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Musiktherapie? Kritik und Forschung wo steckt du?

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Begonnen von Ratiomania, 12. September 2011, 13:47:27

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Ratiomania

Wie schauts aus mit Forschungen hinsichtlich der Wirksamkeit von Musiktherapie?

Da wird einem ja wird einem ja dann doch schon etwas versprochen...

(folgende Zitate aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Musiktherapie)

ZitatMusiktherapeut ist ein eigenständiger Heilberuf. Durch gezielten Einsatz von Musik wird in der Musiktherapie therapeutische Wirkung erzielt. Musiktherapie dient der Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit


Mir ist schon klar das solche Formulierung etwas schwammig sind. Die Einordnung erfolgt auch in die "Psychotherapie". Ich habe allerdings den Eindruck sowas geschieht um in diesem "Dunstkreis" an schwammig formulierten postulierten Wirkungen sich vor Reproduzierbarkeit zu drücken?


ZitatArbeitsfelder

Die Einsatzgebiete der Musiktherapeuten sind in kurativen, rehabilitativen und präventiven Bereichen sowie in der Nachsorge. Künstlerische Therapeutinnen arbeiten mit Menschen aller Lebensalter. Institutionell gebunden oder in freier Niederlassung behandeln sie Patienten mit somatischen, psychischen, psychosomatischen sowie psychiatrischen Erkrankungen und Menschen mit Schädigungen, Behinderungen und Beeinträchtigungen. Innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens schaffen Musiktherapeuten Räume zur Teilhabe am soziokulturellen Leben. Darüber hinaus arbeiten sie in Forschung und Lehre. Viele Musiktherapeuten arbeiten in psychiatrischen und psychosomatischen Versorgungseinrichtungen. Hier kommt die Musiktherapie vor allem psychotischen Patienten, Borderline- und gerontopsychiatrischen Patienten sowie Suchtkranken zugute. Darüber hinaus wird Musiktherapie bei Patienten mit Essstörungen, Angststörungen, Somatisierungsstörungen und Depressionen eingesetzt.

Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden spezifische Probleme bearbeitet wie: Entwicklungsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens, Aufmerksamkeitsdefizitstörungen sowie Angst- und depressiven Störungen. Im Bereich der Rehabilitation wird Musiktherapie hauptsächlich bei neurologischen Erkrankungen angewandt. Wachkoma, Frührehabilitation für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und Schlaganfall sind hier Behandlungsfelder einer eher funktional orientierten Musiktherapie.

Weitere Arbeitsfelder der Musiktherapie sind Bereiche

   der Sonder- und Heilpädagogik
   mit schwer- und mehrfachbehinderten Menschen [3]
   mit entwicklungsverzögerten bzw. –gestörten Kindern
   in Altenpflegeheimen und in der Gerontopsychiatrie
   an Musikschulen

Manualisierte Verfahren [Bearbeiten]

   Musiktherapie bei Tinnitus
   Musiktherapie bei chronischen Schmerzen
   Musiktherapie bei Migräne
   Musiktherapie bei Tumorerkrankungen
   Musiktherapie bei Frühgeborenen

Auf den üblichen Seiten (z. B. sceptics dictionary) konnte ich bisher nix finden. Nur eben von der Gesellschaft für musiktherapie (http://www.musiktherapie.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/presseberichte/pressebericht_pte-05-06.pdf) wo es eher um subjektives empfinden ging.

Auch finde ich bei Google und Co nix bei den Stichworten Kritik, skeptisch, Musiktherapie nüx brauchbares.

Von euch jemand Meinungen, Erfahrungen, Hörensagen zu dem Thema?

Ratiomania

Habe nochn Artikel dazu. Macht den bisherigen Eindruck auch nicht besser (vorallem die letzten 2 abschnitte)

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-9244788.html

:-\ :P :-\

Bobbele

ZitatAuch finde ich bei Google und Co nix bei den Stichworten Kritik, skeptisch, Musiktherapie nüx brauchbares.

zum Stichwort "Evidenz" wäre das zu finden, hilft vielleicht weiter:
http://www.musiktherapie.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/mu_downloads/Stichwort-Hillecke.pdf

Der letzte Absatz daraus:

ZitatAusblick
Die Musiktherapie befindet sich auf dem Weg, eine evidenzbasierte wissenschaftliche
Anwendungsdisziplin zu werden, manche Interventionen sind dabei schon weiter
fortgeschritten als andere. Will die Musiktherapie diesen Weg weiter beschreiten, dann sind in
folgenden Bereichen vermehrte Anstrengungen erforderlich:
1. Durchführung empirischer wissenschaftlicher Studien und Metaanalysen
2. stärkere Berücksichtigung von Forschungsergebnissen in der musiktherapeutischen
Praxis
3. Auf- und Ausbau von empirisch gestützten Qualitätsmanagementsystemen für die
musiktherapeutische Praxis
4. stärkere Auseinandersetzung mit Wegen des empirisch-wissenschaftlichen
Erkenntnisgewinns und damit verbunden die vertiefende Ausarbeitung selbstkritischer
wissenschaftlicher Positionen 



Ratiomania

Das klingt alles gut.

ABER!

ZitatUm die Anerkennung
als medizinische Forschung auf naturwissenschaftlicher Basis zu erhalten,
sollten wir uns im Sinne eines Paradigmenwechsels der Denk-und Forschungsweise
der evidenzbasierten Medizin (EBM) anschließen. Dies ließe sich auf lange
Sicht eh nicht vermeiden und würde derzeit in einem nahezu evolutionären Prozess
innerhalb der Medizinwissenschaften geschehen. EBM würde erfolgreich –
wie es aktuelle Entwicklungen von Ausbildungskonzeptionen in den Vereinigten
Staaten bestätigten – alte wissenschaftliche Paradigmen der Musiktherapie verdrängen,
wie etwa Sozialwissenschaft, Psychologie, Kunstforschung und andere
am Subjekt orientierten methodischen Ansätze, welche in »unwichtigen« Zeitschriften
ausserhalb der Medizinwissenschaften publizieren würden und wir sollten
uns besser mit dem neuen Paradigma einer neurologischen Musiktherapie befassen.
Das Publikum reagierte prompt. Zunächst sagte eine Neurologin aus Köln, sie
arbeite gerne mit Künstlern zusammen, die das Leben und die Beziehungsverhaltensweisen
auf der Station bereicherten und eine andere Perspektive in den Zusammenhang
von Persönlichkeit und Krankheit brächten. Der Psychologe Björn
Merker von der Universität Uppsala in Schweden unterstützte sie und ging noch
weiter in seiner Aussage. Er erinnerte die Zuhörer an die lange Tradition der Schamanen,
die Musik, Hilfsmittel und Rituale einsetzten, um eine grundlegende Veränderung
der Spiritualität, Persönlichkeit und Sicht des Patienten von der Welt
und sich selbst zu bewirken. In meinem eigenen Diskussionsbeitrag sprach ich die
begrenzte erkenntnistheoretische Perspektive naturwissenschaftlicher Forschungsmethodologie
an und fragte, mit welchem Recht man behaupten kann,
Sozial-, Literatur- und Kunstwissenschaften, kulturelle Anthropologie, Psychoanalyse
etc. seien keine relevanten Wissenschaften, nur weil sie nicht primär evidenzbasiert
orientiert sind. Haben Neurologen und Vertreter der evidenzbasierten
Medizin die Weltformel gefunden?

Quelle: http://www.musiktherapie.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/mu_downloads/fachner_evidenzbasiert.pdf

Da streuben sich anscheinend einige. Mit was für Argumenten...


Ich sehe hier nur wieder die Gefahr überzogener Erwartungshaltungen und Versprechungen über psychologisch-rehabilitative Hilfe hinaus. Das führt meist zu Pseudwissenschaft, Aufschiebung relevanter Massnahmen und letztendlich zu schäden.

Aber dazu konnte ich bisher nix finden. Anscheinend noch nicht von Esoterikern, Pseudomedizinern, Wunderheilern und dem andern Gesocks in Besitz genommen.

Will mal beten dass das so bleibt...


rincewind

Zitat von: Ratiomania am 12. September 2011, 15:32:17
Aber dazu konnte ich bisher nix finden. Anscheinend noch nicht von Esoterikern, Pseudomedizinern, Wunderheilern und dem andern Gesocks in Besitz genommen.

Vermutlich, weil man dazu tatsächlich (mindestens) ein Instrument und Musiktheorie lernen muss. Also arbeiten.

Zitat
Will mal beten dass das so bleibt...

Ratio betet, schau an!  ;D ;D

Ansonsten bin ich da guter Dinge, Musiktherapie ist zu wirksam, als dass man sich da in den Eso-Pfuhl begeben müsste.

Megamidge

Zitat von: Ratiomania am 12. September 2011, 15:32:17


Aber dazu konnte ich bisher nix finden. Anscheinend noch nicht von Esoterikern, Pseudomedizinern, Wunderheilern und dem andern Gesocks in Besitz genommen.

Will mal beten dass das so bleibt...



Und wie sieht's damit aus ?
http://www.associazionesibelius.org/Accademia/Akademie.html

Bobbele

Zitat von: Ratiomania am 12. September 2011, 15:32:17
Anscheinend noch nicht von Esoterikern, Pseudomedizinern, Wunderheilern und dem andern Gesocks in Besitz genommen.

Klangschalentherapie, Planetentonfrequenzgedöns, Obertongesänge und anderes Getue aus der Esobranche gibts aber und hat im weiteren Sinne was mit Musik zu tun.

Ist "Musiktherapeut" eigentlich eine geschützte Berufsbezeichnung?

rincewind

Zitat von: Megamidge am 12. September 2011, 16:56:55
Und wie sieht's damit aus ?
http://www.associazionesibelius.org/Accademia/Akademie.html

Eine Hamer-Irre, die eine "Akademie" gegründet hat. Denke nicht, dass das ein bezeichnendes Licht auf die Musiktherapie wirft.

Bobbele

Zitat von: rincewind am 12. September 2011, 15:51:09
Ansonsten bin ich da guter Dinge, Musiktherapie ist zu wirksam, als dass man sich da in den Eso-Pfuhl begeben müsste.

Woher weißt du das, gibts da Doppeltaubversuche?

rincewind

Zitat von: Bobbele am 12. September 2011, 17:30:01
Obertongesänge und anderes Getue aus der Esobranche

Oberton-Singen macht Spaß und ist doch nicht zwangsläufig mit Eso verbunden. Ist doch ein rein physikalisches Phänomen.

Bobbele

Zitat von: rincewind am 12. September 2011, 17:35:14
Oberton-Singen macht Spaß und ist doch nicht zwangsläufig mit Eso verbunden. Ist doch ein rein physikalisches Phänomen.

Schon klar, nicht zwangsläufig. Schätze der Anteil nichtesoterischer Hobbyobertöner ist vielleicht sogar in der Überzahl. Es gibt aber auch andere

rincewind

Zitat von: Bobbele am 12. September 2011, 17:32:45
Woher weißt du das, gibts da Doppeltaubversuche?

Das ist eine rein subjektive Meinung, die auf u.a. persönlicher Erfahrung beruht. Sagt natürlich wenig. Ein vernünftiges Studiendesign ist da nicht einfach.

Die Beobachtung, dass Musik Menschen mitreißen, bzw zu einem starken Focus befähigen kann, dürfte allerdings evident sein. Sowas therapeutisch anzuwenden, ist nicht die dümmste Schlussfolgerung und Vermutung.

Bobbele

Zitat von: rincewind am 12. September 2011, 17:40:42
Die Beobachtung, dass Musik Menschen mitreißen, bzw zu einem starken Focus befähigen kann, dürfte allerdings evident sein. Sowas therapeutisch anzuwenden, ist nicht die dümmste Schlussfolgerung und Vermutung.
Daß Musik einen Effekt auf die Stimmung, das Wohlbefinden und auf die Synapsen hat halte ich auch für unbestritten. Manfred Spitzer hat da glaube ich dazu was geschrieben. Ich störe mich eben ein bisschen am Begriff "Therapie" in diesem Zusammenhang. Man wird damit eben die am ehesten erreichen die sich ohnehin zu Musik hingezogen fühlen und da ist die Frage ist es die Musik die "wirkt" oder etwas zu tun was man ohnehin gerne tut.

EIn Freund von mir, Psychotherapeut und Musiker (Halbprofi), arbeitet hauptberuflich mit verhaltensauffälligen Jugendlichen und macht Musik mit denen. Wenn ich den mal wieder treffe frage ich mal nach seinen Erfahrungen.

Gruß Bobbele (seit 35 Jahren Hobbymusiker und immer noch nicht "geheilt"  ;) )

Edit: sind Musiker "gesünder" als andere? Sind Menschen die in ihrer Freizeit gerne Musik hören "gesünder" als andere? Aus meinem Umfeld kann ich da nichts, aber auch gar nichts erkennen. Musik machen ist ein schönes Hobby und macht Spaß. Schwimmen und Radfahren aber auch - wem's gefällt.

P.Stibbons

Da habt ihr ja ein Fass aufgemacht...

Einer der wenigen, die meines Wissens zu diesem Thema seriös forschen - und der sich mit einigen der hier formulierten Fragen fundiert auseinander gesetzt hat - ist der hier:

http://www.musiktherapie.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/presseberichte/zeit_therapie-im-takt.pdf

Da steht was über "evidenzbasiert...immer noch die Ausnahme...".

Treffend der Satz: "Die Musiktherapie muss aus der Strickpulli-Ecke raus"  ;)
Es wäre viel Aufwand, aber sicher lohnenswert, wenn man z.B. die neuen bildgebenden Verfahren dazu nutzen könnte, richtig gute Studien zu machen!!

P.Stibbons

ZitatAnsonsten bin ich da guter Dinge, Musiktherapie ist zu wirksam, als dass man sich da in den Eso-Pfuhl begeben müsste.

???

Ich kenne kaum Musiker, die nicht mit irgendwelchen  im weitesten Sinne esoterischen Vorstellungen arbeiten.
Staatl. geprüfte Musiktherapeuten müssen bis zu einem oft relativ hohen Level Instrumente beherrschen.

Ein ganz beliebtes Thema ist seit längerem:

http://www.natural-voice.de/

Die so genannte Tellursologie gibt es auch auf jedwedes Instrumentalspiel bezogen  ::)

Damit wären wir dann auch bei Frau Sonnenschmidt gelandet.