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Die Genderdebatte

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Begonnen von Scipio 2.0, 07. Juli 2022, 12:59:49

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Peiresc

Zitat von: Gefährliche Bohnen am Gestern um 00:26:15The Disaster At McMaster, Part 1

Ich bin erstmal nur bis zu dem Statement gekommen.

ZitatMoreover, following the principles of evidence-based decision-making, clinicians should always have a high respect for the autonomy of patients and their advocates. The high respect for autonomy becomes particularly important when the certainty of the evidence is low or very low. In such circumstances, clinicians should work with patients to ensure that care reflects the experience, goals, and priorities of those needing care — that is, their values and preferences.

Ähm, und ist denn wenigstens die Nachfrage erlaubt, wie die Patientenwünsche entstanden sind oder wie stabil oder wie realistisch sie sind, oder handelt es sich dabei um eine ingeniöse Gewissheit (Güldenring), der nachzuforschen unmoralisch ist?

Ganz ernsthaft, wäre es dann nicht konsequent, die Überprüfung von Behandlungsmethoden, das Streben nach Evidenz ganz abzuschaffen, weil die Ergebnisse missbraucht werden könnten?

Das ist eine Umkehrung elementarer ethischer Leitsätze: Statt ,,Wohl (und Wille) des Kranken sind oberstes Gesetz" bedeutet das: ,,Wille (und ob es das Wohl ist, wissen wir nicht) des Kranken ist oberstes Gesetz".

Peiresc

Ein hochinteressanter Text. Danke, G. B.

Ich greife mal ein Detail heraus:
ZitatTo take one of many examples, the authors write at one point that "Prior to publication of the DSM-5, identifying as transgender was considered a mental disorder, just as homosexuality had been considered a mental disorder prior to the publication of the DSM-2 in 1973." This is completely false, and it suggests the authors either are unfamiliar with the DSM-IV or intentionally misinterpret it. (This is a zombie rumor that just won't die — see this post of mine from 2019. For various reasons, some activists want to undermine work done on gender-questioning youth in the DSM-IV era, when the condition in question was called gender identity disorder. In the DSM-5, the condition was indeed renamed to gender dysphoria, in part to make it sound less "pathologizing." But the criteria themselves are largely the same. In neither edition would merely "identifying as transgender" net someone a diagnosis. This is not a close call. This is one of those "Do we inhabit a shared objective reality with regards to words printed on a page?" types of situations.)
(kursiv im Original, Fettung von mir)

Auf solchen Gebieten darf man von den Aktivisten kein Komma ungeprüft hinnehmen, stellt sich heraus. Die Parallelen sind offensichtlich: im Kern ähnlich wenn auch plumper ist der Vergleich von "MECFS" mit der "Verkennung der MS als psychosomatisch".

RPGNo1

Zitat von: Gefährliche Bohnen am Gestern um 00:26:15Nach David Gorski scheint eine weitere Koryphäe der Evidenzbasierten Medizin unter den Genderaktivisten einzuknicken: Gordon Guyatt.

Er war mitverantwortlich für eine Reihe von Systematischen Reviews über Genderaffirming Care, für deren Wirksamkeit er wie zu erwarten kaum bis keine Evidenz gefunden hat. Dennoch scheint ihn nun etwas davon überzeugt zu haben, dass - ich verknappe mal etwas - Genderaffirming Care trotzdem gut ist... weil die Patienten es sich wünschen.   :-X

Was dieses "etwas" sein könnte, was Guyatt davon überzeugt hat, beleuchtet Jesse Singal in einem ausführlichen Deep Dive (ausdrückliche Leseempfehlung!):

The Disaster At McMaster, Part 1

Danke für den Hinweis. Ich habe den Artikel erstmal nur überflogen. Der folgende Absatz ist mir sofort ins Auge gefallen:
ZitatThe SPLC's Strange Campaign Against SEGM
Das deckt sich mit dem Hinweis von Till Amelung, dass mehrere deutsche Trans-Verbände massiv gegen die Tagung der SEGM im September in Berlin opponieren. U.a die dgti wirft der SEGM vor, dass sie eine "Hassgruppe" sei und beruft sich dabei auf eine entsprechende Einschätzung der SPLC von 2023.

Jerry Coyne hat sich auf seinem Blog inzwischen auch mehrmals zum SPLC geäußert und hält die Organisation nicht länger für vertrauenswürdig, da sie durch und durch vom Wokeismus durchdrungen sei.



(At Bhaal Temple)
Karlach: What a pesthole! Can't wait to clear this place out.
Minsc: There will be much trading of threats and insults, no doubt. But Minsc will be ready when it is time for boot to meet butt.
Karlach: You and me both, pal.

eLender

Zitat von: Gefährliche Bohnen am Gestern um 00:26:15Nach David Gorski scheint eine weitere Koryphäe der Evidenzbasierten Medizin unter den Genderaktivisten einzuknicken: Gordon Guyatt.
Das ist mir auf Icks auch schon an der Pupille vorbei gestolpert, hatte es aber erstmal verdrängt 8)

Muss ich mal genauer unter die Lupe kippen. Aber bis dahin (weils grad gut passt):

Zitat von: Peiresc am Gestern um 05:04:05Die Parallelen sind offensichtlich: im Kern ähnlich wenn auch plumper ist der Vergleich von "MECFS" mit der "Verkennung der MS als psychosomatisch".
War auch ein erster Gedanke. Die Parallelen sind auch zu auffällig. Um den ganzen Murks zu verstehen, muss man sowieso etwas von den konkreten Gegenständen abstrahieren. Was für den einen ME, ist für den anderen GD. Daher erstmal im anderen Faden der Ermüdung...
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Gefährliche Bohnen

"Ich muss an dieser Stelle gestehen: Ich mag Karpfen gar nicht." - Groucho
RIP

RPGNo1

Für mich klingt das Interview so, dass Gordon Guyatt unter dem massiven Druck der Transaktivisten 1 sowie der Unileitung eingeknickt ist und jetzt behauptet:
"Krieg ist Frieden"
"Freiheit ist Sklaverei"
"Unwissenheit ist Stärke"

Beweisen lässt sich meine Aussage nicht, aber auch Jesse Singal zielt mit seinem Artikel in die gleiche Richtung.

1 Kanada ist momentan der Hotspot der Aktivisten und ihrer Verbündeten, nachdem sie in Teilen Europa (Cass-Report) und den USA (United States v. Skrmetti) zahlreiche Rückschläge hinnehmen mussten.

(At Bhaal Temple)
Karlach: What a pesthole! Can't wait to clear this place out.
Minsc: There will be much trading of threats and insults, no doubt. But Minsc will be ready when it is time for boot to meet butt.
Karlach: You and me both, pal.

Gefährliche Bohnen

Zitat von: Peiresc am Gestern um 04:37:09
Zitat von: Gefährliche Bohnen am Gestern um 00:26:15The Disaster At McMaster, Part 1

Ich bin erstmal nur bis zu dem Statement gekommen.

ZitatMoreover, following the principles of evidence-based decision-making, clinicians should always have a high respect for the autonomy of patients and their advocates. The high respect for autonomy becomes particularly important when the certainty of the evidence is low or very low. In such circumstances, clinicians should work with patients to ensure that care reflects the experience, goals, and priorities of those needing care — that is, their values and preferences.

Ähm, und ist denn wenigstens die Nachfrage erlaubt, wie die Patientenwünsche entstanden sind oder wie stabil oder wie realistisch sie sind, oder handelt es sich dabei um eine ingeniöse Gewissheit (Güldenring), der nachzuforschen unmoralisch ist?

Ganz ernsthaft, wäre es dann nicht konsequent, die Überprüfung von Behandlungsmethoden, das Streben nach Evidenz ganz abzuschaffen, weil die Ergebnisse missbraucht werden könnten?

Das ist eine Umkehrung elementarer ethischer Leitsätze: Statt ,,Wohl (und Wille) des Kranken sind oberstes Gesetz" bedeutet das: ,,Wille (und ob es das Wohl ist, wissen wir nicht) des Kranken ist oberstes Gesetz".



Ergänzend dazu noch ein paar Gedanken:

ZitatThe high respect for autonomy becomes particularly important when the certainty of the evidence is low or very low.

(Aus dem Statement von Guyett et al.)

Wieso sollte die Automonie des Patienten dann mehr beachtet werden, als wenn die Evidenzlage gut ist? Das leuchtet mir nicht ein.
Wenn wenig oder keine harte Evidenz für die Wirksamkeit vorliegt, spielen nach meinem Verständnis vielmehr andere Faktoren eine verstärkte Rolle:

1. Die Plausibilität und damit die A-Priori-Wahrscheinlichkeit für die Wirksamkeit der Intervention
2. Zu erwartende Risiken bei Nicht-Handeln
3. Zu erwartende Risiken und Nebenwirkungen der Intervention
4. Alternative Behandlungsoptionen

Entsprechender, zu erwartender Netto-Nutzen der Intervention unter Berücksichtigung dieser Faktoren (ausreichende Plausibilität, ausrechend hohe Risiken bei Nicht-Handeln, ausreichend niedrige Risiken der Intervention, keine ausreichenden Alternativen Behandlungsmethoden) können dann in der Tat trotzdem zu einer Empfehlung der Intervention (oder zu "kann versucht werden") führen.

Wenn ich die oben genannten Faktoren mal für die Gender-affirming Care bei Kindern/Jugendlichen abklappere, komme ich zu diesem Ergebnis:

1. Das Konzept der Gender-affirming Care basiert auf einer angeborenen, von außen nicht veränderbaren und prinzipiell vom biologischen Geschlecht entkoppelbaren Geschlechtsidentität - dieses Konzept hält schon einer rein philosophisch-logischen Betrachtung nicht stand und ist nicht vereinbar mit entwicklungspsychologischen, hirnphysiologischen und weiteren gesicherten Erkenntnissen über den Menschen. Die Gender-affirming Care fördert eine Konzeptionaliserung von Beschwerden, für die es eine ganze Palette möglicher, alternativer Erklärungen gibt, die besser mit bestehendem Wissen und auch beobachtbaren Phänomene vereinbar sind (=> Ockhams Razor).(Entscheidende Fragen: was ist eine Frau/ein Mann? Was ist eine Geschlechtsidentität? Was ist trans?). Die Plausibilität der Gender-affirming Care ist damit aus meiner Sicht gering, insbesondere in Bezug auf Kinder und Jugendliche.
2. Die angebliche hohe Suizidalität bei Menschen mit Genderdysphorie wird oft als Rechtfertigung (und besonders perfides Druckmittel) benutzt ("Wollen Sie lieber eine tote Tochter oder einen lebenden Sohn") - hält aber ebenfalls einer Überprüfung nicht stand.*
3. Schon die soziale Transition und die Pubertätsblocker, die als reversibel verkauft werden, sind nicht als harmlos zu anzusehen, denn sie festigen die o.g. Konzeptionalisierung der eigenen Beschwerden und erhöhen die Wahrscheinlichkeit nachfolgender, nicht irrevesibler Schritte wie Gabe gegengeschlechtlicher Hormone und Operationen, die zum Teil mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen einhergehen.
4. Alternative Behandlungsoptionen ergeben sich aus einer Neu-Konzeptionalisierung der Beschwerden (s. Punkt 1) infolge einer ergebnisoffenen, hinterfragenden Exploration (s. Peiresc' Kommentar).

Unter anderem damit bestehen entscheidene Unterschiede zu anderen Interventionen, für die es trotz mauer Evidenzlage natürlich Empfehlungsgründe (oder Versuchsgründe) geben kann.

*was wohl erhöht ist, sind Suizidgedanken (sucidal ideation) - die allerdings mit den psychischen Komorbiditäten vollständig erklärbar sind (aus dem Gedächtnis, müsste ich nochmal nachlesen).
"Ich muss an dieser Stelle gestehen: Ich mag Karpfen gar nicht." - Groucho
RIP