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Schuldtransfer reloaded

Begonnen von kimiuty, 30. Januar 2021, 20:10:06

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kimiuty

Zitat von: SZ-Magazin Nr. 4 vom 29. Januar 2021
Als weißer Mensch sieht man Yaghoobifarahs Kolumnen ziemlich oft ziemlich schlecht aus. Das kann einen natürlich ärgern, vielleicht verletzen, so wie einen taz-Leser, der seine Abkehr von der Zeitung auch mit Yaghoobifarahs  Kolumne begründete:
"Ich war es leid, mich immer wieder als alter, weißer Mann (der ich bin) oder als Kartoffel anmachen zu lassen. Für keine der Eigenschaften alt, weiß, Mann, kann ich etwas - warum werde ich dann nahezu rassistisch angemacht von einer Kolumnistin, die sich ständig über Diskriminierung beschwert?"
Yaghoobifarah hält das für "Rumgeopfer": "Ich verstehe nicht, wie man sich von so was persönlich angegriffen fühlen kann. Okay, wenn du sagst, das stimmt nicht, du verhältst dich nicht wie eine Kartoffel, du bist keine Annika, dann bist du es halt nicht."

Klar & geschenkt, dass die überaus eitle Person Yaghoobifarah auf dem Siegertreppchen der Opferolympiade ganz allein steht, weil sie ihre eigene Kategorie erfunden hat, in der sie konkurrenzlos ist.
Klar auch, dass sie ihr eigenes Geschäftsmodell der rituellen Beleidigung in Frage stellt, wenn sie meint, man könne als Gemeinter einfach mal nicht beleidigt sein. Die taz würde schnell davon absehen, eine völlig unkontroverse Kolumne zu füllen.

Läutet bei psiram durch die Verwendung des Schuldtransfers die Erkennungsglocke?
Das gute alte "Auf deine Wahrnehmung kommt es an"; es fühlt sich an wie früher.
Die Progressiven kochen auch nur mit reaktionärem Eso-Wasser.

Peiresc

Zitat von: kimiuty am 30. Januar 2021, 20:10:06
Zitat von: SZ-Magazin Nr. 4 vom 29. Januar 2021"Ich verstehe nicht, wie man sich von so was persönlich angegriffen fühlen kann.
Ich verstehe das auch nicht.

Zitat von: kimiuty am 30. Januar 2021, 20:10:06Läutet bei psiram durch die Verwendung des Schuldtransfers die Erkennungsglocke?

Keine Ahnung. Ich kürze gleich mal ab und verweise:
ZitatPostings reflect the private opinion of posters and are not official positions of Psiram
Foreneinträge sind private Meinungen der Forenmitglieder und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung von Psiram

sailor

Ich lese die Worte, allein einen Sinn erkenne ich nicht...
Was will uns der Künstler mit

ZitatLäutet bei psiram durch die Verwendung des Schuldtransfers die Erkennungsglocke?
Das gute alte "Auf deine Wahrnehmung kommt es an"; es fühlt sich an wie früher.
Die Progressiven kochen auch nur mit reaktionärem Eso-Wasser.

sagen?

kimiuty

GNM-Experten und Homöpathie-Basher und keine Ahnung, was Schuldtransfer ist? Na gut.

Fette Leute sind dumm.
Grünen-Wähler sind krank im Kopf.
Schwule sind Kinderschänder.
Cis-Orientierte sind krankhaft heteronormativ.


Alles nicht als Beleidung gemeint! Das ist Humor, Eulenspiegelei! Progressiver Journalismus! /s

Und so funktioniert es:
Man sucht sich ein Attribut aus Artikel 3 des Grundgesetzes und bestimmt damit eine Gruppe, sagen wir "Frauen".
Dann denkt man sich eine abwertende Beschreibung aus. Z.B. "Bastard".
Fertig: Alle Frauen sind Bastarde.

Sollten sich Frauen davon beleidigt fühlen, also bitte, ihre Einstellung ist ja völlig falsch: einfach mal nicht beleidigt sein, denn an "AFAB" kann es ja nicht liegen.
Und wenn Germanische Neue Medizin nicht wirkt, muss der Patient auch über seine Einstellung und Bereitschaft zur Mitarbeit nachdenken, denn an der Methode kann es ja nicht liegen.

Das gemeinsame Vorgehen nennt sich Schuldtransfer, die Verlagerung der Schuld auf die Angegriffenen. Denn die Quelle des Angriffs ist über jeden Zweifel erhaben.
Aber bitte, man kann vor diese Analogie auch die Augen verschließen.

Sauropode

Den Mechanismus kenne ich, nur nicht diesen Begriff. Bin halt blöd.

Peiresc

Je mehr Du versuchst zu erklären, umso weniger begreife ich, was Du sagen willst. Ich bin sicher, dasses an mir liegt. Muss ich durch.

Zitat von: kimiuty am 31. Januar 2021, 18:31:08
Fette Leute sind dumm.
Grünen-Wähler sind krank im Kopf.
Schwule sind Kinderschänder.
Cis-Orientierte sind krankhaft heteronormativ.
Also  bitte. Wer sich von so was angegriffen fühlt, muss es darauf anlegen, sich angegriffen zu fühlen; es löst wahrscheinlich ein Glücksgefühl aus. Die Rechte ist darin in der Tat Meister, wobei die deutsche Rechte da noch eine Menge bei der amerikanischen lernen kann.

Damit will ich jetzt nicht gesagt haben, dass die Linke in solchen Sachen nur herumstümpert. Dir ist das Wort ,,Schuldtransfer" ja vertraut; ich musste erst gurgeln. In der ,,Jungen Welt" von 2007:
ZitatSchuldtransfer
Merkel vergleicht Iran mit Naziregime
Angela Merkel gefiel sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz als Wortführerin der westlichen Aggressionsgemeinschaft gegen den Iran. [...]
Obwohl: rechts und links verschwimmt ein bisschen, heute würde man vielleicht Querfront sagen. Die Trennlinien sind eher anders; mehr so senkrecht zu "rechts/links".

Zitat von: kimiuty am 31. Januar 2021, 18:31:08Aber bitte, man kann vor diese Analogie auch die Augen verschließen.
Definitiv.

kimiuty

Danke für die Antworten! Kein guter Start ins Thema, zugegeben, aber die Y. polarisiert so schön.


tl;dr: Intersektionalismus, Privilegientheorie, Critical Whiteness, Gender Studies - das sind keine Freunde des Positivismus, keine Freunde von Popper, keine Freunde der offenen Gesellschaft. Ganz im Gegenteil, für deren Vertreter ist Wissenschaft nur ein Narrativ. Nur Opfernarrative zählen. Die Welt wird ausgehend vom Marxismus-Leninismus nicht nur in Klassen eingeteilt, sondern erfährt mehr Einteilungen (race, gender, bodyism, uvm.).

Gemeinsam ist den Einteilungen die Binärsicht in Täter und Opfer: Die Welt ist ausschließlich durch Täter-Opfer-Beziehungen erklärt. Dass Menschen stets gleichzeitig Täter und Opfer sind oder diese Rollen annehmen / annehmen müssen, ist auch außerhalb dieser Sicht derart selbstverständlich, dass diese Weltsicht keinerlei zusätzliche Welterklärung bietet. Im Gegenteil, hier wird eine ultralinke (manche sagen auch ultrarechte) Ideologie verschleiert und als Wissenschaft getarnt.

Als wäre Marxismus-Leninismus nicht schon zweifelhaft genug, wird er durch Intersektionalismus völlig pervertiert. Oder ist es marxistisch, eine möglichst große Anzahl von Menschen zu Tätern zu erklären? Beispiel: "Alle Weißen sind Rassisten." Wäre diese Aussage operationalisiert und nicht rein ideologisch, könnte man sie untersuchen. Man würde z.B. feststellen, dass Menschen aller Hautfarben Vorbehalte gegenüber Fremden haben und dies differenzieren und dann vielleicht wirklich etwas spezifisch "Weißes" finden. Tatsächlich wurden ja schon solche Untersuchungen durchgeführt. Aber unvoreingenommene quantitative Analyse ist für eine Pseudowissenschaft wie Gender Studies, die nur Opfernarrative zählen lässt, nicht möglich. Da ist Marxismus-Leninismus noch richtig Wissenschaft dagegen. Man muss sich allerdings als Wissenschaftler unterwerfen, das ist die Gemeinsamkeit zwischen alt und neu.

Ende tl;dr


Man kann es sich aber auch einfach machen und feststellen, dass eine Aussage wie "Alle XY sind Rassisten" Bullshit sein muss. Wenn man allerdings Logik nur für ein weiteres - männliches - Täternarrativ hält, geht das natürlich nicht. Hört sich an wie Sarkasmus? Ist es leider nicht.

Und die Y.? Das ist nur eine bekannte Vertreterin dieses Kults in Deutschland. Man kann "ACAB" für nette linke mostly peaceful Folklore halten oder in seiner Totalität für das Hakenkreuz von Leuten, die sich für progressiv halten. Die Person Y. gehört zu letzteren.

Zum langjährigen psiram-Hobby: Man kann die deplorables in den USA shamen, dass sie so doof sind und Trump wählen. Wären die Intersektionalisten auch nur ansatzweise ehrbar, würden sie dabei intellectual und moral shaming entdecken, und eine Menge Opfernarrative noch dazu. Tun sie nicht, weil es sich um Weiße handelt, um Trump-Wähler, und das müssen immer Täter sein.

Ende ,,Rumgeopfer".


Wir haben nur noch wenige Jahre, bis der Mond aus grünem Käse besteht. Und psiram so?



Quellen:
- ,,Intersektionale Sozialforschung" von Kathrin Ganz, Jette Hausotter. transcript Verlag 2020.
- ,,Gender Studies. Wissenschaft oder Ideologie? Herausgegeben von Harald Schulze Eisentraut und Alexander Ulfig, DWV 2020, darin insb. ,,Gender Studies": Politische Ideologie statt Sozialwissenschaft von Heike Diefenbach, mit Vorsicht zu genießen, da nah an sciencefiles.org, aber eben sehr gut bequellt.   

celsus

Könntest du das bitte noch mal in zwei Sätzen zusammenfassen?
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Bachblüte

Zitat von: sailor am 31. Januar 2021, 11:54:17
Ich lese die Worte, allein einen Sinn erkenne ich nicht...
Was will uns der Künstler mit
(...)
sagen?
Danke.  :laugh:

Zitat von: kimiuty am 02. Februar 2021, 22:14:40
Wir haben nur noch wenige Jahre, bis der Mond aus grünem Käse besteht.

Aus was sollte er denn sonst bestehen?? 

Peiresc

Zitat von: kimiuty am 02. Februar 2021, 22:14:40
Intersektionalismus, Privilegientheorie, Critical Whiteness, Gender Studies

Ist Dir das im täglichen Leben schon mal begegnet? Ich kenne niemanden persönlich, der so drauf ist.

Dass die AfD darum kämpft, Halbnazis in die Innenausschüsse zu drücken, finde ich bedrohlicher.

Peiresc

Zitat von: kimiuty am 02. Februar 2021, 22:14:40Und psiram so?

https://blog.psiram.com/2016/10/psirama-der-psiram-wochenrueckblick-kw41-2016/ (Diskussion)
https://blog.psiram.com/2016/10/gender-studies-und-die-wissenschaft/
https://blog.psiram.com/2017/06/rechts-oder-links-wo-steht-die-wissenschaft/
https://blog.psiram.com/2017/08/ulrich-kutschera-ein-mann-sieht-rosa/
https://forum.psiram.com/index.php?topic=16701.0
https://blog.psiram.com/2018/01/wetoo-psiram-ist-dabei/

Peiresc

PS.
Zitat von: kimiuty am 02. Februar 2021, 22:14:40Zum langjährigen psiram-Hobby: Man kann die deplorables in den USA shamen, dass sie so doof sind und Trump wählen. Wären die Intersektionalisten auch nur ansatzweise ehrbar, würden sie dabei intellectual und moral shaming entdecken, und eine Menge Opfernarrative noch dazu. Tun sie nicht, weil es sich um Weiße handelt, um Trump-Wähler, und das müssen immer Täter sein.
Ich habe überlegt, was Du da genau im Sinn hattest, aber mir ist nichts eingefallen. Hast Du da mal ein Beispiel für dieses durch und durch unehrenhafte Vorgehen der Intersektionalisten?

Die Trump-Wähler können durchaus auch Opfer sein, keine Frage. Seth Cotlar hat kürzlich gemeint, es sei kein Zufall, dass die Hälfte der Werbespots bei Tucker Carlson völlig überteuerte Goldangebote und Schlangenöl verkaufen wollen. In unserem Amerika-Faden hatten wir noch ein paar andere Beispiele. Aber was haben die Intersektionalisten damit zu tun?

kimiuty

@all - danke für die Geduld, insbesondere nach meinem idiotischen ersten Beitrag. Auch wenn ich die Y nach wie vor saublöd finde.

Zusammenfassen - nein, kann ich nicht. Das große pdf zur Intersektionalen Sozialforschung, das ich an den dritten, schon etwas sinnvolleren, Beitrag gehängt habe, spricht für sich. Ich kann niemandem das Lesen ersparen. Auch wenn ich meine Eindrücke weiter unten darstelle.
Beispiele: ja, unten kommen noch gleich ein paar Beiträgen mit Textwänden.

Ja, dieses Beleidigtsein ist ein Kennzeichen der Rechten. Heißt das im Umkehrschluss, dass man Leute, die man für rechts hält, gar nicht als Gruppe beleidigen kann - gibt es überhaupt eine denkbare Beleidigung ? (das ist nur eine rhetorische Logikfrage)
Ja, dass die AfD Halb- und Vollnazis in Ausschüssen platzieren kann, ist - derzeit - noch schlimmer. Ich glaube aber nicht, dass man aufrechnen kann. Ich halte z.B. die identitätspolitische Kritik an der Zusammensetzung von Verfassungsgerichten für zersetzend, wenn den Gerichten unterstellt wird, sie würden Unrecht sprechen, weil die Richter das falsche Geschlecht haben (wer so ein Bild von unseren Gerichten hat, warum ist er nicht in der AfD?). 
Danke für die Blogverlinkungen, den Artikel zu Kutschera kannte ich nicht. Er hat sich nach einem noch irgendwie verständlichen Beginn immer tiefer reingeritten.
Und direkte Nachrichten aus der Szene, wie weiße Trump-Wähler (ich denke da stets an drogenabhängige Abgehängte, die so blöd sind, dass ihnen nur MAGA übrigbleibt) gedisst werden, habe ich tatsächlich nicht. M.W. gelten sie allerdings als privilegiert laut Privilegientheorie, was ihnen oder ihren Kindern den Zugang zu Colleges relativ erschwert. Die Privilegientheorie ist eine Ausprägung des Intersektionalismus (ohne Garantie, wie diese Schwurbelsoziologie tatsächlich tickt, wissen wahrscheinlich nur Eingeweihte, sorry, das ist MEINE Immunisierung ).

Ich versuche, mich der Polemik zu enthalten. Ich schreibe hier nicht, weil ich auch nur ansatzweise Spaß daran hätte. Ich schreibe – und das habe ich zu spät ernst genommen – weil ich psiram im Diskurs sehen möchte mit den bekannten Zielen und Waffen:
Verbraucherschutz. Popper. Daten und Fakten.
Wem hier nur Hohn einfällt, braucht wirklich nicht weiter zu lesen. Ich kann nicht ,,beweißen", dass ich mit meinen Einschätzungen richtig liege. Dafür ist das Thema einfach zu groß. Es wäre mir sogar lieb, wenn ich in allem Unrecht hätte - aber ganz ehrlich? - das pdf ,,Intersektionale Sozialforschung" hat dafür einen zu starken Eindruck hinterlassen. Wenn man sich nicht einlesen und verstehen will, bin ich der letzte, der dafür kein Verständnis aufbringen würde; diese Themen sind so abstoßend wie eine beliebige Sekte. 
Überzeugen geht nicht. Leider. Ich kann und will nur einen Weckruf loswerden. Wer nicht will, der hat schon.

Wo kann man denn etwas zum Themenkomplex erfahren, wo sich nicht gleich rechte Hater treffen? Mir sind aktuell leider nur Seiten bekannt, die sich vom Männerthema her nähern.
man-tau.com
- ein empfindsamer und intelligenter Mann, dessen Herz links schlägt, verzweifelt - fast. Empfehlenswert.
sabrinaseerose.wordpress.com/about/
- Transfrau, Sozialpsychologin, bloggt gegen ihre Identität aus LBGTQ-Sicht. Überraschend, eine Art Onkel Tom der Transfraktion.
allesevolution.wordpress.com
- Gemischte Qualität, darunter aber Vorstellung von Studien. Lesenswerte Kommentare z.B. von Anne Nühm (breakpoint), für Linksseinwollende von crumar. Restliche Kommentare oft blasenkonform zynisch-widerlich (ich lese dort keine Kommentare mehr).
genderama.blogspot.com
- Fast täglich schlechte Nachrichten mit verlinkten Quellen, kommentiert aufbereitet. Für Leute, die bei jedem Männerthema beleidigte Nazis mit Männerschnupfen schnelldiagnostizieren, komplett ungeeignet. Positiv: Keine Leserkommentare möglich.

kimiuty

psiram hat mit den Qualitätsmedien und ihrer tendenziösen und falschen Berichterstattung Erfahrung. Hüther, Regividerm, Anti-Roundup-Kampagne mit Fake-Fotos in der SZ, Seralini, Beschneidungsdebatte, und immer wieder Hüther. Sind diese Medien irgendwie besser geworden in den letzten Jahren? Nein!, nicht wegen Relotius, sondern wegen der ständigen Mischung aus Bericht und Wertung oder durch Meldungsselektion.

Ein Beispiel für die Meldungsselektion: Männer zwischen 60 und 70 sterben etwa dreimal häufiger an Corona – im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil in dieser Altersgruppe (Quelle: eigene Recherche beim rki vom 15.8.2020): wo findet man diese einfach zu belegende Aussage? Ich konnte diese Meldung in keinem Qualitätsmedium mit Reichweite entdecken, aber viel über die Belastung von Frauen, was nicht durch Zahlen belegt wird. Wenn sich Journalisten von Qualitätsmedien nicht des Rumgeopfers verdächtig machen dürfen, wäre umso mehr Bedarf an Klarheit in der Debatte - egal wie sich psiram beteiligt, es wird wertvoll sein!

Möchte es sich psiram leisten, die große Pseudowissenschaft Intersektionalismus/Gender Studies zu ignorieren?
- Nachdem die Anthroposophen, deren Saat auch im Intersektionalismus aufgeht (Individualismus statt evidence), ungestört weiter ihren Geschäften und ihrer Impfgegnerschaft nachgehen dürfen?
- Nachdem Milos Matuszeks Appell bei psiram keinen Effekt zeigte (oder habe ich da was verpasst)? Obwohl gerade psiram ein Interesse an Meinungsfreiheit haben sollte?
(rhetorische Fragen sind das).

- - - - Eine Pseudowissenschaft - - - -
Muss man Experte in Bullshit sein, um Bullshit zu beurteilen? Natürlich nicht, man muss kein Experte für Homöopathie, anthroposophische Medizin und Phytotherapie sein, um den Binnenkonsens kompetent zu kritisieren.  Man muss auch keine Aszendenten aufsagen können, um zu erkennen, dass Astrologie unwissenschaftlich ist.

Hier ist es ähnlich. Dass die verschiedenen Aufsplittungen verschiedene Namen tragen (Gender Studies, Identitätstheorie, Privilegientheorie, Intersektionalismus, plus Ausprägungen und Weiterungen) und man kein Experte darin ist, sie zu unterscheiden, darf nicht dazu führen, dass man sie nicht kritisieren darf. Dass ich alle diese Theorien verstehe, kann ich also wirklich nicht behaupten. Trotzdem: die Gemeinsamkeit all dieser Inhalte besteht
- in der Immunisierung gegen Kritik (Diffamierung der Kritiker ist Gold-Standard, noch der gutmenschigste taz-Leser ist bestenfalls eine beleidigte ,,sausage")
- in der Beweisführung: es werden in einem Zirkelschluss ausschließlich die Voraussetzungen bewiesen.
- in ihren konkreten Voraussetzungen: Ohne Marxist zu sein oder anerkanntes ,,Opfer" oder tatkräftig Bereuender, kann man nichts zur Wissenschaft beitragen, schon gar nicht kritisieren
- in der Theoriebildung: Wie löst der Intersektionalismus / Gender Studies das Problem der Unabhängigkeit vom Beobachter, vom observation bias? Gar nicht. Diese Forderung Popperscher Wissenschaft ist nicht mehr zeitgemäß. Hier wird einem perversen Subjektivismus gefrönt, und den ,,etablierten" Wissenschaften wird infamerweise vorgeworfen, sie würden Objektivität für sich in Anspruch nehmen. Nicht nur Popper dreht sich dabei im Grabe um.

Man könnte mit wenig Aufwand tabellarisch Homöopathie und Intersektionalismus nebeneinander stellen und überraschende Gemeinsamkeiten, aber auch unliebsame Differenzen herausfinden.
Man könnte sich dazu versteigen, dass die Antiwissenschaftlichkeit von Homöopathie et al. in den satten Staaten sogar den Boden bereitet hat für eine Theorie, die nach Popperschen Maßstäben grob unwissenschaftlich ist.  Und die auch gar nicht Wissenschaft sein will, sondern direkt die Welt verändern will (Quelle: pdf zur Intersektionalen Sozialforschung).

kimiuty

Das Ziel ,,Verbraucherschutz" wird verfolgt, um eine anerkannte gesellschaftliche Aufgabe auszufüllen. Ein Schutz vor Sekten, vor Unternehmen, Scams, Einzelpersonen und mehr soll durch Information und teilweise Beratung gewährleistet werden. Nicht Schutz vor dem Staat und seinen Organisationen ist das Mandat von psiram, ganz im Gegenteil ist psiram richtigerweise staatstragend. Nun ist es leider so, dass die gesellschaftlichen Änderungen, die nach dem Marsch der Intersektionalen durch die Institutionen zuerst beim Staat sichtbar werden. Erst in zweiter Linie schlagen die Phänomene dann bei den üblichen psiram-Tätern auf. Trotzdem gibt es bereits jetzt Beispiele, wo ,,Identitätspolitik" als wesentlicher Ausfluss des Intersektionalismus (insb. Einteilen von Menschen in Gruppen/Stände mit der absurden prähistorischen Idee, nur Betroffene könnten beraten und urteilen) Schaden anrichtet. Die vom Intersektionalismus anerkannten Opfergruppen haben ein Interesse, ihre Zahl zu erhöhen, um ihren Einfluss zu vergrößern. Z.B. würde die LGBTQ-Szene zu gern alleiniger Richter über alle Geschlechtsfragen sein, also die Szene, die Bi-Frauen in einer Hetero-Phase Verräterinnen schimpft.

1. Jugendämter haben es schwer, Kinder noch mehr
Wenn sich ein Kind mit 14 Jahren seiner geschlechtlichen Identität nicht sicher ist, ist dies zunächst keine sehr besondere Diagnose. Wenn es Leidensdruck verspürt, weil es lieber ein anderes Geschlecht annehmen würde, wird es schwierig und schnell bitter. Handelt es sich um eine vorübergehende Phase oder nicht? Schon immer empfunden oder modisch beeinflusst? Hat das Kind schon heimlich Hormone von ,,Freunden" genommen, die Einfluss auf sein Verhalten nehmen könnten?
Sowohl für das Kind als auch für die Trans-Fraktion von LBGTQ ist die Operation zur Geschlechtsumwandlung durchaus nicht das letzte Mittel. Sollte man dem Kind nicht in erster Linie Hilfe zukommen lassen, die auf Zeit spielt, als unveränderliche Tatsachen (ja, das Fortschreiten der Pubertät schafft ebenso Fakten, das ist eben das Schwierige) zu schaffen? Warum sollen Kinder ab 14 Pubertätsblocker bekommen dürfen, aber noch nicht sexuell selbstverantwortlich handeln dürfen?
Pubertätsblocker besitzen massive Folgen, und die Operationen zur Geschlechtsumwandlung sind auch kein Spaß. Ist nicht lebenslange Unfruchtbarkeit eine Folge? In GB tobt hierzu bereits ein handfester Skandal mit einer Klage eines voreilig operierten jungen Erwachsenen.

Aus identitätspolitischen Gründen gehören nun Angehörige der LGBTQ-Szene zu den Top-Beratern des Jugendamts, dabei können sie kaum unabhängig sein (vgl. Pfarrer in der Schwangerschaftsberatung). Das  Jugendamt weiß es leider nicht besser, es möchte ja schon auf Experten hören. Und so erhöht sich die Zahl der falschen Geschlechtsumwandlungen als mittelbare Folge der Identitätspolitik / des Intersektionalismus.
Wenn nun ein Kind falsch beraten wird, gibt es ein Anhalten, gibt es eine Bremse? Haben Eltern als ja eigentlich Erziehungsberechtigte eine Chance zu Eingreifen? Gibt es eine Öffentlichkeit? Gibt es unabhängige Informationen in einem wiki? Gibt es einen Platz, wo Kinder ihre Zweifel (und sei es für die Freundin oder den Freund) loswerden können, wo sich Eltern verstanden fühlen, wenn sie den Eindruck gewinnen, es mit einer Sekte zu tun zu haben, das Kind zu verlieren? Was würde Ralf Behrmann tun (ich habe nicht den blassesten, aber das wäre mal eine Frage!)?