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IS-Terror: wie könnte es weitergehen?

Begonnen von Yadgar, 20. November 2015, 12:33:37

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Yadgar

Hi(gh)!

Ich bin drauf und dran, mich von der allgemeinen Angstmache anstecken zu lassen... gestern beim Einkaufen im "Rewe" vor mir in der Warteschlange ein korpulenter Mann (Wampe? Sprengstoffgürtel!) mit rötlichem "Salafistenbart" (nicht wirklich lang, aber eben mit freirasierter Oberlippe), der plötzlich zur Tiefkühltruhe geht und dort eine ganze Weile verharrt, zwischendurch etwas in sein Smartphone tippt - ich rechnete sekündlich damit, dass es einen ohrenbetäubenden Knall, einen Lichtblitz geben und dann für immer schwarz um mich werden würde.

Und so abwegig ist die Vorstellung, dass jetzt nach Stadien und Restaurants auch Supermärkte Anschlagsziele werden könnten, nicht - oder? Was mögen in der "Dar al-Harb-Abteilung" des IS an Strategien überlegt werden? Großanschläge mit möglichst vielen Toten an symbolischen Orten in europäischen Hauptstädten (dann wäre meine Heimatstadt Köln - erst einmal - aus der Schußlinie)? Oder viele kleine Anschläge mit jeweils wenigen Opfern an im Prinzip beliebigen Orten, womöglich per Zufallsgenerator ausgewählt, also etwa einsame Waldspaziergänger aus dem Hinterhalt abknallen, irgendwelche Passanten in Dörfern, Klein- oder Mittelstädten per Drive-by-shooting niedermähen, oder womöglich sogar Menschen frühmorgens in ihren Wohnungen überfallen und abschlachten? Erstgenannte Strategie würde dauerhaften Medienfokus bewirken (erst recht, wenn dabei in Zukunft auch, wie französischerseits bereits explizit befürchtet, nicht-konventionelle Waffen zum Einsatz kommen!), sich aber auf das subjektive Bedrohungsgefühl des westlichen Durchschnittsmenschen nicht so verheerend auswirken wie letztere: wir können überall und zu jeder Zeit zuschlagen, niemand ist noch irgendwo auf diesem Planeten sicher!

Was glaubt ihr - welchen Weg wird der IS einschlagen?

Bis bald im Khyberspace!

Yadgar

Groucho

Terror folgt wie alle Geschäfte ökonomischen Prinzipien, wenn die "Manager" dahinter Strategen sind, wovon man ausgehen kann. Sprich, Investitionen sollen einen möglichst hohen Ertrag haben. Auch ein IS hat keine unbegrenzten Ressourcen. Im Gegenteil. Man mag genug Verrückte finden, die bereit sind, sich in die Luft zu sprengen, aber welche, die zudem noch über die Intelligenz und das Know-How verfügen, ihren Plan unentdeckt zum Ende zu bringen, die findet man auch nicht an jeder Ecke. Man wird also Ziele auswählen, die eine möglichst große Angstwirkung verbreiten. Dazu gehören viele Tote. Dass sich jemand im Edeka um die Ecke in die Luft jagt, ist eher unwahrscheinlich.

Ansonsten muss man erstmal mit dem Ganzen leben, unsere Insel der Glückseligen ist halt gerade ein bisschen weniger glückselig. Das allgemeine Lebensrisiko wird sich dadurch kaum erhöhen. Fahren wir mit dem Auto zum Einkaufen, denken wir auch nicht dauernd daran, dass gleich ein tödlicher Unfall geschehen könnte. Um sich da bisschen zu erden, sollte man mal nach Israel schauen, dort leben die Leute seit Jahren mit um Größenordnungen höherer Gefährdungslage. Nicht schön, aber es geht.

forenschlaefer

kam gestern auf meiner Browserstartseite:
http://www.sueddeutsche.de/politik/terror-in-paris-der-is-ist-schwaecher-als-wir-denken-1.2741065

Zitat
Was die Paris-Anschläge aber besonders macht, das ist ihre Komplexität und Koordinierung. Es waren eben keine Einzelkämpfer-Anschläge. Sie scheinen vielmehr vom IS organisiert und gelenkt worden zu sein. Damit erinnern sie an die Übersee-Operationen der al-Qaida. Diese aber haben die Führer des IS bisher immer verdammt. IS-Ideologen haben organisierte Gewalt immer gegen einen nahen Feind gerichtet, vor allem gegen Schiiten und Agenten "abtrünniger" arabischer Regierungen wie Irak oder Saudi-Arabien.

Große und koordinierte Angriffe in fernen Ländern sollten vermieden werden, weil sie häufig massive Vergeltungsschläge und den Verlust von Territorium zur Folge hätten. Die IS-Führer haben al-Qaida immer wieder für ihre Anschläge vom 11. September 2001 kritisiert, weil danach nicht nur die Bewegung in Afghanistan vernichtet wurde, sondern auch ihr Gastgeber, das Taliban-Regime. Angriffe auf ferne Ungläubige gehörten nicht zu den Prioritäten, weil Feinde wie die Schiiten sehr viel näher und gefährlicher sind.

[...]

All das erklärt, warum der IS mit seiner bisherigen Politik gebrochen hat und Angriffe an einem Ort wie Paris startet. Der IS wirkt zunehmend wie ein hoffnungsloser Fall und muss sich im Zentrum des Weltgeschehens neu positionieren, um neue Rekruten anwerben zu können. Die Propagandamaschine braucht dringend neue "Erfolgsgeschichten". Die täglichen Verlautbarungen im Al Bayan Radio zeigen das ganz deutlich. Sie bestehen aus endlosen Aufzählungen von Siegen an allen Fronten, mit detaillierten Verlusten beim Feind und keinen beim IS.

Das erinnert an die Radiopropaganda der Nazis oder Sowjets - weiter, vorwärts, kein Rückzug, keine Kapitulation. Dem IS fehlt es nicht nur am Selbstbewusstsein, die Wahrheit zu vermelden. Für einen selbsterklärten Staat von Gottes Gnaden kann es nur Siege geben, niemals Niederlagen. Da liegt die Achillesferse des IS, denn mit Verlusten verliert er an Reiz.

die Pariser Attentate als Äquivalent zum totalen Krieg und Volkssturm. Nachdem der beliebteste deutsche ohrenkrebsauslösende real gangsta rapper Deso Dogg und andere führende Köpfe wie Dschihadi John und kp mehr wer alles gelyncht sind und der IS auch sonst durch die Luftangriffe, Kurden und what weiß ich was da noch alles unten lämpft an Boden verliert, sehen die ihr Heil wohl nur noch in sozusagen krassen PR stunts. Laut Autor müssten wir uns in nächster Zeit auch auf mehr Anschläge einstellen.

Sauropode

Ich habe keine Ahnung, ob wir uns nur vor einem Popanz fürchten. Die Medien liefern derzeit kein reales Bild. Folgt man der Berichterstattung, lauert gefühlt an jeder Straßenecke eine düstere, bärtige Gestalt, die es auf unser Leben abgesehen hat.....

Was den Islamismus angeht, denke ich, wir haben einen langen Kampf vor uns (klingt jetzt martialisch), denn außer dem IS gibt es noch Boko Haram und Al Schabab, die zwar "nur" in Afrika ihr Unwesen treiben, dort aber an Boden gewonnen haben und einen enormen Blutzoll fordern. Und wenn uns das Schicksal der Syrer so am Herzen liegt, dann bitte sollen wir so ehrlich sein, auch das der Menschen in Nigeria, Mali, Somalia, Tschad usw. ernst nehmen und entsprechend handeln. Sicher sind die Truppenteile da nicht so vermögend wie der IS mit seinen reichen Gönnern vom Golf, was die da aber so anrichten, so ganz ohne die Aufmerksamkeit unserer Empörungskultur, ist einfach nur zum Kotzen.

Groucho


Sauropode


Groucho

Zitat von: Sauropode am 20. November 2015, 15:28:17
Hm, ich kann kein Ausländisch.  :-[

"Sie haben die Waffen. Wir scheißen drauf. Wir haben den Champagner" (so grob)


Groucho