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Autor Thema: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik  (Gelesen 14977 mal)

F. A. Mesmer

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #15 am: 15. Mai 2014, 22:19:06 »
... wobei ich in diesem Faden nicht unbedingt über Gert Postel diskutieren wollte, sondern eben über die Kritik der Antipsychiatrie. Jedenfalls scheint mir die Position von G.P. mit der von stimmviech vergleichbar zu sein. Ihre Vorwürfe sind übrigens nicht sonderlich neu und wurden bereits von E. Goffman vorgebracht, in:
Zitat
Asylums. Essays on the Social Situation of Mental Patients and other Inmates. Chicago 1961

    deutsch: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973

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pelacani

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #16 am: 15. Mai 2014, 22:27:45 »
Wenn es auch geografisch und zeitlich etwas näher dran sein darf, hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Psychiatrie-Enqu%C3%AAte

F. A. Mesmer

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #17 am: 15. Mai 2014, 23:10:37 »
danke für die Lektüre, zum Schmökern habe ich nichts gefunden, der Abend ist also gerettet.  :kaffee

bisher kann ich allerdings nicht erkennen, wie weit die Psychiatrie-Enquete an der Psychiatrie herummäkelt, soweit ich das sehe, gehts um die psychiatrische Infrastruktur.
Goffman selbst kritisiert zwar die auch die Struktur, allerdings eben auch deutlich die Psychiatrie selbst. Ein Beispiel:
Zitat
„Hinzu kommt, daß, während das psychiatrische Wissen den Psychiater häufig nicht zu konkreten Voraussagen über das Verhalten des Patienten befähigt, dieselbe Unwissenheit ihm einen breiten Interpretationsspielraum bietet. Durch post hoc getroffene Modifikationen und Einschränkungen seiner Analyse kann der Psychiater ein Bild von der Entwicklung des Patienten konstruieren, welches kaum leichter zu widerlegen als zu beweisen ist, so z. B. wenn ein unerwarteter psychotischer Schub so interpretiert wird, als fühle der Patient sich nunmehr sicher und stark genug, um seine Psychose auszudrücken. Diese unerschütterliche Autorität wird durch die aus medizinischer Tradition resultierende Macht des Psychiaters ergänzt: nämlich durch die `klinische Erfahrung´. Diese magische Qualität spricht jener formal legitimierten Person, welche die längste Erfahrung mit der in Rede stehenden Art von Fällen hat, im Zweifelsfall oder bei geteilten Meinungen das letzte Wort zu, und diese Person ist meist der dienstälteste anwesende Psychiater.“
Erving Goffman: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. 1973. S. 352.

sweeper

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #18 am: 15. Mai 2014, 23:15:22 »
@Frh v Mesmer: Wie wäre es damit, dein Anliegen etwas zu präzisieren?

Da du die Psychosen erwähnst:
das ist in etwa der Wissensstand von 2011, also 40 Jahre nach deiner Quelle..., - zusammengefasst vom aktuellen "Dienstältesten" der Schizophrenieforschung:


https://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/dokumente/dgppn-veranstaltungen/2011-06-16-hs-wissenschaftsjahr/praesentationsfolien-hs10-falkai.pdf


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Terry Pratchett

pelacani

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #19 am: 15. Mai 2014, 23:40:50 »
@ F. A. Mesmer

Diese Art von Psychiatrie-Kritik, die Du da von Goffman einspielst, ist völlig witzlos. Erstens hat er nicht ganz recht und zweitens, wichtiger: und nun?

Nenne konkrete Missstände, und wir können überlegen, ob es Möglichkeiten gibt, sie zu überwinden.

F. A. Mesmer

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #20 am: 15. Mai 2014, 23:43:10 »
Ich weiß, dass Goffman da etwas länger her ist. Die Kritik, die er damals vorgebracht hat, die damals vielleicht sogar zutraf, ist seither ein Wiedergänger seltsamster Verkünder geworden.

Guter Vorschlag. Versuch macht kluch.

Nimmt man Antipsychiatrie in gröbster Körnung, verstehe ich die wie folgt (Achtung, sehr grob):
Psychiatrie entbehrt wissenschaftlicher Grundlage, Krankheitsbilder sind konstruierte Zuschreibungen deren Wirkung auf einem Konglomerat aus Senderstatus und fachsprachlicher Botschaftsform beruht. Psychiatrie besteht aus Hochstaplern und weil sie selbst auf Kooperation zwecks ihres Blendwerks angewiesen sind, gut mit der Hochstapelei/Schauspielerei von Patienten oder Infiltratoren kooperieren.
Letztlich eine Kunst und keine Wissenschaft. Und der olle Mesmer tingelt von Stadt zu Stadt und spielt seine Heilungsshows.
Wer sich dem Zirkus verweigert gilt als auffällig, wird pathologisiert und von der Straße weggeschnappt. Wenn ihn die Ambulanz schnappt, wird er in ein besonderes Krankenhaus gefahren und dort mehrfach ausgeweidet. Wenn es die Psychiatrie ist, gibts zwangsweise Medikamente und Fixierung, bei Wohlverhalten rosa Flamingos und Damespiel. Ggf. kommen noch sadistische Experimente und Vergewaltigung durch Ärzte und/oder Pfleger.


soviel zum groben Narrativ.
Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, wie unsinnig so eine Erzählung ist und das ist sie durchaus. Ebensowenig möchte ich Arbeitszeit oder Energie sinnlos an so ein Thema binden.

Wie im Eingangspost angedeutet, es scheint doch sinnig zu überlegen, wie soetwas begegnet werden kann. Ignorieren oder als Spinnerei abtun, gerne pathologisiert, wirkt auf Antipsychiatrieseite ideologiebestätigend. Insgesamt ungut.

So gesehen also das ganz normale Kerngeschäft hier: Diskutieren mit Cranks. (und wenn nur, damit andere, die das mitbekommen, nicht selbst zu Cranks werden, weil die unterkomplexen Argumentationsimitate der Cranks so unglaublich pseudologisch eingängig sind.

Weil, ich durfte schon sehr aussergewöhnlichen Menschen begegnen. Mit außergewöhnlichen kognitiven Begabungen, besonderer Phantasie und Vielem mehr.
Seitdem schaue ich öfters mal hinter mich, wenn ich unterwegs bin.  8)


pelacani

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #21 am: 15. Mai 2014, 23:47:00 »
es scheint doch sinnig zu überlegen, wie soetwas begegnet werden kann.

Wenn Leute entschlossen sind, an solchen Quark zu glauben, dann wirst Du es ihnen nicht ausreden können.

F. A. Mesmer

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #22 am: 15. Mai 2014, 23:52:09 »
es scheint doch sinnig zu überlegen, wie soetwas begegnet werden kann.

Wenn Leute entschlossen sind, an solchen Quark zu glauben, dann wirst Du es ihnen nicht ausreden können.
weiß ich. reicht mir aber nicht.

sweeper

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #23 am: 15. Mai 2014, 23:53:11 »
@Frh v Mesmer:

Das beste Beispiel ist er hier:

http://pflasterritzenflora.ppsk.de/neuro-psychotherapie/

Er liest keine Quellen (in diesem Fall Klaus Grawe), greift aber den Buchtitel auf und fabuliert wortreich drauflos, verfehlt dabei aber ganz weit das Thema (was nur beurteilen kann, wer Grawes "Neuropsychotherapie" auch gelesen hat).

Da geht jedes Argument ins Leere.
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pelacani

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #24 am: 15. Mai 2014, 23:54:43 »
es scheint doch sinnig zu überlegen, wie soetwas begegnet werden kann.

Wenn Leute entschlossen sind, an solchen Quark zu glauben, dann wirst Du es ihnen nicht ausreden können.
weiß ich. reicht mir aber nicht.
Ich hoffe, Du kannst trotzdem abends einschlafen.

sweeper

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #25 am: 15. Mai 2014, 23:56:11 »
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F. A. Mesmer

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #26 am: 15. Mai 2014, 23:57:27 »
es scheint doch sinnig zu überlegen, wie soetwas begegnet werden kann.

Wenn Leute entschlossen sind, an solchen Quark zu glauben, dann wirst Du es ihnen nicht ausreden können.
weiß ich. reicht mir aber nicht.
Ich hoffe, Du kannst trotzdem abends einschlafen.
bestens. ich bin nur aufmerksamer. ist bei den vielen autos und so ohnehin eine sinnige eigenschaft, da schadet es nicht, auch mal zu gucken, wer so drumherum steht oder geht. manchmal gibts auch was zu sehen.  ;)

F. A. Mesmer

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #27 am: 15. Mai 2014, 23:59:45 »
@Frh v Mesmer:

Das beste Beispiel ist er hier:

http://pflasterritzenflora.ppsk.de/neuro-psychotherapie/

Er liest keine Quellen (in diesem Fall Klaus Grawe), greift aber den Buchtitel auf und fabuliert wortreich drauflos, verfehlt dabei aber ganz weit das Thema (was nur beurteilen kann, wer Grawes "Neuropsychotherapie" auch gelesen hat).

Da geht jedes Argument ins Leere.
Oder hier:

"zur Kritik der Psychiatrie-Kritik"

http://pflasterritzenflora.ppsk.de/zur-kritik-der-psychiatriekritik/
den kannte ich noch nicht. leute gibts.  :crazy
jedenfalls habe ich die antipsychiatrie-erzählung ganz gut getroffen

sweeper

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #28 am: 16. Mai 2014, 00:03:03 »
@Frh v Mesmer: Gerade ist sein Lieblings- Buch auf Amazon erschienen. Er ist ständig am Rezensionen und Zitate twittern ... Alles auf Englisch.

https://kindle.amazon.com/post/jJj_V9a8Qq-80UjGdvwDqw
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F. A. Mesmer

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Re: Antipsychiatrie/Psychiatriekritik
« Antwort #29 am: 16. Mai 2014, 00:10:38 »
@Frh v Mesmer: Gerade ist sein Lieblings- Buch auf Amazon erschienen. Er ist ständig am Rezensionen und Zitate twittern ... Alles auf Englisch.

https://kindle.amazon.com/post/jJj_V9a8Qq-80UjGdvwDqw
aber wozu?
seine blogeinträge entbehren jedweder quellenverweise. prosa. dafür habe ich keine zeit.