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Gutmenschliche Bigotterie

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Begonnen von uran, 20. Juni 2014, 17:53:28

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uran

Ich habe einen Link gepostet über einen Säureanschlag, betitelt mit obiger Überschrift. Es kam eine kurze Diskussion auf, die ich hier weiterführen möchte.

Zum einen interessiert mich in wie weit der doch sehr negativ besetzte Begriff noch Gesellschaftsfähig (und Psiram tauglich) ist. Ich mag das Wort deshalb, weil es die positiv besetze Silbe "gut" beinhaltet, insgesamt aber negativ ist. Ähnlich ist es ja mit den Taten der Gutmenschen, sie handeln im Glauben etwas gutes zu tun, oder zumindest dass der Zweck die Mittel heiligt. Wie das bei so abstrakten Kampfbegriffen ist, definiert jeder ein wenig etwas anderes hinein.

Eigentlich geht es mir aber um den zugrunde liegenden psychologischen Effekt, den "Licensing Effect".

Seien es die besonders grausamen Religionskriege, oder heutzutage militante Tierrechtler - der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Aber es passiert auch im kleinen Maßstab. Die Arbeit "Do Green Products Make Us Better People", beispielsweise kommt zu dem Schluss, dass man durch betrachten von "grünen/öko" Produkten spendabler wird, wenn man sie aber tatsächlich kauft, so führt das dazu dass häufiger gelogen und gestohlen wird. http://www.chilleesys.com/scp/assets/mazar.pdf

Ach ja, es kam die Frage auf, ob ich zu viel PI-News gelesen hätte. Ganz sicher nicht, wenn dann kommt es von "Science Skeptical", dort gab es unlängst auch einen Beitrag über das Thema.
http://www.science-skeptical.de/artikel/gutmenschen-und-doppelmoral/0011865/

Klar es gibt auch einfach Fundis, die so in ihrer Ideologie so vertieft sind, dass sie garkeine Rechtfertigung mehr brauchen. Aber in wie weit seht ihr die moralische Selbstlizensierung als Grund für Doppelmoral?

Conina

Der Begriff ist gesellschaftsfähig.
Heute auf der Heimfahrt im Deutschlandfunk in einem Kommentar:
ZitatDie Flüchtlingsströme verlagern sich, auch nach Europa, wie die wachsenden Asylbewerberzahlen zeigen – damit sind wir gefordert. Doch mit Gutmenschentum, verstärkten Rufen nach Aufnahme von noch mehr Flüchtlingen und gutgemeinten Ratschlägen werden diese Flüchtlingsströme weder zu stoppen noch zu kanalisieren sein. Es braucht politische Stabilität vor Ort, es braucht mehr Ressourcen, es braucht mehr politische Kooperation, mehr Interesse, mehr Engagement. Wenn Milliarden für ein Fußballfest problemlos möglich sind, dürfen wir die Ärmsten und Verwundbarsten nicht vergessen. Und nicht nur am Weltflüchtlingstag.
http://www.deutschlandfunk.de/un-fluechtlingsbericht-mehr-engagement-fuer-die-aermsten.720.de.html

Außer, das ist dann auch eine Hetzseite.

Das hat mal wieder gepasst, dass das genau heute so kam.   ;D

sumo

ich wiederhole es, weil ich es im Nachbarfaden schrieb:

Ein guter Mensch tut Gutes, ein Gutmensch läßt Gutes tun.
----

Ich halte den Begriff "Gutmensch" für völlig negativ konnotiert, ich erinnere mich nicht, ihn den letzten Jahren mal in einem positiven Licht gelesen zu haben.

OT:
Übrigens, "Hetzseite", auch darüber ließe sich trefflich streiten. PI-News ist nicht ausschließlich eine Hetzseite, zumindest nicht bei den Themen an sich, völlig anders ist es im Kommantarbereich, dort toben sich oft üble Hetzer aus.

Groucho

Zitat von: uran am 20. Juni 2014, 17:53:28
Aber in wie weit seht ihr die moralische Selbstlizensierung als Grund für Doppelmoral?

Ich halte den Ansatz für plausibel. Wenn man darauf achtet, stellt man das im Alltag immer wieder fest. Schaut man sich gewisse Aktionen (z.B. von Greenpeace oder BUND) an, könnte man auf die Idee kommen, dass die ganz bewusst lügen und eine Art von Zynismus ausleben. Greift aber m.M. zu kurz, die allermeisten werden tief überzeugt sein von dem, was sie tun.

Hildegard

Geht es jetzt a) darum, ob man das Wort "Gutmensch" benutzen sollte, oder b) darum, wie der gemeine Gutmensch funktioniert?

Zu a): Den Begriff finde ich schön und benutze ihn auch. Für mich ist das ein Mensch, der sich irgendein aktuell als "gut" geltendes Betätigungsfeld sucht, und der dann vor lauter "gut sein" das Nachdenken vergisst. Es ist nicht zwingend mit Doppelmoral verbunden, aber immer mit seltsamen Prioritäten.

Zu b): Meiner Meinung nach kann die Motivation zum Gutmenschentum ganz unterschiedlich sein. Attraktiv ist es sicher für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl. Durch "gut sein" dürfen sie sich als etwas Besseres fühlen, sich über andere erheben.

ajki

Gutegüte! In einem zerstrittenen Nörgelforum nur positive Ausdeutungen eines solchen Schnulliwortes! *So* geht es *nicht*! ;-)

Im Eingangspost wurde (glaube ich) auf den Übersichtsartikel auf Wikipedia verlinkt, der (soweit ich das noch in Erinnerung habe) so ziemlich alle semantischen Elemente der sozialen Nutzungsformen enthält. Das war bei dem Wikipedia-Artikel nicht weiter schwierig, weil das Wörtchen irgendwann 2011 oder 12 das ach so beliebte "Unwort des Jahres" war und in der Folge erst recht richtig "berühmt" wurde - hauptsächlich durch die "das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen!!1!!elf"-Fraktion, die mit Schaum vor dem Mund die entsprechenden Medienkolportagen über die "Unwort"-Wahl kommentierte.

Da zeigt sich für mich die Schwierigkeit bei der Nutzung: diejenigen, die dieses Unwort ohne jeden ironischen Beiklang nutzen, sind genau diejenigen, auf dessen wertendes Urteil in Form des Wortgebrauchs jedermann gerne und bestens verzichten kann. Im althergebrachten "weise Sprüche"-Büchlein Bibel sind genau das diejenigen mit dem dem ultrafetten "Balken im eigenen Auge". Und daraus ergibt sich dann wiederum ein semantisches Problem: wenn diejenigen, die anderen (naives) "Gutmenschentum" vorwerfen, selber radikale Aschlöscha sind im öffentlichen Umgang mit anderen, von was für einer Position aus werten die eigentlich? Sehen sie sich als eigentliche "Gut&richtig Menschen", die realistisch Chancen und Risiken abschätzen können im Vergleich zu den dummen Chaoten oder sind es tatsächlich im Gegensatz zu den verurteilten Naivlingen "Schlechtmenschen"? Was soll das? Banal-Nietzscheanismus? Umwertung aller Werte? Ist doch Unfug.

Natürlich kann die andere betreffende "Gutmenscherei"-Aburteilung irgendwo und irgendwie benutzt werden - es *bedeutet* etwas, das Wörtchen. Aber ohne Augenzwinkern, Ironie und selbstkritischem Ansatz? No fscking way....
every time you make a typo, the errorists win

Wolleren

Zitat von: uran am 20. Juni 2014, 17:53:28
...
Zum einen interessiert mich in wie weit der doch sehr negativ besetzte Begriff noch Gesellschaftsfähig (und Psiram tauglich) ist. Ich mag das Wort deshalb, weil es die positiv besetze Silbe "gut" beinhaltet, insgesamt aber negativ ist. Ähnlich ist es ja mit den Taten der Gutmenschen, sie handeln im Glauben etwas gutes zu tun, oder zumindest dass der Zweck die Mittel heiligt. Wie das bei so abstrakten Kampfbegriffen ist, definiert jeder ein wenig etwas anderes hinein.
Es ist ein Schimpfwort. Es ist blöde, denn wer hält sich selbst nicht für gut? Ähnlich wie "Weltverbesserer" - na und, was soll das? Auch beim Schimpfen darf man gerne etwas mehr differenzieren. Baumknutscher, Gentrulla, Bambino, Werlhof-Versteher, Querdenker (ist stets ein Idiot), Putinversteher, es gibt so viele schöne Möglichkeiten.

Zitat von: uran am 20. Juni 2014, 17:53:28
Eigentlich geht es mir aber um den zugrunde liegenden psychologischen Effekt, den "Licensing Effect".
...
Klar es gibt auch einfach Fundis, die so in ihrer Ideologie so vertieft sind, dass sie garkeine Rechtfertigung mehr brauchen. Aber in wie weit seht ihr die moralische Selbstlizensierung als Grund für Doppelmoral?
Das Konzept der moralischen Selbstlizensierung beruht ganz entscheidend darauf, dass es der Person NICHT bewusst ist, wenn sie sich selbst lizensiert. Ein unschönes Konzept, denn auf die Unbewusstheit berufen sich auch andere gerne, von den Zeugen Jehovas (ERWACHET! Denn Ihr pennt ja noch!) bis hin zu den Verschwörungsgläubigen.

Außerdem gibt es so ein Konzept der Überkompensation ja schon beim Energiesparen (ich habe eine Energiesparlampe, also kann ich sie jetzt auch wochenlang brennen lassen), ich habe allerdings den Begriff dafür vergessen. Jedenfalls ist der Bezug zur "Doppelmoral" eher dünn, wenn man davon ausgeht, dass es der Mensch bei allen Gelegenheiten - unbewusst meinetwegen - gerne schön ausbalanciert hat, deswegen ist ja das argumentum ad temperentiam recht erfolgreich.

Schließlich kann man sich ganz bewusst für einen Standpunkt entscheiden (die Großen Menschenversteher nennen das immer unbewusst, weil niemand so clever und reflektiert sein kann wie sie), der Außenstehenden/Ignoranten als Doppelmoral erscheint: Ich trage keinen Fahrradhelm, zwänge ihn aber meinen Kindern auf. Moralisch unter aller Kanone, ich weiß. Mache ich trotzdem, ätsch.

Wolleren

P.S. - wo wir gerade bei Schimpfwörtern sind: "selbsternannt" ist auch so ein Attribut, das den Verwender als Trottel dastehen lässt. Jüngstes Beispiel: Reinhold Beckmann, der Christiano Ronaldo einen "selbsternannten Superstar" nannte. :crazy
"Selbsternannter Gutmensch" allerdings, das hätte was.

uran

Zitat von: Hildegard am 21. Juni 2014, 11:13:21
Geht es jetzt a) darum, ob man das Wort "Gutmensch" benutzen sollte, oder b) darum, wie der gemeine Gutmensch funktioniert?
Ging um beides, wobei mich b) mehr interssiert.

Zitat von: ajki am 21. Juni 2014, 15:05:31
Da zeigt sich für mich die Schwierigkeit bei der Nutzung: diejenigen, die dieses Unwort ohne jeden ironischen Beiklang nutzen, sind genau diejenigen, auf dessen wertendes Urteil in Form des Wortgebrauchs jedermann gerne und bestens verzichten kann. Im althergebrachten "weise Sprüche"-Büchlein Bibel sind genau das diejenigen mit dem dem ultrafetten "Balken im eigenen Auge". Und daraus ergibt sich dann wiederum ein semantisches Problem: wenn diejenigen, die anderen (naives) "Gutmenschentum" vorwerfen, selber radikale Aschlöscha sind im öffentlichen Umgang mit anderen, von was für einer Position aus werten die eigentlich? Sehen sie sich als eigentliche "Gut&richtig Menschen", die realistisch Chancen und Risiken abschätzen können im Vergleich zu den dummen Chaoten oder sind es tatsächlich im Gegensatz zu den verurteilten Naivlingen "Schlechtmenschen"? Was soll das? Banal-Nietzscheanismus? Umwertung aller Werte? Ist doch Unfug.
Das Grundproblem ist doch, dass man nicht selbst entscheiden kann, ob man verrückt ist. War jetzt ein wenig überspitzt formuliert, aber auch wenn jeder davon aus geht, dass er Der GuteTM ist, so ist es immer eine Sache der Perspektive. Ich sehe es ähnlich wie Hildegard, dass Gutmenschen wegen fehlender Reflexion Dinge tun, die sie eigentlich für schlecht halten.


Zitat von: Wolleren am 22. Juni 2014, 12:49:45
Zitat von: uran am 20. Juni 2014, 17:53:28
...
Zum einen interessiert mich in wie weit der doch sehr negativ besetzte Begriff noch Gesellschaftsfähig (und Psiram tauglich) ist. Ich mag das Wort deshalb, weil es die positiv besetze Silbe "gut" beinhaltet, insgesamt aber negativ ist. Ähnlich ist es ja mit den Taten der Gutmenschen, sie handeln im Glauben etwas gutes zu tun, oder zumindest dass der Zweck die Mittel heiligt. Wie das bei so abstrakten Kampfbegriffen ist, definiert jeder ein wenig etwas anderes hinein.
Es ist ein Schimpfwort. Es ist blöde, denn wer hält sich selbst nicht für gut? Ähnlich wie "Weltverbesserer" - na und, was soll das? Auch beim Schimpfen darf man gerne etwas mehr differenzieren. Baumknutscher, Gentrulla, Bambino, Werlhof-Versteher, Querdenker (ist stets ein Idiot), Putinversteher, es gibt so viele schöne Möglichkeiten.
Auch wenn das Selbstbild immer positiv sein mag, so kann das allgemeine Fremdbild der Gesellschaft noch negativ ausfallen. Während Tierschützer doch im positiven Licht gesehen werden, sieht das bei Nazis wieder ganz anders aus. Bei Nazis würde man wohl kaum von Gutmenschentum sprechen.

Zitat von: Wolleren am 22. Juni 2014, 12:49:45
Das Konzept der moralischen Selbstlizensierung beruht ganz entscheidend darauf, dass es der Person NICHT bewusst ist, wenn sie sich selbst lizensiert. Ein unschönes Konzept, denn auf die Unbewusstheit berufen sich auch andere gerne, von den Zeugen Jehovas (ERWACHET! Denn Ihr pennt ja noch!) bis hin zu den Verschwörungsgläubigen.
In mir arbeitet auch ein Unterbewusstsein, dass mir vielleicht mal etwas lizensiert, was ich eigentlich nicht wollte, aber nichts das sich von den Zeugen Jehovas wecken lassen würde! Sobald man Leuten einredet, dass sie etwas unbewusst machen, ist es eigentlich schon nicht mehr unbewusst.
Zitat von: Wolleren am 22. Juni 2014, 12:49:45
Außerdem gibt es so ein Konzept der Überkompensation ja schon beim Energiesparen (ich habe eine Energiesparlampe, also kann ich sie jetzt auch wochenlang brennen lassen), ich habe allerdings den Begriff dafür vergessen. Jedenfalls ist der Bezug zur "Doppelmoral" eher dünn, wenn man davon ausgeht, dass es der Mensch bei allen Gelegenheiten - unbewusst meinetwegen - gerne schön ausbalanciert hat, deswegen ist ja das argumentum ad temperentiam recht erfolgreich.
Ich denke du sprichst den Rebound Effekt an. Der hat aber weniger mit dem Unterwusstsein zu tun.

ajki

Zitat von: uran am 22. Juni 2014, 20:56:29
Zitat von: ajki am 21. Juni 2014, 15:05:31
Da zeigt sich für mich die Schwierigkeit ...
Das Grundproblem ist doch, dass man nicht selbst entscheiden kann, ob man verrückt ist. War jetzt ein wenig überspitzt formuliert, aber auch wenn jeder davon aus geht, dass er Der GuteTM ist, so ist es immer eine Sache der Perspektive. Ich sehe es ähnlich wie Hildegard, dass Gutmenschen wegen fehlender Reflexion Dinge tun, die sie eigentlich für schlecht halten.

Ich bin hier sehr unsicher, ob Deine Erwiderung meinen Einwand gegen die Nutzung des "Un"Wortes überhaupt betrifft.

Eine klassifizierende Beschimpfung als rhetorische Figur, egal ob es sich dabei um einen klassischen "du Doofer!" oder um "... natürlich sind Gutmenschen außerstande, die Gefährlichkeit voll entwickelter Parallelgesellschaften überhaupt zu erkennen! ..." handelt, läßt sich kommunikativ zunächst mal als typischer Sender-Empfänger-Vorgang beschreiben. Der Sender beabsichtigt mit der Wortnutzung etwas, beim Empfänger soll durch die Wortnutzung (idealerweise) etwas bewirkt werden (Betroffenheit oder Wut oder Verletztheit zum Beispiel).

Mein Einwand gegen die Nützlichkeit des Wortes "Gutmensch" als wirksame Beschimpfung bezog sich "nur" auf die Senderseite. Das liegt zunächst mal daran, dass der Sender sozusagen die Semantik "entscheidet" - er ist derjenige, der das Wort mit Bedeutung "lädt", er ist also der "aktive" Part. Man kann ohne weiteres auch über die Empfängerseite spekulieren - dann wäre zum Beispiel perspektiv-relativ die Frage interessant, wer sich wohl beim "Gutmensch" überhaupt betroffen fühlen könnte oder sollte. Es wird ja wohl keiner annehmen, dass etwa ein Freiburger Grüner (um mal ein auch von mir heiß geliebtes Klischee zu verwenden) real nicht alltagsrassistisch ist (s. Beispiel oben; verbunden z.B. mit der meßbaren Größe, in welche Schulen mit welchem Ausländeranteil der arrivierte Grüne seine Kinder schickt) - und das auch weiß. Was bedeutet, dass er sich hier nicht betroffen fühlen muß und im Gegenzug der Beschimpfungsrunde dem "Schlechtmenschen" dessen eigene Ignoranz / Blödheit in entsprechender Wortwahl um die Ohren hauen kann. Soweit ich das verstehe, ist die Empfängerseite Dein Ansatz und Du im Gegensatz zum gerade von mir angenommenen bist der Meinung, dass der Freiburger Grüne um seine "Schlechtigkeit" nicht weiß. Ich glaube das eher nicht - Einzelfälle selbstverständlich ausgenommen. Der "Freiburger Grüne" ist ein Normalo mit allen üblichen Vorzügen und Schwächen mit bestimmter Agenda - ganz ähnlich dem Ingenieur-Normalo, der ganz genau ausrechnen kann, warum Atomenergie die beste / billigste / sauberste Energieerzeugungsart *ever* ist (und dabei gesamte Funktionsbereiche gesellschaftlicher und fiskalischer Größen komplett außer Acht läßt, weil er dafür keine Symboltaste auf seinem TI-Taschenrechner vorfindet - was wiederum die komplette perfekte Formel vollständig ins Irreale verschiebt). Es sind also immer die Blindstellen der eigenen Agenda, die wirkungsvoll dafür sorgen, in der Selbstgewissheit verbleiben zu können. Und nach eigener Einschätzung von "Gutmenschentum" nicht mal näherungsweise überhaupt betroffen zu sein.
every time you make a typo, the errorists win

Belbo

waren nicht klassische Gutmenschentum die Trottel , die Soldaten bzw. Deren Hinterbliebenen die an Radargeräten gedient haben ein Rente gesichert haben..... Oder bringe ich da mal wieder was durcheinander.......l

Typee

"Gutmensch" ist einer von den Begriffen, bei denen das Problem der Definition darin besteht, ein Bild, das eigentlich allen ganz ähnlich vorschwebt, in Sprache zu packen.

"Gutmensch" könnte der/die sein, der/die das "Gute" will, das weniger aber vom größtmöglichen Nutzen her begreift, sondern von der eigenen Moralität her. Wenn ich es recht bedenke, ist es eine Art säkularer Frömmigkeit - eine Frömmgkeit, die mit oder ohne Religion gleich gut funktioniert: tue Gutes, und fühle Dich gut damit. 


Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Belbo

Sind eigentlich Menschen, die in missionarischem Eifer, andere Menschen von der Überlegenheit wissenschaftlicher Methodik überzeugen wollen, Gutmenschen?  :angel:

Typee

Zitat von: Belbo am 24. Juni 2014, 07:53:41
Sind eigentlich Menschen, die in missionarischem Eifer, andere Menschen von der Überlegenheit wissenschaftlicher Methodik überzeugen wollen, Gutmenschen?  :angel:

Nach meiner Def. könnte das der Fall sein, muss aber nicht. Eifer ist nicht das Kriterium des Gutmenschen, sondern der Nervensäge.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Belbo

Zitat von: Typee am 24. Juni 2014, 08:17:24
Zitat von: Belbo am 24. Juni 2014, 07:53:41
Sind eigentlich Menschen, die in missionarischem Eifer, andere Menschen von der Überlegenheit wissenschaftlicher Methodik überzeugen wollen, Gutmenschen?  :angel:

Nach meiner Def. könnte das der Fall sein, muss aber nicht. Eifer ist nicht das Kriterium des Gutmenschen, sondern der Nervensäge.

Muss ein Gutmensch nicht zuerst mal Optimist sein, indem er glaubt er könne die positiv Welt verändern, und bdas Problem fängt an wenn ihm die Kriterien der Bewertung was nun positiv ist durcheinandergeraten und er zudem ein gewisses Sendungsbewusstsein entwickelt.