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MECFS ist keine erfundene Krankheit

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Begonnen von NeuroMD, 04. Dezember 2023, 22:59:23

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Peiresc

Zitat von: eLender am 07. Februar 2026, 23:57:56Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666354626000207

Die Studie ist in lehrreicher Eindeutigkeit das Kontrastprogramm zu #971. Der erste Satz beginnt wieder mit:
ZitatMyalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) is a complex, debilitating, chronic, long-term illness
Orthodox, und der Adept weiß: es droht keine Gefahr.  :grins2:

In der Einleitung steht gleich mal:
ZitatTwo recent studies reported the induction of ME/CFS and long COVID-like symptoms in mice following the passive transfer of IgG from patients (Chen et al., 2024; Santos Guedes de Sa et al., 2024).
Sie stützen sich u. a. auf die Preprints von zwei Studien, die eher die Leichtgläubigkeit der Gemeinde als den Symptomtransfer gezeigt haben (vgl. #185) und die offenbar auf dem Weg zu einer seriösen Veröffentlichung verendet sind (wir schreiben inzwischen das Jahr 2026).

Results u. a.
ZitatB. Violin plots showing results of multiplex bead-based assays to measure secreted inflammatory cytokines from PBMCs of two healthy donors after 48 h of exposure of PBMCs to IgG from ME/CFS (n = 20), PCS-CFS (n = 15), MS (n = 11), and healthy donors (n = 20). Two-tailed Mann-Whitney U test. (IL-1β) HD vs ME/CFS, ∗P = 0.0460. HD vs PCS-CFS, ns P = 0.4785. HD vs MS, ns P = 0.7132. (IFNγ) HD vs ME/CFS, ns P = 0.0675; HD vs PCS-CFS, ns P = 0.9345; HD vs MS, ns P = 0.8550. (TNFα) HD vs ME/CFS, ns P = 0.1653. HD vs PCS-CFS, ns P = 0.8307. HD vs MS, ns P = 0.1566. (IL-6) HD vs ME/CFS, ns P = 0.0675; HD vs PCS-CFS, ns P = 0.9345; HD vs MS, ns P = 0.9514. (IL-5) HD vs ME/CFS, ns P = 0.8201, ∗∗∗P = 0.0005; HD vs MS, ∗∗P = 0.0030. (IL-10) HD vs ME/CFS, ns P = 0.4612; HD vs PCS-CFS, ns P = 0.0545; HD vs MS, ∗∗P = 0.0016. (TGFα) HD vs ME/CFS, ns P = 0.7329. HD vs PCS-CFS, ns P = 0.2302. HD vs MS, ∗P = 0.0144. (TNFβ) HD vs ME/CFS, ns P = 0.6783; HD vs PCS-CFS, ∗P = 0.0143; HD vs MS, ∗P = 0.0202. (IFNα2) HD vs ME/CFS, ns P = 0.1803. HD vs PCS-CFS, ns P = 0.5366. HD vs MS, ns P = 0.7838.
Früher gab es Promoventen, denen ihr Doktorvater sowas um die Ohren gehauen hätte. Man muss nicht jede Zahl drucken, die man ermittelt hat. Ja ich weiß, früher hatten wir noch 'nen Kaiser.

Zum Schluss fällt noch auf:
ZitatReceived 23 January 2026, Accepted 25 January 2026,
Peer Review mit Lichtgeschwindigkeit: schneller geht nicht. Das nihil obstat lag wohl schon in der Schublade. Reputation ist ein zartes Pflänzchen, schon gewusst?

ZitatSo viele Kunst und hat nichts zu bedeuten.

- Volker Braun






eLender

Zitat von: Peiresc am Gestern um 07:25:20In der Einleitung steht gleich mal:
Das ist mir auch aufgefallen, diese Mäusestudie erinnert nicht umsonst an Seralini und Co., sie wurde nie veröffentlicht und sorgte für einiges Gelächter in der Forschungslandschaft. Habe mir das auch mal etwas genauer angesehen. Man hat das nur bei bestimmten Zellen beobachten können (also diese Veränderungen bei den Mitochondrien), bei Endothelzellen aus der Nabelschnur, weil nur diese überhaupt Antikörper (IgG) ins Zellinnere passieren lassen (wo sie die Mitochondrien erreichen). Haben die MEs also solch durchlässigen Zellen im ganzen Körper, oder überhaupt andere Zellen? Inwiefern ist so ein Befund - sollte das reproduzierbar sein - überhaupt übertragbar?

Man hat diese Veränderungen optisch ermittelt. Da das nicht verblindet war, kann man sich denken, dass die Motivation bei der Beurteilung nicht ohne Bedeutung war. Man muss es immer wieder sagen: wenn so etwas nicht verblindet wird, kann da alles Mögliche an Artefakten erzeugt werden (es gab mal den Fall einer Assistentin, die solche Auswertungen gemacht hat und immer das gesehen haben will, was man erwartete. Bei der Überprüfung sagte sie, sie wollte doch nur, dass die Forscher glücklich sind... ??? ).

Wenn man da weiter grabe würde, würden mehr Fragen auftauchen. Ich lese:

ZitatAlthough the statistical significance for changes in average mitochondrial surface area was strong for the ME/CFS cohort (HD vs. ME/CFS, P = 0.0004), IgG-induced alterations in mitochondrial surface area were not distinct in the entire ME/CFS cohort.
...

Multiple linear regression analysis involving disease severity (as measured by Bell score), gender, and average mitochondrial surface area did not show any significant associations in ME/CFS and PCS-CFS

Komisch, egal wie schwer die Malaise ist, die erzeugen alle die gleichen verbogenen Mitochondrien. Man würde doch, falls es da einen ursächlichen Zusammenhang gäbe, erwarten, dass man einen Dosiseffekt sehen würde. Ich lese weiter:

ZitatPostinfectious ME/CFS, including post-COVID ME/CFS (PCS-CFS) patients, relapsing-remitting multiple sclerosis (MS) patients, and gender- and age-matched healthy controls, were recruited at the outpatient clinic of the Charité Universitätsmedizin, Berlin, between 2020 and 2023.
Scheibenbogen persönlich hat über drei Jahre Proben gesammelt, auch die von Gesunden. Ich nehme an, die gesunden Proben sind viel jünger (extra für die Studie). Alleine das Alter der Proben könnte einen Effekt haben. Von Kontrollen lese ich nichts, man liest nur viel Glitzerzeugs (inkl. der endlosen Aufzählerei von Zahlen, die auch im Diagramm stehen >:( ).

Die Schlussfolgerungen sind mager, was soll man nun damit anfangen? Selbst wenn das so sein sollte (wie gesagt, die höherwertige, verblindete, Studie zeigt Gegenteiliges), sagt das nichts über eine Ursache aus. Man findet keinen speziellen Autoantikörper, der da verantwortlich sein soll (was angesichts der Tatsache, dass das scheinbar universell bei allen Kandidaten zu verbogenen Mitos geführt haben soll, merkwürdig ist). Es rüttelt nicht am biopsychosozialen Modell, neuroimmunologisch sind solche Effekte denkbar. Also wenn, dann eher Symptom als Ursache. Aber egal, das wird die Blasenforschung in ihrem Mantra bestärken.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

eLender

Nochmal Wunderheilung (die Autoimmunerkrankung ist einfach von selbst verschwunden, die Mitochondrien sind wieder gerade). Es sind immer die gleichen Geschichten, die man in den Blasen liest. Die Blase der Gesundeten (sage ich mal so, die sind auch ein wenig vernetzt) hat einen ähnlichen Leidensweg - nur dass hier eine Genesung einsetzte. Das hat etwas mit der mentalen - man könnte auch psychischen - Haltung dieser Kandidaten zu tun. Ich sehe auch nicht, dass diese Kandidaten weniger an Leid und Symptomatik erlebt haben, als die Grufthänger.

Es ist ein bestimmter Typ Mensch, der da überhaupt ins Stolpern gerät (ich habe mich gefühlt mit Hunderten Schicksalen befasst, aber auch z.B. Kleinschnitz sagt das anhand der Praxiserfahrung so). Das sind übermotivierte, super ehrgeizige und perfektionistische Menschen (bei Depressionen soll es ähnliche Auffälligkeiten geben). Die wollen auf jeder Hochzeit tanzen und sind Hans Dampf in allen Gassen (das sagt auch die Podcasterin, das wäre beinahe bei allen so).

Die, die durch die Plage gehen und irgendwann wieder aufrecht stehen können, haben im Verlauf ihrer Gesundung ihr altes Leben immer komplett geändert. Auch wenn die jede Menge esoterischen Unfug durchgezogen haben (beinahe alle, die ich bisher vernommen habe), kommen sie doch um eine Erkenntnis nie herum: Man hat das falsche Leben geführt. Man könnte auch sagen: sie waren vom (alten) Leben überfordert. Sie haben weit über ihre (v.a. körperlichen) Grenzen gelebt. Und sie waren auch schon vorher angeschlagen, auch seelisch (eine Infektion wird nur gelegentlich als die Hauptursache vermutet).

Diese Überaktivität bzw. dieser überzogene Ehrgeiz (in Kombination mit einem übertriebenen Perfektionismus) scheint mir das Grundübel. Der Körper streikt irgendwann, dazu braucht es nur noch den berühmten Tropfen (kann ein Infekt sein). Warum man sich selbst so schädigt (was einem erst nach langer Zeit der Genesung auffällt), ist wmgl. der psychologische Konflikt, der das antreibt (was auch immer, bin ja kein Psychologe, aber der Begriff "Konversionsstörung scheint nicht komplett aus der Luft gegriffen zu sein).

Hier ein halbwegs kurzer Podcast aus der Reihe, in dem die Kandidatin das explizit so darstellt. Die anderen Kandidaten deuten das immer nur an, aber die Dame hier besteht sogar darauf, dass das des Pudels Kern ist. Nuja, biopsychoszoziales Modell und so.

https://superhelden-ohne-cape.zencast.website/episodes/janice-long-covid-mecfs-adieu
Wollte ich nur mal gesagt haben!