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Faszination Wissen: Homöopathie - Medizin oder Mogelpackung? BR heute abend

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Begonnen von Belbo zwei, 22. April 2013, 06:51:59

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sweeper

Ach, der Herr Frass mal wieder:

ZitatAm AKH in Wien gab es eine Studie an der Intensivstation, die zum Ergebnis kam, dass Patienten, die zusätzlich homöopathisch behandelt wurden, eine höhere Überlebenschance hatten.

Tja, wie das wohl kommt??

ZitatFrass, M, Linkesch M, Banyai S, Resch G, Dielacher C, Löbl T, Endler C, Haidvogl M, Muchitsch I, Schuster E. Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: a randomized, double-blind, placebocontrolled trial in an intensive care unit. Homeopathy 2005; 94:75-80
With magic, you start with a frog and end up with a prince.
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Terry Pratchett

Truhe

Na wenn das mal nicht die wirklichen Schlimmen Plagen der Menschheit sind:
Zitat
Es gäbe zahlreiche Studien in renommierten Zeitschriften, die u. a. belegen, dass Homöopathie bei Heuschnupfen, Rheuma oder Durchfall­erkrankungen helfen kann.

Warum nur "helfen kann"?
Was bedeutet helfen?
Was ist mit den restlichen "paar" Krankheiten?
Warum fehlt das gefährliche Kopfweh in der Aufzählung?
Waren das überhaupt Fachzeitschriften, oder nur renommierte TV-Zeitschriften?

Wie immer, nichts konkretes und viel Geschwurbel.

Groucho

Natürlich hilft Homöopathie. Nämlich die Zeit zu überbrücken, bis der jeweilige Schub nachgelassen hat. Ist ja nicht zufällig, dass sich die Homöos auf "Schub"Erkrankungen stürzen.

Mich wundert, dass es noch keine Aufwach-Globuli gibt. Abends einnehmen, schlafen und früh aufwachen -> Wirksamkeit belegt.

sweeper

Bernd Harder vom GWUP-Blog hat gerade eine beißende Replik auf den flügellahm-dümmlichen Selbstrechtfertigungsversuch des BR veröffentlicht:

http://blog.gwup.net/2013/04/24/homoopathie-im-br-peinlichkeit-kennt-keine-grenzen/
Zitat
Die "Wissens"-Redaktion des Bayerischen Fernsehens hat heute beschlossen, sich in "Glaubens-Redaktion" umzutaufen.

Die Beiträge für die kommenden Sendungen stehen auch schon fest:

    Das Fliegende Spaghettimonster und seine erstaunliche Heilkraft bei Tuberkulose
    Einhörner und ihre Bedeutung für die nachhaltige Landwirtschaft
    Mary Toft rehabilitiert – Sie brachte wirklich Kaninchen zur Welt!

Nun ja, jedenfalls könnte man das vermuten, wenn man die Stellungnahme zur Desaster-Sendung "Homöopathie: Medizin oder Mogelpackung?" liest, welche die Redaktion heute veröffentlicht hat.

Wenn es einen Grimme-Preis für das peinlichste Rechtsfertigungs-Geschwurbel nach einem journalistischen Offenbarungseid gäbe – die Gewinner stünden jetzt fest...
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Terry Pratchett

Belbo zwei

Die Suche beim Bayrischen Quacksalber Rundfunk (BR) ergibt für den Begriff Homöoppathie folgendes Ergebnis.
Zitat
Empfehlung zur Suche Die Geschichte der Homöopathie

Er erzielt Erfolge mit Medikamenten, die sehr wenig, ja teilweise gar nichts mehr der Ausgangssubstanz enthalten. Seine neue, sanfte Lehre der ...

zur Suche Ho
Zitatmöopathie: Samuel Hahnemanns Heilslehre

Erkältungen, Prellungen, Müdigkeit? Viele Menschen nehmen bei Infekten und schmerzhaften Blessuren lieber homöopathische Kügelchen als chemische Mittel. Vor allem ...

ZitatBildergalerie: Homöopathie

Kleine, geheimnisvolle Kügelchen: Wer nimmt sie ein und wofür?

Zitatzur Suche Was wir noch nicht wissen: Wie wirkt Homöopathie?

Seit Samuel Hahnemann die Homöopathie begründete, versuchen Wissenschaftler eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie kann eine hochverdünnte Dosis ...

Zitatzur Suche Reisetipps: Homöopathie für unterwegs

Wer nicht gleich zur Chemiekeule greifen will, kann es auch mal mit Globuli versuchen. Wir sagen Ihnen, welche Mittel in die alternative Reiseapotheke gehören und ...

Zitatzur Suche Wunderwerk oder Humbug?: Homöopathie gegen Schnecken

Schutzzäune, Laufenten - selbst Scheren werden eingesetzt. Konventionelle Methoden versus Homöopathie Georg Schmötzer aus Murnau hingegen
Zitat
zur Suche Medizin aus der Natur: Pflanzen für die Homöopathie

haben! Dennoch experimentierte Ende des 18. Jahrhundert Samuel Hahnemann mit diesen hochgiftigen Gewächsen. Von den Ergebnissen seiner Versuche profitieren wir noch ...

Zitatzur Suche Gartentipps: Homöopathie bei Pflanzen

Zu Gast im Notizbuch-Studio ist die Heilpraktikerin und Homöopathin Christiane Maute. Moderator Mathias Knappe spricht mit ihr über ihre Erfahrungen, und wie sie ...

Zitatzur Suche Samuel Hahnemann: Der sanfte Revolutionär und die Homöopathie

Als Samuel Hahnemann die Homöopathie entwickelte, quälten Ärzte ihre Patienten mit Aderlässen, Klistieren und gewaltigen Mengen

Zitatzur Suche Homöopathie: Hahnemanns Rat: Begehrt bei Reich und Arm

Niccolò Paganini, der Teufelsgeiger, war nur einer von Hahnemanns berühmten Patienten. Seine Pariser Praxis war so voll, dass man mit stundenlangen Wartezeiten
Zitat
zur Suche Homöopathie: Klicktipps und Links

Auf dieser Seite finden Sie nützliche Klicktipps und Internetadressen zur Homöopathie und zu Homöopathen.

Zitathttp://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/gestaltung/homoeopathie-links-tipps104.html
....kein einziger kritischer link

Zitatzur Suche Medikament-Herstellung : Geschüttelt, nicht gerührt

über den Nachlass wachte, verhinderte lange die Publikation dieser sechsten und letzten Auflage des "Organons". "Nicht zuletzt aus Furcht, die ...
Zitat
zur Suche Homöopathie: Expertentipps von Angela Baral

Bei der ganzheitlichen und individuellen Heilmethode Homöopathie wird nach eingehendem Gespräch und Untersuchung aus über 2000 bekannten Mitteln ...

Homöopathie mit Angela Baral: Zwiebel, Essig und Zitronenscheiben
Zitat
ZitatWenn Sie einen Stich haben, sollten Sie hier reinhören. Bayern plus-Homöopathin Angela Baral gibt im Gespräch mit Moderatorin Petra Mentner wertvolle Tipps rund um

zur Suche Homöopathie: Trockene Haut und Neurodermitis

Die Hauterkrankung Neurodermitis nimmt immer mehr zu - auch bei Kindern. In der Schulmedizin werden Cortison-Salben verordnet, unsere Bayern plus Heilpraktikerin ...
Zitat
zur Suche Homöopathie mit Angela Baral: Migräne - Akutschmerz im Kopf

Die Migräne ist eine neurologische Erkrankung, unter der etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden. Sie tritt bei Frauen etwa dreimal so häufig auf wie bei Männern ...

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Nogro

ZitatDie "Wissens"-Redaktion des Bayerischen Fernsehens hat heute beschlossen, sich in "Glaubens-Redaktion" umzutaufen.
:grins2:
http://blog.gwup.net/2013/04/24/homoopathie-im-br-peinlichkeit-kennt-keine-grenzen/
Richtig so, auch nach mehreren tausend Jahren des Glaubens an einen Gott ist ein Nachweis der Existenz eines solchen nicht gelungen. Homöopathie sollte also den Status einer anerkannten Religion bekommen!
Es genügt nicht, keine Ahnung zu haben. Man muss auch dagegen sein (Hermann Hinsch)

sweeper

ZitatHomöopathie sollte also den Status einer anerkannten Religion bekommen!

Du meinst, sie sollten ihre Gewinne nicht mehr versteuern müssen ??  8)

Im übrigen hat mich dieses Argument nun doch von der Wirksamkeit der Homöopathie überzeugt:
Zitat
Niccolò Paganini, der Teufelsgeiger, war nur einer von Hahnemanns berühmten Patienten.
With magic, you start with a frog and end up with a prince.
With science, you start with a frog, get a PhD and are still left with the frog you started with...


Terry Pratchett

Nogro

Zitat von: sweeper am 25. April 2013, 09:28:57
Du meinst, sie sollten ihre Gewinne nicht mehr versteuern müssen ??  8)
Die machen doch keine Gewinne, die wollen nur helfen:
http://www.homoeopathenohnegrenzen.de/
Es genügt nicht, keine Ahnung zu haben. Man muss auch dagegen sein (Hermann Hinsch)

ajki

Im Prinzip ist zu "Homöopathie" [Psiram Wiki] seit Jahrzehnten alles Notwendige gesagt - und im Unterschied zu anderen Themen auch schon von praktisch jedem (doppelt und dreifach). Theoretisch könnte man es also zugunsten des allgemeinen Wohlbefindens dabei belassen, wie es eben derzeit ist: landauf, landab können sich Konsumenten bergeweise eindecken mit Kügelchen beliebiger Art und Form und/oder sich bei einem reichhaltigen Dienstleistungsangebot an Schamanen, Heilpraktikern, Therapeuten, Ärzten, Instituten und Kliniken ein Rundum-Sorglospaket an strikt (neben-) wirkungsfreien Produkten einkaufen. Und wenn mal was tatsächlich schiefgeht, steht ein machtvoller Apparat an EBM-Hilfe [WP dtsch.] unmittelbar zur Verfügung. Alles ist bestens: das BIP [WP dtsch.] wird auch durch Wundermittel wirkungsvoll gesteigert, solange die Wunderwaren und -dienstleistungen genügend bepreist sind (und das zumindest steht ohnehin völlig außer Frage) und selbst die Doppelnamen-Oberstudienrätin (gesch., selbstverständlich) sollte sich eigentlich mit dem erreichten Stand der Dinge zufrieden geben können.

Aber das mit dem Zufriedengeben scheint der Anhängerschaft paralleler Dimensionen nicht möglich zu sein. Denn es fehlt irgendwie am Entscheidenden: der "fairen" und "gerechten" Gleichstellung zur schrecklichen menschenverachtenden Apparate"medizin". Und die drückt sich anscheinend dadurch aus, dass in entwickelten Sozialsystemen die Krankenkassen gefälligst auch "alternative", "komplementäre", sprich: echte Heil-Leistungen durch berufene Apostel und Apostelinnen bezahlen sollen. Nein - nicht nur einfach "sollen", sondern gefälligst mindestens "müssen". Und an dieser Stelle zeigt sich die Impertinenz, der gottungefällige Hochmut (Todsünde!) und die Arroganz der sogenannten(!) "Wissenschaften", die immer wieder und wieder der doch so selbstverständlichen sanften Heilung durch falsche Normen, Standards und generell Unbequemlichkeit im Denken entgegenstehen.

Aber es wäre doch gelacht, wenn solche Widerwärtigkeiten den astral Quantenbeschränkten dauerhaft Steine in den Weg (zur Kontenmehrung durch Abrechnungsfähigkeit) legen könnten - denn die Mittel zur eigenen Bekämpfung liefert das (sogenannte!) wissenschaftliche System gleich mit. Ein bißchen Formalkram, ein bißchen Chi-Quadrat (das gute Chi ist ja naheliegend), ein bißchen T-Test und schwupps kann man mit probaten und systemeigenen Mitteln das System selber "gamen". Immerhin ist gelernt gelernt und zu irgendwas muß die jahrelange akademische Folter des Dr. homoeop. ja gut gewesen sein. Heraus kommt dann die gemäß Bayrischem Rundfunk "belastbare" "klinische Studie", die bei einer psychischen Belastung von Kindern/Jugendlichen die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln (nun aber endgültig endgültig) "nach- und beweist". Obwohl das an sich ja nicht nötig ist, weil: wer heilt, hat ja sowas von sowieso recht.

In einem Punkt sagen die ganzheitlichen Sanften auf jeden Fall etwas ganz und gar für jeden nachvollziehbares: "alles hängt mit allem zusammen", sagen sie immer und nicken dabei weise nickend mit sanft lächelnder Miene. Vor allem hängt das feinstofflich Verwobene direkt zusammen mit dem genauso virtuellen Finanzsystem. Und deshalb lohnt sich also anscheinend der Kampf um die Meinungen, obwohl das homöopathische Verkaufssystem selbst schon lange blendende Erfolge feiert. Die Überprüfung, ob "alles mit allem zusammenhängt" kann man auch anhand einiger Inhalte der BR-Sendung durchführen und dann wird sich die Wahrheit schon erweisen.

Die Geschichte kann man von vorne (ab etwa 1998) oder von hinten (ab etwa dieser Tage) erzählen, aber da es hier um Wohlfühldinge geht, wird es aus Gründen der Vermeidung von Stress aufgrund Spannung besser sein, beim "grad neulich" zu beginnen. Grad neulich also ist auf Angelsächsisch erschienen:

"Homeopathy in Healthcare – Effectiveness, Appropriateness, Safety, Costs. An HTA report on homeopathy as part of the Swiss Complementary Medicine Evaluation Programme", G. Bornhöft/P.F. Matthiessen et.al., Springer, 2011.

Es geht also schon wieder oder immer noch (oder besser, wie im Verlauf deutlich werden wird: immer wieder und wieder) um die berühmte "Schweiz" (der Staat samt dem dort wuchernden Berg- und Bankvölklein). Und zwar hier um ein anscheinend ganz superwichtiges, hochoffiziöses, überparteiliches, strikt objektives und ganz bestimmt "belastbares" "HTA" = "Health Technology Assessment" (= "Bewertungsbericht" im Sinne einer Literaturbewertung im schweizer Amtsdeutsch).

Und sofort wird es ein bißchen grobstofflich lästig, weil man sich ein paar Namen einprägen sollte, die hier zunächst als Autoren und im folgenden immer wieder und wieder und dann noch ein paar mal auftauchen: der Herr Prof. Dr. Matthiessen (Zentrum für Integrative Medizin, Universität Witten/Herdecke GmbH), Frau Dr. Bornhöft (?), Frau Dr. Maxion-Bergemann, Herr Dr. Righetti, Herr Dr. von Ammon (KIKOM), Herr Dr. Baumgartner (KIKOM), Frau Prof. Dr. Wolf (KIKOM), Herr Dr. Thurneysen

(und, um das vorweg zu nehmen: Herr Prof. Dr. Frei-Erb, auch vom hochlöblichen KIKOM, sowie die PD/Prof/Dr. Doppel-Dr. Kleijnen, Linde, Walach, Egger und Shang + noch einige).

Dieser Meilenstein homöopathischer Grundlegung ist endlich dort angekommen, wo er programmatisch mit nichts als sich selbst die größte Wirkung entfalten kann: dem englischen Sprachraum. Und die Wirkung entfaltet sich reichlich. Natürlich im Rahmen der Erstverschlimmerung (zu erwarten!) bei den üblichen Miesepetern und Kritikastern:

dem besonders lästigen Edzard Ernst, die im Unruhestand mehr Ärger macht als vorher

und einigen (bestimmt grundlos übelwollenden) Anderen. Darunter eine wirklich gemein bösartige Rezension von Herrn Dr. Shaw in Swiss Medical Weekly, 2012, mit der fiesen Überschrift:

The Swiss report on homeopathy: a case study of research misconduct

In germanischem Idiom, das angeblich auch im Schweizerischen teilweise verstanden werden soll:

Der Bericht der Schweiz über die Homöopathie: eine Fallstudie des Forschungsfehlverhaltens

Den Artikel als Totalverriss des oben genannten Büchleins zu bezeichnen wäre ein ungerechtfertigter Euphemismus. Herr Dr. Ernst im oben bezeichneten Link weist mit berechtigtem Stolz darauf hin, dass er viel, viel netter mit Büchlein umgegangen ist als Herr Shaw.

Aber das ist nicht die einzige Reaktion auf Herrn Shaw und seine Vorwürfe. Es meldet sich kritisch/klarstellend auch eine offizielle Schweizer Behörde in Person von Herrn Dr. Gurtner zu Wort unter dem hoch interessanten Titel:

The report "Homeopathy in healthcare: effectiveness, appropriateness, safety, costs" is not a "Swiss report" (Swiss Medical Weekly, 2013)

Jakreuzdonner, was ist denn hier los? Der wahnsinnig wichtige offizielle Schweizer Bericht ist gar kein "Schweizer Bericht"? Was läuft hier eigentlich?

Die Auflösung des Rätsels beweist den Spruch "alles hängt mit allem zusammen". Denn worüber hier, heute und jetzt geschrieben, gestritten und gesprochen wird, ist immer wieder die gleiche uralte Klamotte, die in jedem gottverdammten Forengezank zwischen Anhängern des heiligen Hahnemanns und dem Rest der Welt immer wieder und wieder ad infinitum durchgehechelt wird.

Das englische Büchlein ist die Übersetzung des deutschen Originals

Homöopathie in der Krankenversorgung. Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, Bornhöft/Matthiessen, AVS, 2006 [Amazon-Link, man beachte die kommentierenden Jubelschreie]

bei dem, wie Dr. Gurtner feinsinnig anspielt, der in der englischen Version so prononcierte Untertitel "Swiss Report" schon mal fehlt. Das liegt daran, dass es sich bei dem Werk um eine breit aufgemotzte und damit keineswegs mehr originale, NICHT-offizielle Version eines Teils einer breit angelegten Untersuchung der schweizerischen Gesundheitsbehörde (BAG) handelt, die im Jahr 2005 mit einem Abschlussbericht und einer interessanten Empfehlung abgeschlossen wurde.

Diese Evaluation lief unter dem schönen Namen "Programm Evaluation Komplementärmedizin" (PEK) und verfolgte zwischen 1998 und 2005 den Zweck, bestimmte "komplementäre Gesundheitsleistungen", zu denen neben "homöopathischen" Leistungen auch "TCM", "anthroposophische Medizin", "Neuraltherapie" und "Phytotherapie" gehörte, daraufhin zu evaluieren, ob die öffentlichen Krankenversicherungssysteme der Schweiz diese Leistungen dauerhaft in ihren Leistungskatalog aufnehmen sollten oder nicht. Die Evaluation wurde notwendig, weil in den Jahren vor 1998 die "komplementärmedizinischen" Dienstleister es zwar erfolgreich schafften, die angesprochenen Leistungen im Leistungsumfang der Krankenkassen unterzubringen, aber die 1998 erfolgte Einbindung an eben diese Evalution gebunden wurde.

Damit war in der Schweiz das Spielfeld bereitet, die Spieler auf dem Platz und das Ziel definiert: es ging um den K(l)assenerhalt und damit um den ganz großen Einsatz für die komtemplativen Komplementären. Und das es auf diesem Spielfeld hoch hergehen würde, war allen Beteiligten von Anfang an klar. Der Spiel... äh, Abschlussbericht enthält zum mörderischen Fight ein paar wundervolle Passagen, z.B.:

"... Die Suche nach einem Konsens zwischen den komplementärmedizinischen Methodenvertretern und den Hochschul- sowie konventionellen Standesvertretern gestaltete sich ausserordentlich schwierig. Eine Vielzahl sehr heterogener Vorstellungen über die ,,richtige" Evaluationsstrategie unter den jeweiligen Methodenvertretern und eine zeitweise paradigmatisch geführte und ,,verhärtete" Methodologie-Diskussion führte in den Jahren 1999 - 2000 zu erheblichen Projektzeitverlusten. Erschwerend kam hinzu, dass sich die konstante Besetzung mit autorisierten Fachvertretern schwierig gestaltete und eine vertrauensvolle Gesprächskultur und Informationskontinuität unter den beteiligten Akteuren sich nicht zufrieden stellend entwickeln konnte ..." (Abschlussbericht Bundesamt für Gesundheit, S. 19)

Da kann man sich gleich gut vorstellen, wie auf dem Platz die Fetzen flogen.

Entsprechend dem komplizierten Auftrag hat das BAG dann schlussendlich verschiedene Teilaufgaben definiert, die Teilaufgaben an geeignete Expertengruppen delegiert und jeweils abschließende Teilberichte (HTA) eingefordert. Eine Expertengruppe hat allen möglichen Empiriekram erarbeitet (rund 10% des Schweizer Bergvölkleins ist scharf auf das komplementäre Zeug etc.), eine Gruppe hat eine Riesen-Metastudie gebastelt, die im folgenden unter "Shang-Studie", "Egger-Studie", "Egger/Shang-Studie" oder "Lancet-Studie" EIGENTLICH dem Unfug ein endgültiges Ende hätte bereiten sollen und eine andere spezielle Expertengruppe hat berichtet, um was es sich bei dem ganzen komplementären Kram eigentlich genau dreht. Diese letzte Gruppe bestand und besteht aus denjenigen, die sich im "Komplementärbereich" prima auskennen - also z.B. den Damen&Herren der KIKOM, der Witten/Herdecke GmbH und - oh welch' Überraschung - Herr Walach [Psiram Wiki] und andere (s.o.: handelnde Personen). Es wird niemanden überraschen, dass DIESE Experten zu ausgesprochen günstigen Beschreibungen und Urteilen über die "komplementären" Verfahren kamen. Wäre man Schweizer, hätte man eigentlich ein Dienstaufsichtsverfahren wegen Verschwendung von Steuergeldern einreichen müssen, weil man sich den Aufwand bei dieser Gruppe auch bestens hätte sparen können und direkt in den Abschlussbericht ein "+1" hätte eintragen können. Im Sinne einer äußerst ungerechten Analogie hätte man hier auch einen Strassendealer fragen können, ob sein Stoff auch wirklich nicht verschnitten ist. Auf der Grundlage der verschiedenen HTA wurde dann (vermutlich auch wieder mit Hauen&Stechen) eine Schlussbewertung vorgenommen:

"Krankenversicherung: Fünf komplementärmedizinische Leistungen werden nicht in die Grundversicherung aufgenommen" [BAG, Pressemeldung 3.6.2005]

Hat das die armen, gequälten Schweizer endgültig von der lebenswichtigen Heilversorgung durch Smarties und Beten abgeschnitten? Aber nein! Nach dem geringfügigen Rückschlag war es dann mal wieder das typische eidgenössisch-urdemokratische Volk, das ein Rückspiel in Form einer Volksabstimmung erzwang:

"Fünf Methoden der Komplementärmedizin werden unter bestimmten Bedingungen während sechs Jahren provisorisch vergütet" [BAG, 12.1.2011]

Und wieder stehen die Spieler (siehe oben: handelnde Personen) auf dem Platz - diesmal bis 2017. Man kann sicher sein, dass schulmedizinische Betreuung neben dem Platz zur Erstversorgung bei Schlag-, Stich- und Schusswunden gewährleistet ist.

So.

Wie hängt also nun "alles mit allem zusammen"? Ganz einfach in diesem speziellen eidgenössischen Fall: es ist alles ein und dieselbe Sache. Seit 1998 (mit Vorlauf) und bis 2017 (und danach).

Die eine Seite (die "Komplementaristen") wollen endgültig und dauerhaft an die Fleischtöpfe der öffentlichen Sozialsysteme und in die akademischen Institutionen. Die "andere" Seite (die im Grunde keine Seite ist, sondern normale Leutchen mit naturwissenschaftlichem Hintergrund) hat nichts gegen neue Kollegen, die Bezahlerei aus öffentlichen Kassen ist ihnen auch egal (daraus werden sie ja selbst alimentiert), will sich aber nicht mit falschen Begründungen verarschen lassen. Und den Effekt dieses Schlachtgetümmels kann man sich dann in Internetforen oder Zeitungskommentaren anschauen - z.B. in den Kommentaren bei der SZ unter dem Titel "Homöopathie ist ein reiner Placeboeffekt" mit über 1.800 Kommentaren (and counting...) mit solchen typischen Perlen wie "homöodingens is quatsch - siehe shang" oder "NEUESTE SCHWEIZER STUDIEN belegen EINDEUTIG und ENDGÜLTIG die Wirksamkeit - siehe [obigen Springer-Link zur Witten/Herdecke GmbH]".

Oder natürlich im heilerischen und voll verstrahlten Bayrischen Rundfunk [GWUP] in sanften Dokus, voll mit "belastbaren" Studien.
every time you make a typo, the errorists win

bayle

Das klingt, ähm, nicht wie an zwei Nachmittagen zusammengelesen.
ZitatIm Sinne einer äußerst ungerechten Analogie hätte man hier auch einen Strassendealer fragen können, ob sein Stoff auch wirklich nicht verschnitten ist.
:rofl2
Great. Gelegentlich bitte mehr davon!

Groucho

@ajki: Dein Kommentar ist was für das Blog, wäre schade, wenn der nicht mehr Öffentlichkeit bekommt. Könnte man 1:1 so übernehmen.

ajki

Zitat von: Groucho am 25. April 2013, 13:13:28
... ist was für das Blog ...

Das Psiram-Team kann mit dem Zeug machen was auch immer ihm beliebt. Wenn es den Kram nutzt, sollte angesichts des typischen Fehlerverbrauchs von 8 auf 100 Zeichen dringend jemand mit der Lupe drübergehn.
every time you make a typo, the errorists win

Groucho

Zitat von: ajki am 25. April 2013, 15:56:41
Zitat von: Groucho am 25. April 2013, 13:13:28
... ist was für das Blog ...

Das Psiram-Team kann mit dem Zeug machen was auch immer ihm beliebt. Wenn es den Kram nutzt, sollte angesichts des typischen Fehlerverbrauchs von 8 auf 100 Zeichen dringend jemand mit der Lupe drübergehn.

Fein :) Ansonsten haben wir zertifizierte Feudelmeister für Ortogravieh und Grammatick, incl. Lizenz zum Komma setzen, keine Sorge  ;D

Hildegard

In Deutschland bringt übrigens das Parteiprogramm der Violetten, einer Art FDP für Scharlatane, die Wünsche der "Alternativen" hinsichtlich Anerkennung und Geldflüssen sehr schön knapp auf den Punkt:
Zitat
Unser Leitsatz ist ,,Wer heilt, hat Recht " und bedeu-
tet: Was am besten für den Patienten ist, entscheidet
dieser selbst, nicht die Kasse oder der Arzt.

Quelle: http://die-violetten.de/wp-content/pdf/politische_aussagen/gesundheit.pdf

Im Grunde sollte man das vollen Herzens unterstützen, löst diese Herangehensweise doch mittelfristig das Problem der Überbevölkerung und der explodierenden Mieten in Ballungsräumen bei gleichzeitiger Verbesserung des Genpools.
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