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Begonnen von rincewind, 02. Dezember 2009, 12:04:18

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RPGNo1

Marcus Keupp

Spurwechsel: Die neue Weltordnung nach Russlands Krieg

Die Ukraine ist erst der Anfang! Der russisch-ukrainische Krieg ist weit mehr als nur ein europäischer Regionalkrieg. Weltweit hat er die Nationalstaaten zu Spurwechseln gezwungen. Diese Dynamik verändert unsere Lebensrealität in einem bislang kaum vorstellbaren Ausmaß. Der Militärökonom Marcus M. Keupp analysiert diese erzwungene Neuordnung der Welt und erklärt, warum wir nicht nur vor einem neuen Kalten Krieg stehen, sondern vor einer welthistorischen Grundsatzfrage, die sich in diesen Tagen entscheidet.

So hat der russisch-ukrainische Krieg die Deutschlandfrage neu gestellt. Erstmals seit 1945 muss das deutsche Volk selbst entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Kein großer Bruder in Moskau, kein alliierter Kontrollrat entscheidet mehr, wo die Grenzen des Handelns liegen. Man muss Position beziehen, erklären, wo man steht: Welche Weltanschauung vertritt man? Will man eine nationalistische oder pluralistische Gesellschaft sein, befürwortet man den autoritären Kollektivismus oder den liberalen Individualismus? Und steht man auf dem Boden des Völkerrechts oder liebäugelt man mit einer brutalen Weltordnung schrankenloser Macht? In dieser inneren Zerrissenheit spiegelt sich die welthistorische Dimension des Krieges
(At Bhaal Temple)
Karlach: What a pesthole! Can't wait to clear this place out.
Minsc: There will be much trading of threats and insults, no doubt. But Minsc will be ready when it is time for boot to meet butt.
Karlach: You and me both, pal.

Daggi

Der englische The Guardian bestätigt eine Vermutung von mir:

82% of herbal remedy books on Amazon 'likely written' by AI    (https://www.theguardian.com/books/2025/oct/22/detection-firm-finds-82-of-herbal-remedy-books-on-amazon-likely-written-by-ai)

Wahrscheinlich sind 82 % aller Kräuterbücher also automatisch mit KI "geschrieben" worden. Tatsächlich kann man seit Jahren erkennen, daß Bücher über alternative Therapien Übersetzungsfehler und/oder grammatikalische Besonderheiten haben, die zeigen daß sie (wenn deutschsprachig) entweder aus englischsprachigen Quellen stammen oder umgekehrt, daß englischsprachige Texte ihren Ursprung in einer anderen Sprache haben. Ganz absurd wird es falls zum Beispiel ein deutschsprachiges Buch eine Übersetzung eines englischen Buchs ist, dieses aber wiederum eigentlich einen deutschsprachigen Ursprung hat und so die Texte hin- und her über den Atlantik wandern.
The amount of energy needed to refute bullshit is an order of magnitude bigger than to produce it.

Juliette

Ich habe gerade gelesen:

Franca Parianen: ,,Hormongesteuert ist immerhin selbstbestimmt"
Rowohlt Polaris, Hamburg 2020
544 Seiten

https://www.deutschlandfunkkultur.de/franca-parianen-hormongesteuert-ist-immerhin-selbstbestimmt-100.html

Und ich muss sagen, für Laien ist es sehr interessant und witzig (und doch fundiert) geschrieben. Oft heißt es ja abwertend (gerade Frauen gegenüber) "Ach, das sind die Hormone" oder "Die hat wohl gerade ihre Tage" und noch unfreundlichere Bemerkungen. Na ja, man weiß nach dem Buch, dass wir alle in allen Zellen ganz gewaltig von den vielen, diversen Hormonen beeinflusst werden (was man immer schon ahnte). Und dass wir immer schon viel, viel mehr in unser Hormonsystem eingreifen, als es gut wäre. Die meisten freiwilligen oder auch ungewollten hormonwirksamen Behandlungen wurden schon immer und werden auch heute noch ohne belastbare Erkenntnisse erst mal so hochgejazzt oder in Kauf genommen. Inzwischen ja sogar an Jugendlichen, wie wir wissen.

Franca Parianen ist Neurowissenschaftlerin und erreicht mich zumindest mit ihrem witzigen und gleichzeitig klugen Schreibstil. Natürlich ist das kein Lehrbuch für Medizinstudenten^, sondern wendet sich an interessierte Laien, aber man bleibt trotz des nicht ganz einfachen Themas neugierig bei der Sache. Das gelingt selbst großartigen Wissenschaftlern nicht immer, da hat man als Laie irgendwann ab der Mitte oft das Gefühl, dass sich der Stoff nur noch wiederholt und wiederholt und zieht und zieht und sie einfach kein Ende finden. Manchen Lesern mag dieser Schreibstil nicht gefallen, ich finde ihn mitreißend. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Franca_Parianen

ZitatWas genau passiert in unserem Kopf, wenn wir streiten, lieben oder schmollen? Wo lauern die Denkfehler, die uns das Zusammenleben so schwer machen? Wie überlebt das Gehirn ein Arbeitsessen oder ein Paargespräch? Und wo wir gerade dabei sind: Wäre eine einsame Insel nicht doch die bessere Option? Franca Parianen, Forscherin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (und begnadete Science-Slammerin) meint: Wenn wir uns, unsere Gefühle und unsere Mitmenschen besser verstehen lernen wollen, müssen wir unser Gehirn besser verstehen. «Temporeich und unterhaltsam.» (Neue Zürcher Zeitung)

Das Hirn puzzelt heldenhaft und unermüdlich Informationen zusammen, aber wenn diese lückenhaft sind oder es schnell gehen soll, bedient es sich dabei eben auch gerne großzügiger Verallgemeinerungen, übereilter Kurzschlüsse und waghalsiger Prognosen – was in unserem Sozialleben schon mal zu recht interessanten Risiken und Nebenwirkungen führt. Die Neurowissenschaftlerin Franca Parianen erklärt, wie sozial unser Gehirn ist – und warum «sozial» nicht zwingend «nett» bedeuten muss.

Dr. Franca Parianen, Jahrgang 1989, arbeitete am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig in der Arbeitsgruppe soziale Neurowissenschaften.Die letzten Jahre erforschte sie am Helmholtz Institut der Utrecht University den Ursprung und Aufbau des menschlichen Zusammenlebens auf der Ebene der Neuronen und Hormone. Seit 2014 ist die Wahlberlinerin als Science-Slammerin aktiv und slamt u.a. auf medizinischen Kongressen, in Theatern und auf Messen.
https://www.buch-zur-heide.de/veranstaltungen/franca-parianen-hormongesteuert-ist-immerhin-selbstbestimmt-abgesagt
"Die Zukunft war früher auch besser." Karl Valentin

RPGNo1

Michael Roth: Zonen der Angst. Über Leben und Leidenschaft in der Politik, C. H. Beck, 302 S., 26 Euro

ZitatDie beeindruckenden politischen und psychologischen Reflexionen des Politikers Michael Roth (SPD)
Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

Roth nahm sich immer wieder mehrwöchige Auszeiten. Diese vermochten seine innerseelischen Konflikte und Ängste jedoch letztlich nicht aufzulösen. Ende 2021 weihte er sein engstes Umfeld über seine seelische Erkrankung ein. Als in einer Talkshow bei Lanz, an der er sich beteiligte, furchtbarste Szenen aus Putins Vernichtungskrieg gegen die Ukraine eingeblendet wurden, rang er um Worte und um seine innere Verfassung: ,,Für die Unterstützung des Freiheitskampfes der Ukraine mobilisierte ich meine allerletzten Kräfte" (S. 183), konstatiert er lakonisch im Rückblick. Auch im Präsidium der SPD, dem er seit 2021 angehörte, fand Roth nahezu keine Unterstützung.
[...]
Das Entsetzen über das kaltblütige, brutale, putinzugeneigte Agieren Mützenichs gegen ihn durchziehen das gesamte Buch. ,,Damit hatte ich nicht gerechnet" (S. 201). Auch ich selbst war immer wieder erschüttert, als ich Mützenichs Agieren gegen die Ukraine wie auch gegen Israelerlebte; 20 Jahre zuvor als Kölner hatte ich ihn noch respektiert und für seriös gehalten hatte.
[...]
Lesenswert ist auch Roths überzeugende Beschreibung seiner Beziehung zu Israel und zum jüdischen Schicksal (S. 234-259). Die antisemitische Welle, die gegen Israel und Juden nach dem über Jahre von der Terrororganisation Hamas geplanten Pogrom vom 7.10.2023 losbrach, erschütterte Roth: ,,Ich war erschüttert, dass sich auch Menschen, die ich bislang geschätzt hatte, mit dem Terror solidarisierten und ihn als legitimes Mittel im Streben nach palästinensischer Selbstbestimmung umdeuteten" (S. 238). Nun wurde Roth gar das Etikett des ,,prozionistischen Politikers (S. 241) angeheftet. Roth erinnert sich einer frühen Reise nach Auschwitz sowie seines ersten Israelbesuches in Israel als Teil einer politischen Delegation im Jahr 1999. Erst danach wurde ihm wirklich bewusst, in welchem Umfang durch die Shaoh das jüdische Leben in Deutschland ausgelöscht war und ist. Auch dieses sehr reflektierte Buchkapitel ist durchweg lesenswert. Die Angriffe gegen seine israelsolidarische Grundhaltung nach dem Hamas-Pogrom nahmen in den sozialen Medien nun noch zu: ,,Im Zweifel für Israel – das war dann einigen doch zu viel." (S. 253) Als er nach dem Pogrom eine Israelreise beantragte, wurde ihm sogar diese von der SPD-Fraktionsführung untersagt. Sein Besuch in Israel ,,läge zu diesem Zeitpunkt nicht im Interesse der SPD-Fraktion" (S. 258) wurde ihm abschlägig beschieden.

https://www.ruhrbarone.de/traf-mich-die-blockade-bei-meinem-herzensthema-israel-um-so-haerter/254455/

Dieses Buch steht auf meiner Leseliste für dieses Jahr.
(At Bhaal Temple)
Karlach: What a pesthole! Can't wait to clear this place out.
Minsc: There will be much trading of threats and insults, no doubt. But Minsc will be ready when it is time for boot to meet butt.
Karlach: You and me both, pal.

eLender

Ester Bockwyt hat ein neues Buch geschrieben (habe das alte aber auch nicht gelesen). Sie weitet den Horizont und berichtet über Manifestationen des Opferkults (jenseits der woken Inszenierung). Aber der Kern ist der gleiche: die Identität(sfindung).

ZitatWenn die gesamten Mental-Health-Mantren der Selbstfürsorge überhand gewinnen, die einem sagen, dass man immer selbst an erster Stelle steht und sich von den Erwartungen der anderen abgrenzen muss, dann lädt man das eigene Selbst narzisstisch auf. Im Sinne von: ,,Oh, ich bin so arm dran. Oh, ich habe die ganze Zeit nicht gemerkt, wie schlecht ich behandelt wurde. Und jetzt kommt mein Autonomisierungs-Moment. Und jetzt grenze ich mich übermäßig stark von den anderen ab." Selbstliebe wird dann schnell mit Egoismus verwechselt. Man stellt sich so sehr an erste Stelle und kreist um sich selbst, dass jeglicher zwischenmenschlicher Konflikt oder jede Zumutung schon als so schwerwiegend empfunden wird, dass man sich noch mehr nach innen abkapselt.
...

Zum einen gibt es in der Psychologie nicht so eine Eindeutigkeit, wie man sie sich oft wünscht. Die Kategorien, die wir im professionellen Rahmen im Bereich psychischer Erkrankungen haben, sind keine in Stein gemeißelten Wahrheiten, sondern Beschreibungen, die sich über Jahrzehnte herauskristallisiert haben, um das, was ist, bestmöglich sprachlich abzubilden. Sie werden ständig weiterentwickelt. Wenn man sich also selbst zu sehr in eine Kategorie einsortiert, dann macht man sich selbst zu einem festen Ding, das Quelle von Selbstwert und Zugehörigkeit wird. Vieles wird dann nur noch aus der Kategorie heraus erklärt und eine lebendige Beobachtung von sich selbst geht verloren. Durch sich selbst erfüllende Prophezeiungen sucht man dann nach Informationen, die diese Kategorie bestätigen. Die findet man dann auch durch Algorithmen und die Kreise, in denen man sich aufhält. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine Fehldiagnose vorliegt, ist gar nicht mal so niedrig.
...

Da die Beschreibungen in den sozialen Medien oft so allgemein gehalten werden wie Horoskope, ist es nicht schwer, sich darin selbst wiederzuerkennen. Und wenn jemand von außen die Diagnose kritisch in Zweifel zieht, wird die Diagnose oft so vehement verteidigt, als wäre sie Teil der eigenen Identität.
https://archive.is/BBW7S (Die Welt: ,,Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Fehldiagnose vorliegt, ist gar nicht mal so niedrig")
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Juliette

Und ich habe gleich mit dem Thema Gehirn weitergemacht, mit »Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn« von Lisa Feldman Barrett.

https://www.rowohlt.de/buch/lisa-feldman-barrett-siebeneinhalb-lektionen-ueber-das-gehirn-9783499011047

ZitatWarum haben wir eigentlich ein Gehirn? Die renommierte Neurowissenschaftlerin Lisa Feldman Barrett beantwortet in diesem unterhaltsamen und leicht verständlichen Buch in siebeneinhalb kurzen Kapiteln diese und andere Fragen. Sie präsentiert aufschlussreiche Erkenntnisse aus der Forschung, und wir erfahren, wie sich unser Gehirn entwickelt hat, wie es aufgebaut ist (und warum das wichtig ist) und wie es mit anderen Gehirnen zusammenarbeitet, damit wir unseren Alltag bewältigen können: Es ist die Quelle unserer Stärken und unserer Schwächen. Es verleiht uns die Fähigkeit, Zivilisationen aufzubauen, und die Fähigkeit, uns gegenseitig zu zerstören – fangen wir also an, uns mit ihm zu beschäftigen

Die meisten Rezensenten übernehmen von Rowohlt das mit dem "leicht verständlich". Ich muss sagen, ich als Laie musste schon ein paar Sätze zwei- oder dreimal lesen, um sie zu verstehen. Aber im Großen und Ganzen ist es für das extrem komplizierte Thema sehr gut zu lesen, mit vielen informativen und tiefergehenden Fußnoten. Man erfährt sehr interessante Dinge, auch darüber, wie relativ wenig man eigentlich schon weiß und dass verschiedene Meinungen und Thesen zu einzelnen Themen existieren. Auf jeden Fall lesenswert, gerade auch mit dem Buch über die Hormone und dem Artikel im Skeptiker 2/2025 über Placebo und Nocebo. Beide Bücher möchte ich nochmal lesen, um das Gelernte noch zu vertiefen. Falls ich die Zeit habe, bei mir liegen noch sooo viele Bücher zu lesen herum.  8)

https://www.spektrum.de/rezension/buchkritik-zu-siebeneinhalb-lektionen-ueber-das-gehirn/2171013

ZitatFeldman Barrett setzt sich auch mit einigen Neuromythen auseinander. Sie widerlegt die Theorie des Reptiliengehirns, das angeblich unsere Triebe steuert, und zeigt auf, dass das menschliche Denkorgan im Vergleich zu den Gehirnen anderer Arten keine neuen Areale hat. Außerdem distanziert sie sich von der Idee einer kreativen rechten Gehirnhälfte und der Tendenz, bestimmten Arealen einzelne kognitive Funktionen zuzuordnen. Stattdessen präsentiert sie das Gehirn als ein Netzwerk, in dem Nervenzellen als flexible Knotenpunkte agieren und je nach Aufgabenstellung und Erfahrung unterschiedliche Funktionen übernehmen können. Die Autorin beschäftigt sich ebenfalls mit der Realität unserer Wahrnehmung. Gedächtnisinhalte werden nicht einfach wie auf einer Festplatte gespeichert, sondern immer wieder neu konstruiert, wenn sie abgerufen werden, so ihre Überzeugung. Unsere Sicht der Welt werde durch Vorausrechnungen und Antizipation entscheidend beeinflusst.
"Die Zukunft war früher auch besser." Karl Valentin

Juliette

"Die Zukunft war früher auch besser." Karl Valentin

Juliette

Und irgendwie fehlt die Aktualisierung des TEDs im Beitrag  ::) :

https://www.youtube.com/watch?v=6qrOwNxl2LA
"Die Zukunft war früher auch besser." Karl Valentin

Peiresc

ZitatDer Mensch lebt nicht nach den Regeln der Vernunft

- Saul Bellow, Der Regenkönig
Soweit so bekannt, und immer wieder angemerkt (the default mode of the brain is not rational thinking). Aber nach welchen dann?

Ich habe gerade die Einleitung und das erste Kapitel von  Pascal Boyer: Minds Make Societies. How Cognition Explains the World Humans Create, Yale University Press 2018, gelesen, und ich bin zuversichtlich, dass er eine Antwort geben kann.

Wenn sie mich überzeugt und man sie in wenigen Sätzen wiedergeben kann, dann werde ich noch etwas dazu sagen. Einstweilen nur ein Zitat:
 
ZitatThe poet and amateur naturalist Maurice Maeterlinck once described the tender emotions he could see on an ant's face as she regurgitated food on the colony's larvae, her eyes full of selfless maternal devotion.²⁹ He wisely stuck to his career as a poet and playwright. No student of ants, however admiring of their many qualities, would take that sort of description seriously. But it reflects a way of seeing nature that was (and is) not uncommon. Before we knew much about thunder and earthquakes, it seemed quite natural to think that some agents were behind these spectacular phenomena. But we learned to avoid this kind of explanation. The world is governed by physical laws, not by the intentions of agents. Trees grow and rivers flow, but not because they want to. As science gradually expanded our knowledge of the way the world actually works, anthropomorphism (seeing other species as human-like) and animism (seeing agents in such things as trees and rivers and thunderstorms) have been continuously receding from serious scholarship.*

Da fällt mir der tschechische Poet Jiri Wolker ein: "Käferchen, überglücklich verirrtes Käferchen ...". Ich habe ihn mal mit 18 Jahren gelesen, und mir war schon klar, dass hier nicht der Käfer, sondern der Dichter überglücklich ist.
 ;)

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* (Der eigentliche Witz dieser Passage in dem Buch ist: sie gehört zur Begründung, dass der - intuitive - Anthropomorphismus in der Untersuchung der Gesellschaft zwar zu Metaphern, aber nicht zu wissenschaftlich haltbaren Erklärungen führt.)


Gefährliche Bohnen

Zitat von: Peiresc am Gestern um 22:28:27
ZitatDer Mensch lebt nicht nach den Regeln der Vernunft

- Saul Bellow, Der Regenkönig

Soweit so bekannt, und immer wieder angemerkt (the default mode of the brain is not rational thinking). Aber nach welchen dann?

Ich habe vor einiger Zeit "Not Born Yesterday" von Hugo Mercier gelesen. Mercier argumentiert darin, dass die Menschen im Großen und Ganzen zumindest nicht leichtgläubig sind und ich fand ihn durchaus überzeugend. Allerdings ist der Umkehrschluss natürlich nicht, dass sie deshalb im Default-Modus rational sind, insofern schließen sich die beiden Thesen nicht aus. Für die Frage, nach welchen Regeln der Mensch lebt, liefert Mercier auch ganz gute Hinweise. Ich bekomme logischerweise nicht mehr alles zusammen, aber man könnte vielleicht kurz zusammenfassen: nach Heuristiken, die evolutionär betrachtet gut genug funktioniert haben. Und: die Heuristiken, die uns manchmal in die Irre führen, sind oft dieselben Heuristiken, die uns vorangebracht haben. Sie sind nicht das gleiche wie Rationalität, aber sie sind oft Annäherungen.

Mercier hat auch noch ein anderes Buch geschrieben: "The Enigma of Reason". Ich habe es noch nicht gelesen, aber es befindet sich bereits in meinem Besitz und ich erhoffe mir davon noch weiterreichende Erkenntnisse  bezüglich dieser Frage :grins2: 
"Ich muss an dieser Stelle gestehen: Ich mag Karpfen gar nicht." - Groucho
RIP