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Autor Thema: Christian Rätsch  (Gelesen 4060 mal)

FP

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Christian Rätsch
« am: 20. Juli 2016, 16:34:18 »
Hat sich jemand näher mit der Person Christian Rätsch befasst? Auf mich macht er den Eindruck, dass er sich als (esoterisch angehauchter?) Drogenguru aufspielt. Hat jemand seine Werke gelesen? Genügen diese den Kriterien der Wissenschaftlichkeit oder sind sie eher im esoterisch-alternativen Milieu angesiedelt? Falls letzteres der Fall ist, sollte man sich vielleicht überlegen, ob ein Eintrag ins Psiram-Wiki gerechtfertigt wäre.

Groucho

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #1 am: 20. Juli 2016, 16:41:39 »
Hat sich jemand näher mit der Person Christian Rätsch befasst?

Du meinst den?

http://www.christian-raetsch.de/

Zitat
Auf mich macht er den Eindruck, dass er sich als (esoterisch angehauchter?) Drogenguru aufspielt. Hat jemand seine Werke gelesen? Genügen diese den Kriterien der Wissenschaftlichkeit oder sind sie eher im esoterisch-alternativen Milieu angesiedelt? Falls letzteres der Fall ist, sollte man sich vielleicht überlegen, ob ein Eintrag ins Psiram-Wiki gerechtfertigt wäre.

Ja, müsste man gucken, inwieweit er gefährliches Zeug verbreitet. Scheint ja mit Storl liiert, der mit seinen Behauptungen zu Boreliose gemeingefährlich ist, und von daher ins Wiki gehört.

Ansonsten ist es altersmäßig erwachsenen Leuten unbenommen, sich mit was auch immer zuzudröhnen.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

eLender

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #2 am: 20. Juli 2016, 16:48:02 »
Eine böse Zunge meint mal irgendwo, er hätte sich zu viel von allerlei drönenden Drönzeugs reingetan, dass er geistig nicht mehr auf die Erde zurückgefunden hat. Sowas in der Art.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

FP

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #3 am: 20. Juli 2016, 16:54:49 »
Zitat

Du meinst den?

http://www.christian-raetsch.de/



genau!


Zitat
Ja, müsste man gucken, inwieweit er gefährliches Zeug verbreitet. Scheint ja mit Storl liiert, der mit seinen Behauptungen zu Boreliose gemeingefährlich ist, und von daher ins Wiki gehört.

Ansonsten ist es altersmäßig erwachsenen Leuten unbenommen, sich mit was auch immer zuzudröhnen.


Ich bin auch ein großer Fan einer Drogenlegalisierung, weil ich niemandem vorschreiben will wie er zu leben hat. Darum geht es mir aber auch gar nicht. Die Frage ist, ob Rätsch eine Verharmlosung von manchen psychoaktiven Substanzen betreibt bzw. ob er unwissenschaftliche Sachen behauptet. Ich finde es generell ein wenig bedenklich, wenn sich ein esoterisch angehauchter Sozialwissenschaftler, ohne medizinische oder naturwissenschaftliche Ausbildung und mit Hang zum Schamanismus zu medizinischen Fragen (Drogenkonsum, Schädlichkeit von Drogen etc.) äußert.

Groucho

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #4 am: 20. Juli 2016, 16:54:56 »
Eine böse Zunge meint mal irgendwo, er hätte sich zu viel von allerlei drönenden Drönzeugs reingetan, dass er geistig nicht mehr auf die Erde zurückgefunden hat. Sowas in der Art.

Immerhin:

Zitat
Schamanische Aspekte im Abendland: Wotan, Dionysos und die Kunst der Ekstase - WOCHENENDSEMINAR

Klingt verlockend.

Als Marketingprofi würde ich noch Anschlussseminare empfehlen:

- Katerfrühstück leicht gemacht ohne Katzen

- Weidenrinde natürlich kauen

- nüchtern werden mit Alkohol

oder so.
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Groucho

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #5 am: 20. Juli 2016, 16:58:12 »
Ich finde es generell ein wenig bedenklich, wenn sich ein esoterisch angehauchter Sozialwissenschaftler, ohne medizinische oder naturwissenschaftliche Ausbildung und mit Hang zum Schamanismus zu medizinischen Fragen (Drogenkonsum, Schädlichkeit von Drogen etc.) äußert.

Einer genaueren Prüfung sicher wert, ja.
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FP

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #6 am: 20. Juli 2016, 17:03:41 »

Typee

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #7 am: 20. Juli 2016, 17:09:48 »
Zitat
Rätsch ist ... Bewusstseinsforscher...

Danke, genügt.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Groucho

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #8 am: 20. Juli 2016, 17:35:51 »
Zitat
Rätsch ist ... Bewusstseinsforscher...

Danke, genügt.

Na, ich setz trotzdem mal die Bio auf der Seite rein, dass nicht jeder klicken muss.

Zitat
geb. 1957, studierte in Hamburg Altamerikanistik, Ethnologie und Volkskunde und promovierte - finanziert vom DAAD (Deutscher Akademischer Auslandsdienst) - zum Erlernen von Zaubersprüchen bei den Lakandonen. Er erlernte die Mayasprache der in Chiapas, Mexiko, lebenden Lakandonenindianer, bei denen er insgesamt drei Jahre lebte.

Seit zwanzig Jahren erforscht Rätsch in aller Welt schamanische Kulturen und deren ethnopharmakologischen, ethnomedizinischen und rituellen Gebrauch von Pflanzen.

Während seiner Anstellung beim Hamburger Mineralienzentrum maßgeblich beteiligt bei der Einrichtung eines Museums für Ammoniten in Japan. Ausrichtung diverser Ausstellungen zum kulturellen Gebrauch von Muscheln, Schnecken und Fossilien in Deutschland.
Ex-Beiratsmitglied des Europäischen Collegiums für Bewußtseinsstudien (ECBS); Ex-Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Ethnomedizin (ARGEM). Befristete Tätigkeit als Lehrbeauftragter der Universität Bremen.

International gefragter Referent. Wissenschaftlicher Leiter von Expeditionen zur Erforschung indigener Heiltraditionen (u. a. von GEO und "Bild der Wissenschaften") und Experte staatlicher Institutionen zur Drogenberatung. Herausgeber des "Jahrbuches der Ethnomedizin".

Autor unzähliger in viele Sprachen übersetzter Bücher. Darunter: "Indianische Heilkräuter", "Heilkräuter der Antike", "Pflanzen der Liebe", zwei Bände zur "Schamanenpflanze Tabak", sowie des in acht Auflagen erschienenen und jüngst ins Englische übersetzten Standardwerkes "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen".

Ko-Autor von "Hexenmedizin", "Schamanismus und Tantra in Nepal" und "Lexikon der Liebesmittel".

Lebt als freischaffender Ethnopharmakologe, Referent und Autor in Hamburg.

Naja. Also früher, als es noch echte Studentinnen gab, hat man dazu saufen und vögeln gesagt, etwas weniger Mimikry  betrieben, um sich dann irgendwann dem Ernst des Lebens zu widmen. Aber ok, nicht alle haben die Ausfahrt rechtzeitig erwischt.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

Peiresc

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #9 am: 20. Juli 2016, 18:05:40 »
Zitat
finanziert vom DAAD (Deutscher Akademischer Auslandsdienst) - zum Erlernen von Zaubersprüchen bei den Lakandonen

 :rofl2
Du bist sicher, das hat er nicht aus einem Buch von Rowling abgeschrieben? Willkommen zurück bei den Muggeln.

Gethen

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #10 am: 20. Juli 2016, 18:32:28 »
Zitat
finanziert vom DAAD (Deutscher Akademischer Auslandsdienst) - zum Erlernen von Zaubersprüchen bei den Lakandonen

 :rofl2
Du bist sicher, das hat er nicht aus einem Buch von Rowling abgeschrieben? Willkommen zurück bei den Muggeln.

Als Altamerikanist, Ethnologe, Volkskundler kann man sicherlich über die Praktiken in einer Ethnie promovieren, in der Beschwörungsformeln verwendet werden und das steht da ja auch so:

Zitat
promovierte - ... - zum Erlernen von Zaubersprüchen bei den Lakandonen.

Also nicht er hat erlernt (damals jedenfalls [noch] nicht), sondern er hat untersucht, wie diese Formeln dort gelernt/ gelehrt werden.

Daß Rätsch sich mit der Bezeichnung "Ethnopharmakologe" eines Etiketts bedient, das nun so gar nicht paßt und für das er auch nicht qualifiziert ist, steht hingegen außer Frage.


Peiresc

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #11 am: 20. Juli 2016, 18:46:28 »
Du meinst, ich habe das falsch verstanden, und er hat bei den Lakandonen promoviert?  ;)

smartie

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #12 am: 21. Juli 2016, 00:56:08 »
Also:

Ich (inzwischen selbst Pharmakologe) habe 1999 die "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen" geschenkt bekommen und es ist das am häufigsten in die Hand genommene Buch in meinem Haushalt.
Sehr gut recherchiert, alles ist mit Quellen belegt. Ich schmökere noch heute gerne darin, auch weil mich der Einfallsreichtum der Menschheit in den letzten paar tausend Jahren entzückt.

eLender

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #13 am: 21. Juli 2016, 01:11:20 »
Man muss halt sehen, wo und warum der für's Wiki relevant sein könnte. Dazu braucht man geeignete Quellen. Ich fange mal an. Ein Eintrag aus der Disk-Seite seines WP-Artikels:

Zitat
Doris Schwarzmann-Schafhauser rezensierte 1998 (in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 17, S. 577–579) Rätschs Buch "Heilkräuter der Antike ..." und schrieb unter anderem dazu "Unter dem Deckmantel einer vermeintlich betriebenen Medizingeschichte wird dem Leser somit in diesem "Kräuterbuch" nicht nur eine sektenähnliche Ideologie angeboteb, sondern es werden auch ganz konkrete Strategien für das Erreichen der Sektenziele vermittelt. Die Tatsache, daß hier Medizingeschichte instrumentalisiert wird ..., verbietet eigentlich jedes Ignorieren dieser durchaus nicht singulären Erscheinung von seiten der Fachvertreter." Der Wikipedia-Artikel sieht das Ganze anscheinend weniger kritisch. MfG, Georg Hügler (Diskussion)
https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Christian_R%C3%A4tsch#Sektenideologie.3F

Ist nicht sehr viel, aber zumindest ein Anfang.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

manu19989

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Re: Christian Rätsch
« Antwort #14 am: 10. September 2019, 02:52:52 »
das thema ist leider schon einige Jahre alt, aber gebe hier trotzdem noch meinen Senf dazu.

Rätsch wird in diesem Forum so wies aussieht deutlich kritisiert, aber meiner Meinung nicht gerechtfertigt

Der erste Vorwurf lautet, dass er ein Drogenguru sei.
Ist er nicht. Zum einen ist Rätsch Forscher, er will niemand überzeugen. Er ist Ethnologe und Forscht über andere Kulturen und hat sich offenbar auf den Konsum von psychoaktiven Substanzen von anderen Kulturen spezialisiert.
Jede Gesellschaft hat ihre speziellen Drogen. Wir sind in Europa aufgewachsen, und darum konsumieren die meisten Menschen hier (und ev. auch in diesem forum) die Drogen, die bei uns traditionell sind. So zum Beispiel Alkohol und Kaffee (wenn auch kaffee nicht bei uns wächst, so gehört er dank Kaffeehäuser usw. doch zu uns. Wären wir in einem persischen Kulturkreis aufgewachsen, würden wir Opium statt Alkohol konsumieren, in Südamerika würden wir psychedelische Pilze konsumieren usw. ob jetzt eine Droge besser ist oder nicht, kann man nicht genau sagen (so erreicht alkohol auf listen der gefährlichsten drogen regelmässig die top 5, während zb. Pilze weit dahinter liegen, und sogar von moderner anerkannter forschung zur behandlungen von angst und depressionen erforscht wird. (man findet studien mit google).
Als Ethnologe muss er auch weniger wie ein Arzt alles genau rational erklären und mit Beweisen belegen, er muss andere Kulturen genau beobachten und beschreiben.
Die bezeichnung Guru ist für ihn sicherlich unpassend. Mit seinen Büchern will er (meine Meinung) niemanden bekehren, er will zum Denken anregen. Sehen wir so, wie andere Gesellschaften aufgebaut sind, so regt das uns zum Denken an. Ich will damit aber nciht sagen, andere Gesellschaften seien besser oder so. Zumindest unser Umgang mit Drogen im Vergleich zu anderen Völkern sollte aber durchaus zum Denken anregen. ich kenne viele Leute, die sich am Wochenende gerne mal einfach die Birne zuschütten - dagegen ist mir ein ritueller Konsum in einem Dschungelvolk lieber.
Ich denke am Umgang mit Drogen und Genüssen wie Sex usw. kann man den Zustand einer Gesellschaft gut erkennen.

In den vorherigen Beiträgen wird Rätsch auch beleidigt und ihm wird vorgeworfen, er hätte sich zu viel von dem Zeug reingeworfen. Kann ich nicht verstehen, denn ich habe immer gelernt, dass man jemand sachlich kritisieren kann, ohne ihm grad jegliche Vernunft abzusprechen. Auch wenn die Meinung vom Rätsch nicht jedem gefällt, so ist das doch eine gute Einladung um über die Theorien von Rätsch nachzudenken und sprechen und diese dann kritisieren.

Sicher ist es bedenklich, wenn ein Sozialwissenschaftler Gedanken über die Schädlichkeit von Drogen äussert. Im Falle von Rätsch sagt er ungefähr das, was die Wissenschaft sagt.
Laut einer Studie von verschiedenen Ärzten und Pharmakologen der europäischen Drogenbeobachtungsstelle ergab (um den Professor David Nutt) das Alkohol die gefährlichste Droge von allen (mit 72 von 100 möglichen Schadenspunkten) ist. (Wobei hier auch der Schaden für das Umfeld mitgezählt wurde - heroinkonsumenten sterben schneller, aber sind zu high um zu Prügeln oder so, was man von betrunkenen nicht sagen kann). Da LSD auf dieser Liste ganz unten steht, macht Rätsch vielleicht sogar etwas gutes, wenn er LSD statt Alkohol empfiehlt

Ob jetzt eine Professorin Rätsch kritisiert oder nicht, hat meiner Meinung nach keine grosse Aussagekraft, da es ebenso viele Professoren gibt, die Rätsch schätzen