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Zytotoxische Wirkungen potenzierter Arzneimittel auf Brustkrebs-Zellen

Begonnen von Suzie, 09. März 2010, 14:51:08

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Suzie

Ich wurde heute mit diesem "Beweis" der Wirksamkeit von Homöopathie konfrontiert.

http://www.narayana-verlag.de/homeo/news/05_04_Zytotoxische_Wirkungen.php

Mein Englisch ist nicht mehr das was es mal war, daher habe ich den Oiginal-Text nicht gelesen.

Was haltet ihr davon? Das kann doch nicht sein...oder?



Suzie

Vor lauter schnell, schnell... sorry...vergaß ich den Link.

Ich soll mich dazu äußern... weil ich ja immer auf die Homöopathie schimpfe.

Roland K.

Sehe ich das richtig? Weder der Grad der Verdünnung ist angegeben noch der Partialdruck des Wassers, bzw. der osmotische Druck, noch das elektrochemische Potential?  :o

Bekanntlich stirbt (platzt) in vitro jede menschl. Zelle bei Kontakt mit Aqua Dest. 

Adromir

Und letztendlich müsste nicht nur das Konzept der Potenzierung bewiesen werden, sondern auch das Simileprinzip um sagen zu können "Homöopathie ist bewiesen".

Deceptor

Coheeen !

Hast Du da etwa mitgeschrieben ?


Int J Oncol. 2010 Feb;36(2):395-403.
Cytotoxic effects of ultra-diluted remedies on breast cancer cells.

Frenkel M, Mishra BM, Sen S, Yang P, Pawlus A, Vence L, Leblanc A, Cohen L, Banerji P, Banerji P.

Integrative Medicine Program-Unit 145, Department of Molecular Pathology, The University of Texas M.D. Anderson Cancer Center, Houston, TX 77030-4009, USA. frenkelm@netvision.net.il

The use of ultra-diluted natural products in the management of disease and treatment of cancer has generated a lot of interest and controversy. We conducted an in vitro study to determine if products prescribed by a clinic in India have any effect on breast cancer cell lines. We studied four ultra-diluted remedies (Carcinosin, Phytolacca, Conium and Thuja) against two human breast adenocarcinoma cell lines (MCF-7 and MDA-MB-231) and a cell line derived from immortalized normal human mammary epithelial cells (HMLE). The remedies exerted preferential cytotoxic effects against the two breast cancer cell lines, causing cell cycle delay/arrest and apoptosis. These effects were accompanied by altered expression of the cell cycle regulatory proteins, including downregulation of phosphorylated Rb and upregulation of the CDK inhibitor p27, which were likely responsible for the cell cycle delay/arrest as well as induction of the apoptotic cascade that manifested in the activation of caspase 7 and cleavage of PARP in the treated cells. The findings demonstrate biological activity of these natural products when presented at ultra-diluted doses. Further in-depth studies with additional cell lines and animal models are warranted to explore the clinical applicability of these agents.

PMID: 20043074

Deceptor

Das International Journal of Oncology gibt ein Professor Spandidos aus Griechenland raus (Professor D.A. Spandidos, 10, Vriaxidos Street, Athens 116 35, Greece). Die Autoren müssen für die Veröffentlichung zahlen, so wie es bei Journalen dieser Art üblich ist. Ich zitiere mal:


Page charges: Accepted manuscripts will be published on the understanding that the author(s) will pay the page charges as indicated on submission. An order form with payment details is provided at the proofs stage of manuscript submission. A PDF of the final article is provided free of charge upon publication.

Basic charge (total amount for up to 5 pages) : EUR 175

Each additional page : EUR 110

Reproduction in color : EUR 390 per page.

Color figures should only be submitted if intended for publication. Fees for color reproduction are calculated based on the figures at the time of manuscript acceptance. Figures may not be changed to black and white once a manuscript has been accepted.


Deceptor

Ich habe den Volltext auf den Esowatch-Server kopiert, da man ansonsten schwer rankommt, und gerne mal was peinliches später gelöscht wird:


http://www.psiram.com/media/Homoeopathie/Cytotoxic-effects-of-homeopathic-remedies-on-breast-cancer-cells-2010.pdf

Deceptor

Un hier die Reaktion von "respectful insolence" zu der unter Homöopathen gefeierten Studie:

http://scienceblogs.com/insolence/2010/03/a_homeopathic_bit_of_breast_cancer_scien.php

Es war wohl das Lösungsmittel Alkohol: ...The only conclusion that is supported by the data is that the solvent in which the homeopathic remedies had been diluted is toxic to MCF-7 and MDA-MB-231 cells....


Suzie

Hi Deceptor, Danke für dein feedback. :)

Leider sind meine Englisch-Kenntnisse mangels Anwendung in den letzten ca. 30 Jahren nur noch recht bescheiden und so habe ich Probleme zu übersetzen, was dort geschrieben steht.
Google Sprachtools ist ein Witz.

Habe ich es richtig verstanden, dass die Zellen durch den verwendeten Alkohol zerstört wurden?

Sorry.... ist mir ja schon irgendwie peinlich....

LG
Suzie

Deceptor



Deceptor

Zu dem Moshe Frenkel et al - Artikel:


Frenkel M, Mishra BM, Sen S, Yang P, Pawlus A, Vence L, Leblanc A, Cohen L, Banerji P, Banerji P. (2010). Cytotoxic effects of ultra-diluted remedies on breast cancer cells. Int J Oncol. 2010 Feb;36(2):395-403.


Aussergewöhnliche Behauptungen benötigen eine ganz besonders stabile und sichere Datenbasis. Hier wurde behauptet, dass "ultrahoch verdünnte" Mittel Krebszellen selektiv in einer Petrischale abtöten würden, selektiv in dem Sinne dass normale Körperzellen keinen Schaden dabei nehmen würden. Wo ist denn der Nobelpreis ? Und warum steht die Fachwelt nicht Kopf, sondern schüttelt den Kopf ? Die Behauptung gipfelt darin, dass diese ultrahochverdünnten homöopathischen Präparate die Wirksamkeit einer herkömmlichen Chemotherapie hätten.

Haarsträubendes Zitat aus dem Artikel:

Interestingly, the cytotoxic effect of two of the remedies investigated in this study, Carcinosin and Phytolacca,
appeared similar to the activity of 0.12 μM paclitaxel (Taxol), the most commonly used chemotherapeutic drug for breast cancer...


Das heisst, die Autoren behaupten eine vergleichbare zytotoxische Wirkung wie bei herkömmlichem Paclitaxel (Handelsname Taxol). Webseiten von Homöopathieanhängern in den USA jubelten denn auch : "Homeopathy as good as chemotherapy for breast cancer". (Homöopathie so wirksam bei Brustkrebs wie eine Chemotherapie). Auch die Homöopathie-freundliche Organisation von Prince Charles soll die Arbeit gelobt haben: For instance, in this month's International Journal of Oncology, the lead scientist from one of the most reputable cancer centres in the world has confirmed the ability of four homeopathic remedies to bring about programmed cell death in breast cancer cell lines in the laboratory.

Nichts davon ist aus dieser Studie aber abzuleiten.
Was sind nun die Angaben und Fakten ?

1.) Die Arbeit erschien in einer zweitrangigen und selten von Unis abonnierten Publikation (Int J Oncol , impact factor 2,234), bei der die Autoren für das Publizieren zahlen. Sowas nennt sich meist Zuschusszeitschrift ("vanity publication"). Es gibt viele solcher Journale und man kann sie nicht alle über einen Kamm scheren, es mag da auch seriöse bei geben. Aber es macht mistrauisch. Ein bekanntes Beispiel ist der Fall Harrit. Harrit veröffentlichte auch in so einem Blatt. (http://psiram.com/ge/index.php?title=Niels_Holger_Harrit). Das Problem ist, dass die Zeitschrift sich durch die Autoren finanziert. Und wenn ein Autor Mist anbietet, hat der Herausgeber das Problem einen zahlenden Kunden abzulehnen. Er gerät in eine Konfliktsituation. Auch wenn Herausgeber und Prüfer nicht identisch sind, bleibt da ein Problem. Im Falle Harrit konnte schön gezeigt werden, dass zahlende Kunden computergenerierten und völlig sinnlosen Text zur Veröffentlichung anbieten konnten. (siehe Esowatch)
2.) Es ist eine Petrischalenstudie, man kann daraus wenig bis gar nichts auf eine Anwendung am Menschen ableiten. Insbesondere kann man keinen Vergleich zu einer Taxolanwendung beim Menschen machen (klinische Studie).
3.) Es gibt keine Replikationen (Wiederholungen durch andere Arbeitsgruppen), und die Arbeit wurde bislang nicht zitiert (ok, ist erst vor kurzem rausgekommen, aber Reaktionen hätte es zumindest geben müssen). Stattdessen wird er in mindestens zwei Blogs (Orac/Rachie) zerissen. Orac als einer der blogger ist selbst Brustkrebs-Forscher und arbeitet mit den gleichen Zelllinien.
4.) Der Artikel macht Wahrscheinlichkeitsaussagen ohne eine Statistik zu den Aussagen zu machen. Alleine diese Tatsache macht die Arbeit wissenschaftlich wertlos.
5.) Die Mittel stammen von einer Banerji, P. P. Banerji Homeopathic Research Foundation (PBHRF) in Kalkutta (Indien). Bereits zuvor hatte diese "reasearch Foundation" beleglos behauptet Krebs mit Homöopathika zu heilen, in Fällen wo die "Schulmedizin" versagt habe. Die Mittel waren: Carcinosin, 30C; Conium maculatum, 3C (gefleckter Schierling); Phytolacca decandra, 200C (giftige Kermesbeere) und Thuja occidentalis, 30C.  Erinnern wir uns: C ist die centesimal Verdünnung also jeweils 1:100 (D ist dezimal 1:10). Die C3 als niedrigste Potenz ist also eine D6 (1:1 Million). Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde diskutiert ob man es überhaupt schafft eine D6 zu übertreffen. Die Firma Madaus forschte zu dieser Frage. Denn bei jedem Verdünnungsschritt bleiben Moleküle oder Atome an der Glaswand haften und verfälschen bei immer höheren Verdünnungen die Konzentrationsangabe. Wie dem auch sei, ab D23 ist die Avogadro'sche Zahl erreicht und die theoretische Wahrscheinlichkeit der Anwesenheit mindestens eines Moleküls der Ursubstanz sinkt auf 50%. Ein Molekül eines Zellgiftes kann ber in der Theorie nur eine Zelle abtöten. Hier geht's um bis zu C200 ! (10 hoch 400), weniger als es Partikel im Universum gibt. Das heisst: der Test wurde mit Lösungsmittel durchgeführt, bei Conium maculatum wären wenigstens noch Moleküle im Spiel. Carcinosin ist ein Nosodenmittel aus der Komplexmittelhomöopathie, gewonnen aus einem Tumor (aus der krebsbefallenen Brust).
6.) Das zur Verdünnung eingesetzte Lösungsmittel war nicht Wasser auch nicht Aqua dest, sondern Alkohol. Und zwar 87% "extra neutral alcohol". Dies wurde auch für die Kontrollen eingesetzt. Wenigstens das gab es. Es wurden 1:100 - 1:1000 Verdünnungen des 87%igen Alkohols angewandt.
7.) Bei der Betrachtung der Daten fällt auf, dass der Alkohol bei den Kontrolluntersuchungen Zellen abtötete. Warum soll aber ein wirkungsloses Placebo eine Wirkung entfalten ??? Wegen fehlender Statistik ist nicht klar ersichtlich in welcher Weise. 30-50% der Zellen scheinen alleine von der Kontrollflüssigkeit Alkohol vernichtet worden zu sein. Es erscheint so dass die untersuchten Zellinien etwas alkoholempfindlicher waren als das Kontrollgewebe.
8.) Merwürdigerweise erwähnen die Autoren Unterschiede bei den Lösungsmitteln, und zwar bei der Untersuchung mit der HPLC-Chromatographie: All four remedies had very similar HPLC chromatograms to each other, with only trace amounts of limited number of peaks. They were not significantly distinct from the solvent and they lacked the distinct peak seen in the solvent. Dies deutet auf Unterschiede hin. Leider werden die HPLC-Kurven nicht gezeigt.
9.) Die Experiemente wurden zweimal oder dreimal jeweils durchgeführt. Das ist weniger als sonst in solchen Studien üblich und kann zu Datenausreissern führen.
10.) Die Zellinie MCF-7 neigt dazu bei nicht optimalen Bedingungen spontan ihr Wachstum einzustellen.  
11.) Möglicherweise sind die Streuungen bei den Kontrollen grösser als bei verum. Dies wäre ein Hinweis auf Datenselektion.


Letzendlich ist die ganze Studie nicht geeignet zu beweisen oder besser gesagt zu belegen dass Homöopathika Krebszellen selektiv vernichten. Die Studie in einem von Autoren bezahlten Journal macht keine statistische Angaben und enthält unverständliche Passagen (HPLC). Verunreinigungen des Lösungsmittels könnten eine Erklärung sein. Orac kommt zum Schluß: The only conclusion that is supported by the data is that the solvent in which the homeopathic remedies had been diluted is toxic to MCF-7 and MDA-MB-231 cells.

Oder

Lösungsmittel sind genauso wirksam wie hmöopathische Mittel......