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Re: Pascalsche Wette

Begonnen von Erlend Glittertind, 13. Januar 2015, 20:33:50

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Typee

ZitatOder hat sie mehr die puritanische, stille tägliche Bibellektüre im Sinn?

Ich denke mal, das meint sie. Es entspricht dem lutheranisch-protestantischen Zugang. Hauptsache, man bekennt sich und fühlt sich bei den Guten.

Achtung, man werfe die Katholen nicht in denselben Topf, die meinen, wenn sie traditionell dabei sind, mitunter etwas ganz anderes: die Ritusgemeinschaft. Katholiken haben 1500 Jahre ältere Traditionen, die reichen weiter in die archaischen Kulte hinein.

Zitat von: Groucho am 16. Januar 2015, 19:18:38
ZitatWir und die Muslime Wir können im Gespräch mit Muslimen auf den gemeinsamen Nenner hinweisen: –Sie haben Ehrfurcht vor Gott, sie ehren das heilige Buch, sie sind fromme Menschen, sie suchen das Heil. Wir können ihnen dann das anbieten, was ihnen fehlt und was Jesus uns gibt: –Die Gewißheit der Erlösung –Die Vergebung der Sünden


...wenn man dort nicht vorher genau deswegen von den anderen frommen Menschen einen Kopf kürzer gemacht wird.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Patches O Houlihan

Zitat von: Typee am 16. Januar 2015, 22:58:18
ZitatOder hat sie mehr die puritanische, stille tägliche Bibellektüre im Sinn?

Ich denke mal, das meint sie. Es entspricht dem lutheranisch-protestantischen Zugang. Hauptsache, man bekennt sich und fühlt sich bei den Guten.

Achtung, man werfe die Katholen nicht in denselben Topf, die meinen, wenn sie traditionell dabei sind, mitunter etwas ganz anderes: die Ritusgemeinschaft. Katholiken haben 1500 Jahre ältere Traditionen, die reichen weiter in die archaischen Kulte hinein.
Das hast du sehr berufsprotestantisch dargestellt.

Die Wahrheit ist doch, dass die heilige katholische Kirche zu Rom, deutlich näher am Ursprung dran ist, als diese defizitären Verballhornungen nach Luther, Zwingli und Calvin.
Die heilige katholische Kirche zu Rom bewahrt das alte Wissen der früheren Kulte, vereint es zu einem großen Ganzen und ...


Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass noch vor wenigen Jahrhunderten, nämlich bei unseren christlichen Vorfahren, keinerlei Mängel oder Defizite im weltanschaulichen Selbstbewusstsein auszumachen gewesen wären. Die organisierten sogar religiöse Reisegemeinschaften ins gelobte Land und dorthin, wo ihre Weltanschauung noch unbekannt war. Sie vermittelten den Fremden ihre Weltanschauung auch in einer ihrem Charakter entsprechenden Form und waren darin höchst erfolgreich...

Typee

Patches, das hast Du nicht so ganz verstanden.

Alte Kulte beruhen nicht auf Bekenntnisvorstellungen, sondern auf wörtlichen und standartisierten Riten; man kann das auch dann ganz gut mitmachen, wenn man gar nicht so sehr davon überzeugt ist. Manche behaupten sogar, solche Kulte setzten voraus, dass ihre Anhänger im Grunde gar nicht wirklich daran glauben.  Wenn Du so willst, kann man auch sagen, der Katholizismus steht damit den Polytheismen der Alten und dem Satanismus methodisch näher als der Protestantismus jeglicher Färbung (abgesehen vielleicht von den Anglikanern, deren Abkehr von Rom gar nicht religiös motiviert war). Das heißt aber nicht, dass unter diesem Gesichtspunkt die eine oder andere Variante vorzugswürdig wäre. Auch der so typisch protestantische Bekenntnisfimmel ist mir ausgesprochen zuwider, da lauert der Fanatismus, wie er auch in evangelikalen Gruppen leicht so Fuß fasst. 

Übrigens bin ich den anderen, den römisch-katholischen, von der Fahne gegangen. Ist aber schon lange her.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

pelacani

Zitat von: Patches O Houlihan am 17. Januar 2015, 11:32:34
Die Wahrheit ist doch, dass die heilige katholische Kirche zu Rom, deutlich näher am Ursprung dran ist, als diese defizitären Verballhornungen nach Luther, Zwingli und Calvin.
Die heilige katholische Kirche zu Rom bewahrt das alte Wissen der früheren Kulte, vereint es zu einem großen Ganzen und ...
Nein, nur auf den ersten Blick. Natürlich hat der heutige Katholizismus mit dem frühen Christentum, dem mittelalterlichen, dem der frühen Neuzeit und selbst dem des 19. Jhd. nur eine formale Ähnlichkeit. Unter der offiziellen Betonung der Kontinuität fand stets eine Modifikation, eine Änderung statt, anders hätte das Christentum nicht überlebt. Sorgsam davon zu trennen ist natürlich der Aspekt, dass diese Veränderungen nie freiwillig erfolgt sind – auf Interdikt, Index oder auch nur auf den Syllabus errorum hat man ja nicht aus Einsicht verzichtet.

Zitat von: Patches O Houlihan am 17. Januar 2015, 11:32:34
Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass noch vor wenigen Jahrhunderten, nämlich bei unseren christlichen Vorfahren, keinerlei Mängel oder Defizite im weltanschaulichen Selbstbewusstsein auszumachen gewesen wären. Die organisierten sogar religiöse Reisegemeinschaften ins gelobte Land und dorthin, wo ihre Weltanschauung noch unbekannt war. Sie vermittelten den Fremden ihre Weltanschauung auch in einer ihrem Charakter entsprechenden Form und waren darin höchst erfolgreich...
Auch dies ist nur auf den ersten Blick erhellend. Wenn man in alten Scharteken blättert, dann finden sich in der Tat einige Indizien dafür, dass die arabische Welt zu Zeiten der Kreuzzüge im Vergleich zum Westen eine höhere Kulturstufe hatte. Allerdings war es ein, zwei Jahrhunderte später, mit dem Sieg der Rechtgläubigen, damit vorbei. Der letzte technologische Vorsprung des Orients war die Kanone, die zur Eroberung von Konstantinopel eingesetzt wurde, und die war schon ein Lizenzbau, um das mit heutigen Termini zu umschreiben. Anklagen, die sich auf Vorgänge von vor eintausend Jahren berufen, werden der muslimischen Welt nicht weiterhelfen. Das ist nur konservierendes Selbstmitleid.

In der ,,sozialistischen Tageszeitung" von heute, dem 17.01.15, ist unter dem Titel ,,Nicht in Charlies Namen" ein Foilletong-Beitrag zu lesen (nicht online).
https://www.neues-deutschland.de/artikel/958788.nicht-in-charlies-namen.html
In diesem Text beschwert man sich, dass die Unwort-Verleihung die BILD-Zeitung zur seriösen Presse mache, dass der ,,erlebte Exzess" der Trauer um die Opfer eine ,,fast schon obszöne Huldigung" der ,,'eigenen Toten'" sei, dass schließlich Israel den Terror im Nahen Osten ausübe, und ,,Wir bombardieren ihre Großstädte" usw., kurz: unappetitlich. In einem Nebensatz aber entschlüpft dem Kommentator: 

ZitatMan kann es beklagen, sollte es aber trotzdem wahrnehmen, dass sich viele friedliche Muslime von Mohammed-Karikaturen offensichtlich viel direkter und persönlicher angesprochen fühlen als selbst streng gläubige Christen von Papst- oder Jesus-Diffamierungen.

Genau das ist der eigentliche Skandal.

Patches O Houlihan

Zitat von: Typee am 17. Januar 2015, 13:45:22
Patches, das hast Du nicht so ganz verstanden.
Heide, Ketzer, wie kannst du es wagen altes WissenTM auch nur zu relativieren.

Zitat von: Patches O Houlihan am 17. Januar 2015, 11:32:34
Die Wahrheit ist doch, dass die heilige katholische Kirche zu Rom, deutlich näher am Ursprung dran ist, als diese defizitären Verballhornungen nach Luther, Zwingli und Calvin.
Die heilige katholische Kirche zu Rom bewahrt das alte Wissen der früheren Kulte, vereint es zu einem großen Ganzen und ...
... es scheint, die Schlagwortparade zog vorüber und wurde kaum bemerkt...

Zitat von: Pelacani am 17. Januar 2015, 15:48:07
ZitatMan kann es beklagen, sollte es aber trotzdem wahrnehmen, dass sich viele friedliche Muslime von Mohammed-Karikaturen offensichtlich viel direkter und persönlicher angesprochen fühlen als selbst streng gläubige Christen von Papst- oder Jesus-Diffamierungen.
Genau das ist der eigentliche Skandal.
jep.

wobei das hier auch für Empörung sorgte, aber eben nicht für Attentate.

pelacani

Zitat von: Pelacani am 17. Januar 2015, 15:48:07
In der ,,sozialistischen Tageszeitung" von heute, dem 17.01.15, ist unter dem Titel ,,Nicht in Charlies Namen" ein Foilletong-Beitrag zu lesen (nicht online).
https://www.neues-deutschland.de/artikel/958788.nicht-in-charlies-namen.html
[...]
ZitatMan kann es beklagen, sollte es aber trotzdem wahrnehmen, dass sich viele friedliche Muslime von Mohammed-Karikaturen offensichtlich viel direkter und persönlicher angesprochen fühlen als selbst streng gläubige Christen von Papst- oder Jesus-Diffamierungen.

Genau das ist der eigentliche Skandal.

Hier der Kommentar aus berufenem Mund:
ZitatEs wäre an der Zeit, mit dem ekelhaften Paternalismus des ,,linken" weißen bürgerlichen Intellektuellen aufzuhören, der diesen ,,bedauernswerten, ungebildeten und unglücklichen Menschen" beistehen möchte. Ich, der ich natürlich gebildet bin, verstehe, dass Charlie Hebdo den Humor pflegt, denn einerseits bin ich sehr intelligent und andererseits gehört das zu meiner Kultur. Da ihr den ironischen Hintersinn noch nicht entdeckt habt, kritisiere ich aus Respekt vor euch und aus Solidarität diese islamophoben Zeichnungen aufs Schärfste und tue so, als ob ich sie nicht verstehen würde. Ich begebe mich auf euer Niveau, um zu zeigen, dass ich euch liebe. Um euch noch näher zu sein, werde ich, falls nötig, einen Übertritt zum Islam nicht ausschließen! Diese lächerlichen Demagogen haben ein großes Bedürfnis nach Anerkennung und wollen nur ihre gewaltige Gier nach Macht befriedigen.

Charb. Brief an die Heuchler und wie sie den Rassisten in die Hände spielen. S. 43.