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Autor Thema: Singende Krankenhäuser e.V. / Canto elementar e.V.  (Gelesen 1167 mal)

Joachim_Meissner

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Singende Krankenhäuser e.V. / Canto elementar e.V.
« am: 29. November 2017, 15:59:25 »
Hallo zusammen,

freu mich über meine Aufnahme ins Psiram-Forum. Grund ist der Singende Krankenhäuser e.V., der mir auf Facebook begegnet ist.

Vor Jahren hatte ich schon 'mal zu Canto elementar recherchiert. Das ist ein e.V., der behauptet, er würde ehrenamtlich in Kindergärten singen. Da könne man aber nur mitmachen, wenn man vorher eine kostenpflichtige Fortbildung zum Singpaten beim Verein abgeschlossen hätte.
Ehrenamtliche Tätigkeit jedoch findet nicht statt. Bis auf zwei, drei Events, bei denen namhafte Politiker und Verwaltungshengste zugegen sind, sodaß man diese Events nur als Werbeveranstaltungen bezeichnen kann. Canto elementar wird von der öffentlichen Hand mit massiven Beträgen gefördert, was erklärt, wie die Kosten für die mediale Präsenz getragen werden.

Bei Singende Krankenhäuser e.V. hatte ich Verdacht geschöpft. Und siehe da: keinerlei karitative Tätigkeit, aber Fortbildungsangebote. Schmankerl: auch hier ist Gerald Hüther im wissenschaftlichen Beirat (https://www.singende-krankenhaeuser.de/index.php/wissenschaftlicher-beirat.html).

Also schön drauf achten, welche Vögelchen hier einem 'was vorsingen wollen.

Gruß

JKM
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Hier meine Mail betr. Canto elementar an den Paritätischen Köln:
"Guten Tag, Frau …,

vor kurzem habe ich in Ihrem Foyer einen Flyer von Canto e.V. gefunden, der für Singpaten in Kindergärten wirbt. Ein Sechstel (!) des Flyers besteht aus einer Grußadresse von Elfi Scho-Antwerpes, die sie sogar als »Bürgermeisterin der Stadt Köln« unterzeichnet.

Im Flyer heißt es »Grundsätzlich sollten sich ... mit der Idee von Canto elementar identifizieren, sich an den grundlegenden Richtlinien des Programms orientieren und an den Fortbildungen teilnehmen.« Das erscheint doch merkwürdig: ehrenamtlich im Kindergarten singen (was da zu beachten ist, kann jeder Provinz-Chorleiter in einer Viertelstunde vermitteln), dann aber noch Fortbildungen besuchen? Klingt ein wenig nach Scientology, nicht? Und vor allem: meine in Kindergarten oder Grundschule arbeitenden Bekannten (nicht wenige) haben von Canto noch nie etwas gehört oder gesehen.

Also flugs geguckt, was das »House of Smile« (klingt nach Chinarestaurant oder thailändischem Bordell) ist.* Und siehe da: die Telefonnummer gehört Wolfgang Riehn, der in mannigfaltiger Weise auf äußerst dubiosen Wegen unterwegs ist. Sie finden ihn z.B. als Direktor der New Age University (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/new-age-universitaet-wie-esoteriker-und-polit-prominenz-die-welt-retten-wollen-a-309842.html), im Club of Budapest, in der Planet Life Academy, der Universität von Arbon, weiter bei Kin-Top e.V., im World Shift Network Social Partnership e.V., zusammen mit seiner Freundin als Antoschka-Theater, World Parliament of Clowns, und in vielen weiteren »erleuchteten« Einrichtungen.

Nun zum Verein Canto elementar e.V.. Schon der Internet-Auftritt ist äußerst aufschlußreich: In NRW gibt es zwei Canto-Gruppen: Münster und Hagen, in Deutschland elf (http://www.il-canto-del-mondo.de/canto_gruppen.html). Und egal wo Sie hinschauen, geht es um Geld: seien es die »Ausbildung zum Canto-Trainer« beim Verein selbst oder die Seminare bei »befreundeten Projekten« oder im Canto-»Netzwerk«.

Der Verein selbst ist zwar beim AG Münster eingetragen, sitzt aber in 57632 Eichen, wo Herr Prof. Dr. Dr. hc. Hermann Rauhe wohnt. Ob er davon weiß? Post nimmt nämlich Hardy Schumacher, Geschäftsführer des »Sonnenhof Hoffnungsthal« in Rösrath, entgegen. Auch er ist schwer aktiv: für »bürgerschaftliches Engagement in Kindertagesstätten« in der Wippermann-Stiftung, wo er (natürlich nicht ohne eine Expertise von Prof. Dr. Gerald Hüther**) den Einsatz von Canto-TrainerInnen empfiehlt. Für so einen tollen Zweck spendet natürlich auch die Bürgerstiftung Rösrath direkt an den Sonnenhof. Und dort wird auch der Deutsche Canto-Preis vergeben (http://www.miz.org/details_26450_525.html).

Da fragt man sich doch, woher das Geld kommt. Vielleicht von hier? »Die generationsübergreifende Initiative Canto Elementar erhält den mit 50.000 Euro dotierten Deutschen Nationalpreis. Damit wird die Arbeit von ehrenamtlichen "Singpaten" gewürdigt, die einmal wöchentlich in Kitas gehen und dort mit den Kindern singen. In Hamburg wurde Canto Elementar im Jahr 2007 eingeführt. 64 Kitas, darunter auch einige unserer Projekt-Kitas, erhalten regelmäßigen Besuch von musikalischen Rentnern.« Natürlich können nur »einige« der Projektkitas den Canto-Besuch bestätigen - aber wie oft? Das beste aber: der Preis wird überreicht vom veritablen Bundestagspräsidenten Lammert.

Die diversen - stets äußerst umfangreichen und sachlich stets unübersichtlichen - Internetseiten des Netzwerks schmücken dann solche Namen. Oder der von Dr. Wilfried Bentges, Musikdezernent bei der Bezirksregierung Düsseldorf, der mit »wissenschaftlichem« von Dr. Karl Adamek (der uns im Dunstkreis von Canto bereits begegnet ist) für Canto wirbt (http://www.dhb-netzwerk-haushalt.de/news-archiv/detail/artikel/singen-macht-kinder-schlau-und-gluecklich.html?no_cache=1&fsize=0).
Wenn die es doch sagen: »Singen macht Kinder schlau und glücklich!«, kann es ja gar nicht falsch sein, vor allem wenn sogar Wissenschaftler, Politiker und sogar die Bezirksregierung für Canto werben.

Nur an der Sache geht es total vorbei. Ich wiederhole: meine in Kindergärten und Grundschulen arbeitenden Freunde und Bekannten (unter denen auch Musikpädagogen und -therapeuten sind) kennen den Verein nicht. Und meine Sangeskollegen (die wie ich auch ehrenamtlich in allen möglichen Einrichtungen singen) auch nicht. Meine Internetrecherche erlaubt mir nur einen Schluß: Canto Elementar ist nicht sauber. Das Prinzip:
1. Der Vereinszweck bezieht sich auf Defizite der öffentlichen Hand, hat zunächst aber nur zum Ziel, Gemeinnützigkeit zu erlangen.
2. Die satzungsgemäße Vereinstätigkeit findet danach nur für einen kurzen Zeitraum und an verschiedenen Orten statt - wird aber als an allen Orten dauerhaft nach außen hin dargestellt.
3. Die Haupttätigkeit der wenigen (aber dafür in vielen gleichartigen Vereinen***) aktiven Mitglieder beschränkt sich auf das Beantragen öffentlicher/halböffentlicher Gelder (Zuschüsse, Preise).
4. Die satzungsgemäße Vereinstätigkeit findet nur in den Zeiträumen statt, in denen die Verwaltung zwecks Bearbeitung dieser Anträge die Vereine beobachtet (»Berichtszeitraum«).
5. Die satzungsgemäße Vereinstätigkeit wird von Ehrenamtlern durchgeführt, die keine Aufwandsentschädigung erhalten, aber von Beauftragten des Vereins beaufsichtigt werden, die zwar Aufwandsentschädigung erhalten, im Gegenzug aber Fortbildungen besuchen müssen.

Sehr verehrte Frau…, ich schätze Ihre Arbeit sehr. Da Elfi Scho-Antwerpes auf gar vielen Hochzeiten tanzt (schon alleine als Bürgermeisterin und Vorsitzende des Paritätischen), kann ihr schon einmal etwas durchgehen. Wenn darunter auch Ihre Arbeit leiden würde (ich schätze Sie als integer ein), fände ich das sehr schade. Deshalb auch diese Mitteilung. Sie mußte so lang werden, damit Sie mein Vorbringen auch nachvollziehen können.

In diesem Sinne

freundlichen Gruß

...
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* Bei dieser Gelegenheit bin ich auf www.psiram.com gestoßen. Nach längerer Beschäftigung mit dieser Seite halte ich sie für seriös.
** »Seitdem ist Hüther als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dieser Klinik tätig und betrieb bis Anfang 2013 dort eine Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung. Auf Nachfrage der Wochenzeitung Die Zeit erklärte die Georg-August-Universität Göttingen, dass die Zentralstelle keine Einrichtung der Universität, sondern allein ein "Projekt von Herrn Prof. Hüther" sei.«
»Im Februar 2013 warnte der Sektenbeauftragte der Erzdiözese München und Freising vor Hüther und der Sinn-Stiftung Entwicklung. Lernen. Zukunft mit dem Hinweis, deren Sichtweisen seien stark vereinfachend und würden Allgemeinplätze verabsolutieren. Weiterhin werden Zweifel an den behaupteten neurowissenschaftlichen Belegen genannt. Als Konsequenz untersagt die Erzdiözese allen ihr unterstehenden Einrichtungen jede Zusammenarbeit mit der Sinn-Stiftung.« (http://de.wikipedia.org/wiki/Gerald_H%C3%BCther)
*** Böse Menschen könnten das als Organisierte Kriminalität bezeichnen."

Schwuppdiwupp

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Re: Singende Krankenhäuser e.V. / Canto elementar e.V.
« Antwort #1 am: 29. November 2017, 22:24:42 »
Hallo JKM,

erst mal Willkommen im Forum.

Wenn ich deinen ersten, etwas überladenen Beitrag richtig verstehe, möchtest du darauf aufmerksam machen, dass die Aktivitäten des "Il canto del mondo e. V." nicht wirklich gemeinnütziger Natur sind, sondern dass das wesentliche Ziel die Geldeinahme ist - sei es durch öffentliche Förderung (z. B. 50.000 € für den Deutschen Nationalpreis) sowie vor allem durch die Spenden und "Teilnahmegebühren".

In der Tat ist bemerkenswert, dass auf der Seite dieses Vereins verschiedene "Angebote" zu finden sind, die zumindest nicht kostenlos sind.

Beispiel: http://www.il-canto-del-mondo.de/canto_gruppe_bochum00.html

Zitat
Ennepetal
Canto-Gruppe Ennepetal

Ort:
Bülbringer Str. 16, 58256 Ennepetal

Termin:
monatlich jeden vierten Mittwoch im Monat
18:00 - 20:00 Uhr
(Achtung: im Mai abweichend am 31.!)

Programm:
Heilsames Singen nach Dr. Adamek
Übungen zum tieferen Verstehen und Anwenden der Stimme
Obertongesang
Sintala

Konditionen:
Erster Besuch auf Spendenbasis, danach 15€ je Abend
(Sonderkonditionen auf Anfrage)
1

Info/Leitung:  Tobias Grimm

Ich bin Gitarrist und Sänger, seit vier Jahren in Ausbildung zum Psychoresonanztrainer1 mit der Stimme und baue derzeit mit Dr. Adamek das erste Singcafé international in Hattingen auf.

Ich habe Freude am Singen und Tönen und freue mich auf offene Menschen, die sich selbst im Singen immer wieder und immer wieder neu erleben möchten - fühle dich herzlich willkommen! Du musst nicht singen können und bist auch herzlich eingeladen, wenn du glaubst, es nicht zu können.
1 Hervorhebung von mir!

Bemerkenswert ist aber auch, dass dieser Verein allem Anschein nach viele prominente Fürsprecher und der Gründer Dr. Adamek gar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat.

Belege für die zugrundeliegende Idee, dass tatsächlich im nennenwerten Umfang, alte Menschen zum gemeinsamen Singen mit Kindern zum gegenseitigen Vorteil zusammengebracht werden, habe ich bisher nicht gefunden. (Was aber auch daran liegen kann, dass ich vielleicht nicht richtig gesucht habe.)

Merkwürdig ist auch, dass der verdächtig nach Esoterik riechende Titel Psychoresonanztrainer bei Google fast ausschließlich im Zusammenhang mit besagtem Dr. Karl Adamek auftaucht.
Ach, was weiß denn ich ...

Schwuppdiwupp

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Re: Singende Krankenhäuser e.V. / Canto elementar e.V.
« Antwort #2 am: 29. November 2017, 23:34:36 »
Nachtrag: Diese Geschichte mit dem Pseudotitel "Psychoresonanztrainer" ist aber meines Erachtens der einzige Anknüpfungspunkt zu klassischen PSIRAM-Themen.
Ach, was weiß denn ich ...