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Autor Thema: Cutler-Protokoll  (Gelesen 838 mal)

deus ex machina

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Cutler-Protokoll
« am: 22. November 2017, 00:52:28 »
Zitat
Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie schreiben über das Cutler-Protokoll, dass es angeblich unmöglich ist, Schwermetalle aus zu leiten: "schwierig bis unmöglich durchzuführende Methode zur so genannten "Ausleitung" von Schwermetallen".

Warum es schwierig oder sogar unmöglich ist über das Protokoll Schwermetalle auszuleiten schreiben Sie aber nichts!

Wie kommen Sie darauf?

Tatsache ist, dass man z.B. über DMPS Schwermetalle ausleiten kann!

Mfg

https://www.psiram.com/de/index.php/Cutler-Protokoll

Streifenbär

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Re: Cutler-Protokoll
« Antwort #1 am: 22. November 2017, 01:47:16 »
Gut daß es kritische Mitleser hier gibt! Ich habe mir den Artikel angesehen, der wohl von 2012 ist.

1. Soweit ich weiss ist Andrew Hall Cutler (geboren 1956) 2017 gestorben.
2. Im Artikel steht:  Das Cutler-Protokoll (ALA/DMSA Mercury Detoxification Protocol) beschreibt eine umstrittene und schwierig bis unmöglich durchzuführende Methode zur so genannten "Ausleitung" von Schwermetallen wie Quecksilber aus dem menschlichen Körper. Das ist tatsächlich schlecht formuliert, weil unklar bleibt was schwierig bis unmöglich sein soll. Möglicher Weise hat der Autor im Wiki die lange Behandlungsdauer von Monaten und Jahren gemeint. Sowas ist auf die Dauer - auch aus finanziellen Gründen - tatsächlich eine schwierige Sache. Bei tatsächlichen, nachgewiesenen Vergiftungen werden ja tatsächlich Chelatbildner eingesetzt. Zuvor wird man herausbekommen was die Ursache war und die erkannte Zufuhr "abstellen". Dann ist nach Chelatbehandlung die Behandlung erstmal durch. Es braucht dann auch nicht weiter "ausgeleitet" werden, um den Jargon zu benutzen. Bei Cutler ist das ganz anders. Da wird auf Verdacht behandelt. Also wenn ungeeignete (Urin/Haar-)Tests (dafür gibt es zahlreiche Angebote, weil meist nicht von den KK bezahlt) positiv sind legt man los. Bei diesen unzuverlässigen Tests kann es durchaus sein, daß ein gerade Cutler-behandelter Kunde zu einem anderen Cutler-Behandler gehen kann und dieser wird wieder einen Grund sehen zu behandeln.
3. Zu klären wäre noch ob die eingesetzten Mittel DMSA, ALA und das andere (vergessen) nicht selbst auf Dauer toxisch sind bei monatelangen (oralen) Anwendungen. Auch dies könnte eine solche Behandlung "unmöglich durchführbar" machen.
4. Zu klären ist auch ob die oralen Anwendungen überhaupt einen Sinn machen. Möglicher Weise müssten die Mittel infundiert werden um wirksam zu sein. Auch dies ein möglicher Grund für "unmöglich durchführbar". Dies wäre auch ein 100% Nachweis für Scharlatanerie.

Insofern hat das Wiki-Team hier noch was zu tun.
Öffentlich bloßstellen dürfen wir nur solche Täter, die selbst das Licht der Öffentlichkeit suchen und dabei lächelnd weiterlügen.
(Wolf Biermann, 1992)

eLender

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Re: Cutler-Protokoll
« Antwort #2 am: 22. November 2017, 02:13:34 »
Habe da auch mal kurz nachgehakt. Stimmt, was genau das Problem sei, wird zu wenig konkret erläutert. Scheinbar ist insb. DMSA nur für die akute Entgiftung geeignet, da es direkt in die Blutbahn gespritzt wird. Die Blut-Hirn-Schranke kann es nicht passieren. Das Cutler-Protokoll geht wohl von einer chronischen "Vergiftung" aus. Sowas ist kaum belegbar und wird gerne von der Panikindustrie als Grund allen Übels herangezogen. Inwieweit solche Medikamente überhaupt oral wirksam sind (ist das nicht beim Cutler-Protokoll die Einnahmeform?), müsste man auch mal klären (ups, hat der Streifenbär ja schon erwähnt).

Es gibt - so spontan - auch kaum kritische Stimmen zu dem Unfug. Letzteres ist es unter Garantie.
Wollte ich nur mal gesagt haben!

Streifenbär

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Re: Cutler-Protokoll
« Antwort #3 am: 22. November 2017, 02:36:22 »
Ich habe mal kurz gecheckt:

DMPS - Dimercaptopropansulfonsäure müsste infundiert werden
DMSA -  Dimercaptobernsteinsäure auch
die Alpha Liponsäure (ALA) hat eine (ernährungsabhängige) orale Bioverfügbarkeit, kommt wohl auch über die Blut-Hirnschranke

Alle genannten Substanzen haben so ihre unerwünschten "Neben-"wirkungen. Beispielsweise: würde tatsächlich ein Schwermetall im Blut und über die Bluthirnschranke mobilisiert werden, so kann es nun auf einmal auch im ZNS auftauchen und dann erst ein Problem bewirken. Eine der Substanzen kann eine Neutropenie auslösen, andere können Hautausschläge verursachen.

Wenn man sich das Cutler-Protokoll ansieht, erkennt man warum das schwierig durchzuführen ist. So soll ALA alle 4 Stunden gegeben werden, auch über Nacht. Wie soll das als alternativmedizinische Methode gehen? Also ohne Kostenübernahme der Kassen? Zitat: Chelation is done by giving ALA round the clock for several days... Auch das DMSA soll alle 4 Stunden gegeben werden. DMPS soll ausdrücklich oral eingenommen werden, mindestens alle 8 Stunden.

Dies ist eindeutig eine schwierig durchzuführende Behandlung.

Dann muss noch geklärt werden, was überhaupt verschreibungsfähig ist. Man kann nicht einfach off-label behandeln. ALA ist z.B. in Deutschland verschreibungspflichtig zur Behandlung einer diabetischen Polyneuropathie zugelassen.
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(Wolf Biermann, 1992)

Streifenbär

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Re: Cutler-Protokoll
« Antwort #4 am: 22. November 2017, 02:59:57 »
Hier noch was gefunden:   ..6 mg. of ALA (Alpha-Lipoic Acid) every 3-4 hours for 3 days.. Die Idee scheint zu sein, eine niedrig dosierte Therapie mit drei Substanzen zu machen und diese jeweils genau zur Halbwertszeit zu geben. Dann sollen 2 Tage therapiefrei bleiben.
Ansonsten findet man nichts. Habe auch keine Artikel von Cutler in den Datenbanken gefunden. Nur zwei Bücher für Normalsterbliche.

Gute Nacht!
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