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Medical marijuana/medical mushrooms

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Begonnen von Superkalifragilistisch, 25. Oktober 2012, 17:55:59

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Superkalifragilistisch

Hallo

habt ihr gute Artikel die sich damit beschäftigen, wie die Drogen-Advokaten die Medizin als Kampfplatz mißbrauchen um die Legalisierung vorranzutreiben? Ich bin der Ansicht daß der Staat keinerlei Recht hat irgendwelche Substanzen zu regulieren. Der war on drugs ist ein folk-devil wie alle "war on XY" und 90% der Menschen haben mindestens mal auf ner Party gekifft, also was soll die Aufregung? Aber die Marijuana Proponenten bringen als Argumente nur linken spiritualistischen Bullshit hervor, sodaß einem auch als liberalem Menschen wirklich die Lust vergeht, diese dümmliche Bewegung zu unterstützen.

ZitatThis is what disgusts me about "medical" marijuana: The abuse of the system.

Ständig Meldungen wie "Marijuana heilt Krebs," "Marijuana heilt Asthma" usw.  >:(

http://www.skeptic.com/doubtful-news/irresponsible-media-story-promotes-mushroom-extract-as-cancer-cure/

Ich bestreite gar nicht, daß die enthaltenen Substanzen möglicherweise förderliche Eigenschaften haben. Darum geht es überhaupt nicht.



Wenn ich bei google "medicine abuse medical marijuana" eingebe kommen naturgemäß Beiträger über "marijuana abuse."

Ich habe nur zwei Artikel gefunden, die sich mit der Argumentation auseinandersetzen
http://impeccablehubris.wordpress.com/2009/12/03/medical-marijuana-complete-bullshit/
http://www.thestranger.com/slog/archives/2012/08/10/medical-marijuana-industry-keeps-up-bullshit-arguments-to-oppose-legalization&view=comments

Superkalifragilistischexpliagiletisch
"Umgekehrt mußte die Psychoanalyse manchen enttäuschten Adepten eines vulgarisierten, auf eine ökonomisch-soziale Theorie reduzierten Marxismus als Bereicherung erscheinen."

Jetzt im Trend: »irgendwas mit Gesellschaftskritik«

The Doctrix

Zitat von: Superkalifragilistisch am 25. Oktober 2012, 17:55:59
Ich bin der Ansicht daß der Staat keinerlei Recht hat irgendwelche Substanzen zu regulieren.

Wenn es tatsächlich dem Schutz der Menschen vor schweren Risiken geht, doch.

Zitat
Der war on drugs ist ein folk-devil wie alle "war on XY" und 90% der Menschen haben mindestens mal auf ner Party gekifft, also was soll die Aufregung?

Das gelegentliche Kiffen ist auch nicht das Problem. Aber Marijuana ist heimtückisch. Da man am nächsten Morgen im Regelfall keinen Kater hat, fällt es viel leichter als bei Alkohol, regelmässig zu konsumieren. Und eine psychische Abhängigkeit ist auch nicht zu unterschätzen.

Zitat
Ständig Meldungen wie "Marijuana heilt Krebs," "Marijuana heilt Asthma" usw.  >:(

...sind Blödsinn.

Zitat
Ich bestreite gar nicht, daß die enthaltenen Substanzen möglicherweise förderliche Eigenschaften haben. Darum geht es überhaupt nicht.

Haben sie auch. Marijuana ist eine gute Option bei Morbus Crohn, dem Tourette-Syndrom oder den Schmerzen bei Multpiler Sklerose oder Krebs. Und es kann z.B. bei AIDS-Kranken einer zu starken Gewichtsreduktion entgegenwirken.
Psilocybin wurde bereits erfolgreich in der begleitenden Psychotherapie bei Krebs im finalen Stadium eingesetzt, genauso wie LSD.

Und ohne die Opiate hätten wir heute keine hochpotenten Schmerzmittel, ohne Kokain keine Lokalanästhetika usw.

Aber es gibt auch andere psychoaktive Substanzen, die nun so gar keinen Nutzen haben, z.B. Crystal Meth oder Phencyclidin.

Nota bene: ich bin mit der Drogenpolitik in Europa und den USA auch nicht zufrieden. Vor allem die Kriminalisierung der Konsumenten stört mich sehr (wobei die Schweiz auf einem guten Weg ist: da gilt seit Neuestem der Besitz und Konsum von Cannabis nicht mehr als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit, welche mit 100 Franken gebüsst wird). Aber eine völlige Freigabe (für die ich in jüngeren Jahren auch gekämpft habe) erscheint mir doch ein wenig riskant.
Immer, wenn Du glaubst, dümmer gehts nicht mehr, kommt von irgendwo ein Eso her!

Elfenstaub

ZitatDas therapeutische Potenzial von Cannabis und Cannabinoiden


http://www.aerzteblatt.de/archiv/127598/
2-3 Elfen, luftgetrocknet, mit dem Mörser zerstoßen bis die Konsistenz von Puderzucker erreicht ist: Elfenstaub!

Giftig wie Aspartam, süß wie Dihydroxymonoxid und nicht überdosierbar.

bayle

ZitatMarijuana ist eine gute Option bei Morbus Crohn, dem Tourette-Syndrom oder den Schmerzen bei Multpiler Sklerose oder Krebs.

Bei der MS ist Sativex für die Behandlung der Spastik zugelassen, aber erstens sind die Indikationen weich, die Handhabung umständlich (Mundspray mit detaillierten Anweisungen), die Zulassungsstudien natürlich nicht gegen andere Antispastika sondern gegen Placebo, und Schmerz ist auch ein bisschen was anderes als Spastik. Und ganz nebenbei: es ist sauteuer.

Cannabis bei Tourette war mir neu, also schnell mal das medizinische Orakel angeworfen:
Pubmed ,,cannabis" und ,,tourette": 12 Treffer, davon 10 mit Müller-Vahl als Ko-Autor.

Davon clinical trial: 4, ausschließlich mit Müller-Vahl als Ko-Autor. Die größte und längste Studie war mit 24 Patienten, Crossover doppelblind, über 6 Wochen, und hatte 7 dropouts.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12716250
1999 hat M-V einen Review in der Fachpresse untergebracht:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10627163
Allerdings sollte zu denken geben, dass (zumindest inzwischen) Harald Walach der Chefredakteur der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin ist. Ich vermute also, dieser Review ist von anderen Zeitschriften abgelehnt worden.

Einer der beiden nicht von Müller-Vahl mitbetreuten Aufsätze hat den Titel:
Medicinal cannabis for diseases of the nervous system: no convincing evidence of effectiveness
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15615271

Also, irgendwie überzeugt mich diese Datenbasis nicht.

ZitatPsilocybin wurde bereits erfolgreich in der begleitenden Psychotherapie bei Krebs im finalen Stadium eingesetzt, genauso wie LSD.

Das soll jetzt nicht zynisch klingen, aber da kann ja auch nichts mehr schief gehen.

Superkalifragilistisch

ZitatWenn es tatsächlich dem Schutz der Menschen vor schweren Risiken geht, doch.
So kann man auch bei Büchern argumentieren. ,,Schutz" hat immer so etwas passiv-aggressives. Warum diese Drogenpanik verkehrt ist sieht man schon daran, daß die ADHS-Leugner - z.B. die Psychoanalytiker - sie als berufsstrategisches Mittel im Kampf um die Behandlungshoheit gegen die biologisch fundierte Psychiatrie einsetzen.
"Umgekehrt mußte die Psychoanalyse manchen enttäuschten Adepten eines vulgarisierten, auf eine ökonomisch-soziale Theorie reduzierten Marxismus als Bereicherung erscheinen."

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The Doctrix

Zitat von: Superkalifragilistisch am 25. Oktober 2012, 21:32:48
ZitatWenn es tatsächlich dem Schutz der Menschen vor schweren Risiken geht, doch.
So kann man auch bei Büchern argumentieren. ,,Schutz" hat immer so etwas passiv-aggressives. Warum diese Drogenpanik verkehrt ist sieht man schon daran, daß die ADHS-Leugner - z.B. die Psychoanalytiker - sie als berufsstrategisches Mittel im Kampf um die Behandlungshoheit gegen die biologisch fundierte Psychiatrie einsetzen.

Das war ja jetzt sowas von einem Strohmann.
Immer, wenn Du glaubst, dümmer gehts nicht mehr, kommt von irgendwo ein Eso her!

Superkalifragilistisch

Zitat von: The Doctor am 25. Oktober 2012, 22:20:07
Zitat von: Superkalifragilistisch am 25. Oktober 2012, 21:32:48
ZitatWenn es tatsächlich dem Schutz der Menschen vor schweren Risiken geht, doch.
So kann man auch bei Büchern argumentieren. ,,Schutz" hat immer so etwas passiv-aggressives. Warum diese Drogenpanik verkehrt ist sieht man schon daran, daß die ADHS-Leugner - z.B. die Psychoanalytiker - sie als berufsstrategisches Mittel im Kampf um die Behandlungshoheit gegen die biologisch fundierte Psychiatrie einsetzen.

Das war ja jetzt sowas von einem Strohmann.
Dann sag mir doch wie ich Dich fehlinterpretiert habe. Zum Topic hast Du jedenfalls noch nichts beigetragen.
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The Doctrix

Zitat von: bayle am 25. Oktober 2012, 20:38:37
ZitatPsilocybin wurde bereits erfolgreich in der begleitenden Psychotherapie bei Krebs im finalen Stadium eingesetzt, genauso wie LSD.

Das soll jetzt nicht zynisch klingen, aber da kann ja auch nichts mehr schief gehen.

In der Palliativ-Forschung geht sogar noch mehr: für die Bearbeitung von Ängsten vor dem Sterben kommt in der Psychotherapie sogar wieder MDMA (vulgo "Ecstasy") zu medizinischen Ehren. Oder auch seine "kleine Schwester" b-keto-MDMA (a.k.a. "Methylone", habe ich selber mal vor 7 Jahren sehr erfolgreich in der Sterbebegleitung eingesetzt (und das sogar völlig legal!)).

Durch nicht nur gutinformierte, sondern auch gut befreundete Kreise weiss ich u.a. auch, dass Dr. Albert Hofmann (der "Entdecker" des LSD) im April 2008 seinem Leben im Alter von 102 Jahren selber ein Ende gesetzt hat (nachdem seine Frau dies einige Monate zuvor 99jähring unter schwerster rheumatoider Arthritis ebenfalls getan hatte), unter Administration mit 150ug LSD und 200mg MDMA. Und unter persönlicher Begleitung einiger der berühmtesten Psychedelika-Forscher unserer Zeit.
Immer, wenn Du glaubst, dümmer gehts nicht mehr, kommt von irgendwo ein Eso her!

The Doctrix

Zitat von: Superkalifragilistisch am 25. Oktober 2012, 22:25:17
Dann sag mir doch wie ich Dich fehlinterpretiert habe.

Hast Du doch gar nicht. Nur einen völlig irrelevanten Nebenkriegsschuplatz aufgemacht.

Meine Güte, muss ich Dir jetzt etwa noch den Begriff "Strohmann-Argument" erklären?!?

Zitat
Zum Topic hast Du jedenfalls noch nichts beigetragen.

What?!? Ich glaube, ich höre wohl nicht richtig!    :wut
Immer, wenn Du glaubst, dümmer gehts nicht mehr, kommt von irgendwo ein Eso her!

Superkalifragilistisch

Doch Du hörst richtig. Ich habe ausdrücklich gesagt dass es mir nicht um die Forschungslage geht, ob die nun positiv oder negativ ist, wobei sie wahrscheinlich durchaus positiv ist.
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The Doctrix

Zitat von: Superkalifragilistisch am 25. Oktober 2012, 22:46:18
Doch Du hörst richtig. Ich habe ausdrücklich gesagt dass es mir nicht um die Forschungslage geht, ob die nun positiv oder negativ ist, wobei sie wahrscheinlich durchaus positiv ist.

Und ich habe mich nicht nur zur Forschungslage geäussert. Also was ist nun Dein Problem?
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Superkalifragilistisch

Mit Dir zu diskutieren hat keinen Sinn.
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bayle

Zitat von: The Doctor am 25. Oktober 2012, 22:27:46
Zitat von: bayle am 25. Oktober 2012, 20:38:37
ZitatPsilocybin wurde bereits erfolgreich in der begleitenden Psychotherapie bei Krebs im finalen Stadium eingesetzt, genauso wie LSD.

Das soll jetzt nicht zynisch klingen, aber da kann ja auch nichts mehr schief gehen.

In der Palliativ-Forschung geht sogar noch mehr: für die Bearbeitung von Ängsten vor dem Sterben kommt in der Psychotherapie sogar wieder MDMA (vulgo "Ecstasy") zu medizinischen Ehren. Oder auch seine "kleine Schwester" b-keto-MDMA (a.k.a. "Methylone", habe ich selber mal vor 7 Jahren sehr erfolgreich in der Sterbebegleitung eingesetzt (und das sogar völlig legal!)).

Durch nicht nur gutinformierte, sondern auch gut befreundete Kreise weiss ich u.a. auch, dass Dr. Albert Hofmann (der "Entdecker" des LSD) im April 2008 seinem Leben im Alter von 102 Jahren selber ein Ende gesetzt hat (nachdem seine Frau dies einige Monate zuvor 99jähring unter schwerster rheumatoider Arthritis ebenfalls getan hatte), unter Administration mit 150ug LSD und 200mg MDMA. Und unter persönlicher Begleitung einiger der berühmtesten Psychedelika-Forscher unserer Zeit.

Mag sein. Aber wie misst man hier "Erfolg"? Den Toten kannst Du nicht mehr befragen. Was Du schildern kannst, ist Dein persönlicher Eindruck aus Anekdoten. Das ist für mich aber noch kein guter Ratgeber. Wir rutschen hier übrigens in die Freitod/Sterbehilfe-Debatte, die ausdiskutiert das ganze Forum füllen und heftigst Emotionen freisetzen würde. Wollen wir hier weitermachen? Die Frage ist ernstgemeint.

Bei den Psychotropika kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: es ist nun einmal so, dass die Möglichkeit des Missbrauchs einem bestimmungemäßen Gebrauch (so es ihn dereinst geben sollte) heftigst im Weg stünde. Das gibt es auch bei anderen Gelegenheiten.

The Doctrix

Zitat von: bayle am 26. Oktober 2012, 06:13:39
Wir rutschen hier übrigens in die Freitod/Sterbehilfe-Debatte, die ausdiskutiert das ganze Forum füllen und heftigst Emotionen freisetzen würde. Wollen wir hier weitermachen?

Nein, tun wir nicht. Es geht um Sterbebegleitung, nicht um Sterbehilfe. Bei letzterer geht es um die bewusste Verabreichung einer Substanz in tödlicher Dosierung zur Herbeiführung des Todes. Bei ersterer wird der Tod nicht herbeigeführt, sondern tritt auf "natürlichem" Weg ein. Die verabreichten Substanzen dienen lediglich zur Erleichterung dieses Weges.

Albert Hofmann war ein Spezialfall, den ich aber nicht wegen seines Freitodes, sondern wegen dessen begleitender Umstände herangezogen habe.
Immer, wenn Du glaubst, dümmer gehts nicht mehr, kommt von irgendwo ein Eso her!

bayle

ZitatEs geht um Sterbebegleitung, nicht um Sterbehilfe.

Wenn es konkret wird, kann der Unterschied graduell werden.