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Videoballerei und Massenmord

Begonnen von Peiresc, 08. März 2018, 13:48:02

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Peiresc

In den USA gibt es bekanntlich ein Problem mit Schusswaffen. Immer anlässlich von Massenmorden kocht es hoch. Ein wesentlicher Teil des Problems besteht darin, dass ein mächtiger Verein der Ansicht ist, mit Schusswaffen herumzuballern ist das wichtigste Menschenrecht überhaupt, und das 2nd Amendment ist der Kern der amerikanischen Verfassung.

Es muss also andere Lösungen für das Problem geben, als die Verfügbarkeit von Schusswaffen einzuschränken. Von außerhalb der Landesgrenzen sieht das wie die Quadratur des Kreises aus - aber nicht von innen. Lehrer bewaffnen, Verrückte einsperren, was auch immer. Im Zuge solcher Lösungen erwärmt sich der Präsident gegen gewaltverherrlichende Videospiele.

Es gibt nur eine Kleinigkeit, die dem Aktionismus entgegensteht: die Evidenz scheint anders zu sein.
https://apnews.com/1bebc3d683b3430f940d58c20828fbb1/Trump-reopens-a-seemingly-settled-video-game-debate

Ich kann mich gar nicht entsinnen, dass wir darüber schon mal diskutiert hätten.

RainerO

Dass Videoballerei keine Amokläufer produziert, ist ja nichts Neues.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcom.12129/full

Und dass der Trottel im Weißen Haus davon nichts weiß, oder wissen will, verwundert mich gar nicht.
Frühere Amokläufer haben alle Shooter gespielt. Aber daraus zu schließen, dass Shooter spielen
Amokläufer hervorbringt, ist einfach unzulässig.

Typee

Zitat von: RainerO am 08. März 2018, 17:22:01
Dass Videoballerei keine Amokläufer produziert, ist ja nichts Neues.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcom.12129/full

Und dass der Trottel im Weißen Haus davon nichts weiß, oder wissen will, verwundert mich gar nicht.
Frühere Amokläufer haben alle Shooter gespielt. Aber daraus zu schließen, dass Shooter spielen
Amokläufer hervorbringt, ist einfach unzulässig.

Wissen interessiert ihn prinzipiell nicht. Warum sollte es hier anders sein?
Wer den Zufall nicht ehrt, ist der Kausalität nicht wert.

Scipio

Zitat von: RainerO am 08. März 2018, 17:22:01
Dass Videoballerei keine Amokläufer produziert, ist ja nichts Neues.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcom.12129/full

Und dass der Trottel im Weißen Haus davon nichts weiß, oder wissen will, verwundert mich gar nicht.
Frühere Amokläufer haben alle Shooter gespielt. Aber daraus zu schließen, dass Shooter spielen
Amokläufer hervorbringt, ist einfach unzulässig.

Japp! Das geht ja schon deswegen nicht auf, weil wesentlich mehr Leute Shooter spielen als es Amokläufer gibt.

celsus

Zitat von: Scipio am 08. März 2018, 22:42:47
Japp! Das geht ja schon deswegen nicht auf, weil wesentlich mehr Leute Shooter spielen als es Amokläufer gibt.

Hm, das Argument könnte nach hinten losgehen, weil es ja auch wesentlich mehr Waffenbesitzer als Amokläufer gibt ... ;)

Es geht ja darum, Abhängigkeiten zu finden oder Zusammenhänge. Was macht jemanden zum Amokläufer? Computerspiele? Waffen? Schlechtes Frühstück? Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation? Oder vielleicht Mobbing, Aussichtslosigkeit, Nachahmung, Minderwertigkeitskomplexe .... keine Ahnung. Aber eines wird deutlich: Wer vorschnell irgendwas zur alleinigen Ursache erklärt, liegt höchstwahrscheinlich total falsch und richtet damit eher Schaden an als an einer Lösung zu arbeiten.
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Sauropode

ZitatOder vielleicht Mobbing, Aussichtslosigkeit, Nachahmung, Minderwertigkeitskomplexe .

Auch das allein nicht, sonst gäbe es wesentlich mehr Vorfälle.

celsus

Zitat von: Sauropode am 09. März 2018, 06:36:58
Auch das allein nicht, sonst gäbe es wesentlich mehr Vorfälle.

Eben.

Zitat von: celsus am 08. März 2018, 23:15:38Wer vorschnell irgendwas zur alleinigen Ursache erklärt, liegt höchstwahrscheinlich total falsch ...
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Peiresc

Dieser Text war in irgendeiner Spitzer-Kritik verlinkt:
Zitat9. Mythos Aggressives Erleben und Verhalten durch gewalthaltige Computerspiele

Die Debatte um den Einfluss von gewalthaltigen Computerspielen auf aggressives Erleben und Verhalten wird aktuell intensiv geführt (Anderson et al., 2010; Greitemeier & Mügge, 2014; Ferguson, 2013; Ferguson & Kilburn, 2009). Auf der Basis meta-analytischer Befunde lässt sich unseres Erachtens aktuell ein hinreichend gesicherter Einfluss von gewalthaltigen Medien auf diverse Labormaße und Selbstbeschreibungen konstatieren. Ein Vergleich mit Rauchen, Lungenkrebs und Mortalität – mit dem Ziel kleine Effektstärken (Cohen, 1988) argumentativ mit Gewicht zu versehen – hat für uns einen zynischen Beigeschmack und erscheint uns daher unangemessen.

Appel, M. & Schreiner, C. (2015). Leben in einer digitalen Welt: Wissenschaftliche Befundlage und problematische Fehlschlüsse. Stellungnahme zur Erwiderung von Spitzer (2015). Psychologische Rundschau, 66, 119-123