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Legalisierung von Cannabis

Begonnen von Peiresc, 15. Dezember 2021, 21:43:30

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Peiresc

Das war natürlich abzusehen, nach den Vorarbeiten des Gesetzgebers, Cannabis als Panazee auf Rezept zu verticken.


Die Ärzte sind dagegen:
ZitatLegalisierung von Cannabis: Risiken für die Gesundheit
https://www.aerzteblatt.de/archiv/222411/Legalisierung-von-Cannabis-Risiken-fuer-die-Gesundheit
(oder sagen wir mal vorsichtiger: der deep state der Ärzteschaft ist dagegen).

Sie wedeln gleich mal mit dem Leichentuch:
ZitatWeitere gesundheitliche Risiken seien respiratorische Symptome, Hodenkrebs, hirnstrukturelle Veränderungen sowie Auswirkungen auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes bei Konsum in der Schwangerschaft.

Was sagen die Grünen eigentlich zur Null-Toleranz gegenüber Schadstoffen und zur Verminderung von Restrisiken?
8)

Bachblüte

Zitat von: https://www.aerzteblatt.de/archiv/222411/Legalisierung-von-Cannabis-Risiken-fuer-die-GesundheitDen Befürwortern der Legalisierung von Cannabis geht es um die Regulierung des Schwarzmarktes, den Verbraucherschutz durch einen kontrollierten Verkauf, die Entlastung des Justizsystems und der Polizei, die Aufhebung der Stigmatisierung von Konsumenten durch Strafverfolgung, bessere Möglichkeiten der Prävention und um zusätzliche Steuereinnahmen.
:angel:

Nogro

Und hier die schlimmsten Folgen einer Legalisierung:
Don't legalize it! Dealer im Widerstand
https://www.youtube.com/watch?v=NeWn19qvz8E (https://www.youtube.com/watch?v=NeWn19qvz8E)
Es genügt nicht, keine Ahnung zu haben. Man muss auch dagegen sein (Hermann Hinsch)

sailor

Die Dealer können ja auf Impfpässe umsteigen :D

Ich finde es irgendwie schizophren, auf der einen Seite noch weiter zu legalisieren und auf der anderen seite zu regulieren. Damit baut man den "Verfolgungsaufwand" nicht ab, sondern verlagert ihn nur, von der Polizei/Zoll zum Verbraucherschutz/Zoll. Und was die Stigmatisierung von Konsumenten und die Vereinfachung der Prävention angeht: warum heben wir nicht gleich das StGB auf, dann haben wir null Stigmatisierung, reduzieren den Aufwand von Justiz+Vollzug enorm und alle sind häppi.

Sauropode

ZitatDie Dealer können ja auf Impfpässe umsteigen

Sag das nicht zu laut. Der meiner besseren Hälfte wurde kürzlich geklaut.  >:(

Bachblüte

Zitat von: Sauropode am 16. Dezember 2021, 10:49:41
ZitatDie Dealer können ja auf Impfpässe umsteigen

Sag das nicht zu laut. Der meiner besseren Hälfte wurde kürzlich geklaut.  >:(

Woher wusste der Dealer, dass der Impfpass der besseren Hälfte kein gefälschter Impfpass ist?? 

Sauropode

Keine Ahnung. Da sind auch alle anderen Impfungen seit Jahren drin, von Grippe, Tetanus usw. bis hin zu den ganzen Reiseimpfungen wie Gelbfieber. Das lässt den echt aussehen, nehme ich an. Das ist richtig Scheiße, denn die ganzen Nachweise kann man unmöglich wiederbeschaffen.

Max P

Zitat von: Peiresc am 15. Dezember 2021, 21:43:30Sie wedeln gleich mal mit dem Leichentuch:
ZitatWeitere gesundheitliche Risiken seien respiratorische Symptome, Hodenkrebs, hirnstrukturelle Veränderungen sowie Auswirkungen auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes bei Konsum in der Schwangerschaft.
Das ist ja fast so schlimm wie früher Masturbieren.

Peiresc

Zitat von: Max P am 19. Dezember 2021, 21:47:29
Zitat von: Peiresc am 15. Dezember 2021, 21:43:30Sie wedeln gleich mal mit dem Leichentuch:
ZitatWeitere gesundheitliche Risiken seien respiratorische Symptome, Hodenkrebs, hirnstrukturelle Veränderungen sowie Auswirkungen auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes bei Konsum in der Schwangerschaft.
Das ist ja fast so schlimm wie früher Masturbieren.

Ich finde, Dein Avatar passt perfekt zu diesem Post.  8)

Bachblüte

Ich finde die gespaltene Haltung einfach interessant. In vielen Staaten wie den USA oder auch bei uns will man, bzw. hat man Cannabis schon legalisiert, um Steuern einnehmen zu können.

Andererseits gibt es Staaten wie beispielsweise Singapur oder China, in denen bereits der Besitz von gar nicht mal so großen Mengen mit der Todesstrafe geahndet wird.

sailor

Es ist im Grunde eine Moralgesetzgebung... wie schon bei den Luxusgesetzen in der Römischen Republik geht es um moralische Kontrolle der Bevölkerung, bzw. die Befriedigung moralischen Volksempfindens. Es geht um singuläre Themen, nicht um Bevölkerungsschutz (dann müsste man nämlich sehr vieles, was Spass macht verbieten...), wobei die deklaratorische Funktion ("Hört, hört, das Entflammen von Haschischzigaretten sey verboten, dergleich die Unzucht mit dem Schweyne!") über der eigentlichen Verfolgung steht (ausser in Bayern). Damit wird Cannabis zu einem Symbol in einem tieferen Kulturkampf, wobei die eigentliche Bedeutung überzeichnet wird. Es geht dabei darum, wer festlegt, was erlaubt ist und vor allem, mit welcher Begründung es verboten werden könnte. Ist im Grunde das Gleiche mit den Tempolimitideen für Autobahnen....

celsus

Zitat von: sailor am 20. Dezember 2021, 13:25:46Ist im Grunde das Gleiche mit den Tempolimitideen für Autobahnen....

Nein, ist es nicht. Weißt du auch.
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

sailor

Wieso ist es nicht der gleiche "Kulturkampf" über Deutungshoheit? Inhaltlich geht es um völlig willkürliche Regelungen, um Linien, die man mal festgelegt hat, um Regelungen zu haben. Aus diesen Linien sind mittlerweile Grenzlinien geworden, um die sich mit größter Verbitterung gestritten wird. Der Sinn hinter den Regelungen interessiert keinen mehr. Für mich sind beide Regelungsgebiete in ihren Begründungen beliebig geworden, sowohl bei pro wie bei contra.

Peiresc

Zitat von: Max P am 19. Dezember 2021, 21:47:29
Das ist ja fast so schlimm wie früher Masturbieren.

Bei der Gelegenheit: Das mit dem Hodenkrebs wusste ich bisher nicht, und ins allgemeine Bewusstsein ist es sicherlich bisher nicht eingedrungen. Werfen wir mal die Datenorgel an.
Zitathttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34246312/
Results: 1975-2017 TCR rose 41% in African-Americans and 78.1% in Caucasian-Americans; 2003-2017 TCR rose 36.1% in Hispanic-Americans and 102.9% in Asian-Pacific-Islander-Americans.

Conclusion: Cannabis is shown to be a TC risk factor for all ethnicities including Caucasian-American and African-American ancestries, albeit at different rates. For both ancestries cannabis legalization elevated TCR. Dose-response and causal relationships are demonstrated.

Aber wie groß ist das Problem nun wirklich? Eine Steigerung von 1/100.000 auf 2/100.000 wäre auch eine Steigerung um 100%.
ZitatTesticular Cancer (TC) is the commonest cancer in men aged 15–44 years [...] Data from the US SEER*Explorer website reveals that the all-age all-stages age-adjusted TCR in American males rose 83.45% from 3.4415 to 6.3136 / 100,000 in the years 1976–2017 [3]
Eine Steigerung von 3 auf 6/100.000. Das sind aber die globalen Zahlen (über alle Altersgruppen, alle Stadien, alle Ethnizitäten), und interessant wird es erst, wenn man ins Detail geht (ich lasse das hier weg).

25% der Varianz werden durch genetische Unterschiede erklärt – aber die ändern sich nicht innerhalb von einer Generation, und das bedeutet, 75% sind umweltbedingt.
Zitatcannabis use has been linked with TCR in all four studies to examine the association [17–20], and as several reviews of TC epidemiology have noted its likely significance [1, 9, 13, 14, 22],

Wie gut sind die Zahlen?
ZitatThe main limitation of the present work is the absence from this dataset of individual exposure data which is a limitation commonly shared with most epidemiological studies. Also spatiotemporal data on known risk factors such as cryptorchidism, inguinal herniae, industrial pollution and sedentary lifestyles was not available to the present investigators.
So gut, wie sie sein können. Epidemiologie ist immer schwierig.

Es bleibt zu fragen, ob die Epidemiologen die konfundierende Variable Masturbation rausgerechnet haben. Vielleicht ist sie aber auch protektiv ...
8)

Ich sag's mal vorsichtig: die Glyphosatbesorgten würden bei dieser Datenlage zum Generalstreik aufrufen und sich an die Gleise ketten.

Peiresc

Und zu Krebs allgemein noch:
Zitathttps://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6902836/
Low-strength evidence suggests that smoking marijuana is associated with developing TGCT [testicular germ cell tumor]; its association with other cancers and the consequences of higher levels of use are unclear.

[...] ever use of marijuana was not associated with head and neck squamous cell carcinoma or oral cancer. In pooled analysis of 3 case-control studies, more than 10 years of marijuana use (joint-years not reported) was associated with TGCT (OR, 1.36; 95% CI, 1.03-1.81; P = .03; I2 = 0%) and nonseminoma TGCT (OR, 1.85; 95% CI, 1.10-3.11; P = .04; I2 = 0%). Evaluations of ever use generally found no association with cancers
10 Jahre kann man kiffen.

Nebenbei interessiert, wie das mit dem Lungenkrebs ist (immerhin sollten ja auch im Haschisch-Rauch kanzerogene Verbrennungsprodukte drin sein):
Zitatwe concluded that evidence of the association between marijuana use and incident lung cancer was insufficient