Postings reflect the private opinion of posters and are not official positions of Psiram
Foreneinträge sind private Meinungen der Forenmitglieder und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung von Psiram

Autor Thema: Warum ist Amerika, wie es ist?  (Gelesen 7332 mal)

Peiresc

  • Forum Member
  • Beiträge: 6962
Warum ist Amerika, wie es ist?
« am: 01. Juli 2017, 14:41:15 »
Vielleicht ist es trotzdem interessant, das getrennt zu diskutieren - wo kommt diese Radikalität bzw. diese Gespaltenheit her? Wo ist der Unterschied zu Europa? Ist es schlicht die Geographie, die Größe und stellenweise Einsamkeit des Landes?

Edit: Ich meine sowas:

https://goo.gl/maps/ipirsAYvYCm

Gute Frage. Wie gesagt, vermutlich muss man mit Toqueville anfangen.

Ich lege mal vor. Amerika ist ein Einwanderungsland. Wer dort hinkam, war in seiner Heimat verfolgt oder hat keine Perspektiven gesehen. Und es waren nicht die Betäubten, Mutlosen, sondern die Aktiven, Tatkräftigen. Sie mussten in der Lage sein, alle alten Bindungen aufzugeben. Sie kamen in ein Land, dass sie mit eigenen Händen aufbauen mussten. Usw.

Daraus resultieren Großartigkeit wie Schwäche.

Groucho

  • Forum Member
  • Beiträge: 7532
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #1 am: 01. Juli 2017, 14:59:59 »
Diese Seite hat mir beim Verstehen wollen viel geholfen, leider jetzt dicht. Aber als Einstieg taugt das immer noch:

https://usaerklaert.wordpress.com/
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

Belbo

  • Gast
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #2 am: 01. Juli 2017, 17:12:55 »
Vor länger Zeit, habe ich mal ein Buch von Neil Postman darüber gelesen, Wir amüsieren uns zu Tode, da beschreibt er ganz anschaulich, wie auch die Unterhaltungsindustrie zur breiten Verblödung beiträgt, Chandler hat ähnliches bemerkt als er in den Frühzeiten des Fernsehens mitgewirkt hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Neil_Postman

Peiresc

  • Forum Member
  • Beiträge: 6962
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #3 am: 01. Juli 2017, 21:48:32 »
Ein wichtiger Punkt, zusammenhängend mit der Aktivität, scheint mir die Verachtung all jener, die keine "Macher" sind, Stichwort: Antiintellektualismus.
Zitat
The writer Isaac Asimov, said that “There is a cult of ignorance in the United States, and there has always been. The strain of anti-intellectualism has been a constant thread winding its way through our political and cultural life, nurtured by the false notion that democracy means that ‘my ignorance is just as good as your knowledge.’ ”[48]

http://www.politico.com/magazine/story/2017/06/24/intellectual-conservatives-lost-republican-trump-215259

Und wahrscheinlich muss man auch Ayn Rand, Atlas Shrugged, lesen. Ich kann mich nicht überwinden. Ryan soll da Fan von sein.

Lt.Havoc

  • Forum Member
  • Beiträge: 342
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #4 am: 01. Juli 2017, 23:38:39 »
Hier ist ein review von "Atlast Shrugged in 11:25:
https://www.youtube.com/watch?v=Z48y6Cmrjj4
Leider in englisch aber spot on.

eLender

  • Forum Member
  • Beiträge: 3968
  • streng ideologischer Realitätsverweigerer
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #5 am: 02. Juli 2017, 01:41:13 »
Wie ein Geographie-Professor mal bemerkte: ohne Kenntnis des Begriffs "Frontier" (und dessen weitere Bedeutung) könne man das Wesen der Amerikaner nicht verstehen. Vll. hatte er nicht ganz unrecht. Hu nos?

Zitat
Der Begriff der Frontier, in Deutsch nur ungenügend, etwa als Grenzgebiet  übersetzbar, spielt nicht nur eine wichtige Rolle in der geschichtlichen Entwicklung der amerikanischen Nation, sondern vor allem auch für das amerikanische Selbstverständnis. Als Ausdruck für das, was scheinbar in unerreichbarer Ferne liegt und was dann doch gemeistert werden kann, ist der Frontier-Begriff bis heute ein vielgenutztes sprachliches Bild, das zum Beispiel im europäischen Zusammenhang mit den östlichen Außengrenzen der EU benutzt wird. Das Wort selbst stammt ursprünglich aus dem Französischen.
http://www.americanet.de/frontier.html
Wollte ich nur mal gesagt haben!

ErpelderNacht

  • Gast
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #6 am: 02. Juli 2017, 16:09:58 »
Ich glaub, das passt besser hier hin:

Und im im Gegensatz zu Morning Joe ist diese Administration nun wirklich low-rated.  :teufel


Sicher?

Wie schlimm war die Regierungszeit des US-Präsidenten Obama und wie abstoßend wirkte Trumps DNC-Gegenkandidatin Hillary Clinton auf die Wähler, um Trump zum gewählten US-Präsidenten zu machen?

Wie low-rated sind die?

Trumps Wahlslogan war "Make America Great Again".
Mach Amerika wieder großartig.

So einen Wahlspruch bringst Du nicht, wenn das Land großartig ist.
Das heißt, seine Wähler waren nicht der Meinung, dass es Amerika gut ginge oder auf dem richtigen Weg wäre.

Peiresc

  • Forum Member
  • Beiträge: 6962
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #7 am: 02. Juli 2017, 16:55:37 »
Und im im Gegensatz zu Morning Joe ist diese Administration nun wirklich low-rated.  :teufel
Sicher?
Die Frage irritiert etwas; auch hier ist die Antwort ca. 2 sec entfernt.
https://www.realclearpolitics.com/epolls/other/president_trump_job_approval-6179.html
und http://fortune.com/2017/06/30/trump-morning-joe-ratings/.

Wie schlimm war die Regierungszeit des US-Präsidenten Obama und wie abstoßend wirkte Trumps DNC-Gegenkandidatin Hillary Clinton auf die Wähler, um Trump zum gewählten US-Präsidenten zu machen?

Wie low-rated sind die?
Dass Obama gehasst wurde, ein Schwarzer, der auch noch cool rüber kam, und der nicht ein einziges Mal einen Skandal produziert hat, über den man hätte frohlocken können, ist ja nun wirklich unschwer zu begreifen. Vgl. #3.

Bei Clinton ist es mir nicht ganz klar, hier mal ein Ansatz.
http://www.politico.com/magazine/story/2017/06/03/why-do-they-hate-her-215220

Trumps Wahlslogan war "Make America Great Again".
Mach Amerika wieder großartig.

So einen Wahlspruch bringst Du nicht, wenn das Land großartig ist.
Das heißt, seine Wähler waren nicht der Meinung, dass es Amerika gut ginge oder auf dem richtigen Weg wäre.
Das sind nostalgische Leerformeln, die an die Gute alte Zeit appellieren, die es nie gegeben hat. Uralter Trick; hat Reagan auch so gemacht. Er war in der Folgezeit vergleichsweise erfolgreich, weil er sich von den abstrusesten Wahlkampfparolen zunehmend realpolitisch verabschiedet hatte.
 
Warum das gute Chancen hat zu funktionieren? Zu dieser Frage fand ich den in #784 zitierten Text sehr bedenkenswert. Falls Du ernsthaft interessiert bist, solltest Du ihn komplett lesen. Im Übrigen hat Trump die Gegenwart schlecht geredet, je unverschämter desto besser; ich erinnere nur an die "42% Arbeitslosen". Ich zweifle allerdings daran, dass er da einer bewussten Strategie gefolgt ist.

Lt.Havoc

  • Forum Member
  • Beiträge: 342
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #8 am: 02. Juli 2017, 18:08:43 »
Habe ich in dem anderen thread glaube ich auch schon mal erwähnt, dass es gerade bei Republikanischen/Konservativen Wählern laut Umfragen alles eher negativ angesehen habe, so 71 % der befragten sagten aus, das alles schlechter geworden ist. Das war aber nur eine Eindruck, denn man darf nicht vergessen, das viele dieser befragten Probleme mit dem modernismus haben, für viele dieser luete ist Homoehe, Transexualität, Umweltschutz und Bürgerrechte ein Graus. Für viele geht das alles zu weit und die sahen Obama als ein muslimischen Kommunisten der die USA vernichten wollte. Für solche leute waren die Trump Parolen und seine Lügen genau das, was sie hören wollten, endlich einer, der mal sagt wie es sich anfühlt, ob da Fakten hinter stehen, interessiert nicht, ansonsten werden einfach welche erfunden.

Was Hillary Clinton angeht, sie hat den popular Vote gewonnen sogar mit 3 Millionen stimmen mehr als gerechnet, aber das zählt nicht, sonder die Wahlmänner. Das ganze electoral College ist ein Überbleibsel der zeit, als im Süden noch Sklaven gehalten wurden, die ja nicht wählen durften und daher die Weißen unterrepräsentiert waren, das gibt was aber schon lange nicht mehr und es gibt genug Gründe, das Electoral College abzuschaffen da die Demographie nicht stimmt. In dem US Wahl System kannst du mehr stimmen bekommen aber wenn du nicht den Destrict hast, Gewinnt automatisch der andere. Sowas finde ich blödsinning. Da habe wir es in Deutschland schon besser.

Das andere Problem war, die negative Bericht Erstattung, die dazu geführt hat, das nahezu die Hälfte der Amerikaner erst gar nicht zur Wahl gegangen sind. Die medien haben sich echt lange mit den Hillary E-Mails aufgehalten, aber bei Trump immer sofort auf die neuen Themen eingegangen ohen mal nachzuhakcen, anicht zu vergessen das sie die Schadenfreude über Trump aus ernst gemeintes Interesse interpretiert haben so das Trump plötzlich immer und überall präsent war und darduch die luete viel mehr gesehen haben.

Mann wusste plötzlich alles über Trump und was der so machen will, weder Bernie noch Hillary hat die gleich menge zeit bekommen und bie den beiden ist die Presse ja noch nicht mal groß auf das Programm eingegangen. Bei Bernie war es das er ein verkappter Sozi opa ist, weil Hillary einen eigenen e-mail server hatte, das Illegal wäre, obwhol das FBI sie von der schuld entlastet hat und das wars. 

Dazu kamen dann noch die ganzen Verschwörungstheorien die sich auf Facebook und co. über Hillary verbreitet haben und sich bis heute halten, sage da nur "Pizza Gate". Das alles führte dazu, das die whäler einfach zuhause geblieben sind, keiner wollte die Verantwortung dafür, das solche negativen Personen ins Amt kommen und nun ist Trump Präsident und laut Umfragen mögen ihn die Mehrheit der Amis nicht, außer natürlich seiner fantastisch Anhänger die ihn verteidigen.

Und nun freuen sich die Neu Rechten neo nazi Spacken die man schön harmlos "alt-right" nennt ein loch im bauch und gehen loss und prügeln auf studenten ein die linksgerichtet sein könnten und propagieren nun das mann den Holocaust 2.0 für alle Leute veranstalten sollte die gegen Trump sind und fordern auf, eine SA und SS aufzustellen um endlich mal diesen ganzen links-grün-versifften pack zu zeigen wo der hammer hängt. Aber bloß keine nazis schlagen, das geht nicht, bloss nicht verteidigen, könnte ja sein, das die dann dich umbringen.

ErpelderNacht

  • Gast
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #9 am: 03. Juli 2017, 22:11:06 »
Und im im Gegensatz zu Morning Joe ist diese Administration nun wirklich low-rated.  :teufel
Sicher?
Die Frage irritiert etwas; auch hier ist die Antwort ca. 2 sec entfernt.
https://www.realclearpolitics.com/epolls/other/president_trump_job_approval-6179.html
und http://fortune.com/2017/06/30/trump-morning-joe-ratings/.

Umfragen sagten 2016 sicher voraus, dass Clinton gewinnen würde.

Wie schlimm war die Regierungszeit des US-Präsidenten Obama und wie abstoßend wirkte Trumps DNC-Gegenkandidatin Hillary Clinton auf die Wähler, um Trump zum gewählten US-Präsidenten zu machen?

Wie low-rated sind die?
Dass Obama gehasst wurde, ein Schwarzer, der auch noch cool rüber kam, und der nicht ein einziges Mal einen Skandal produziert hat, über den man hätte frohlocken können, ist ja nun wirklich unschwer zu begreifen. Vgl. #3.

Bei Clinton ist es mir nicht ganz klar, hier mal ein Ansatz.
http://www.politico.com/magazine/story/2017/06/03/why-do-they-hate-her-215220
 

Obama hatte die Wahl 2008 mit den Stimmen der Weißen gewonnen und sie wählten ihn 2012 nochmal.
Und plötzlich sind das alles Rassisten, die ihn nicht mögen, weil er schwarz ist?

Bezüglich Clinton:
1.)
Sie sucht bei allen anderen die Schuld für die verlorene Wahl, außer bei sich selber: Die Russen waren es, Comey war es, dann nochmal die Russen, böse Hacker, Wikileaks, dann das Patriarchat, das keine Frau als Präsidentin erlaubt oder das Essen, das ihr quer im Magen hing, nur sie selber ist die Unschuld im Walde. Dabei hatte sie die Unterstützung fast aller Medien in den USA außer Breitbart und Fox News.

2.)
Sie hätte spätestens nach den DNC-Leaks Ende Juli 2016, bei denen herauskam, dass die DNC-Führungsebene die Vorwahlen zuungunsten von Bernie Sanders manipulierte, nicht Kandidatin werden dürfen.
Clinton hatte sich die Kandidatur ermogelt.
http://www.tagesspiegel.de/politik/vor-dem-parteitag-der-demokraten-wikileaks-stellt-hillary-clinton-bloss/13919744.html

Trumps Wahlslogan war "Make America Great Again".
Mach Amerika wieder großartig.

So einen Wahlspruch bringst Du nicht, wenn das Land großartig ist.
Das heißt, seine Wähler waren nicht der Meinung, dass es Amerika gut ginge oder auf dem richtigen Weg wäre.
Das sind nostalgische Leerformeln, die an die Gute alte Zeit appellieren, die es nie gegeben hat. Uralter Trick; hat Reagan auch so gemacht. Er war in der Folgezeit vergleichsweise erfolgreich, weil er sich von den abstrusesten Wahlkampfparolen zunehmend realpolitisch verabschiedet hatte.
 
Warum das gute Chancen hat zu funktionieren? Zu dieser Frage fand ich den in #784 zitierten Text sehr bedenkenswert. Falls Du ernsthaft interessiert bist, solltest Du ihn komplett lesen. Im Übrigen hat Trump die Gegenwart schlecht geredet, je unverschämter desto besser; ich erinnere nur an die "42% Arbeitslosen". Ich zweifle allerdings daran, dass er da einer bewussten Strategie gefolgt ist.

Den Vergleich Trump-Chavez aus deinem Link finde ich unpassend. Chavez war ein Sozialist, der das Glück hatte, auf einem riesigen Pott voll Erdöl zu sitzen, als der Preis noch hoch war, das Geld mit vollen Händen rausschmiss und sich so die Zustimmung seines Volkes erkaufte, ohne für die Zukunft des Landes zu sorgen und die Wirtschaft auf eine breitere Basis zu stellen.

Seit der Ölpreis gen Süden segelt ist das Land erstens in einer schweren Krise und noch immer von Sozialisten regiert. Und diese hatten nichts besseres zu tun, ,als in der Krise Unternehmen zu enteignen, so dass sich keiner mehr traut, sein Geld in das Land zu investieren, und jetzt können sich noch nicht mal mehr Klopapier produzieren oder im Ausland einkaufen - geschweige denn Nahrungsmittel. Venezuela ist im Zusammenbruch.

Und Trump?
Wir werden sehen. Bisher sieht es im großen und ganzen so aus:
- die Russland-Verschwörungstheorie ist gestorben
- ISIS kollabiert
- Der Travelban ist durch
- die Zahl der illegalen Grenzübertritte aus Mexiko hat sich gedrittelt, dabei steht der Grenzwall noch gar nicht:
https://www.cbp.gov/newsroom/stats/sw-border-migration

und am wichtigsten:
- die US-Wirtschaft läuft gut

Lt.Havoc

  • Forum Member
  • Beiträge: 342
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #10 am: 03. Juli 2017, 23:16:11 »
Muss man aber dennoch nicht gut finden das er Präsident ist, ob nun legitim gewählt oder nicht und ihm diese sachen wie gute Wirtschaft und IS Kollapse auf die liste der Dinge zu setzen, für die Trump verantwortlich ist, ist einfach lächerlich. Bis auf den Travel Ban hat er auch noch gar nichts erreicht. Und die Russen Sache ist auch noch lange nicht tot, aber für dich scheint es wohl ein Ding der Unmöglichkeit, das Russland, das dokumentierter weise hinter hacker angriffen überall auf der Welt Steckt, Fake News und Propaganda verbreitet und erwiesener maßen Rechtsgerichtet Gruppen und Parteien sponsert so etwas auch in den USA macht, wenn so etwas schon früher vorgekommen ist.

Peiresc

  • Forum Member
  • Beiträge: 6962
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #11 am: 03. Juli 2017, 23:49:09 »
Umfragen sagten 2016 sicher voraus, dass Clinton gewinnen würde.
:gaehn: Die Frage war die nach den aktuellen Ratings der Administration (down), im Verhältnis zu denen von Morning Joe (up).

Niemand hat bestritten, dass Trump einen Bodensatz von 40% hat, den er mit keinerlei Art von Fehlverhalten durchschlagen kann. Zumindest ich nicht, vgl. #20. Aber hier geht es um Trends, die sich dann vergleichen lassen, wenn sich ihre Methodik zwischenzeitlich nicht ändert. Und zu den Meinungsumfragen vgl. noch #837 und #1049 (letzteres ist offenbar Deiner messerscharfen Analyse entgangen, obwohl es eine direkte Antwort auf Dich gewesen ist).

Warum fährt eigentlich His Trumpiness so auf Ratings ab? (Zumindest, solange er oben ist; das, und nur das, ist das sichere Zeichen dafür, das sie nicht gefaked sind).

Sie sucht bei allen anderen die Schuld für die verlorene Wahl, außer bei sich selber [...]
Na und? Wofür ist gleich nochmal wichtig? Sie steht sicherlich nicht mehr zu Wahl. Es gibt nur eine denkbare Konstellation, in der das Relevanz haben könnte: wenn sie mit ihrer Analyse falsch liegt und die Demokraten sich damit beruhigen würden. Ich habe das nicht so verfolgt, aber ich glaube dennoch nicht, dass es sich die Dems so einfach machen.
Sie hätte spätestens nach den DNC-Leaks Ende Juli 2016, bei denen herauskam, dass die DNC-Führungsebene die Vorwahlen zuungunsten von Bernie Sanders manipulierte, nicht Kandidatin werden dürfen.
Absurd. Ein schönes Beispiel dafür, wie Du mit zweierlei Maß misst: wenn es um einen trumpoiden Kandidaten gegangen wäre, dann wäre Dir das im Traum nicht eingefallen. Du hättest gesagt: „Die Leute wussten das und wollen das …“, „Aber Bernie ist doch ein Kommunist …“ oder was auch immer.

Den Vergleich Trump-Chavez aus deinem Link finde ich unpassend. Chavez war ein Sozialist […]
Du hast den Punkt verfehlt. Es geht darum, dass – und vor allem warum –  die Leute zu ihm gehalten haben, obwohl er so offensichtlich katastrophale Folgen hatte.

- die Russland-Verschwörungstheorie ist gestorben
Deine Formulierung lässt auf ein gewisses Vorverständnis schließen, das von den Fakten nur schlecht abgedeckt ist. Sagen wir, es ist den Republikanern temporär gelungen, sie zu betäuben. Niemand weiß, wie es weitergeht. Und ich habe noch nichts Offizielles davon vernommen, dass Mueller entlassen ist.
Zitat
- ISIS kollabiert
Keine Ahnung; vor allem habe ich keine Ahnung, wie groß der Anteil Trumps daran ist.
Zitat
- Der Travelban ist durch
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten wird sich durch ihn verschlechtern, weil er die Vor-Ort-Aufklärung in den Herkunftsstaaten behindert. In rein praktischer Hinsicht ist er ansonsten bedeutungslos, ein extremes vetting gab und gibt es auch ohne (vgl. #783).
Zitat
- die Zahl der illegalen Grenzübertritte aus Mexiko hat sich gedrittelt, dabei steht der Grenzwall noch gar nicht:
Sicheres Zeichen dafür, dass er unsinnig ist. Soweit ich weiß, ist Texas, das republikanische Texas, ein Gegner der Mauer. Klar, dass ein Regime der Angst in den sanctuary cities den Abstand des Elends zwischen den mittelamerikanischen Heimatländern der Illegalen und dem, was sie sich in in den USA ausrechnen, verringert.

Zitat
und am wichtigsten:
- die US-Wirtschaft läuft gut
Das ist ein wichtiger Punkt, zweifellos. Der Boom hat unter Obama begonnen. Es besteht die berechtigte Aussicht darauf, dass er unter Trump zur Blase wird – wenn er seine Bankenderegulation durchbringt.

ErpelderNacht

  • Gast
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #12 am: 05. Juli 2017, 22:20:20 »
Warum ist Amerika, wie es ist?

Einer These, die mir grad so in den Sinn kommt:

Die Boston Tea-Party war ein Akt des  Widerstands von Amerikanern gegen die Zahlung von Steuern an die britische Regierung, unter deren Hoheit sie damals standen.
Die USA haben als ein Gründungsmythos den Kampf gegen Steuern, gegen den Staat.
Das liegt denen quasi in den Genen.

Peiresc

  • Forum Member
  • Beiträge: 6962
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #13 am: 23. August 2017, 16:56:34 »
Elisabeth Wehling (WP) sagt:
Zitat
[...] Donald Trump. Ihm ist es gelungen zu transportieren, dass Amerika im Kampf mit dem Rest der Welt steht und Eigeninteressen vertreten muss - nationale und individuelle. Das heißt dann zum Beispiel: keine Steuern für Superreiche. Damit vertritt Trump einen zentralen Wert konservativer Positionen. Alle Amerikaner, die an den Wert des Eigeninteresses glauben, hat er mit dieser Kampagne abgeholt. Ein großer Teil der Amerikaner glaubt an eine sozialdarwinistische Gesellschaft. Reichtum wird dann zum Symbol moralischer Autorität. Wer mehr Geld im freien Wettbewerb erwirtschaftet, ist danach moralisch besser. Diese Deutung greift auch bei Menschen, die arm sind. Trumps Botschaft war: Ich bin reich, ich bin besser.
(in einer Tageszeitung; ich finde das online nicht wieder). Das passt zum Beispiel zu Ayn Rand. Und so gesehen fallen Leute wie Mercer oder Thiel gar nicht so aus der Zeit. Gerade eben hat Louise Linton, die Frau von Steven Mnuchin, in Reaktion auf eine Kritik erwidert:
Zitat
“Have you given more to the economy than me and my husband? Either as an individual earner in taxes OR in self sacrifice to your country? I’m pretty sure we paid more taxes toward our day ‘trip’ than you did. Pretty sure the amount we sacrifice per year is a lot more than you’d be willing to sacrifice if the choice was yours.”

Elisabeth Wehling war mir schon früher durch Klugheit aufgefallen, z. B. hier:
Zitat
Interview vom 4. Oktober 2016

Auf den ersten Blick könnte man denken: Ach, der redet für Dumme, wahrscheinlich ist er selbst ein bisschen dumm. Ist er aber nicht.
ZEIT CAMPUS: Lassen Sie mich raten – alles Strategie?
Wehling: Ganz genau. Donald Trump benutzt fast nur Wörter der "basic level cognition". Das sind solche, die wir als Kind als Erste lernen. Zum Beispiel sagt er nicht: Wir werden die Migration aus Mexiko eindämmen, sondern: Wir bauen eine Mauer. Da haben wir sofort ein Bild vor Augen.
Eine Fülle überzeugend interpretierter Details. Übrigens, zu Clinton hat sie:
Zitat
Schlimmer als Hillary kann man es nicht machen. Zum Beispiel wenn sie sagt: Ich bin Politik-Expertin. Ich werde das regeln. Sie sprach im Wahlkampf lange Zeit nur von sich – und vernachlässigte damit einen Kernwert der Progressiven: das Miteinander. Natürlich kennt auch die progressive Moral Autoritäten, aber die müssen Rechenschaft ablegen. Statt: Ich verändere Amerika, sollte sie lieber "wir" sagen.
[...]
ZEIT CAMPUS: Wenn man nur die Rhetorik betrachtet, wer wird die Wahl gewinnen?
Wehling: Trump. Und völlig egal, wer siegt, Trump schafft mit seiner Kampagne in den Köpfen der US-Bürger Raum für extreme Interpretationen amerikanischer Politik. Clinton hat in keiner vergleichbaren Weise für progressive Werte werben können. Was politisches Framing angeht, hat sie auf ganzer Linie versagt.
http://www.zeit.de/campus/2016/06/sprache-politiker-hillary-clinton-linguistik-elisabeth-wehling
Wie gesagt, das war im Oktober.

ErpelderNacht

  • Gast
Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #14 am: 27. August 2017, 18:59:52 »

Der Versuch einer Antwort. Ich glaub, das passt eher in diesen Faden.



Solche Bilder regen zum Nachdenken an. Nicht nur mich. Wie können sich Farbige von ihm angezogen fühlen?
Clinton konnte nicht überzeugen.

Zitat
https://www.nytimes.com/interactive/2016/11/08/us/elections/exit-poll-analysis.html

Clinton’s support from minorities fell short.

African-Americans, Hispanics and Asian-Americans overwhelmingly backed Mrs. Clinton, but their level of support for her was less than their support of President Obama four years ago. At the same time, Mr. Trump’s support among whites was slightly more or equal to recent Republican nominees.

 Wenn ich die Graphik in dem NYT-Artikel richtig deute, dann verdoppelte sich die Unterstützung Trumps von ca. 10 Prozent Schwarze auf ca. 20 Prozent.

Warum war das so? 

Zitat
Trump an die Black Community: What do you have to lose? ?

“What do you have to lose by trying something new, like Trump?” he asked them. “You’re living in your poverty, your schools are no good, you have no jobs, 58% of your youth is unemployed, what the hell do you have to lose?”

Das ist ein Punkt.

Den Schwarzen geht es schlecht, und die US-Demokraten hatten in acht Jahren es nicht geschafft, dies zu ändern. Vielleicht hat es sie auch nicht gekümmert, die wählten eh immer demokratisch, egal was die US-Demokraten anstellten.

Und die Antworten Trumps überzeugten einen substantiellen Teil der Schwarzen; immer noch klein, aber falls es ihnen in drei Jahren besser geht, dann wird aus den 20 Prozent Zustimmung 30 Prozent; dann bricht den Demokraten ein sicher geglaubter Wählerblock weg.

Ein weiterer Punkt, der mir damals auffiel, war Clintons Wahlspruch: I'm with her
Das war die Einforderung von Solidarität mit ihr.
Das signalisierte Schwäche.
Nicht sehr ansprechend.

Trump konterte mit I’m with you.
"Ich bin mir dir."
"Ich kümmere mich um dich.".

Das wärmt das Herz. Das war ansprechend, ein sehr starker Konter Trumps. Hillarys Antwort fiel entsprechend schwach aus; ganz im Stile ihrer "Basket of deplorables" Rede:

Zitat
I know there are only 60 days left to make our case — and don't get complacent, don't see the latest outrageous, offensive, inappropriate comment and think well he's done this time. We are living in a volatile political environment. You know, to just be grossly generalistic, you could put half of Trump's supporters into what I call the basket of deplorables. Right? (Laughter/applause)

The racist, sexist, homophobic, xenophobic, Islamophobic — you name it. And unfortunately, there are people like that. And he has lifted them up. He has given voice to their websites that used to only have 11,000 people — now have 11 million. He tweets and retweets their offensive hateful mean-spirited rhetoric. Now, some of those folks — they are irredeemable, but thankfully they are not America. But the other basket — and I know this because I see friends from all over America here — I see friends from Florida and Georgia and South Carolina and Texas — as well as, you know, New York and California — but that other basket of people are people who feel that the government has let them down, the economy has let them down, nobody cares about them, nobody worries about what happens to their lives and their futures, and they're just desperate for change. It doesn't really even matter where it comes from. They don't buy everything he says, but he seems to hold out some hope that their lives will be different. They won't wake up and see their jobs disappear, lose a kid to heroin, feel like they're in a dead-end. Those are people we have to understand and empathize with as well.

Linke argumentieren gerne aus einer Position der moralischen Überlegenheit heraus; wer will schon böse sein. Aber jeden, der sie nicht wählen wollte, implizit als Rassisten, Sexisten, homophob, xenophob und islamophob zu beschimpfen, als schlechten Menschen zu brandmarken, das war die perfekte Mischung aus Dummheit und Arroganz.