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Autor Thema: causa "Mollath" - quam causa?  (Gelesen 6210 mal)

ajki

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causa "Mollath" - quam causa?
« am: 03. Mai 2014, 15:32:13 »
Der Fall "Mollath" hat die Öffentlichkeit "erregt" und wird wohl sowohl in die Rechtsgeschichte (und Psychiatriegeschichte?) eingehen als auch in öffentlichen Diskussionen (aller Art) als Mem für ... irgendwas? ... erhalten bleiben. Die vielfältigen (?) Themen im Zusammenhang haben auch im Psiram-Blog, -Forum und wahrscheinlich auch im -Wiki diverse Niederschläge gefunden. Die Blog- und Foren-Kommentare sind mittlerweile jenseits von "Legion", wobei ich persönlich direkt und offen eingestehe, dass ich sie noch nicht einmal "richtig" verfolgt habe, als die (braune?) Masse richtig dampfte. Auch in der seitdem vergangenen Zeit habe ich in die diversen Kommentare nur ganz gelegentlich kursorisch reingelinst. Mein Erst- und Folgeeindruck war, dass es einige Aktive und/oder Halbaktive hier gibt, für die das Thema "Mollath" aus (unterschiedlichen?) Gründen relevant und interessant war/ist.

Was ich insgesamt nicht begreife ist, was eigentlich aus der nicht existenten "Psiram"-Perspektive heraus insgesamt gesehen der Knackpunkt, die Problemlage, das "Schlimme"(TM), das "Böse"(TM), die gelbe Gefahr etc. pp. ... eigentlich ist. Gut, da gibt es die allgemeinen Querulanten, die auch hierbei als Wutbürger in Erscheinung treten und schon von Haus aus auch auf anderen Feldern im Blickfeld stehen - bei denen ist es aber so, dass jedes Hype-Thema, das auch immer man sich ausdenken könnte und so abseitig es auch wäre, bei solchen Typen jedes Mal zuverlässig Schaum vor dem Mund produziert; es ist insofern nicht wirklich "auffälliger" als die ohnehin gegebene Auffälligkeit. Dann gibt's da sicher diese ewige/endlose "Antipsychiatrie"-Diskussion, auf die gewiss einige hier aus beruflichen oder Interesse-Gründen allergisch reagieren - das Problem dabei ist, dass jeder "Fall" (welcher auch immer und also auch der "Fall: Mollath") immer nur ein Einzelfall ist (und bleibt), aus dem heraus zwar wirre Erregungsbücher resultieren, aber wenig allgemein verwertbare Substanz heraus kommt (?) (kommen kann?). Wahrscheinlich gibt es auch noch andere Motive / Ursachen, aus denen heraus die Diskussion(en) geführt wird - ich habe wie gesagt vieles nicht wirklich gelesen / verstanden.

Auf jeden Fall ist der Fall "hier" derzeit so, dass es zigtausend verschiedene wilde Diskussions- und Beobachtungsaktivitäten gab/gibt, die im Gesamtzusammenhang (mir) komplett undurchschaubar sind, wenn man nicht ganze Lebenswochen mit der Aufarbeitung verschwenden will.

Meine Bitte: könnte vielleicht einer der Diskutanten / Interessierten / Beteiligten / Schuldigen sich mal hinsetzen und versuchen, einen groben, dafür aber kurzen Abriss über den "Stand der Dinge" (soweit diese Plattform betroffen war/ist) zusammen zu klöppeln?

Das wäre nett!

wenn ja: dieser Post kann gelöscht werden
wenn nein: dieser Post kann gelöscht werden ;-)
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sweeper

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #1 am: 03. Mai 2014, 15:41:15 »
Fällt wohl am ehesten unter die Kategorie kollektive Verschwörungstheorien.
Die Causa M. scheint für diverse Kreise und Internetpräsenzen eine Art Katalysator zu sein.

Zur Psychiatrie, Forensik, ggfs. fälligen Reformen wird derzeit im @stimmviech-Faden diskutiert. Da spielt G.M. nur eine untergeordnete Rolle - man könnte ebenso auch Breivik als Beispiel nehmen.
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pelacani

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #2 am: 03. Mai 2014, 16:17:49 »
Meine Bitte: könnte vielleicht einer der Diskutanten / Interessierten / Beteiligten / Schuldigen sich mal hinsetzen und versuchen, einen groben, dafür aber kurzen Abriss über den "Stand der Dinge" (soweit diese Plattform betroffen war/ist) zusammen zu klöppeln?

 :ohnmacht:
Die harten Fakten sind, in Kurzform:

Gustl Mollath wurde am 8. August 2006 durch das Landgericht Nürnberg-Fürth wegen gefährlicher Körperverletzung u. a. zur Unterbringung im Maßregelvollzug verurteilt. Im Urteil wird das forensisch-psychiatrische Gutachten zitiert, in dem eine wahnhafte Störung, IDC 10: F22 (d. i. Querulantenwahn), diagnostiziert wird. Pikanterweise stellten sich einige Beschuldigungen Mollaths, der seine (Ex-)Ehefrau der Geldverschiebung ins Ausland bezichtigt hatte, als zutreffend heraus. Dies, zusammen mit einer Reihe von mutmaßlichen Verfahrensfehlern, führte schließlich zu einem Wiederaufnahmeantrag der Staatsanwaltschaft am 18. März 2013, zu einem Untersuchungsausschuss im Bayrischen Landtag etc. pp. Am 06.08.2013 ordnete das OLG Nürnberg die Wiederaufnahme des Falls an. Die Verhandlung ist für Juli 2014 vorgesehen.

Schlötterer, Wahn und Willkür,  S. 319f, berichtet von seinem ersten Besuch bei Mollath im Maßregelvollzug im Februar 2011 und hält als Fazit fest:
Zitat
Nachdem wir die mehrfachen Sicherheitsschleusen wieder passiert hatten, stand für uns alle fest: Hier wurde ein völlig normaler Mensch durch einen brutalen Willkürakt in der Psychiatrie gefangen gehalten - allein wegen seines gefährlichen Wissens um die Schwarzgeldverschiebungen. Wir waren erschüttert und sahen uns aufgerufen, alles ins Werk zu setzen, um die Freilassung dieses Mannes zu erreichen.
Das ist (oder vielmehr war) die Grundthese; ein Aufreger. Sie hat geradezu etwas Sinnliches, Palpables, etwas von unmittelbar einleuchtender Evidenz. Bei der Inspektion aller Einzelheiten stellt sich aber heraus, dass sie falsch ist (und ich bin einigermaßen sicher, dass sie im Wiederaufnahmeverfahren nicht bestätigt werden wird; alle Indizien sprechen dagegen).

Die weiteren Entwicklungen wurden bei uns ausführlich kommentiert, solange die Diskutanten und Mitleser die Schnauze noch nicht gestrichen voll davon hatten. Einen strukturierten Einstieg in die Einzelheiten findest Du hier.
http://forum.psiram.com/index.php?topic=11591.msg149946#msg149946

Feel free!
 :teufel

F. A. Mesmer

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #3 am: 03. Mai 2014, 17:24:49 »
ich finde es faszinierend, wie G:M sich stilisiert. Seine Selbstdarstellung ist Jesus-like und vergleichbar finden sich eifrige HelferInnen und Gläubige, die tatsächlich jedes noch so zweifelhafte Blöken als wegweisende Programmrede interpretieren, in vorauseilendem Gehorsam ihm/oder seiner Sache Gutes tun wollen, Geld sammeln usw.
G:M versemmelt es jedes einzelne mal, überwirft sich im Akkord mit seinen Followern, dennoch bleiben erstaunlich viele ihrem Idol treu/hörig.
Krasse Gruppendynamik und ein schönes Beispiel, wie leicht Wahn ansteckend sein kann, auch durch das Internet, auch für akademisch gebildete Leute wie staatsanwälte a.D., usw., auch heute noch.

edit: ich warte ja nur darauf, bis es endlich sexgerüchte gibt, sexuell enttäuschte groupies, vorwürfe jedweder art usw.

sweeper

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #4 am: 03. Mai 2014, 17:31:07 »
Mich fasziniert diese Taktik, wie er jeder konkreten Frage ausweicht, indem er mit "Wissen Sie,..." und einem süffisanten Lächeln den perplexen Interviewpartner der Unwissenheit überführt, um sodann seine Sicht der Gesellschaft im Allgemeinen darzulegen.
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Terry Pratchett

Groucho

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #5 am: 03. Mai 2014, 18:20:33 »
Der Fall "Mollath" hat die Öffentlichkeit "erregt" und wird wohl sowohl in die Rechtsgeschichte (und Psychiatriegeschichte?) eingehen als auch in öffentlichen Diskussionen (aller Art) als Mem für ... irgendwas? ... erhalten bleiben.

Massenhysterie? Wie man dazu heutzutage korrekt sagt, weiß ich nicht.

Zitat
Was ich insgesamt nicht begreife ist, was eigentlich aus der nicht existenten "Psiram"-Perspektive heraus insgesamt gesehen der Knackpunkt, die Problemlage, das "Schlimme"(TM), das "Böse"(TM), die gelbe Gefahr etc. pp. ... eigentlich ist.
[...]
Wahrscheinlich gibt es auch noch andere Motive / Ursachen, aus denen heraus die Diskussion(en) geführt wird - ich habe wie gesagt vieles nicht wirklich gelesen / verstanden.
[...]
Auf jeden Fall ist der Fall "hier" derzeit so, dass es zigtausend verschiedene wilde Diskussions- und Beobachtungsaktivitäten gab/gibt, die im Gesamtzusammenhang (mir) komplett undurchschaubar sind, wenn man nicht ganze Lebenswochen mit der Aufarbeitung verschwenden will.

Meine einfache Sicht: Das Faszinierende an dem Fall ist sowas ähnliches wie eine seltene Planetenkonstellation, wenn z.B. alle "in einer Reihe" stehen. Das Konglomerat der Protagonisten vereint, dass sie allesamt in der Öffentlichkeit einen eher schlechten Ruf haben: DIE Banken (mit Schwarzgeschäften), DIE Psychiatrie ("Einer flog über's Kuckucksnest"), DIE Justiz (Fehlurteile etc.), DIE Politik (auch noch in Bayern, eh alles ein Klüngel). Dem gegenüber steht ein einsamer, ruhiger, bescheidener, vernünftig wirkender Mann, der nur den Weltfrieden will, der Gedanke an Figuren wie Robin Hood ist unmittelbar.

Diese Melange erzeugt beim oberflächlichen Betrachter sofort die spontane Illusion, die Sache komplett zu durchschauen. Das hat eine dermaßen unmittelbare Überzeugungskraft, dass man tatsächlich sich fast zwingen muss, neutral an die Sache ranzugehen, was anscheinend den Wenigsten gelingt - Sieger und Verlierer, Gut und Böse stehen wie in Beton gegossen von vorneherein fest.

Dass Mollath, um es salopp zu sagen, wohl tatsächlich einen an der Murmel hat (Harald Schmidt hat ihm im TV Zeichen gegeben), der Richter vielleicht etwas schlampig (Angesichts Mollaths etxtrem nervigen verhaltens irgendwie nachvollziehbar), aber letztlich doch korrekt gearbeitet hat, Mollaths Frau vielleicht moralisch nicht ganz einwandfreie, aber juristisch nicht zu belangende Dinge verwickelt war, den forensischen Gutachtern aufgrund der nicht vorhandenen Kooperationsbereitschaft Mollaths nichts anderes übrig blieb, als sich auf alte Gutachten zu stützen (So kann sich an der Fortdauer der Unterbringung selbstredend nichts ändern) - all das wird ausgeblendet. Nicht zuletzt wird der Fall von einer Schaar profilierungssüchtiger Netzbewohner als willkommenes Fressen aufgegriffen und ist längst einer kaum mehr beherrschbaren Eigendynamik gewichen.

All dies ist, solange man sich nicht selber reinziehen lässt, eine äußerst lehrreiche Veranstaltung, die man mit Faszination beobachten kann.
"Ich bin gerne langsamer, dann erwische ich den Hasen, bevor er weg rennt. " (D.I.W.)

sweeper

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #6 am: 03. Mai 2014, 18:38:15 »
Verblüffend war ja auch dieses Phänomen, dass man die offiziell erwünschte Story nicht anzweifeln durfte. Das gab ja ein Riesentheater - in sämtlichen Kommentarspalten wanderten die Pro-Mollath-Aktivisten ein und bedeuteten den Zweiflern ihre abgrundtiefe Unwissenheit und Blauäugigkeit.

Journalisten wurden bekübelt, und auch im Psiram-Blog boxte quasi der Papst.
So was macht mich natürlich neugierig, weshalb ein derartiger Aufwand getrieben wurde.
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Terry Pratchett

stimmviech

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #7 am: 03. Mai 2014, 18:55:25 »
Der " Wahn" von Mollath- zu Lasten Kunden tricksender Banken,Lehman-Papiere- wird heute von abstiegbedrohten Mittelschichtlern geteilt. Der Mollath kommuniziert sehr überzeugt und damit überzeugend, daß bei Kritik an diesen Vermögensvernichtungen Psychiatrie droht. Die Leute wissen wohl, daß das nicht ganz stimmt. Spüren aber, daß sie der Staatsmacht Druck machen können, und lassen deshalb jegliche Differenzierung weg.

pelacani

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #8 am: 03. Mai 2014, 19:00:43 »
Der " Wahn" von Mollath
Bezüglich der Anführungszeichen verweise ich insbesondere auf die lange Diskussion bei Zettels Raum.

sweeper

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #9 am: 03. Mai 2014, 19:13:43 »
Der " Wahn" von Mollath
Bezüglich der Anführungszeichen verweise ich insbesondere auf die lange Diskussion bei Zettels Raum.
Das Stichwort von den Geldverlusten der Mittelschicht war aber grad ein Augenöffner für mich:
zuerst der Crash nach 9/11, dann die Lehman Pleite - das waren per se schon "irrationale Bedrohungs-Erfahrungen", die bei den Betroffenen ein Grundgefühl des Ausgeliefertseins erzeugt haben. Und dann will jemand wie G:M etwas Wichtiges entdeckt haben und wird scheinbar zum Schweigen gebracht.
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Terry Pratchett

F. A. Mesmer

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #10 am: 03. Mai 2014, 19:29:03 »
...Ausgeliefertseins erzeugt haben. Und dann will jemand wie G:M etwas  ...
fortschrittliche schreibweise wohlwollend zur kenntnis genommen.

ErpelderNacht

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #11 am: 04. Mai 2014, 13:33:34 »
Der " Wahn" von Mollath
Bezüglich der Anführungszeichen verweise ich insbesondere auf die lange Diskussion bei Zettels Raum.
Das Stichwort von den Geldverlusten der Mittelschicht war aber grad ein Augenöffner für mich:
zuerst der Crash nach 9/11, dann die Lehman Pleite - das waren per se schon "irrationale Bedrohungs-Erfahrungen", die bei den Betroffenen ein Grundgefühl des Ausgeliefertseins erzeugt haben. Und dann will jemand wie G:M etwas Wichtiges entdeckt haben und wird scheinbar zum Schweigen gebracht.

Die Angst vor einem in die Willkür entgleitenden System, der man ausgeliefert ist, hier der Mix aus Rechtssystem und forensischer Psychiatrie, das reicht völlig aus.

Das hatten wir schonmal thematisiert:
http://blog.psiram.com/2013/07/causa-mollath-verschworung-oder-wahn/#comment-26165

Im übrigen liest sich der gesamte Mollath-Fall wie ein Krimi.
Zutaten: Eine Bank, viel Geld, eine hinterfotzige Ehegattin verschiebt Schwarzgeld, der Gatte geht dagegen vor, und sie zusammen mit einer korrupte Verschwörung eines mächtigen Kreises aus Bankern, rechtsbeugenden Richtern, gierigen Bankern und mehr oder minder ahnungslosen oder unter einer Decke steckenden Psychiatern versucht den Mann mundtot zu machen.

Auflösung im August...

....im übrigen finde ich es schade, daß der Stimmviech-Faden in den Spam verschoben wurde.

F. A. Mesmer

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #12 am: 04. Mai 2014, 14:45:14 »
Im übrigen liest sich der gesamte Mollath-Fall wie ein Krimi.
Zutaten: Eine Bank, viel Geld, eine hinterfotzige Ehegattin verschiebt Schwarzgeld, der Psycho-Gatte geht selbstherrlich dagegen vor, und sie zusammen mit einer korrupte Verschwörung eines mächtigen Kreises aus Bankern, rechtsbeugenden Richtern, gierigen Bankern und mehr oder minder ahnungslosen oder unter einer Decke steckenden Psychiatern versucht den Mann mundtot zu machen.

Auflösung im August...
fixed
....im übrigen finde ich es schade, daß der Stimmviech-Faden in den Spam verschoben und geschlossen wurde.
fixed
;)

ajki

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #13 am: 04. Mai 2014, 17:01:46 »
Naklar, dieser Einzelfall war/ist interessant zu beobachten - und ganz gewiss betrifft er auch einige Leute hinsichtlich ganz direkter Betroffenheit in ihren ureigenen Interessengebieten (sei es als beruflich im psychologisch/psychiatrischen Dienst Befindliche oder natürlich auch als Klienten von Einrichtungen). Es wundert mich daher nicht, dass der Fall groß thematisiert wurde quer über alle möglichen Blogs, Foren und Kommentarfelder von Medien. Und das jedes Hype-Thema sich unweigerlich heutzutags auch in schnell veröffentlichten Auswerte-Büchern, -Artikeln und sonstigen medialen Produkten wiederfindet, ist der Verwertbarkeit geschuldet, die jedem dieser Erregungsereignisse sozusagen automatisch zukommt.

In einigen Fachdisziplinen mag der Fall sogar (vielleicht) Anlass geben, irgendwelche weiterreichenden Schlüsse oder Änderungsvorhaben zu betrachten (gegenüber einem Zeitraum "vor Mollath") - wobei Fachdiskussionen ganz allgemein völlig separat von den öffentlichen Erregungsdebatten verlaufen und besten-/schlimmstenfalls (und gottseidank!) zufällig miteinander zu tun haben.

Mein "Wundern" über die anhaltende Thematisierung auf Psiram wird aber durch diese offensichtlichen Tatbestände nicht gemildert. Ich überziehe hier mal ganz gewaltig mit einer Phrase und frage daher: "Wer ist denn nun der Feind(TM)?". Querulanten aller Couleur an sich sind ja nun mal nicht wirklich spannend. Gibt es denn so etwas wie entwickelte Querverbindungen zwischen Mollathisten und VTlern, Reichis, Kristallsphärengläubigen und/oder sonstigen alerten Geschäftsleuten? Macht da jemand oder etwas schicke kleine Geschäfte mit dem Elend anderer?

(Meine Vermutung bei Beginn der Thematisierungen bei Psiram u. vglb. war, dass durch entsprechende Materialsammlungen bei Wolff u. Co. einige Leute zumindest den Verdacht hatten, dass sich derartige Strukturen zeigen oder aufdecken lassen würden - wohlverstanden, nicht als durch querulierende Querfrontler gern *genutztes* Thema, sondern als eigenständigen Geschäftsbereich; so weit ich es erkennen kann [wobei das Vermögen hierzu wie oben angemerkt nicht sehr weit geht], ist hier nichts zu erkennen [?])
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sweeper

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Re: causa "Mollath" - quam causa?
« Antwort #14 am: 04. Mai 2014, 17:19:18 »
@ajki:
Zitat
Querulanten aller Couleur an sich sind ja nun mal nicht wirklich spannend. Gibt es denn so etwas wie entwickelte Querverbindungen zwischen Mollathisten und VTlern, Reichis, Kristallsphärengläubigen und/oder sonstigen alerten Geschäftsleuten? Macht da jemand oder etwas schicke kleine Geschäfte mit dem Elend anderer?
Ja, Querverbindungen zu VTlern, Honigmann, Reichsregierung gibt es eindeutig.
Auch DDR-Dinosaurier wie Opa Kurch "Kranich" vom Opablog war und ist gern dabei ("Mollath und das GanzGroßeGeld") und sammelte einige Anarchisten um sich. Und natürlich die Antipsychiatrieszene, die sich mit einigen Piraten und Esoterikern zusammentat/-tut.

Weil du nach dem "eigenständigen Geschäftsbereich" fragst:
mich interessierten und interessieren (ungeachtet aller berechtigter Kritik an den Abläufen um Verhandlung, "Freispruch" und Maßregel) vor allem die Aktivitäten der Antipsychiatrie - der es mittels dieses Falles teilweise gelungen ist, mit ihrem Gedankengut die Meinung "ganz normaler" Bürger zu infiltrieren.

Das Ganze ist zum Glück keine Sammlungsbewegung geworden. Vermutlich auch deshalb nicht, weil Freilassung Mollaths und terminlich spätes WA-Verfahren einer Massenbewegung den Wind aus den Segeln nahm. Die öffentlichen Auftritte des Herrn M. zeigen ja nun einen eher extrem kauzigen Charakter mit recht befremdlicher Ausstrahlung...
Beunruhigend aus meiner Sicht war und ist die völlig unkritische Haltung einiger Protagonisten aus dem juristischen Fachgebiet, die sich haben vor den Karren spannen lassen.

Geschäftemacherei in größerem Stil kann ich (bis auf einige Bücher fragwürdigen Inhalts) nicht erkennen, wohl aber eine zeitweilige politische Sprengkraft, eine Art katalytische Kettenreaktion, die mit Mollath als "Gerechtigkeitskämpfer" mit Märtyrerstatus sehr viel Systemverdrossenheit hätte entladen können.

Bis Juli/August sollte ja nun etwas Ruhe einkehren - schaunmermal, was zu Verhandlungsbeginn geschieht.
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