Neuigkeiten:

Wiki * German blog * Problems? Please contact info at psiram dot com

Main Menu

Rationalismus/Skeptizismus vs. Spiritualität

Postings reflect the private opinion of posters and are not official positions of Psiram - Foreneinträge sind private Meinungen der Forenmitglieder und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung von Psiram

Begonnen von niedlich, 26. April 2010, 11:59:08

« vorheriges - nächstes »

niedlich

Erst mal: "Hallo". Dies ist mein 1. Topic.
Ich stelle die (na ja, mehr oder weniger) provokante These auf, dass sich rationalistisches Denken und eine authentische (von allem Müll beseitigte) Spiritualität in keiner Weise konträr gegenüberstehen. Es sollte sogar so sein, dass solch eine Spiritualität einem Hyperrationalismus und Skeptizismus Vorschub leisten sollte.
Das Problem ist, dass ihr (und wahrscheinlich 99,99% der Menschen, die sich dafür interessieren) Mainstream-Schwachmaten-Esoterik mit Spiritualität verwechseln (es sei schon mal vorausgeschickt, dass das Wort "Spiritualität" eigentlich äußerst unglücklich ist. In Ermangelung einer besseren (vertändlichen) Alternative benutze ich es trotzdem erstmal).
Mainstreamesoterik ist eigentlich das genaue Gegenteil von authentischer Spiritualität:
In der Esoterik geht es immer darum, gedankliche Kompensationsstrategien aufzubauen, die dafür sorgen sollen, dass man sich BESSER fühlt. Esoterik gehört also in den Bereich wellness, etwas platt ausgedrückt. Wenn ich mir also einrede, dass ich einen persönlichen Schutzengel habe, dann geht es mir erstmal besser. Esoterik (damit meine ich immer unsere Instant-Fastfood-Esoterik) und positives Denken ist also eigentlich das selbe.
Hingegen geht es bei der Spiritualität so wie ich (und viele andere sehr vernünftige ;-) ) Menschen sie verstehen darum, nach und nach sich von all diesen Kompensationsstrategien zu lösen. Und das (im besten Falle) ohne ein kompletter Soziopath und Arschloch zu werden. Spirituelle Praxis (und Spiritualität ohne Praxis ist bullshit) ist also etwas (phasenweise) äußerst unangenehmes. Denn zum einen gilt es, sich  von liebgewonnenen Ansichten zu lösen, zum anderen gibt es eine Menge unangenehmer körperlicher Begleiterscheinungen, die mit Meditationspraxis zu tun haben. Der gesamte psycho-physische Organismus wird ziehmlich umgemodelt. Das kann (muss aber nicht) sehr unangenehm sein.

Das erstmal als kurzer Einstieg. Vielleicht genügt das erstmal als Einstieg in eine Diskussion.



Vogelspinne

Hallo niedlich,

Ich glaube, dass du hier auch wenig Verständnis für deine Begriffsdeutung zur Spiritualität findest. Desweiteren weiß man hier sehr gut Bescheid und kann sehr wohl zwischen der Kommerz-Esoterik und dem "spirituellen Weg" unterscheiden.

Deine Spiritualität baut jedoch auch auf einer irrationalen Weltanschauung auf. Du beziehst dich bestimmt auf deinen Schulungsweg, den du selbst beschreiten musst, den dir auch niemand abnehmen kann und den du durch innere Einkehr vollziehst. Du glaubst an Reinkarnation, Karma und strebst die Erleuchtung an oder? Deine Innenschau fördert blockierende und negative Muster zu Tage, die du "erlöst" und dein Ziel ist es dich von jeglichen negativen Gedanken und Emotionen zu befreien, ergo alles zu lieben, was ist.

Der Lichtkörperprozess ist der Weg, den du bewusst gehst oder nicht?

truthhurts

Hans ich hab den Finger schneller am Löschknopf als du posten kannst!

Scheibenwelt

Eimer

Zitat von: niedlich am 26. April 2010, 11:59:08
...es sei schon mal vorausgeschickt, dass das Wort "Spiritualität" eigentlich äußerst unglücklich ist. In Ermangelung einer besseren (vertändlichen) Alternative benutze ich es trotzdem erstmal...
Der Begriff "Spiritualität" setzt mE den Glauben an einen Geist oder an die Existenz einer "Seele" voraus. Wenn du etwas anderes meinst dann suche einen anderen Begriff.


niedlich

ZitatDu glaubst an Reinkarnation, Karma und strebst die Erleuchtung an oder?

Genau daran glaube ich nicht. Hätte ich sonst geschrieben, dass sich rationalistisches Denken und Spiritualität nicht ausschließen?
Karma und Reinkarnation sind kulturelle Idiosynkrasien. Das hat innerhalb der Kultur möglicherweise einen praktischen Nutzen. Mehr aber auch nicht.

ZitatDesweiteren weiß man hier sehr gut Bescheid und kann sehr wohl zwischen der Kommerz-Esoterik und dem "spirituellen Weg" unterscheiden

Das, was als "spirituelle Weg" verkauft wird, ist genau das, was ich unter Kommerz-Esoterik verstehe.

Zitatdein Ziel ist es dich von jeglichen negativen Gedanken und Emotionen zu befreien, ergo alles zu lieben, was ist.

Ne, sicher nicht :-) . Das ist die übelste Pervertierung von authentischer Spiritualität. Mir ist nichts mehr zu wider, als "spirituelle" Menschen, die im Kreis sitzen, sich an den Händen fassen und alles und jeden nur noch ganz lieb haben wollen. Es geht nicht um das vernichten von negativen Gefühlen.


Ich versuche mal genauer zu definieren, was ich unter Spiritualität verstehe.
Ich nehme mal eine Erklärung, die an den Theravada-Buddhismus angelehnt ist (ich habe sonst mit Theravada Buddhismus nix am Hut, gehöre auch keiner Gemeinschaft oder sonstigem an):
Es gibt drei Daseinsmerkmale, die es zu erkennen gilt:
1) Unbeständigkeit
2) Leid
3) Nicht-Selbst

Doch warte, bevor ich näher darauf eingehe, stelle ich dir, Vogelspinne" eine Frage:
Glaubst du an das alberne (durch keine wissenschaftliche Forschung zu rechtfertigende) Konzept des "Ichs" und damit einhergehend die Idee der Willensfreiheit?





niedlich

ZitatDer Begriff "Spiritualität" setzt mE den Glauben an einen Geist oder an die Existenz einer "Seele" voraus.

Richtig. Daher ist der Begriff so unglücklich. Ich glaube weder an einen Geist noch an eine Seele.
Ich werde später darauf zurückkommen, muss jetzt aber erstmal weg.

niedlich

ZitatDer Lichtkörperprozess ist der Weg, den du bewusst gehst oder nicht?

Der Lichtkörperprozess ist der Weg, den ich bewusst NICHT gehe.  ;D

Vogelspinne

niedlich, komme mal bitte zu Potte und erkläre hier genau, an was du glaubst, ansonsten ist ja keine Diskussion möglich.

An was ich glaube, dürfte dabei völlig irrelevant sein.

Ich sehe aber schon, deine Erleuchtung, bzw. dein Erwachen suchst du in der vollkommenen Auflösung, im Nirvana bzw. Nibbana. Soviel dürfte klar sein.

Das ist für mich die totale Weltflucht und am besten ist man dazu im Kloster aufgehoben.




Eimer

Zitat von: Vogelspinne am 26. April 2010, 13:30:04
niedlich, komme mal bitte zu Potte und erkläre hier genau, an was du glaubst, ansonsten ist ja keine Diskussion möglich.

Jepp, ein völliges Wirrwarr.

Zitat von: niedlich am 26. April 2010, 13:14:00
ZitatDer Begriff "Spiritualität" setzt mE den Glauben an einen Geist oder an die Existenz einer "Seele" voraus.

Richtig. Daher ist der Begriff so unglücklich.
Nochmal: dann nimm einen Anderen!

niedlich

ZitatIch sehe aber schon, deine Erleuchtung, bzw. dein Erwachen suchst du in der vollkommenen Auflösung, im Nirvana bzw. Nibbana. Soviel dürfte klar sein.

Ich stimme mit dir überein: Kloster ist in der Regel Weltflucht (bestimmt nicht immer).
Mit meinem iPhone ist es stressig zu Posten, daher heute Abend mehr


Wolleren

Spiritualität - wozu eigentlich? Reicht DAS nicht?

Die Idee, echte Spiritualität von unechter Mainstream-Esoterik zu scheiden, ist so hanebüchen wie die Idee von echtem und unechtem Granderwasser.

mossmann

Könnte interessant werden. Mal sehn, wie es weitergeht.
Offizieller Sprecher des gemäßigten Flügels der Psiram-Jugend

Vogelspinne

Zitat von: mossmann am 26. April 2010, 18:53:03
Könnte interessant werden. Mal sehn, wie es weitergeht.

Dann müsstest du dich schon rege daran beteiligen, damit es interessant werden könnte  ;D

niedlich

ZitatSpiritualität - wozu eigentlich? Reicht DAS nicht?

Ne, das reicht nicht. Es ist natürlich ganz großartig, was du da verlinkt hast. Dass du aber dieses extrem spektakuläre Bild verlinkt hast zeugt von einer ähnlichen Haltung wie der Versuch irgendwelcher Esos, einen  Sinn davon ableiten zu wollen, dass sie an so großartige Dinge wie Engel, Energien der Liebe, einen personellen Gott oder ähnlichen Schwachsinn glauben.
Ich vermeide nun erst mal den Begriff "Spiritualität". Spiritualität geht ja von der Annahme aus, dass es neben der "langweiligen" und "sinnlosen" Materie noch etwas ganz Großartiges geben muss. Nämlich ein geistiges Prinzip, welches von der Materie abgekoppelt ist. Bullshit. Gibt es sicher nicht. Jedenfalls weist wirklich nichts darauf hin. Alle Experimente in diese Richtung sind gescheitert.
An dieser Stelle sei Susan Blackmore erwähnt mit ihrem Buch "the adventures of a parapsychologist". Blackmore hat in den 70ern als Parapsychologe gearbeitet in Oxford und Cambridge (sie hatte übrigens einen Dr. in Parapsychologie. Sie war fest von psi und dem ganzen Geschwurbel überzeugt). Sie hat hunderte von Experimenten in dieser Richtung gemacht und kam dann zu dem Schluss, dass das alles völliger Unsinn ist. Heute forscht sie zu der Theorie der "meme". Diese Frau betreibt übrigens  buddhistische Meditation, obwohl ich sie als Skeptikerin und Rationalistin bezeichnen würde.

Mit dem Wort Spiritualität meinte ich folgendes:
Alles beginnt mit der Frage "Wer oder was bin ich?".
Die Wissenschaft gibt viele sehr schlaue Antworten auf diese Frage. Leider reicht das nicht aus. Es gibt eine radikal subjektivistische Antwort auf diese Frage. Und um diese Antwort geht es. Und meiner Meinung nach darf diese Antwort niemals im Gegensatz zur Wissenschaft stehen. Trotzdem kann diese Antwort niemals von der Wissenschaft gegeben werden.
Eine etwas plumpe Analogie ist folgende: Du kannst 1000 Bücher über Biochemie gelesen haben, und du wirst auch nicht ansatzweise verstanden haben, was Liebe ist.

Ich komme noch mal auf das Eingangs zitierte 1. Daseinsmerkmal im Buddhismus zurück:
1) Nicht-Selbst

Nach dem Buddhismus (und auch anderen metaphysischen Traditionen) ist das zentrale existentielle Problem des Menschen, dass er nicht durchschaut, dass das "Ich/Selbst" nur ein Konzept ist, aber keine Realität besitzt. Es ist ein sehr nützliches Konzept. Mehr aber auch nicht. Jeder Neurologe wird heute zugeben, dass das "Ich" nichts weiter ist, als ein Konzept, das das Gehirn erzeugt, damit die "Maschine Mensch" möglichst erfolgreich in dieser Welt agieren kann. Das "Ich/Selbst" war einfach ein evolutionäres Erfolgskonzept.
Die gleichen Neurologen, die dies so behaupten, bleiben aber weiterhin in diesem Konzept gefangen. Das "Ich/Selbst" ist die liebste Idee des Menschen. Von dieser Idee möchte man sich nicht verabschieden.
Und genau hier setzt spirituelle Praxis ein. Es geht darum, dieses Konzept sozusagen in realtime zu durchschauen. Es geht nicht darum, das Selbst/Ich zu töten, wie  es immer wieder von spirituellen Nullblickern behauptet wird.

(Nachher gehts weiter)