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Autor Thema: Montessori-Schulen  (Gelesen 8863 mal)

Belbo

  • Gast
Re: Montessori-Schulen
« Antwort #30 am: 25. Juni 2019, 18:44:31 »
also ich finde ja, (darf ich überhaupt auf son alten thread antworten?), dass das bisschen unwissenschaftliche blabla in montessoris theorie nun wirklich absolut kein vergleich ist mit steiner-irrsinn und dessen umsetzung heutzutage.

wenn ich es richtig verstehe, gibt es nur Hormé, Nebula, Mneme, welche alle drei irgendwie was psychologisches bedeuten (unterbewusstes des kindes, wille des kindes). dass sie es so nennt, nicht cool. damals gabs wohl auch schon fundierte psychologische theorien, die sie hätte benutzen können. aber so what. sie ist vielleicht nicht 100 prozent koscher, aber ich glaube auch nicht, dass über montessori-schulen irgendwie son sektennetzwerk entsteht wie bei den anthros. gar kein vergleich.

Es ist wohl etwas unfair. diese ganzen Schulsysteme zu beurteilen, ohne sich das anzuschauen auf was sie reagiert haben...

drpsy

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Re: Montessori-Schulen
« Antwort #31 am: 09. August 2019, 22:49:49 »
Uni-Skript eines EW Profs zu Maria Montessori. Literatur: "Zeitgemässe Klassiker der Pädagogik. Leben - Werken - Wirken" (S.171-181).

Die bisherige Erziehung ist ein Kampf der Erwachsenen gegen
das Kind. Das Kind muss gehorsam sein und schweigen.
Doch der Erwachsene kann nicht wissen, wie ein Kind zu
erziehen ist, denn das Kind verkörpert die reine Natur und hat
eine grössere Nähe zu Gott als der Erwachsene.
Denn die im Kind angelegten Entwicklungsgesetze sind
göttlichen Ursprungs, sind dementsprechend gut und haben
eine kosmische Bedeutung.

Montessoris Anliegen:
Normalisierung des Kindes (Befreiung von ihm auferlegten Deviationen)       

Das Kind verstehen – Theoretische Grundlagen der Montessori-Pädagogik:
1) Anthropologischer Ansatz
1.1) Mensch als Lebewesen:
- Intelligenz und Geist als Mittelpunkt der menschlichen Existenz
- Durch Intelligenz: Ermöglichung von Entwicklung durch Beziehung mit der Umwelt
- Durch Geist: Freiheit, über sich selbst zu verfügen und verantwortlich zu handeln
1.2) Mensch als auf die Gemeinschaft ausgerichtete Person
1.3) Mensch als Gottesgeschöpf, ist zur Schöpfung dazugekommen; Aufgabe: Mitgestaltung der Schöpfung als kulturschaffendes Wesen

2) Entwicklungspsychologie
Unterteilung der kindlichen Entwicklung in drei Phasen:
1. Phase: 0-6 Jahre
Formung von Geist und Persönlichkeit
Entwicklung von Geist und Psyche als zweite embryonale Wachstumsphase
"Mneme": Unbewusstes Erbgedächtnis, das aufnehmen, aber nicht speichern kann
2. Phase: 6-12 Jahre
Kind als "Sozialer Embryo": Entwicklung des Sozialverhaltens
3. Phase: 12-18 Jahre
Entwicklung von Gerechtigkeitssinn und moralischem Interesse
Krisenhafte Zeit durch Verunsicherung

3) Kosmische Theorie
Kosmos als Schöpfungsordnung
Mensch als kosmisch Handelnder mit Blick auf die gesamte Schöpfung: Auftrag: Entwicklung der Menschheit
"Kosmische Erziehung": Erziehung zu Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein, um die "kosmische Aufgabe" zu
erfüllen

4) Religiöse Dimension
Religion als umfassende Basis des menschlichen Daseins und somit integrierender Bestandteil der Gesamterziehung
Durch religiöse Erziehung übernimmt Jugendlicher seine Verantwortung für Gesellschaft, Menschheit und Welt

5)"Hilf mir, es selbst zu tun" Anthropologische Grundannahme als Ausgangslage:
Aktive Entwicklung des Kindes aus sich selbst heraus
Ziel der Erziehung:
Unterstützung der individuellen Persönlichkeitsentwicklung
Erziehung als "Hilfe zum Leben"
- Das Kind ist von Natur aus gut
- Individualerziehung und Sozialerziehung
Sinneserziehung als Sinnesschulung, als Grundlage für die Intelligenzentwicklung und den Persönlichkeitsaufbau
Grundlage der kindlichen Erziehung:
- Freiheit
- Selbstbestimmung

Das Kind verfügt über einen inneren Bauplan der Seele.
"Sensible Phasen" steuern den physisch-psychischen
Wachstumsprozess dem inneren Bauplan entsprechend. In
diesen Phasen ist das Kind besonders empfänglich, bestimmte
Fertigkeiten und Fähigkeiten zu lernen.