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Autor Thema: Kennt ihr das Homöopathikum Taumea, kann es gefährlich sein?  (Gelesen 7210 mal)

Scipio

  • Gast
Hallo Leute,

tut mir Leid das euch so damit überfalle aber ich brauche ganz dringend euren Rat. Meine Mutter möchte das Homöopathikum Taumea einnehme, da sie schon seit zirka einer Woche unter Schwindel leidet. Wie wir alle wissen sind diese Präparate mit unter alles andere als harmlos. Das genannte enthält -laut Verpackungsaufdruck - folgende Wirkstoffe Anamirta cocculus in D4 und Gelsemium sempervirens in D5, kann das gefährlich werden?

Sie war des Schwindels schon beim HNO Arzt die Untersuchung brachte aber kein eindeutiges Ergebnis, lediglich ein Indiz auf einen Zusammenhang mit rechte Ohr. Ich hatte vorgeschlagen als nächstes einen Neurologen auf zu suchen.

Grüße Scipio
 

smartie

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Re: Kennt ihr das Homöopathikum Taumea, kann es gefährlich sein?
« Antwort #1 am: 26. Mai 2015, 14:06:01 »
D4 = 1:10.000
D5 = 1:100.000

Keine Ahnung, wie viel Wirkstoff (welche sind das hier überhaupt bei Scheinmyrte und gelbem Jasmin) in der Urtinktur enthalten sind, aber ich würde sagen, die Einnahme ist ein risikoloser, wenn auch sehr teurer Spass ohne Erfolg.

Meine Mutter litt nach einer Aussenohrentzündung fast zwei Jahre an Drehschwindel, der nur langsam besser wurde - unabhängig von der Medikation.

Omikronn

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Re: Kennt ihr das Homöopathikum Taumea, kann es gefährlich sein?
« Antwort #2 am: 26. Mai 2015, 14:21:43 »
Von den Inhaltsstoffen her ist Anamirta cocculus = Scheinmyrte (https://de.wikipedia.org/wiki/Scheinmyrte) und Gelsemium sempervirens = Carolina-Jasmin (https://de.wikipedia.org/wiki/Carolina-
Jasmin)

Was die Konzentrationen der Inahltsstoffen anbelangt, wird bei den Potenzen der D-Reihe schrittweise immer wieder zehnfach verdünnt.
Die Konzentration einer D4-Potenz beträgt demnach 1:10.000, das entspricht etwa ca. einem Tropfen auf einen halben Liter Wasser/Lösungsmittel.
Eine D5-Potenz entspricht einer 1:100.000 Verdünnung.

Bei auf D4 verdünnten Giften können immer noch Vergiftungserscheinungen auftreten wenn der "Wirkstoff" stark genug ist, ein Beispiel das mir einfällt wäre da Arsenicum album (https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Arsen%28III%29-oxid). Scheinmyrte und Carolina-Jasmin halte ich in der Verdünnung für eher harmlos, ist aber Spekulation meinerseits...

Ab D6 dürfte vermutlich die Menge der Verunreinigungen im Lösungsmittel die Menge der noch vorhandenen Urtinktur übersteigen.

Was aus meiner Sicht aber schwerer wiegt als eventuelle Vergiftungen ist, dass wichtige Arztbesuche und Untersuchungen ausbleiben können weil suggeriert wird man hätte ein helfendes Medikament.

Der vorschlag eines Neurologen halte ich für eine sehr gute Idee, aus meiner Sicht sollte deine Mutter dort mal vorbeischauen....
Ich wünsche noch alles gute und dass es was Harmloses ist. 

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pelacani

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Re: Kennt ihr das Homöopathikum Taumea, kann es gefährlich sein?
« Antwort #3 am: 26. Mai 2015, 14:36:20 »
Die angegebene Konzentration ist D4, d. h. etwa

Zitat
D4 = 1 Gramm Salz gelöst in einem Eimer Wasser
https://www.psiram.com/ge/index.php/Potenzierung#Gr.C3.B6.C3.9Fenordnungen_.C3.BCblicher_hom.C3.B6opathischer_Potenzen

Biologische Wirkungen sind vielleicht nicht unmöglich, aber auch keineswegs sicher:
Zitat
TAUMEA weist keine bekannten Nebenwirkungen auf
http://www.taumea.de/was-ist-taumea

Wenn sie andererseits aber eine Wirkung reklamieren, dann kann sich die „Abwesenheit von Nebenwirkungen“ nur darauf beziehen, dass die NW nicht häufiger als unter Placebo gewesen seien. M. a. W. eine solche Studie muss es gegeben haben – wenn es aber eine solche Studie gegeben hätte und sie eine Wirkung „nachgewiesen“ hätte, dann wüsste man davon. Vor allem müssten bei nachgewiesener Wirksamkeit die Kassen die Kosten übernehmen. 

Aber gemach: Dem Hersteller sind keine Nebenwirkungen „bekannt“, womit aber strenggenommen nicht gesagt ist, dass es keine gäbe. Der Rechtsverdreher der Firma kriegt sein Geld nicht umsonst.

Typee

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Re: Kennt ihr das Homöopathikum Taumea, kann es gefährlich sein?
« Antwort #4 am: 26. Mai 2015, 16:22:48 »
Na ja, die Scheinmyrte hat einen Wirkstoff (Picrotoxin), von dem Wikipedia sagt, er sei für den Menschen toxischer als Strychnin. Wir wollen es aber bitte nicht übertreiben und vor allem nicht einen Denkfehler der Giftgeängstigten mit anderem Vorzeichen wiederholen. Die Menge macht's halt, und es würde mich nicht wundern, wenn in irgend einem Grundlebensmittel des täglichen Konsums nicht etwas wäre, was auf dem Papier noch gefährlicher scheint, es wegen vernachlässigberer Mengenanteile aber (auch) nicht ist. Ein Mittelchen wie Taumea wird den Verstand vemutlich stärker gefährden als die Eingeweide.

Die D-Angabe bezieht sich ja auch nicht auf diese eine Substanz, sondern auf die sogenannte Urtinktur, in der sich eine ganze Menge Zeugs versammelt, nicht auf einen bestimmten Wirkstoff. Die Konzentration von Picrotoxin in dem fertigen Homöopathikum ist sicher viel kleiner als 1/10.000.
Damals starben die Menschen früher, aber gesünder.

Wolleren

  • Gast
Re: Kennt ihr das Homöopathikum Taumea, kann es gefährlich sein?
« Antwort #5 am: 26. Mai 2015, 23:47:21 »
Wenn es wirken kann, kann es bei entsprechender Empfindlichkeit auch allergische Reaktionen auslösen.

Bsp. Nickel: Wenn es nicht in Hochpotenzen, sondern Niedrigpotenzen gegeben wird (offenbar, damit tatsächlich eine wie auch immer geartete Wirkung eintreten soll), kann es eben auch gefährlich sein.

Doch: ein teures Placebo wirkt besser als ein billiges, selbst wenn man es weiß. Und wenn man weiß, dass es potenziell gefährlich ist, wirkt es vielleicht NOCH besser. Die Idee, aufzuklären über das Homöopathikum und dann ab zum Neurologen, finde ich gut.

Scipio

  • Gast
Re: Kennt ihr das Homöopathikum Taumea, kann es gefährlich sein?
« Antwort #6 am: 27. Mai 2015, 10:23:08 »
Es scheint wohl keine akute Gefahr zu bestehen, das ist gut.

Mittlerweile plant sie auch zum Neurologen zu gehen.