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Autor Thema: Griechenland  (Gelesen 63106 mal)

ajki

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Re: Griechenland
« Antwort #285 am: 24. Juli 2015, 11:19:48 »
"Hallo Leute, ... Schuldenschnitt."

Naja, dieser Teil der Überlegung betrifft den (unstrittig) geringen Anteil an nicht-staatlichen Krediten zum Zeitpunkt vor demjenigen "Schuldenschnitt", den wir momentan hier fiktiv im Auge haben (also den "jetzigen"). Dieser Anteil mag zwar unsicher sein im Volumen und er ist sicher auch ein zinsteurer Anteil (und natürlich nicht "gestundet"). Aber er ist im Rahmen dieses (fiktiven) Schuldenschnitts eben doch nur "vernachlässigbar" - zumindest wenn man als tüchtiger griechischer Rosinenhändler um die Kreditlinie des nächsten Geschäftsjahrs mit seiner Geschäftsbank feilscht. Der Rosinenhändler denkt sich hier wohl, er käme als "souveräner" Geschäftsmann mit den paar Hedgefonds schon irgendwie zurecht, wenn es mal soweit ist. Und die Geschäftsbank interessiert sich für diesen Anteil im Rahmen der Gesamtüberlegung natürlich auch nicht (wirklich) - denn der geht es hier um das "Eigene" und die Überlegung, ob man den Rosinenhändler nun weiter als Geschäftskunden halten solle oder ihn besser mit Verlust vor die Tür setzen soll (obwohl der gesamte Vorstand der Bank, die Geschäftsführung und vor allem jede einzelne Schalterdame den Rosinentypen echt gerne mag, weil er doch so ein fluffiger Kerl ist).

Unser sympathischer Rosinenhändler hat hier in einer Hinsicht recht: die paar Milliarden machen "jetzt" und vor einer "radikalen Gesamtlösung" den Kohl nicht fett. Und vielleicht meint er auch wirklich wie im obigen Zitierten spekuliert, ein "haircut" sei ja kein "haircut" und deshalb sei ein zweiter eben nur der erste und damit auch wieder keiner. Kann man in bedrängter Geschäftssituation bestimmt glauben - ähnlich wie auch an die süße Versprechung der sonstigen Fantasy-Story im restlichen zitierten Beitrag. Rosinenhändler haben eben eine lyrisch-romantische Ader, die sie anfällig macht für die Verlockungen des Schönen an sich.

Natürlich wird's dann auch für [den Rosinenhändler] hart. Auch [der muß] sich der Realität stellen.

Jagut. Aber *wie* hart? Und was wäre wohl die *erwartbare* "Realität" nach dem Auflösen der Kundenbeziehung mit seiner ehemaligen Geschäftsbank?

Nun mal keine Fantasy und auch keine Science Fiction, sondern nur sowas wie eine gescriptete "Peter Zwegat"-Fiction. Dabei ist es zunächst mal völlig egal, ob Rosini, der Händler, weiterhin ein Konto bei der Bank behält, die früher seine Geschäftsbank war oder nicht. Denn der eigentliche Punkt ist ja, dass er nach der "Einigung" von dieser Bank keinen roten Heller mehr auf Kredit bekommt. Das ist es, was das Wort "Schuldenschnitt" wirklich bedeutet. Würde der Vorstand oder die Geschäftsführung der Bank diesem Ex-Geschäftskunden noch einen einzigen Cent ohne Deckung auf dem Konto rüberschieben, dann würden die Shareholder der Bank auf spätestens der nächsten Hauptversammlung sich nicht nur mit den Köpfen zufrieden geben, sondern auch noch die Eier/-stöcke abschneiden und die Finger und dann noch die restlichen Knochen unters Rad flechten wollen. Und die körperlichen Überreste verbrennen - nur so zur Sicherheit.

Von denen kann Rosini dann nix mehr erwarten außer dem üblichen freundlichen "Hi Rosini! WiegehtwiestehtichhableiderkeineZeitbisdann...", wenn man sich mal auf der Strasse begegnet und nicht fix genug vorher auf der anderen Strassenseite war. Oder - wenn Rosini im Rahmen der geschäftlichen Neuorientierung zum Beispiel seinen schicken Panamahut vor sich auf das Pflaster der Fußgängerzone legt und ein Schildchen hochhält mit "alt! weise! schön! aber arm und krank - bitte helft!!" drauf - ab und an ein paar Milliönchen der an sich ja sehr netten Gattin und den niedlichen Kindchen (es sollen ja viele sein, sagt man, und nicht nur von einertuscheltuschel...) hintenrum zustecken, das geht dann wohl auch noch. Aber mehr nicht.

Rosini muß also ob er will oder nicht eine neue Geschäftsbank finden, denn seine Rosinenpflücker wollen ja bezahlt werden, die Pflückmaschinen schnaufen asthmatisch vor sich hin und verlangen offensichtlich nach Betriebsstoffen und Updates, die Gattin zuhause wartet schon schlagbereit mit der Bratpfanne auf ihn wegen der ausstehenden Reparatur der Klospülung und die Kiddies wollen ja auch alle schon wieder ein neues Händie haben (nein, müssen alle haben und er selber ja auch).

Aber ist alles gar kein Problem für Rosini. Als autarker, autonomer, souveräner, allseits geachteter Geschäftsmann kann er hoch erhobenen Hauptes in *jede* Filiale einer Bank gehen (außer der ehemaligen) und wird - wie es ihm zusteht! - "königlich" empfangen werden. Da kann er sich ganz sicher sein. Neue Kreditlinie? Gar kein Problem. Nirgendwo. Jede beliebige Höhe, völlig beliebige Laufzeit, da braucht er sich überhaupt keine Sorgen zu machen. Naklar, die Kosten sind natürlich schon irgendwie ziemlich hoch - aber so ist das heute eben, die Zeiten sind hart, die See ist rau und Wasser ist nass und so. Wie, Kleingedrucktes? Ach, das müssen Sie nicht so ernst nehmen, Herr Rosini, das ist nur vollkommen übliches Zeug. Total unerheblich. Ja, natürlich müssen Sie schon ein paar Sicherheiten bieten, Herr Rosini - Ihnen als Geschäftsmann muss man das ja nicht erläutern wie den anderen Spacken, die hier betteln kommen. Hier unterschreiben, bitte. Was? Nachher gehört Ihnen gar nichts mehr? Nicht mehr ihr Haus, ihr Boot, ihr Pferd, ihre Frau, ihre Pflückmaschine? Aber doch nur, wenn die nächste Rosinenernte kein Bombenerfolg werden sollte, Herr Rosini!! Das haben Sie doch alles selber in der Hand und Sie sind doch ein gewiefter, erfahrener und mit allen Wassern gewaschener harter Rosinenproduzent und -händler - was soll da schief gehen? Da dürfen sie doch nicht so negativ denken! Hier unterschreiben, bitte.

Und Rosini wird unterschreiben. Weil er muss. Bei irgendeinem *wird* er unterschreiben. Das ist *keine* fiction. Und dann ist er fällig. Und sein Boot. Und seine Frau.
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Nicht_Peter

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Re: Griechenland
« Antwort #286 am: 26. Juli 2015, 22:34:14 »
Interessant, jetzt wird offenbar über eine europäische Wirtschaftsregierung samt eigenem Haushalt aus einer "Eurosteuer" nachgedacht. Ein längst überfälliger Schritt imo, die EU muss effizienter/effektiver auf wirtschaftliche/finanzielle Probleme reagieren können.

Würde es schön finden, wenn europäische Politiker jetzt auf Reaktion der Eurokrise über ihren nationalstaatlichen Schatten springen und mehr Kompetenzen an die EU verlagern. Denn die nächste Krise kommt bestimmt, die jetzige ist ja noch nicht mal endgültig vorbei... :-[

Typee

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Re: Griechenland
« Antwort #287 am: 30. Juli 2015, 13:48:05 »
Neuer Unsinn:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-yanis-varoufakis-droht-wegen-grexit-plan-prozess-a-1045949.html

Der Vorgang lässt sich ungefähr so beschreiben:

da saust ein Auto durch die Dunkelheit und riskiert, gegen ein Hindernis zu brummen. Das Hindernis wird noch schnell weggeräumt. Hinterher erzählt der Fahrer, er habe sich zum Ausweichen auf den linken Fahrstreifen vorbereitet. Dafür kriegt er einen Knollen, weil er einen Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot vorbereitet habe.

Die Reproduktion der Daten, wenn sie denn überhaupt stattgefunden hätte, hätte die Überleitung in ein bargeldloses Verrechnungssystem ermöglicht, falls der worst case, der Graccident, eingetreten und gar kein Bargeld, außer gebunkerten Devisen, mehr vorhanden gewesen wäre. Ein Tor, wer in der gegebenen Lage so etwas nicht wenigstens geplant hätte.
Heilige Bücher sind wie Eintöpfe. Man holt nur das heraus, was man hineingetan hat.

Patches O Houlihan

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Re: Griechenland
« Antwort #288 am: 30. Juli 2015, 17:31:58 »
Da fällt mir dieses Lied ein.

Nicht_Peter

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Re: Griechenland
« Antwort #289 am: 20. August 2015, 23:09:58 »
Sieben Monate hat er durchgehalten: http://www.dw.com/de/neuwahlen-in-griechenland-premier-tsipras-tritt-zurück/a-18660280
Populisten haben die durchaus angenehme Angewohnheit, an der Realität zu scheitern, wenn sie einmal an der Macht sind. Auch wenn dieser Rückzug eher taktischer Natur sein dürfte.

71hAhmed

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Re: Griechenland
« Antwort #290 am: 21. August 2015, 12:19:07 »
Populisten haben die durchaus angenehme Angewohnheit, an der Realität zu scheitern, wenn sie einmal an der Macht sind.
Ob das so angenehm ist, wage ich zu bezweifeln, immerhein neigen sie auch dazu, auf dem Weg bis dahin einen Riesenscherbenhaufen zu produzieren, dessen Beseitigung erst mal alle sinnvollen Maßnahmen gründlich blockiert.

Nicht_Peter

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Re: Griechenland
« Antwort #291 am: 21. August 2015, 20:01:04 »
Ob das so angenehm ist, wage ich zu bezweifeln, immerhein neigen sie auch dazu, auf dem Weg bis dahin einen Riesenscherbenhaufen zu produzieren, dessen Beseitigung erst mal alle sinnvollen Maßnahmen gründlich blockiert.

Auch wieder wahr. Der beste Fall ist es natürlich, wenn Populisten gar nicht erst an die Macht kommen. ;)

Ach ja, von der Syriza hat sich offenbar der linke Flügel abgespalten und eine eigene Fraktion gegründet, die den freundlichen Namen "Volkseinheit" trägt. So langsam wird's immer unübersichtlicher...

J. Webb

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Re: Griechenland
« Antwort #292 am: 22. August 2015, 19:39:12 »

ErpelderNacht

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Re: Griechenland
« Antwort #293 am: 24. August 2015, 14:16:58 »
Ach ja, von der Syriza hat sich offenbar der linke Flügel abgespalten und eine eigene Fraktion gegründet, die den freundlichen Namen "Volkseinheit" trägt. So langsam wird's immer unübersichtlicher...

Erinnert ein bißchen an die Judäische Volksfront und die Volksfront von Judäa...

celsus

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Re: Griechenland
« Antwort #294 am: 13. März 2021, 16:17:52 »
Zitat
Yanis Varoufakis
@VaroufakisDE
·
11. März
In Griechenland müssen Abgeordnete wie ich jedes Jahr im Mai unser Einkommen und dessen Herkunft, unseren Kontostand, Aktienbesitz sowie Immobilien, Autos usw. offenlegen. Journalisten picken Interessantes heraus. Wäre das vielleicht auch für Deutschland eine Lösung? #CDUKorruption
https://mobile.twitter.com/VaroufakisDE/status/1370069182881144842
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.