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Kindesentführung und Mord

Begonnen von MrSpock, 22. Januar 2014, 08:52:22

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Typee

Zitat von: Eumel am 16. Juni 2016, 05:39:14

Ja, das passt ins Bild. Esoterik, extreme Ernährungsformen etc. geben eine gute Plattform ab, um psychische Störungen auszuleben. Sie haben auch den schönen Nebeneffekt, dass man sich dann nicht mit den tatsächlichen Ursachen für die eigenen Probleme auseinandersetzen muss und sich noch dazu ganz toll fühlen kann, z.B. weil man ja sooo stark ist kein Fleisch zu essen oder so toll den "heiligen Schlagmidod channeln" kann (der Begriff Halluzination ist dagegen negativ besetzt). Auch der Hass auf die "Schulmedizin" rührt manchmal daher, dass einer der pösen Schulmediziner es gewagt hat, eine Diagnose zu stellen und Behandlungsmöglichkeiten anzubieten. Nur müsste man dann anfangen, an sich selbst zu arbeiten und es ist halt viel einfacher, in der kunterbunten Schwurbelwelt abzutauchen und den anderen die "Schuld" in die Tasche zu schieben (also den Fleischessern, Ärzten, der Pharmaindustrie, den Medien ...).

Im wesentlichen ja, aber in Nuancen nein.

Maßgebliche Teile der "Schwurbelwelt" beruhen gerade darauf, den Betroffenen - und zwar auch den echt betroffenen Schwerkranken - aufzuschwätzen, sie seien an ihrer Misere selbst schuld. Falsche Schockverarbeitung, falsche Haltung zur Krankheit als begrüßenswertem Vorgang, falsche Lebenseinstellung überhaupt... die Großmeister der diffamierenden Deutung von Hamer bis Dahlke lassen grüßen. Und nicht zuletzt der meschugge Putzfimmel am eigenen Körper: Entgiftung, Entschlackung, Detoxismus (die zeitgemäße Form des Exorzismus) mit der Suggestion: eigentlich bist du ein Stück Dreck.  Da muss man, wenn man's erklären will, noch ein Phänomen hinzunehmen, das ich als eine Form modernen Flagellantentums bezeichnen würde. Es ist die Bereitschaft, sich zu erniedrigen, um von den Bringern und Praktikern des Heils wieder aufgehoben zu werden. Ohne Sünde gibt es auch keine Erlösung, das sieht doch ein Blinder - und wer wollte keine Erlösung!

Hier, in der ersatzreligiösen Grundierung, liegen die gemeinsamen Wurzeln von Heilserwartungen gegenüber knechtenden Praktiken, ostentativ zur Schau gestellter Sanftmütigkeit und gefährlicher Aggression gegenüber der ungläubigen Umgebung.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Eumel

Zitat von: Typee am 16. Juni 2016, 13:59:16
Hier, in der ersatzreligiösen Grundierung, liegen die gemeinsamen Wurzeln von Heilserwartungen gegenüber knechtenden Praktiken, ostentativ zur Schau gestellter Sanftmütigkeit und gefährlicher Aggression gegenüber der ungläubigen Umgebung.

Ja, stimmt! Wobei das schon zur Schwurbelwelt und ihren Anhängern passt. Vielleicht kann ein Experte auf dem Gebiet etwas dazu sagen? Ich denke, gerade diese Widersprüche (Selbsterniedrigung, mangelndes Selbstwertgefühl, im Gegenzug Machtgefühle und andere runtermachen etc.) sind doch symptomatisch für so manche psychische Erkrankung oder zumindest ernsthafte Probleme. Meistens auch alles in ein und derselben Person gleichzeitig ???. So manches esoterisches Angebot scheint mir genau auf diese Zielgruppe zugeschnitten zu sein und dann für viel Geld unter dem Denkmäntelchen der Hilfe die Symptome zu verstärken. Manche Anbieter sind selbst überzeugte Anhänger, andere wissen genau, was sie tun und ziehen ihren kranken Opfern bewusst das Geld aus der Tasche. Wobei die Übergänge fließend sind.