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Identitätspolitik - Allgemeiner Thementhread

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Begonnen von RPGNo1, 25. Januar 2023, 13:52:20

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Max P

Adolf Hitler war der zutreffenden Ansicht, er habe die Demokratie mit ihren eigenen Regeln zur Strecke gebracht.

Purple Tentacle

ZitatWir unterscheiden klar zwischen der israelischen Regierung und der jüdischen Gemeinschaft – zu der auch LGBTQIA+-Personen gehören –, und wir würden Letztere niemals für kriminelle Kriegsverbrechen verantwortlich machen, die von einer völkermörderischen Regierung begangen werden.

Wir machen jedoch Keshet Italia dafür verantwortlich, dass sie es versäumt haben – und auch keinerlei Absicht haben –, sich von dem andauernden Völkermord in Gaza zu distanzieren; ganz im Gegenteil: In einem kürzlich veröffentlichten Dokument nahmen sie eine sprachliche Unterscheidung vor, der wir nicht zustimmen können.

Da sehe ich einen eindeutigen Widerspruch. Wieso sollte man sich von (vermeintlichen?) Verbrechen distanzieren, für die man nicht einmnal verantwortlich gemacht wurde? Und was hätte eine Distanzierung für einen Wert?

Übrigens haben einen Großteil der ESC-Fans erstaunlich oft für Israel gestimmt, was bekanntermaßen für einen zweiten Platz sorgte. Allem Anschein nach sahen diese Wähler auch keinen verdammungswürdigen Völkermord an den Palästinensern von Seiten Israels.

Wenn du aber nur auf einer (mutmaßlich) exakten Definition von Antisemitismus herumreiten willst, dann tausche ich das Wort ohne mit der Wimper zu zucken gegen Israelfeindlichkeit aus.
Ach, was weiß denn ich ...

Max P

Zitat von: Purple Tentacle am 30. Mai 2026, 20:32:04
ZitatWir unterscheiden klar zwischen der israelischen Regierung und der jüdischen Gemeinschaft – zu der auch LGBTQIA+-Personen gehören –, und wir würden Letztere niemals für kriminelle Kriegsverbrechen verantwortlich machen, die von einer völkermörderischen Regierung begangen werden.

Wir machen jedoch Keshet Italia dafür verantwortlich, dass sie es versäumt haben – und auch keinerlei Absicht haben –, sich von dem andauernden Völkermord in Gaza zu distanzieren; ganz im Gegenteil: In einem kürzlich veröffentlichten Dokument nahmen sie eine sprachliche Unterscheidung vor, der wir nicht zustimmen können.
Da sehe ich einen eindeutigen Widerspruch. Wieso sollte man sich von (vermeintlichen?) Verbrechen distanzieren, für die man nicht einmnal verantwortlich gemacht wurde? Und was hätte eine Distanzierung für einen Wert?
Ich kenne die Hintergründe von Roma Pride und Keshet nicht, vermute aber, dass sich Keshet als jüdische Organisation dem Staat Israel irgendwie verbunden fühlt und sich mit harter, grundsätzlicher  Kritik an diesem Staat schwertut. Vielleicht wird ja innerhalb Keshets darüber heftig gestritten, zumal es offenbar auch noch einen europäischen Dachverband gibt, was eine einheitlich vertretene Meinungsfindung noch schwieriger machen dürfte. Weiß ich nicht. Welchen Wert eine solche Distanzierung hätte? Nun, man würde deutlich machen, dass bei aller Verbundenheit mit Israel - oder gerade deswegen! - Kriegsverbrechen Israels auch klar benannt und verurteilt werden.

Zitat von: Purple Tentacle am 30. Mai 2026, 20:32:04Übrigens haben einen Großteil der ESC-Fans erstaunlich oft für Israel gestimmt, was bekanntermaßen für einen zweiten Platz sorgte. Allem Anschein nach sahen diese Wähler auch keinen verdammungswürdigen Völkermord an den Palästinensern von Seiten Israels.
Ich habe keine Ahnung und noch weniger Interesse, warum irgendwelche ESC-Fans für oder gegen irgendein Land oder Liedchen stimmen. Und was hat das überhaupt mit italienischen LGBTQ-Organisationen zu tun?

ZitatWenn du aber nur auf einer (mutmaßlich) exakten Definition von Antisemitismus herumreiten willst, dann tausche ich das Wort ohne mit der Wimper zu zucken gegen Israelfeindlichkeit aus.
Ich reite auf gar nichts herum, sondern grenze lediglich einen entgrenzten und missbrauchten Begriff ein. Auch "Iraelfeindlichkeit" ist nicht dasselbe wie Antisemitismus, wobei der Vorwurf der Israelfeindlichkeit ohnehin wohlfeil ist.

Adolf Hitler war der zutreffenden Ansicht, er habe die Demokratie mit ihren eigenen Regeln zur Strecke gebracht.

Purple Tentacle

Zitat von: Max P am 31. Mai 2026, 22:46:23Ich kenne die Hintergründe von Roma Pride und Keshet nicht, vermute aber, blah-blah-blah ...

Zitat von: Max P am 31. Mai 2026, 22:46:23Auch "Iraelfeindlichkeit" ist nicht dasselbe wie Antisemitismus, wobei der Vorwurf der Israelfeindlichkeit ohnehin wohlfeil ist.
Blah-blah-blah ...

FAZ (28.05.2026) | Antisemitismus in Italien : Jüdische Festwagen von Pride Parade ausgeschlossen

ZitatDer Forderung einer Verurteilung des Völkermords (an den Palästinensern im Gazastreifen) wollte sich Keshet Italia nicht anschließen. Man fühle sich zwar ,,dem palästinensischen Volk nahe", bitte jedoch darum, ,,mit der Sprache im Zusammenhang mit diesem Krieg vorsichtig zu sein", heißt es in einer Erklärung der Organisation. Das Wort ,,Völkermord" sei im Zusammenhang mit dem jüdischen Volk ,,nicht neutral", sondern erinnere an ,,ein konkretes historisches Ereignis", den Holocaust.

,,Besonders besorgt sind wir über den Satz, den wir immer wieder hören: ,Das jüdische Volk führt aus, was ihm widerfahren ist.' Es ist ein Satz, der sich nicht nur auf einen Konflikt oder eine Regierung bezieht, sondern letztlich das Geschehen mit dem gesamten jüdischen Volk in Verbindung bringt", schreibt Keshet Italia.

[...]

Riccardo Pacifici, ehemaliger Präsident der Jüdischen Gemeinde Roms und heute Vizepräsident der Europäischen Jüdischen Vereinigung, äußerte sich ebenfalls im ,,Corriere" mit der Frage: ,,Wie bringt man es fertig, gegen Diskriminierung und homophobe Angriffe zu demonstrieren, wenn man gleichzeitig Anhänger jener willkommen heißt, die wie die Hamas Schwule foltert, aufhängt und von Dächern wirft? Das ist keine Naivität, sondern Mittäterschaft."

[...]

Dagegen nahm die Vizepräsidentin des EU-Parlaments Pina Picierno (PD) in den sozialen Medien zu dem Fall Stellung. ,,Das Problem hat einen klaren Namen: Antisemitismus. Und es muss jederzeit, eindeutig und ohne Doppelmoral, bekämpft werden", schrieb sie.

[...]

Der Publizist Lanfranco Caminiti hat die Zunahme des linken Antisemitismus in Italien und in anderen westlichen Ländern seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 als ,,Palästinensismus" beschrieben und als ,,senile Krankheit" der Linken bezeichnet.
Hervorhebung von mir.
Ach, was weiß denn ich ...

RPGNo1

Zitat von: Purple Tentacle am Gestern um 07:48:00Hervorhebung von mir.

Bei Max P's Reaktion fällt mir folgendes Zitat aus Terry Pratchetts Roman "Einfach göttlich" ein:
"Mind like a steel ball, Om had said. Nothing got in or out. So all Vorbis could hear were the distant echoes of his own soul."
Terry Pratchett, Small gods, p. 288
(At Bhaal Temple)
Karlach: What a pesthole! Can't wait to clear this place out.
Minsc: There will be much trading of threats and insults, no doubt. But Minsc will be ready when it is time for boot to meet butt.
Karlach: You and me both, pal.

Purple Tentacle

Es sieht leider so aus, als wäre das bei Max zutreffend.
Ach, was weiß denn ich ...

Max P

Zitat von: Purple Tentacle am Gestern um 07:48:00Blah-blah-blah ...
Also wenn du mich weiterhin triggern willst, musst du dich schon um ein bisschen mehr argumentative Tiefe bemühen.  ;D

Zitat von: Purple Tentacle am Gestern um 07:48:00
ZitatDer Forderung einer Verurteilung des Völkermords (an den Palästinensern im Gazastreifen) wollte sich Keshet Italia nicht anschließen. Man fühle sich zwar ,,dem palästinensischen Volk nahe", bitte jedoch darum, ,,mit der Sprache im Zusammenhang mit diesem Krieg vorsichtig zu sein", heißt es in einer Erklärung der Organisation. Das Wort ,,Völkermord" sei im Zusammenhang mit dem jüdischen Volk ,,nicht neutral", sondern erinnere an ,,ein konkretes historisches Eregnis", den Holocaust.
Die Shoah war zwar der bislang durchgeplanteste Völkermord, aber weder der erste noch der letzte Genozid. Abgesehen davon hätte ich als Roma Pride den ganzen Nahostkonflikt gar nicht erst thematisiert und sowohl palästinensische als auch israelische Flaggen untersagt. Ähnliches hatte ich übrigens schon weiter oben geschrieben.

Zitat von: Purple Tentacle am Gestern um 07:48:00
Zitat,,Besonders besorgt sind wir über den Satz, den wir immer wieder hören: ,Das jüdische Volk führt aus, was ihm widerfahren ist.' Es ist ein Satz, der sich nicht nur auf einen Konflikt oder eine Regierung bezieht, sondern letztlich das Geschehen mit dem gesamten jüdischen Volk in Verbindung bringt", schreibt Keshet Italia.
Sofern dieser Satz wirklich so geäußert wurde, ist er natürlich inakzeptabel.

Zitat von: Purple Tentacle am Gestern um 07:48:00
ZitatRiccardo Pacifici, ehemaliger Präsident der Jüdischen Gemeinde Roms und heute Vizepräsident der Europäischen Jüdischen Vereinigung, äußerte sich ebenfalls im ,,Corriere" mit der Frage: ,,Wie bringt man es fertig, gegen Diskriminierung und homophobe Angriffe zu demonstrieren, wenn man gleichzeitig Anhänger jener willkommen heißt, die wie die Hamas Schwule foltert, aufhängt und von Dächern wirft? Das ist keine Naivität, sondern Mittäterschaft."
Dass ein Riccardo Pacifici das so sagt, bedeutet noch lange nicht, dass es in Bezug auf den Roma Pride auch stimmt.

Zitat von: Purple Tentacle am Gestern um 07:48:00
ZitatDer Publizist Lanfranco Caminiti hat die Zunahme des linken Antisemitismus in Italien und in anderen westlichen Ländern seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 als ,,Palästinensismus" beschrieben und als ,,senile Krankheit" der Linken bezeichnet.
Hervorhebung von mir.
Ja klar, die Linken mal wieder. Die Speerspitze des Antisemitismus! Der aber in aller Regel (ich vermute, auch in Italien) gar keiner ist, auch wenn ihr "Israelisten" noch so sehr die Wände hochgeht. Viele Linke bzw. sich selbst als links Verstehende liegen in Bezug auf Hamas et al. leider wirklich komplett und unentschuldbar daneben. Das gilt auch für andere "Antiimperialisten", die alles als "Befreiungsbewegung" romantisieren, was sich irgendwie antiwestlich geriert. Seit jeher ein großer Übelstand, aber in der Regel eben nicht antisemitisch, wie gesagt. Nicht alles, was quakt, ist eine Ente.

Antisemitismus liegt dann vor, wenn jemand Abneigung oder gar Hass gegen jüdische Menschen (oder solche, die er als jüdisch sieht) empfindet. Unterstellt wird, dass Juden per se irgendwie einen schlechten Charakter hätten. Damit verbunden sind meist die diversen Verschwörungsmythen à la Rothschild, Soros etc. Mit Israel oder der israelischen Politik hat das zunächst gar nichts zu tun.

Antisemiten können aufgrund ihrer fixen Ideen Israel hassen. Genauso aber gibt es Antisemiten, die gerade wegen ihres Antisemitismus' die Existenz Israels begrüßen. Das liegt einfach an der uralten antisemitischen Denkfigur des "Juden als Fremdling", der sich zwar äußerlich anpassen, aber nie wirklich Franzose, Deutscher, Italiener, Ungar etc. sein kann. In Wahrheit gehöre er nach Israel, da dort die wahre Heimat aller Juden sei. Überall sonst hat er nach dieser Denkweise nichts zu suchen. Hier überschneiden sich übrigens Antisemitismus und (zumindest extremer) Zionismus.
Adolf Hitler war der zutreffenden Ansicht, er habe die Demokratie mit ihren eigenen Regeln zur Strecke gebracht.