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Autor Thema: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik  (Gelesen 59912 mal)

stimmviech

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #60 am: 29. April 2014, 20:41:33 »
Die Hochstapler- Doku erklärt vieles.
Für mich als radikalen Psychiatrieablehner gehört jeder Straftäter in den normalen Knast. Mollath zeigt doch,daß eine eindeutige Diagnosemöglichkeit dieser "Wissenschaft " nicht möglich ist. Denn psychiatrischerseits ist da jede Diagnose zwischen exaltierter Persönlichkeit und paranoider Schizophrenie zu begründen. Da ist doch der Knast ehrlicher,in den USA könnte ich mir alles zwischen Freispruch und nem 20ger vorstellen. Verlogen ist die Straftätertherapie,weil sie Hilfe verspricht,aber in Wirklichkeit nur Freiheit gegen eine Lügenleistung liefert.

F. A. Mesmer

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #61 am: 29. April 2014, 21:16:23 »
ich würde zwar weder psychiatrie/klinischer psychologie noch sonstiger psychologie, psychotherapie usw. die existenzberechtigung absprechen,
gleichwohl kritisiere ich die umfassend erhobenen zuständigkeitsansprüche und marktbeherrschende positionierung, die mir in dem bereich voll abgeht.

sweeper

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #62 am: 29. April 2014, 23:58:08 »
...
Für mich als radikalen Psychiatrieablehner...
Diese Einstellung ist für mich aufgrund deiner autobiographischen Schilderung nachvollziehbar:
du hast dort - ausgehend von einer Lebenskrise - Chaos und Willkür erlebt und nichts Konstruktives.
Zitat
... gehört jeder Straftäter in den normalen Knast
Und nimmst damit - den Daten über erfolgreiche Therapie und Rehabilitation zum Trotz (z.B. S. 60 der verlinkten Dissertation) - in Kauf, dass psychisch kranke Straftäter, denen unsere Gesellschaftsordnung eingeschränkte oder aufgehobene Schuldfähigkeit zugesteht, dennoch voll für ihre Delinquenz einstehen müssen - mit allen Risiken des gewöhnlichen Strafvollzugs, denen gerade junge Menschen ausgesetzt sind.
Für mich zeigt sich hier eine eigenartige Ambivalenz - wenn man diese rigorose Position vergleicht mit einem früheren Statement von dir:
. Mollath zeigt doch,daß eine eindeutige Diagnosemöglichkeit dieser "Wissenschaft " nicht möglich ist. Denn psychiatrischerseits ist da jede Diagnose zwischen exaltierter Persönlichkeit und paranoider Schizophrenie zu begründen. Da ist doch der Knast ehrlicher,in den USA könnte ich mir alles zwischen Freispruch und nem 20ger vorstellen. Verlogen ist die Straftätertherapie,weil sie Hilfe verspricht,aber in Wirklichkeit nur Freiheit gegen eine Lügenleistung liefert.
[/quote]
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Terry Pratchett

sweeper

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #63 am: 30. April 2014, 01:38:43 »
Hier noch mal neu, weil ich vorhin während des Postens rausgeflogen bin:

@Stimmviech:
...
Für mich als radikalen Psychiatrieablehner...
Diese Einstellung ist für mich aufgrund deiner autobiographischen Schilderung nachvollziehbar:
du hast dort - ausgehend von einer Lebenskrise - Chaos und Willkür erlebt und nichts Konstruktives.
Allerdings hier:
Zitat
... gehört jeder Straftäter in den normalen Knast
kann ich nicht folgen, nimmst du doch damit - den Daten über erfolgreiche Therapie und Rehabilitation zum Trotz (z.B. S. 60 der verlinkten Dissertation) - wissentlich in Kauf, dass psychisch kranke Straftäter, denen unsere Gesellschaftsordnung eingeschränkte oder aufgehobene Schuldfähigkeit zugesteht, dennoch voll für ihre Delinquenz einstehen müssen - mit allen Risiken des gewöhnlichen Strafvollzugs, denen gerade junge Menschen ausgesetzt sind.

Für mich zeigt sich hier eine eigenartige Ambivalenz - wenn man diese rigorose Position vergleicht mit einem früheren Statement von dir in #51, bezogen auf die uneinfühlsame Haltung der Therapeutin:
Zitat
Die erlittenen Mißhandlungen der Patienten thematisiert sie meinem Eindruck nach ( Doku Restrisiko) nur dahingehend, daß diese nicht sonderlich relevant für die Delinquenzentwicklung seien, geht ansonsten-auch wieder mein Eindruck- gefühlskalt über die elenden Kindheiten der Untergebrachten hinweg.
Worin unterscheidet sich deine Haltung von der kritisierten?

Zitat
Mollath zeigt doch,daß eine eindeutige Diagnosemöglichkeit dieser "Wissenschaft " nicht möglich ist. Denn psychiatrischerseits ist da jede Diagnose zwischen exaltierter Persönlichkeit und paranoider Schizophrenie zu begründen.
Dieses Argument habe ich zwar schon öfter aus deinem und anderem Mund vernommen; du demonstrierst damit aber lediglich, dass dir nicht klar ist, wie Psychiater und Klinische Psychologen heutzutage arbeiten bzw was es mit den Diagnoseschlüsseln auf sich hat.
Für die konkrete Arbeit mit dem Patienten ist es eigentlich nebensächlich, welchen Namen man dem "Baby" gibt.
Es zeigt sich in der Interaktion, vor allem auch in den unstrukturierten, spontanen sozialen Interaktionen auf Station ziemlich deutlich, wo Defekte oder Defizite (aber natürlich auch Stärken) liegen.
Natürlich ist es wichtig zu wissen, ob ein Patient grundsätzlich für eine psychopharmakologische Therapie in Frage kommt (eben ob z.B. eine Schizophrenie vorliegt), aber das Medikament soll ja vor allem emotional und antriebsmäßig stabilisieren und Therapiefähigkeit überhaupt herstellen. Heutzutage arbeitet man auch mit Psychotikern multimodal: sie müssen lernen, ihre beginnenden Schübe zu erkennen und im Vorfeld dagegenzusteuern bzw sich Hilfe zu suchen. In diesem Sinne sind psychische Krankheiten v.a. chronische Krankheiten, die nur selten im herkömmlichen Sinn wirklich heilbar sind.
Diagnosen sind m.M. nach hauptsächlich für die Verständigung zwischen Therapeuten, für die Forschung, und natürlich für die kostenerstattende Bürokratie notwendig.
Diagnosesysteme ändern sich notwendiger Weise, weil die Erkenntnisse über die zugrunde liegenden Pathomechanismen sich ändern und vertiefen. Wie eine Störung im konkreten Fall  beschrieben wird, ist immer auch von der Untersucherperspektive abhängig bzw von den Facetten, die die therapeutische Beziehung abbildet.
Weiter kann eine Psychose im akuten Stadium gut erfasst werden; in der Remission zeigen sich aber eher Residualsymptome, die unspezifisch sind und vielleicht mit Symptomen einer Persönlichkeitsstörung gemischt sind... und und und...
Außerdem bemüht man sich inzwischen, die Auswirkungen einer Störung in den verschiedenen Achsendimensionen des Patienten zu erfassen (kann er erwerbstätig sein? - was bedeutet die Störung für seine sozialen Beziehungen? - In welchen und wie vielen Bereichen ist die Fähigkeit zur Teilhabe beeinträchtigt? ...) All das macht die Sache natürlich für Außenstehende kompliziert und undurchschaubar und kann den falschen Eindruck erwecken, hier sei wohl nur Subjektivismus und Bauchgefühl am Werk.
Zitat
Da ist doch der Knast ehrlicher
Die Begriffe "ehrlich" und "verlogen" tauchen in deinen Postings sehr häufig auf - ohne es interpretieren zu wollen, stelle ich fest, dass das eine besondere Bedeutung für dich haben muss.
Zitat
in den USA könnte ich mir alles zwischen Freispruch und nem 20ger vorstellen
Ein riesiger Ermessensspielraum also - ist das nun gerechter?? 
Zitat
Verlogen ist die Straftätertherapie,weil sie Hilfe verspricht,aber in Wirklichkeit nur Freiheit gegen eine Lügenleistung liefert.
Das verstehe ich nicht. Auch wenn Leute aus "falschen" bzw "verlogenen" Motiven entlassen werden (so was gibt es schließlich nicht nur im Maßregelvollzug, sondern auch im normalen Strafvollzug - man kann Leute ja nicht ewig einsperren, und bei guter Führung wird eben früher entlassen), dann zählt doch eigentlich nur noch, ob sie es schaffen, nicht rückfällig zu werden und sich möglichst gut in die Gesellschaft zu integrieren. Wo ist das Problem? - Hat das vielleicht mit deiner persönlichen Ethik zu tun?
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stimmviech

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #64 am: 30. April 2014, 02:19:12 »
Ehrlichkeit ist für mich allerdings etwas Wichtiges- auch wenn ich die in unserer Gesellschaft nicht leben kann. Wenn eine Gesellschaft zu verlogen ist- die Therapieillusionen sind da nur ein Beispiel- geht sie eben unter. Ich kann mich damit arrangieren, aber lieber wäre es mir anders.
Von der zynischen Haltung der Klinikdirektorin unterscheidet mich, daß ich keinen Spaß dran habe, Gefangene zu verarschen, ihnen eben Hilfe zu versprechen und sie dann an von mir errichteten Lügenhürden scheitern lassen. In meinen System - die USA kommen dem nahe- gäbe es für Extremstraftäter lange Haftstrafen bis zum Tod.Das würde ganz ehrlich kommuniziert.Und die Rückfallquote in meinem System wäre 0, zumindest was die so bestraften Hangtäter betrifft. Ich bin skeptisch bezüglich der in der Doktorarbeit genannten Erfolge. Von Leygraf-Interviews weiß ich, daß er die Zahl der Probanden in den Entlaßstudien für so gering hält, daß seriöserweise keine genaue Rückfallquote mehr zu ermitteln ist. Der durch die forensische Ambulanz aufgebaute Kontrolldruck ist natürlich derart hoch, daß es weniger Rückfälle geben wird als ohne Ambulanz. Ich vermute: wenn dieser Druck entfällt, wird sich der Rückfallquote der der unbehandelten angleichen. Mein Problem ist vor allem: wir reden hier über Extremtäter. Warum lasse ich da überhaupt eine Rückfallquote zu, auch wenn sie statistisch zu vernachlässigen ist? In den USA würde das keiner verstehen, ich verstehe es auch nur als kuriose Bewältigungsstrategie unserer Geschichte.
An Hand der tollen Mollath Gutachten sieht man doch den Unterschied zwischen Theorie und Praxis der Psychiatrie. Die Praxis: heute wie vor 30 oder 50 Jahren folgt man den Diagnoseschemata von Bleuler/ Schneider und Co. und paßt das dann sprachlich den modernen Krankheitsschlüsseln an.
Ich kenne Deinen Hintergrund nicht, vermute etwas Erfahrung als Patient oder Therapeut im normalpsychiatrischen/ psychologischen Bereich.
Das hat nichts mit der Klientel in der Forensik zu tun. Auch die Vorstellung, daß die " sensiblen Forensischen" im Knast untergehen würden, stimmt nur sehr bedingt. Zumindest in meiner Forensikzeit war, wie beschrieben, das Aggressionsniveau sehr hoch. Viele der Insassen hatten schon eine lange Strafvollzugskarriere in harten Knästen wie Werl hinter sich und entsprechendes Verhalten drauf. Ob sich das geändert hat, kann ich von außen nicht beurteilen. Interessant ist der Film " Restrisiko", die dort Interviewten machen allesamt einen sehr bürgerlichen Eindruck. Ob aber Eickelborn nun derart friedlich geworden ist oder eine bestimmte Auswahl der interviewten Patienten diesen Eindruck erzeugt, kann ich nicht beurteilen. Sicherlich sind die Chaoszeiten vorbei, das Personal hat deutlich mehr Autorität.Auch haben sich, ich hatte das ja schon hier gepostet, die Entlaßkriterien dahin geändert, daß nicht mehr nur die Demonstration von Gefühlen gefordert wird, sondern " psychiatrisch klingende" Selbsterkenntnis. Ich hatte den Eindruck, daß insbesondere einer der interviewten Patienten- bezeichnenderweise der mit Ausgang- die diesbezüglichen Wünsche seiner Therapeuten zumindest ansatzweise bedient.  Und das ist die Gefahr: nur einigermaßen befähigte Lügner schaffen es vielleicht nicht zur Entlassung, wohl aber zum Ausgang, und dann ist die "  Chance" für den Rückfall da. Schmökel ist dafür das "beste " schlechte Beispiel. Ich finde das äußerst unbefriedigend und unschön, auch wenn es statistisch nur wenige Opfer gibt. Denn es ist unnötig, nur unserem Gutmenschbedürfnis geschuldet.

pelacani

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #65 am: 30. April 2014, 09:20:24 »
Beispiel: mittelalterliches Christentum, da haben seriöse Gelehrte über die mögliche Anzahl von Engeln auf Nadelspitzen diskutiert, während das Offensichtliche (Erkenntnisse von  Galileo und Co.) ausgegrenzt wurde.
Ähnlich erscheint mir die Psychiatrie, wobei die Bewertung als Ersatzreligion ja aus der sogenannten Antipsychiatrie der 50er stammt und nicht original von mir ist.
Für mich als radikalen Psychiatriegegner …
Mag sein, dass Du im Maßregelvollzug persönliche Erfahrungen gesammelt hast (plausibel; aber weshalb sollte ich Dir da alle Einzelheiten glauben – selbst soweit ich sie interessant finde), aber von Psychiatrie im eigentlichen Sinn hast genauso viel Ahnung wie von Galilei; vom mittelalterlichen Christentum rede ich noch gar nicht. Überlass‘ das Schwafeln zu diesen Themen den dafür zuständigen Blogs.
Zitat
… gehört jeder Straftäter in den normalen Knast
Auch die junge Mutter, die in einer postpartalen psychotischen Depression den erweiterten Suizid plant, aber mit dem Suizid scheitert und nur das Kind umgebracht hat? Du hast was von Mittelalter an Dir. Ausgangs des Mittelalters war man da schon weiter:
Zitat
Und am gleichen Tage geschah es auch, daß in Rom ein junger Maler, der noch einen Vater besaß und auf Monte Giordano wohnte, auf einen großen Karton das Gebiet von Cave malte, so wie es damals im Kriege aussah. … Von diesem Gemälde erfuhr auch der Papst und weil er sehen wollte, was sich zugetragen und wie die Dinge in Cave und im Lager stünden, schickte er nach diesem Karton und sah ihn an und die Zeichnung gefiel ihm. Aber als er dann sah, wie im Kampfe die Leute der Kirche immer den kürzeren zogen und nur der Signor Antonello und die anderen sich sehr mutig zeigten, während die Leute der Kirche immer verloren, ärgerte er sich sehr darüber. Einige sagen auch, er habe sich geärgert über das schmähliche Treiben der Frau und des Ordensbruders, der sich mit ihr zu schaffen machte. Und da er annahm, es könne mit dieser Frau vielleicht die Gemahlin des Grafen Girolamo [Catarina Sforza] gemeint sein, befahl er, sofort den jungen Maler gefangen zu nehmen, einzukerkern und ihm zehn Züge mit der Strickfolter zu geben und dann am anderen Morgen ihn aufzuknüpfen und sein Haus der Plünderung zu übergeben. Und so tat man ihm auch, nur wurde er nicht gehängt, weil man ihn als einen Narren entschuldigte.
[Stefano Infessura (c. 1435 - c. 1500), Römisches Tagebuch]

Und was Deine Quelle angeht: Sponsel traue ich alles mögliche zu, nur keine Zitatauswahl oder gar -kommentierung, die sich um Objektivität bemüht. Das ist kontaminiert.

Zitat
Der Fall Mollath zeigt doch …
Der Fall Mollath zeigt überhaupt nichts.
… daß eine eindeutige Diagnosemöglichkeit dieser "Wissenschaft " nicht möglich ist.
Die Praxis: heute wie vor 30 oder 50 Jahren folgt man den Diagnoseschemata von Bleuler/ Schneider und Co. und paßt das dann sprachlich den modernen Krankheitsschlüsseln an.
Die psychiatrische Wissenschaft und die psychiatrische Praxis sind, wie sie sind - verbesserungsfähig. Aber nicht per Ukas. Deine Empfehlung „Abschaffen, weil unwissenschaftlich“ zeigt nur, dass Du eine völlig in der Luft hängende Vorstellung von Wissenschaft hast und ist komplett unrealistisch, gottseidank. Im Übrigen ist die Phänomenologie kaum zeitabhängig, wie auch die Symptomatologie körperlicher Erkrankungen keinen wesentlichen Änderungen unterliegt.

ich würde zwar weder psychiatrie/klinischer psychologie noch sonstiger psychologie, psychotherapie usw. die existenzberechtigung absprechen,
gleichwohl kritisiere ich die umfassend erhobenen zuständigkeitsansprüche und marktbeherrschende positionierung, die mir in dem bereich voll abgeht.
Solche globalen Aussagen sind umsonst zu haben. Du treibst es noch so weit, dass ich den einen oder anderen in den Medien gebauchklatschten psychiatrischen oder psychologischen „Experten“ verteidige, nur um Dir zu widersprechen. :crazy

sweeper

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #66 am: 30. April 2014, 10:55:25 »
...Und das ist die Gefahr: nur einigermaßen befähigte Lügner schaffen es vielleicht nicht zur Entlassung, wohl aber zum Ausgang, und dann ist die "  Chance" für den Rückfall da. Schmökel ist dafür das "beste " schlechte Beispiel. Ich finde das äußerst unbefriedigend und unschön, auch wenn es statistisch nur wenige Opfer gibt. Denn es ist unnötig, nur unserem Gutmenschbedürfnis geschuldet.
Wie gesagt, aus deiner Bio ist eine solche Einstellung psychologisch verständlich:
nicht nur musstest du selbst völlig ungeordnete, willkürliche Verhältnisse in der Forensik ertragen (die dir vom programmatischen Anspruch und Versprechen her Halt und neue Orientierung geben sollte): du musstest auch erleben, dass während deiner Beurlaubung oder nach deiner Entlassung von einem Mithäftling ein schreckliches Gewaltverbrechen an einem Kind verübt wurde. Solche Eindrücke übersteht kein differenzierter Mensch, ohne sich existenziell bedroht zu fühlen. Man will um jeden Preis vermeiden, dass so etwas noch mal passieren kann.

Allerdings weißt du selbst, dass die statistische Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass ein von dir beschriebener notorisch lügender Psychopath sich Freigang oder Entlassung erschleicht und dann mit einem Gewaltverbrechen rückfällig wird.
Die spektakulären Fälle von Gewaltverbrechen durch Psychopathen, etwa der kaltblütig berechnete Mord an dem Bankierssohn durch Magnus Gäfgen - siehe auch http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10733&ausgabe=200706 -  prägen sich natürlich stark ins Bewusstsein der Bevölkerung ein. Dagegen verblasst alles andere und verstärkt das Gefühl von Ohnmacht. Diese Delikte sind aber Ersttaten, die dann zu einer Verurteilung führen. Ein großer Teil dieser Psychopathen landet überdies gar nicht in der Forensik, sondern im normalen Knast.
Ein notorischer Lügner wird überall lügen, und psychologisch ungeschultes Personal im normalen Strafvollzug ist noch leichter auszutricksen.
Damit man die von dir postulierten Einzelfälle sicher vermeiden kann, müsste man also konsequenter Weise alle lebenslänglich einsperren.
Dies ist aber eine große Unverhältnismäßigkeit, die mit den Grundrechten unserer Verfassung im Widerspruch steht.
Persönlich bekomme ich auch arge Bauchschmerzen, wenn auf diese Weise die üblen Taten einiger weniger Anlass und Berechtigung sein sollen, das  freiheitliche Rechtssystem eines ganzen Staates in Richtung totalitärer Strukturen zu verändern. Das öffnet doch dem Missbrauch Tür und Tor. Mit "Gutmenschentum" hat diese Haltung nichts zu tun.

Vor allem wird man auf diese Weise keine psychopathisch motivierten Gewalttaten (Ersttaten) verhindern.
Dazu kommt die volkswirtschaftliche Belastung:
Auch der Strafvollzug bzw die Forensik muss nachweisen, "was es bringt". Die Zahlen scheinen dafür zu sprechen, dass es sich lohnt, forensische Therapie incl Nachsorge und Wiedereingliederung nach Verbüßung der Haftstrafen zu betreiben.
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sumo

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #67 am: 30. April 2014, 11:39:46 »
momentan ´macht gerade eine neue Bürgerinitiative von sich reden, die sich mit der Freilassung eines Wiederholungstäters befaßt:
http://www.merkur-online.de/lokales/schongau/lechrain/buergerinitiative-natalie-astner-facebook-gegen-freilassung-sex-moerder-3485820.html

Hat ein Wiederholungstäter ein Recht auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft, wenn er bereits einen Versuch hatte?
Wie kann die Forensik auf derartige Fälle reagieren?

sweeper

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #68 am: 30. April 2014, 11:45:18 »
@sumo: Das veranschaulicht recht drastisch die Stimmung - und auch das Dilemma von Gutachtern:
Zitat
"Wir verlangen auch eine Beraterhaftung für Gutachter, die Täter wie Anton M. künftig als ungefährlich einstufen.
Das ist Quatsch, denn es führt mittelfristig höchstens dazu, dass keiner mehr so blöd ist, einen solchen gutachterlichen Auftrag anzunehmen. Es kann ja niemand gezwungen werden, Gutachter oder überhaupt forensischer Psychiater zu werden.

Hier die Kehrseite einer bislang erfolgreichen Resozialisierung:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/sexualstraftaeter-eurogate-scheitert-mit-kuendigungen-a-966014.html
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sweeper

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #69 am: 30. April 2014, 15:40:44 »
Ich erlaube mir mal, das gesamte Twitlonger von @Stimmviech hier einzustellen, damit der Hintergrund etwas klarer wird:

http://www.twitlonger.com/show/n_1s0vqrr
Zitat
Wie ich anders als #Mollath vorgehe, um aus #Forensik / #Maßregelvollzug entlassen zu werden

Die allgemeine Analyse/Kommunikationsstrategie findet sich in Teil B), Teil C) referiert die in meiner Forensikzeit in den 80ern daraus gewonnenen Erkentnisse über die generellen Entlaßkriterien, Teil A) mit der Analyse der Ärztin paßt diese Erkenntnisse an die heutigen zeitgeistigen Veränderungen an.

A) Kurze Analyse der Leitenden Ärztin der Forensik Eickelborn, erstellt aus ihrem Auftritt in der Doku " Restrisiko" und einem Vortrag bei den Magus Tagen 2013( youtube) und der Selbstdarstellung der Anstalt auf der Internetseite.
Auffällig: Rationalisierende Grundhaltung im Sinne der Virginia-Satir-Kategorien.
http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Satir-Kategorien
Die erlittenen Mißhandlungen der Patienten thematisiert sie meinem Eindruck nach ( Doku Restrisiko) nur dahingehend, daß diese nicht sonderlich relevant für die Delinquenzentwicklung seien, geht ansonsten-auch wieder mein Eindruck- gefühlskalt über die elenden Kindheiten der Untergebrachten hinweg.
In einem Nebensatz am Anfang ihres Magus-Vortrags zweifelt sie die Relevanz von Empathie für die Kriminalitätsbegehung an.
Psychiater der 68-er Generation dagegen hatten neben der berufsbedingt zwangsläufigen " Blamer"-Kategorie ( Satir) immer einen starken Beschwichtiger-Anteil, der der jetzigen Leiterin und vermutlich mehr Psychiatern der Jetztzeit fehlt.
Die auf der Webseite der Anstalt erwähnten Therapien BPS und IBT unterstreichen, daß es hier einen Wandel gegeben hat.
Beide Therapien bestehen aus Modulen, von denen nur noch ein Teil auf das Vorführen von " Gefühlsfähigkeit" abhebt, der Rest besteht aus " Lehreinheiten" über menschliches Verhalten.

Ich gehe davon aus, daß die meist sehr jungen Therapeuten, die direkt mit den Patienten arbeiten, immer noch sehr stark auf die ganz unten in Teil C) aufgeführten Gefühlskriterien abheben. Der clevere Patient wird aber darauf achten, den Eindruck eines seine " Störung" kognitiv Verstehenden( natürlich im Sinn der Therapeutenvorgabe) zusätzlich so zu kommunizieren, daß es bei der Leitung der Klinik ankommt. Im Direktgespräch mit der Leiterin dürfen Gefühle dann nur dosiert vorgebracht werden, alles andere wird eine Rationalisiererin verstören. Sie ist übrigens meiner Vermutung nach als karriereorientierte Person nie so rational, die Vorgehensweisen der Forensik generell zu hinterfragen, beispielsweise dahingehend, daß ein Lügner eine Erfüllung der Ungefährlichkeitskriterien schauspielern kann. Und natürlich auch dagingehend, daß ein kognitives Verständnis seiner Störung einen Sexualstraftäter noch lange nicht vom Triebdruck befreit, genausowenig wie der Urschrei der 80er...

Zur Illustration des Unterschieds zu den 80ern: die seinerzeitige Direktorin der Anstalt war extrem emotional, Satir-Kategorie-technisch vielleicht noch am ehesten als Mischung zwischen Blamer und ein wenig Distractor zu beschreiben. Sie wollte Emotionen sehen, dann schrie sie " das finden wir ja großartig, wie Sie Sich hier eingelebt haben"( sie sprach von sich nur im Plural majestatis) , die Stimmung konnte aber auch schnell ins Aggressiv-Negative umschlagen. Gerüchteweise weinten die Sekretärinnen beim Diktat.


B) Wie/warum Kriminelle sich aus der Forensik herauslügen

1) Antipsychiatrie von Szasz beste Beschreibung von Psychiatrie und seiner Funktion. Es geht um
-Religionsersatz
-mit Opfern(Patienten), die unter Umständen errettet(geheilt) werden können durch Teilnahme an Ritualen(Therapien)
-das alles zum Zweck der Lebenshilfe(religiöse/"wissenschaftliche") Welterklärung und zwecks Konformismusmotivation(Opfer/Patient und sein ritualgemachtes Leid als aversive Konfitionierung für die nicht psychiatrisierten Normalos)
2) Schlußfolgerungen
-Nur die,die an sich sinnlose Rituale überzeugend schauspielernd mitmachen,haben eine Chance zur Errettung/Entlassung.
-Damit das religiös-psychiatrische System überlebt,müssen die Lügenhürden hoch sein.
-Die Basis des erfolgreichen Lügens als Patient ist die Verinnerlichung der antipsychiatrischen Psychiatriephilsophie,denn so gibt das völlig unsinnige Handeln des Psychiatriepersonals Sinn und der Lügner wird nicht durch psychiatrisches Handeln irritiert.
- Durch Verinnerlichung der antipsychiatrischen Philosophie läßt der Lügner sich nicht dazu hinreissen,aus dem Lügenmodus auszusteigen,beispielsweise bei vordergründig nettem Therapeuten.
3)Zur Technik des Lügens
- zentral: das Weltbild des Therapeuten und seiner Kollegen,auch im Zusammenspiel analysieren
-hilfreich:Vertrautheit mit schulische Textanalysen als Grundlage für geistiges Arbeiten und Charakterbeschreibungen
-auch hilfreich(ansonsten Quatsch) NLP-Konzepte zur Sprachanalyse(Meta-modell) und zur Persönlichkeitsanalyse( sorting styles,values)
-Über jeden Therapeuten/Pfleger eine Akte anlegen mit
Values/sorting styles/beliefs Das meiste erzählen die freiwillig,sonst Fragetechniken NLP
-Diagramm der Machtverhältnisse in der Klinik
- Therapieprotokolle
-aus all dem zeitbezogene Handlungspläne (=Lügenpläne)entwickeln( für nächste Therapiestunde/für 3Monat/ fürs Jahr und alles immer aktualisieren
-Selbstanalyse(warum bin ich wirklich da),sozusagen Gegenstück zur antipsychiatrischen Systemanalyse

4) Gesellschaftliche Auswirkungen: können dem Kriminellen egal sein. Rückfallmorde als Preis für psychiatrische Religion.
(Fettung von mir)
Zu Thomas Szasz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Szasz

Na ja, der war von seiner Prägung her vor allem Psychoanalytiker - da stimmt das mit dem Religionsersatz tatsächlich ;-)
Das ist sicherlich historisch interessante Psychiatriekritik, aber von den Erkenntnissen der modernen Neurowissenschaften wirklich längst überholt.
Und du willst die "Psychiatrie als Machtinstrument" gegen den "Strafvollzug als Machtinstrument" eintauschen?!

Bisschen hochstapeln tust du schon, mein Wertester:
Zitat
Wie ich anders als #Mollath vorgehe, um aus #Forensik / #Maßregelvollzug entlassen zu werden
Das klingt so, als ob es eine erfolgreiche Strategie deinerseits war.
Weiter oben schreibst du aber von einer langen Beurlaubung im Vorfeld - damit bestätigst du vor allem eine der in der von mir verlinkten Diss erwähnten günstigen Prognosevoraussetzungen.
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stimmviech

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #70 am: 30. April 2014, 15:53:51 »
Es war eine erfolgreiche Strategie meinerseits, denn die ca. halbjährige Dauer-Beurlaubung war ja der unmittelbare Schritt vor der Entlassung.
Der auf twitlonger eingestellte Text ist " work-in progress", es fehlt hier noch die die Vorabbemerkung, daß ich überhaupt nicht begeistert darüber bin, daß die Gesellschaft gefährlichsten Straftätern eine Möglichkeit einräumt, durch Lügen entlassen zu werden.
Der Punkt "4) Gesellschaftliche Auswirkungen: können dem Kriminellen egal sein. Rückfallmorde als Preis für psychiatrische Religion." deutet das lediglich an. Ich bin ja nicht nur Krimineller, sondern auch als Staatsbürger an einer vernünftigen staatlichen Ordnung interessiert, und da erstaunt mich, daß die Öffentlichkeit der Rückfallmöglichkeit durch entlassene Lügner ähnlich desinteressiert-gleichgültig gegenübersteht wie der lügende Kriminelle. Ich denke da eher mal an die Opfer und schreibe das ja, neben einer gewissen narzisstischen Motivation, als Warnung für die Öffentlichkeit. Ich hatte heute früh noch etwas zu Deinem vorigen Text geschrieben, da ging psiram aber nicht. Ich stelle das nachfolgend ein.

stimmviech

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #71 am: 30. April 2014, 16:00:12 »
Zur Abschaffung der Psychiatrie: von mir gewünscht aber unrealistisch,da meine Mitbürger eine verlogen-gewaltverleugnende Einstellung einer hart-ehrlichen Vorziehen. Weil ich eben doch ziemlich viel Ahnung von der Psychiatrie habe,weiß ich,daß wir dann täglich Selbstverstümmelungen in der Öffentlichkeit haben und polizeiliche Erschießungen wie am Berliner Neptunbrunnen. Finde ich alles unschön,wäre mir aber lieber als die getarnte psychiatrische Aggression. 
Ja ,auch die postnatal depressive Kindsmörderin käme in den Knast,und zwar ziemlich lange.Denn ich sehe keinen prinzipiellen Unterschied zwischen dem "eiskalten Killer" und ihr. Beide sind letztlich Resultate einer Kombination von Biologie und Umwelt,in diesem Sinne ist philosophisch betrachtet für mich jeder "schuldunfähig". Und in der Praxis halt jeder schuldfähig.Die USA zeigen,daß Demokratie und harte Strafen nicht nur vereinbar sind,sondern diese "harte"Einstellung sogar die mentale Basis für das Überleben eines Staats ist. 
Zur Bürgerinitiative: in meinem Buchtext gehe ich ja noch weiter. Da gemäß 67d STGB der Entlassung empfehlende Psychiater die Erwartung der Straffreiheit garantiert,dies aber bei Rückfallzahlen um 20%(frühere Werte) wissentlich gar nicht kann,sehe ich ihn als Mittäter bei Rückfalltaten.Wenn das erste Urteil in dieser Richtung fällt(es wird nicht passieren) ,ist der Prognosespuk vorbei. Die Bürgerinitiative veranschaulicht übrigens,welches Leid die Deutschen den Straftatsopfeen zumuten.

sumo

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #72 am: 30. April 2014, 16:12:13 »
@stimmviech, Dein allerletzter Satz bringt ein höchst spezielles Thema aufs Tapet, nämlich den Opferschutz und den Schutz der Gesellschaft vor derartigen Straftaten. Wie sollte denn die Ausprägung der Justiz sein, täterzentriert oder opferzentriert?
Zur Zeit steht der Täter im Mittelpunkt, das Opfer kommt meist zu kurz.
Es ist immer eine Gratwanderung, inwieweit man die persönlichen Freiheitsrechte einschränkt, um mehr Sicherheit zu gewähren, und ich weiß keine einfache Lösung dafür.

pelacani

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Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #73 am: 30. April 2014, 16:12:57 »
Ja ,auch die postnatal depressive Kindsmörderin käme in den Knast,und zwar ziemlich lange.Denn ich sehe keinen prinzipiellen Unterschied zwischen dem "eiskalten Killer" und ihr. Beide sind letztlich Resultate einer Kombination von Biologie und Umwelt,in diesem Sinne ist philosophisch betrachtet für mich jeder "schuldunfähig".
Das ist ein intellektueller Atavismus. Du hast nicht nur ein bisschen was von Mittelalter, sondern ganz viel. 200 Jahre Entwicklung der Zivilisation sind an Dir vorüber gegangen, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen.

Weil ich eben doch ziemlich viel Ahnung von der Psychiatrie habe
Nein. Du hast Dir nur ein bisschen was angelesen, ohne wirklich zu verstehen, was gemeint ist. Zu viel Szasz-Unsinn. Das ist eine menschenverachtende Ideologie. Und Du wirfst anderen „fehlende Wissenschaftlichkeit“ vor.

Für mich ist der Fall erledigt. Tschüss.

F. A. Mesmer

  • Gast
Re: @Stimmviechs Thesen zur Sinnlosigkeit der Forensik
« Antwort #74 am: 30. April 2014, 16:25:35 »
Zu Thomas Szasz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Szasz

Na ja, der war von seiner Prägung her vor allem Psychoanalytiker - da stimmt das mit dem Religionsersatz tatsächlich ;-)
Das ist sicherlich historisch interessante Psychiatriekritik, aber von den Erkenntnissen der modernen Neurowissenschaften wirklich längst überholt.
Und du willst die "Psychiatrie als Machtinstrument" gegen den "Strafvollzug als Machtinstrument" eintauschen?!
mag schon sein, dass es neurologisch überholt ist, tatsächlich kommt einiges davon, z.B. Mythos Geisteskrankheit auch ohne nennenswerte neuro-erkenntnisse aus.