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Warum ist Amerika, wie es ist?

Begonnen von Peiresc, 01. Juli 2017, 11:41:15

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Peiresc

Gerald Holton: Wissenschaft und Anti-Wissenschaft, Springer-Verlag/Wien 2000, engl. Originalausgabe "Science and Anti-Science", 1993.

ZitatEbenso unklar sind die Ursachen einer der Voraussetzungen für das Entstehen dieser falschen Ideen, nämlich des wissenschaftlichen Analphabetismus, der in den Vereinigten Staaten grassiert. Zu diesem Thema jedoch existiert umfangreiche Literatur, wir müssen hier nur auf einen Bericht des wissenschaftlichen Beraters des Präsidenten an den Kongress verweisen. (3) Die wissenschaftliche Bildung der Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten hat heute ein Niveau erreicht, bei dem in einer Umfrage "die Hälfte der befragten Erwachsenen nicht wusste, dass die Erde ein Jahr benötigt, um die Sonne zu umkreisen". (S. 8 ). (Wie wir aus anderen Untersuchungen wissen, (4) können weniger als 7 Prozent der Erwachsenen in den USA nach einer äußerst großzügigen Definition als wissenschaftlich gebildet betrachtet werden, nur 13 Prozent verfügen zumindest über ein Minimum an Verständnis für wissenschaftliche Vorgange, und 40 Prozent stimmen nicht mit der Aussage überein "die Astrologie ist ganz und gar nicht wissenschaftlich").
[...]
Dass ein so kleiner Teil der Erwachsenen in den USA als wissenschaftlich gebildet bezeichnet werden kann, in einer Zeit, in der die Errungenschaften der modernen Wissenschaft, die Leistungen der Technologie und die Auswirkungen beider auf unser Leben spektakulärer sind als je zuvor, darf nicht nur als Ironie aufgefasst werden, sondern bedarf ernsthaft einer Erklärung. Zu diesem intellektuell wichtigen Punkt kommt noch ein politischer hinzu: in einer Demokratie verlangen die Bürger, ganz egal wie schlecht sie informiert sind, zu Recht einen Platz an dem Tisch, an dem die Entscheidungen getroffen werden, selbst wenn diese Entscheidungen eine große wissenschaftliche/technische Komponente enthalten. Darin liegt das Potential für falsche Politik und schließlich soziale Instabilität. Denn, wie ich noch belegen werde, hat die Geschichte wiederholt gezeigt, dass eine Entfremdung von der Wissenschaft und von ihrem Bild der Welt in eine Raserei ausarten kann, die mit Bewegungen verbunden ist, die weitaus sinistrer sind.
[...]
Schließlich hat die Tatsache, dass zahlreiche Wissenschaftler in den USA recht prominent geworden sind, etwas in der amerikanischen Reaktion ausgelost, was vielleicht für dieses Land idiosynkratisch, aber im Grunde genommen gesund ist - nämlich Skeptizismus gegen diese und gegen jede andere Form einer starken, organisierten Autorität. Wie der kluge Politikwissenschaftler Don K. Price aufgezeigt hat, tendieren die Amerikaner zu einer bestimmten Haltung gegenüber der Wissenschaft, die ihre Wurzeln in unserer eingefleischten politischen Philosophie hat. Vom Anfang an war die vorherrschende Einstellung gegenüber jeder groß angelegten, organisierten Autorität in den Vereinigten Staaten im wesentlichen negativ geprägt, und unsere politischen Institutionen sind so aufgebaut, dass die Behauptung einer zentralisierten Autorität so weit als möglich verhindert wird. In den ersten eineinhalb Jahrhunderten der Republik wurden Wissenschaftler und Techniker als Außenseiter betrachtet, sogar als Kraft gegen die etablierte Autorität, als Herausforderer aller Dogmen und Nachfolger der religiösen Dissenters, die dieses Land gegründet hatten. Ais Joseph Priestley, ebenso unorthodox als Chemiker wie als politischer Schriftsteller und Theologe, aus England floh und der Mob sein Haus, seine Bibliothek und das Laboratorium zerstört hatte, umarmte ihn Thomas Jefferson bei seiner Ankunft als verbündeten Dissidenten gegen den König und seine Kirche. Die Wissenschaftler wurden die Erben des Glaubens an den Fortschritt.

Jedoch, sagt Price, "in der Ietzten Generation ist ein deutlicher Bruch mit dieser Tradition erfoIgt." (16). Da die Zahl der Wissenschaftler sich stark vermehrt und ihre Arbeit begonnen hat, direkt oder indirekt, unser Leben zu beeinflussen, beginnt man, sie nicht mit Dissens zu identifizieren, sondern mit Autorität. So wurden die Wissenschaftler - die diese Reaktion nur langsam wahrgenommen haben -, obwohl die Wissenschaft an sich noch immer von der Mehrheit der Amerikaner als positive Kraft gesehen wird, zunehmend das Ziel von Argwohn und Verdacht.

[....]
Auf dem Weg zu diesem Ziel haben sie [Evangelikale, Kreationisten, Fundamentalisten] von der Welt der Akademiker, Wissenschaftler oder Theologen erstaunlich wenig Widerstand erfahren. Ganz im Gegenteil, sie haben mächtige Verbündete in hohen Positionen geworben. Zu ihren Sympathisanten zählten ein Präsident der Vereinigten Staaten der 1980er Jahre; es ist belegt, dass dieser ein Weltbild hat, das offen ist nicht nur für Astrologie, sondern auch für UFOs, für Kreationismus und für einen Promilleniums-Fundamentalismus, der sich mit dem unausweichlichen Nähern eines apokalyptischen Endes in der nahen Zukunft beschäftigt. Während die Vereinigten Staaten mit den Nachwirkungen vieler dieser ideologischen Positionen werden leben müssen, war es vielleicht ein glücklicher Zufall, dass sein frohgemutes Desinteresse an einem tiefen Engagement in vielen Fragen sich auch auf diese Ansichten der Alternativwissenschaft und ihre religiös-politischen Verbindungen erstreckte; denn es ist ernüchternd, sich vorzustellen, wie anders vieles gewesen wäre, wenn er sich leidenschaftlich dafür eingesetzt hätte. Es konnte natürlich in Zukunft mit einigen Amtsinhabern ganz anders sein hier oder in einem anderen Land, das empfänglich ist für dieselbe Kräftekombination. Moores Essay endet mit der ominösen Bemerkung, dass der heutige Fin-de-siecle-Fundamentalismus und "die herrschenden Annahmen liberaler, evolutionärer Aufklärung" einander in einem Kulturkampf gegenüberstehen könnten, in dem sie "vielleicht heftig aufeinanderprallen werden, um Konsens zu mobilisieren und eine politische Ordnung durchzusetzen" (S. 64).

Prophetische Worte.

Daggi

Der Guardian stellt den Zusammenhang dar zwischen MMS

https://www.psiram.com/de/index.php/Miracle_Mineral_Supplement

https://www.psiram.com/de/index.php/Miracle_Mineral_Supplement#Beh.C3.B6rden_warnen_vor_MMS

und Trump:

https://www.theguardian.com/world/2020/apr/24/revealed-leader-group-peddling-bleach-cure-lobbied-trump-coronavirus

Mark Grenon wrote to Trump saying chlorine dioxide 'can rid the body of Covid-19' days before the president promoted disinfectant as treatment.

Marc Grenon ist einer der Betreiber der Scheinkirche Genesis II,

https://www.psiram.com/de/index.php/Jim_Humble#Genesis_II_Church_of_Health_and_Healing

die MMS als Teil einer religiösen Zeremonie verkauft. Die Verkaufs-Kirche hat mittlerweile einige anonyme Webseiten, auf der die "Sakramente" angeboten werden. Diverse so genannte Bischöfe verkaufen das von Ghana oder Paraguay aus, auch in die USA.
Der ideale Untertan der totalitären Herrschaft ist nicht der überzeugte Nazi oder der engagierte Kommunist, sondern  Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Fakt und Fiktion, wahr und falsch, nicht mehr existiert.
Hannah Arendt

sailor

Hier mal ein Video (youtube und englisch), welches sehr gut die Entwicklung von Demokraten und Republikanern und den Großen Wechsel der 70iger zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=s8VOM8ET1WU

Peiresc

Ja, warum ist Amerika, wie es ist? Ein wenig ,,Normalisierung", Einordnung bietet Julian Sanchez in seinem Twitter-Thread.
https://twitter.com/normative/status/1298738662532935681
Warum prallen alle Enthüllungen über Trump bei seiner Klientel ab? Sie sind immunisiert. Die schlechten Nachrichten können als ,,Fake News", ,,Deep State" oder als ,,The Swamp" neutralisiert werden. Wenn das durchbrochen werden kann, dann am ehesten von innen.

Eine ähnliche Ansicht habe ich mal selber formuliert, hier.
https://forum.psiram.com/index.php?topic=16737.msg232948#msg232948

Flankierend dieser Thread von Seth Cotlar
https://threadreaderapp.com/thread/1181988506056290304.html

celsus

Zitat von: Peiresc am 27. August 2020, 16:55:05
Ja, warum ist Amerika, wie es ist? Ein wenig ,,Normalisierung", Einordnung bietet Julian Sanchez in seinem Twitter-Thread.
https://twitter.com/normative/status/1298738662532935681

Sehr interessant, deshalb hier im Volltext:

Zitat
So, years ago I quite accidentally injected the phrase "epistemic closure" into political discourse. This became a buzzword for five minutes, but a lot of people misunderstood it as effectively just a pretentious synonym for "stuck in an echo chamber" or "closed-minded." And that's not quite how I originally used the phrase (which at the time thought was just... two words used descriptively, not some new buzzword). Originally, I used it to mean you had an *ideology and media ecosystem* that would enable you to reject new contrary information.

So an "echo chamber" just means you never hear any contrary information. The idea of "epistemic closure" was that you WOULD hear new and contrary information, but you have mechanisms in your belief system that reject anything that might force you to update your beliefs. So, for instance, if someone believes that the Illuminati control the world, and that any evidence AGAINST this hypothesis was manufactured by the Illuminati to hide their existence—proving their power and influence—that's more what I meant by "epistemic closure." I bring this up now, because the Trump ecosystem has developed a pretty sophisticated set of epistemic closure mechanisms that work to reject new information that might otherwise pose a problem.

It is extraordinary, and as far as I know unprecedented, how many of Trump's own former appointees & senior officials have come out to say "this guy is unfit for office, and in fact a serious threat to U.S. national security." You'd think people might find that hugely alarming. This doesn't seem to give supporters much pause, though. Not (just) because they don't become aware of it, but because there's a mechanism that enables supporters to reject this sort of testimony out of hand: The "Deep State." If the "Deep State" is part of your belief system, the testimony of these officials doesn't affect your confidence in Trump's competence; it proves how threatening he must be to the wicked network determined to undermine his presidency.

Ditto "Fake News." Plenty of news every day calling into question Trump's honesty, competence, decency, etc. But if "Fake News" is part of your belief system, the sheer volume of this actually works to validate his claim that media elites are hopelessly biased against him.

Ditto "The Swamp": If people who were once widely respected conservative thinkers or elected officials are appalled by Trump, their stature is converted from a reason to take them seriously into a reason to discount them: They don't want their cushy position disrupted.

I think these overlapping mechanisms are pretty critical to the resiliency of Trump support among his admirers, despite a constant flow of new information that, to the rest of us, counts as overwhelming and ever-clearer proof of his radical unfitness. It's not that they never encounter any of this information, but that there are mechanisms in place that effectively judo-flip it into confirmation of the preexisting narrative, rather than new contradictory data. I'm not sure what you do about this, but to the extent Dems political messaging is aiming at chipping away at that base—rather than just turning out more of their people—it needs to factor in, and maybe even focus on—those closure mechanisms.

One thing worth considering is that closed belief systems like this tend to be strong but brittle. That is, it's hard to make a crack in the firewall, but if you DO make a crack, often the whole edifice crumbles with surprising speed. And the crack can be something small. I remember hearing a talk by a North Korean refugee who wholeheartedly bought into the state's propaganda—and when his mother was arrested for crimes against the state, he took for granted she HAD to be guilty... until he noticed one small and indisputable error in the charges. The government claimed she was in one place (at a dissident meeting or some such) at a time and date when he knew for certain she hadn't been. And once it was clear the state COULD make mistakes, everything else was suddenly in doubt. ("Whataboutism" is one of the mechanisms that works against the formation of minor cracks: If you're in danger of having to concede a point, you change the subject, then develop localized amnesia about the near-concession.)

Honestly, it probably doesn't make sense for *political campaigns* to waste too much effort messaging to the true believers, but for friends & family who still have the energy to argue, it's worth thinking about how to target the closure mechanisms—the ideological immune system. If you try to attack the Trump-belief Death Star head on, your arguments are just going to bounce off the force field. You need to take out the shield generator first. I don't know how you do that, but maybe folks who've had some success can offer what worked for them.

Final thought: Are there sources of authoritative information that DON'T have a closure mechanism—an ideological T-cell—set up to neutralize them in the Trumpist narrative? There's a T-cell for media, intelligence agencies & national security officials, Republican incumbents... They've covered the bases pretty well, frankly—there's a prefabricated "you can disregard this because..." mechanism for the obvious sources of contrary information. But if there's one they've missed, that might have some luck until they can construct a counternarrative.
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

PeterPan

Ein gutes Beispeil für "Warum ist Amerika, wie es ist?". Ein Interview mit einem Sheriff aus Michigan zur geplanten Entführung von Governor Whitmer und den Personen die es geplant haben. Er war mit den Brüdern, die die Entführung geplant haben auf einer gemeinsamen Demonstration.

Ich bin ein wenig so frei und zitiere den passenden Ausschnitt zu dieser Situation.
https://forum.psiram.com/index.php?topic=15175.msg243245#msg243245
Zitat von: sailor am 23. Mai 2020, 14:25:27
...Rechtlosigkeit meint hier die mangelhaft entwickelte Ausübung zentralisierter, bürokratisierter Gewalt im ländlichen Raum. Das beginnt bei den Hexenprozessen von Salem, geht über den "Wilden Westen" bis hin zur Lynchkultur im Süden und dem was man in "Rambo I" bestaunen kann. In viele Gebiete hat die jeweilige Landes- und Bundesmacht (im Sinne von Exekutive und Judikative) nie wirklich hinein gewirkt. Dort waren/sind Sheriffs und Laiengerichte an der Tagesordnung, was die Wahrnehmung von Freiheit und Recht zur europäischen oder urbanen Wahrnehmung hin verschiebt...


Zitat"It's just a charge, and they say a 'plot to kidnap' and you got to remember that. Are they trying to kidnap? Because a lot of people are angry with the governor, and they want her arrested. So are they trying to arrest or was it a kidnap attempt? Because you can still in Michigan if it's a felony, make a felony arrest," Leaf said.
https://www.fox17online.com/news/local-news/michigan/man-charged-in-plot-to-kidnap-whitmer-shared-stage-with-west-michigan-sheriff-at-rally
Zitat"Sheriff Dar Leaf's supposition that the act was not a kidnapping of Governor Whitmer but a citizen's arrest has to be understood in the historical context of citizen's arrests," he explained. "Originating from 13th century England, the precept followed to the colonies, including America, which many states used to justify slave patrols, wherein private citizens or, as here, militias, were empowered by the state to arrest and forcibly seize slaves to return them to their owners."
https://lawandcrime.com/crazy/michigan-sheriff-defends-man-suspected-of-planning-whitmer-kidnapping-conspiracy-during-wild-interview/

celsus

Die Situation hat sailor sehr treffend beschrieben.

Was ich mich aber frage: Gab es mal eine zivilisiertere Zeit in den USA und fallen die gerade wieder in den frühen wilden Westen zurück oder war die Lage schon immer so, wurde aber von einem halbwegs zivilisiert wirkenden Firniss zumindest nach außen hin überdeckt?
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

sailor

Hmm gute Frage. Ich denke gerade darüber nach. Definitiv zivilisierter wars in den USA vor 1492^^

Spass beiseite. Wirklich zivilisiert waren die USA nie. Bis in die 20/30iger Jahre hinein waren die Küstengroßstädte aufgrund der verschiedenen Migrationsbewegungen (intern wie extern) ziemliche Höllenlöcher. Große Teile jenseits der Appalachen und der Rockies waren dünn bis sehr dünn besiedelt, Infrastruktur (materiell wie staatlich) im europäischen Sinne fehlte oft. Die "alten" Ballungsgebiete im Inneren, wie entlang der Großen Seen waren Ausnahmen, die "neuen" Ballungsgebiete im Süden und den südlichen Küsten benötigten die Klimaanlage, um zu entstehen. Mit dem New Deal und vor allem den Rüstungsprogrammen des WK 2 und des Kalten Krieges bildeten sich "Binnenkerne". Darüber hinaus machte die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft das Farmerleben leichter (aber selbst heute noch ist dort Kinderarbeit nicht unüblich: https://www.dw.com/de/kinderarbeit-im-reichsten-land-der-erde/a-6314791 https://www.humanium.org/de/kinderarbeit-in-den-usa/). Aber wirklich angeglichen haben sich die Lebensverhältnisse nur punktuell, dazu sind die USA zu groß und staatliche Eingriffe/Entwicklungspläne verpönt. Ein schönes Beispiel, wie sowas funktionieren kann ist die Tennessee-Valley-Authority https://de.wikipedia.org/wiki/Tennessee_Valley_Authority. Die grundlegenden Spannungen und divergierenden Mentalitäten zwischen ruraler und urbaner Bevölkerung wurden nie überwunden. Mit dem Aufkommen der Suburbs wurde in meinen Augen ein dritter Pol geschaffen, der sich von beiden Seiten Teile genommen hat, aber zu keinem richtig gehört. Im jetzigen Wahlkampf merkt man, dass dieser Pol eine wichtige Basis Trumps ist, in meinen Augen deshalb, weil die Suburbs genau wie Trump eine Travestie der urbanen wie ruralen Werte sind: Man gibt sich ländlich-konservativ, ohne auf die Annehmlichkeiten der "Stadt" verzichten zu wollen. Man will nur das jeweils "Angenehme" ohne die Nachteile und Trump verspricht das. Dabei merkt man in den Suburbs nicht, dass man genau zwischen den "alten Fronten" sind, ein Farmer aus dem Shenadoah-Valley würde jedem Suburbi ins Gesicht spucken... genau deshalb gibt es auch immer noch Konservative, die von Trump nix bis gar nix halten. Auf diese Spaltung nach 2 Seiten setze ich meine Hoffnung für die Wahl. Denn in einer Sache sind sich die ruralen Konservativen und die progressiven Urbanen einig: Die Verfassung geht vor und Trump schei*t auf die, genauso wie auf Institutionen (wie bsw. die Streitkräfte).

Peiresc

In meiner lokalen Tageszeitung lese ich, dass sich die Biden-Anhänger und die Trump-Anhänger in ihrer Wut nicht unterscheiden würden.

Ich mach' mal ein Vollzitat eines Twitter-Fadens.
https://twitter.com/RomancingNope/status/1324362906079809543
ZitatCate Eland:

I find the concept of a left-wing ideological bubble really strange. All of us have worked for right-wing bosses or have right-wing neighbors or encounter right-wing folks in grocery stores, restaurants, parks, libraries. For white folks, we often have a lot of right-wing family.

While we might not know the nitty gritty of every right-wing conspiracy theory, we know the broad strokes of how right-wing folks think. We know they get their information from conservative media, church, and suspect sources on social media. If you're white, you especially know what right-wing folks say behind closed doors. You know that their concerns about the economy and socialism are really panic that Black and brown people are going to get a piece of THEIR pie, move into THEIR neighborhoods, and take THEIR jobs.

If you're not white, you STILL know what right-wing folks say behind closed doors, because racists aren't subtle and BIPOC have been living despite white people's hatred for centuries.

The left isn't in an ideological bubble. There are too many white people in too many places with too much power to avoid being exposed.

When I say the Trump right is a bunch of racists, I'm talking about my aunts, my uncles, my cousins, the folks I grew up with.

I'm not calling them racist because I'm an elite who doesn't know what they REALLY think. I say this because I'm from a rural white community in the Bible Belt. Because I see the shit they post on Facebook. Because I've been arguing with them since I was 8 years old.

What I can tell you, though, is that folks on the right? They DO live in a bubble. They live in rural communities where the vast majority of people are white, attend 1 of the 3 churches, never live anywhere else and have had family living in the same community for generations.

What news they consume comes exclusively from right-wing sources and increasingly comes not from any even remotely reputable journalistic organization but from memes posted to social media from accounts run by god knows who.

I try to have a conversation with my family members on the right, and they are SO disconnected from reality. 90% of it is me going, "That never happened," and "That's not a thing," and "Where did you hear that?" and "That's not a credible source of information."

And like, they know ME, but I'm just that one CUH-RAZY LIBRUL living in Austin. As far as they're concerned, I'm an idiot who got too much book learning and therefore know nothing about the real world, which to them, extends to their city limits signs and Facebook account.

There is no world for them outside of rural America. When 70% of your community thinks the same way you do, and you NEVER leave your community, not even online, you hear your own beliefs repeated back to you at work, at school, at church, at high school ball games, at Walmart.

You never meet new people or are exposed to new ideas or have your misconceptions challenged. What's more, there's a deep suspicion of everyone outside your community--even people who live just a few miles down the road--so new people and information are rejected out of hand.

My parents grew up in two small towns in rural Texas about 5 miles apart. I was born and lived in a small city about 20 miles from both of them. Then when I was 4, my mom got a teaching job in another small town 13 and 15 miles from where my folks grew up. I went to school in that small town from kindergarten to 12th grade and lived there from 6-18. My mom was a teacher. My dad worked at the same major employer that 75% of the other kids' parents worked at.

I never stopped being an outsider there.

And it's like for conservatives all over the country. Even conservatives from more suburban areas tend to live in majority white neighborhoods and attend majority white churches and send their kids to majority white schools.

Hardly anyone on the left is able to avoid people like this, whether because they're white and grew up in communities where conservatism was the norm OR because they're BIPOC [Black, Indigenous, People of Color] who have always had to interact with white folks to live.

Conservatives live in a bubble, and what's more, they CHOOSE to live in a bubble. They don't want out, and they certainly don't want to let other people in. They don't want to be around Those People, and they don't want to hear about Radical Ideas.

The folks on the left don't live in a bubble. That doesn't mean, of course, that there's not plenty of racism and bigotry to go around on this side of the diving line. But we simply CAN'T live in a world free of right-wing folks.

They work very hard to live free of us, though.

And while conservatives "living free" of white folks on the left largely means just ignoring and dismissing us, their desire and efforts to live free of BIPOC--except as a servant class--has been a 400-year-long project of violence and cruelty.

Focus on THAT bubble.

Juliette

Gestern habe ich gehört (weiß nicht mehr wo - Nachrichten ÖR oder Panorama oder Wahlsendung ÖR), dass vor ein paar Jahren für 7 - 8% der US-Bürger laut einer Umfrage Gewalt ein akzeptiertes und als notwenig angesehenes Vorgehen in politischen Belangen ist. Inzwischen ist dieser Anteil auf etwas über 30% gestiegen. Kann aber jetzt leider mit keinem Link dienen.

sailor

Würde mich nicht wundern. Trump hat sich ja mit "Gewalt" durchgesetzt und der Verschwörungsquatsch um Q hat Gewalt immer im Fokus gehabt. Im Grunde ist Gewalt immer dann ein "Weg", wenn Worte fehlen... oder überhaupt Gesprächsgelegenheiten. Die Spaltungen in USA und GB (Brexiteers/Remainers) führen zu dieser Sprachlosigkeit zwischen den Seiten. Biden muss nun diese Worte finden, um die Seiten wieder an den Tisch zu holen. Die BLM-Bewegung und die schwarze Bürgerrechtsbewegung ist da ein guter Ansatzpunkt, mit einer massiven Reduzierung der Demos (und damit verbundenen "bösen" Bilder) könnte er die Trumpansen denen "Sicherheit" wichtig ist wieder beruhigen. Auch könnte er bei der Einwanderung mit präzisen Vorgaben und Programmen beide Seiten bedienen. Die Welten liegen gar nicht so weit auseinander, sie wurden von Trump und einigen radikalen "Linken" verbal auseinandergedrückt.

Peiresc

Hier noch ein tieferer Blick in die Landschaft. Ich zitiere nicht komplett.
https://twitter.com/mattsheffield/status/1324908316548493313
(es sind noch ein paar mehr Details und ein paar Links drin)

ZitatMatthew Sheffield
As a former conservative activist and journalist, it has been so frustrating to see my former compatriots spreading wild and unchecked claims about "voter fraud."

I eventually realized that most people who run right-dominated media outlets see it as their DUTY to be unfair and to favor Republicans because doing so would some how counteract perceived liberal bias.

People ask sometimes if conservative media figures like Sean Hannity or anyone associated with the Federalist could actually be so credulous as to believe unfounded and non-specific allegations of "voter fraud." But the reality is that they don't actually even think that far. Truth for conservative journalists is anything that harms "the left." It doesn't even have to be a fact. Trump's numerous lies about any subject under the sun are thus justified because his deceptions point to a larger truth: that liberals are evil.

This assumption is behind all conservative media output. They never tell you what their actual motives are. Most center-left people don't realize just how radical many conservative elites are, largely because they don't wear it on their sleeves. Just as a for-instance of this point, most people have no idea that the top two Trump White House figures, Mike Pence and Mark Meadows, think that biological evolution is a lie.

This is an extraordinarily dangerous viewpoint in light of the SARS2 coronavirus epidemic because the entirety of virology and epidemiology is based on evolution. If you think it's "fake" then you'll believe ludicrous nonsense like "herd immunity."

The same thing is happening with right-wing media and specious claims of voter fraud. Conservatives are willing to believe them even if there is no evidence, simply because anything negative about liberals is true. This mentality extends to the very highest ranks.

Dieser Konservatismus ist eine Religion, eine manichäische, zerstörerische Ideologie: Wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen, die Ursache für alles Übel in der Welt sind. Es ist alles richtig, was unseren Interessen (oder unseren ,,Interessen") dient, genau wie im Marxismus-Leninismus wahr und richtig war, was ,,den Interessen der Arbeiterklasse diente".

Vgl. noch hier
https://forum.psiram.com/index.php?topic=16737.msg232948#msg232948
oder hier
https://forum.psiram.com/index.php?topic=16406.msg226014#msg226014

celsus

ZitatBiden will inherit an angry, polarised country reeling from a third wave of the coronavirus pandemic and its attendant economic crisis.

To add to all this, Biden's predecessor is not likely to go quietly, or ever truly concede that he lost.



https://twitter.com/thetimes/status/1325762537732845581
The best thing about science is that it works - even if you don't believe in it.

Peiresc

Eines der Rätsel, das mir immer noch nicht klar ist: wie können sich die Amerikaner dazu verstehen, gegen eine allgemeine Krankenversicherung zu sein? In keinem zivilisierten Land der Welt gibt es das, Sozialismus hin oder her. Jeder wird mal krank, und alle müssen wir irgendwann sterben. Diese schlichte Erkenntnis kann doch auch nicht an den einfachen, hart arbeitenden Menschen im mittleren Westen oder in den Südstaaten vorübergegangen sein.

Hier eine mögliche Antwort. Sie sind nicht gegen Kranken- und Rentenversicherung. Sie sind gegen etwas anderes:
ZitatWhen the Tea Party movement emerged in late 2009, University of Washington's Christopher Parker and I closely studied the group's opinions and motivations. Our book documented how the election of Barack Obama ushered in a new, diverse America that many whites were uncomfortable with. It was not the price tag of Obama's health care plan they opposed; Tea Party supporters loved government spending on Social Security and Medicare. It was what Obama's health care plan represented: providing equitable access, through government backing, to Black, Latino, Asian and immigrant communities in America.
https://www.politico.com/news/magazine/2020/11/19/roundup-what-trump-showed-us-about-america-435762

HAL9000

Zitat von: Peiresc am 24. November 2020, 17:55:57... Hier eine mögliche Antwort...
Pfuh, das ist aber schon etwas harter Tobak: Die weißen Gegner einer Kranken- und Rentenversicherung sind Rassisten.
Nichts anderes sagt dieser Versuch einer Begründung. Oder sehe ich das zu hart.