Neuigkeiten:

Wiki * German blog * Problems? Please contact info at psiram dot com

Main Menu

Griechenland

Begonnen von pelacani, 14. März 2015, 20:18:27

« vorheriges - nächstes »

Sauropode

Hat nur am Rande mit Griechenland zu tun, aber erklärt Muttis stures Beharren auf dem Rettungskurs:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/merkel_rennt_im_mantel_der_geschichte_in_die_sackgasse

Groucho

Zitat von: RächerDerVerderbten am 20. Juni 2015, 11:21:26
Immerhin isser radikaler Linker, wär auch ne Erklärung dafür, warum schon mehrere Verhandlungspartner komplettes Unverständnis über seine Taktik geäussert haben.

Das Schlimmste, was linken Theoretikern seiner Art geschehen kann ist, dass sie an die Macht kommen. Gibt meist fette Bauchlandungen in der Realität.

Patches O Houlihan


duester

Zitat von: RächerDerVerderbten am 20. Juni 2015, 11:21:26
Zitat von: Groucho am 20. Juni 2015, 10:55:20
der Herr Spieletheoretiker

Manchmal denk ich, Varoufakis fährt ganz stumpf sowas Ähnliches wie die Reichsbürgermasche, auf den baldigen Zusammenbruch des (kapitalistischen)"Systems" spekulieren, mit Sabotage selber n bißchen in die Richtung drücken, nach Crash auf komplett unbelasteten Neuanfang hoffen.

Immerhin isser radikaler Linker, wär auch ne Erklärung dafür, warum schon mehrere Verhandlungspartner komplettes Unverständnis über seine Taktik geäussert haben.

Ich wünschte, der wäre so strategisch unterwegs, weil der "unbelastete Neuanfang" zumindestens mal 'ne Perspektive wäre. Diese jahrelange Hängepartie zerstört doch jedes Vertrauen in Politik und Wirtschaft -  eine Politikergeneration, die den Karren mal ordentlich vor die Wand fährt und dann die politischen Konsequenzen trägt, würde zwar ein persönliches Opfer bringen, dem Land aber vielleicht nützen (s. Argentinien: ein Präsident, der "nur" den Staatsbankrott erklärt hat, aber so den Weg frei für die Abwertung der heimischen Währung und die wirtschaftliche Erholung gemacht hat). Bei V. scheint mir das eher wie professorale Hybris und krankhafter Narzissmus: Wenn man sich eigentlich mit den viel komplexeren Fragen der wissenschaftlichen (... ähem ...)  VWL  befasst, dann erscheint die "echte" Politik simpel gestrickt und grobschlächtig. Und anstatt die Grenzen der eigenen Fähigkeiten anzuerkennen (insbesondere im Hinblick auf das rational-/political-dilemma) stolpert sich Varoufakis von Fettnapf zu Fremdschämen und wieder zu Fettnapf - einfach, weil er es nicht besser kann. Auch wenn er von links kommt, der ist nicht gegen die klassische VWLer-Krankheit ("... aber ich dachte, die wären alle rational!") gefeit. Typische déformation professionelle.

Groucho

Zitat von: duester am 20. Juni 2015, 13:31:55
-  eine Politikergeneration, die den Karren mal ordentlich vor die Wand fährt und dann die politischen Konsequenzen trägt, würde zwar ein persönliches Opfer bringen, dem Land aber vielleicht nützen (s. Argentinien: ein Präsident, der "nur" den Staatsbankrott erklärt hat, aber so den Weg frei für die Abwertung der heimischen Währung und die wirtschaftliche Erholung gemacht hat).

In Griechenland geht halt das Problem tiefer, da gab es seit dem WKII immer nur Klans, die den Staat als reine Bereicherungsmaschine gesehen haben. Die ganzen diskutierten Maßnahmen, ob Austerität oder mehr Keynes etc. sind völlig obsolet. Einen Beinbruch heilt man nicht mit Herzmedikamenten.

Sauropode

Momentan siehts eher nach Gnadenschuss aus.  ::)

Groucho

Zitat von: Sauropode am 20. Juni 2015, 16:17:45
Momentan siehts eher nach Gnadenschuss aus.  ::)

Naja, Otto Normalgrieche wusste sich zwangsläufig schon immer zu helfen. So richtig böses Erwachen wird es wohl für die (nicht ganz) Oberschicht geben.

Scipio

Zitat von: Groucho am 20. Juni 2015, 14:19:18
Zitat von: duester am 20. Juni 2015, 13:31:55
-  eine Politikergeneration, die den Karren mal ordentlich vor die Wand fährt und dann die politischen Konsequenzen trägt, würde zwar ein persönliches Opfer bringen, dem Land aber vielleicht nützen (s. Argentinien: ein Präsident, der "nur" den Staatsbankrott erklärt hat, aber so den Weg frei für die Abwertung der heimischen Währung und die wirtschaftliche Erholung gemacht hat).

In Griechenland geht halt das Problem tiefer, da gab es seit dem WKII immer nur Klans, die den Staat als reine Bereicherungsmaschine gesehen haben. Die ganzen diskutierten Maßnahmen, ob Austerität oder mehr Keynes etc. sind völlig obsolet. Einen Beinbruch heilt man nicht mit Herzmedikamenten.

Filz zu beseitigen ist immer schwierig.

Zitat von: Sauropode am 20. Juni 2015, 16:17:45
Momentan siehts eher nach Gnadenschuss aus.  ::)

Sehe ich auch so. Ich frage mich allerdings, was sich die Verhandlungspartner auf der, ich nenne sie mal nichtgriechischen, Seite von ihrem handeln versprechen. Zur Problemlösung trägt es offenbar auch nicht bei. 

Scipio

Angeblich soll man der Griechischen Regierung auch verboten haben an die ausländischen Schwarzgeldkonten ran zu gehen. Komplett überraschen würde es mich nicht, aber keine Ahnung ob es stimmt.

Groucho

Zitat von: Scipio am 23. Juni 2015, 06:06:03
Angeblich soll man der Griechischen Regierung auch verboten haben an die ausländischen Schwarzgeldkonten ran zu gehen. Komplett überraschen würde es mich nicht, aber keine Ahnung ob es stimmt.

Wer sagt denn sowas? Wer soll/kann sowas verbieten?

Groucho

Zitat von: Scipio am 22. Juni 2015, 13:56:06
Filz zu beseitigen ist immer schwierig.

Das geht viel tiefer.

ZitatSeit 1830, seit der Anerkennung seiner Souveränität, hat Griechenland keinen Überblick darüber, was sein ist. Größe und Wert seines Staatseigentums verlieren sich im Ungefähren. Es kennt nicht seinen Grund und Boden, nicht seine Küste, Berge, Seen, nicht seine Gebäude und auch nicht seinen Wald, obgleich die Verfassung ein Waldkataster vorschreibt. Es weiß nicht, wo sein Eigentum beginnt und wo es endet. Immer wieder wurde versucht, das Land zu kartografieren. Man vermaß Ländereien, Weinfelder, ein paar Waldgebiete. Aber immer wieder stockte die Arbeit und blieb liegen. Einzig auf den Dodekanes gibt es ein Kataster. Die Inseln waren in italienischer Hand. Die Geschichte des griechischen Katasterwesens ist die Geschichte eines Staates, der geformt wurde von Abertausenden Einzelinteressen, die sich wie Bäche zu einem Mahlstrom vereinten und alles mit sich rissen, was auf dem Weg lag.

ZitatDer neue, nach französischem Vorbild zentralisierte Staatsapparat und die importierten Ideen der Aufklärung waren nicht kompatibel mit dem jahrhundertealten Verständnis von Machtausübung und patriarchalem Klientelwesen der Bürger. Griechenland ist Heimat, Stolz, Identifikation. Der neue Staat dagegen ist ein aufoktroyiertes Konstrukt der Großmächte, des Westens, dem man schon seit Byzanz misstraut. So wurde aus dem neuen Griechenland fremdes Territorium, das man als Eroberer in der Gestalt eines Sekretärs, Bürgermeisters, Ministers betritt, es plündert und die Beute in den sicheren Hafen der Familie bringt. Ein Modus vivendi, der noch heute gilt.

lesenswert:

http://www.cicero.de/weltbuehne/auf-der-suche-nach-dem-katasteramt/52211

Scipio

Zitat von: Groucho am 23. Juni 2015, 06:11:50
Zitat von: Scipio am 23. Juni 2015, 06:06:03
Angeblich soll man der Griechischen Regierung auch verboten haben an die ausländischen Schwarzgeldkonten ran zu gehen. Komplett überraschen würde es mich nicht, aber keine Ahnung ob es stimmt.

Wer sagt denn sowas? Wer soll/kann sowas verbieten?

Olle Varoufakis hatte das gestern in einem Interview auf Phoenix gesagt. Er meinte man würde denn die Verhandlungen platzen lassen.

Groucho

Zitat von: Scipio am 23. Juni 2015, 06:36:09
Olle Varoufakis hatte das gestern in einem Interview auf Phoenix gesagt.

Die Ausreden werden auch immer blöder.

Sauropode

Zitat von: Groucho am 23. Juni 2015, 06:24:12
Zitat von: Scipio am 22. Juni 2015, 13:56:06
Filz zu beseitigen ist immer schwierig.

Das geht viel tiefer.

ZitatSeit 1830, seit der Anerkennung seiner Souveränität, hat Griechenland keinen Überblick darüber, was sein ist. Größe und Wert seines Staatseigentums verlieren sich im Ungefähren. Es kennt nicht seinen Grund und Boden, nicht seine Küste, Berge, Seen, nicht seine Gebäude und auch nicht seinen Wald, obgleich die Verfassung ein Waldkataster vorschreibt. Es weiß nicht, wo sein Eigentum beginnt und wo es endet. Immer wieder wurde versucht, das Land zu kartografieren. Man vermaß Ländereien, Weinfelder, ein paar Waldgebiete. Aber immer wieder stockte die Arbeit und blieb liegen. Einzig auf den Dodekanes gibt es ein Kataster. Die Inseln waren in italienischer Hand. Die Geschichte des griechischen Katasterwesens ist die Geschichte eines Staates, der geformt wurde von Abertausenden Einzelinteressen, die sich wie Bäche zu einem Mahlstrom vereinten und alles mit sich rissen, was auf dem Weg lag.

ZitatDer neue, nach französischem Vorbild zentralisierte Staatsapparat und die importierten Ideen der Aufklärung waren nicht kompatibel mit dem jahrhundertealten Verständnis von Machtausübung und patriarchalem Klientelwesen der Bürger. Griechenland ist Heimat, Stolz, Identifikation. Der neue Staat dagegen ist ein aufoktroyiertes Konstrukt der Großmächte, des Westens, dem man schon seit Byzanz misstraut. So wurde aus dem neuen Griechenland fremdes Territorium, das man als Eroberer in der Gestalt eines Sekretärs, Bürgermeisters, Ministers betritt, es plündert und die Beute in den sicheren Hafen der Familie bringt. Ein Modus vivendi, der noch heute gilt.

lesenswert:

http://www.cicero.de/weltbuehne/auf-der-suche-nach-dem-katasteramt/52211

Ich rege ein internationales Hilfprojekt "Beamte ohne Grenzen" an. :grins

Typee

ZitatDer neue, nach französischem Vorbild zentralisierte Staatsapparat und die importierten Ideen der Aufklärung waren nicht kompatibel mit dem jahrhundertealten Verständnis von Machtausübung und patriarchalem Klientelwesen der Bürger. Griechenland ist Heimat, Stolz, Identifikation. Der neue Staat dagegen ist ein aufoktroyiertes Konstrukt der Großmächte, des Westens, dem man schon seit Byzanz misstraut. So wurde aus dem neuen Griechenland fremdes Territorium, das man als Eroberer in der Gestalt eines Sekretärs, Bürgermeisters, Ministers betritt, es plündert und die Beute in den sicheren Hafen der Familie bringt. Ein Modus vivendi, der noch heute gilt.

So beschreibt man gerne die Ursachen für das Scheitern von Drittweltstaaten, die von Kolonialherren mit dem Lineal umrissen wurden.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.