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Griechenland

Begonnen von pelacani, 14. März 2015, 20:18:27

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ajki

Zitat von: Hildegard am 15. Juli 2015, 15:01:17
Die Griechen geben uns Kreta, und alle Schulden sind getilgt

Könnte man machen. Müßte man aber nicht.

Was ist, wenn die griechische Gesellschaft den Wink mit dem jetzigen Betonpfahl (Kohle nur noch gegen [edt: mit hoher Wahrscheinlichkeit: höchst unzureichende] Sicherheiten) immer noch nicht verstanden hat? Dann wäre die Sache mit "Kreta" vergleichsweise auch nur ein Wink mit einer Dampframme - ohne Gewähr, dass selbst dieser Schuss gehört würde. Siehe zum Problem eine der (vielen) Karikaturen zum Thema (hier: Telegraph, UK):


Wenn das so wäre (und es gar nicht *so* abwegig ist), dann hätte die EU selbst vom Kreta-Besitz nicht viel (man könnte alle Mittelmeerflüchtlinge dort absetzen, müßte aber die Suppenküchen dann doch bezahlen...). Denn dann griffen ja z.B. die klugen Vorschläge der Professorenriegen, die in ihren Blogs und auf Twitter so "generöse" Ideen ablassen. Also etwa das Fluten (Rest-) Griechenlands mit Buchgeld. Das kann bei "eigener" (Ersatz-)Währung zwar zum Teil aus der Druckpresse kommen - aber das wäre fiktiv. Und dann illusionär fiktiv, wenn es nicht akzeptiert würde. Das Fluten müßte dann im Grundsatz immer noch von "außen" gespeist werden (und es gibt auch ganz buchstäblich DagobertDuck-Mengen an flottierendem Buchgeld, das nach Anlage lechzt). Was nichts anderes bedeuten würde, als dass nach eben dem obigen Vorschlag auch dann das Flutgeld nur gegen Besitztitel käme - und das würde es. Verbunden selbstverständlich mit durchaus mehr mafiöser Drohpower dahinter - z.B. im Falle des flottierenden Oligarchengeldes. Die Niederländer mögen vielleicht keine Bötchen mit Schießzeug drauf mehr schicken (und wären ja mit Anteilkreta auch schon abgefunden), aber der Oligarchenknecht hat da vielleicht weniger Skrupel.
every time you make a typo, the errorists win

Belbo

Mir geht ja das Flassbeckvideo nicht aus dem Kopf in dem er Grafiken zeigt dass die Erholung der anderen Südländer wohl nicht so ganz dolle ist wie das immer dargestellt wird.... Zumindest hätten wir dann noch Madeira, Mallorca und Sizilien im Portfolio.

Sauropode

Sizilien?! Mit der gesamten onorata societa?


RächerDerVerderbten

Apropo, gibs ne nennenswerte Griechische Mafia? Müßte doch eigentlich, bei sonem schwachen Staat, aber ich kann mich nicht mal an bemerkenswerte griechische Verbrecher in Filmen entsinnen.
If the only thing keeping a person decent is the expectation of divine reward, brother, that person is a piece of shit. Rusty Cohle

celsus

Zitat von: RächerDerVerderbten am 15. Juli 2015, 17:16:05
Apropo, gibs ne nennenswerte Griechische Mafia? Müßte doch eigentlich, bei sonem schwachen Staat, aber ich kann mich nicht mal an bemerkenswerte griechische Verbrecher in Filmen entsinnen.

Nennt sich da glaube ich "Partei".
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Patches O Houlihan

Zitat von: MrSpock am 15. Juli 2015, 15:10:57
Zitat von: Belbo am 15. Juli 2015, 15:07:34
Zitat von: Hildegard am 15. Juli 2015, 15:01:17
@ajki: Natürlich war das mit dem Auktionskatalog nicht ganz ernstgemeint. Ich bin ja ganz bei dir, ich finde es auch sehr bedenklich, dass Griechenland jetzt alles, was irgendwie Zukunft hat, verscherbeln soll. Klar sind Lizenzvergaben sinnvoller, sollen doch die oberschlauen Lizenznehmer sehen, wie sie daraus Rendite erwirtschaften.

In meinem Bekanntenkreis entstand allerdings auch noch ein anderer Vorschlag, der sofort alle Probleme lösen würde: Die Griechen geben uns Kreta, und alle Schulden sind getilgt. Kreta gegen Kredite.

An der Feinsinnigkeit der Vorschläge arbeiten wir aber besser noch ein bisschen.
http://www.kreta-wiki.de/wiki/Deutsche_Kriegsverbrechen

Das würde also ein Nullsummenspiel. Kreta gegen Kredite gegen Reparationszahlungen.
:crazy

Typee

Zitat von: celsus am 15. Juli 2015, 17:27:39
Zitat von: RächerDerVerderbten am 15. Juli 2015, 17:16:05
Apropo, gibs ne nennenswerte Griechische Mafia? Müßte doch eigentlich, bei sonem schwachen Staat, aber ich kann mich nicht mal an bemerkenswerte griechische Verbrecher in Filmen entsinnen.

Nennt sich da glaube ich "Partei".

Die Schwäche des Staats bedingt, dass es eine Mafia gibt, die aber nicht als kriminelle Struktur, sondern als Alltagsgeschäft wahrgenommen wird. Mafia verdient ihr Geld heute nicht mehr wie in der guten alten Zeit mit Schnapsschmuggeln oder wie in jüngerer Zeit hauptsächlich mit Drogen und Schutzgeld. Stattdessen betreibt man wilde Abfallentsorgung, manipuliert Vergaben am Bau, unterwandert die öffentliche Leistungsverwaltung und dergleichen mehr...  Der Unterschied zwischen Italien und Griechenland besteht darin, dass das in Italien verboten ist und verfolgt wird - in Griechenland war es auch schon immer verboten, aber es störte nie jemanden: der Feind ist schließlich der Staat.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Typee

Ich hatte vor Jahren schonmal angemerkt, dass die Griechenland-Misere einen groben Webfehler der Eurozone offengelegt hat: die zu starke Orientierung der deutschen Volkswirtschaft an Exportüberschüssen. Duch Exportüberschüsse laufen offene Rechnungen auf, für deren Bezahlung man am Ende Ausgleichszahlungen an die Importländer leisten muss: wie eine Klimaanlage, die denselben Raum gleichzeitig heizen und kühlen soll.

Dass es so nicht dauerhaft geht, verstehen einige andere anscheinend auch:

http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001963

Zitat
Man kann im Euro nicht ständig versuchen, in einem Wettlauf der Nationen die Nase vorn zu haben

Der Euro wird am Außenhandelserfolg Deutschlands scheitern. Griechenland ist am Ende, anderen europäischen Ländern geht es auch nicht sonderlich gut: Spanien, Portugal, Italien, Frankreich. Ändert sich nichts, werden diese Länder früher oder später ebenfalls ruiniert sein. Aber bevor es soweit ist, wird die Frustration der Bevölkerung wahrscheinlich schon dafür gesorgt haben, dass die Währungsunion scheitert.

Man muss allerdings verstehen, dass Wettbewerbsfähigkeit ein relatives Konzept ist. Je konkurrenzfähiger der Eine im europäischen Binnenmarkt, umso weniger konkurrenzfähig der Andere. Deshalb ist es Schwachsinn, wenn Frau Merkel verlangt, dass alle wettbewerbsfähiger werden müssen. Wir können alle zusammen produktiver, aber wir können nicht alle wettbewerbsfähiger als zuvor werden, denn die Wettbewerbsfähigkeit muss ja irgendwoher kommen. Wenn alle wettbewerbsfähiger werden, bleibt keiner übrig, der etwas von seiner Wettbewerbsfähigkeit abgeben könnte.

Das hört man bei uns vielleicht nicht gerne, aber es ist wahrscheinlich zutreffend.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Belbo

Das mag ja innerhalb des Euroraumes gelten, bezieht sich diese Wettbewerbsfähigkeit aber nicht eigentlich auf Länder wie China, Indien aber auch die USA und Brasilien? Zumindest die Eingliederung eines Billiglohnsektors Innerhalb der EU (Slowakei, Kroatien etc.), hat ja zumindest bei einigen Arbeitsplätzen die Abwanderung nach Asien verhindert.

Hildegard

Aufgrund von ajkis Einwand baue ich meinen Vorschlag um: Griechenland überschreibt der EU Kreta gegen kompletten Schuldenerlass. Das wäre ein gutes Geschäft, wenn man bedenkt, dass Alaska damals für 7 Mio. USD wegging. Und der EU würde es den Schuldenschnitt wenigstens ein bisschen versüßen.
[zynismus]Damit wäre auch das Problem der Reparationen erledigt, weil man keine Reparationen fordern kann für Dinge, die gar nicht auf eigenem Boden geschahen[/zynismus]

celsus

ZitatDa haben wir uns überlegt: Wir versuchen's mal mit weiteren Hilfsgeldern und noch mehr Sparmaßnahmen. Nur weil was beim ersten und zweiten Mal nicht funktioniert hat, muss es ja beim dritten Mal nicht falsch sein. Das machen wir jetzt solange, bis es klappt.

http://www.der-postillon.com/2015/07/schauble-ich-habe-ursprunglich-den-kopf.html
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Belbo

Eine andere Frage, wie verhindere ich als Staat, ohne dirigistische Maßnahmen, Exportüberschüsse? Ausfuhrzölle? Steuererhöhungen für Exportgüterproduzenten?

Belbo

Zitat von: celsus am 16. Juli 2015, 10:14:21
ZitatDa haben wir uns überlegt: Wir versuchen's mal mit weiteren Hilfsgeldern und noch mehr Sparmaßnahmen. Nur weil was beim ersten und zweiten Mal nicht funktioniert hat, muss es ja beim dritten Mal nicht falsch sein. Das machen wir jetzt solange, bis es klappt.

http://www.der-postillon.com/2015/07/schauble-ich-habe-ursprunglich-den-kopf.html

...der Nachsatz.....
Bevor wir an den korrupten Strukturen unserer Gesellschaft was ändern, das wäre ja noch schöner.
....fehlt noch.

Typee

Zitat von: Belbo am 16. Juli 2015, 10:09:09
Das mag ja innerhalb des Euroraumes gelten, bezieht sich diese Wettbewerbsfähigkeit aber nicht eigentlich auf Länder wie China, Indien aber auch die USA und Brasilien? Zumindest die Eingliederung eines Billiglohnsektors Innerhalb der EU (Slowakei, Kroatien etc.), hat ja zumindest bei einigen Arbeitsplätzen die Abwanderung nach Asien verhindert.

Die mit Abstand wichtigsten Handelspartner Deutschlands liegen in der EU und im Euroraum. Allen voran Frankreich. Die Verwerfung entsteht durch eine gemeinsame Währung prinzipiell eigenständiger Volkswirtschaften, denn hier können die Kollisionsprobleme nicht mehr durch Wechselkursanpassungen ausgeglichen werden. Frankreich hatte sich jahrzehntelang mit kontrollierten Abwertungen des Franc einigermaßen geschützt. 
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.