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Gabriele Wolff zum Korpsgeist der Psychiater

Begonnen von sweeper, 14. Juli 2013, 21:54:27

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sweeper

Zitat von: Belbo am 31. Juli 2013, 20:27:20
...mal blöd was ist mit den anderen 80% ?

Die kriegen schon mal Rezidive, aber es gibt sehr unterschiedliche Verläufe.
Zitat
Verlauf und Prognose
Dem Vollbild der Erkrankung geht in rund drei Viertel aller Erkrankungsfälle ein
bis zu mehreren Jahre dauerndes
Vorstadium (initiale Prodromalphase)
voraus,
welches durch uncharakteristische Störungen im Bereich von Kognition, Affekt
und sozialem Verhalten gekennzeichnet ist. Nach Krankheitsbeginn kommt es unter
der Behandlung meist rasch zum Abklingen der ersten psychotischen Episode. Bei
etwa 20% der Erkrankten ist damit eine volle Wiederherstellung der psychischen
Gesundheit verbunden. Bei den übrigen 80% kommt es zu einer Remission von un-
terschiedlicher Qualität, von Symptomfreiheit einerseits bis hin zu einem erhebli-
chen Maß kognitiver und sozialer Behinderung andererseits
. Prognostische Fak-
toren, die den Verlauf der Schizophrenie ungünstig beeinflussen, sind eine familiäre
Vorbelastung, d. h. psychische Erkrankungen in der Familie, männliches Ge-
schlecht, eine lange Prodromalphase bzw. ein verzögerter Krankheitsbeginn, kogni-
tive Dysfunktion, niedrige prämorbide Intelligenz (IQ) und Negativsymptomatik,
eine schlechte prämorbide soziale Anpassung und eine fehlende stabile Partner-
schaft, psychosozialer Stress und ein belastendes familiäres Klima (High-EE), Ge-
burtskomplikationen sowie ethnischer Minderheitenstatus oder -ursprung

Daher habe ich den Prophylaxe-Abschnitt rauskopiert.
Zitat
Hierbei sollte die Kombination einer medikamentösen Langzeitbehandlung mit psycho- und soziotherapeutischen Verfahren angestrebt werden, da die Rückfallrate weiter reduziert wird und der Krankheitsverlauf weiter verbessert werden kann.

So weit ich weiß, setzt Falkai (einer der großen Schizophrenieforscher in Deutschland) u.a. auf unterstützende Sporttherapie.
Es liefen dazu wohl erfolgreiche Studien, mit denen ich mich aber nicht näher beschäftigt habe.

Jedenfalls ist man weg von der rein medikamentösen Behandlung, auch wenns die Antipsychiatrie noch nicht mitgekriegt hat. Ist eigentlich auch völlig klar: Medikamente sollen stabilisieren und so andere therapeutische Optionen ermöglichen.
With magic, you start with a frog and end up with a prince.
With science, you start with a frog, get a PhD and are still left with the frog you started with...


Terry Pratchett

sweeper

Und nun geht sie ab, die Krimi-Gabi:

Zitathttp://gabrielewolff.wordpress.com/2013/07/26/der-fall-mollath-die-letzte-bastion/comment-page-2/#comment-18770
gabrielewolff sagte am 31. Juli 2013 um 22:32 :

Die Medizingeschichte kann auf viele Irrtümer zurückblicken, und kaum ein Zweig ist davon so betroffen wie die Psychiatrie. Das nimmt nicht wunder, denn bis heute sind die Ursachen psychischer Erkrankungen unbekannt, und die heutige Heilslehre setzt lediglich an den Symptomen an, deren Ursache heutzutage in krankhaften Veränderungen der Hirnchemie vermutet werden (während das Ursache-Wirkungs-Verhältnis prinzipiell immer noch unklar ist: hat eine veränderte Hirnchemie das Symptom hervorgerufen oder die seelische Erkrankung das ausgesprochen plastische Hirn verändert?). Das ist leider nicht zu erforschen, denn wie es um die Hirnchemie eines Patienten bestellt war, bevor die Krankheit ausbrach, bleibt unbekannt.

Persönlichkeitsverändernde Antipsychotika/Neuroleptika mit schwersten psychischen, kognitiven und physischen Nebenwirkungen bekämpfen Symptome – und sind daher per se für eine Dauermedikation nicht geeignet. Denn viele psychische Erkrankungen zeitigen längere symptomfreie Abschnitte, bis wieder ein Schub auftritt. An diesem Langzeit-Medikationskonzept stimmt also etwas nicht – und das liegt vor allen Dingen an der Zielsetzung psychiatrischen Handelns: was will man eigentlich erreichen? Kann es wirklich das Ziel ärztlichen verantwortungsvollen Handelns sein, Symptomfreiheit zu erzielen, während dies nur erreichbar ist, wenn der so behandelte Mensch zum Sozialfall gemacht wird, körperlich, geistig und seelisch ein Wrack, das nur noch in betreuten Wohnverhältnissen überleben kann?
...

http://psychiatrienogo.wordpress.com/2013/07/30/7-8/

...

Kürzlich las ich, daß es dreißig Jahre gedauert habe, bis die von der Schulmedizin heftig bekämpften Forschungsergebnisse, daß Magengeschwüre bakteriell hervorgerufen werden, endlich anerkannt waren. Es bedurfte mutiger Selbstversuche von Forschern, um die Lehrmeinung, im Magen könnten Bakterien nicht überleben, vom Tisch zu wischen. In der Psychiatrie wird es noch länger dauern, das Ruder herumzureißen, denn da ist ja gar nichts evidenzbasiert, weder die Diagnosen noch die Medikationen (die im übrigen ohne Psychotherapie schon mal gar nichts nützen – das dürften die übertragbaren Erkenntnisse in der weitaus fortschrittlicheren Depressions-Therapie ja bewiesen haben).

Gabis psychiatrische Märchenstunde... klingt irgendwie nach dem Einfluss unseres hochstapelnden nationalen Hirnforschers...
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bayle

ZitatIn der Psychiatrie wird es noch länger dauern, das Ruder herumzureißen, denn da ist ja gar nichts evidenzbasiert, weder die Diagnosen noch die Medikationen (die im übrigen ohne Psychotherapie schon mal gar nichts nützen – das dürften die übertragbaren Erkenntnisse in der weitaus fortschrittlicheren Depressions-Therapie ja bewiesen haben).

Habense nich was Pflanzliches?

Soso, die Depression ist also gar kein psychiatrisches Thema. Hört man gern. Ganz unter uns: was in der Psychiatrie am meisten schlaucht, das ist gar nicht der akut Schizophrene. Das ist der chronisch Jammerdepressive.

Und mal im Ernst: bei der letzten DGPPN war extra ein Referent aus den USA eingeflogen worden, ein Medizinjournalist, der in NEJM oder so publiziert hat. Der hat so "Meta-Analysen" gezeigt, dass Neuroleptika schaden würden. Er ist in der Sitzung ausführlich widerlegt worden. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, da gibt's Literatur. Einzelheiten hab' ich vergessen, weil nicht wichtig. Wenn Frau Wolff nach dem Friedenskampf, der Justiz und der Forensik nun auch noch die Allgemein-Psychiatrie aufrollt, dann ... nein. So ist das nun mal mit dem Schwachsinn. In 20 Minuten lassen sich mehr Hypothesen erfinden, als 20 Jahre Forschung widerlegen können.

Belbo

Hier gibt es einige Dokumente, die ein ganz gutes Licht auf die Interessenlage des Gutachters Weinberger werfen, sowie eine Zusammenfassung seines Besuches bei Herrn Mollath und des entsprechenden Gutachtens......

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/wp-content/uploads/2012/10/RB201202.pdf

ZitatFast so, wie seinerzeit die sowjetischen Potentaten Psychiatriemißbräuche leugneten, zu solchen Diensten
bereite Psychiater in ihrer Stellung bestärkten und ihnen widersprechende Experten in den Orkus warfen, halten
es Minister und Ministerinnen der CDU und CSU und  Politiker und Politikerinnen auch anderer Fraktionen.
Die Kritik an den als kommunistisch geltenden  Mißbräuchen schien sie damals schon eher zu stören.
Sie begegneten uns Mahnern jedenfalls mit befremd-licher Ablehnung, wiewohl sie sich damals sonst dem
Kommunismus gegenüber vielfach doch zurückhaltendverhielten. Es schien, als wollte sie sich die Methode der
Ausschaltung Unliebsamer selbst warm halten. Gewiß, die sowjetischen Machthaber reagierten noch übler.
Widerspruch wagende, den Mißbrauch anprangernde Ärzte wie Dres. Glusman, Korjagin und andere schick-
ten sie gleich ins Straflager oder in die Verbannung. Die große Sorge deutscher Politiker schien damals und
scheint heute zu sein, daß von Mißbräuchen der Psych-iatrie zu politischen Zwecken möglichst wenig, mög-
lichst gar nichts an die Öffentlichkeit dringe. So kommt ihnen der Fall Molllath gewiß ungelegen.

Belbo

Dann erlaube ich mir mal einen Beitrag der es nicht mehr in den blog geschafft hat hier zu posten:


   
ZitatEingereicht am 02.08.2013 um 09:09

    gelegentlich :"Wir wollen jetzt wissen, wie es kommen kann, dass der gleiche Mensch mit dem gleichen hochspezialisierten und quasi normierten Werkzeug von 3 verschiedenen Anwendern vermessen wird, aber 3 höchst unterschiedliche Ergebnisse sich einstellen." Dazu gibt es jetzt eine Antwort "Herr Weinberger kocht da wie viele andere inzwischen auch auf Kosten von Herrn Mollatth." Das heißt eigentlich gibt es keine Antwort zur Frage ob Weinberger das Werkzeug richtig angewendet hat. Es wird ja nur gesagt dass Herr Weinberger außerhalb des Problems der richtigen Anwendung des Werkzeugs noch andere Interessan am Fall Mollath hat. Und es wird ohne Begründung behauptet, dies geschehe auf Kosten von Herrn Mollath, obwohl der dazu das Gegenteil behauptet. Was denn jetzt? 3 Beiträge und keine Antwort zur richtigen Anwendung des Werkzeugs?

Doch es gibt eine Antwort, Herr Weinberger hat sich früher als Kämpfer gegen die Terrorpsychatrie der DDR hervorgetan, und entwickelt jetzt im Alter eine gewisse Paranoia sowhl gegenüber der Psychoanalyse als auch der Psychatrie im Allgemeinen, sein sogenanntes Gefälligkeitsgutachten für den Herrn von den Freien Wählern wurde desshalb in der Fachwelt als eher peinlich empfunden.
http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/neues-verwirrspiel-um-gustl-mollath/
....zeugt ja nun nich unbedingt von einer unbefangenen Herangehensweise
http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/wp-content/uploads/2012/01/RB201201.pdf
...macht dann auch deutlich dass es da eher um herrn Weinbergers eigenes Ego, als um dei Gesundheit von Herrn Moolath geht....
http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/rundbrief-22012-oktober-2012/
"Fast so, wie seinerzeit die sowjetischen Potentaten Psychiatriemißbräuche leugneten, zu solchen Diensten
bereite Psychiater in ihrer Stellung bestärkten und ihnen widersprechende Experten in
den Orkus warfen, halten es Minister und Ministerinnen der CDU und CSU und
Politiker und Politikerinnen auch anderer Fraktionen. "
Der Eindruck ist wohl gestattet dass da jemand jedes Augenmass verloren hat.

gelegentlich

<blockquote>
Der Eindruck ist wohl gestattet dass da jemand jedes Augenmass verloren hat.
</blockquote>
Wenn man das so bewertet, und das steht Ihnen zu, dann können Sie Glaubwürdigkeit nur dann erreichen, wenn Sie an gleicher Stelle mit dem gleichen Nachdruck die Äußerungen Leipzigers, Kröbers, Rückerts, Lakottas, Lapps und Brauns sozusagen in die Tonne treten. Andernfalls hat man lediglich den Eindruck, hier argumentiert Jemand <i>pro domo</i>, für seine eigenen, hier nicht enhtüllten Interessen.
Psychiater bin ich nicht, "Mollathianer" auch nicht. Aber ich habe eine feine Witterung für mufflige Gruppenintrigen, seitdem solche mich fast den Berufseinstieg gekostet hätten. Und, wie im Blog erwähnt, ich kenne privat Beteiligte und deren Lesart. Jurist bin ich nicht. Aber diese 115 Seiten des LG Regensburg habe ich mir gleich aufgehoben. Das ist das intellektuell peinlichste Dokument das Irgendjemand nach seinem Abitur geschrieben hat.

P.G.

Der Leipziger ist schon echt ne Knalltüte.  Jetzt macht er auch noch wegen seiner Dissertation Schlagzeilen.
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.anzeige-gegen-klaus-leipziger-plagiats-vorwuerfe-gegen-mollath-gutachter.c833241f-daa1-40f9-8789-5c8575753176.html
Davon abgesehen, machen ja auch die anderen Beteiligten keine gute Figur, war dieses Ding mit dem Symposium in Berlin schon echt daneben.

bayle

@gelegentlich

nachdem Du unseren gesamten Kommentarbereich mit Deinem pejorativen SPAM geflutet hast, begrüße ich Dich nun im Forum. Willkommen :teufel

Es wäre müßig, auf all Deine Posts antworten zu wollen. Andererseits würde es auch nicht die Mühe machen, man müsste nur ein bisschen die reichlichen Redundanzen herausfiltern. Mit dem Rest würde man dann durch einfache Verlinkung auf bisherige auf bereits abgehandelte Themen fertig. Beispielsweise die bisher acht- bis zehnmal wiederholte Behauptung, dass Psiram von der forensischen Psychiatrie gekauft sei. Da braucht man nur die Suchfunktion, nicht den Grips einzuschalten.

Aber ich will doch noch an einzelnen Stellen ins Detail gehen. Belbo belegt, dass Weinberger voreingenommen war, und Deine Antwort ist:
   
Zitat von: gelegentlich am 02. August 2013, 12:28:57
Wenn man das so bewertet, und das steht Ihnen zu, dann können Sie Glaubwürdigkeit nur dann erreichen, wenn Sie an gleicher Stelle mit dem gleichen Nachdruck die Äußerungen Leipzigers, Kröbers, Rückerts, Lakottas, Lapps und Brauns sozusagen in die Tonne treten.
Das ist Unfug, und ich will Dir erklären, warum. Weinberger wusste schon vor der Untersuchung, dass Mollath gesund ist (das sagte ihm seine Psychiatrie-Erfahrung mit der DDR), und er wusste, dass Mollath unschuldig ist (das hatte ihm Schlötterer verraten). Wenn Du mit einem Gesunden oder mit einem Schizophrenen außerhalb seines Schubs über eine Gewalttat in der Vergangenheit sprichst, dann wird er, sofern er sich herablässt, etwa sagen: ,,und dann bin ich ein bisschen ausgetickt" und das Thema verlassen. Es kann sein, dass er seine Katze angeschrien hat. Es könnte aber sein, dass er sich verfolgt gefühlt, das Wohnzimmer mit der Axt zerlegt und zum Fenster hinausgeworfen hat. Wie kriegt man das raus? Man fragt die Ehefrau oder schaut sich an, was andere dazu herausgefunden haben, steht in den Akten.
Weinberger hatte weder Zugang zu den Akten, noch hätte er sie ernstgenommen. Wie genau hat er nachgefragt, als Herr M. ihm gesagt hat, dass er, der Herr M. nämlich, völlig unschuldig einem Komplott zum Opfer gefallen ist?

Die Definition von ,,Voreingenommenheit", die Du vertrittst, ist dagegen ganz einfach: es sind alle Autoren voreingenommen, die etwas schreiben, was Dir nicht in den Kram passt. Was da dann so aufgeführt wird, um das zu kaschieren, hat den Stich ins Groteske. Ich sag's mal etwas theoretischer: a-priori-Wahrscheinlichkeiten sind völlig wurscht.

ZitatAber ich habe eine feine Witterung für mufflige Gruppenintrigen, seitdem solche mich fast den Berufseinstieg gekostet hätten.

Beauftrage Weinberger mit der Untersuchung.

ZitatAber diese 115 Seiten des LG Regensburg habe ich mir gleich aufgehoben. Das ist das intellektuell peinlichste Dokument das Irgendjemand nach seinem Abitur geschrieben hat.

Das hat O. Garcia aber anders gesehen. Er sprach von einem sportlichen Ehrgeiz der Richter; ein Terminus, den ich mit ,,gewissenhaft" übersetzen würde.

Ich werde beim Du bleiben. Ich kann mich nicht so in Affekt bringen.

@P. G.
Hast Du Dir mal das Plagiat auf
http://politplag.de/index.php/Free-Gustl-Mollath
mal angesehen? Kann sein, ich bin ein bisschen langsam, aber ich habe den Vorwurf noch nicht ganz verstanden. Die übernommene Textpassage ist doch durchgängig im Konjunktiv, mit vorangestellter Quelle?


@The Doctor
Einsteigen bitte! Nicht erst warten, bis der Zug weg ist und dann meckern, dass Du ihn verpasst hast.

P.G.

Zitat von: bayle am 03. August 2013, 11:20:17
@P. G.
Hast Du Dir mal das Plagiat auf
http://politplag.de/index.php/Free-Gustl-Mollath
mal angesehen? Kann sein, ich bin ein bisschen langsam, aber ich habe den Vorwurf noch nicht ganz verstanden. Die übernommene Textpassage ist doch durchgängig im Konjunktiv, mit vorangestellter Quelle?

Ja, die "Anklage" ist tatsächlich ziemlich dünn. Zur Aberkennung langt das meines Erachtens nicht.
Korrekt zitiert ist es trotzdem nicht. Er hätte es paraphrasieren oder aber alles in Anführungszeichen setzen müssen.
(Ganz davon abgesehen, dass das ganze ein ziemlich durchschaubarer ad hominem ist.)

Belbo

Hauptsache es wurde im Bayrischen Rundfunk stündlich in den Nachrichten verbreitet, erstaunlich wie es Herr Mollath geschafft hat die Öffentlichkeit, in seinem Sinne zu manipulieren.

bayle

Zitat von: P.G. am 02. August 2013, 12:37:30
Davon abgesehen, machen ja auch die anderen Beteiligten keine gute Figur, war dieses Ding mit dem Symposium in Berlin schon echt daneben.
Machen wir's wie immer, suchen wir nach der einfachsten Hypothese. Die Lage ist neu, ein PR-Konzept für diese Situation hat wohl niemand.
Am ehesten auffällig ist ja die Namensnennung im Vortragstitel; korrigiere mich, wenn Du was anderes meinst. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Prof. K und Dr. L das Symposium nutzen wollten, um sich gegen die, wie sagen wir's am besten, unkonventionellen Angriffe von Sponsel & Co. zu verteidigen, die den Namen ohnehin publik gemacht hatten. Als dann Strate den Wiederaufnahme-Antrag stellte, wurde es auch juristisch wieder heiß, so dass sie sich nicht mehr in einem möglicherweise dann schwebenden Verfahren äußern wollten.
Das erste wäre also, zu checken, in welcher zeitlichen Reihenfolge was veröffentlicht worden ist.
Vgl. noch
http://forum.psiram.com/index.php?topic=10168.msg141544#msg141544

sweeper

@gelegentlich:
Willkommen im Psiram- Forum!
Mich freut, dass du dich hier angemeldet hast.
Ich werde mich bemühen, auf deine Beiträge strikt in der Sache einzugehen.

Zunächst eine Frage an dich:
es scheint, als ob ( gem. deiner Aufzählung) "Leipziger, Kröber, Lakotta, Rückert, Lapp" alle dieselbe Kategorie darstellen. De facto sind die einen Gutachter, die mit konkreten Äußerungen zum Fall Mollath in der Öffentlichkeit Zurückhaltung üben müssen.
Die anderen sind Journalisten und werden von dir offenbar als indirektes höriges Sprachrohr (Hofberichterstatter) der Gutachter betrachtet. Ist diese deine Wahrnehmung womöglich auch einem Vorurteil geschuldet?
Ich selbst habe mich in den Fall Mollath über die im Netz zugänglichen Schriftstücke eingelesen und habe mir eine Meinung aufgrund meines fachlichen ( medizinischen ) Wissens und aufgrund meiner Kenntnis der normalen Abläufe des stationären Alltags gebildet. Dazu musste ich kein Wort von Lakotta u.a. lesen. Allerdings war ich zugegebener Maßen erleichtert festzustellen, dass sie - wie auch der Psychologe Mackenthun - zu ähnlichen Einschätzungen kamen  wie ich selbst und innerhalb der von mir in großen Teilen als hysterisch oder mit sachfremden Zielen (Wahlkampf; Antipsychiatrie) durchsetzten  öffentlichen Äußerungen einen eher sachlich-skeptischen Gegenpol bildeten, der ein unverzichtbares Element für die Meinungsvielfalt bildet.
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Terry Pratchett

Belbo


bayle

Wir sind ja hier in "Andere Medien", und warum nicht mal umherschweifen.

Zur Entspannung: mal aus dem Sammelsurium von Kommentaren, diesmal zur Meldung, dass der Generalbundesanwalt das OLG Bamberg kritisiert habe:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-mollath-generalbundesanwalt-ruegt-olg-bamberg-a-914589.html :

Zitat11. Das wird nichts ändern
einwerfer 02.08.2013
Das OLG Bamberg wird seine Entscheidung etwas ausführlicher begründen, aber zum selben Ergebnis kommen. Denn, merke: das herrschende Recht ist immer das Recht der Herrschenden.
Es hätte heißen müssen: Das Recht der herrschenden Klasse.

Zitat14. (Dr.) Leipziger - ein Plagiator verursacht einen RECHTS-GAU
jos777 02.08.2013
Wenn sein Doktortitel ein Plagiat ist und dieser vermeintliche Doktor ein Gutachten gegen Gustel Mollath erstellt hat, kann dieses Gutachten keine Rechtsgültigkeit mehr haben.
Die Schlüsse sind zwar nicht richtig, aber ein erhebliches Reputationsproblem würde schon entstehen. Immerhin, es geht mit einem ,,Wenn" los. Und wenn die Uni kein Plagiat erkennt, dann ist sowieso alles klar: stecken alle unter einer Decke.

Zitat16. Wer einmal unzurechnungsfähig gewesen sein könnte
kosiak gestern, 00:03 Uhr
der kann es auch ohne weitere Prüfung noch 2 Jahre später sein. Eine bekannte Diebin wurde vor 2 Jahren wegen § 20 StGB freigesprochen, aber nicht eingewiesen. Sie klaut seitdem wie ein Rabe. Das Verfahren 2013 wurde unter Hinweis auf 2011 eingestellt,wobei der Gutachter 2011 ! meinte, es gehe keine Gefahr mehr von ihr aus. Praktisch der umgekehrte Fall wie bei Mollath.
Das scheint in der Tat auf ein strukturelles Problem hinzudeuten.

Zitat46. Kann es sein, dass...
12badmonkeys gestern, 08:15 Uhr
...man Herrn Mollath damals wahnsinnig gemacht hat, als er sich mit der Schwarzgeldaffäre beschäftigte, um ihn verschwinden lassen zu können?
Ja, wenn ich's recht bedenke ... das macht mich wahnsinnig!

Zitat53. Raser von Regensburg
peter78 gestern, 08:36 Uhr
Wirklich gefährliche Menschen (Autofahrerer!) kommen natürlich nicht auf Jahre in die Psychiatrie; auch dann nicht, wenn sie Menschenleben auf dem Gewissen haben. Da haben Daimler, BMW und Audi was dagegen.
Es ist noch ein bisschen mehr aufzuräumen als Justiz und Psychiatrie.

Gut. aber wie sagt genugistgenug?
Zitat71.
genugistgenug gestern, 10:05 Uhr
auweia, aber weil heute Samstag ist Trollfütterung

P.G.

Zitat von: bayle am 03. August 2013, 21:47:21
Zitat von: P.G. am 02. August 2013, 12:37:30
Davon abgesehen, machen ja auch die anderen Beteiligten keine gute Figur, war dieses Ding mit dem Symposium in Berlin schon echt daneben.
Machen wir's wie immer, suchen wir nach der einfachsten Hypothese. Die Lage ist neu, ein PR-Konzept für diese Situation hat wohl niemand.
Am ehesten auffällig ist ja die Namensnennung im Vortragstitel; korrigiere mich, wenn Du was anderes meinst. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Prof. K und Dr. L das Symposium nutzen wollten, um sich gegen die, wie sagen wir's am besten, unkonventionellen Angriffe von Sponsel & Co. zu verteidigen, die den Namen ohnehin publik gemacht hatten. Als dann Strate den Wiederaufnahme-Antrag stellte, wurde es auch juristisch wieder heiß, so dass sie sich nicht mehr in einem möglicherweise dann schwebenden Verfahren äußern wollten.
Das erste wäre also, zu checken, in welcher zeitlichen Reihenfolge was veröffentlicht worden ist.
Vgl. noch
http://forum.psiram.com/index.php?topic=10168.msg141544#msg141544

Das Problem das ich damit habe ist, dass da der Versuch unternommen wurde, sich auf einer unangemessen persönlichen (unprofessionellen) Ebene zu rechtfertigen und man sich wohl auch keine Gedanken gemacht hat, wie das auf die ohnehin sensibilisierte Öffentlichkeit wirken muss.  Als "Öl ins Feuer gießen", würde ich das bezeichnen. Sehr ungeschickt, wenn das eigentliche Ziel eine Versachlichung sein sollte.
Im Falle eines Patienten, zu dem es extrem schwer zu sein scheint eine tragfähige Beziehung aufzubauen, ist die Titelwahl des Vortrages und das offensichtlich ungefragte Thematisieren dieses Patienten und seiner Geschichte eine Kapitulation. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Patientenwohl hier noch irgendeine Rolle spielte. Und ich sehe es auch durchaus kritisch, dass eine siebenjährigen Unterbringung offensichtlich therapeutisch nicht genutzt werden konnte und es eher zu einer Chronifizierung des Zustandes kam.
Es spricht aber sicherlich nichts dagegen den Umgang der Medien mit der forensischen Psychiatrie und wie man darauf angemessen, in einem professionellen Rahmen reagiert, zum Thema eines Symposiums zu machen.
Die Reihenfolge der Geschehnisse ist da, meiner Meinung, nebensächlich.