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Augstein <-> Broder. Broder entschuldigt sich

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Begonnen von Dr. Ici Wenn, 12. Januar 2013, 03:24:30

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Binky


sumo

Ob eine beschwerde des israelischen Botschafters nun sinnvoll, berechtigt oder sinnlos ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Allerdings hat Deutschland tatsächlich eine besondere Verantwortung für die Politik und die Beziehungen zu Israel. Ich betone, daß es um Verantwortung geht, nicht um Schuld! Schuld an den Gründen für diese besondere Verantwortung hat eine Generation, der ich (Jg.62) nicht angehöre, selbst meine Eltern nicht.
Das allerdings enthebt uns nicht von der besonderen Verantwortung für die Beziehungen zu Israel UND der Verantwortung, jederzeit dafür einzustehen, daß sich solch Geschehen wie 33-45 nie wiederholt.
Dazu gehört für mich auch, maßlosen Beschimpfungen, die sich hinter Kritik verbergen, nicht hinzunehmen. Es war zwar nicht Augstein, sondern Gabriel, der Israel mit der Apartheid in Südafrika verglichen hat, und leider hat auch solch hanebüchener Vergleich nicht für Wellen in den Medien gesorgt.

Ich würde nach Israel ziehen, um auf @Coninas Frage zu antworten. (vielleicht nicht gerade Jerusalem, sondern TelAviv)

Wolleren

Zitat von: The Doctor am 12. Januar 2013, 21:32:22
Zum Beispiel der isrealische Botschafter in Berlin, der sich offiziell im Bundesaussenministerium darüber beschwerte, dass Deutschland sich bei der Abstimmung über den Beobachterstatus Palästinas bei den Vereinten Nationen "nur" enthalten hatte, mit dem Verweis, Deutschland habe Israel gegenüber eine "besondere historische Verantwortung".

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat darüber ebenfalls gemosert, obwohl er gar nicht für Israel sprechen kann.
Ich finde das ok: der Botschafter macht seinen Job (und die besondere historische Verantwortung gibt es schließlich), und dass der Zentralrat Anteil nimmt am Schicksal Israels, ist auch nicht verwerflich.
Eine primitive Verwendung der Antisemitismuskeule kann ich ebenfalls nicht erkennen. Und wenn schon: Betroffene dürfen das, und sie dürfen sich auch mal irren und sie dürfen auch mal über das Ziel hinausschießen. Und auch zurückrudern. Gut, dass Broder dazu in der Lage ist.

ABER: Das heißt nicht, dass die Antisemitismuskeule nicht von deutschen Feuilleton-Gojs zu ihrer Profilierung eingesetzt würde. Auch Ridcully wird über kurz oder lang von diesen vorgeblichen Judenfreunden als Antisemit bezeichnet werden, weil er nicht glühender Beschneidungsbefürworter, sondern nur kein Beschneidungspraxisgegner ist. Auch aus dieser Position ließe sich mit etwas Eifer die Absicht konstruieren, jüdisches Leben in Deutschland vernichten zu wollen: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

Deutsche tun bestimmt gut daran, "Einfach mal die Fresse halten" als Richtschnur für den Umgang mit Israel zu verwenden. Genau das tut die deutsche Diplomatie seit Jahrzehnten. Und deutsche Publizisten wie Grass oder Augstein müssen auch nicht immer wieder unverlangt eine Debatte vom Zaun brechen.
Wenn es aber eine notwendige innerdeutsche gesellschaftliche Debatte gibt (wie etwa die Beschneidungsdebatte, oder zur Ermittlung des deutschen UN-Abstimmungsverhaltens zum Beobachterstatus Palästinas), dürfen auch andere Meinungen vertreten werden, denn davon lebt Demokratie. Dann sind Antisemitismusvorwürfe nicht akzeptabel und fallen auf denjenigen zurück, der sie äußert. Denn die damit verhängten Maulkörbe befördern bloß Gruppendenken, also Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus.

bayle

Zitat von: Wolleren am 13. Januar 2013, 02:11:06
Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

Ich vermute, dass das ein grundlegendes Merkmal aller vorwiegend ideologisch determinierten Weltsichten ist. Es gibt die unbezweifelbare Wahrheit (in deren Zentrum wir stehen), es gibt die Mächte der Finsternis, und die ganze Welt ist in diesem Koordinatensystem verortet.

The Doctrix

Zitat von: Wolleren am 13. Januar 2013, 02:11:06
Ich finde das ok: der Botschafter macht seinen Job (und die besondere historische Verantwortung gibt es schließlich), und dass der Zentralrat Anteil nimmt am Schicksal Israels, ist auch nicht verwerflich.

Deutschland hat - wenn überhaupt - eine besondere historische Verantwortung gegenüber denen, die jüdischen Glaubens sind.

Eine besondere historische Verantwortung gegenüber dem Staat Israel hat Deutschland nicht. Woran machst Du die fest?
Immer, wenn Du glaubst, dümmer gehts nicht mehr, kommt von irgendwo ein Eso her!

Ridcully

Alles schön und gut oder auch nicht, aber was hat das bitte mit Augsteins Welterklärungen und der Kritik zu tun, diese zeigten häufiger antisemitische Motive? Entweder die Kritik stimmt oder sie stimmt nicht, das kann man nur anhand der jeweiligen Texte und der konkreten Kritik daran entscheiden und nicht aufgrund allgemeiner Vermutungen darüber, was in irgendeinem anderen Zusammenhang von anderen Menschen zu Recht oder Unrecht als antisemitisch bezeichnet wird.

So z.B.: http://jungle-world.com/artikel/2013/02/46935.html

Ich bitte Augsteins Verteidiger um eine Gegenargumentation, ich habe da nichts vernünftiges gefunden.

Cosmo Kramer

Ich lese mir nachher mal Ridcullys links durch, aber die Behauptung, Augstein sei ein Antisemit, wirkt auf mich extrem relativierend.
Wenn man Menschen wie Augstein als Antisemiten bezeichnet, verliert dieses Wort jede Bedeutung...

Sachlich falsche Kritik ist nicht mit einer menschenverachtenden Gesinnung zu verwechseln....

Conina

Alles Strohmann.

Augstein ist in der Top Ten der antisemitischen Äußerungen 2011, und das verdient.
Fertig ist der Lack.

Cosmo Kramer

Zitat von: Conina am 13. Januar 2013, 13:58:02
Alles Strohmann.

Augstein ist in der Top Ten der antisemitischen Äußerungen 2011, und das verdient.
Fertig ist der Lack.

Es steht hier sicher irgendwo (bin gerade mit dem Handy online --> schlechte Übersicht), aber welche "antisemitische" Äußerung wird ihm konkret vorgeworfen?

Conina

Zitat von: Cosmo Kramer am 13. Januar 2013, 14:03:45
Zitat von: Conina am 13. Januar 2013, 13:58:02
Alles Strohmann.

Augstein ist in der Top Ten der antisemitischen Äußerungen 2011, und das verdient.
Fertig ist der Lack.


Es steht hier sicher irgendwo (bin gerade mit dem Handy online --> schlechte Übersicht), aber welche "antisemitische" Äußerung wird ihm konkret vorgeworfen?

Übersicht, z.B.:
http://www.publikative.org/2013/01/04/was-hat-augstein-eigentlich-geschrieben/

Möllemann und Sarrazin wurde m. W. weniger um die Ohren gehauen.

Belbo zwei

Ein Problem ist eben, dass kritische Äusserungen n immer mit Blick auf die Intentionen betrachtet werden müssen, das führt dazu dass ein und die selbe Kritik einmal antisemitisch und einmal israelkritisch ist ( ob sie nun Broder oder Strache ausspricht), das übersehen die "also 70 Jahre danah muss diese Kritik doch wieder möglich sein"- Verfechter oft.

Conina

"Wag the dog" auf jüdisch ist bei einem Land, was 8 Mio Einwohner hat, einfach albern.


Cosmo Kramer

Zitat von: Conina am 13. Januar 2013, 14:17:31
Zitat von: Cosmo Kramer am 13. Januar 2013, 14:03:45
Zitat von: Conina am 13. Januar 2013, 13:58:02
Alles Strohmann.

Augstein ist in der Top Ten der antisemitischen Äußerungen 2011, und das verdient.
Fertig ist der Lack.


Es steht hier sicher irgendwo (bin gerade mit dem Handy online --> schlechte Übersicht), aber welche "antisemitische" Äußerung wird ihm konkret vorgeworfen?

Übersicht, z.B.:
http://www.publikative.org/2013/01/04/was-hat-augstein-eigentlich-geschrieben/

Möllemann und Sarrazin wurde m. W. weniger um die Ohren gehauen.

Ja, hab den Link jetzt gelesen. Kann aber kein Zitat von Augstein finden, das ich als antisemitisch bezeichnen würde.

Man ist kein Menschenfeind, nur weil man jemandem zu Unrecht Vorwürfe macht. Sachlich nicht richtiger Kritik von Augstein kann man inhaltlich widersprechen. Der Vorwurf des Antisemitismus ist unnötig und beleidigend.

che711

Man kann natürlich jegliche Kritik an Israel, als antisemitisch verstehen, wenn man das will !
Ich finde nichts antisemitisches an Augsteins Äußerungen.
Natürlich wird sich Israel als Staat gegen potenzielle Bedrohungen durch direkten oder indirekten Terrorismus zu Wehr setzen.
Wie das aussieht ? Der israelische Geheimdienst ist da sehr "kreativ" ! Das schließt auch gezielte Tötungen von Personen ein. Man kann auch an der Siedlungspolitik oder Palästertinenserfrage Kritik üben. Ich meine, in der generellen Israelkritik weder alle diese Kritikpunkte immer miteinander vermischt. Dadurch findet auch keine differenzierte Kritik statt, sondern nur eine Allgemeine.
Es ist auch die immer Frage, wer die Kritik übt und welche Absichten damit verfolgt werden.
Vielleicht waren die Äußerungen Augstein's einfach nur Anlaß, für Broder sich angegriffen zu fühlen und dementsprechend zu reagieren ?!

Dr. Ici Wenn

Ridcully hat eigentlich alles gesagt, speziell den Link empfehle ich jenen, die es einfach nicht begreifen.

Zitat von: Ridcully am 12. Januar 2013, 09:19:53

Nun fehlt nur noch eine Entschuldigung von Augstein für seinen antisemitischen Müll. Aber darauf werden wir lange warten können, denn das ist laut deutscher Intelligenzija ja nur legitime Kritik an Israel & den USA: Die Unfähigkeit Antisemitismus zu begreifen