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Hochsensibilität

Begonnen von ZweifelnIstGesund, 30. November 2015, 17:48:12

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ZweifelnIstGesund

Hallo, bin neu hier. Ich wollte ein Thema bereden, bei dem ich nicht sicher bin, ob es sich dabei um eine wissenschaftlich begründbare Tatsache oder um eine neuverkleidete esoterische Ersatzreligion handelt. Es geht um "Hochsensibilität". Angeblich sollen bis zu 20% aller Menschen hochsensibel sein, 80% normal veranlagt. Ins westliche Bewußtsein wurde diese Mode durch das Buch der US-Autorin E. Aron von 1997 gebracht. Stutzig macht mich an diesen Behauptungen, dass ein Teil der Hochsensiblen angeblich auch sensibel genug sein soll, um spirituelle Phänomene wahrzunehmen. Wenn ich schon "spirituell" aus dem Mund von Westlern höre, dann denke ich sofort an Plasteschamanen, an Homöophatie, an Geistheilung & Co.
Also, was haltet ihr davon?
Lug und Trug ODER beweisbare Realität?
:o

celsus

Zitat von: ZweifelnIstGesund am 30. November 2015, 17:48:12um eine wissenschaftlich begründbare Tatsache oder um eine neuverkleidete esoterische Ersatzreligion handelt.

Vermutlich irgendwas dazwischen. Es gibt eben ein breites Spektrum von extrem robust bis übersensibel. Als eigenständige Diagnose taugt "hochsensibilität" wohl nicht, aber eine Kombination bekannter (und normaler) Eigenschaften bis hin zu psychischen Störungen scheint für diesen Effekt verantwortlich zu sein.

Zufällig habe ich neulich einen Artikel darüber gelesen: http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article147880334/Hochsensibilitaet-Fakt-oder-uebertriebener-Hype.html

Zitat"Eine neue Diagnose nach ICD oder DSM wird aus dem Begriff der Hochsensibilität nicht entstehen, ebenso besteht kein Bedarf für die Einführung neuer Therapien, auch wenn vereinzelt schon Hochsensible als Zielgruppe für Gesundheitsförderung gesehen werden", wertet Psychiater Andreas Meißner.
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Groucho

Hallo und wilkommen!
Zitat von: ZweifelnIstGesund am 30. November 2015, 17:48:12
Lug und Trug ODER beweisbare Realität?
:o

Falsche Frage ;) Man müsste erstmal die Begrifflichkeiten klären. Was sind "spirituelle Phänomene"?, und dass manche in bestimmten Bereichen sensibler sind als andere - geschenkt. Man kann bestenfalls eine Geschäftsidee ableiten: Menschen, die hie und dort nicht zurecht kommen, dürfen sich das Etikett "hochsensibel" umhängen. Das erklärt zwar nichts, schmeichelt aber ungemein. Das Ganze ist halt die übliche Schmuckverpackung, der Inhalt undefiniert.

Scipio

Zitat von: Groucho am 30. November 2015, 19:06:33
Hallo und wilkommen!
Zitat von: ZweifelnIstGesund am 30. November 2015, 17:48:12
Lug und Trug ODER beweisbare Realität?
:o
Falsche Frage ;) Man müsste erstmal die Begrifflichkeiten klären. Was sind "spirituelle Phänomene"?, und dass manche in bestimmten Bereichen sensibler sind als andere - geschenkt. Man kann bestenfalls eine Geschäftsidee ableiten: Menschen, die hie und dort nicht zurecht kommen, dürfen sich das Etikett "hochsensibel" umhängen. Das erklärt zwar nichts, schmeichelt aber ungemein. Das Ganze ist halt die übliche Schmuckverpackung, der Inhalt undefiniert.
Das könnte man vom Etiketten "hochbegabt" auch sagen.

Groucho

Zitat von: Scipio am 01. Dezember 2015, 07:15:48
Das könnte man vom Etiketten "hochbegabt" auch sagen.

Hochbegabung und Hypersensibilität ist beobacht- und mehr oder weniger messbar. Der Unfug beginnt dort, wo man damit nichtexistente Phänomene postulieren will ("Ich kann Gedanken lesen, Du nicht, weil Du nicht hypersensibel bist.")

Eumel

Ich kann zwar wissenschaftlich nicht mitreden, aber ich hatte mit dem Thema vor einer Weile zu tun und gebe deshalb trotzdem mal meinen Senf dazu ab.

Es scheint momentan "in" zu sein, sich selbst oder die eigenen Kinder für hochsensibel zu halten und gleichzeitig wird Hochsensibilität als spezielle Begabung angesehen. Es mag zwar richtig sein, dass es so etwas gibt und auch dass es eine Begabung ist. Der "Umgang" damit erscheint mir aber nicht immer sinnvoll. Es wird häufig erwartet, dass sich die anderen (die im Grunde als unsensible, herzlose Psychopathen betrachtet werden ;)) den speziellen Bedürfnissen dieser Kinder (oder auch Erwachsenen) anpassen.

Psychische Probleme werden mit der Sensibilität quasi erklärt und entschuldigt und anstatt eigene problematische Reaktionen bzw. Verhaltensweisen zu hinterfragen, wird Rücksichtnahme und Verständnis gefordert. So etwas gibt es auch in anderen Bereichen, aber die Hochsensibilität ist wohl aktuell eine Mode (egal wie sensibel die Leute wirklich sind - ich glaube nicht, dass das bei den meisten, die sich dafür halten, mal tatsächlich mit fundierten Tests gemessen wurde).

Im esoterischen Bereich geht das gerne Hand in Hand mit den "Indigo-Kindern" bzw. habe ich den Eindruck, die Hochsensibilität ist nun für manche eine Möglichkeit dem Ganzen einen "wissenschaftlichen Anstrich" zu geben. Jedenfalls finde ich es interessant, wie die Entwicklung in diesem Bereich weitergeht.

Groucho

"Lassen sie mich durch, mein Kind ist hochbegabt!"  :grins2:

Typee

Zitat von: Groucho am 10. Dezember 2015, 10:33:24
"Lassen sie mich durch, mein Kind ist hochbegabt!"  :grins2:

Das ist nicht lustig - wenn die Hochbegabtenerzeuger die Ellbogen ausfahren und den Mundschutz zurechtrücken.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Eumel

Was mich zu dem Thema noch interessieren würde: Im Internet kursieren etliche Tests, mit denen man angeblich feststellen kann, ob man hochsensibel ist oder nicht. Kennt sich jemand soweit mit psychologischen Tests aus, um hierzu einen Kommentar abgeben zu können? Die Tests sind sich meistens ähnlich und beziehen sich wohl auf eine (mehr oder weniger genaue) Übersetzung aus dem Buch von Elaine N. Aron.

http://www.hochsensibel-test.de/

Mein Eindruck zu dem Thema ist, dass es eine unterschiedliche Reizverarbeitung geben mag. Der aktuelle Hype dazu, scheint mir aber schon eine "esoterische Mode" zu sein.

Peiresc

Zitat von: Eumel am 11. Dezember 2015, 08:32:00
Im Internet kursieren etliche Tests, mit denen man angeblich feststellen kann, ob man hochsensibel ist oder nicht.

Mit wirklichen psychologischen Tests hat das alles nichts zu tun. Es genügt nicht, sich ein paar ,,Ja-Nein-Fragen" auszudenken, mit denen sich 80% der Normalbevölkerung als "hochsensibel" einschätzen würden. Die entscheidende Frage ist die nach der Validierung dieser ,,Tests".

Geeignete Einstiegsbegriffe wären z. B. Validität, Reliabilität, Normierung usw., mit allen ihren Verästelungen.

Die grundlegende Frage ist also: Wie ist dieser Test normiert worden? Oder: ist es überhaupt wahrscheinlich, dass er je normiert worden ist?


Groucho

Zitat von: Eumel am 11. Dezember 2015, 08:32:00
Was mich zu dem Thema noch interessieren würde: Im Internet kursieren etliche Tests, mit denen man angeblich feststellen kann, ob man hochsensibel ist oder nicht. Kennt sich jemand soweit mit psychologischen Tests aus, um hierzu einen Kommentar abgeben zu können? Die Tests sind sich meistens ähnlich und beziehen sich wohl auf eine (mehr oder weniger genaue) Übersetzung aus dem Buch von Elaine N. Aron.

http://www.hochsensibel-test.de/

Mein Eindruck zu dem Thema ist, dass es eine unterschiedliche Reizverarbeitung geben mag. Der aktuelle Hype dazu, scheint mir aber schon eine "esoterische Mode" zu sein.

Also, ich bin hochsensibel gegenüber Bullshit, ich wurde ganz kribbelig, als ich den Test sah.

Eumel

Zitat von: ZweifelnIstGesund am 30. November 2015, 17:48:12
Wenn ich schon "spirituell" aus dem Mund von Westlern höre, dann denke ich sofort an Plasteschamanen, an Homöophatie, an Geistheilung & Co.
Also, was haltet ihr davon?
Lug und Trug ODER beweisbare Realität?
:o

Informationen zum Thema unterschiedliche Reizverarbeitung habe ich im Internet inzwischen noch in Bezug auf Hunderassen gefunden ;). Unterschiedliche Hunde reagieren unterschiedlich empfindlich auf Reize. Scheint keine großartige, neue Erkenntnis zu sein. Warum soll es das nicht auch bei Menschen geben?

Ich sehe es so, dass das Problem da anfängt, wo viel zu viel in sowas reininterpretiert und mit viel Humbug alles Mögliche damit erklärt werden soll.

Ich stelle mir das bespielhaft so vor: Jemand hat vielleicht ein Problem am Arbeitsplatz, eckt bei den Kollegen an usw. Er sucht nach einer Erklärung. "Hochsensibel" klingt viel besser als "depressiv". Also macht man mal schnell im Internet so einen Test und hat nun ein schönes Label und kann sich für besser halten als die doofen Kollegen. Falls es mit dem Job trotzdem den Bach runter geht, wird man dann eben Schamane. Schließlich beweist der Test ja, dass man "spirituell talentiert" ist. Schuld an der Entwicklung sind aber grundsätzlich die anderen. Die sind unsensible Psychopathen. Zur Meinung in entsprechenden Kreisen über Leute, die es trotz aller Bemühungen nicht geschafft haben, den Internettest "richtig" auszufüllen, habe ich auch noch was entdeckt:

http://www.hochsensibilitaet.ch/content/e11223/e11789/index_ger.html

Ich frage mich gerade, was ich im Leben falsch gemacht habe. Ich gehöre zu den wenigen ca. 20%, die auch in so einem Test nicht zur elitären Gruppe der Hochsensiblen zählen und verdiene trotzdem kein Schweinegeld als psychopathischer Manager. So a Mist!

Groucho

Zitat von: Eumel am 11. Dezember 2015, 14:13:13
Informationen zum Thema unterschiedliche Reizverarbeitung habe ich im Internet inzwischen noch in Bezug auf Hunderassen gefunden ;). Unterschiedliche Hunde reagieren unterschiedlich empfindlich auf Reize. Scheint keine großartige, neue Erkenntnis zu sein. Warum soll es das nicht auch bei Menschen geben?

Ja klar gibt es das. Was den einen nervt, nimmt der andere noch nicht mal wahr.

Zitat
Ich sehe es so, dass das Problem da anfängt, wo viel zu viel in sowas reininterpretiert und mit viel Humbug alles Mögliche damit erklärt werden soll.

Ist halt eine der vielen Leimruten der Quacks: Unzulänglichkeiten als positive Eigenschaften umdeuten.


Zitat
Ich frage mich gerade, was ich im Leben falsch gemacht habe. Ich gehöre zu den wenigen ca. 20%, die auch in so einem Test nicht zur elitären Gruppe der Hochsensiblen zählen und verdiene trotzdem kein Schweinegeld als psychopathischer Manager. So a Mist!

Ja, scheiße, ne? Dafür gibt es diese Selbsthilfegruppe hier.

Haben übrigens einen eigenen Test für Hochsensibilität, den sog. Warze-Index:

https://forum.psiram.com/index.php?topic=1711.0

Wer es schafft, alle von Warze verlinkten "Musik"stücke durchgängig anzuhören, hat 0 Punkte auf der Sensibilitätsskala oder nach dem Warze-Index eine 1.  8)

Peiresc


Yadgar

Hi(gh)!

Zitat von: Eumel am 11. Dezember 2015, 14:13:13Zur Meinung in entsprechenden Kreisen über Leute, die es trotz aller Bemühungen nicht geschafft haben, den Internettest "richtig" auszufüllen, habe ich auch noch was entdeckt:

http://www.hochsensibilitaet.ch/content/e11223/e11789/index_ger.html

...bezeichnend, dass die "Niedersensibilität" dort auch noch mit "NS" abgekürzt wird! Zack! Nazikeule! Das flutscht...

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar