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Amerika du hast es besser

Begonnen von Peiresc, 13. November 2016, 20:28:34

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sailor

Hmm, das Interessante in meinen Augen ist, dass sich durch das scheinbare Übergewicht der Trumpansen in der GOP deren absolute Basis reduzieren wird... auch ohne Corona. Gleichzeitig ist das wichtigste Merkmal, um als Trumpanse auf einen "Posten" zu kommen, der cringe und nicht die Leistung. Beides sind Dinge, die sich auch in den USA gegenseitig zu einer Abwärtsspirale verdichten. In JEDEM politischen Gremium kommt es auf eine minimale Leistungsgrundlage an, sei es als "Regierung" oder "Opposition". Die Menschen erwarten, dass diese Gremien etwas regeln... und wenn sie es nicht tun, dann ändern Menschen ihre Wahlpräferenz. Siehe AfD, die wird langsam sterben, weil sie eigentlich nix erreicht im eigenen Sinne. Einen Prozentsatz X der Totalopposition gibts immer, aber der ist am Ende gesellschaftlich nicht entscheidend.

PeterPan

Marjorie Taylor Greene liefert direkt eine Komödie. Da kann ich auch nur beipflichten. Wer will neben solchen Menschen Politik betreiben?

Marjorie Taylor Greene Just Brought a Giant Scooby-Doo Meme to Congress
https://www.vice.com/en/article/88nyxk/marjorie-taylor-greene-scooby-doo-meme-congress

sailor

Die Verwendung von memes beweist: Sie betreiben keine Politik, sie trollen nur.

HAL9000

Zitat von: PeterPancake am 23. September 2021, 15:49:10
Marjorie Taylor Greene liefert direkt eine Komödie. ...
Ich weiß nicht, ob ich das als Komödie bezeichnen soll. Eine Komödie soll ja (irgendwie) lustig sein.
Diese Frau ist vollkommen durchgeknallt. Lachen kann ich da beim besten Willen nicht.

@ sailor
Stimmt. Im österreichischen Parlament ist die FPÖ, die sich sehr gerne dieser "Stilmittel" bedient.

Peiresc

Die nüchternste und erschreckenste Analye der Lage, die man sich denken kann. Eine Synthese von allem, was dieser Faden bruchstückhaft dokumentiert. Sehr lang, aber jede Kürzung wäre eine Unterschlagung, deswegen hier nur der Link.

Robert Kagan: Our constitutional crisis is already here. (Washington Post)

Der wichtigste Text des Jahres.

Zitat
Terrific essay in @washingtonpost by Robert Kagan.  You guys...and hence the rest of us...are in big trouble.

Peiresc

Jack Shafer ist wie immer gelassener:
ZitatTrump is crazy enough to invite this fight, and narcissistic enough not to care what it does to the country. But is he shrewd enough to win it?

Trump and his Republicans fear their own disintegration. That sense of threat gives them power over the voter base, but it has also made them politically desperate. Their lack of scruples doesn't make them omnipotent: it makes them vulnerable to serious and determined opponents. The wildness of Trump's last-ditch maneuver, whatever it turns out to be, will require much from us, but above all it will oblige us to keep our cool and just vote. You don't beat a crazy card player by going crazier.
https://www.politico.com/news/magazine/2021/09/24/why-the-fear-of-trump-may-be-overblown-514270

Aber ich wünschte, ich würde ihn überzeugender finden. Der Untergang der Demokratie ist immer nur eine Wahl entfernt.

Peiresc

ZitatDan Rather:
The first question that must be asked of every Republican elected official is "do you believe in democracy?" The follow up is "what are you doing to protect it?" No equivocations. No gaslighting. No other question comes close to being as important.

HAL9000

Solange immer noch 78% aller Reps glauben, dass die Wahl 2020 "stolen" war (neueste Umfrage), scheint es egal zu sein,
was Trump oder die GOP in ihrer "Angst vor ihrem Auseinanderbrechen" tun.
Es bleibt nur zu hoffen, dass das nicht genug Wähler sind, House und/oder Senat trotz aller Versuche, unliebsame Wähler
auszuschließen, wieder in GOP-Mehrheit zu bringen. Kippt 2022 eine der beiden Kammern, sehe ich für 2024 ziemlich schwarz.

sailor

Hm, ich sehe es nicht so. Der Untergang der Demokratie kann in D oder den USA (also Demokratien mit einer wirklichen Gewaltenteilung) eben nicht mit einer Wahl passieren. Viel gefährlicher ist die Etablierung der Demokratiefeinde in den Institutionen. Das war bei der Machtübernahme der Nazis auch so, die saßen bereits über Jahre im Reichstag, konnten aber erst ihre wahre Machtübernahme durchziehen, als sie auch die Institutionen der Länder (insbesondere Preußen) politisch und personell übernommen hatten. Weitere wichtige Faktoren waren der Aufbau einer eigenen "Straßenmacht" in Form der SA und die Fragmentierung der anderen Lager. Letzteres war umso entscheidender auf der linken Seite, der (bis heute) anhaltende Zwist zwischen der Sozialdemokratie und den Kommunisten haben erst Hindenburg ermöglicht, danach die Harzburger Front (wobei die Mitte-Rechts-Parteien damals wie heute der Illusion aufsitzen, dass sie die radikalen Kräfte zähmen können).

In den USA sehe ich wichtige Punkte nicht: Das Potential für eine "Straßenmacht" ist zwar da, aber die Gruppierungen sind fragmentiert, zerstritten und können sich trotz Social media nicht wirklich mobilisieren. Trump steht einer deutlich geschlosseneren Front gegenüber als Hitler, darüber hinaus hat Hitler es geschafft, die gemäßigten Rechten/Konservativen zumindest für Wahlen auf seine Seite zu bekommen. Trump säubert seine Reihen vor der Wahl, was diese Reihen zwar schliesst, aber Mehrheiten vernichtet. Ausserdem fahren die Republikaner legislative Angriffe auf den Exekutivapparat, wo sie eigentlich die Amtsträger gewinnen müssten. Es hat alles das Potential für einen gigantischen Poosandwich, aber Trump hat keine Mehrheit in der Bevölkerung und verscherzt es sich mit wichtigen Institutionen... selbst die Dienstgrade in den Streitkräften sind nicht für ihn, dazu hat er dort ebenfalls kein Händchen gezeigt. Wirkliche Loyalität befördert er nicht, er zieht Opportunisten an, was ihm auf die Füße fällt, sobald er schwächelt.

Peiresc

Zitat von: sailor am 15. September 2021, 19:55:50hat Hitler es geschafft, die gemäßigten Rechten/Konservativen zumindest für Wahlen auf seine Seite zu bekommen.

Das ist dann wohl eher eine Gemeinsamkeit als ein Unterschied. Ich zitiere Kagan:
ZitatIt was no surprise that elected officials feared taking on the Trump movement and that Republican job seekers either kept silent about their views or made show-trial-like apologies for past criticism. Ambition is a powerful antidote to moral qualms. More revealing was the behavior of Republican elder statesmen, former secretaries of state in their 80s or 90s who had no further ambitions for high office and seemingly nothing to lose by speaking out. Despite their known abhorrence of everything Trump stood for, these old lions refused to criticize him. They were unwilling to come out against a Republican Party to which they had devoted their professional lives, even when the party was led by someone they detested. Whatever they thought about Trump, moreover, Republican elders disliked Hillary Clinton, Barack Obama and the Democrats more. Again, this is not so unusual. German conservatives accommodated Adolf Hitler in large part because they opposed the socialists more than they opposed the Nazis, who, after all, shared many of their basic prejudices. As for conservative intellectuals, even those who had spent years arguing that Woodrow Wilson was a tyrant because he created the Federal Reserve and supported child labor laws seemed to have no concerns about whether Trump was a would-be despot. They not only came to Trump's defense but fashioned political doctrines to justify his rule, filling in the wide gaps of his nonexistent ideology with an appeal to "conservative nationalism" and conservative populism. Perhaps American conservatism was never comfortable with the American experiment in liberal democracy, but certainly since Trump took over their party, many conservatives have revealed a hostility to core American beliefs.

Peiresc

Zitat von: sailor am 25. September 2021, 11:25:43
Trump hat keine Mehrheit in der Bevölkerung und verscherzt es sich mit wichtigen Institutionen...
Er hatte nie die Mehrheit. Nach vier katastrophalen Jahren haben mehr Leute für ihn gestimmt als 2016. Und bei den nächsten Wahlen wird die republikanische Wählerunterdrückung noch stärker werden.

Zitat von: sailor am 25. September 2021, 11:25:43
Wirkliche Loyalität befördert er nicht, er zieht Opportunisten an, was ihm auf die Füße fällt, sobald er schwächelt.
Dann hier ein sicheres Zeichen dafür, dass er nicht schwächelt. Meldung von soeben:
ZitatSen. Lindsey Graham (R-S.C.) said Saturday that he hopes former President Trump runs again in 2024, The Detroit News reported.
During the second day of the Michigan Republican Party's leadership conference, Graham said he hopes Trump will run again, which reportedly drew in applause.

Außerdem ist die Dynamik von Kulten komplexer. Sie haben im nationalen Maßstab den Punkt erreicht, an dem buchstäblich nichts mehr den harten Kern zum Abfall vom Glauben bewegen wird. Jede Niederlage lässt sich in einen Erfolg, jede Lüge in eine Erkenntnis ummünzen. Beispiel, auch von soeben:
Zitat

Frank Luntz:
From the Cyber Ninjas' report: "There were no substantial differences between the hand count of the ballots provided and the official election canvass results... There is no reliable evidence that the paper ballots were altered to any material degree."
---
The chairwoman of the Arizona GOP is calling for a 4th audit of the state's 2020 election results.

sailor

Gerade Arizona ist für mich der Beweis, dass die GOP es nicht schafft. Die haben extra eine massiv voreingenommene Firma für die Nachzählung rangezogen und selbst die kann die Ergebnisse nicht drehen. Das ist Inkompetenz im großen Stil. Du hast recht was den Kult betrifft, da gibt es einen Kern, der nicht weichen wird, höchstens aussterben.

Die Selbstkritik-Veranstaltungen diverser aktiver GOPler sind in meinen Augen kein Einknicken und auf Linie bringen, sondern eher Versuche, die eigene Position zu retten. Radikale Pro-Trumpler bekommen deutlich mehr "offiziellen" Support und sind daher parteiintern in besseren Situationen. Was Kagan angeht: Man darf nicht vergessen, wo die GOP ideologisch in den letzten 60 Jahren stand. Die Rochade zwischen Dems und Reps hat die GOP massiv nach "rechts" verschoben, gleichzeitig die Mehrzahl der Regierungsjahre gebracht. Konservativ bedeutet "bewahren", man möchte dort bleiben, wo man war. Dazu muss man sich auch nicht bewegen... und je älter Menschen werden, desdo weniger bewegen sie sich in der Regel (geistig) noch. Der USA hat diese Politik wahnsinnige Probleme gebracht, die GOP hat die Abwanderung von Idustrie befördert, die Finanzkrise möglich gemacht, von der Zuwanderung billigster Arbeitskräfte profitiert... und nun will man die eigene Verantwortung beiseite schieben. Dazu kommt ein Trump gerade recht, er hat mit der Vergangenheit wenig zu tun, drischt die selben Phrasen noch radikaler und will auf Teufel komm raus das Rad zurückdrehen. Für die alten GOPler gibts nix besseres, wenn Trump es schafft wars die Gop, wenn Trump versagt, wars der Irre. Ist derzeit im BT-Wahlkampf genauso, Merkel war CDU-Kanzlerin, die sozialdemokratische Politik gemacht hat... jetzt geht sie und die CDU weiss programmatisch nicht weiter.

Peiresc

Stephanie Grisham hat ein Tell-All-Book veröffentlicht. Die Einzelheiten sind relativ unwichtig, mir kommt es auf etwas anderes an:
ZitatDonald Trump on Tuesday engaged in his ritual denunciation of a former staffer who revealed damaging details about the inner workings of his White House.
https://www.rawstory.com/trump-stephanie-grisham/
Am Schluss heißt es:
Zitat"Too bad that sleaze bag publishers continue to report this very boring garbage," Trump added to his response. "We and the MAGA movement are totally used to it. And someday in the not too distant future we will have our voice back and be treated fairly by the press."
Ich würde das ernstnehmen.

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Zitat


Andrew Lawrence:
lol this bar graph makes it look like the number is 1/3 what it used to be but its not

Übrigens: "enthusiastically", schwärmerisch, hat in solchen Zusammenhängen durchaus keinen angenehmen Klang, sondern bedeutet eher "fanatisch". Für Carlson & Co. ist das natürlich kein Problem, so wie es für die Nazis ja auch kein Problem war, von der deutschen Jugend "Fanatismus" einzufordern.

Aus den Kommentaren:
ZitatJohn Stodder Jr.:
It's a ridiculous chart, but a 12% drop in Christian identification should greatly concern the right.
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Eric:
Not at all. We know it's going to happen. It's call the great apostasy...and another sign of end times.
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Brandon H:
We can only hope!
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Eric:
It's all laid out for us in the two letters that Paul wrote to the church at Thessalonica
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John Stodder Jr.:
Was that Tucker's point? "Get ready for end times?"
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Eric:
Not sure actually. Don't watch Fox News. I do know scripture and we are seeing things unfold as it's been foretold.
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A. Sharpie™:
"For low, in the east, near the island called 'New Amsterdam,' an oracle will rise from a family of fish stick salesmen, and he will be called the whitest of them all and from his program will millions of pillows* be sold."

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* Mike Liddell, "the pillow guy" (CEO von MyPillow), einer der fieberhaftesten Trumpansen.

Peiresc

ZitatAshton Pittman:
NEW: Overturning Roe v. Wade will "empower" women to pursue careers and raise children, Mississippi Attorney General Lynn Fitch says. She says times have changed.

But there are a lot of reasons to think that's... not exactly true. So here's a thread. 1/
https://twitter.com/ashtonpittman/status/1442654795882500101

Langer Thread mit zahlreichen Details, u. a.:
ZitatAbout 75% of women seeking abortions are "low income"; 59% already have children; and 55% "report a recent disruptive life event." Those women, the economists note, "overwhelmingly lack access to paid maternity leave or to affordable childcare." 10/
In one study, women who were denied abortions due to gestational age limits experienced a 78% increase in past-due debt and 81% increase in bankruptcies, evictions and court judgements over the next 5 years compared to women who obtained abortions. 11/
"The financial effects of being denied an abortion are thus as large or larger than those of being evicted, losing health insurance, being hospitalized, or being exposed to flooding due to a hurricane." 12/

usw. Mississippi ist ein shithole country.

sailor

Ein interessanter Artikel zu Peter Thiel, einem der wenigen Tech-Magnaten, der pro-Trump ist:

https://netzpolitik.org/2021/peter-thiel-ein-idol-fuers-monopol/?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Meines Erachtens ist die libertäre Doktrin, der Kapitalismus und vollkommen freie Märkte nur für jene wirklich attraktiv, die davon primär profitieren. Wer mit 25 ins Investmentgeschäft einsteigt und mit 29 seinen eigenen Fonds hat war nie ganz unten und kann daher die Schattenseiten geflissentlich ignorieren.