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MECFS ist keine erfundene Krankheit

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Begonnen von NeuroMD, 04. Dezember 2023, 22:59:23

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Purple Tentacle

Zitat von: Juliette am 04. Februar 2026, 08:40:12Aber dass jemand, der sich als Skeptiker und Wissenschaftler bezeichnet, das alte Narrativ verbreitet, psychosomatische Probleme wären nur eingebildet, finde ich schon sehr problematisch.
+1

Ebenfalls ein bemerkenswerter Kommentar (wenn die Aussagen tatsächlich zutreffen):

ZitatDas britische NHS hat herausgefunden dass "Long Covid" vorwiegend AMS'ler befällt, Frauen und Leute mit Migrationshintergrund. In der französischen Constances Studie in der Prävaccin Aera mit 27.000 Teilnehmern hatte mehr als die Hälfte der "Long Covidler" noch nie Covid ! Und die deutsche kassenärztliche Vereinigung hat berichtet,  dass die meisten auch schon vor Corona überproportional die Kassen beansprucht haben. Ein Schelm der böses dabei denkt ;-)
Ach, was weiß denn ich ...

HAL9000

Zitat von: eLender am 03. Februar 2026, 22:02:40er wildert nicht in fremden Revieren, er sollte da als "prominenter" Skeptiker eigentlich zu Hause sein
Sein Fachgebiet ist ganz weit entfernt. Und dem vorgeblichen/vermeintlichen Skeptiker werfe ich vor,
dass er es besser wissen muss. Er muss wissen, wie man Studien richtige interpretiert. Er hat
das technische Rüstzeug (Mathematik) dafür. Er muss die ganzen Argumentationsfallen kennen.

Deshalb bin ich ja so enttäuscht von ihm. Einer Grams konnte man damals bei der Homöopathie noch zugutehalten,
dass Ärzte in ihrer Ausbildung (damals) einfach zu wenig über Statistik gelernt haben. Aber einem Physiker? Nö!

Und dann landen wir bei einer Ideologie. Und das hat nun gar nichts mehr mit Skeptizismus zu tun.
"It has yet to be proven that intelligence has any survival value."
― Arthur C. Clarke

Gefährliche Bohnen

Zitat von: Juliette am 04. Februar 2026, 08:40:12
Zitat von: Peiresc am 04. Februar 2026, 07:14:48Die Empörung beruht auf einer Vorstellung von Psychotherapie und Psychosomatik, die nichts als eine Karikatur ist; oder vielmehr: sie führt zu diesem schiefen Bild.

Dass viele Laien auf diesem Gebiet so etwas für wahr halten, ist verständlich. Der Kampf dafür, z.B. Depression als eine schwere Krankheit zu sehen und nicht als bloßes "Scheiße drauf sein" ist ja noch gar nicht so lange her und das "Gefühl" schwirrt immer noch in vielen Köpfen herum.

Ich habe eine Weile über den Vergleich zur Depression nachgedacht, nachdem der Stigma-Forscher Herr Schomerus in der DGN-Diskussionsrunde behauptet hat, dass ME/CFS-Patienten lieber eine Depression hätten und das würde ja zeigen, dass das Psycho-Stigma keine Erklärung wäre.
Gefühlt würde ich zustimmen, dass die Depression heutzutage schon deutlich weniger stigmatisiert ist als früher und es kann sogar sein, dass ein signifikanter Teil der ME/CFS-Patienten tatsächlich kein so großes Problem hätte, sich auf die Diagnose einer Depression einzulassen, wenn das denn zutreffen würde.

Allerdings ist eine Depression keine funktionelle Störung wie beispielsweise eine psychogene Lähmung (und ich denke, dass der typische ME/CFSler eher eine funktionelle Störung hat): die Diagnose einer Depression erfordert im Prinzip keine über die bloße Empfindung der Symptome hinausgehende Interpretation: Antriebsverlust, Interessenverlust etc. Dass das im Kopf stattfindet, steht außer Frage. Man kann sich also darüber eigentlich kaum täuschen. Hinzu kommt, dass lange die Vorstellung verbreitet wurde, dass es sich ursächlich um Imbalancen von Neurotransmittern im Gehirn handelt - das hat m.E. geholfen, die Depression von einem Gefühl von "selbst Schuld" zu befreien.

Funktionelle Störungen hingegen beinhalten per definitionem einen Irrtum: ich schreibe die Empfindung, die entscheidend mit Vorgängen in meinem Kopf zusammenhängt, fälschlicherweise anderen Ursachen zu. Und wer gibt schon gern einen Irrtum zu? Daher denke ich, dass die Entstigmatisierung der Depression nicht zwangsläufig etwas über die Entstigmatisierung von funktionellen Störungen aussagt.
"Ich muss an dieser Stelle gestehen: Ich mag Karpfen gar nicht." - Groucho
RIP

RPGNo1

Ich möchte mal einen Gedanken in den Raum werfen:

Vielleicht wehren sich so viele ME/CFS-Betroffene auch gegen psychische oder psychosomatische Diagnose, weil sie ihr bisheriges Leben reflektieren und dann auch aktiv und entsprechender langfristiger Anstrengung auf die Gesundung hinwirken müssen.  Da ist es eine somatische Diagnose einfacher und bequemer, um sie mittels Tabletten/Spritzen heilen zu können.

Ein etwas hinkender Vergleich sind z.B. die Männer, die Erektionsstörungen mit kleinen blauen Pillen behandeln, ohne die Grundlage der Störungen zu erkunden. Wenn sie denn überhaupt welche haben.
Oder der aktuelle vollkommen irrationale Run auf die Abnehmspritzen. Statt die Ernährung umzustellen, eine Diät zu machen und/oder Sport zu treiben, spritzen sich die Leute hochwirksame Medikamente, welche mit entsprechenden Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind, als ob es harmlose Vitaminspritzen wären. Das geht schneller und kostet keine Mühen. Und beim Essen kann, überspitzt ausgedrückt, auch alles beim alten bleiben.
(At Bhaal Temple)
Karlach: What a pesthole! Can't wait to clear this place out.
Minsc: There will be much trading of threats and insults, no doubt. But Minsc will be ready when it is time for boot to meet butt.
Karlach: You and me both, pal.

HAL9000

@ RPGNo1
Der verlinkte Artikel ist in den ersten Absätzen ok. Das dient aber offenbar nur als Aufgalopp
zur Werbung für ein bestimmtes Probiotkum. Das macht das Ganze für mich etwas schal.

Was aber stimmt: Entscheidet man sich für diese Produkte (inzwischen gibt es schon die ersten,
deutlich günstigeren Generika), ist das eine Lebensentscheidung. Ohne geht es danach kaum mehr.
Außerdem geht es ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter, selbst wenn man stark übergewichtig
ist. Achtung Anekdote: Ich kenne einen Fall, bei der - auf ärztliche Verschreibung - auch wegen
Diabetes die Spritze im Einsatz ist. Anfangs ging es, zusätzlich zu einer Ernährungsanpassung,
recht gut bergab. Aber nach einiger Zeit (etwas über 10% Gewichtsverlust) stockte das Ganze trotz
Erhöhung der Dosis und eines Kaloriendefizits von 300-500 kcal/Tag.
Ich weiß, dass das Abnehmen im Alter (die Person ist deutlich über 70) schwerer wird, aber der Stein
der Weisen sind die Spritzen nicht. Ich hätte mir nur Aktien der Hersteller kaufen sollen... :P

Ob ME/CFS-Betroffene auch so reagieren würden, weiß ich nicht. Ich glaube aber, eher nicht.
Inzwischen dürften sich viele von ihnen schon so sehr in ihre Lage einzementiert haben, dass
auch ein wirksames Mittel daran nicht schlagartig alles ändern wird.
Denn selbst, wenn ein Mittel gefunden werden würde, lässt es die Ermüdeten (© eLender) ja nicht
wieder sofort voller Tatendrang aus dem Bett hüpfen. Der bis dahin erfolgte körperliche Verfall
lässt sich nicht durch eine Pille umkehren.
"It has yet to be proven that intelligence has any survival value."
― Arthur C. Clarke

Purple Tentacle

Zitat von: Gefährliche Bohnen am 04. Februar 2026, 10:34:30Hinzu kommt, dass lange die Vorstellung verbreitet wurde, dass es sich ursächlich um Imbalancen von Neurotransmittern im Gehirn handelt - das hat m.E. geholfen, die Depression von einem Gefühl von "selbst Schuld" zu befreien.
Wenn es bei einer Depression keine Imbalancen von Neurotransmittern sind, was ist es dann?
Ach, was weiß denn ich ...

RPGNo1

Zitat von: HAL9000 am 04. Februar 2026, 13:04:54Der verlinkte Artikel ist in den ersten Absätzen ok. Das dient aber offenbar nur als Aufgalopp
zur Werbung für ein bestimmtes Probiotkum. Das macht das Ganze für mich etwas schal.

Ich gestehe, dass ich den Artikel ohne ihn genauer zu lesen aus dem Netz gezogen habe, um auf die Schnelle ein Beispiel für die Problematik der Abnehmspitzen zu finden.   ;)

Was deine anderen Anmerkungen angeht: Es ist war eine spontane Eingebung von mir ohne jeden Beweis, was manche ME/CFS-Betroffenen denn antreiben könnte. Es gibt genug Kandidaten, die angeblich kein Leben mehr haben, es aber trotzdem schaffen, ein halbes Dutzend soziale Medien tagtäglich zu bespielen, Kritiker/Skeptiker zu attackieren und zu beleidigen und dauernd auf die "Scheibenbogen'sche Wunderspritze" zu drängen, wie einige in diesem Thread verlinkte Beispiele zeigen.
(At Bhaal Temple)
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HAL9000

Zitat von: RPGNo1 am 04. Februar 2026, 15:33:42Es gibt genug Kandidaten, die angeblich kein Leben mehr haben, es aber trotzdem schaffen, ein halbes Dutzend soziale Medien tagtäglich zu bespielen
Die meinte ich aber nicht mit meinen Anmerkungen, sondern diejenigen, die tatsächlich
komplett am Sand sind. Denen wird auch eine "Scheibenbogen'sche Wunderspritze" nicht helfen,
die - meine Einschätzung - ohnehin nie kommen wird. Jedenfalls nicht von der Scheibenbogen.
"It has yet to be proven that intelligence has any survival value."
― Arthur C. Clarke

eLender

Ui, viele schlaue Kommentare, auf die ich gerne auch noch antworten möchte. Ich komme aber erst mal auf den Punkt der "Stigmatisierung", weil das auch bei Aigner das zentrale Aufregerthema ist. Was soll das überhaupt bedeuten? Es kommt ja aus dem religiösen Bereich, hat was mit Schuld und Sühne zu tun. Ist also so etwas wie ein Vorwurf.

Die "Schuldfrage" ist bei Krankheiten aller Art immer wichtig. Wie ist es dazu gekommen, habe ich einen eigenen Beitrag dazu geleistet, dass ich jetzt so krank bin? Die Frage stellt sich immer und man wird sie selten verneinen können (selbst bei einem Beinbruch). Man wird immer eine Diagnose bevorzugen, die die "Schuld" in Nebulöse, Ungeklärte schiebt. Bei Krankheiten kommen sicher viele Faktoren zusammen, die die Entstehung und Aufrechterhaltung (und Prognose) irgendwie beeinflussen (nuja, ich nenne gelegentlich da biopsychosoziale Modell).

Es ist die Frage nach dem eigenen Anteil am Krankwerden - und am Gesunden. Habe ich darauf Einfluss? Bin ich aktiver Teil meiner Krankheit oder nur passiver "Lastträger"?

Und ich glaube, da gibt es mindestens zwei unterschiedliche Einstellungen. Ich habe mir mittlerweile einige Genesungsgeschichten angehört, und meine, das da so raushören zu können.

Also: Wer zu der Deutung neigt, seine Erkrankung (hier ME und Co.) hätte eine organische Begründung, die von einem externen Ereignis ausgelöst wurde (hier meist ein Infekt), der ist der Passive, der eigentlich keine "Schuld", keinen besonderen eigenen Anteil an seinem schlechten Zustand hat. Er ist quasi das Opfer der Umstände und kann nur durch Prozesse "geheilt" werden, die ihn passiv (indem er irgendein Heilmittel schluckt) wieder von den Schäden befreien. Man ist Opfer, trägt keine Schuld und muss nicht für irgendein Fehlverhalten "büßen". Ich meine, das sind die Kandidaten, die am verbissensten solch eine Diagnose wollen und jede andere Deutung strikt ablehnen (weil sie das als Stigmatisierung empfinden).

Das sehe ich bisher bei vielen so, zumindest am Anfang ihrer Krankheitsgeschichte. Aber die, die langsam auf den Weg der Besserung kommen (und auch beinahe beschwerdefrei werden), ändert sich irgendwann diese Perspektive. Man erkennt, dass man auch seinen Teil beiträgt, wie es dazu gekommen ist, und wie man da wieder rauskommt. Das ist irgendwo das Eingeständnis, dass man auch selbst (eine) Schuld hat. Wenn das von außen so kommuniziert wird, ohne dass man sich das selbst zugestehen will, empfindet man das als Stigmatisierung. Wer selbst darauf kommt, sieht das nicht so, er sieht es als einen Weg (oder eine Möglichkeit), auch selbst aktiv zu werden.

Und das hat natürlich etwas mit der Psyche zu tun, mit dem Willen, mit der Motivation. Diese Selbstbestimmung macht uns irgendwo aus, wir sehen das ja auch synonym mit dem "Selbst". Man hört sehr oft (erschreckend oft) - auch von Betroffenen selber -, dass man vor seiner Erkrankung mglw. seinen Körper zu sehr selbst ausgebeutet hat. Das sind meist super aktive und ehrgeizige Leute, die von einem (teilweise) harmlosen Infekt komplett aus der Bahn geworfen werden. Das zu erkennen, dass man lange über seine eigenen Grenzen gelebt hat (ohne es zu merken), und dass der Körper jetzt darauf reagiert, ist ein Zugeständnis an die eigene Verantwortung (und ggf. auch Schuld). Aber es bietet auch die Perspektive, selbst aktiv zu werden, da wieder raus kommen zu können.

Nicht jeder hat ggf. diese Fähigkeit, die "Schuld" auch in seinem Verhalten, in seiner Art, in seiner Psyche zu sehen. Wenn das aber der eigentliche Ursprung der Erkrankung ist, dann wird man um diese Erkenntnis nicht herum kommen (will man denn wieder gesunden). Wenn man jetzt aber jeden Hinweis von außen (hier durch medizinisches Personal) jetzt mit einer Stigmatisierung gleichsetzt, dann versperrt man wmgl. einen notwendigen Erkenntnisprozess, auch wenn dieser erst einmal schmerzt (ich habe da noch einen schönen Beitrag dazu, dass Schmerz und unangenehme Anwandlung genauso notwendig wie unangenehm ist - so genrell).

Und ja, das wird in der Praxis nicht immer rosig aussehen, natürlich wird man als Geplagter oft einen mühsamen und teils würdelosen langen Weg gehen müssen. Die optimale Versorgung / Therapie zu finden, ist kein Sonntagsspaziergang (die Welt ist nun leider so, wie sie ist).
Wollte ich nur mal gesagt haben!

eLender

Zitat von: HAL9000 am 04. Februar 2026, 10:27:53Und dem vorgeblichen/vermeintlichen Skeptiker werfe ich vor, dass er es besser wissen muss. Er muss wissen, wie man Studien richtige interpretiert.

Das meine ich auch. Es geht um viel mehr, es geht auch darum, wie man solche Studien (er nennt ja nur nebelige Gebilde) einordnen muss (wie sieht die Studienlage aus etc.). Er nennt die Mitochondrien, die irgendwie verbogen sind. Oder was auch immer. Klar, mit Studien belegt. Aber wie sieht es hier z.B. mit der Reproduzierbarkeit aus? Das gilt selbstredend auch für die anderen Nebelgebilde, die er nennt (ich vermute stark, dass er sich nicht tiefer mit dem Thema beschäftigt hat, also die Studienlage nicht wirklich kennt. Das ist aber genau das, was ein "Skeptiker" erstmal prüfen sollte, bevor er moraltriefende Predigten hält. Ist irgendwie besser für die Glaubwürdigkeit).

Hier könnte er etwas lernen:

ZitatME/CFS Science @mecfsskeptic

1) One of the studies that noted 'something in the blood' of ME/CFS patients has now been replicated with a large sample size. Unfortunately, no effect was found.

2) Back in 2016, a Norwegian group cultured muscle cells (human skeletal muscle myoblasts) and exposed it to sera of ME/CFS patients and healthy controls. They measured the oxygen consumption rate after adding a stressor (oligomycin, an antibiotic that inhibits ATP synthase).

3) The study had only 12 ME/CFS patients but the difference found was large.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28018972/


Later three other groups also reported (different but related) findings that suggested something in the blood of ME/CFS patients affected metabolism.

4) In a new preprint, Audrey Ryback, Charles Chillier, and colleagues, did a high-quality replication of the original Norwegian study with a larger sample (67 ME/CFS patients and 53 controls).

They found no effect of ME/CFS serum on oxygen consumption rate.

5) While disappointing that there was no effect, it's good to see a high-quality replication that clarifies previous findings.

As one author wrote: "It's been an unresolved question for quite a while now and we thought we and the community deserved to know."

6) The study uses blinding, randomisation and pre-registration of the analysis plan.

The authors also note potential limitations, such as that the original study had a higher proportion of patients with severe ME/CFS.

7) Link to the pre-print:
https://biorxiv.org/content/10.1101/2025.06.03.657595v1


Discussion of the paper on the Science for ME forum:
https://www.s4me.info/threads/indistinguishable-mitochondrial-phenotypes-after-exposure-of-healthy-myoblasts-to-myalgic-encephalomyelitis-or-control-serum-2026-ryback-et-al.44501/
https://x.com/mecfsskeptic/status/1931318588553453924

Ob Aigner schon mal was von der Reproduktionskrise gehört hat? Oder ist das für ihn nur ein Mittel der Stigmatisierung? Diese Plasmaübertragungen (bei Mäusen) haben bisher auch noch keine Bestätigung / Reproduktion erfahren (was man großzügig totschweigt). Könnte Aigner nicht selbst mal prüfen, ob Müdigkeit ansteckend ist. Bei Dämlichkeit hat er schon den Nachweis erbracht.

Achso: Diese "Studien", die scheinbar abenteuerliche Entdeckungen verkünden, sind in der "Alternativmedizin" so geläufig wie in der "ME"-Forschung. Ist Aigner auch von der Wirksamkeit der Zuckerkugeln überzeugt?
Wollte ich nur mal gesagt haben!

eLender

Zitat von: Purple Tentacle am 04. Februar 2026, 09:35:02In der französischen Constances Studie in der Prävaccin Aera mit 27.000 Teilnehmern hatte mehr als die Hälfte der "Long Covidler" noch nie Covid !
Da gibt es mehrere große Beobachtungsstudien, die das bestätigen (hatten wir im LC-Faden). Allein das sollte einem zu denken geben. Tut es aber bei auch bei Abwesenheit von Brainfog scheinbar nicht bei jedem. Das kann ein Auslöser sein, aber - soweit ich das bisher vernommen habe - nur einer unter vielen. Meist war da schon länger vorher was nicht im Lot.

Zitat von: Gefährliche Bohnen am 04. Februar 2026, 10:34:30ich schreibe die Empfindung, die entscheidend mit Vorgängen in meinem Kopf zusammenhängt, fälschlicherweise anderen Ursachen zu.
Patient zum Arzt: Herr Doktor, meine rechte Hand tut mir so weh. Dr: Ich kann aber nichts sehen (was daran liegt, dass der rechte Arm amputiert ist). Was ist Wirklichkeit?

Zitat von: Purple Tentacle am 04. Februar 2026, 15:00:31Wenn es bei einer Depression keine Imbalancen von Neurotransmittern sind, was ist es dann?
Dass das eine Ursache ist, stellt sich immer mehr infrage (man könnte das mal in dem Depri-Faden aufgreifen). Es mag der Entstigmatisierung dienlich gewesen sein (wie bei ME), aber das allein als Grund für die Nicht-Infragestellung zu sehen, ist hier wie da nicht sachlich-objektiv. Es ist moralisierend.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Peiresc

Zitat von: eLender am 05. Februar 2026, 23:55:407)
ZitatLink to the pre-print:
https://biorxiv.org/content/10.1101/2025.06.03.657595v1

Danke!

Das erste, was auffällt, ist der Stil. Statt mit dem Mantra ,,ME/CFS ist eine schwere Multisystemerkrankung...", das der kanonische Eingangssatz aller ,,MECFS"-Forschung ist, beginnt diese Studie mit
ZitatResearch into Myalgic Encephalomyelitis (ME), sometimes referred to as Chronic Fatigue Syndrome, suffers from a lack of replicability that has stymied scientific progress in and consensus on this disease
– schon das sollte einen Aufschrei hervorrufen.

Aber es wird noch schlimmer. Der Methodik-Teil wird nicht als unwichtig ans Ende gepappt, und er wird nicht mit irrelevanten Details zugekleistert, sondern gedanklich nachvollziehbar referiert. Ergebnis und Diskussion werden klar unterschieden. Die Grafiken zeigen keinen Datennebel mit 27.000 Parametern. Und sogar den Gipfel der methodologischen Ketzerei für ,,MECFS"-Studien zu besteigen, erfrechen sich die Autoren:

ZitatThe experiment was performed blinded and randomised: sample sets of 10 cases and 8 controls were randomised on each plate, except for the final sample set with 7 cases and 5 controls.

... das gilt, nebenbei, selbst für in-vitro-Studien außerhalb der "MECFS"-Forschung: über deren Verblindung erfährt man selten etwas.

Fazit: je besser die Studien, um so schlechter die Ergebnisse. Eine Regel, die für alle Para- und Glaubensmedizin gültig ist. "Schlechter" meint hier natürlich bezüglich der Eingangshypothese, keineswegs bezogen auf die Methode. Sie kriegen es sogar fertig, dass der Leser die früheren Studien besser einordnen kann, weil sie die Qualität der Messmethode referieren.

Um noch mehr zu generalisieren: Entfernt erinnert mich das an die Nürnberger Kochsalzstudie von 1835, die die Vorgaben der Homöopathen sorgfältigst beachtet und zu einem desaströsen Ergebnis geführt hatte. Die Homöopathen konnten nur noch Beschimpfungen dagegen mobilisieren. Wir hatten das mal kurz in unserm Blog gestreift, der leider temporär nicht verfügbar ist.

eLender

Zitat von: Peiresc am Gestern um 21:37:08Fazit: je besser die Studien, um so schlechter die Ergebnisse. Eine Regel, die für alle Para- und Glaubensmedizin gültig ist.
Schön, dass du da mal reingeschaut hast, sollte ich auch mal tun. Das klingt beinahe wie Debunking, aber es ist eigentlich nur eine saubere Studie. Das sagt so viel über diese Forschung, die meist von Gläubigen gemacht wird. Was das bedeutet, kann man nur erahnen. Alleine die (überwiegend) fehlende Verblindung kann allerlei Artefakte erzeugen. Man muss sich das auch immer mal wieder klarmachen: Das ist eine Forschungsblase, die schon ein festgelegtes Weltbild hat - und nur noch versucht, das irgendwie durch Studien zu belegen. Das ist exakt das, was Pseudowissenschaft ausmacht. Und es ist auch hier so: es gibt außerhalb dieser Blase sehr wenige (unabhängige und unvoreingenommene) Forscher, die das nach höchsten Standards nochmal versuchen, zu reproduzieren (was größtenteils nicht gelingt und alle vorherigen "Ergebnisse" ins Reich der Fantasie befrachtet).

Es gibt auch ähnliche Studien, die das, was Scheibenkleister von sich gibt, ins Reich der Einhörner verfrachten (Blutwäsche, Sauerstoffkammer, Antikörper etc.). Das wird in der Blase nie geteilt oder auch nur zur Kenntnis genommen, auch z.B. in Forschungsministerien hat man da scheinbar Scheuklappen auf. Es ist das, was Kleinschnitz als Paralleluniversum bezeichnet: Eine eigene Welt mit einer eigenen Logik und eigenen Fakten. Das Ganze ist dementsprechend auch nur hilfreich für Menschen aus dem Paralleluniversum. Also den Scheibenweltlern.

Achso: Man stelle sich auch mal vor, was es bedeuten würde, es wäre tatsächlich so. Also, dass die Malaise durch Blutplasma übertragbar wäre. Man müsste die Medizin neu denken und den medizinischen Betrieb neu ordnen. Etwa so, wie bei der Homöopathie. Da würden die Globuli - einmal in der Umwelt - so stark potenziert, dass man sie alles Leben auslöschen würden (je höher verdünnt, desto potenter!) ::)

Achsoachso: Und man denke nochmal darüber nach, was einen - nach eigenem Empfinden - hoch rationalen und äußerst skeptischen Aigner eigentlich ausmacht. Er ist im Paralleluniversum sicherlich eine hoch angesehene Person :grins
Wollte ich nur mal gesagt haben!

eLender

Ich habe mir noch ein paar Geschichten aus der Gruft angehört, also von denen, die da wieder rausgekrochen sind. Das ist alles sehr schwurbelig, die haben sich da meist in der Tat herausgeschwurbelt. Das, was die alles durchgezogen haben, ist eine Reise kreuz und quer durch unser Wiki (selbst das habe ich dort vernommen: https://www.psiram.com/de/index.php/Fiebertherapie). Auch die Gastgeberin ist entsprechend verblendet. Ich kann nicht begreifen, wie Leute, die scheinbar so gebildet sind (das sind großteils Studierte, was natürlich nicht viel über rationale Fähigkeiten aussagt), und die sich so viel mit ihrem eigenen Leid beschäftigt haben, so verblendet und auch dumm sein können.

Selbst die, die den ganzen Quack mit NEM und alternativen Humbug (erfolglos) durchgezogen haben, weisen immer wieder darauf hin, dass man das nicht schlecht reden will und es bei anderen möglicherweise hilfreich ist. Man erkennt nicht mal selbst, dass man da eigentlich nur selbst wieder rausgefunden hat, und die ganzen Mittelchen nur Lametta waren, der vll. ein wenig die Hoffnung beflügelt hat. Nuja, der Mensch ist nun mal kein rationales Wesen.

Ich hatte mir ein Interview mit einer (echten) Ärztin angehört, in der Hoffnung, dass wenigstens die mal ein paar Weisheiten aus dem Diesseits verkünden würde. Pustekuchen. Das hat mich sogar ein wenig erschreckt; selbst betroffen (LC) und als Kardiologin an einer Klinik, die sich um die harten Fälle von Covidbetroffenen gekümmert hat. Die schwurbelt auch rum, was sie alles ausprobiert hat, Vitamin C-Infusionen sind da noch das harmlose Zeugs, was sie als hilfreich (leider nicht bei ihr) ansieht. Die ist heute wieder halbwegs aufrecht unterwegs, hat aber ihr Leben beinahe komplett geändert. Natürlich war sie überlastet und vom Leben überfordert, was sie auch anspricht. Aber das als eine mögliche Ursache für den Niedergang zu sehen, wird nur ganz nebenbei mal angemerkt. Ich habe bei solchen Leuten (das zieht sich wie ein roter Faden durch diese ganzen Geschichten) sehr den Eindruck, man ist mit sich und dem Rest nicht wirklich ehrlich.

Hier das Gerede: https://superhelden-ohne-cape.zencast.website/episodes/kristinas-long-covid-genesung

Es sind auffällig viele Frauen im Portrait, die Männlichkeit ist stark unterrepräsentiert. Ich habe mir diese Geschichten auch von Kleinganetern angehört, und es ist teilweise schwer erträglich. Ich meine tatsächlich alleine das Zuhören. Die Damen reden flüssig und anhörbar, die Menners stottern, reden wirr und unsicher. Dem Typ unten habe ich trotz Ohrenkrebs mal beinahe vollständig zugelauscht - was keine leichte Übung war (die anderen Typkes sind ähnlich). Was da auch auffällt: die entschuldigen sich beinahe für jede Aussage, selten so unsichere und wackelige Kollegen gehört. Für mich ein starkes Zeichen dafür, dass die Persönlichkeit hier eine größere Rolle spielt.

Ich habe mir das deshalb durchgelauscht, weil der durch die Psychosomatik aus der Gruft katapultiert wurde. Der hat vorher den üblichen Schwurbelkurs gefahren (ein früher Kandidat, 2005 schon ermüdet und seit dem auf der Suche nach Wachheit Erlösung). Sehr skeptisch, was psychologische Deutungen angeht (wie beinahe alle Kandidaten), aber als letzten Strohhalm dann doch zu den "unsympathischen" Psychosomatikern gedackelt. Ab Min 50:00 schildert er seine Begegnung mit der Psychosomatik. Nach Jahren der Irrläuferei stellt er fest, dass die Psyche mehr ist, als miese Stimmung und dumme Gedanken. Er kommt sogar auf den Trichter mit der Psychoneuroimmunlogie. Was es alles gibt... :o

https://superhelden-ohne-cape.zencast.website/episodes/xavers-mecfs-genesung
Wollte ich nur mal gesagt haben!