Neben der derzeit sehr beliebten Apokalyptik gibt es ja noch abseits des "Mainstreams" gelegentlich auch positive Nachrichten über die Zukunft. Positiv ist natürlich eine Frage des Standpunktes. Ja, in der Zukunft wird unsere heutige Welt untergegangen sein, so wie es Natur der Sache ist. Anstatt das Heil in rückwärtsgewandten Sehnsüchten nach der guten alten Steinzeit zu suchen, könnte der Mensch und seine intellektuellen Fähigkeiten selbst das Heil sein. Die Zukunft ist unabwendbar, man kann bestimmte Entwicklungen kritisch sehen, aber verbieten und verhindern lassen sich neue Technologien nicht. Sehen wir also das Positive an den neuen Möglichkeiten.
Momentan beobachte ich mindestens zwei sehr interessante Entwicklungen, die die Welt sehr bald sehr deutlich verändern könnten. Im Bereich der Gentechnik sind das das Genome Editing und hier insbesondere CRISPR/Cas-System, die eine wirkliche Revolution bedeuten. Hier mal ein aktueller Artikel aus Vice, der ein wenig einen pessimistischen Unterton hat, der aber ganz gut das Potential ausleuchtet:
http://motherboard.vice.com/de/read/crispr-kann-sogar-den-menschen-genetisch-veraendern-aber-ist-das-gut-888
Im Bereich der künstlichen Intelligenz überschlagen sich momentan auch die Entwicklungen, es könnte noch zu meinen Lebzeiten eine denkende Maschine geben. Ein führender Kopf auf dem Gebiet beschreibt es so (finde ich großartig):
http://www.faz.net/aktuell/wissen/juergen-schmidhuber-will-hochintelligenten-roboter-bauen-13941433.html
Vielleicht findet ihr noch weitere Artikel, die ein wenig das positive Potential neuer Technologien ausleuchten
Da wäre zum einen das autonome Fahren. Schon heute ist da einiges möglich (http://www.sueddeutsche.de/auto/autopilot-im-tesla-model-s-einfach-mal-loslassen-1.2723051) und das, was sich Autohersteller fürs Jahr 2030 vorstellen, ist schon sehr beeindruckend (https://youtu.be/IWB4xj7EILg). Bis Autos wie dieser Mercedes tatsächlich auf der Straße fahren, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, trotzdem gehe ich davon aus, dass es in 15-20 Jahren üblich sein wird, anstrengende Stadtstrecken oder langweilige Autobahnfahrten das Auto autonom fahren zu lassen und stattdessen Zeitung zu lesen, E-Mails zu checken oder ähnliches. Das wird unsere Lebensqualität deutlich steigern.
Zitat von: Nicht_Peter am 06. Dezember 2015, 09:53:13
dass es in 15-20 Jahren üblich sein wird, anstrengende Stadtstrecken oder langweilige Autobahnfahrten das Auto autonom fahren zu lassen
Das ist nun schon ein deutlich bescheideneres Programm, in einem deutlich langem Zeitrahmen. Und strenggenommen macht Schmidthuber bei allem Optimismus keine Aussagen, die sich irgendwie falsifizieren lassen würden.
;)
Hi(gh)!
Also, ich fände es schon sehr cool, wenn wir mittels Bio- und Nanotechnologien unsere Lebenserwartung mal eben easy verzehnfachen könnten (es gibt statistische Berechnungen, denen zufolge die Lebenserwartung des Menschen ohne Alterung gegenwärtig durchschnittlich zwischen 690 und 810 Jahren läge - irgendwann erleidet man halt irgendeinen Unfall oder stirbt an einer nicht altersbedingten Krankheit, die noch nicht therapierbar ist...)... 750 Jahre! Was könnte ich in dieser Zeit alles programmieren, komponieren, reisen (nicht nur nach Afghanistan...)!
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
Hi(gh)!
Zitat von: Nicht_Peter am 06. Dezember 2015, 09:53:13trotzdem gehe ich davon aus, dass es in 15-20 Jahren üblich sein wird, anstrengende Stadtstrecken oder langweilige Autobahnfahrten das Auto autonom fahren zu lassen und stattdessen Zeitung zu lesen, E-Mails zu checken oder ähnliches. Das wird unsere Lebensqualität deutlich steigern.
Vernünftiger und gesünder wäre es, diese Strecken mit dem Fahrrad zu fahren - für die Autobahn dann verkleidete Liegeräder, die bauartbedingt auch von Radfahrern mit durchschnittlicher Kondition gefahren schneller sind als 60 km/h und folglich dort fahren dürfen sollten...
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
Now playing: Tour de France, version francaise (Kraftwerk) - das passte ja jetzt PERFEKT!
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 19:26:39
(es gibt statistische Berechnungen, denen zufolge die Lebenserwartung des Menschen ohne Alterung gegenwärtig durchschnittlich zwischen 690 und 810 Jahren läge
Das ist vorbei und kehrt nicht wieder.
Zitatmethuselah lived nine hundred years,
aber It Ain't Necessarily So (https://www.youtube.com/watch?v=FyXoCrWVPOs)
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 19:26:39
Also, ich fände es schon sehr cool, wenn wir mittels Bio- und Nanotechnologien unsere Lebenserwartung mal eben easy verzehnfachen könnten ...
Uurgh. Ich hab' die Menschheit so schon häufig über. Und was ist mit der Reproduktion? Wenn wir nur bei der derzeitigen Geburtenrate bleiben, wird es bald sehr, sehr eng hier. Wenn mit der längeren Lebenserwartung auch die Zahl fruchtbarer Jahre steigt, dann sitzen wir uns bald gegenseitig auf dem Schoß. Ich möchte eigentlich schon nicht mehr hier sein, wenn die 10 Mrd. geknackt werden - ganz zu schweigen von den 100 Mrd.
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 19:26:39
Hi(gh)!
Also, ich fände es schon sehr cool, wenn wir mittels Bio- und Nanotechnologien unsere Lebenserwartung mal eben easy verzehnfachen könnten (es gibt statistische Berechnungen, denen zufolge die Lebenserwartung des Menschen ohne Alterung gegenwärtig durchschnittlich zwischen 690 und 810 Jahren läge - irgendwann erleidet man halt irgendeinen Unfall oder stirbt an einer nicht altersbedingten Krankheit, die noch nicht therapierbar ist...)... 750 Jahre! Was könnte ich in dieser Zeit alles programmieren, komponieren, reisen (nicht nur nach Afghanistan...)!
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
Evolutionsbiologisch wäre das eine Katastrophe. Das Programm heißt da ganz klar: vermehre Dich alsbald, und dann mach Dich vom Acker, damit Platz wird für die nächste, besser angepasste Generation. Bei den Naturvölkern ist das so auch noch in Funktion. Die Verdoppelung unserer Lebenserwartung gegenüber diesem Programm haben wir uns geradewegs
gegen Natur erarbeitet.
Ganz ehrlich: die Vorstellung, schier gar kein Ende haben zu können, ist mir nicht einmal besonders angenehm.
Zitat von: Typee am 15. Januar 2016, 19:50:22
Ganz ehrlich: die Vorstellung, schier gar kein Ende haben zu können, ist mir nicht einmal besonders angenehm.
Schon Jonathan Swift hatte sich das mal ausgemalt; furchtbar.
https://en.wikipedia.org/wiki/Struldbrug
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 19:26:39
Also, ich fände es schon sehr cool, wenn wir mittels Bio- und Nanotechnologien unsere Lebenserwartung mal eben easy verzehnfachen könnten (es gibt statistische Berechnungen, denen zufolge die Lebenserwartung des Menschen ohne Alterung gegenwärtig durchschnittlich zwischen 690 und 810 Jahren läge - irgendwann erleidet man halt irgendeinen Unfall oder stirbt an einer nicht altersbedingten Krankheit, die noch nicht therapierbar ist...)... 750 Jahre! Was könnte ich in dieser Zeit alles programmieren, komponieren, reisen (nicht nur nach Afghanistan...)!
Nuja, die Biologie hält sich nicht an Statistik. Die Telomerase mag man vielleicht mal in den Griff bekommen, aber es ist eher eine grauenhafte Vorstellung. Mir fällt ja schon heute nix mehr ein, was irgendwie neu oder nicht schon viel besser gesagt, gespielt, ausgedrückt worden wäre. Alle 100 Jahre mal auftauen und gucken, ob man richtig lag, ok, soweit würde mich die Neugierde treiben. Aber dann wieder schnell ab in die Truhe.
Ansonsten ist es eine eher angenehme Vorstellung, seine Moleküle wieder der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen; was für eine friedliche Ruhe!
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 19:26:39
Also, ich fände es schon sehr cool, wenn wir mittels Bio- und Nanotechnologien unsere Lebenserwartung mal eben easy verzehnfachen könnten
So einen leichten Anflug von anstrengender Ewigkeit hatt ich "früher" öfter, als ich auf Wachmachern die Wochenenden durchgefeiert hab.
Irgendwann will man nix mehr sehen, ausspannen, pennen (tot sein), aber kann nicht mal mehr das. :Opa:
Hi(gh)!
Zitat von: Typee am 15. Januar 2016, 19:50:22
Evolutionsbiologisch wäre das eine Katastrophe. Das Programm heißt da ganz klar: vermehre Dich alsbald, und dann mach Dich vom Acker, damit Platz wird für die nächste, besser angepasste Generation. Bei den Naturvölkern ist das so auch noch in Funktion. Die Verdoppelung unserer Lebenserwartung gegenüber diesem Programm haben wir uns geradewegs gegen Natur erarbeitet.
Stimmt, wir brauchen unbedingt wieder Seuchen, Hungersnöte, Großraubtiere als Fressfeinde... ab und zu ein knackiger Krieg oder ein zünftiger Völkermord wären auch nicht schlecht!
Nein, ernsthaft: was du da postulierst, das ist genau der Kern jenes reaktionären, menschenverachtenden Ökologismus, der unter skeptischen Rationalisten im Allgemeinen entschieden zurückgewiesen wird! Lebst du nicht gerne? Ich schon, solange sich die gesundheitlichen Einschränkungen in Grenzen halten... und ich glaube nicht, dass es mir nach 200, 500 oder 1000 Jahren langweilig werden würde! Das Universum ist so riesig, es gibt so viel zu erforschen und zu entdecken... und wenn das in Gesellschaft anderer Hyperlanglebiger tun könnte, wäre ein solches Leben auch keine trostlose Folge von Abschieden...
Und was das ökologische Gleichgewicht angeht: wir werden angesichts des Bevölkerungswachstums auf diesem Planeten langfristig sowieso nicht darum herumkommen, die Natur umfassend nach unseren Bedürfnissen umzubauen - es sei denn, wir nehmen zur Bewahrung ursprünglicher Naturregionen Milliarden Hungertote in Kauf. Wenn im Laufe dieses Jahrhunderts dank Klimaerwärmung der Taigagürtel in Kanada und Sibirien erstmals für großflächige Landwirtschaft nutzbar wird, haben wir gar keine Alternative, als diesen zu nutzen - wir müssen 10, 11, 12 Milliarden Menschen satt bekommen! Solange wir unseren Atemsauerstoff nicht im großen Stil technisch herstellen (können), würden wir dann eben in den heutigen Tundragebieten Wälder anpflanzen, humusarme oder gar felsige Böden ehemaliger Frostschuttwüsten würden wir mittels Billionen von Nanomaschinen pulverisieren und mit Nährstoffen anreichern - bis die Küsten von Spitzbergen, Franz-Joseph-Land oder Nowaja Semlja aussehen wie heute Norwegen oder British Columbia!
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
Hi(gh)!
Zitat von: Peiresc am 15. Januar 2016, 19:54:09
Schon Jonathan Swift hatte sich das mal ausgemalt; furchtbar.
https://en.wikipedia.org/wiki/Struldbrug
...aber doch nur deswegen, weil die Alterungsprozesse nicht gestoppt wurden! Hinfälliger und hinfälliger zu werden und dabei doch nicht sterben zu können, das wäre in der Tat furchtbar!
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
Yadgar, jetzt mal im Ernst: das ist alles nur Spinnerei. Da ist einiges der klassischen SF-Literatur durchdachter gewesen. BTW, Du hast gesagt, es gäbe da "Berechnungen" zur "Lebenserwartung". Hast Du es noch genauer? Literaturhinweis? Oder gar ein, zwei Links?
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 19:26:39
Also, ich fände es schon sehr cool, wenn wir mittels Bio- und Nanotechnologien unsere Lebenserwartung mal eben easy verzehnfachen könnten (es gibt statistische Berechnungen, denen zufolge die Lebenserwartung des Menschen ohne Alterung gegenwärtig durchschnittlich zwischen 690 und 810 Jahren läge - irgendwann erleidet man halt irgendeinen Unfall oder stirbt an einer nicht altersbedingten Krankheit, die noch nicht therapierbar ist...)...
Mal unabhängig davon, ob das so sinnvoll und unproblematisch ist, die Thematik könnte uns in Zukunft tatsächlich weiter beschäftigen. Ich bin nicht sehr vertraut mit dem Stand der Forschung und inwieweit das in absehbarer Zeit machbar ist. Aber ich bin mir sicher, das wird eines Tages machbar sein. Wahrscheinlich nicht schlagartig, aber man wird immer besser verstehen, was beim Altern passiert und welche genetischen Programme man beeinflussen muss, um den Alterungsprozess aufzuhalten (wenn nicht sogar umzukehren).
Und machen wir uns nichts vor, davon träumen eine Menge Menschen (mich mal ausgeschlossen, ich bin eigentlich froh, wenn ich irgendwann Feierabend habe) die für sowas eine Menge Geld ausgeben würden. Die Nachfrage ist da, das Geld auch, fehlt nur noch das Angebot. Abgesehen von der Machbarkeit werden sich eine Menge ethischer, ökologischer und juristischer Fragen stellen. Das Ganze wird so teuer sein, dass es sich sowieso erstmal nur die Superreichen werden leisten können. Da ein Eingriff in die Gene (ggf. sogar in die Keimbahn) nötig sein wird, wird sowas wahrscheinlich nicht in jedem Land erlaubt sein.
Vll. geht das eines Tages über eine Gentherapie beim Erwachsenen, aber wenn man das nur am Embryo machen kann, ist das erstmal witzlos. Man stelle sich auch mal vor, nur in den reichen Industrieländern können sich Menschen "unsterblich" machen. Auch das Problem mit der wachsenden Bevölkerungszahl wird nicht gerade leicht zu lösen sein. Aber wenn man sich ansieht, was sich momentan in Sachen Genome-Editing (s.o.) abspielt, wird man diese Fragen irgendwann lösen müssen.
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 19:26:39750 Jahre! Was könnte ich in dieser Zeit alles programmieren, komponieren, reisen (nicht nur nach Afghanistan...)!
Wie war das nochmal: wenn man Geld hat, hat man keine Zeit hat; wenn man kein Geld hat, hat man Zeit...
Da es hier ja um die Zukunft, Stand der Forschung und die Möglichkeiten, ewig in Gesundheit und Jugend zu leben geht, könnt ihr euch mal diese Folge der Serie Curiosity ansehen:
Curiosity - Can you live forever (http://www.dailymotion.com/video/x2u2h6o_can-you-live-forever-curiosity-season-01-episode-11_school)
Ja, die Serie ist vom Discovery Channel und damit mehr Infotainment als seriöse Wissenschaft. Aber erstens zeigen sie die ganzen Probleme auf, die mit der ewigen Jugend und einem langen Leben einhergehen (Man glaubt gar nicht, was da so alles mit reinspielt), zweitens den Stand der damaligen Forschung (2011) und drittens hat man mit Adam Savage einen ausgewiesenen Skeptiker als Moderator/Erzähler. Das Ansehen lohnt sich wirklich.
Schönen Gruß
Sir David Attenborough
Zitat von: eLender am 15. Januar 2016, 22:22:25
Mal unabhängig davon, ob das so sinnvoll und unproblematisch ist, die Thematik könnte uns in Zukunft tatsächlich weiter beschäftigen. Ich bin nicht sehr vertraut mit dem Stand der Forschung und inwieweit das in absehbarer Zeit machbar ist. Aber ich bin mir sicher, das wird eines Tages machbar sein.
Theoretisch. Wo wir gerade stehen: Wir kennen die Schachfiguren teilweise. Über das Zusammenspiel haben wir gerade soviel Ahnung, wie eine Eröffnung gehen könnte. Wenn es denn vergleichbar ist, womöglich ist Go die bessere Analogie, und da gibt es keine Figuren, nur Strukturen.
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 21:30:53
Zitat von: Typee am 15. Januar 2016, 19:50:22
Evolutionsbiologisch wäre das eine Katastrophe. Das Programm heißt da ganz klar: vermehre Dich alsbald, und dann mach Dich vom Acker, damit Platz wird für die nächste, besser angepasste Generation. Bei den Naturvölkern ist das so auch noch in Funktion. Die Verdoppelung unserer Lebenserwartung gegenüber diesem Programm haben wir uns geradewegs gegen Natur erarbeitet.
Stimmt, wir brauchen unbedingt wieder Seuchen, Hungersnöte, Großraubtiere als Fressfeinde... ab und zu ein knackiger Krieg oder ein zünftiger Völkermord wären auch nicht schlecht!
Oder, Lösung B), wir forcieren einfach nicht eine immer längere Lebenserwartung. Mit den bisherigen Zugewinnen in dieser Hinsicht haben wir uns jetzt schon auch ein "Mehr" an dementiellen Erkrankungen eingefangen. Vermutlich wären die Lebenszeitzugewinne global und gesellschaftlich zudem sehr ungleich verteilt: Ein kleine Kaste gut erhaltener Hundertjähriger und eine große Gruppe von Personen, die lebensstilbedingt früher Verschleißerscheinungen zeigen würde. Ich würde jetzt noch nicht mal davon ausgehen, zu den Auserwählten zu gehören. Wahrscheinlich würde ich mir mit 95 einen schmerzhaften Bandscheibenvorfall zuziehen, den ich dann noch stabile 655 Jahre mit mir rumschleppen müsste. Die Vermutung, dass wir gesund altern würden, ist utopisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gesamte Gesellschaft in einen dystopischen Alptraum abdriften würde, wie in "Corpus Delicti" (https://de.wikipedia.org/wiki/Corpus_Delicti_(Roman)) oder "Alles, was wir geben mussten" (https://de.wikipedia.org/wiki/Alles,_was_wir_geben_mussten_(Roman)), ist ziemlich groß.
??? Ich werde noch kirre: In der Demographie gibt es einen Effekt, der besagt, dass wir kollektiv tatsächlich gar nicht älter werden. Stattdessen nähert sich die Lebenserwartung der gesamten Bevölkerung nur dem früheren Maximalwert an, so dass eine hohe Lebenserwartung weniger ungleich verteilt ist. Fällt irgendjemandem ein, wie der heisst? Derjenige könnte verhindern, dass ich mir eine kahle Stelle in den Skalp kratze.
Zitat von: eLender am 15. Januar 2016, 22:22:25
Die Nachfrage ist da, das Geld auch, fehlt nur noch das Angebot.
Die Nachfrage ist da, seit dem Menschen bewusst geworden ist, dass er sterben muss; und zwar die zahlungskräftige Nachfrage:
(https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/af/All_Gizah_Pyramids.jpg/640px-All_Gizah_Pyramids.jpg)
Überall auf der Welt:
(https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/ef/Terracotta_army_xian.jpg/640px-Terracotta_army_xian.jpg)
Das hat mit der Realisierbarkeit überhaupt nichts zu tun.
ZitatAbgesehen von der Machbarkeit werden sich eine Menge ethischer, ökologischer und juristischer Fragen stellen.
...
Man stelle sich auch mal vor, nur in den reichen Industrieländern können sich Menschen "unsterblich" machen.
Gewiss, aber ich sehe das nicht so verbissen. Die Unsterblichkeit wird zeitgleich mit der Besiedelung der Sirius-Planeten Wirklichkeit werden.
Aber vorher sollten wir vielleicht noch dieses oder jenes klitzekleine Problem in der Behandlung von Krankheiten lösen. Nehmen wir mal solch gewöhnliche Erscheinungen wie die Alzheimer-Demenz: man glaubt (glaubte), den Pathomechanismus im Groben verstanden zu haben, und hatte sogar schon darauf gründende Therapie-Ansätze. Ergebnis: niente. Da wäre z. B. ein Riesenmarkt, den man zunächst abräumen könnte, bevor man sich an die Unsterblichkeit wagen muss, um Geld rein zu kriegen.
Zitat von: duester am 15. Januar 2016, 23:22:14
??? Ich werde noch kirre: In der Demographie gibt es einen Effekt, der besagt, dass wir kollektiv tatsächlich gar nicht älter werden. Stattdessen nähert sich die Lebenserwartung der gesamten Bevölkerung nur dem früheren Maximalwert an, so dass eine hohe Lebenserwartung weniger ungleich verteilt ist. Fällt irgendjemandem ein, wie der heisst? Derjenige könnte verhindern, dass ich mir eine kahle Stelle in den Skalp kratze.
Aber das ist doch völlig selbstverständlich?
Zitat von: Groucho am 15. Januar 2016, 23:29:43
Zitat von: duester am 15. Januar 2016, 23:22:14
??? Ich werde noch kirre: In der Demographie gibt es einen Effekt, der besagt, dass wir kollektiv tatsächlich gar nicht älter werden. Stattdessen nähert sich die Lebenserwartung der gesamten Bevölkerung nur dem früheren Maximalwert an, so dass eine hohe Lebenserwartung weniger ungleich verteilt ist. Fällt irgendjemandem ein, wie der heisst? Derjenige könnte verhindern, dass ich mir eine kahle Stelle in den Skalp kratze.
Aber das ist doch völlig selbstverständlich?
Eben nicht, wenn man der öffentlichen Diskussion glauben darf. Weil da der Eindruck erweckt wird, die 100+ sind als Altersdurchschnitt in greifbarer Nähe. UND AUSSERDEM WILL ICH JA NUR WISSEN, WIE DER HEISST!!!1!!1
Ich hoffe, ihr seid gerade alle am googlen. :grins
Zitat von: Groucho am 15. Januar 2016, 23:19:48
Theoretisch. Wo wir gerade stehen: Wir kennen die Schachfiguren teilweise. Über das Zusammenspiel haben wir gerade soviel Ahnung, wie eine Eröffnung gehen könnte. Wenn es denn vergleichbar ist, womöglich ist Go die bessere Analogie, und da gibt es keine Figuren, nur Strukturen.
Wie gesagt, den aktuellen Stand kenne ich nicht sonderlich gut. Aber ich halte das für keine prinzipiell unlösbare Sache. Es ist eine Utopie, die ich wahrscheinlich nicht mehr ansatzweise erleben werde. Aber was sich momentan in Sachen GT tut, lässt mich das "positiver" sehen, wie noch vor einiger Zeit.
Zitat von: Peiresc am 15. Januar 2016, 23:26:02
Die Nachfrage ist da, seit dem Menschen bewusst geworden ist, dass er sterben muss; und zwar die zahlungskräftige Nachfrage:
:grins2: Sag ich doch, es werden sich erst mal nur die Superreichen leisten können.
Zitat von: Peiresc am 15. Januar 2016, 23:26:02Aber vorher sollten wir vielleicht noch dieses oder jenes klitzekleine Problem in der Behandlung von Krankheiten lösen. Nehmen wir mal solch gewöhnliche Erscheinungen wie die Alzheimer-Demenz: man glaubt (glaubte), den Pathomechanismus im Groben verstanden zu haben, und hatte sogar schon darauf gründende Therapie-Ansätze. Ergebnis: niente. Da wäre z. B. ein Riesenmarkt, den man zunächst abräumen könnte, bevor man sich an die Unsterblichkeit wagen muss, um Geld rein zu kriegen.
Da werden noch einige Problemchen zu lösen sein. Es ist aber nicht so, dass wir keine neuen Werkzeuge hätten, um Probleme auf ganz andere Weise lösen zu können. Wenn ich ein wenig die Fortschritte in der GT beobachte, stelle ich mir so einiges vor, so in ein-, zweihundert Jahren. Ist der Motor des Fortschritts nicht immer schon gewesen: höher, schneller, weiter?
Zitat von: eLender am 15. Januar 2016, 23:55:35
so in ein-, zweihundert Jahren.
Zitat
In the long run we are all dead.
- John Maynard Keynes
8)
Zitat von: duester am 15. Januar 2016, 23:38:33
Zitat von: Groucho am 15. Januar 2016, 23:29:43
Zitat von: duester am 15. Januar 2016, 23:22:14
??? Ich werde noch kirre: In der Demographie gibt es einen Effekt, der besagt, dass wir kollektiv tatsächlich gar nicht älter werden. Stattdessen nähert sich die Lebenserwartung der gesamten Bevölkerung nur dem früheren Maximalwert an, so dass eine hohe Lebenserwartung weniger ungleich verteilt ist. Fällt irgendjemandem ein, wie der heisst? Derjenige könnte verhindern, dass ich mir eine kahle Stelle in den Skalp kratze.
Aber das ist doch völlig selbstverständlich?
Eben nicht, wenn man der öffentlichen Diskussion glauben darf. Weil da der Eindruck erweckt wird, die 100+ sind als Altersdurchschnitt in greifbarer Nähe.
UND AUSSERDEM WILL ICH JA NUR WISSEN, WIE DER HEISST!!!1!!1
Der ist bestimmt schon gestorben.
Zitat von: Peiresc am 15. Januar 2016, 22:17:04
Yadgar, jetzt mal im Ernst: das ist alles nur Spinnerei. Da ist einiges der klassischen SF-Literatur durchdachter gewesen. BTW, Du hast gesagt, es gäbe da "Berechnungen" zur "Lebenserwartung". Hast Du es noch genauer? Literaturhinweis? Oder gar ein, zwei Links?
Bittesehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Aging
"Wenn wir nicht so altern würden, wie wir es zurzeit tun, würde der Mensch nach Meinung von D. Pearson/S. Shaw durchschnittlich etwa 800 Jahre leben, nach Meinung von Randolph M. Nesse und George C. Williams etwa 690 Jahre."
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
Es wird endlich ein Mittel gegen grippale Infekte, also Husten, Schnupfen und Heiterkeit geben. Pille rein und wech ist das alles. Und Herpesviren sind ausgerottet, alle, auch meins!!!! :schlaeger
Zitat von: Yadgar am 16. Januar 2016, 00:30:56
Zitat von: Peiresc am 15. Januar 2016, 22:17:04
Yadgar, jetzt mal im Ernst: das ist alles nur Spinnerei. Da ist einiges der klassischen SF-Literatur durchdachter gewesen. BTW, Du hast gesagt, es gäbe da "Berechnungen" zur "Lebenserwartung". Hast Du es noch genauer? Literaturhinweis? Oder gar ein, zwei Links?
Bittesehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Aging
"Wenn wir nicht so altern würden, wie wir es zurzeit tun, würde der Mensch nach Meinung von D. Pearson/S. Shaw durchschnittlich etwa 800 Jahre leben, nach Meinung von Randolph M. Nesse und George C. Williams etwa 690 Jahre."
Ja, das ist das Problem mit den Meinungen.
Ha! Shifting Mortality Hypothesis!
Bzw. rectangularization of the survival curve. Wir werden gar nicht älter, wir sterben nur später. :grins.
Vielen Dank an alle, die mitgeraten haben.
Zitat von: Yadgar am 16. Januar 2016, 00:30:56
Zitat von: Peiresc am 15. Januar 2016, 22:17:04
Yadgar, jetzt mal im Ernst: das ist alles nur Spinnerei. Da ist einiges der klassischen SF-Literatur durchdachter gewesen. BTW, Du hast gesagt, es gäbe da "Berechnungen" zur "Lebenserwartung". Hast Du es noch genauer? Literaturhinweis? Oder gar ein, zwei Links?
Bittesehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Aging
"Wenn wir nicht so altern würden, wie wir es zurzeit tun, würde der Mensch nach Meinung von D. Pearson/S. Shaw durchschnittlich etwa 800 Jahre leben, nach Meinung von Randolph M. Nesse und George C. Williams etwa 690 Jahre."
Da fehlt die Angabe des Konfidenzintervalls:
ZitatNewton discovered that the Church of Rome was the eleventh horn of the fourth beast of Daniel`s vision, and computed that it would be erased from the Earth between the years 2035 and 2054 (being a mathematician he provided a confidence interval).
[P. Skrabanek, Scepticism, irrationalism, and pseudoscience]
Ich habe die
Rechnung Schätzung überprüft. Das Ergebnis ist falsch. In Wirklichkeit sind es 4682,26 +- 4,72 Jahre.
;)
Nochmal im Klartext: es gibt keinerlei seriöse Möglichkeit, auf solche Zahlen zu kommen. Die
können nur völlig aus der Luft gegriffen sein. Und hast Du den WP-Text auch gelesen? Er ist teils trivial, es fehlt ein Haufen
[citation needed], und insgesamt ist er deutlich erdgebundener. Und es gibt nichts umsonst:
ZitatIn Tierversuchen an Mäusen, aber auch bei Menschenaffen habe sich durch eine ständige leichte ,,Hungerkur" das Lebensalter um bis zu 40 Prozent verlängert ... hat eine dauernde unterkalorische Ernährung auch unerwünschte Begleiterscheinungen. Bei Affen wurde Knochenschwund festgestellt, außerdem sinkt die Körpertemperatur und die Paarungsbereitschaft verschwindet.[20]
Zitat von: duester am 16. Januar 2016, 01:44:25
Ha! Shifting Mortality Hypothesis!
Bzw. rectangularization of the survival curve. Wir werden gar nicht älter, wir sterben nur später. :grins.
Das deckt sich mit der alten Weisheit: Wer früh stirbt ist nur länger tot.
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 21:30:53
Nein, ernsthaft: was du da postulierst, das ist genau der Kern jenes reaktionären, menschenverachtenden Ökologismus, der unter skeptischen Rationalisten im Allgemeinen entschieden zurückgewiesen wird! Lebst du nicht gerne? Ich schon, solange sich die gesundheitlichen Einschränkungen in Grenzen halten... und ich glaube nicht, dass es mir nach 200, 500 oder 1000 Jahren langweilig werden würde! Das Universum ist so riesig, es gibt so viel zu erforschen und zu entdecken... und wenn das in Gesellschaft anderer Hyperlanglebiger tun könnte, wäre ein solches Leben auch keine trostlose Folge von Abschieden...
Yadgar
Stell Dir nur einmal vor, die Medizinergarde von Paracelsus bis Hahnemann lebte noch und würde immer noch herumpfuschen. Eine trostlose Vorstellung. Yadgar, irgendwann müssen wir alten Knacker einfach weg,
damit es weiter vorwärts geht. Nich wenige überholte Ideen sind gerade deshalb überwunden worden, weil ihre Protagonisten wegstarben.
Und glaubst Du im Ernst, mit 200 Jahren auf dem Buckel interessiere sich noch jemand für Fortschritt? Es gibt mit einiger Berechtigung den Spruch: wirklich erfolgreich forschen können nur die jungen Spunde. Ab 30 kannste nur noch Lehrbücher schreiben.
Was man nach x- hundert Jahren für ne Sündenlast mit sich rumtragen würde...ertrüge man ja nur senil oder als Psychopath (man könnte natürlich auch ständig für diese Eintagsmenschen die Welt retten, sich feiern lassen :angel: ).
Was uns früher oder später umbringt:
(https://pbs.twimg.com/media/CX_YVi1WQAUhlDe.png)
http://flowingdata.com/2016/01/05/causes-of-death/
Zitat von: Sauropode am 16. Januar 2016, 00:48:49
Es wird endlich ein Mittel gegen grippale Infekte, also Husten, Schnupfen und Heiterkeit geben. Pille rein und wech ist das alles. Und Herpesviren sind ausgerottet, alle, auch meins!!!! :schlaeger
Zu dem Punkt hatte ich letztens etwas auf WP gelesen, passt sehr gut zum Threadthema. Es gibt ja schon die sehr sinnvolle prophylaktische HPV Impfung. Neuerdings wird auch an einem therapeutischen Impfstoff geforscht und es scheint auch schon eine Anwendung zu geben. Dann kann man auch bestehende Infektionen (auch Warzen) behandeln. Der Zusammenhang mit Krebserkrankungen ist erschreckend. Die Geschichte des Impfstoffes, angefangen bei der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs, ist sehr interessant zu lesen und zeigt, dass wir zwar vieles noch nicht verstehen
und behandeln können, aber mit neuen Techniken und Erkenntnissen auch vorher unglaubliches leisten können. Ohne die GT wären die Impfstoffe gar nicht möglich.
https://en.wikipedia.org/wiki/HPV_vaccines#Research
Zitat von: eLender am 16. Januar 2016, 15:03:45
Ohne die GT wären die Impfstoffe gar nicht möglich.
https://en.wikipedia.org/wiki/HPV_vaccines#Research
Auch das ein grandioses Blogthema :teufel
Zitat von: Groucho am 16. Januar 2016, 15:05:49
Zitat von: eLender am 16. Januar 2016, 15:03:45
Ohne die GT wären die Impfstoffe gar nicht möglich.
https://en.wikipedia.org/wiki/HPV_vaccines#Research
Auch das ein grandioses Blogthema :teufel
Ich habe da irgendwo ein elektrisches Zettelchen, wo man solche Ideen sammeln kann... ;)
ZitatMedizin: Auf dem Weg zur Krebsheilung
Bei der ersten Patientin gibt es nach einer neuen Behandlung keine Anzeichen von Krebs mehr. Wissenschaft und Medizin können Unglaubliches leisten. Selbstauferlegte Grenzen und die Angst vor Risiken werden dabei allerdings zum Hindernis, meint Ella Whelan.
http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0003128
Der Fall: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/baby-layla-mit-gentechnik-vom-krebs-befreit-13903184.html
Zitat von: eLender am 18. Januar 2016, 14:15:26
ZitatMedizin: Auf dem Weg zur Krebsheilung
Bei der ersten Patientin gibt es nach einer neuen Behandlung keine Anzeichen von Krebs mehr. Wissenschaft und Medizin können Unglaubliches leisten. Selbstauferlegte Grenzen und die Angst vor Risiken werden dabei allerdings zum Hindernis, meint Ella Whelan.
http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0003128
Der Fall: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/baby-layla-mit-gentechnik-vom-krebs-befreit-13903184.html
Ich kenne mich in der Frage zu wenig aus, aber ist es nicht noch sehr früh für eine solche Jubelmeldung? Ich dachte, als "frei von Krebs" wird man erst deklariert, wenn es in einem bestimmten Zeitraum keine Rezidive gegeben hat. Im Fall des Mississippi Baby (https://en.wikipedia.org/wiki/Mississippi_baby) musste man später eingestehen, dass man zu früh von einer Heilung ausgegangen ist.
Man kann das auch etwas pessimistischer (realistischer?) schreiben: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-11/krebs-leukaemie-grossbritannien-zelltherapie
Entscheidend finde ich, dass man mittels Genediting schon so weit ist. Da wird bestimmt noch viel mehr möglich sein. Die verwendeten TALEN-Genscheren werden durch die viel leichter zu handhabende/billigere Crispr-Technik ersetzt.
ZitatIn der Petrischale war es gelungen, weiße Blutkörperchen - T-Abwehrzellen - mit Hilfe von sogenannten TALEN-Genscheren so zu verändern, dass die Immunzellen die Krebszellen attackierten und gleichzeitig für den Empfänger unsichtbar wurden.
Zitat von: duester am 18. Januar 2016, 14:39:20
Zitat von: eLender am 18. Januar 2016, 14:15:26
ZitatMedizin: Auf dem Weg zur Krebsheilung
Bei der ersten Patientin gibt es nach einer neuen Behandlung keine Anzeichen von Krebs mehr. Wissenschaft und Medizin können Unglaubliches leisten. Selbstauferlegte Grenzen und die Angst vor Risiken werden dabei allerdings zum Hindernis, meint Ella Whelan.
http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0003128
Der Fall: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/baby-layla-mit-gentechnik-vom-krebs-befreit-13903184.html
Ich kenne mich in der Frage zu wenig aus, aber ist es nicht noch sehr früh für eine solche Jubelmeldung?
Ich frage mich, was da wohl eine einzelne Ampulle kostet. Das können schnell mal 5000 EUR sein.
Das kann durchaus geschicktes Marketing sein.
Auf diese Weise, durch Druck in der Öffentlichkeit, kann der Hersteller eine vereinfachte Zulassung erreichen, ohne dass man in kontrollierten Doppelblindstudien einen Nutzen wasserdicht nachweisen muss:
ZitatIn diesem Zusammenhang kritisierte Ludwig, wie Pharmaunternehmen die ursprüngliche Bedeutung von Orphan Drugs nach und nach aushöhlten: ,,Die 1999 in Europa verabschiedete Verordnung mit finanziellen Anreizen zur Entwicklung von Orphan Drugs war ursprünglich geplant für Patienten mit sehr seltenen angeborenen, meist genetisch bedingten Erkrankungen. Heute erleben wir jedoch, wie geschickt die Industrie die Entwicklung von Orphan Drugs als neues und sehr lukratives Geschäftsfeld erkannt hat." Inzwischen hätten Orphan Drugs einen Anteil von etwa 15 Prozent am weltweiten Arzneimittelumsatz.
http://www.aerzteblatt.de/archiv/173459/Arzneimittelkommission-der-deutschen-Aerzteschaft-Mehr-Informationen
Zitat von: Typee am 16. Januar 2016, 10:19:59
Zitat von: Yadgar am 15. Januar 2016, 21:30:53
Nein, ernsthaft: was du da postulierst, das ist genau der Kern jenes reaktionären, menschenverachtenden Ökologismus, der unter skeptischen Rationalisten im Allgemeinen entschieden zurückgewiesen wird! Lebst du nicht gerne? Ich schon, solange sich die gesundheitlichen Einschränkungen in Grenzen halten... und ich glaube nicht, dass es mir nach 200, 500 oder 1000 Jahren langweilig werden würde! Das Universum ist so riesig, es gibt so viel zu erforschen und zu entdecken... und wenn das in Gesellschaft anderer Hyperlanglebiger tun könnte, wäre ein solches Leben auch keine trostlose Folge von Abschieden...
Yadgar
Stell Dir nur einmal vor, die Medizinergarde von Paracelsus bis Hahnemann lebte noch und würde immer noch herumpfuschen. Eine trostlose Vorstellung. Yadgar, irgendwann müssen wir alten Knacker einfach weg, damit es weiter vorwärts geht. Nich wenige überholte Ideen sind gerade deshalb überwunden worden, weil ihre Protagonisten wegstarben.
Und glaubst Du im Ernst, mit 200 Jahren auf dem Buckel interessiere sich noch jemand für Fortschritt? Es gibt mit einiger Berechtigung den Spruch: wirklich erfolgreich forschen können nur die jungen Spunde. Ab 30 kannste nur noch Lehrbücher schreiben.
@Typee: Ich finde das ist ein sehr guter Einwand. Dieses Thema wurde in meinem Umfeld ein paar mal angeschnitten und so offensichtlich der Gedankengang auch ist, mir kam er nie wirklich in den Sinn. Das Argument merke ich mir.
Zum glück überdauert nicht jedes Weltbild... ich versuche mir gerade vorzustellen Tomás de Torquemada oder Leopold II. von Belgien wären heute noch zugegen.
Hi(gh)!
Zitat
Zitat von: Omikronn am 18. Januar 2016, 17:03:51
Und glaubst Du im Ernst, mit 200 Jahren auf dem Buckel interessiere sich noch jemand für Fortschritt? Es gibt mit einiger Berechtigung den Spruch: wirklich erfolgreich forschen können nur die jungen Spunde. Ab 30 kannste nur noch Lehrbücher schreiben.
@Typee: Ich finde das ist ein sehr guter Einwand. Dieses Thema wurde in meinem Umfeld ein paar mal angeschnitten und so offensichtlich der Gedankengang auch ist, mir kam er nie wirklich in den Sinn. Das Argument merke ich mir.
Zum glück überdauert nicht jedes Weltbild... ich versuche mir gerade vorzustellen Tomás de Torquemada oder Leopold II. von Belgien wären heute noch zugegen.
Dann bauen wir eben die Hirnstruktur des Menschen so um, dass er jahrhundertelang lernfähig und -willig bleibt - ein mit einem solchen "Turbo Brain" ausgestatteter Torquemada hätte über kurz oder lang begriffen, dass man mit Wissenschaft auf den Mond, mit Religion aber allenfalls in Wolkenkratzer fliegt! Oder - andere Variante - in Spanien (aber nicht anderswo) hätte man die Neuroforschung dahingehend getrieben, religiöse Dogmen sozusagen hardwaremäßig zu "verdrahten", so dass die Inquisition überflüssig geworden wäre, weil die Menschen schon mit der neurologischen Disposition für katholische Rechtgläubigkeit auf die Welt kämen...
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
Zitat von: Yadgar am 19. Januar 2016, 15:45:13
Hi(gh)!
Zitat
Zitat von: Omikronn am 18. Januar 2016, 17:03:51
Und glaubst Du im Ernst, mit 200 Jahren auf dem Buckel interessiere sich noch jemand für Fortschritt? Es gibt mit einiger Berechtigung den Spruch: wirklich erfolgreich forschen können nur die jungen Spunde. Ab 30 kannste nur noch Lehrbücher schreiben.
@Typee: Ich finde das ist ein sehr guter Einwand. Dieses Thema wurde in meinem Umfeld ein paar mal angeschnitten und so offensichtlich der Gedankengang auch ist, mir kam er nie wirklich in den Sinn. Das Argument merke ich mir.
Zum glück überdauert nicht jedes Weltbild... ich versuche mir gerade vorzustellen Tomás de Torquemada oder Leopold II. von Belgien wären heute noch zugegen.
Dann bauen wir eben die Hirnstruktur des Menschen so um, dass er jahrhundertelang lernfähig und -willig bleibt - ein mit einem solchen "Turbo Brain" ausgestatteter Torquemada hätte über kurz oder lang begriffen, dass man mit Wissenschaft auf den Mond, mit Religion aber allenfalls in Wolkenkratzer fliegt! Oder - andere Variante - in Spanien (aber nicht anderswo) hätte man die Neuroforschung dahingehend getrieben, religiöse Dogmen sozusagen hardwaremäßig zu "verdrahten", so dass die Inquisition überflüssig geworden wäre, weil die Menschen schon mit der neurologischen Disposition für katholische Rechtgläubigkeit auf die Welt kämen...
Bis bald im Khyberspace!
Yadgar
@Yadgar, Das hiesse dann einen Charakter eines Menschen in einer gewissen Weise vorzugeben. Das rutscht aber arg in Richtung Transhumanismus ab und dieser lässt meiner Meinung nach die ethischen und anthropologischen Konsequenzen völlig ausser Acht. Gleichzeitig stellt er eine naive Gläubigkeit dar dass man mit technischen Möglichkeiten alleine jede Grenze überwinden kann.
Was man abgesehen von Pokémons fangen noch so alles mit Augmented/Virtual Reality anstellen kann: https://www.youtube.com/watch?v=kt3HoKry3WI
So gar nicht "Vision Future 2020" ist es allerdings, dass es ein Großkonzern wie NTT Docomo nicht hinbekommt, das Video zumindest Englisch zu untertiteln...
ZitatDann bauen wir eben die Hirnstruktur des Menschen so um, dass er jahrhundertelang lernfähig und -willig bleibt
Hätten das Gehirn (und dazu die komplette Anatomie und Physiologie) nicht die Strukturen und die komplexen Fähigkeiten die sie nun mal haben,
wären wir nicht das was wir sind
Und ich ich sehe nicht , dass sich dies ändern wird.
Der Mensch hat sich in seiner Entwicklung über die Jahrtausende mehrfach substanziell geändert und sich an die veränderten Bedingungen angepasst
In allen Aspekten der Lebensgestaltung -und Führung, Zukunftorientierung, Ernährung (so konnten die Menschen vor 1000 Jahren Dinge nicht verstoffwechseln, die für uns heute Grundnahrungsmittel sind)
Und vieles andere noch
Was sich geändert hat ist die Dynamik der Entwicklung und die technischen Möglichkeiten verführen natürlich gerne zu Experimenten und Abläufen die auch gefährlich werden können
Grundsätzlich steuernde und planende Einflussnahme, in dieser Dimension, lehne ich ab.
Setzt das Vorhandensein einer höher Autorität oder Kompetenz voraus
Dem möchte ich mich nicht ausliefern.
Möchte jemand Schöpfer spielen?
Niemand sagt, dass die Welt an allen Stellen perfekt ist, dass alles gut läuft und wir in einem Paradies leben, wahrhaftig nein.
Aber ich möchte in keiner anderen Welt oder anderen Zeit leben
In meinen Tätigkeitsbereiche geht es nun oft um das Quo Vadis, um Prognosen und die Qualität des Weges der noch zu gehen ist, bzw. was kommt danach
Auch wenn es in kleinem Maßstab passiert und der Weg dann evtl. kurz ist
Der Mensch lebt und überlebt durch die Fähigkeit positiv zu denken und zu handeln, zu wachsen, selbst in aussichtslosen Situationen
Und wenn ich es mir recht überlege, gilt dass für so ziemlich jedes Geschöpf, dass auf dem Planeten existiert
Es lebe der Staubsaugerroboter! http://ze.tt/staubsaugerroboter-trifft-auf-nicht-stubenreines-hundewelpen-und-verursacht-kackokalypse/
Ich kann nicht mehr... xD
ZitatStille Revolution in der Krebstherapie
Lange Zeit kam die Onkologie nicht recht voran. Doch inzwischen macht sie überraschende Fortschritte - gerade bei so gefürchteten Erkrankungen wie Lungen- oder Hautkrebs.
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/onkologie-stille-revolution-in-der-krebstherapie-1.3155518
Aus der Rubrik
"Bei Psiram werden auch anderthalb Jahre alte Fragen beantwortet":
Zum Thema "Neue Gentherapie gegen Leukämie" (ab Antwort #37 / Seite 3 dieses Threads), die nun dieser Tage in den USA regulär zugelassen wurde (https://www.welt.de/gesundheit/article168167175/So-funktioniert-die-erste-Gentherapie-gegen-Krebs.html) (und wohl auch bald in Europa):
Zitat von: Peiresc am 18. Januar 2016, 15:34:39
Zitat von: duester am 18. Januar 2016, 14:39:20
Zitat von: eLender am 18. Januar 2016, 14:15:26
ZitatMedizin: Auf dem Weg zur Krebsheilung
Bei der ersten Patientin gibt es nach einer neuen Behandlung keine Anzeichen von Krebs mehr. Wissenschaft und Medizin können Unglaubliches leisten. Selbstauferlegte Grenzen und die Angst vor Risiken werden dabei allerdings zum Hindernis, meint Ella Whelan.
http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0003128
Der Fall: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/baby-layla-mit-gentechnik-vom-krebs-befreit-13903184.html
Ich kenne mich in der Frage zu wenig aus, aber ist es nicht noch sehr früh für eine solche Jubelmeldung?
Ich frage mich, was da wohl eine einzelne Ampulle kostet. Das können schnell mal 5000 EUR sein.
Die Jubelmeldung war also offenbar nicht ganz unberechtigt. Die 5.000 EUR reichen aber nicht ganz:
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/pharmaindustrie-wucher-in-der-gentherapie-gegen-krebs-1.3650197
Zitat475 000 Dollar kostet eine Behandlung.
[...]
Wobei es hier aber eben nicht um Fußball geht, sondern ums Überleben von Kindern. Da sollte nicht das Geld entscheiden. Die teure Therapie ist zudem ein Nischenprodukt, in den USA kommen rund 750 Menschen im Jahr für die Behandlung infrage. Für eine so kleine Gruppe von Patienten eine neuartige Therapie zu entwickeln ist kostspielig und riskant, auch das steckt im Preis. Und schließlich kosten andere Therapien auch Geld. Gerade, wenn Krebspatienten über Jahre behandelt werden müssen. Die Patienten von Kymriah erhalten nur eine Dosis und besiegen ihren Krebs mit großer Wahrscheinlichkeit.
Wow.
Wobei mich schon interessieren würde, ob Novartis diesen astronomischen Preis nach eigenem Belieben festlegen konnte, vgl. z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Gilead_Sciences#Kritik.
Zitat von: ZKLP am 05. September 2017, 22:05:36
Wobei mich schon interessieren würde, ob Novartis diesen astronomischen Preis nach eigenem Belieben festlegen konnte,
Nach meiner Kenntnis ja. Unter der Trump-Administration ist gerade eine geplante Regelung als Totgeburt (eigentlich: Kindesmord) beerdigt worden, die es den Versicherungen erlaubt hätte, über Preise zu verhandeln [ich bin aber nicht ganz sicher, ob ich mich da richtig erinnere].
Ob solche Preise in Deutschland in den Rahmen einer "notwendigen und wirtschaftlichen" (§12 SGB V) Behandlung passen, werden letztlich wohl Gerichte entscheiden. Das ist dann bekanntlich wie auf hoher See. Das Bundesverwaltungsgericht war da schon für die eine oder andere überraschende Feststellung gut (Beispiel das Cannabis-Urteil).
Noch ein bisschen Hintergrund. Das klassische Beispiel für Obszönität auf diesem Gebiet ist Martin Shkreli. Er hatte das Monopol für ein uraltes Medikament, das ein paar Pfennige kostete, aufgekauft, und dann handelte er:
ZitatMartin Shkreli became a symbol of greed in 2015 when the company he then headed, Turing Pharmaceuticals, bought rights to an old anti-parasitic drug and raised its price more than 50-fold to $750 a pill.
Natürlich ist er Trump-Fan.
http://www.politico.com/story/2016/05/martin-shkreli-endorses-trump-223644