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Das St. Martinsfest diskriminiert andere Kulturkreise

Begonnen von MrSpock, 05. November 2013, 10:00:02

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Typee

Hat mal jemand nachgezählt, wie viele Städte und Gemeinden ein "Sankt" im Namen führen? In der Pfalz gibt es sogar ein "Sankt Martin", und, geklagt sei's dem Allmächtigen, dort erzeugt man sogar einen - mehr als passablen - Wein!  :o

Das wäre doch was für die Linke. Weltrevolution passé, Reichensteuer chancenlos - da braucht man neue Ziele. Und neue Karl-Marx-Städte.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

MrSpock

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

St. Blasien
St. Georgen im Schwarzwald
St. Johann
St. Leon-Rot
St. Märgen
St. Peter
Sankt Englmar
Sankt Oswald-Riedlhütte
Sankt Wolfgang
Sankt Augustin
Sankt Hubert
Sankt Mauritz
Sankt Tönis
Sankt Vit
Sankt Goar
Sankt Goarshausen
Sankt Alban
Sankt Aldegund
Sankt Johann (b.Mayen)
Sankt Johann (Rheinhessen)
Sankt Julian
Sankt Katharinen (b.Bad Kreuznach)
Sankt Katharinen (Landkreis Neuwied)
Sankt Martin
Sankt Sebastian
Sankt Thomas
Sankt Annen
Sankt Margarethen
Sankt Michaelisdonn
Sankt Peter-Ording


Von allen Seelen, die mir begegnet sind auf meinen Reisen, war seine die menschlichste. (In Memoriam Groucho)

Zitat aus Star Trek II.

Wiesodenn1

Aus der Schweiz auch ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

St.Gallen (Kanton und Stadt)
ST. Margrethen
Alt Sankt Johann
St. Moritz
Sant Antonio
St. Niklaus
Sankt German
St.Léonard
St. Stephan
Saint-Maurice
Chatel-Saint-Denis
Saint Martin
Villaz Saint Pierre
Saint Aubin
St. Antoni
Saint-Ursanne
Saint-Imier
St. Blaise
Saint-Sulpice
Saint –Prex
Saint –Livres
Saint –George
Saint-Oyens

Bernhard Hoëcker: "Homöophatie ist, wenn Du über ein Feld läufst, furzt und sagst es ist gedüngt."

Homeboy

Zitat von: MrSpock am 06. November 2013, 08:24:51
Meinst Du vielleicht statt Bonsen die Bonzen? Der Begriff "Bonse" sagt mir irgendwie nichts.

ja, da kommt mein hessisch durch - maxima mea culpa

Belbo


Typee

Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.


Frau Kuchen

Soweit ich weiß, hat die Stadt Bad Homburg eine Gegendarstellung veröffentlich bzw. versucht bei der Presse anzubringen, die die Umbenneung dementiert. Offiziell handele es sich immer noch um ein St.-Martins-Fest. Dem widersprechen dann die Eltern, die meinen, ihinen gegenüber habe man vom Sonne-Mond-und-Sterne-Fest gesprochen. Meiner Meinung nach ist das eine ziemlich windige Sau, die hier gerade durchs Dorf getrieben wird und vor allem auf Hörensagen und keiner offiziellen Quelle basiert. Da wollte sich ein Redakteur mit einer Geschichte über die üblen Umtriebe der politischen Korrektheit in Deutschland profilieren und spielt damit Rechtspopulisten, die natürlich sofort den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören, in die Hände (vermutlich sogar wissentlich). Sieht man ja auch hervorragend an der eingegangenen Drohung...

Selbst *wenn* die Geschichte wahr wäre: Was spricht gegen säkulare Kindergärten? Das Ausrichten derartiger Feste ist zumindest hier im Osten schon ewig Sache der Kirchgemeinden, betrifft also die, die der entsprechenden Religion angehören. Ich bin selbst Christ und vermisse das im Kindergarten auch nicht - der organisiert zwar im Herbst auch Laternenumzüge, aber eben ohne religiösen Hintergrund.

Wäre schön, wenn das Thema mal ein wenig auf dem Teppich bliebe.

Typee

ZitatDer Vorsitzende des evangelischen Arbeitskreises in der CDU in Hessen, Axel Wintermeyer, warf der Stadt vor, das Thema herunterzuspielen. Den Wortschöpfern hielt er ein "zerrüttetes Verhältnis zu Glaube und christlicher Tradition" vor.
http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_50032647

Jetzt schnappen sie alle über.
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.


bayle

Zitat von: Typee am 06. November 2013, 17:50:45
Jetzt schnappen sie alle über.
Och, man kann sich durchaus noch Steigerungen vorstellen. Im 17./18. Jhd. gab es in Frankreich die Jansenisten, eine streng katholische Sekte, die aber an der Prädestination hing, so dass sie des Protestantismus verdächtigt wurde:

ZitatDie Jansenisten brachten nichts anders vor, als daß sie beständig wiederholten, sie wären in den strittigen Punkten, was das Recht anbeträfe, mit ihren Widersachern völlig eines Sinnes. Sie wollten nur behaupten, daß die von dem Papst verdammten Sätze nicht in dem Buch des Jansenius stünden. Und das war freilich im Grunde von so großer Erheblichheit nicht. Man kann selig werden, ohne daß man weiß, daß ein Jansenius in der Welt gewesen ist; und was hat man es nötig zu wissen, ob die Schriften des Jansenius dies oder jenes enthalten?

Die Verordnung hätte also gar wohl unterbleiben können, darin man den Nonnen, die kein Latein verstanden, anbefahl, sie sollten es mit unterschreiben, daß Jansenius diese oder jene Lehrsätze gehabt hätte. Was war es doch nötig, daß diese mit dergleichen Dingen sich die Köpfe zerbrechen mußten. Allein so, wie der Streit ein Ansehen bekommen hatte, war es keine gleichgültige Sache mehr. Das päpstliche Ansehen litt darunter, die Rechte der Bischöfe waren mit darein verwickelt, eine Menge von Schimpfwörtern, womit man auf beiden Seiten um sich geworfen, hatte eine entsetzliche Erbitterung der Gemüter gegeneinander angerichtet. Man redete von nichts als päpstlichen Breven, von Verordnungen aus der Kammer oder vom Parlament, von Zirkularschreiben, von bischöflichen Befehlen.
[Pierre Bayle, Verschiedene Gedanken über einen Kometen]
Was ist's, das geschehen ist? Eben das hernach geschehen wird. Was ist's, das man getan hat? Eben das man hernach tun wird; und geschieht nichts Neues unter der Sonne. (Prediger 1, 9)

gesine2

Der Artikel im von Typee verlinkten Focus ist doch ein schönes Beispiel:
Zitatdie als Referatsleiterin des Deutschen Städte- und Gemeindebus (DStGB) für die kommunalen Kitas zuständig ist.
haben die da etwa aus politischen oder gar redaktionskriegerischen Gründen das ND entfernt?
_____________________
ne schöne jrooß, gesine2

Gethen

Zitat von: Frau Kuchen am 06. November 2013, 16:58:12
Selbst *wenn* die Geschichte wahr wäre: Was spricht gegen säkulare Kindergärten?
Ja, in der Tat. Dagegen spricht gar nichts.

ZitatMeiner Meinung nach ist das eine ziemlich windige Sau, die hier gerade durchs Dorf getrieben wird und vor allem auf Hörensagen und keiner offiziellen Quelle basiert. Da wollte sich ein Redakteur mit einer Geschichte über die üblen Umtriebe der politischen Korrektheit in Deutschland profilieren und spielt damit Rechtspopulisten, die natürlich sofort den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören, in die Hände (vermutlich sogar wissentlich).

Jau, das ist eine ganz windige Sau. Eine aus der Herde, da sind ja noch mehr im Umlauf.

Früher gab es auch Zeiten, da wären viele lieber vor Peinlichkeit im Boden versunken, als sich coram publico die Blöße zu geben, daß man ein Vierbuchstabenblatt aus dem Hause Springer zur bevorzugten Lektüre zählt. Aber die Zeiten ändern sich, wie man sieht - heutzutage scheinen da viele Nudisten unterwegs. Daher verlinkt man so ein Blatt stolz jeden zweiten Tag bei Psiram, um die im Vierbuchstabenerzeugnis abgelassenen Blähungen (der Begriff "Artikel" verbietet sich) auch möglichst durchs ganze Haus zu verteilen und sich obendrein noch über angebliche politische Korrektheit, angebliche Gutmenschen und was einem sonst noch alles querliegt auszulassen.

Bei einem solch würdigen Anlaß wie der heimtückischen angeblichen Abschaffung eines Heiligengedenktages irgendwo in der finsteren Provinz schiebt man wohl gerne unter den Teppich, daß in "tiesem unsserem Lante" der Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche gilt und das Grunzgesetz hat diesbezüglich für Kindergärten keine Ausnahme vorgesehen. Neinnein, es muß trotzdem gesagt werden dürfen, daß das ungläubige Gesocks halt seine Gören nicht in unseren Kindergarten schicken soll, wo wir darauf bestehen, daß die Gesocksgören die Heiligengeschichtchen rauf und runter hören müssen.

ZitatWäre schön, wenn das Thema mal ein wenig auf dem Teppich bliebe.

Noch schöner wäre, wenn dies auch die Kommentatoren tun täten.
Aber das ist beim Springern und "Deus lo vult"-Rufen vermutlich nicht (mehr) drin.


sweeper

Also inzwischen scheint sich eine gewisse Besonnenheit wieder einzustellen:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/das-ging-voll-nach-hinten-los-sankt-martin-linke-bedauert-eigentor/9032356.html
Zitat...Nach dem Sturm der Entrüstung veröffentlichte der Linken-Sprecher am Mittwoch eine Presseerklärung. "Dass St. Martinsumzüge nicht mehr stattfinden sollen oder der katholische Heilige gar abgeschafft wird, ist nicht meine Meinung," stellte Rüdiger Sagel klar. "Einige meiner Aussagen sind offensichtlich oder absichtlich missinterpretiert worden. Wenn sich davon jemand betroffen fühlen sollte tut mir das leid." ...

...Auch entdeckte Sagel in seiner Erklärung plötzlich den Kern der Martinsbotschaft. "Die Botschaft des katholischen Heiligen Martin, den Mantel zu teilen und den Armen zu helfen, ist auch ein zentraler Bestandteil unserer Politik. Kinder sollen auch weiterhin mit ihren Laternen bei den Martins-Umzügen ihre Freude haben."...

Worüber man sich sicherlich weiterhin kontrovers unterhalten kann ist die Frage, ob dieses Anliegen
Zitat"Die Frage, wie eine Trennung von Kirche und Staat, insbesondere auch in Einrichtungen, die aus öffentlichen Geldern finanziert werden, realisiert wird, bleibt für mich auf der Tagesordnung."
durch den o.ä. Zankapfel überhaupt nennenswert berührt wird - nach meiner Einschätzung handelt es sich dabei eher um einen Aspekt der regionalen Brauchtumspflege.
With magic, you start with a frog and end up with a prince.
With science, you start with a frog, get a PhD and are still left with the frog you started with...


Terry Pratchett

Homeboy

Zitat von: sweeper am 07. November 2013, 08:37:30
Worüber man sich sicherlich weiterhin kontrovers unterhalten kann ist die Frage, ob dieses Anliegen
Zitat"Die Frage, wie eine Trennung von Kirche und Staat, insbesondere auch in Einrichtungen, die aus öffentlichen Geldern finanziert werden, realisiert wird, bleibt für mich auf der Tagesordnung."
durch den o.ä. Zankapfel überhaupt nennenswert berührt wird - nach meiner Einschätzung handelt es sich dabei eher um einen Aspekt der regionalen Brauchtumspflege.

bedenkt man, dass die "kirchlichen" einrichtungen ohnehin im wesentlichen aus öffentlichen geldern finanziert werden, bei privatschulen, seien sie kirchlich oder anderweitig privat beträgt die staatsquote 80% bei kindergärten angeblich 95%, wird das noch amüsanter.

trotzdem bleibt: forderungen säkularer einrichtungen kirchliche freizeitveranstaltungen - denn genau darum handelt es sich bei einem martins-umzug, egal wer den organisiert, er findet außerhalb der geschäftszeiten von kindergärten statt und die teilnahme ist freiwillig, also freizeit - zu verbieten oder irgendwelche personalisierte religiösen idealisierungen "abschaffen" zu wollen grenzen an hybris - ich fordere ja auch nicht als nicht-kanninchenzüchter das rammlerdenkmal in der sonstwo schrebergarten/züchter/heimat/lebensmittelpunkt-anlage abschaffen, was soll der kack!