibe 2 Mücken eingeatmet. Also da oben ist aktuell einiges an Insekten los. In den nächsten Tagen muss ich nach Niedersachsen. Da werde ich auch etwa 400 km rumfahren und dann kann ich von da berichten. (ist alles natürlich rein anekdotisch und nicht repräsentativ gemeint)
For Hinweiße that lead to the identification of the operators of Esowatch.com, a reward is offered

Ein Impfgegner, ein Reichsbürger und ein Chemtrailanhänger kommen in eine Kneipe. Er bestellt ein Bier.

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #47 am: 16. Mai 2018, 22:49:21 »
Mein kleiner Garten beherbergt einen Komposthaufen. Da sind unter anderem auch die Larven vom Goldglänzenden Rosenkäfer drin. Die Käfer sah ich dieses Jahr auch fliegen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren beobachte ich auch wieder mehr Tagfalter.
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ajki

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Re: Das große Sterben
« Antwort #48 am: 16. Mai 2018, 23:14:14 »
Lesestoff

Vielen Dank. In der Masse durchaus anregend zum weiteren Bedenken.

An sich ist es natürlich immer nur eine Auseinandersetzung bestellter Experten. Das bedeutet natürlich zwangsläufig, dass keine Ergebnisdiskussion unter Fachleuten stattfindet (-finden kann), sondern (parteipolitisch) positional argumentiert wird. Was natürlich letztlich für das Thema nichts bringt - außer vielleicht, dass die politische Seite sich irgendwie durchringen könnte, Geld für Forschungsprojekte auszuspucken. Da bleibt das Problem aber wie schon besprochen erhalten auf lange Zeit, weil neben dem Riesenproblem, wie man überhaupt zu "sauberen" Daten kommen kann in Verbindung mit dem Riesenaufwand, den das in jedem Fall bedeutet, der Sachverhalt der fehlenden Daten der Vergangenheit ja komplett erhalten bleibt. Bis dann ein gutes (überregionales) Forschungsvorhaben überhaupt anständige (Trend-) Daten liefern würde, vergingen auf jeden Fall erst mal wieder Dezennien (ich schätze, es müssen schon 30 Jahre sein - mindestens).

Eine Kleinigkeit fiel mir auf. Der Senckenberg-Vertreter (von wem auch immer berufen) argumentiert auf einer Folie ("Beispiel Herbizide", S. 118) unter "Nebenwirkung (von Glyphosat)" mit: "Bienen (Herbert et al. 2014)". Das wäre etwas "Neues", wenn irgendjemand tatsächlich irgendwas nachgewiesen hätte hinsichtlich Glühfosaht.

Gemeint ist wohl:
Effects of field-realistic doses of glyphosate on honeybee appetitive behaviour
Lucila T. Herbert, Diego E. Vázquez, Andrés Arenas, Walter M. Farina
Journal of Experimental Biology 2014 217: 3457-3464; doi: 10.1242/jeb.109520

Aus dem abstract:
Zitat
... Altogether, these results imply that GLY at concentrations found in agro-ecosystems as a result of standard spraying can reduce sensitivity to nectar reward and impair associative learning in honeybees. However, no effect on foraging-related behaviour was found. Therefore, we speculate that successful forager bees could become a source of constant inflow of nectar with GLY traces that could then be distributed among nestmates, stored in the hive and have long-term negative consequences on colony performance.
(Hervorhebung hinzugefügt)

Wenn man sich die results selbst anschaut, dann ist das abstract noch "strikt" formuliert. Der Text und die Auswertungen sind noch weit labbriger.

Da kann man sich dann doch wohl wieder hinlegen.

(Mal abgesehen davon, dass es bei den "Bienen" der Studie natürlich um die Honigbienen geht - mithin natürlich wie immer zu Forschungsvereinfachungszwecken um handle-bare Zuchttiere und nicht um die "Problem-Insekten", um die es an sich weltweit überhaupt geht)
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Typee

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Re: Das große Sterben
« Antwort #49 am: 18. Mai 2018, 22:42:03 »
Mit dem echten oder nur gefühlten Schwund ist es so eine Sache. Es ist nicht selten, dass es unter biologischen Arten Populationszyklen gibt, bei Insekten kann man wegen der schnellen Generationenfolge sogar ziemlich leicht feststellen, dass sich auch bei einzelnen Arten oft mehrere unterschiedlich lange Zyklen einander überlagern. Haben die Zyklen einigermaßen gleichmäßige Zeitdauern, dann treten nicht nur innerhalb der Arten, sondern auch unter den Populationen mehrerer Arten Resonanzen auf - irgendwann kumulieren die Tiefpunkte mehrerer Arten binnen einem oder zwei Jahren und spiegeln ein plötzliches großes Aussterben vor, wo eigentlich gar keines ist, sondern nur eine Anhäufung regelmäßig auftretender Minima. Wie oft so etwas im Laufe vieler Jahre auftritt ist eine Multiplikationsaufgabe, sonst nichts. Anscheinend möchte oder kann das gerade keiner nachrechnen. Und einen Bremsfaktor wollen wir auch nicht vergessen: schwinden die Bestände an Insekten, dann wird auch das Nahrungsangebot für deren Fressfeinde knapper und fördert so über deren Dezimierung die Erholung der geschwundenen Insektenbestände.

Das Windschutzscheibenargument bzw. der Hinweis auf die bessere Aerodynamik moderner Autos hat mich dagegen nie wirklich überzeugt. Mein Radfahrerkopf war letztes Jahr nicht aerodynamischer als in den Jahren vorher, und die geringe Insektenmenge war da schon spürbar. Heuer knallt es aber auch wieder deutlich öfter gegen die Sonnenbrille.
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Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #50 am: 18. Mai 2018, 23:30:45 »
Bemerkenswert hinsichtlich solcher Vermehrungszyklen sind die sog. 17-Jahres-Zikaden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Magicicada#Die_Periodik_der_Zikaden
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Scipio

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Re: Das große Sterben
« Antwort #51 am: 23. Mai 2018, 23:12:10 »
Mark Benecke zum Thema Insektensterben:

https://www.youtube.com/watch?v=EBarH8H9MLE
May the chaos be with you!

ZKLP

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Re: Das große Sterben
« Antwort #52 am: 24. Mai 2018, 02:36:42 »
Mark Benecke zum Thema Insektensterben:

https://www.youtube.com/watch?v=EBarH8H9MLE

Eine GWUP-Mitgliedschaft schützt vor Torheit nicht.
In 6 oder 7 Jahren haben wir keine Insekten mehr (@7:45)?!
Vier Fünftel der von den Krefeldern erfassten Arten sind in den letzten Jahren ausgestorben (@9:50)?!

Letzteres hier noch mal zum Nachlesen:
Nach den neuesten Daten (Stand Februar 2018) sind vier von fünf Insektenarten in den letzten fünfzehn Jahren in Deutschland ausgestorben.

Ähm, nein:
Laut Bundesamt für Naturschutz weisen von 7800 der mindestens 33 000 Insektenarten in Deutschland, deren Populationstrends genauer untersucht wurden, 42 Prozent im langfristigen Vergleich einen negativen Trend auf. Knapp 3000 Arten stehen in einer "Gefährdungskategorie" – 358 gelten als ausgestorben oder verschollen, 745 als extrem selten, 1029 als sehr selten und 1922 als selten.




Apropos Benecke und Insektensterben:
https://www.change.org/p/rewe-stoppen-sie-den-verkauf-des-insektenburgers

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #53 am: 24. Mai 2018, 11:08:17 »
Wer untersucht die Populationstrends von 33 000 Insektenarten genauer? Da müssen ja massenweise Leute damit beschäftigt sein. Hat man nie etwas davon gehört. Wo sind die Ergebnisse veröffentlicht?
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eLender

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Re: Das große Sterben
« Antwort #54 am: 24. Mai 2018, 16:42:55 »
Ich gehe davon aus, dass Benecke - wie immer - streng wissenschaftlich und objektiv begründet (hat ja auch immer seinen Scherlock-Hut auf, nichwa). Wahrscheinlich hat er seine Feststellung daran ausgemacht, dass früher viel mehr Gewürm und Krabbeltier an/in Leichen zu finden war. Entweder die stürben aus oder die sind heute eher vegan unterwegs. Is eh besser.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #55 am: 24. Mai 2018, 16:46:49 »
Oder die treiben sich alle in meiner Biotonne herum. Sieht jedenfalls so aus.
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eLender

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Re: Das große Sterben
« Antwort #56 am: 24. Mai 2018, 16:48:56 »
Die Leichen gehören ja auch in die Restmülltonne :police:
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Sauropode

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Re: Das große Sterben
« Antwort #57 am: 24. Mai 2018, 16:53:47 »
Und manche zusammen mit den anderen Flaschen in den Altglascontainer.
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ajki

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Re: Das große Sterben
« Antwort #58 am: 24. Mai 2018, 18:56:30 »
Etliche News-Outlets machen derzeit Artikelstrecken auf Grundlage einer Presseveröffentlichung der "Nationalen Akademie der Wissenschaften" auf. Ein Beispiel für die News mag die Süddeutsche mit einem online-Artikel vom 24.5.2018 sein - wieder keine Panik: der Artikel kommt aus dem "Wissen"-Ressort und nicht aus dem Dunstkreis von Liebrich.

Im Grundsatz geht es um ein Diskussionspapier einer Expertengruppe der Leopoldina namens:

Der stumme Frühling – Zur Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes (2018) [Seite der Leopoldina zur Veröffentlichung]

(Wenn da nicht mal was "klingelt" bei "Der stumme Frühling".......)

Direktdownload der pdf: https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2018_Diskussionspapier_Pflanzenschutzmittel.pdf

Presseerklärung der Leopoldina vom 23.5.2018:
https://www.leopoldina.org/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/press/2539/

Hinter der "Expertengruppe" steckt die "Kommission Umwelt" der Leopoldina:
https://www.leopoldina.org/politikberatung/wissenschaftliche-kommissionen/umwelt/
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Tezcatlipoca

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Re: Das große Sterben
« Antwort #59 am: 24. Mai 2018, 18:58:26 »
War mit dem Auto gerade im Auto nach Norden gefahren und 600 km in Schleswig-Holstein unterwegs, und die Scheibe ist wie früher voller toter Insekten gewesen. Große Brummer fehlten allerdings, fast nur Mücken. Ich war noch in einem Wald spazieren und beim Telefonieren mit dem Handy haben ich sage und schreibe 2 Mücken eingeatmet. Also da oben ist aktuell einiges an Insekten los. In den nächsten Tagen muss ich nach Niedersachsen. Da werde ich auch etwa 400 km rumfahren und dann kann ich von da berichten. (ist alles natürlich rein anekdotisch und nicht repräsentativ gemeint)
Sowas ist uns auch schon aufgefallen - fast immer saubere Scheibe vorn. Schon ungewöhnlich.
Auch seltsam, keine Fliegen in der Wohnung. Wo sind die bloß geblieben.
Vorhin am Straßenrand eine Biene gesehen, die lief dort im Kreis herum.  :skeptisch:

Gruß, T.


Nichts, was ein Mensch sich auszudenken in der Lage ist, kann so unwahrscheinlich, unlogisch oder hirnrissig sein, als dass es nicht doch ein anderer Mensch für bare Münze halten und diese vermeintliche Wahrheit notfalls mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen wird.