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Artikel "Verschwörungstheorie"

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Begonnen von professortiki, 05. Januar 2015, 16:16:28

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professortiki

Ich bin ja ein grosser Fan von "critical thinking", aber was ihr da im Artikel "Verschwörungstheorie" zusammengebraut habt, ist an Pauschalität und tendenziöser Einseitigkeit nicht zu überbieten. Meiner Meinung nach sind Wikis Internet-Lexika, keine Meinungsäusserungs-Plattformen.

Das geht schon los mit der Formulierung "Versuch, bestimmte Ereignisse, Zustände oder Entwicklungen durch eine Verschwörung zu erklären". Wieso "Versuch"? Jede Erklärung eines historischen Vorgangs ist ein Versuch und Fakten entscheiden, ob dieser Versuch eine brauchbare Erklärung darstellt. Mir scheint, dass ihr bereits an dieser Stelle eine unzulässige Pauschalisierung betreibt, denn ihr scheint davon auszugehen, dass Beschreibungen historischer Vorgänge als Verschwörung grundsätzlich irrational sind. Dabei ist die Geschichte eine Abfolge von Verschwörungen verschiedenster Art; man muss nicht, kann aber noch viel weiter zurück gehen, als bis zur Ermordung Julius Cäsars. Wenn man an dieser Stelle keine Unterscheidung macht zwischen einer irrationalen Verschwörungstheorie und realer Aufklärungsarbeit zur Widerlegung falscher Beschreibungen historischer Ereignisse, dann kann eigentlich aus dem ganzen Artikel nichts Gutes werden. Hier wird bereits ein Ansatz angelegt, der in der Folge die Debatten um die Anschläge auf das WTC und z.B. die Mondlandungshoax-Verschwörungstheorie unzulässigerweise auf eine Stufe stellt.

Konsequent greift der Autor im gleichen Absatz die oft geäusserte, aber nie begründete These auf, wonach Verschwörungstheorien "die einfachste Erklärung" eines Sachverhalts darstellen. Das ist nicht belegt und trifft auch nicht zu. Am Beispiel 9/11 wird das sehr deutlich. Die These 19 Araber hätten vier Flugzeuge gekapert ist erheblich einfacher gestrickt, als die Ergebnisse investigativer Journalisten, die diese anzweifeln. "Einfachheit" ist hier überhaupt kein brauchbarer Ansatz, sondern trifft eher auf den Psiram-Artikel zu. Es scheint, als ob der Autor in Wirklichkeit die Verfasser von Verschwörungstheorien als ,,einfach" diffamieren will.

Auf gleicher Wellenlänge liegt die Behauptung, Verschwörungen seien "geschlossene Argumentationssysteme". Dies wird ebensowenig begründet wie der Satz "Verschwörungstheorien enthalten häufig Widersprüche und können somit aus logischer Sicht widerlegt" werden. Einige Verschwörungstheorien sind überhaupt nur deswegen entstanden, weil die offiziellen Darstellungen der zugrundeliegenden Ereignisse Widersprüche enthielten. Wenn alles, was einen Widerspruch enthält, eine Verschwörungstheorie ist, dann wird dieser Begriff bis zur Bedeutungslosigkeit gedehnt. Auch hier wird zwischen den Zeilen überdeutlich, dass der Autor des Artikels eine klare festgelegte vorgefertigte Meinung hat. Debatten um Erklärungen geschichtlicher Ereignisse sind ein Ringen um die Wahrheit, i.e. eine widerspruchsfreie Theorie, kein Markenzeichen einer falschen Theorie.

Ironischerweise führt die Behauptung des Artikels, man könne ,,alle" Verschwörungstheoretiker pauschal unter solchen Gesichtspunkten definieren, ("Der Verschwörungstheoretiker und seine Anhänger gehören zu einer kleinen Minderheit, die die Wahrheit besitzt.") zu einer eigenen Verschwörungstheorie, nämlich die der Verschwörungstheoretiker. Auch hier kann nur durch Betrachtung konkreter Theorien anhand von FAKTEN eine Unterscheidung getroffen werden, die dieser Artikel jedoch nicht vornimmt. Stattdessen wird weiter unten behauptet, ,,Ein Realitätscheck findet nie statt", was angesichts jahrelanger Debatten um einzelne Themen völlig absurd ist. Offensichtlich ist der Autor davon überzeugt, dass alle Argumente gegen eine Verschwörungstheorie grundsätzlich Fakten sind, während die Argumente der Gegenseite jeglicher Realität entbehren. In seiner Pauschalität ist dies völlig unsinnig.

Die weiteren ,,Spitzen" gegen Verschwörungstheoretiker - Argumente kann man es nicht nennen, denn sie werden nie begründet - reihen sich dann nahtlos in diese Linie ein. Besonders absurd ist aber der Vorwurf ,,Der Verschwörungstheoretiker [würde] natürlich auch Antworten auf (diese) Fragen bereit" halten, so als ob das Nicht-Beantworten von Fragen eine besondere Qualität des rationalen Denkens sei.

Dass schliesslich und endlich die parteiische Linie des Artikels gegen ,,Verschwörungstheoretiker" in eine Pathologisierung mündet, ist nicht nur konsequent, sondern erinnert in ihrer Perfidie an Praktiken totalitärer Systeme. Die Frage, ob nicht das Festhalten an offiziellen und gewohnten Deutungsmustern einen psychologischen Hintergrund haben kann - immerhin stellen Verschwörungstheorien teilweise das bekannte heile Weltbild radikal infrage - wird nicht aufgeworfen, obwohl sie als Antithese zu einer Begriffsdefinition unbedingt dazu gehört.

Ich muss nicht auf viele weitere Schwachpunkte in diesem Artikel eingehen, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass er mit Wissenschaft nicht das Geringste zu tun hat. Es ist eine Glosse, die sicher einige reale Phänomene im Blickwinkel hat, aber in ihrer Pauschalität und dem Fehlen von Gegen-Thesen das Kind mit dem Bade ausschüttet und als selbstgefällige rechthaberische Polemik sicher nicht zu einer Aufklärung beiträgt, die dieses Wiki beansprucht.

Robert

Sie sollten dann ebenso den Wikipedia-Artikel zu Verschwörungstheorien kritisieren, definiert er eine Verschwörungstheorie doch wie folgt:

ZitatAls Verschwörungstheorie bezeichnet man im weitesten Sinne jeden Versuch, ein Ereignis, einen Zustand oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, konspirative Wirken von Personen zu einem illegalen oder illegitimen Zweck.

Zielgerichteter wäre es, Sie würden eine alternative Definition als Diskussionsgrundlage liefern. Also bitte.....

F. A. Mesmer

danke für deine umfassende Kritik und Stellungnahme. Du bist weder der/die erste noch der/die einzige, die den Artikel für unzureichend hält.

Wie Roberta schon angedeutet hat, was wäre dein Vorschlag.
Konkret haben wir es mit einem nicht unerheblichen Problem zu tun:

1. Definition von Verschwörung (üblicherweise: Mindestens zwei Personen verabreden/verschwören sich zum Schaden eines Dritten ohne es dem zu sagen, dass sie sich verschwören)

2. Definition von Theorie (hinreichend bekannt, sollte man meinen)

3. Definition von Verschwörungstheorie als Indizienverfahren über Zusammenhänge, die sich eben nicht hinreichend mit Fakten und Beweisen rekonstruieren lassen. So gesehen ist die klassische Verschwörungstheorie der Wahrheitsfindung vor Gericht sehr ähnlich. Da geht es nämlich nicht darum, wie es war (die Wahrheit), sondern um eine hinreichende Plausibilität , wie es gewesen sein könnte.

4. Definition von Verschwörungstheorie (Ich trage einen Aluhut und kenne die Wahrheit, die besagt: es sind die in den X-Akten beschriebenen Chemtrails, die von unseren templer-illuminaten-jesuitischen Greys-Reptiloiden eingesetzt werden, um uns zu vergiften...)

Die Abgrenzung zwischen 3 und 4 ist außerordentlich schwierig. Zumal jede Erklärung zu 1 und 3 Wasser auf die Mühlen der Anhänger von 4 ist, wobei diese 2 grundsätzlich geflissentlich vernachlässigen, aber das ist ja im Wissenschaftsbetrieb auch üblich.

pelacani

Zitat von: professortiki am 05. Januar 2015, 16:16:28
Ich bin ja ein grosser Fan von "critical thinking", aber
Das heißt im Klartext: nein, bist Du nicht.

ZitatDas geht schon los mit der Formulierung "Versuch, bestimmte Ereignisse, Zustände oder Entwicklungen durch eine Verschwörung zu erklären". Wieso "Versuch"? Jede Erklärung eines historischen Vorgangs ist ein Versuch und Fakten entscheiden, ob dieser Versuch eine brauchbare Erklärung darstellt. Mir scheint, dass ihr bereits an dieser Stelle eine unzulässige Pauschalisierung betreibt, denn ihr scheint davon auszugehen, dass Beschreibungen historischer Vorgänge als Verschwörung grundsätzlich irrational sind.
Ich verstehe den Affekt gar nicht. Wenn Die von Dir vertretenen Ansichten nicht unter die von Psiram unter ,,Verschwörungstheorie" subsumierten fallen, wo wäre denn dann ein Grund für Aufregung?

ZitatAm Beispiel 9/11 wird das sehr deutlich. Die These 19 Araber hätten vier Flugzeuge gekapert ist erheblich einfacher gestrickt, als die Ergebnisse investigativer Journalisten, die diese anzweifeln.
So kann man das auch nennen. Aber warum beklagst Du Dich dann, dass eine offene Widersprüchlichkeit als ein Kriterium für Verschwörungstheorien angeführt wird?

Zitat von: Roberta am 05. Januar 2015, 16:24:28
Zielgerichteter wäre es, Sie würden eine alternative Definition als Diskussionsgrundlage liefern. Also bitte.....
professortiki, mit Deinem Hinweis auf die ,,Mondlandungshoax-Verschwörungstheorie" scheinst Du ja immerhin einzuräumen, dass es überhaupt so etwas gibt wie Verschwörungstheorien. Ich bin also schon ganz gespannt auf Deine Definition, die den Mondlandungshoax einschließt, aber das 9/11-Dings außen vor lässt.

:grins

Groucho

Zitat von: Pelacani am 05. Januar 2015, 17:30:32
aber das 9/11-Dings außen vor lässt.

:grins

Der Bitte schließe ich mich an. Nicht schon wieder!

Gloria

Zitat von: Groucho am 05. Januar 2015, 17:38:22
Zitat von: Pelacani am 05. Januar 2015, 17:30:32
aber das 9/11-Dings außen vor lässt.

:grins

Der Bitte schließe ich mich an. Nicht schon wieder!

Bin gespannt, was er so schreibt, wenn er erst den 9/11 Eintrag gefunden hat. :Popcorn:

eLender

Kommt mir ehrlich gesagt wie eine typische Truther-Argumentation vor. Verschwörungstheorie ist ein unglücklicher Begriff, es ist eben nicht der Sinn der einzelnen Wörter gemeint (oder faltet ein Zitronenfalter Zitronen?). Auch auf WP steht, dass es eigentlich Verschwörungsideologie bzw. Zentralsteuerungshypothese heißen müsste. Darauf wird gerne von Truthern herumgeritten, es gäbe ja reale Verschwörungen und die offiziellen Erklärungen wären ja auch nur VTs...

Natürlich zeichnen VTs ein stark vereinfachtes Bild von Zusammenhängen, das macht sie ja gerade so attraktiv. Daneben bedienen sie meist eine Reihe von Vorurteilen. Man kann VTs daher ganz gut von echten Theorien abgrenzen, was im Artikel auch gemacht wird. Dass sie sich widerlegen ließen, darüber könnte man streiten. Es gehört ja eigentlich zu den Merkmalen, dass sie sich gegen Kritik (Falsifikation) immunisieren. Dass das nicht jedem gefällt, ist nicht weiter verwunderlich.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Robert

Hm, neben der Nichtbeantwortung von Fragen kann der Threaderöffner gewisse Gemeinsamkeiten mit einem kürzlich verschwundenen User nicht verleugnen....  :gruebel

eLender

Zitat von: Roberta am 05. Januar 2015, 22:48:21
Hm, neben der Nichtbeantwortung von Fragen kann der Threaderöffner gewisse Gemeinsamkeiten mit einem kürzlich verschwundenen User nicht verleugnen....  :gruebel

VERSCHWÖRUNG!!11  :protest:
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Robert

Wieso, ich versuche nur, bestimmte Ereignisse, Zustände oder Entwicklungen zu erklären.  :angel:

professortiki

Zitat von: F. A. Mesmer am 05. Januar 2015, 16:45:20
danke für deine umfassende Kritik und Stellungnahme.

@ F.A. Mesmer: Du scheinst der Einzige zu sein, der überhaupt gelesen hat, was ich geschrieben habe. Die andern bestätigen eigentlich nur meine Einschätzung.

Wenn man sich den ersten Absatz vornimmt, dann stimmt der erste Satz. Das ist, was ich unter einer Definition verstehe. Das Wort Versuch könnte man an der Stelle akzeptieren, wenn der Rest auch stimmen würde. Im zweiten Satz steht auch etwas richtiges, obwohl ich finde, dass zu dieser Sonderform des Begriffsgebrauchs zu früh übergeleitet wird. Im dritten Satz wird bereits gewertet, und zwar deswegen, weil der ganze Artikel genau von dem Geist beseelt ist, der im zweiten Satz angesprochen wird. Der vierte Satz ist ein konkretes Beispiel und hat an dieser Stelle nichts verloren. Nur mal so zur Methodik. Danach kommt fast nur noch Falsches.

Die ganze Psiram-Seite hat ein grundsätzliches Problem. Eigentlich ist das Hauptthema von allem: "Menschliche Irrtümer". Alle Artikel, die konkrete Beispiele behandeln, müssen sich der Debatte über ihren Wahrheitsgehalt stellen. Aber viele dieser Debatten sind noch garnicht beendet. Die Artikel laufen leider in vielen Fällen auf Meinungsäusserungen hinaus. Fragen werden einfach für beantwortet erklärt. Das ist aber nicht, was kritisches Denken ausmacht.

In so einer Wiki-artigen Form können bei kontroversen Themen eigentlich nur die verschiedenen Standpunkte dargestellt werden, ohne Urteil. Das genau scheint mir aber nicht der Ansatz von Psiram zu sein, und deswegen habe ich auch keine Lust, mich hier weitergehend einzubringen. Wie viele Plattformen versucht auch Psiram eigentlich nur, das Internet in einer Nussschale zu kopieren. Wenn das für mich einen Sinn haben soll, dann nur als lexikalische Zusammenstellung, die mir u.U. eigenes Suchen erspart, weil sie Einzelfälle verlinkt. Interpretationen dessen was ich da bekomme, brauche ich nicht. Da die meisten einzelnen Themen eh bei Wikipedia sind, kann die Aufgabe für Psiram m.M.n. nur in einer besseren Gliederung in Bezug auf das Thema "Menschliche Irrtümer" bestehen.

Nochmal zum Anfang: ,,Menschliche Irrtümer" kann man z.B. unterteilen in ,,historische Irrtümer", ,,esoterische Irrtümer", ,,kalkulierte Irrtümer" etc. Hier irgendwo kann man als Beispiele auch Verschwörungstheorien einführen. Falschinformationen und Nicht-informationen müsste man aber zunächst nicht bei ,,Verschwörungstheorie" subsumieren, sondern bei ,,Verschwörung"! Die Theorie soll in dem Fall ja der Aufdeckung der Verschwörung dienen, ist also a priori ein aufklärerischer Vorgang. Ab dem Punkt kann eigentlich allgemein nichts mehr gesagt werden. Jetzt kann man sich nur noch mit konkreten Fällen befassen, sprich die verschiedenen Ansätze einzelner Theorien darstellen und u.U. Querverweise benennen. Alles andere führt in genau die Irrationalität, die Psiram ja angeblich bekämpfen will.

Nein, euren 9/11-Artikel lese ich lieber nicht. ;-)

pelacani

Gut, nachdem wir allgemeinen Teil jetzt erledigt haben, können wir konkret werden. 

Zitat von: professortiki am 06. Januar 2015, 14:41:20
Alle Artikel, die konkrete Beispiele behandeln, müssen sich der Debatte über ihren Wahrheitsgehalt stellen. Aber viele dieser Debatten sind noch garnicht beendet.

Bei welchem konkreten Beispiel-Artikel ist die Debatte noch gar nicht beendet, wird aber bei uns so dargestellt?

Groucho

Zitat von: professortiki am 06. Januar 2015, 14:41:20
In so einer Wiki-artigen Form können bei kontroversen Themen eigentlich nur die verschiedenen Standpunkte dargestellt werden, ohne Urteil.

Blödsinn. Such Dir ein postmodernes Laberforum, wenn Dir langweilig ist. Gibt's genug. Hier bist Du falsch.

Belbo

Die Debatte ob Kinder selbstständig fliegen können wenn man sie nur von hinreichend hohen Brücken wirft erkläre ich hiermit für beendet.


ZitatEigentlich ist das Hauptthema von allem: "Menschliche Irrtümer"

Nö, eigentlich nicht, vielleicht beginnt hier schon das Verständnisproblem.

Dazu,warum die klassische Verschwörungstheorie eben keine klassische Theorie ist, sondern nur zur Manifestierung und Immunisierung von verschwörungstheoretischen Glaubensgebilden dient, empfehle ich die Links aus unserem VT-Artikel.

Robert

Zitat von: Pelacani am 06. Januar 2015, 15:01:00
Gut, nachdem wir allgemeneinen Teil hätten jetzt erledigt haben, können wir konkret werden. 

Zitat von: professortiki am 06. Januar 2015, 14:41:20
Alle Artikel, die konkrete Beispiele behandeln, müssen sich der Debatte über ihren Wahrheitsgehalt stellen. Aber viele dieser Debatten sind noch garnicht beendet.

Bei welchem konkreten Beispiel-Artikel ist die Debatte noch gar nicht beendet, wird aber bei uns so dargestellt?

Ich bitte ebenfalls um Beispiele.