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Autor Thema: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread  (Gelesen 56830 mal)

Belbo zwei

  • Gast
Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« am: 10. Januar 2013, 11:25:23 »
Ansich bilde ich mit ja ein ein gewisses mass an Allgemeinbildung zu besitzen, es gibt allerdings Bereiche in denen ich offensichtlich gewaltige Lücken habe wem das auch so geht dem wird ja vielleicht hier geholfen.

Belbo zwei

  • Gast
Geldmenge
« Antwort #1 am: 10. Januar 2013, 11:30:12 »
Kann mir jemand erklären wie es funktionieren kann die Geldmenge die in der Eurozone vorhanden ist mal locker innerhalb von 15 Jahren zu verdreifachen ohne eine Megainflation?

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Eurozone_M3_money_supply.png&filetimestamp=20120803230218

....ich stolpere durch diese überall aufflackernden Frei- Voll- und Giralgelddiskussionen wie ein Blinder.

...noch krasser die Graphik für die "Geldbasis"....

http://de.wikipedia.org/wiki/Geldbasis

zwingenberger

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #2 am: 10. Januar 2013, 12:48:50 »
Folgende Faktoren verhindern - derzeit noch - die Megainflation:

1.
Der Geldmengenvermehrung steht das netto-Wachstum gegenüber. Auch wenn es in den letzten Jahren eingebrochen ist, macht es sich über 15 Jahre bemerkbar. Mehr Geld verteilt sich also auch auf mehr Waren und Dienstleistungen.

2.
Die Geldvermehrung wird so lange nicht wirksam, wie sie nicht zirkuliert. Wenn die EZB 1 Billon Euro frisches Geld bereitstellt, die Geschäftsbanken dieses Geld allerdings nicht in den Wirtschaftskreislauf einschleusen, etwa über Kreditvergaben zu billigen Zinsen, sondern es bei den Zentralbanken selbst wieder hinterlegen (weil keiner dem anderen mehr vertraut), dann ist die Geldmehrmenge einfach nur eine große Zahl ohne volkswirtschaftliche Auswirkung.

3.
Die reale moderate Inflation über 15 Jahre muss gegengerechnet werden. Sie war zwar nicht gleich null, aber aufsummiert und gemittelt liegt sie in Euroland bei gut und gerne 40 %.

4.
Die Verteilung von Einkommen und Vermögen spielt eine Rolle. Wer sein Einkommen, sagen wir, verdoppelt, gibt nicht gleichzeitig doppelt soviel Geld für Lebenshaltungskosten aus. Das Mehreinkommen wandert zu einem guten Teil in "Vermögensbildung". Noch die vitalste Form ist die Umwandlung in Betongold, vulgo das Häuslebauen. Diese Kosten zirkulieren volkswirtschaftlich weiter. Ein Kapitalgrab hingegen ist die Flucht ins Edelmetall Gold. Wer Ersparnisse einer Bank gibt, muss damit rechnen, das die damit wenigstens teilweise Guthaben bei Zentralbanken hinterlegt und damit der Volkswirtschaft praktisch entzieht, weil der Refinanzierungsbedarf für Kreditvergaben nicht besteht oder man sich im klassischen Kreditgeschäft nicht engagieren will. Dazu kommen Kapitalabflüsse im Investmentgeschäft.

5.
Die Binnenkaufkraft ist noch immer so niedrig, dass sie kaum Spielräume lässt. Eine starke Verteuerung würde den Konsum restlos abwürgen. Dabei spielt auch der Faktor unter 2. eine Rolle: erst wenn mehr von dem Geld unter die Leute kommt, das zur Zeit noch ineffektiv gebunkert wird, schießt Inflation in die Höhe (und dann werden damit auch die offenen Rechnungen der Staatsverschuldungen beglichen).

Belbo zwei

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #3 am: 10. Januar 2013, 12:53:38 »
Vielen Dank.

Binky

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #4 am: 10. Januar 2013, 13:28:41 »
Belbo, gute Idee, so einen Thread aufzumachen!

Ridcully

  • Forum Member
  • Beiträge: 748
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #5 am: 10. Januar 2013, 17:45:19 »
Da fehlt meiner Meinung nach der wichtigste Punkt: Die höhere Geldmenge wird durch eine geringere Umlaufgeschwindigkeit ausgeglichen. Alle sitzen länger auf ihrem Geld, das tatsächlich für Güter ausgegebene Geld bleibt daher praktisch gleich = ihre Preise gleich = keine Inflation. Man kann zum Beispiel in Japan sehr schön beobachten, dass es über Jahrzehnte trotz enormer Aufblähung der Geldmenge nicht zu Inflation kommen muss. Das ist aber auch nichts positives, die Kehrseite davon ist wirtschaftliche Stagnation.

PS: und da wo die Preise dank des Panikverhaltens der Geldbesitzer tatsächlich durch die Decke gehen, nämlich z.B. teilweise schon wieder im Immobilienbereich oder beim Gold, erhöht das nicht die gemessene Inflation weil Häuser und Gold nicht im Warenkorb der Statistiker auftauchen.

Belbo zwei

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #6 am: 10. Januar 2013, 18:44:03 »
Irgendwie gehts mir mit der Vorstellung diese Giralgeldes wie JJ mit den Ziegen.....

Dr. Ici Wenn

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #7 am: 10. Januar 2013, 18:49:06 »
Irgendwie gehts mir mit der Vorstellung diese Giralgeldes wie JJ mit den Ziegen.....

Hilft das weiter?

http://de.wikipedia.org/wiki/Buchgeld

Edit: Und das noch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Giralgeldsch%C3%B6pfung

Psiknubbel

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #8 am: 14. Januar 2013, 19:37:12 »
Der Wiki-Artikel zur Geldschöpfung ist wirklich gut.

Aber warum drängen Banken dann so darauf, dass vergeben Kredite zurückgezahlt werden, wenn sie ohnehin vernichtet werden?
Es spielt dann doch für die Bank keine Rolle, ob der Kredit zurückgezahlt wird, oder nicht - solange die Zinsen bezahlt werden, bzw. ab den Punkt, ab den die gezahlten Zinsen das Kreditvolumen überwiegen.

2. Frage:
Wie kommt es dann überhaupt zu Kriesen?
Die Banken können sich mit gegenseitiger Kreditvergabe gegenseitig retten. Auch könnte man kein "Vertrauen" verlieren und Kreditvergabe ablehen, denn Banken haben ja quasi unbegrenzt Geld.

Kann mir jemand helfen?

Psiknubbel

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #9 am: 28. Januar 2013, 23:10:40 »
Niemand eine Idee?  :o

gesine2

  • Forum Member
  • Beiträge: 1620
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #10 am: 28. Januar 2013, 23:45:37 »
Doch, sicherlich - allerdings kann ich es Dir auch nicht erklären. Aber wir beide sind ja nicht alleine auf der Welt:

Letzten August gabs etwas bei den scienceblogs, außerdem -bitte nicht erschrecken- gibts einen YouTube-clip, der die Krise recht gut in Bilder und (englische) Worte umsetzt.
_____________________
ne schöne jrooß, gesine2

Ratiomania

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #11 am: 29. Januar 2013, 02:22:37 »
Nächste Frage:

Manchmal wird gefordert das Arbeitnehmer einen automatischen Inflationsausgleich (die Basis lassen wir jetzt mal außen vor) bekommen sollten.

Hintergrund ist wohl der Gedanke, dass man nicht real immer weniger verdient und somit die alltägliche Kaufkraft geschwächt wird.

Nur frage ich mich ob das was nützen würde. Der Arbeitgeber hat mehr Kosten die er an die Konsumenten weitergibt und Schwupps haben wir eine Verteuerung.

D.h. man kann dem Kaufkraftverlust so nicht entkommen... oder?

Belbo zwei

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #12 am: 29. Januar 2013, 02:30:11 »
Nächste Frage:

Manchmal wird gefordert das Arbeitnehmer einen automatischen Inflationsausgleich (die Basis lassen wir jetzt mal außen vor) bekommen sollten.

Hintergrund ist wohl der Gedanke, dass man nicht real immer weniger verdient und somit die alltägliche Kaufkraft geschwächt wird.

Nur frage ich mich ob das was nützen würde. Der Arbeitgeber hat mehr Kosten die er an die Konsumenten weitergibt und Schwupps haben wir eine Verteuerung.

D.h. man kann dem Kaufkraftverlust so nicht entkommen... oder?


...so einfach ist es dann auch nicht, nach Deiner Logik müsste man ja die Löhne nur halbieren und schwups wächst die Wirtschaft.....


....den Schwaben fing es an gut zu gehen als einer der beim Daimler "gschaffd" hat sich auch einen Mercedes leisten konnte....

Ratiomania

  • Gast
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #13 am: 29. Januar 2013, 02:43:51 »
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Manchmal wird gefordert das Arbeitnehmer einen automatischen Inflationsausgleich (die Basis lassen wir jetzt mal außen vor) bekommen sollten.

Hintergrund ist wohl der Gedanke, dass man nicht real immer weniger verdient und somit die alltägliche Kaufkraft geschwächt wird.

Nur frage ich mich ob das was nützen würde. Der Arbeitgeber hat mehr Kosten die er an die Konsumenten weitergibt und Schwupps haben wir eine Verteuerung.

D.h. man kann dem Kaufkraftverlust so nicht entkommen... oder?


...so einfach ist es dann auch nicht, nach Deiner Logik müsste man ja die Löhne nur halbieren und schwups wächst die Wirtschaft.....


....den Schwaben fing es an gut zu gehen als einer der beim Daimler "gschaffd" hat sich auch einen Mercedes leisten konnte....

Wenn der Arbeitgeber das schafft - bei gleichbleibender Produktivität - dann senkt er womöglich den Preis, halbiert ihn aber bestimmt nicht...


Tant Edit meint:

Achso, langsam dämmerts mir worauf du hinauswillst, wenn ich den umgekehrten Weg gehe hieße das er würde letztendlich gleichbleibenen Profit machen. Dann müsste man die Berechungsgrundlage für den Inflationsausgleich doch besprechen, da nicht jeder Arbeitgeber gleichviel zur gleichen Zeit davon profitiert...


The Doctor

  • Forum Member
  • Beiträge: 3668
  • Allgemeinspezialist
Re: Hilfe...."ich bin zu blöd das zu verstehen"- Thread
« Antwort #14 am: 30. Januar 2013, 11:54:47 »
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Manchmal wird gefordert das Arbeitnehmer einen automatischen Inflationsausgleich (die Basis lassen wir jetzt mal außen vor) bekommen sollten.

Hintergrund ist wohl der Gedanke, dass man nicht real immer weniger verdient und somit die alltägliche Kaufkraft geschwächt wird.

Nur frage ich mich ob das was nützen würde. Der Arbeitgeber hat mehr Kosten die er an die Konsumenten weitergibt und Schwupps haben wir eine Verteuerung.

D.h. man kann dem Kaufkraftverlust so nicht entkommen... oder?

Gibt es hier in der Schweiz bereits. Funktioniert sehr gut und hat Gewerkschaften praktisch überflüssig gemacht.
Immer, wenn Du glaubst, dümmer geht's nicht mehr, kommt von irgendwo ein Eso her!