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Autor Thema: Warum ist Amerika, wie es ist?  (Gelesen 2465 mal)

Yadgar

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #30 am: 10. November 2017, 05:10:58 »
Hi(gh)!

Eine der Sorgen dieser einfachen hart arbeitenden Menschen

Warum muss eigentlich in Amiland die work immer hard (oder auf rheinisch: hacht) sein? Bei "harter Arbeit" assoziere ich Sklaverei, drittweltliche Sweatshops, Gulags und KZs, bis die Hände bluten, der Körper kollabiert, während die Peitschenhiebe und Gewehrkolbenschläge auf einen einprasseln - ist das die Lebenswirklichkeit des Durchschnittsamerikaners?

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar

ErpelderNacht

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #31 am: 02. März 2018, 09:35:57 »

http://www.politico.com/magazine/story/2017/09/05/how-we-killed-expertise-215531

Ein Text über den Hass auf Expertise, seinen Siegeszug und seine Gefährlichkeit. Absolut lesenswert, von Tocqueville über Impfgegner über Bannons pseudointellektuellen Scheiß zu Trump (der nur am Rande, gottseidank). Was den Unterschied zu früher ausmacht, ist der Dunning-Kruger, sagt er.

Das ist übrigens ein uraltes Thema. Der Kirchenvater Tertullian meinte einst, jeder christliche Handwerker könnte die Fragen beantworten, über die sich die griechischen Philosophen den Kopf zerbrochen hatten.

Es ist alles noch viel schlimmer.

https://www.nbcnews.com/think/opinion/patriarchal-race-colonize-mars-just-another-example-male-entitlement-ncna849681

Zitat
Marcie Bianco The patriarchal race to colonize Mars is just another example of male entitlement

The presumed right to use and abuse something and then walk away to conquer something new is a hallmark of colonialism.   
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These men, particularly Musk, are not only heavily invested in who can get their rocket into space first, but in colonizing Mars. The desire to colonize — to have unquestioned, unchallenged and automatic access to something, to any type of body, and to use it at will — is a patriarchal one. Indeed, there is no ethical consideration among these billionaires about whether this should be done; rather, the conversation is when it will be done. Because, in the eyes of these intrepid explorers, this is the only way to save humanity.

It is the same instinctual and cultural force that teaches men that everything — and everyone — in their line of vision is theirs for the taking. You know, just like walking up to a woman and grabbing her by the pussy.

It’s there, so just grab it because you can.

Die Männer fliegen zum Mars und grabben die armen Marsianerinnen by the Pussy.
Was wohl Tertullians Handwerker dazu sagen würde? :Opa:

Peiresc

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #32 am: 02. März 2018, 10:20:16 »
Tertullians Handwerker hätte damit kein Problem: Credo quia absurdum est.

Zitat
The idea that, because big social problems are many-sided, development policies should be systemic rather than sectoral, was at odds with the two ruling dogmas in science policy: the economism that places technology behind basic science, and the anti-scientism preached by both right-wingers and the New Left that arose in the 1960 decade, first in Berkeley and then in Paris and its cultural dependencies. This obscurantist ideology claimed that basic science had to be stamped out because it was either in the service of foreign scientists or the handmaiden of the industrial-military complex.

This primitive reasoning was popular among the humanities and “soft science” chronic students, postmodern Marxists like Louis Althusser, and failed scientists like Oscar Varsavsky. [...]

Mario Bunge: Between Two Worlds: Memoirs of a Philosopher-Scientist. 2016, S. 344

Lt.Havoc

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #33 am: 02. März 2018, 20:51:57 »
Hier mal ein video:
https://www.youtube.com/watch?v=GWwiUIVpmNY
America: Still Racist | ContraPoints

Erklärt warum Schwarze immer noch in den USA benachteiligt sind und diskriminiert werden.

Belbo

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #34 am: 02. März 2018, 20:57:25 »
Man muss sich ja nur in Kinofilmen, realem Leben und Fernsehserien den Anteil gemischter Paare ansehen...

https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_mal,_wer_zum_Essen_kommt
....bro

Belbo

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #35 am: 02. März 2018, 21:30:13 »
....oder den blog von Gabriele Wolff, wo der Wahnsinn inzwischen ungehindert regiert, nunja sie hatte ja auch den Glauserpreis erungen,

https://de.wikipedia.org/wiki/Matto_regiert

Zitat
Der Literaturwissenschaftler Bernhard Echte schreibt in seinem Nachwort zu Matto regiert: «Kein Buch hat Glauser so lange mit sich herumgetragen; kein anderer Stoff ging seinen besonderen Lebenserfahrungen so nahe – in keinem anderen Thema erblickte er aber auch so viel überpersönliche Bedeutung.»[1] Tatsächlich war Glauser schon früh mit dem «Verrückt-Sein» in Kontakt gekommen. Durch seine Morphiumsucht wurde Glauser regelmässig straffällig, indem er Diebstähle beging und Rezepte fälschte. 1917 beantragte Glausers Vater deshalb die psychische Untersuchung des Sohnes, und ein Jahr später folgte die Entmündigung und erste Einlieferung in eine Psychiatrische Klinik: Die Klinik Bel-Air in Genf erstellte die Diagnose «Dementia praecox». 1920 folgte der nächste ärztliche Befund: «Moralischer Schwachsinn». Glauser wurde in der Irrenanstalt Holligen in Bern interniert, woraufhin er, nicht zum letzten Mal, flüchtete. Das Andersartig- und Ausgestossen-Sein begleitete Glauser sein ganzes Leben lang und passt zu den Worten, die Dr. Laduner in Matto regiert spricht: «Wir werden nie die Grenze ziehen können zwischen geisteskrank und normal... Wir können nur sagen, ein Mensch kann sich sozial anpassen, und je besser er sich sozial anpassen kann, je mehr er versucht, den Nebenmenschen zu verstehen, ihm zu helfen, desto normaler ist er.»[2] Und der Schriftsteller Alex Capus sagte dazu in einem Interview: «Matto regiert ist eines meiner Lieblingsbücher, weil Wachtmeister Studer hier die Grenzregionen zwischen Vernunft und Wahnsinn erkundet, die für uns alle gar nicht so fern sind, wie wir gern glauben möchten.»[3]
....bro

Peiresc

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #36 am: 15. April 2018, 15:38:29 »
Ich lese gerade Tuvia Tenenbom, Allein unter Amerikanern, Suhrkamp 2016. Darin kommt die folgende Episode vor (S. 112 ff). Er versucht, ein Interview mit dem Bürgermeister von Chicago, Rahm Emmanuel, zu bekommen, und wird von dessen Pressesprecher mit einer falschen Visitenkarte abgespeist.

Später erklärt ihm ein hochrangiger Amtsträger aus Washington (dessen Namen und Position er selbstverständlich verschweigen muss [S. 120]):
Zitat
»Nein. Eines muss Ihnen klar sein: Wir wollen keine Interviews geben, es sei denn für die lokalen Medien, wo wir die Leute kennen und wissen, was sie schreiben werden. Ansonsten ziehen wir es praktisch alle vor, nationalen oder internationalen Medien keine Interviews zu geben. In der heutigen amerikanischen Politik, vor allem nachdem es der Oberste Gerichtshof 2010 für rechtens erklärt hat, unbegrenzte Geldmengen an politische Gruppen zu spenden, geht man mit jedem Interview gewaltige Risiken ein.«

Was hat ein Interview mit Spendern zu tun?

»Alles. Wenn Sie in einem Interview etwas gesagt haben, das Sie nicht hätten sagen sollen, wird jemand es aus der Zeitung herausziehen und in einer millionenschweren Anzeigenkampagne gegen Sie verwenden.«

Ich verstehe Sie nicht.

»Aufgrund der Wahlkampffinanzierung wollen Sie sicherstellen, dass Sie kein einziges Wort äußern, mit dem Ihre Spender nicht einverstanden sind, nur wissen Sie gar nicht immer, was die denken. Die Faustregel ist: Gib kein Interview, wenn du nicht unbedingt musst.«

Ist das Demokratie?

»Ist es nicht, zugegeben. Herrscht in diesem Land Meinungsfreiheit? Nein. Ist dies eine ehrliche Art und Weise, mit Problemen umzugehen? Nein. Das ist der Kapitalismus in der Politik. Das ist das System, so läuft es halt. Das ist Amerika, zumindest heute. Mir gefällt es nicht, dass die Politik heute so gemacht wird, aber ich kann die Realität nicht ändern. Sorry. Ich bin ehrlich mit Ihnen und erzähle Ihnen das unter uns. Wenn wir ein offizielles Gespräch führen würden, würde ich ganz andere Dinge sagen, die allerdings nicht wahr wären. Es ist, wie es ist, und wird noch lange so bleiben. Sind Sie überrascht? Sollten Sie nicht sein.«

Mit der „Entscheidung von 2010“ ist offenbar das Citizens United-Urteil gemeint.
https://de.wikipedia.org/wiki/Citizens_United_v._Federal_Election_Commission

Peiresc

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Re: Warum ist Amerika, wie es ist?
« Antwort #37 am: 14. August 2018, 23:19:14 »
Trump ist nicht ein Betriebsunfall, sondern die logische Konsequenz des amerikanischen Konservatismus. Hier ein lesenswerter, aufbereiteter Tweet-Faden des Historikers Seth Cotlar, mit einigen instruktiven Illustrationen.

https://www.vox.com/policy-and-politics/2018/8/13/17683416/trump-republican-party-conservatives-seth-cotlar
Zitat
Ever since Trump’s victory in the Republican primary, this has been one of the big questions hanging over American politics. If Trump’s anti-intellectual and race-baiting brand of politics is a parasite on the American right, then it’s possible the Republican Party can be cleaned up after him. That’s the premise of the so-called Never Trump movement, a small group of Republican elites and conservative intellectuals who have denounced the president and his allies in no uncertain terms.

But it’s possible the Never Trumpers are wrong. It could be that they’re the ones who have been deluding themselves into thinking that the conservative movement is a higher intellectual calling, when in fact it’s been a cover for a shallow and vicious brand of white identity politics for decades. If that’s true, then there’s no coming back from Trumpism.