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Bob Dylan und der Nobelpreis

Begonnen von Peiresc, 29. Oktober 2016, 10:05:30

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Peiresc

And now for something completely different.

Die wenigen Texte von Bob Dylan, über die ich bisher nachgedacht habe, waren keineswegs nobelpreisverdächtig. Insofern kommt mir seine Zurückhaltung, in frenetischen Jubel auszubrechen, durchaus berechtigt vor.

Welchen Text von Bob Dylan findet ihr richtig, richtig gut?

Groucho

Zitat von: Peiresc am 29. Oktober 2016, 10:05:30
Welchen Text von Bob Dylan findet ihr richtig, richtig gut?

Like a rolling stone in der Fassung von Wolfgang Ambros:

https://www.youtube.com/watch?v=d08XVPZvRsA

8)

Edit:
Ulrich Elkmann berichtet fachkundig über das Phänomen Dylan:
https://zettelsraum.blogspot.de/2016/10/his-bobness.html

ZitatAber reicht das für einen Nobelpreis?
Wohl nicht. Aber wenn man die Reihe der Ahnenporträts abschreitet, die in diesen Klub gewählt worden sind, stellt man schnell fest, daß man vielen begegnet, bei deren Wahl es schon seinerzeit hieß, mit ihnen würde dieser Preis verhöhnt und zu einer Parodie seiner selbst. Seit den jüngsten Zeiten: von Paul Heyse und Maurice Maeterlinck bis zu Dario Fo und Gao Xingjian. Vielleicht ist es, dem sich wandelnden Zeitgeist gemäß, das Gegenteil von "Nicht Hilfreich", sich daran zu erinnern, daß man durch nichts, schlicht nichts, dazu gezwungen ist, so etwas zur Kenntnis zu nehmen oder sich gar verpflichtet fühlt, die Bücher, Texte, oder gar die tagespolitischen Einlassungen dieser Menschen wahrzunehmen. Anders als bei Verkehrsregeln darf solches unter "unverbindliche Empfehlungen" abgeheftet werden.

ZitatIn der Rückwirkung auf die Verursacher dieser anlaßgebenden Texthalden kann man, als Ausgleich, feststellen, daß die Vergabe des Preises bei gar nicht wenigen, ob der Ernennung zum vermeintlichen Weltorakel, zu einem Verstummen geführt hat: vielleicht auch aus Furcht, an der imaginären Meßlatte, die das mit sich bringt, gnadenlos scheitern zu müssen. Zumal Lyriker scheint es hier getroffen zu haben (bei dieser Spezies handelt es sich, hier stimmt das Klischee ausnahmsweise einmal, durch die Bank um sehr empfindliche Pflanzen, die sich fortlaufend in der Gefahr sehen, sich in den Augen des lesenden Publikums mit ihrem Treiben lächerlich zu machen): Seamus Heaney, Derek Walcott und Wylsawa Szymborska etwa sind nach der Preisverleihung praktisch verstummt, und Joseph Brodsky hat sich auf leichte englische occasional verses und die Bündelung seiner früheren Gedichte beschränkt. Dylan, der neben all den vielen Rollen und Verlarvungen, mit denen er sich präsentiert hat und die sich durch eine fatale Ununterscheidbarkeit unterscheiden, war auch, spätestens seit seinem Abschied von der Moderne, immer nicht nur der Darsteller der Figur "Bob Dylan", sondern auch die Parodie davon. Die erste Schallplatte, die rundum von allen Hörer, egal mit welchem Wohlwollen sie ihm gegenüberstanden, unisono in den Orkus der Machwerke verbannt wurde, war "Self Portrait" von 1971: eine Sammlung schlecht und uninspiriert zusammengekrächzter Coverversionen (unter anderem eine unglaubliche Version von Simon and Garfunkels "The Boxer", die schlagend beweist, daß man mit genügend Entschlossenheit sogar diese unsterbliche Melodie schlachten kann). In den "Chronicles" taucht die Klarstellung ist, es handele sich hier um ein absichtsvoll mißratenes Unternehmen: um den Versuch, seine Fans abzuschrecken, ihnen den Star, bei ihm handle es sich um den unfehlbaren Messias am Pophimmel, brachial zu stechen. Dylans letzte Alben, Christmas in the Heart (2009), Shadows in the Night (2015) und Fallen Angels (2016), reihen sich in diese Parade leider nahtlos ein. Vielleicht bringt der Preis die kathartische Wirkung mit sich, daß uns für de Zukunft weitere Alben erspart bleiben.

Sauropode

Zitat von: Peiresc am 29. Oktober 2016, 10:05:30
And now for something completely different.

Die wenigen Texte von Bob Dylan, über die ich bisher nachgedacht habe, waren keineswegs nobelpreisverdächtig. Insofern kommt mir seine Zurückhaltung, in frenetischen Jubel auszubrechen, durchaus berechtigt vor.

Welchen Text von Bob Dylan findet ihr richtig, richtig gut?

Wieso Texte? Man wollte ein ZEICHEN setzen!

lanzelot

Zitat von: Peiresc am 29. Oktober 2016, 10:05:30
Die wenigen Texte von Bob Dylan, über die ich bisher nachgedacht habe, waren keineswegs nobelpreisverdächtig. Insofern kommt mir seine Zurückhaltung, in frenetischen Jubel auszubrechen, durchaus berechtigt vor.
Welchen Text von Bob Dylan findet ihr richtig, richtig gut?
Keiner dabei, dem ich eine besondere Würdigung zugetraut hätte. 
Möglicherweise sieht das Dylan genauso und hat so lange überlegt, was das jetzt soll.
Candid Camera

Das ist Obama-like, bis heute weiß keiner so genau, warum der einen Friedensnobelpreis bekommen hat.
Für viel Geblubber und warme Worte?

Peiresc

Zitat von: Groucho am 29. Oktober 2016, 10:17:24
Like a rolling stone

Ich mag viele seiner Lieder, dieses auch; nicht wegen seines Textes. Ich weiß, was mich an diesem Text stört. Er ist nur rachsüchtig.

Ohne Mitgefühl. Immer nur die Vorstufe.


Groucho

Zitat von: Peiresc am 29. Oktober 2016, 10:43:47
Zitat von: Groucho am 29. Oktober 2016, 10:17:24
Like a rolling stone

Ich mag viele seiner Lieder, dieses auch; nicht wegen seines Textes. Ich weiß, was mich an diesem Text stört. Er ist nur rachsüchtig.

Ohne Mitgefühl. Immer nur die Vorstufe.

Die enttäuschte Liebe halt. Bemerkenswert kompromisslos umgesetzt.

MrSpock

Da finde ich die Texte von Pink Floyd, eher gesagt von Roger Waters, preisverdächtiger.

Es gibt da eine gute Seite, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Texte in die deutsche Sprache zu übersetzen. Hilft beim Studieren, vor allem wenn es sich um umgangssprachliche Stilblüten handelt, die man nicht in der Schule beigebracht bekommt.

Bleibt die Erkenntnis: There's someone in my head, but it's not me!

http://www.pinkfloyd-forum.de/lyrics/index.asp
Von allen Seelen, die mir begegnet sind auf meinen Reisen, war seine die menschlichste. (In Memoriam Groucho)

Zitat aus Star Trek II.

Peiresc

Nachtrag. Der große Poet schreibt nicht, sondern klickt zusammen (seine Nobelpreisrede, eine lästige Pflicht für 850.000 Piepen). Und er liest nicht, sondern lässt lesen.

Zitat
Across the 78 sentences in the lecture that Dylan spends describing Moby-Dick, even a cursory inspection reveals that more than a dozen of them appear to closely resemble lines from the SparkNotes site. And most of the key shared phrases in these passages (such as "Ahab's lust for vengeance" in the above lines) do not appear in the novel Moby-Dick at all. [...]
http://www.slate.com/articles/arts/culturebox/2017/06/did_bob_dylan_take_from_sparknotes_for_his_nobel_lecture.html