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Gesellschaftsfeindlich

Begonnen von Kinderarzt, 15. Februar 2009, 23:36:51

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Schau-ma-amoi

Zitat von: mandelkern am 20. Februar 2009, 13:23:13Empirisch und logisch:
Jeder, der sich krankschreiben lassen will, muss zuerst zum approb. Arzt!
Nur dort gibt es (fast) kostenlos Medikamente auf Rezept.
Nur dort gibt es kostenlos Labormedizin und Medizintechnik.
Wenn das zur Heilung genügen würde, müssten Heilpraktiker verhungern.



Das ist nicht richtig.

Einerseits ist das Krankschreiben nur eine der zahlreichen Tätigkeiten des (Allgemein)arztes, andererseits sind Medikamente und die ärztliche Behandlung nicht kostenlos. Sie werden durch Abgaben bzw. Steuern finanziert.

HP, ein anachronistisches Unikum, haben eine im Verhältnis zu den Medizinern wesentlich schlechtere Ausbildung, weshalb sie sehr häufig in esoterische, damit leicht verständliche und eingängige Behandlungsmethoden ausweichen. Seriöse Behandlung kann der Arzt allemal besser.

Mit der Empirie wäre ich etwas vorsichtiger, denn gesellschaftliche Strömungen lassen sich nur schwer fassen. Die Behauptung, Leute würden zu den Esoterikern rennen, kommt gerade in der Eso-Szene vor ("Die Ärzte haben mich aufgegeben, der Wünschelrutengänger hat mich geheilt") und ist, sei mir nicht bös, zumindest uninformiert.

Und was die Heilung angeht: wenn der Arzt nicht ,,heilen" kann, dann der HP erst recht nicht.  

Schau-ma-amoi

Zitat von: mandelkern am 20. Februar 2009, 14:09:53
Hier was von Schweizer Forschern:
Komplementärmedizin aus der Sicht der Wissenschaft. Bericht der Expertengruppe zum Nationalen Forschungsprogramm 34, Komplementärmedizin.
Die summary ist kostenlos.

http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?Aktion=ShowAbstract&ArtikelNr=57121&Ausgabe=228267&ProduktNr=224242

Ich stelle übrigens fest, dass sich da gar nicht mehr so genau trennen lässt...
Viele Heilpraktiker arbeiten mit Phytotherapie und Orthomolekulartherapie oder Akupunktur  -
Ärzte und Kliniken jedoch ebenfalls, als kostenpflichtiges Zusatzangebot Komplementärmedizin.

Medizin ist (wird?) wohl ein Markt wie jeder andere auch, auf dem jeder Unsinn angeboten wird, so die Nachfrage vorhanden ist und wenn nicht, wird sie generiert. Warum den Heilpraktikern das Feld überlassen?

mandelkern

Zitat

Und was die Heilung angeht: wenn der Arzt nicht ,,heilen" kann, dann der HP erst recht nicht.  


Ich selbst gehe nicht zum HP, aber ich kenne ideologisch unverdächtige bildungsnahe Menschen die mir versichern, der HP habe mehr für sie tun können als der Arzt.
Und dass ihr Pflanzenpräparat ihnen gut tut, aber viel weniger Nebenwirkungen hat als Pharma.
Wenn das alles nur auf Suggestion beruht, sollte es doch auch den Ärzten möglich sein!

AnnaLena

Leider kriegen die Ärzte diese Seelenmassage nicht bezahlt, die kriegen 30 Euro oder so por Patient pro Quartal, egal wie oft der kommt.
Für ne halbe Stunde Placeboblabla und Kräuterwässerchen kriegt der HP viel mehr.

Das sprechende Medizin wichtig ist, weiss jeder Arzt, doch hilft es nicht. Dann schleust er zuwenig Patienten durch und kann seine Leute nicht mehr bezahlen.

Schau-ma-amoi

Zitat von: mandelkern am 20. Februar 2009, 15:42:57
Zitat

Und was die Heilung angeht: wenn der Arzt nicht ,,heilen" kann, dann der HP erst recht nicht.  


Ich selbst gehe nicht zum HP, aber ich kenne ideologisch unverdächtige bildungsnahe Menschen die mir versichern, der HP habe mehr für sie tun können als der Arzt.
Und dass ihr Pflanzenpräparat ihnen gut tut, aber viel weniger Nebenwirkungen hat als Pharma.

Stadtgeschichten. Ich würde mal dezent nach Fakten fragen. Welche Krankheit hatte denn der der gute Mann, die dann der HP im Handumdrehen mit Löwenzahn & Co "geheilt" hat? 

Dies zu wissen, ist doch im Sinne des Fortschrittes wichtig. Wenn ein Laie (HP) mit Pflanzerl eine Krankheit beseitigen kann, hat doch die Öffentlichkeit ein Recht darauf, dies zu erfahren.

ÖKOTEST war nicht so angetan:

http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?doc=38457

Zur Heilpraktikerausbildung ein Beispiel:
http://www.heisetreff.de/Deutschland-Berlin/Kontakte/Ausbildung/Sonstige/Biete-Ausbildung-zum-Heilpraktiker-mit-dem-Heilpraktiker-SelbstStudium-Vorbereitung-auf-die-amts-auml-rz~/rub-150/anz-cab76aa7bf303d9cd5e35cbd676d024c/

Hauptschule reicht, ein (deutscher) Wahnsinn!

rincewind

Zitat von: Schau-ma-amoi am 20. Februar 2009, 16:21:09
Hauptschule reicht, ein (deutscher) Wahnsinn!

Der ist tatsächlich einzigartig und gehört dringendst abgeschafft.

Conni

Stell Dir mal vor, die Arbeitsagentur kommt auf die Idee, schwervermittelbare Hauptschulabsolventen zu einer Heilpraktikerausbildung zu verdonnern *grusel*

cohen

Zitat von: Conni am 20. Februar 2009, 17:38:43
Stell Dir mal vor, die Arbeitsagentur kommt auf die Idee, schwervermittelbare Hauptschulabsolventen zu einer Heilpraktikerausbildung zu verdonnern *grusel*

Das gibt´s doch alles schon, Conni.

Conni

Zitat von: cohen am 20. Februar 2009, 17:51:53
Zitat von: Conni am 20. Februar 2009, 17:38:43
Stell Dir mal vor, die Arbeitsagentur kommt auf die Idee, schwervermittelbare Hauptschulabsolventen zu einer Heilpraktikerausbildung zu verdonnern *grusel*

Das gibt´s doch alles schon, Conni.

:o

mandelkern

Ja, es stimmt, exemplarische "Stadtgeschichten" sind kein Beweis.
Wenn sich Phytomedizin patentieren liesse, gäbe es wahrscheinlich mehr Studien.

Aber Beweise interessieren Kranke erstmal nachrangig, wer Malaisen hat will einfach gesund werden.
Als ich Studi war, hab ich auch Prinzipien geritten, aber mittlerweile -seit dem Auftreten der ersten Zipperlein - sehe ich das pragmatischer. Und wenn mir jemand von positiven Erfahrungen berichtet (oder von negativen, das gibt es auch) dann unterstelle ich ihm nicht, ein Lügner oder ein Idiot zu sein.

ZitatÖKOTEST war nicht so angetan:

http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?doc=38457

10 HPs getestet - und das soll repräsentativ sein? Das reicht mir wissenschaftlichen Sinne jetzt doch nicht ganz.

Was die HP-Voraussetzungen angeht: keine Frage, die sind lächerlich.
Allerdings fangen das wohl die Amtlichen Prüfungskommissionen  wieder auf, indem sie 65% erst mal durchfallen lassen...

*******
Medizinische Scheusslichkeiten gibt es überall:
Zahnarzt reisst Patientin unbezahlte Prothese aus dem Mund
http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=9271050&artId=13628070&offset=1

Schau-ma-amoi

Zitat von: mandelkern am 20. Februar 2009, 18:12:46
Ja, es stimmt, exemplarische "Stadtgeschichten" sind kein Beweis.
Wenn sich Phytomedizin patentieren liesse, gäbe es wahrscheinlich mehr Studien.

Aber Beweise interessieren Kranke erstmal nachrangig, wer Malaisen hat will einfach gesund werden.
Als ich Studi war, hab ich auch Prinzipien geritten, aber mittlerweile -seit dem Auftreten der ersten Zipperlein - sehe ich das pragmatischer. Und wenn mir jemand von positiven Erfahrungen berichtet (oder von negativen, das gibt es auch) dann unterstelle ich ihm nicht, ein Lügner oder ein Idiot zu sein.

Natürlich nicht, die Angelegenheit ist hier sehr verkürzt dargestellt.

ZitatWas die HP-Voraussetzungen angeht: keine Frage, die sind lächerlich.
Allerdings fangen das wohl die Amtlichen Prüfungskommissionen  wieder auf, indem sie 65% erst mal durchfallen lassen...

Welchen Schluss kann man daraus ziehen?  ;D

Schau-ma-amoi

Zitat von: mandelkern am 20. Februar 2009, 18:12:46

*******
Medizinische Scheusslichkeiten gibt es überall:
Zahnarzt reisst Patientin unbezahlte Prothese aus dem Mund
http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=9271050&artId=13628070&offset=1

Klar, es gibt auch einen Hamer und andere üble Genossen. Dagegen hilft nur eines: die Ausbildung der Ärzte verbessern, aber nicht zurückrudern! In Österreich etwa ist die Behandlung durch Nichtärzte bei Gefängnisstrafe verboten:
http://www.jusline.at/index.php?cpid=ba688068a8c8a95352ed951ddb88783e&gb4s=T&lawid=11&paid=184

Conni

Man kann doch den Anachronismus mit den Heilpfuschern nicht mit Fehlern von Ärzten oder den Schwächen im Gesundheitswesen vergleichen!

mandelkern

Das österreichische Gesetz ist vernünftig!
Allerdings ist es da leichter Medizin zu studieren, die haben nicht so einen brutalen NC wie hier.
Mittlerweile müssen sie sich gegen Studi-Immigranten aus D bereits abschotten.

Was in D dringend not täte:
Medizinische Informationen jedem zugänglich zu machen!
Wo oft bin ich schon auf Websites gelandet "Diese Information ist medizinischen Fachkreisen vorbehalten".
Wer nicht gut englisch lesen kann - anderswo hält man sich nicht so bedeckt - der hat Pech gehabt.

Schau-ma-amoi

Zitat von: mandelkern am 20. Februar 2009, 18:43:28
Das österreichische Gesetz ist vernünftig!
Allerdings ist es da leichter Medizin zu studieren, die haben nicht so einen brutalen NC wie hier.
Mittlerweile müssen sie sich gegen Studi-Immigranten aus D bereits abschotten.

Ja, es gab lange Zeit freien Zugang zum Studium, das hat sich seit einigen Jahren allerdings geändert. Es ist jetzt stark limitiert. Wir haben derzeit einen Überschuss von Absolventen, etliche werden von Krankenhäusern aus dem Osten Deutschlands angeworben.