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Christ sein ist praktisch

Begonnen von Wazir, 24. Februar 2010, 11:50:30

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Elke

Ich möchte mich in das Thema Afghanistan jetzt nicht auch noch involvieren. Die Äußerungen von Helmut Schmidt dazu sind für mich aber auch die Vernünftigsten.

Zum Thema des Threads: "Christ sein ist praktisch" muss ich aber sagen, dass ich Leute kenne, die aufgrund ihres eigenen Schuldbewusstseins ganz gezielt die Beichte in der katholischen Kirche als bestes Heilmittel bezeichnen, weil sie damit Absolution erhalten, die sie weder in der Gesellschaft, der Psychotherapie noch in der Esoterik oder in anderen Religionen in der Art und Weise bekommen würden.

Es geht nicht um beten, es geht um die Beichte, die Katholiken in Anspruch nehmen können und es gibt keine Sünde, die nicht Vergebung finden könnte. Je nach Schweregrad der Sünde bekommt man eben vom Priester mehr Gebete mitgeteilt, die man beten solle, damit die Absolution auch zu 100% wirkt.

Da Protestanten still beichten, fällt die Vergebung durch eine andere reale Person weg. Die katholische Beichte scheint deswegen für manche rein psychologisch wirkungsvoller zu sein.

Dies ist jetzt eine Motivation, die mir persönlich mehrmals zugetragen wurde, das soll nicht heißen, dass jeder Christ so tickt.

Wazir

Zitat von: Hlodyn am 25. Februar 2010, 18:25:58
ZitatAus den Äußerungen des besagten Offiziers läßt sich in meinen Augen nur erkennen, daß das Geschehene ihn belastet und betrübt und das dies seine Art ist damit umzugehen bzw. das zu verarbeiten. Nicht´s verwerfliches in meinen Augen.
Genauso sehe ich das auch!
Himmel, Ars, Wolkenbruch!
Das ist doch klar.

Es geht mir um das modische Kokettieren mit dem "Ich bin Christ". Als seien die was Besseres, verglichen z.B. mit den Nichtchristen,
in Politik und in der Karriere und beim Krieg führen.
Damit hat man immer bessere Karten, als würde man sagen: "Ich bin bekennender Atheist.
Und dann hab ich einen "Unfall" gehabt, bei dem 142 Menschen durch meine Veranlassung getötet wurden."

Der Oberst hat tatsächlich wörtlich gesagt: "Ich, als Mensch und Christ...".
Find ich anbiedernd an den gefährlich religiösen Mainstream.


WikiSysop

Zitat von: shrike am 25. Februar 2010, 17:01:47
Hm, Sysop, die GSG9 in Mogadischu war ein Polizeieinsatz, ein Pole gegen die ganzen Türken, bei der Schlacht auf dem Kahlen Berg, finde ich stark übertrieben. Krieg, als Gewalt, die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln hat sich nie ausgezahlt. Alle Erorberer haben dann irgendwann die Kultur der Eroberten übernommen und es wird langsam Zeit anzuerkennen, dass die Menschheit erwachsen werden sollte. Und nicht nach den Prämissen, was macht unser Öl unter arabischen Sand, Gewaltpolitik betreibt.
Ausserdem, wenn Gewalt sein muss, dann soll man es so benennen, nicht von einer Entwicklungshilfe sprechen, bei der man mit Bomben Brunnen bohrt und wenn man dann ein paar Zivilisten den Arsch weggesprengt hat, sagen sorry, wrong time, wrong place, wrong people. Und es ist völlig egal ob das nun von einem Taliban erledigt wird, einem betenden deutschen Offizier oder einem atheistischen Ignoranten. Tot ist tot. Ist der betende deutsche Offizier Kathole hat er Glück, ego te absolvo, bis zum nächsten Mal.
Diese Verlogenheit unserer Spitzenpolitiker lässt  deutsche Soldaten, die sich im Staatsauftrag  am Hindukusch herumtreiben, und dabei mal  ein paar unzivilisierte, muselmanische Barbaren massakrieren,  in Deutschland von den Anwälten  jenes Staates angeklagen. Das ist bigott.
Und die deutsche Demokratie muss eben nicht am Hindukusch verteidigt werden, sondern hier, und die ganze Lügerei macht unsere Demokratie fragwürdig.

Der polnische König hatte noch ein paar toughe Kumpels dabei, deren Einsatz entscheidend war: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Kahlenberg
Und ich denke, der Einsatz von Gewalt am Hindukusch wird sich lohnen. Wir kämpfen ja nicht gegen die Afghanen, sondern gegen eine große Gruppe Fanatiker, die Hilfe von außerhalb hatten. Die Afghanen haben sich heftig gegen die Taliban gewehrt, schon vergessen? Was die Hilfe von außerhalb betrifft, haben die Pakistaner inzwischen begriffen, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn Sie die Taliban wohlwollend gewähren lassen. Da hat ein Politikwechsel stattgefunden, mit sichtbaren Erfolgen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,679763,00.html


Shrike

Nee Sysop, die Taliban sind der bewaffnete Arm der Pakistani gegen Indien. Das ganze Theater ist ja letztlich nur Zustande gekommen, weil ein degenerierter englischer Lord eine Grenzziehung vorgenommen hat, die mal 50% der Paschtunen über Nacht zu Ausländern machte, die Grenze also mitten durch uraltes Familienland gezogen wurde. Die Taliban sind die Kriegertruppe um pakistanische Interessen um Kaschmir zu wahren. Dort tobt in 7000m Höhe ein erbärmlicher Krieg gegen Indien und vice versa.
Das ist auch der Grund, weshalb soviele Medressen in Pakistan sind. Dort werden die Fundamentalisten ausgebildet. Dort geht nichts ohne den pakistanischen Geheimdienst, die CIA ist dick drin und die Warlords telefonieren alle mit ihren schicken Funktelefonen, die von mindestens noch Dutzenden Geheimdiensten überwacht werden. Die Brüder zu lokalisieren ist nicht das Problem und damit auch die mögliche Vernichtung nicht. Da man sie gewähren lässt, heisst dass, sie werden gebraucht. ab und zu wird ein allzu eifriger Mullah in die Luft gesprengt, aber am Problem ändert sich nichts.
Der Gucci-Paschtune Karsai ist durch Wahlfälschung an der Macht geblieben, man braucht ihn, die ach so ehrlichen, demokratisc hen Länder des Westens hätten in jedem anderen Fall, die Muskeln spielen lassen, wenn nicht gar mehr.
Afghanistan, Pakistan und Kaschmir sind eine verzwickte Kiste. Und wenn der Westen nicht begreift, dass sein Modell der Demokratie dort nicht greift, wird es ihn gehen wie den Russen und ich hoffe nicht, dass es so kommt, wie es seiner Zeit den Engländern passiert ist, als sie das Land verlassen haben. Von ihrer militärischen Pracht gab es einen Überlebenden, einen Arzt, der über einen Gebirgspass in die Freiheit gekommen ist.
Ausserdem geht es dort nicht um Demokratie. Es geht um handfeste wirtschaftliche Interessen, es geht um die Eindämmung Chinas und die weitere Annäherung an Russland, es geht um Öl, und es geht um islamische Fundamentalisten, die mit amerikanischen Steuergeldern zu dem gemacht wurden was sie heute sind.

Wazir

Zitat von: WikiSysop am 25. Februar 2010, 20:31:461. Und ich denke, der Einsatz von Gewalt am Hindukusch wird sich lohnen.
2. Wir kämpfen ja nicht gegen die Afghanen, sondern gegen eine große Gruppe Fanatiker, die Hilfe von außerhalb hatten.
3. Die Afghanen haben sich heftig gegen die Taliban gewehrt, schon vergessen?  
1. Sysop, der Meister der seitlichen Arabeske, die am Thema vorbeiführt.
2. Es geht gegen Afghanen. Wenn die einen Hilfe von außen hatten, natürlich böse Hilfe, dann helfen jetzt die deutschen Soldaten den anderen "WIR sind die Guten" mit guter Hilfe.
Die gottlosen Afghanen allein kriegen das nicht gebacken, aber der christliche Oberst Klein mit seinen "toughen", blonden, den schöneren Soldaten.
3. Ja, gern. Mehr Infos, bitte.

Ein Klassiker der Kriegsnotwendigkeits-Argumentation.


Danke, shrike


So war´s wohl
Bomben, Lügen, Rücktritte



Wazir

Zitat von: WikiSysop am 26. Februar 2010, 12:36:19
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680397,00.html
Danke für den OT Hinweis.
Nur zur Erinnerung:
Der Thread heißt:
Christ sein ist praktisch

Das gilt natürlich nicht für alle Pakistanis.
Oder was will Sysop uns sagen?

Wazir

Zitat von: Detritus am 26. Februar 2010, 12:43:56
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680432,00.html
Sag ich doch:
Egal ob Christ Oberst Klein betet oder nicht:

Die machen dort ihren Kram.
Auch in 20 Jahren.
Ich wette ein Schwarzbier auf die blutige NatoNase.

Wazir

Zitat von: Roland K. am 24. Februar 2010, 12:15:25
Es wird in der Debatte stets behauptet, dass "unschuldige Zivilisten" getötet worden sind....  
Hallo Roland!

Hat sich nach Lektüre der Unterlagen etwas getan in Ihrer Einschätzung?

Wazir

Zitat von: Detritus am 25. Februar 2010, 16:40:21Interessant, wie sich manche in genau das verwandeln, was sie zu bekämpfen vorgeben.
Schön gesehen.
Das haben sich die Beobachter des betenden christlichen Oberst Klein sicher auch gesagt.

Wazir

Zitat von: Roland K. am 25. Februar 2010, 12:23:36Ich hatte nach belastbaren Hinweisen oder Quellen gefragt. Bisher konnte mir noch niemand so etwas nennen. 
Hallo, Roland!
Und jetzt?

Wazir

Zitat von: ZEIT...Dixi-Toiletten. Der einzig sichtbare deutsche Erfolg in der Schlacht um Kundus, geführt mit 1300 Soldaten, Mörsern, Schützenpanzern, hoch entwickelten Aufklärungsdrohnen.

Die Deutschen, so trostlos ist in Kundus die Lage, können diesen Kampf nicht gewinnen...
http://www.zeit.de/2010/10/DOS-Kundus?page=1
Sysop!
Wie war das doch gleich mit dem "Taliban erledigen"?